~Sipediduda~
Anmerkung: Ich darf verkünden das wir endlich zum leichten und fluffigen Teil der Story angekommen sind! Und echte Kenner werden durch den Titel schon erahnen können wohin uns das Leben von Eliza jetzt führt. Auch wieder hier ganz wichtig: Mir gehört nur Eliza und das "Schicksal"! Was noch erwähnenswert wäre: Ja ich weiß gerade in diesem Bereich gibt es viele Interpretationen von Schauplätzen und so weiter, und das hier ist nun mal meine und ich lasse mir alle Möglichkeiten offen auf die Schnelle noch mal was zu ändern. Also nicht böse (oder verwirrt) sein ^_^
"Es tut mir so leid."
Überraschend beugte sie sich noch mehr zu mir herunter und umarmte mich fest. Ihr ganzer schmaler Körper zitterte, als hätte sie selbst die ganzen Dinge durchgemacht. Aber klar, das hatte sie. Schließlich war es ihr Traum.
"Ich hätte dich viel eher da rausholen sollen, aber mir ging es so schlecht."
Sie sah tatsächlich nicht besonders gut aus. Sie hatte die selben dunklen Augenringe wie ich und ihre Zöpfe sahen ungepflegter aus als sonst. Ihr Kleid war viel schlichter als die, die sich die letzten male trug und wieder war es schwarz. Erst hatte ich gedacht, das die Farbe etwas bedrohliches ausdrücken sollte, doch damit hatte ich mich wohl getäuscht. Ob es ihr beim letzten mal schon nicht gut ging?
"Sag mir einfach nur das das hier kein Traum ist", flüsterte ich erschöpft in ihren Armen. Eigentlich wollte ich sauer sein, doch ich konnte es nicht. Zu sehen, das auch ihr es schlecht ging veränderte meine Einstellung beachtlich.
"Alles ist ein Traum. Aber dein letzter ist nun vorbei. Komm, ich helfe dir aus diesen Klamotten."
Innerhalb einer Sekunde wechselten die Sachen der Anstalt mit einem schönen Kleid, ausgestellt und mit Rüschen. Sie meinte es wohl wirklich damit ernst nun freundlicher zu sein. So brachte ich es nicht übers Herz ihr zu sagen, das ich solche Kleider eigentlich gar nicht mochte. Auch spürte ich, wie die getrockneten Tränen auf meinen Wangen verschwanden und meine Augen waren nicht mehr verklebt von der zerlaufenen Schminke. Außerdem befand sich meine Temperatur wieder im Normalbereich und meine Arme waren nicht mehr taub. Auf Schlag sah auch sie wieder besser aus.
"Komm, setz dich. Wir müssen unbedingt etwas besprechen."
Anders als am Anfang bekam ich keine Gänsehaut mehr bei diesem Satz. Ich folgte ihr und ließ mich endlich in einen der kuscheligen Sessel fallen, während sie die Tassen mit dampfenden Tee füllte.
"Ich glaube das wird uns jetzt beiden gut tun. Vor allem dir."
Daran hatte ich nichts auszusetzen. Ganz vorsichtig nippte ich an dem Tee, der köstlich schmeckte. Es war ein herrliches Gefühl, wie die warme Flüssigkeit meinen Rachen hinunter floß. Wir saßen ein paar Minuten schweigend da, in denen ich sie über den Rand meiner Tasse genauer beobachtete. Elegant und anmutig saß sie in ihrem Sessel mit übereinander geschlagenen Beinen und dem Blick stets auf ihre Tasse. Hin und wieder nahm sie sich einen Keks ohne mir einen anzubieten. Trotz der harten Fassade merkte ich, das sie angespannt war, wenn nicht sogar etwas nervös. Das machte mich neugierig. Aber ich wartete darauf, bis sie das Wort ergriff. Nach weiteren Minuten war es dann auch so weit.
