~Wie durch Magie~
Anmerkung: Nur meine Figürchen gehören mir, so wie schon die ganze Zeit über! (Auch wenn ich sehr gerne die Rechte für alles andere hätte und reich am Strand liegen würde.) Ich weiß nicht ob sie das je lesen wird aber dieses Kapitel ist einer guten Freundin von mir gewidmet, die mich damals erst zum schreiben brachte, sodass ich mit meiner allerersten Story begann, die im Harry Potter Universum spielte. Sie wird sich schon angesprochen fühlen ;)
Ich dachte, das ich schon einmal darüber gelesen hätte. Ein starkes Ziehen am Bauchnabel und ein Gefühl, das es dich nach vorn reißt als Nebenwirkung eines Transportmittels. Keines gewöhnlichen, es war irgendwas magisches, aber ich konnte mich nicht mehr daran erinnern was es genau war.
Zur Abwechslung wurde ich nicht mit irgendwas harten oder muffig, dunklen begrüßt, sondern mit einer weichen Decke, die sich an meinen Körper schmiegte. Obwohl ich die Augen geschlossen hatte, nahm ich das weiche Sonnenlicht war, das durch meine Lieder schien. Ich hatte wohl gerade geschlafen, recht gut sogar, und war nun dabei aufzuwachen. Könnte ich doch nur auch aus diesem Welten wechselnden Alptraum erwachen...
Als ich endlich die Augen öffnete begrüßten mich rote Vorhänge, die rings herum um mein Bett gespannt waren. Etwas ungewöhlich vielleicht, aber ich dachte mir im ersten Moment nichts dabei. Langsam richtete ich mich auf und besah die Decke, die aus bunten Flicken zusammen gesetzt war und mein Oberteil, das dunkelgrün war und überhaupt nicht zu den warmen Farben der restlichen Gegenstände um mich herum passten. Einen Spalt breit schob ich den Vorhang zur Seite, gerade so viel um durchschauen zu können. Man wusste ja nie, was einem erwartete. Gerade ich wusste es nicht mehr. Ich hätte auch genau so gut im Dschungel landen können. Aber ich war jetzt "Ihre" älteste Figur, rief ich mir ins Gedächnis zurück. Was das bedeutete war klar, wo ich jetzt gerade war jedoch nicht. Durch den Spalt konnte ich zwei weitere Betten entdecken, die meinem gegenüber standen. Bei einem waren die Vorhänge komplett zurück gezogen und zeigten sauber zurecht gemachte Lacken, das andere war noch voll verhüllt und schnarchte. Besser gesagt der Besitzer dieses Bettes schnarchte, und das auch noch herzhaft. Dieses Geräusch hatte ich schon sehr lang nicht mehr gehört. Mein Stiefvater tat es damals, wenn er etwas getrunken hatte, aber er war auch der einzige. Weder Sherlock noch John schnarchten und bei den Winchesters konnte ich es nicht heraus finden. Eine seltsame Art war es, sich an Leute zu erinnern, aber so ist das nun mal im Leben. Die kleinsten Dinge können einem zum nachdenken bringen.
Apropos nachdenken, ich musste unbedingt heraus finden wo ich war, und das so schnell wie möglich. Ich verließ das Bett und bemerkte zwei weitere Betten links und recht neben mir, die auch leer standen. Offenbar war ich in irgendeinem Schlafraum, der zudem auch noch einen runden Ofen in der Mitte hatte. Am Ende meines Bettes stand eine Kiste, die ich zugleich öffnete. Irgendwo musste ich ja meine Kleidung haben, denn außer Betten und dem Ofen gab es nicht viel in dem runden Raum. Warum war der überhaupt rund? Befanden wir uns in einem Turm? In der Kiste fand ich tatsächlich Kleidung und sehr zu meinem Entsetzen bemerkte ich, das die Kiste von innen sehr viel größer aussah als von außen. Täuschten mich meine Augen? Wahrscheinlich lag das an dem ständigen hin und her, das ich so durcheinander war. Die Kleidung in der Truhe stellte sich größtenteils als Schuluniformen heraus. Strickjacken, Pullunder, Röcke, Strümpfe... alles in verschiedenen Grautönen gehalten. Auch schwarze Umhänge konnte ich finden, die mich aus irgendeinem Grund an alte Hexen erinnerten. Ich blickte mich rasch um, ob jemand schaute, und zog mich etwas ungelenk an. Ich wusste noch immer nicht wo die Toilette war, vielleicht war es hier auch normal sich vor anderen umzuziehen. Für mich war es auf jeden Fall nicht. Ich zwängte mich in einen Rock mit Strümpfen, einem weißen Hemd und einem Pullunder, der rote Ränder hatte. Irgendwie kam mir das alles so sehr vertraut vor, doch es war, als säße etwas in meinem Kopf, das verhinderte das ich mich daran erinnerte.
