~Wie durch Magie Teil 2~

Anmerkung: Es bleibt beim alten!

Es war ein so unglaubliches Gefühl durch das riesige Schloss zu laufen, das ich es gar nicht in Worte fassen konnte. Ich fühlte mich leicht und die Luft vibrierte regelrecht vor Magie. Magie, Zauberei, das ich das beherrschte war so unglaublich, das es fast schon beängstigend war. Denn natürlich wusste ich, das es in dieser Welt genug schlechte Dinge gab, die in handumdrehen deinen Tod bedeuten konnten. Schlimm aber nicht tötlich war es auch, das ich definitiv Snape zu oft sah und Draco, ein hellblonder Kerl mit Spitzmausgesicht aus dem Hause Slytherin, mir immer näher kam. Ich machte kein Geheimnis daraus, das ich keine Ahnung hatte was da vor sich ging und als Reaktion darauf wurde ich von den meisten entweder argwöhnisch oder besorgt angeschaut.

Ich machte all das, was ich mir als kleines Kind immer vorgestellt hatte. Ich saß vor dem Kamin im Gemeinschaftsraum und lernte Verwandlung mit Hermine, aß tatsächlich Schokofrösche mit Ron, die zwar sehr gut schmeckten, aber ständig weghüpften und übte mit Harry Expeliamus, einen Entwaffnugszauber. Er zeigte mir den Raum der Wünsche, wo wir weiter trainierten.

Lange dauerte es nicht, bis ich meinen neuen Alptraum kennen lernte. Er, oder besser gesagt sie war pink von Kopf bis Fuß und hieß Dolores Umbrige. Sich mit ihr anzulegen war mehr als eine schlechte Idee. Eigentlich glich es mehr der Selbstfolterung, weil es genau das war, was sie tat. Als Harry an einem Abend von ihrem Büro kam, war seine linke Hand geschwollen und gerötet. Jedenfalls sah es so von weiten aus. Als ich es schaffte seine Hand zu ergreifen sah ich, wie in seinem Handrücken der Satz "Ich soll keine Lügen erzählen" hineingeschnitten war. Sofort wollte ich zum Direktor gehen, bis ich merkte, das Umbrige ja die neue Direktorin war. Harry wollte sich nicht helfen lassen, geschweige denn in den Krankenflügel gehen. Die Situation schien auswegslos, bis mir die zündende Idee kam. Wenn sich jemand mit Heiltränken und Salben auskannte, dann war es Snape. Vielleicht kam ich aus dieser Welt wieder raus, wenn ich das Unmögliche schaffte und damit alles aus dem Gleichgewicht brachte. Ich wollte, das Snape so etwas wie Mitgefühl für Harry empfand, oder sich vielleicht sogar dafür einsetzte, damit das Chaos in Hogwarts aufhörte, das diese pinke Schlange angerichtet hatte.

Mein Plan war ganz einfach: Zu Snape gehen, nach einem Heilmittel fragen und beiläufig erwähnen wofür und für wen es sein sollte. Doch bei mir lief nie irgendwas einfach.

"Wenn Potter Probleme hat soll er in den Krankenflügel gehen. Wenn er erwartet eine Extrabehandlung zu bekommen hat er sich geschnitten", war Snapes Antwort, mit der er keine Sekunde zögerte. Er lief im Zaubertränkeklassenraum hin und her und ich verfolgte ihn.

"Aber genau das ist doch das Problem! Er hat sich ja geschnitten, besser gesagt Umbrige hat das! Das ist doch illegal! Da muss doch etwas dagegen unternommen werden!"

Meine hitzige Ansprache bekümmerte Snape keines wegs.

"Und wie kommst du darauf das ich mich darum kümmern muss?"

Schon wieder dieses duzen, doch das störte mich gar nicht mehr.

"Ich kann mir keinen besseren vorstellen, der das machen könnte. Und ich kann mir nicht vorstellen das nur Harry davon betroffen ist", antwortete ich zurück und wurde dabei etwas lauter. Snape blieb aprupt stehen und ergriff entgegen meinem Protest meine Hand. Er blickte drauf, rümpfte die Nase und ließ sie wieder los.

"So lange du nicht betroffen bist ist es mir egal. Ich kann nichts tun, fertig. Geh jetzt, ich muss den nächsten Unterricht vorbereiten."

Diese Worte standen so fest im Raum, das ich von ihnen regelrecht aus dem Raum verdrängt wurde. Ich stand schon an der Tür, als sich Snape noch einmal zu Wort meldete.

"Ach und Esther? Lass dir ja nicht einfallen mit Potter zurück zu kommen. Ich meine es ernst."

Das lief ganz klar nicht so, wie ich es geplant hatte und mit dem entsprechender Laune kehrte ich wieder in den Gemeinschaftsraum zurück. Harry hatte ich nichts von meinen Plänen erzählt, da ich seine Reaktion darauf eh schon kannte. Also musste eine neue Idee her, damit ich aus dem Schlamassel heraus kam. Ich war mir zwar sicher, das "Sie" meine Gedanken lesen konnte, doch das hielt mich nicht davon ab alle Hebel in Bewegung zu setzten um ihr die Suppe zu versalzen. Früher hätte ich mir nichts schöneres vorstellen können als hier zu sein, doch die Zeit war vorbei. Jetzt wollte ich nur noch meine Ruhe haben, auch wenn ich mir nicht sicher war was das bedeutete, besser gesagt wo ich die finden sollte. Nach hause kommen. Hatten diese Worte überhaupt noch eine Bedeutung für mich?

