~Die Dunkelheit in dir~

Anmerkung und Warnung: Wie der Titel schon verrät ist dieses und das darauf folgende Kapitel etwas düsterer, obwohl ich mich schon sehr zurück gehalten habe. Habt trotzdem Spaß und von DC gehört mir wie gewöhnlich nix.

Sehr zu meinem Wohlgefallen wachte ich nicht in einer fremden Umgebung auf, sondern in der vertrauten Halle des "Schicksals", wie ich sie heimlich nannte. Ich fand mich vor einem riesigen Portrait wieder, das mir irgendwie bekannt war. Zu sehen war eine Gestalt, die mit dem Rücken zum Betrachter auf einem Hausdach stand. Um ihre Beine flatterte ein dunkler Umhang, während ihr Gesicht, das zur Seite gewendet war, nicht richtig erkannt werden konnte. Sie trug eine Maske, die mich an das Phantom der Oper erinnerte. Nur war sie nicht so schön strahlend weiß, sondern richtig schmutzig. Der Himmel im Hintergrund war verhangen und zeigte einen Sonnenuntergang über einer Stadt, die gleichzeitig bedrückend, aber auch anziehend war.

"Schönes Bild, oder?"

Ich schreckte hoch, als "Sie" plötzlich neben mir stand. Ihr Blick war auf das Bild gerichtet und ich hätte schwören können, das sie Tränen in den Augen hatte. So schön war das Bild nun auch wieder nicht.

"Weißt du, ich habe eine schwere Zeit hinter mir. Ein Wunder, das ich nicht längst im Gefängnis gelandet bin. Menschen, denen ich einst vertraute hintergingen mich und stellten schlimme Dinge mit mir an. Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich dachte schon oft daran auf drastische Mittel zurück zu greifen. Ich war verzweifelt, weißt du? Wenn meine Vorstellungskraft nicht gewesen wäre, wüsste ich nicht wo ich heute wäre. Dann hätte ich nämlich alles wirklich ausgelebt statt nur daran zu denken. Während der Zeit entstand sie hier, die du hier sehen kannst. Ihr Name ist Emilia Havering. Sie hat alles gemacht, was ich nicht tun konnte. Sie brachte ihren Stiefvater um, floh und begann ein neues Leben. Um den ganze noch ein bisschen Charme zu geben ließ ich sie nach Gotham City gehen. Ich musste mir eine Welt aussuchen, in der es nicht ungewöhnlich war, das sich Verbrecher dort aufhielten. In der Zeit war ich richtig manisch, kannst du dir das vorstellen?"

Vorstellen war gut und schön, ich musste erst einmal verdauen was ich gerade gehört hatte. Das war harter Tobak, das muss man schon sagen. Warum erzählte sie mir das alles so offen? Ich hatte zwar immer noch einen heiden Respekt, doch langsam mochte ich sie.

"Hat nicht jeder von uns so eine Phase in seinem Leben? Wo man einfach alles kurz und klein schlagen möchte, weil man einfach keine Kraft mehr hat?"

"Siehst du, genau deshalb mag ich dich so. Du bist der vernünftige Teil von mir. Du glaubst gar nicht wie sehr du mir hilfst. Als Dank will ich meine tiefsten Ängste mit dir teilen. Aber keine Panik, ich hole dich bald wieder da raus, versprochen."

Wieder konnte ich nicht widersprechen, als sich ein dichter Schleier um mich herum bildete und ich den Boden unter den Füßen verlor.

Ich hatte Angst, richtige Angst. Ich wollte nicht wissen was da auf mich drauf zu kam. Wie ein kleines Kind hielt ich mir die Hände vor die Augen, als ich den Boden unter den Füßen wiederfand. Das erst was ich bemerkte war erneut komplette Dunkelheit, so als wenn ich wieder Amber wäre. Und wie ich noch zu gut wusste ging das gar nicht gut aus. Dann kam der Geruch. Schwer und dreckig, und ganz nah an mir dran. Auf Schlag fühlte ich mich furchtbar und wollte nur noch weg. Etwas kaltes war an meinem Bein angelehnt. Ganz langsam nahm ich eine Hand vom Gesicht und Blickte nach unten. An meinem Bein, gekleidet in engen Stiefeln, lehnte eine Machete. Sie war schmierig und ich wollte gar nicht wissen warum. Langsam nahm ich auch die zweite Hand herunter. Ich befand mich in einem Lagerhaus, das vollgestellt war von verschiedenen Computern und Geräten, die ich nicht kannte. Das Licht war gedämpft und in der Luft hing noch immer der seltsame Geruch nach Metall und... Blut. Sofort suchte ich nach einem Ausgang, rutschte aber in einer Pfütze aus, die sich genau vor mir befand. Das war kein Wasser.