Als ich irgendwann endlich einen Spiegel fand, fiel ganz langsam und schmerzhaft der Groschen. Mein Aussehen hatte sich nun etwas mehr verändert als zuvor. Ich hatte nun lange, pechschwarze Haare mit einen etwas zotteligen Pony. Wie groß ich war konnte ich noch nicht einschätzen, doch ich fühlte mich auf jeden Fall größer und stärker. An den Fingernägeln blätterte langsam blauer Nagellack ab und der rechte Handrücken zierte eine feine Narbe, die aussah wie eine Schrift. Einzig und allein meine Augen waren die selben, wenn auch etwas dunkler.
"Estherlein, ich muss mich doch sehr wundern. Seit wann bist du nicht die letzte, die aufsteht? Und angezogen bist du auch schon?"
Die Stimme, die von der Badezimmertür kam, war hell und aufgeweckt und wirkte bei mir, als hätte mir jemand mit einem Gummihammer auf den Kopf gehauen. Diese Estherlein war wohl ich, sonst war niemand hier. Langsam drehte ich mich um und sah ein Mädchen mit buschigen, braunen Haaren und freundlichen Grinsen. Auch sie hatte die Schulkleidung an, mit dem Wappen auf der linken Seite. Das Hauswappen der Gryffindors.
"Da kannst du mal sehen", antwortete ich leise und betrachtete das Mädchen ganz genau. Das muss wohl sehr seltsam ausgesehen haben, da sie mich nun besorgt ansah.
"Alles in Ordnung mit dir? Du siehst noch blasser aus als sonst. Wir müssen uns beeilen, Zaubertränke fängt gleich an, oder soll ich dich zu Madam Pomfrey bringen?"
Die Worte kamen gar nicht richtig bei mir an. Zu viel unwirkliches war drin, fast jedes Wort wie aus einer anderen Welt. Haha, guter Witz.
"W..was hast du gesagt?"
"Jetzt komm schon, zum frühstücken ist keine Zeit mehr. Ich will nicht zu spät kommen, ich habe nicht umsonst für den Test gelernt. Und du weißt doch wie Snape ist. Gerade bei dir."
Au Backe, auch das noch. Ich wusste nicht was schlimmer war, das ich gleich einen Test schreiben würde, von dem ich keine Ahnung hatte, oder das ich der Schreckensfigur aus meinen Kindheitstagen gegenüber stehen sollte. Beides war schlimm und auch noch zusammen eine Katastrophe. Vielleicht hätte ich mich wirklich krank stellen sollen? Der Gedanke war sehr verlockend. Was war eigentlich mit dem schnarchenden Mädchen, die noch im Bett lag? Sollte die verschlafen? Bevor ich den Gedanken aussprechen konnte, wurde ich von Hermine am Arm gepackt und mitgeschliffen.
Es war wie im Traum. Als Kind hatte ich mir immer vorgestellt durch diese Gänge zu laufen, auf den sich bewegenden Treppen herum zu hüpfen oder sich mit den Gemälden zu unterhalten. Hogwarts wurde zum wahr gewordenen Kindheitstraum und ich konnte es kaum fassen. Mit offenen Mund wurde ich von Hermine höchst persönlich durch die Gänge gezogen, während sich alte Herren mit lustigen Hüten in Gemälden darüber unterhielten, was für ein Wetter es wohl war, und das sie es eh nie heraus finden würden. Ich hielt den Atem an, als wir aus steinernden Stufen hinab stiegen, die spiralförmig nach unten führten. Unten, im Kerker war es finster und feucht. Es gab mehrere schwere Holztüren, doch nur eine stand offen. Erster Qualm stieg bereits aus dem Raum hervor. Sie hatten also schon angefangen.