"Weißt du, ich habe nachgedacht. Vielleicht ist mir etwas eingefallen, das uns beiden gut tun würde. Denn wie du weißt bist du ein Teil von mir, so wie ich ein Teil von dir bin. Wir haben ähnliche Vorstellungen und Gedanken, deshalb bin ich neugierig darauf zu erfahren, was dein größter Wunsch ist."
Das kam so unerwartet, das ich fast die Tasse fallen ließ. Mit erwartungsvollem Blick starrte sie mich an, als wäre ich ein Museumsstück. Wieder begann ich zu schwitzen, jedoch vor nervositet. Trotz aller Freundlichkeit konnte das auch eine Fangfrage sein.
"Wie meinst du das?"
"So wie ich es gesagt hatte. Und was ist nun deine Antwort?"
Ich war mir so unsicher was ich tun sollte, das ich stumm wie ein Fisch einfach nur da saß, noch immer mit der Tasse in der Hand. Sie wurde währenddessen immer ungeduldiger. Verärgert knallte sie ihre Tasse auf den Tisch.
"Weißt du, ich kann es mir auch wieder anders überlegen! Das ist keine Falle, du sollst mir nur antworten!"
Da war der Respekt wieder, den ich einst für sie verspürt hatte. Schwer schluckend suchte ich nach den richtigen Worten, was gar nicht so einfach war.
"Ich weiß nicht wie ich es sagen soll."
"Tu es einfach. Glaube mir, ich verstehe so einiges."
Ich holte tief Luft, stellte die Tasse ab und rieb die Hände nervös auf den Beinen vor und zurück. Darüber hatte ich noch nie mit jemanden geredet. Ich war mir sicher, das es komisch klingen würde, wenn ich die Wörter aussprach, die in meinem Kopf schwirrten.
"Wie du ja selbst am besten weißt hatte ich keine richtige Kindheit. Ich möchte so gern erleben wie es ist unbeschwert zu sein und glücklich über die einfachsten Dinge. Das selbstverständliche Gefühl zu haben, das immer jemand da ist wenn ich ihn brauche, egal unter welchen Umständen. Ich möchte mir einmal nicht ständig Gedanken darüber machen wie ich den Tag zu leben habe, sondern es einfach tun, leben. Diese kindliche Naivität, verstehst du?"
Sie hörte aufmerksam zu und blickte nach unten. Beinahe war mir, als hätte ich Tränen aufblitzen sehen, doch der Moment war genau so schnell vorbei wie er gekommen war. Nach kurzer Zeit hob sie den Kopf und blickte mir fest in die Augen. Ihr Ausdruck hatte sich verändert. Ihre Augen strahlten und ihre Wangen waren leicht gerötet.
"Das ist also dein Herzenswunsch?", fragte sie mit kehliger Stimme.
"Ja, das ist er."
Es war ein unglaubliches Gefühl das alles ausgesprochen zu haben. Es war befreiend und zu erleben, das ich nicht dafür ausgelacht wurde, verbesserte die Situation ungemein.
Sie lehnte sich zurück und legte die Hände zusammen.
"Ich hatte nichts anderes erwartet. Und auch nichts anderes erhofft."
Sie holte tief Luft und schloss die Augen. Auf einmal begannen die Kanne und die Tassen von allein zu wackeln. Die ganzen Schmetterlinge, die an dem Porzellan angebracht waren, erwachten zum Leben und flatterten in alle Richtungen über unsere Köpfe. Ein lustiges Liedchen erklang zu dem das Geschirr im Tackt tanzte, als gebe es kein Morgen mehr. Sie beobachtete mein verdutztes Gesicht mit einem breiten Grinsen und wippte selbst im Tackt des Liedes.
"Jetzt sei doch nicht so ernst. Ich mache dir ein Geschenk, das du nicht bereuen wirst. Aber denk daran, nichts ist für die Ewigkeit. Irgendwann werde ich dich wieder zurück holen müssen."
"Aber was hast du denn vor?"