Hier fühlte ich mich weder wohl noch unwohl. Es war einfach zu spüren, das das ein Abschnitt war, das ein Teil eines früheren Lebens darstellte, das heute nicht mehr aktuell war. Alles schien still zu stehen, nichts aufregendes passierte. Es war wie aufgewärmtes Essen. Eine Präsentation von dem, was einmal war, aber heute eher museumsreif ist. "Sie" wollte mir ihre erste Figur zeigen, indem ich sie verkörperte. Ich spürte, das das hier nicht lang anhalten würde, das "Sie" es bald langweilig finden würde mich hier herum zu führen. Lohnte es sich dann überhaupt irgendwelche Pläne zu schmieden um "Sie" zu verärgern und den Vorgang zu beschleunigen? Wollte ich das überhaupt noch? Das Risiko war nicht gerade gering. "Sie" hatte mir schon zu verstehen gegeben, das sie mit mir machen konnte was sie wollte und das ich momentan nur den Favoritenbonus hatte. Wie viele hatte "Sie" wohl schon weggeschmissen?

Meine Persönlichkeit war in dieser Welt schon sehr ausgereift und konnte nicht mehr viel verändert werden. Die Leute um mich herum waren getränkt von den vielen verschiedenen Vorstellungen, die sich Fans im Laufe der Jahre gemacht und in Form von Geschichten veröffentlicht hatten. Irgendwie hatte das alles keinen Reiz mehr. In dem Moment, als ich das dachte, fühlte ich mich mit "Ihr" sehr verbunden. Gerade so, als wenn wir das selbe gedacht hätten. Ob das wohl möglich war? Es war auf jeden Fall nicht unwahrscheinlich, schließlich entsprang ich ja ihrem Kopf. Der Gedanke gruselte mich immer noch auf vielen verschiedenen Ebenen.

Ich fuchtelte ein wenig mit dem Zauberstab hin und her, als Hermine vorbei kam und sich im Schneidersitz vor mich hin setzte. Das Holz im Kamin des Gemeinschaftsraums knackte und kleine Funken flogen durch die Luft, die ich mich Begeisterung verfolgte. Hermine schaute mich erst eine ganze Weile an, bevor sie zu sprechen begann.

"Und was hälst du davon?"

Die Frage brachte mich aus dem Konzept, weil sie so unvorbereitet kam.

"Von was?"

Hermine zeigte mit einer ausladenen Geste durch den Raum.

"Na das alles hier. Das du jetzt hier bist und wie du bist. Entspricht das mehr deinem Geschmack? Ich war damals noch sehr jung."

Ich brauchte tatsächlich eine Weile, bis ich begriff was hier vor sich ging. Die vor mir war auf jeden Fall nicht Hermine.

"Du? Wie ist das denn möglich? Kannst du dich jetzt auch schon verwandeln?"

Ich wurde angeschaut als hätte ich sie nicht mehr alle.

"Hallo? Was denkst du denn? Alles ist möglich, wir sind hier schließlich bei Harry Potter", antwortete sie mit einem zwinkern, gefolgt von einem breiten Grinsen. Mir war gar nicht danach es ihr gleich zu tun. "Nein aber wirklich, ich kann tun was ich will und sein wer ich möchte. Schließlich bin ich ja auch du und du bist ich, wenn du verstehst was ich meine. So und nun beantworte meine Frage: Was hälst du von dem hier?"

"Na ja, ziemlich vorhersehbar das ganze. Vor allem deine Figur, eine weibliche Harry mit Draco zum Freund und Snape zum Vater. Gäähn. Alles schon tausend mal gehabt."

"Sie" schürzte die Lippen, plusterte die Wangen auf und zog die Augenbrauen nach unten. Ich konnte gar nicht glauben das sie mich anschmollte!

"Ja, ja, noch mehr zum drauf herum hacken? Wie gesagt, ich war damals noch sehr jung und vergiftet von anderen Geschichten. Mir hat Esther Corren trotzdem schon immer gefallen."

War das tatsächlich ein Eingeständnis von ihr? Jedenfalls kam es dem ganz schön nahe.

"Jetzt sei nicht so, ich glaube diese Phase haben viele gehabt. Und die Persönlichkeit gefällt mir tatsächlich ganz gut." Ich konnte selbst nicht glauben das ich so freundlich war.

"Wirklich? Das hab ich doch gewusst", antwortete "Sie" mit strahlenden Augen.

"Natürlich hast du das", gab ich trocken von mir.

"Sie" stand plötzlich auf und wischte sich die Hände am Rock ab. Eine Geste, die Hermine bestimmt nicht gemacht hätte.

"Na gut, hätten wir das auch geklärt. Wollen wir weiter? Ich hab guten Tee daheim."

Jetzt sprang ich auch auf. Das ging mir alles etwas zu schnell.

"Moment noch! Darf ich wenigstens den Zauberstab behalten? Bitte."

"Sie" lachte vergnügt, als hätte sie den besten Witz seit langem gehört.

"Natürlich nicht du Dummerchen. Was soll den bitte Esther Corren ohne Zauberstab machen, wenn du weg bist?"

Mit diesen Worten begab ich mich wiedermal auf die Reise ins Ungewisse.