Als wir schell in den Raum schlüpften hielt ich den Kopf unten, um so unbemerkt wie möglich an den einzigen Platz zu kommen, der noch frei war. Hermine war schneller als ich und stand schon da, holte einen Kessel hervor. Offenbar arbeiteten wir zusammen, was mir gefiel. Trotz unserer Schleichversuche blieben wir natürlich nicht unentdeckt. Durch die dichten Rauchschwaben hindurch, die aus Neville Longbottoms Kessel stiegen, sah ich den großen Mann mit schwarzem Haar und Hackennase, in seinem üblichen, schwarzen Gehrock bekleidet. Mir jagte er einen Schauer über den Rücken.
"Granger, Corren, ihr seit zu spät. 20 Punkte Abzug. Oh, und Corren." Er blickte mich kalt an. "Nachsitzen, heute Abend."
Ermüdet ließ ich den Kopf auf die Tischplatte knallen.
Der Test bestand darin einen Trank zu brauen, den ich nicht mal richtig aussprechen konnte. Ich versuchte so viel wie möglich bei Hermine abzuschauen, wurde aber erwischt und bekam ein T, was Troll hieß. Nur gut, das mir das so ziemlich egal war. Ganz im Gegensatz zu Snape, der mich ständig beobachtete, als sei ich ein Austellungsobjekt in einem Museum. Ein ziemlich hässliches, weil ich mich in meiner Haut gar nicht wohl fühlte. Plötzlich bekam ich das Bedürfnis wieder in London zu sein. Nicht in meiner ersten, die ich für die richtige hielt, Welt, sondern bei Sherlock und John. Diese "Welt" war meine Basis und genau da wollte ich wieder hin. Als hätte man Heimweh.
Während der restlichen Stunde versuchte ich bekannte Gesichter im Klassenzimmer zu finden. Tatsächlich dauerte es nicht lang, bis ich einen schwarzhaarigen, grünäugigen Jungen mit Narbe auf der Stirn und einen Rotschopf sah. Beide sahen alles andere als glücklich aus. Als sie meinen Blick bemerkten lächelten und winkten sie mir zu. Harry Potter und Ron Weasley winkten mir zu. Was kam als nächstes, Micky Maus?
Nichts was ich tat, tat ich bewusste. Meine Gedanken waren komplett unabhängig von meinen Taten. Es war, als würde ich genau das tun, was für mein derzeitiges Ich vorbestimmt war, einfach so, wie ein Ablauf einer Maschine. Was ich sah konnte ich nicht verarbeiten. Ich war in Hogwarts, ein fiktiver Ort, der früher für mich beinahe heilig gewesen war. Was hätte ich dafür gegeben durch diese Hallen zu schreiten, zu zaubern und mit Freunden Schokofrösche zu essen. Doch dieses Miststück hatte mir die Lust darauf deutlich verdorben. Ich war zwar hier, wusste aber, das es jeden Moment vorbei sein könnte, als wache man plötzlich aus einem Traum auf. Genau das war es auch, der Traum eines Wesens, den ich aus welchen Gründen auch immer ausleben sollte. Warum konnte sie das nicht selbst, wenn sie doch so mächtig war. Es gab so vieles, was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht verstand.
Die Stunde verging schneller als gedacht. Wahrscheinlich lag das daran, das ich die ganze Zeit über tief in Gedanken war. Das änderte sich jedoch ganz schnell, als es vor meinen Augen schwarz wurde. Nein, ich wurde nicht ohnmächtig, nur Snape stand wieder mal vor mir. Ich saß noch immer an meinem Platz, während die meisten schon nach draußen gegangen waren um zu den nächsten Stunden zu gehen. Entweder lag es an den Dämpfen, das ich so benebelt war, oder ich bekam wirklich nichts mehr mit.
"Und worauf wartest du? Ich würde zu gerne wissen was heute mit dir los ist Esther."
Und ich wollte gerne wissen, wie oft ich diesen Satz wohl noch zu hören bekommen würde. Etwas unsicher schaute ich auf und sah in die Augen des Mannes, die so dunkelbraun waren, das sie fast schwarz wirkten. Ganz schön unheimlich.
"Äh..nichts, ich muss dann mal", versuchte ich aus der Situation zu entkommen, doch Snape starrte mich noch immer an. Erst jetzt viel mir auf, das er mich gedutzt hatte. Ein noch sehr unheimlicherer Gedanke drängte sich mir auf. Instinktiv griff ich mir ins Gesicht und war erleichtert, keine Hakennase vor zu finden.