Darauf bekam ich nur ein weiteres Grinsen zur Antwort. Sie seufzte tief, als sich rosiger Rauch um mich bildete, der wohl meine nächste Reise ankündigen sollte. Vorsichtshalber schloss ich die Augen und bereitete mich Gedanklich auf ein neues Chaos vor. Ob sie nur weiterhin mit mir und meinen Gefühlen spielte?
Meine Augen waren noch immer geschlossen, als ich merkte, das ich mein Ziel erreicht hatte. So wie immer versuchte ich als erstes zu spüren, was um mich herum war, doch das war dieses mal nicht möglich. Um ehrlich zu sein spürte ich überhaupt keinen Widerstand, nicht mal einen Boden. Ganz langsam öffnete ich die Augen und schloss sie sofort wieder. Um mir herum war nichts als ein kräftiges blau mit weißen Wolken. Ich stand mitten in der Luft! Jedoch nicht sehr lang, denn so wie ich herausgefunden hatte wo ich war, begann ich zu fallen. Jetzt riss ich doch die Augen auf und sah, wie der Boden in rasender Geschwindigkeit näher kam. Das wars, das war mein endgültiger Tot. Das würde ich nicht überleben. Der lange Schrei, der aus meiner Kehle kam, konnte da auch nicht helfen.
Ich knallte ungebremst auf dem Boden auf, doch statt unweigerlich zu sterben gab der Boden unter mir nach und Sekunden später fand ich mich in einem Loch wieder, das die Umrisse meines Körpers hatte. Das erinnerte mich an die alten Cartoons, wo die Figuren auch nie sterben wenn sie fallen sondern genau so einen Abdruck hinterlassen. Staub und Dreck hustent versuchte ich mich aus dem Loch zu ziehen, merkte jedoch sofort das etwas anders war, noch bevor ich es sah. Ich fiel fast wieder in das Loch, als ich die weißen Handschuhe sah die ich an den Händen trug. Sie sahen etwas größer aus als sonst und hatten...hatten.. nur vier Finger! An jeder Hand fehlte mir ein Finger! Aufgeregt wie ein flatterndes Huhn lief ich hin und her, sah mir die Hände von allen Seiten an, versteckte sie hinter den Rücken damit ich sie nicht mehr sehen musste, nahm sie doch wieder hervor und versuchte die Handschuhe abzuziehen. Das war richtig schwer, doch als ich es schaffte starrte ich auf ein schwarzes Paar Hände, noch immer mit insgesamt nur acht Fingern. Ja ganz genau, sie waren schwarz, genau wie auch der Rest meiner Arme. Ganz vorsichtig beugte ich mich nach unten und sah, das auch meine Beine diese Farbe hatte. Nervös fasste ich sie an und war noch nervöser, als sie sich wie eine ganz normale Haut anfühlten mit dem natürlichen leichten Flaum eines Kindes. Ich wollte mich gerade wieder gerade hinstellen, als ich die schwarzen Lappen sah, die links und recht an meinem Kopf herunterhingen. Panisch fasste ich sie an, zog daran und jaulte auf vor Schmerz. Noch panischer tastete ich meinen Kopf ab. An der Stelle, wo meine Ohren hätten sein sollen, hangen nur diese Schlappdinger, die so lang waren, das sie mir fast auf die Schultern fielen. Ich schielte, als ich den schwarzen Knubbel sah, der sich ständig in mein Blickfeld schob. Ängstlich berührte ich ihn. Er quitschte sogar, als ich ihn drückte! Das reichte aus, damit ich Vögel um meinen Kopf herumfliegen sah und in Ohnmacht fiel.