Ein langer Schrei entkam meiner Kehle, als ich den Mann erkannte, der zusammengesackt an der Wand mir gegenüber lehnte. Hals und Bauch waren aufgeschlitzt, noch relativ frisch, da die Wunden noch von Blut glänzten. Ich kam aus dem schreien gar nicht mehr heraus. Noch nie zuvor hatte ich eine Leiche gesehen, vor allem nicht eine, die so schauderhaft zugerichtet war. Sofort drängte sich mir ein Gedanke auf. War ich das, die das angerichtet hatte?

Genau in dem Moment, als ich kurz davor war in Ohnmacht zu fallen, öffnete sich von irgendwo her eine Tür mit einem lauten Quitschen. Ein dünner Lichtstrahl fiel in den Raum und erleuchtete das Opfer.

"Och nein, der war doch unser Buchhalter. Na da weiß ich ja wer die nächste Steuererklärung macht"

Egal wer das gesagt hatte, ich war mir sicher das sich diese Person gewiss keine Gedanken über so etwas wie Steuern machte. Er, die Stimme war männlich, kam auf mich drauf zu und im Nu spürte ich zwei Hände, die mich unter den Arme packten und nach oben zogen.

"Wieder so ein Anfall? Schade das sie sich nicht auf Rätsel beziehen, sonst könnte ich noch so viel mehr mit dir anfangen."

Der Mann entfernte sich wieder von mir und begann die Taschen des Mannes zu durchsuchen, bestimmt nach Wertgegenständen. Jetzt konnte ich ihn richtig sehen. Er war ein noch relativ junger Mann, schlank und groß mit rotbraunen Haaren, scharfen Gesichtszügen und gekleidet in einem recht mitgenommenen Anzug, der dunkelgrün leuchtete. Auf seinem Kopf befand sich eine dazu passende Melone, die er nach dem Beutezug auf eine der Maschinen legte. Und er führte einen Spazierstock mit sich, auf dessen spitze ein Fragezeichen vorhanden war. Diesen stellte er nun zur Seite und putzte sich unnötiger weise ab. Da war eh nichts mehr zu retten.

"Während du deinen Trieben nachgegangen bist habe ich mich darum gekümmert, das wir bald eine vernünftige Bleibe haben. Hier kann es ja niemand aushalten, vor allem nicht wenn du Arbeit mit nach hause nimmst. Was habe ich dir gesagt übers simple töten?"

Er nahm den Stock wieder zur Hand und zeigte ihn auf mich. Ich musste die ganze Zeit über nur an den Toten hinter dem Mann denken. Ihm schien das gar nicht zu stören. Doch auch er machte mir Angst. Ich verlor den Halt, als der Stock gegen mein Bein knallte. Ich landete mit voller Wucht seitlich auf dem harten Boden. Ich wusste nicht was mehr weg tat, der Schlag oder der Aufprall.

"Ganz genau, gib der Sache einen Grund, sonst bist du nur einer dieser hohlen Schwachköpfe, die es hier zu hauf gibt. Jetzt steh auf, es wartet Arbeit auf uns."

Ich spürte, wie Tränen in meine Augen stiegen, tat aber mein bestes es zu vertuschen. Ich wusste instinktiv, das Gefühlsausbrüche jeder Art in dieser Situation nichts brachten und noch mehr Nachteile mit sich bringen können. So versuchte ich die Zähne zusammen zu beißen und rappelte mich auf, den Blick bewusst auf den Mann gerichtet, damit er ja nicht auf die Idee kam, das ich Angst vor ihm haben könnte. Ich ließ meinen Körper alles tun, was Emilia auch sonst tun würde, wenn ich nicht in ihrer Haut steckte. Es fiel mir aber unglaublich schwer den Mund zu halten. Ich hoffte einfach nur, das ich so schnell wie möglich wieder hier raus geholt werden würde.

Ich wusste nicht wann es genau geschah, doch es dauerte nicht lange, bis ich vollkommen zu dem wurde, was in dieser Welt verlangt war. Ich spürte einen giftigen Cocktail aus Wut, Hass und Verwirrung in mir aufsteigen, zusammen mit einem Hauch Verzweiflung, die ganz tief aus der Seele kam. Ich bekam am eigenen Leib zu spüren, was mir das Schicksal zuvor erzählt hatte. Ich wollte die Welt brennen sehen und verspürte Rachegelüste gegenüber Menschen, die mir zuvor nie begegnet waren. Der Mann, der stets an meiner Seite wachte wie ein gefährlicher Hund war auch ein Verbrecher, der in Gotham City von der Polizei gesucht wurde. Jedoch handelte er nach einem ganz anderen Muster als ich, wodurch er nicht so gefährlich wirkte, was aber ein Trugschluß war. Edward Nigma war ein Geisteskranker, der besessen war von Rätseln und Knobelspielen, mit denen er andere Leute ins Verderben trieb. Ich teilte diese Leidenschaft überhaupt nicht. Mich interessierten nur die, die mich in was für eine Weise auch immer geärgert hatten und machte kurzen Prozess. Das hieß aber nicht, das ich sie immer gleich tötete.