"Heute Abend um sechs bei mir. Und keine Sekunde später."
Früher hätte ich mich gefreut, wenn ein männliches Wesen so etwas zu mir gesagt hätte. Aber das war ja wohl was ganz anderes. Wie so oft starrte ich die Person vor mir nur dümmlich an, während ich mich sekündlich unwohler in meiner Haut fühlte.
Ich kam mir vor wie in einem dieser ganz schlechten Fanfictions, als ich zusammen mit dem goldenen Trio, bestehend aus Harry Potter, Ron Weasley und Hermine Granger, am Tisch der Griffindors in der großen Halle saß und auf das bunte Essen vor mir starrte. Eigentlich kam ich mir schon ein bisschen dämlich vor. Früher hätte ich mir nichts tolleres und aufregenderes vorstellen können. Und jetzt saß ich einfach nur da, mit dem Kopf auf einer Hand gestützt, und dachte nur daran, wann es endlich vorbei sei. In einer Welt wie dieser konnte alles passieren, aber das war in den anderen bisher auch so. Die Frage, was ich dort zu suchen hatte aber blieb. Allerdings war ich ein wenig neugierig darauf ob ich wohl tatsächlich zaubern konnte. Ich war mir jedenfalls sicher, das sich jetzt irgendwo in meinem Gedächnis die passenden Zaubersprüche befanden. Ein paar zumindest.
Ich wusste, das ich das nicht hätte tun sollen, aber was hatte ich schon zu verlieren? An meinem Handgelenk befand sich eine Halterung, in der ein Zauberstab steckte. Wie durch Zauberhand (lustig, nicht?) bemerkte ich ihn jetzt erst. Mit großen Augen zog ich ihn heraus und betrachtete ihn. Er war relativ dunkel und besaß eingravierte Zeichen, die ich nicht zuordnen konnte. Mir war, als vibrierte er leicht, als ich ihn etwas hin und her schwenkte. Grüne und rote Funken kamen aus der Spitze und veranlassten mich dazu, den Stab fast fallen zu lassen. Es schien zu funktionieren. Mit freudiger Erregung hielt ich ihn nun etwas höher und beschloss etwas auszuprobieren. Am Tisch der Slytherins saß ein kleiner Junge, der gerade aus seinem Becher trank. Ich richtete den Blick fest auf den Becher, zog den Zauberstab nach oben und brach kurz darauf in schallendes Gelächter aus. Der Becher flog nach ober und ergoß den gesamten Inhalt über den Kopf des Jungen. Aus irgendeinem Grund fand ich es unsagbar lustig, wie der Kleine da saß und nass wie ein Pudel aus der Wäsche schaute. Um mich herum erntete ich erst überraschte und dann vernichtende Blicke. Einige aber lachten auch, was die Situation nicht ganz so unangenehm machte.
"Musste das jetzt unbedingt sein?", herrschte mich Hermine von der Seite an. Sie sah nicht glücklich aus, was zu erwarten war.
"Also ich fand es lustig. Aber du hättest dir Malfoy aussuchen sollen", meinte Ron und lachte. Auch das war zu erwarten. Und auch, das Harry nicht genau wusste welchen seiner Freunde er sich anschließen sollte. Eins war sicher, und zwar das ich mich jetzt schlecht fühlte. Zu recht wohl gemerkt.
Wenig später kam Proffessor McGonagall zu mir und verkündete 10 Punkte von Griffindor ab zu ziehen. Das war mir aber ziemlich egal, was ich zu meiner Überraschung auch verkündete. McGonagall sah nicht so aus, als wäre sie über meine Reaktion überrascht gewesen. Statt lang zu diskutieren schickte sie mich sofort zu Snape, der zwar alles andere als amüsiert, aber auch nicht schockiert war. Was war ich in dieser Welt bloß für ein Mensch?
Irgendwie tat es ganz gut mal den Larry raushängen zu lassen, ohne das ich lange darüber nachdachte oder es mich sonderlich störte. Ich merkte einfach nur, das ich mich verändert hatte. Ob mir das nun unbedingt gefiel oder nicht konnte ich noch gar nicht sagen. Das es noch viel schlimmer kommen würde wusste ich noch nicht.