Ich war noch gar nicht richtig wach, als ich eine hohe, quitschige Stimme an meinem Ohr hörte, das mir durch Mark und Bein ging. Ich verzog das Gesicht und öffnete die Augen. Kennt ihr das, wenn ihr ein Haustier habt, aufwacht und überraschend genau in das Gesicht des Tieres seht, weil es auf euer Bett gesprungen ist? Und jetzt stellt euch vor, ihr habt eine überdimensionale Maus, die genau das mit euch macht. Mir standen vor Schock die Haare zu Berge, als ich aufschrie und so lang rückwärts nach hinten krabbelte, bis ich mit Wucht gegen einen Baum knallte, sodass ich fast wieder das Bewusstsein verlor. Vor mir stand eine Maus in der Größe eines kleinen Mannes, gekleidet in weißen Handschuhen, roter Hose und gelben Schuhen. Nein, ihr habt euch nicht verlesen. Vor mir stand Micky Maus. Besorgt lugte er hinter seiner knubbeligen Nase hervor auf mich herab.
"Ist alles in Ordnung? Bist du verletzt?"
Als wenn das in dieser Welt möglich wäre. Schließlich war ich gerade vom Himmel gefallen ohne auch nur einen Kratzer ab zubekommen. Bei allem, was ich bisher erlebt hatte, schlug das dem Fass den Boden aus. Daran gab es keinen Zweifel.
"Ich bin nur etwas verwirrt", gab ich zu und stellte mich mit meinen bunten, etwas zu großen Turnschuhen hin. Also eigentlich sahen sie nur so groß aus, sie passten sehr gut, was mir Angst machte wegen meiner Schuhgröße.
"Hmmmmm..Du musst neu hier sein! Ganz klar, dich habe ich hier noch nie gesehen. Leute kommt mal schnell her! Keine Bange, wir werden gleich herausgefunden haben wo du dazu gehörst, haha!"
Haha was? Das ging alles viel zu schnell. Wer sagte denn, das ich irgendwo dazu gehörte? Ich war ja schließlich gar kein Teil dieser Welt.
Ich stand da wie ein Eiszapfen, als aus dem Hintergrund eine weiße Ente in einem blauen Matrosenanzug angewatschelt kam gefolgt von einem groß gewachsenen Hund mit grüner Mütze. Ich war mir sicher, das meine Augen eh schon groß waren, doch jetzt wurden sie noch größer, als die drei Gestalten mich umrundeten, als wäre ich ein Ausstellungsobjekt. Als Micky dann auch noch einen Stuhl aus dem Nichts holte, auf dem ich dann plötzlich stand, befand ich mich ganz kurz vor dem ausflippen.
"Hmm lass mal sehen, kein Schnabel und keine Federn. Keine großen Ohren und auch kein Schwanz.."
Ich hatte keinen Plan was die machten, wo genau ich war und vor allem woher die alle plötzlich aufgetaucht waren. Alle drei sahen so angestrengt aus, das ich schwören konnte Rauch aus den Ohren steigen zu sehen. Auch bei Donald, auch wenn da die Sache mit den Ohren nicht ganz so eindeutig war. Ich fühlte mich gar nicht beobachtet, als Goofy sogar meine Ohren anhob. Na wenn mir das vorher jemand gesagt hätte...
Micky kam direkt vor meiner Nase zum stehen und machte eine Siegerpose.
"Oh Junge! Jetzt hab ichs! Du bist ein Hund!"
Oh man, diese Maus konnte mit Sherlock konkurieren. Nicht.
"Na schau mal einer an, ahiak!"
"Ja also sagt mal." Jetzt hatte ich endgültig keine Lust mehr. "Seht ihr euch eigentlich noch? Ich bin gerade vom Himmer gefallen, vom HIMMEL! Macht euch das keine Angst? Hört zu, mir gehts gerade echt nicht so super. Erst war ich die Tochter eines Detektivs, traf mein Zukunftsich, wurde fast von einem Vampir verspeist, war eine verflixte Hexe, danach eine Mörderin und jetzt ein Hund? Ich glaube ich bekomme einen Nervenzusammenbruch."
Gesagt, getan. Der Stuhl brach unter mir zusammen und schon wieder wäre mir der Boden gefährlich nahe gekommen, wären da nicht die zwei schlanken Arme gewesen, die mich statt dessen auffingen. Verdutzt blickte ich in die überdimensional großen Augen von Goofy, der dazu auch noch anfing zu lachen. Na das konnte ja heiter werden...