Ich ging auch zur Schule, denn am Tag führten wir nach außen hin ein ganz normales Leben. Dann hieß ich nicht mehr Emilia Havering sondern Emilia Nigma, offizielle Tochter des Rätselmannes. Tagtäglich schaute ich ihn nur mit tiefer Abscheu an.

Ein mal brachte mich ein Mädchen in der Schule vor dem Lehrer in Verlegenheit, weil sie behauptete, das ich bei einer Arbeit abgeschaut hätte. In der Mittagspause ging ich in den Baumarkt und am Nachmittag musste dieses Mädchen von einem Krankenwagen abgeholt werden. Sie hatte das blaue Schneckenkorn in ihrem Salat nicht bemerkt, das sie in einer der Pausen gegessen hatte. Daheim wurde ich dafür gelobt, weil ich klüger gehandelt hätte als mit meiner Machete zu zu schlagen. Das hätte auch eine Sauerei im Klassenzimmer gegeben.

Der Teil, der noch mein altes Ich war, schrie, hielt sich die Ohren zu und wollte endlich, das das alles aufhörte. Doch der kleine Teil in meinem Kopf reichte nicht aus, damit die Emilia in mir reagiert hätte. Wie ein verängstigter Zuschauer sah ich zu, wie ich diese furchtbaren Dinge tat, für dich ich mir nie mehr verzeihen konnte. Ich fühlte mich so dreckig, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es war, als würden die ganzen Verbrechen an mir kleben und mich für ein Leben zeichen. So niedergeschlagen war ich noch nie.

Edward hatte uns tatsächlich eine Bleibe besorgt, die recht ansehnlich war. Ein Loft, mitten im Herzen von Gotham City mit Panoramafenstern, die einen herrlichen Blick auf die Stadt boten. Ich hatte ein großes Zimmer, das ich sogleich nach meinem neuen Geschmack einrichtete. Poster von Metalbands, eine amerikanische Flagge als Gardine, überall lagen Zeitschriften und CDs herum und gelüftet hätte das Zimmer auch mal wieder können. Das Bett war groß und gemütlich, doch es wurde nicht oft benutzt, außer das eine mal, als ich mitten in der Nacht mit einen Typen nach hause kam. Wieder hielt ich mir die Augen zu, während Emilia ihr Spielchen trieb. In dieser Nacht verlor ich auf eine weitere Art meine Unschuld, jedoch offensichtlich nicht Emilia. Bei ihr war der Moment wohl schon länger her.

Auf Grund des vielen Schlafmangels zeichneten sich bald dunkle Augenringe ab, was meinen Look mit den so schon eher derben Sachen abrundete. Es dauerte nicht lang, bis die Schule darauf aufmerksam wurde und das Jugendamt einschaltete, da ich mich in der Schule auch alles andere als gut benahm, was Edward missfiel. Er mochte ein Verbrecher sein, doch er legte viel Wert auf Bildung. Als dann auch noch auffällig wurde, das drei Leute aus meiner Klasse verschwunden waren, kurz nachdem ich irgendwas mit ihnen zu tun gehabt hatte, schaltete sich auch die Polizei ein. Und genau dann wurde es interessant, denn mit dem polizeilichen Interesse kam auch die eines bekannten Mannes dazu, der ein Fledermauskostüm trug und sich selbst Batman nannte.

Er und Edward waren schon alte Bekannte. Als der Mann im Fledermauskostüm bei uns auftauchte, gaben sich die beiden ein Sprachduell allererster Güte. Er stellte mir einige Fragen, die ich alle lustlos und gleichgültig beantwortete, als wäre es nicht das erste mal. Das alte Ich in mir zitterte allerdings wie Espenlaub.

Wir kamen noch mal mit einem blaue Auge davon, weil Edward wirklich gut darin war sämtliche Beweise zu verstecken. Da er persönlich in letzter Zeit nicht wirklich etwas angestellt hatte, ließ auch Batman uns in Ruhe, was mich allerdings ein wenig wunderte. Das hatte wohl alles seine Gründe.