~Prügel und geheime Dokumente~
Anmerkung: Nur Abby gehört mir, wie auch sonst! Was ich noch sagen wollte, ja der eine oder andere Character scheint OC zu sein, aber zwischen den ganzen verschiedenen Charakteren hin und her zu switchen ist alles andere als einfach. Außerdem entspricht das ja alles den Vorstellung des "Schicksals" und entspricht nicht unserer Realität. Bläh
Es war halb sieben, als ich farbverschmiert und mit einer angeschwollenen und blutenden Wange in das Esszimmer stürzte. Jeder saß bereits am Tisch und schaute mich mit großen Augen an, als ich in diesem Zustand das Zimmer betrat, dazu noch aus der Puste.
Am Tisch saßen Micky, Minni, Donald, Daisy, Tick Trick und Track, Onkel Dagobert Goofy, Max, Horace und Klarabella. Und keiner war froh darüber mich so zu sehen.
"Abby! Was ist passiert?"
Micky kam auf mich drauf zu, gefolgt von Goofy. Sofort wurde ich von allen Seiten angeschaut, vor allem meine schmerzende Wange. Die jüngeren am Tisch verränkten sich fast die Köpfe um mich sehen zu können, während die anderen, außer Donald, wohl noch darüber nachdenken mussten wer ich war.
"Mir geht es gut", versuchte ich das Thema zu beenden.
"Das seh ich ganz anders. Wer war das?", fragte Goofy, nahm mich hoch und schaute sich die Wange noch genauer an. Ich sah keinen Grund nicht die Wahrheit zu sagen, vielleicht bekam dieser grüne Wicht von Pan sogar Ärger.
"Das war Peter Pan. Er hat mich beleidigt und dann haben wir gekämpft."
Ich klang wie ein kleines Kind. Goofy stellte mich wieder ab und verschränkte die Arme.
"Ihr habt gekämpft? Was hat er denn gesagt?"
Ich spürte die Hitze in meinem Gesicht aufsteigen.
"Er meinte, das ich ein blöder und trotteliger Hund sei und das hier nicht noch so einer gebraucht wird. Damit hat er wohl dich und Max gemeint, und vielleicht auch Pluto, aber da bin ich mir nicht ganz so sicher."
Ich erhielt schockierte Blicke, die Gott sei Dank nicht mir gewidmet waren.
"Ich werde mich darum kümmern", sprach Micky und tätschelte meine Schulter.
"Und warum bist du so bunt?"
"Ich hab einen Job bekommen bei Rapunzel. Ich zeichne jetzt Menschen", erzählte ich frei von der Leber weg und lief zum freien Stuhl mit dem einzigen unbenutzten Gedeck. Daneben saß Max, der mich mit amüsierten Blick musterte. Ich streckte ihm die Zunge entgegen, nur um danach völlig schockiert zu merken wie kindisch das war.
"Abby, ich finde wir sollten darüber reden", sprach Goofy und setzte sich auf den gegenüberliegenden Stuhl zwischen Donald und Horace. "Du kannst doch nicht einfach so einen Job annehmen und mit jemanden kämpfen, den du gerade erst kennen gelernt hast. Das hier ist eine fleißige, aber sehr friedliche Welt."
"Das mit den Job war ja gar nicht gewollt und der Kampf erst recht nicht. Ich hab doch nicht angefangen!"
"Aber auch nicht aufgehört, oder?"
"Sag mal seit wann bist DU denn ein Moralapostel?!"
Aus dem Augenwinkel sah ich wie Max sich den Hinterkopf rieb und in eine andere Richtung schaute. Goofy sah gar nicht glücklich aus und die anderen schauten drein als würde sie ein interessanntes Spiel verfolgen.
"Was willst du mir damit sagen? Ich erkläre dir nur was man hier machen darf und was nicht."
Ich glaube ich war die einzige, die es schaffte in solch einer Welt gleich am Anfang einen Streit vom Zaun zu brechen.
"Ahem!"
Mickys Räuspern war zwar piepsig, aber trotzdem beeindruckend. Wie hörten sofort auf uns mit Blicken anzufunkeln und schauten auf Micky, der sich erhoben hatte.
"Wenn ich euer kleines Gespräch beenden dürfte. Abby, Goofy hat völlig Recht, aber das konntest du ja natürlich noch gar nicht alles wissen.."
"Ja, sie weiß nicht das man nicht kämpft", lachte Tick, oder Track (Ich konnte die Drillinge noch nicht auseinander halten) hinter vorgehaltener Hand zu seinen Brüdern. Das Lachen erstarb, als er von Donald angeschubst wurde.
"Äh.. wie dem auch sei, wir geben dir so viel Zeit zur Eingewöhnung wie du brauchst Abby. Du darfst auch deiner Arbeit nachgehen, nur..."
"Ich bin dagegen!", unterbrach Goofy schon wieder. Ich erwischte mich dabei, wie ich mit den Augen rollte.
"Abby ist noch zu jung um richtig arbeiten zu gehen. Was ist mit der Schule? Ich schicke Max doch auch nicht auf die Straße zum arbeiten!"
"Na das wäre ja noch schöner", murmelte der Teenager neben mir und stocherte in sein nun kaltes Essen. Ich hatte überhaupt keinen Hunger wegen dieser sinnlosen Diskussion.
"Aber Goofy, das hat doch keiner..."
Der arme Micky kam einfach nicht zu Wort, da ich ihn nun unterbrach.
"Jetzt hört mir doch mal alle zu! Rapunzel meinte ich könnte kommen wann ich will, ich zeichne nur etwas und operiere keine Leute, ich decke auch keine Dächer! Das war doch reiner Zufall das ich in den Laden gegangen bin. Ich will ja keinen Ärger machen. Und das mit Pan, äh ich meine Peter, tut mir auch leid. Ich konnte die Beleidigung nicht auf mir sitzen lassen, vor allem weil sie nicht mich allein betraf."
Ich sackte etwas in mich zusammen und lehnte mich an die Stuhllehne. Das was ich gesagt hatte meinte ich auch so. Ich wollte wirklich keinen Ärger bereiten. Ärger war das einzige, das mich in den letzten Wochen begleitet hatte. Ich wollte mich einmal wenigstens davon lösen und wirklich das tun, was ich zu dem Schicksal gesagt hatte. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie sich Micky wieder setzte und in Richtung Goofy schaute, der nun nervös mit seiner Serviette spielte.
"Nun, also, ähm. Ich..ich versteh das denke ich. Das hab ich wohl nicht mitbekommen. Du wolltest uns also verteidigen?"
Ja, ja das wollte ich tatsächlich. Ich wollte Comicfiguren verteidigen, die ich erst wenige Stunden kannte. Ich hatte diese brennende Wut in mir aufsteigen gespürt, die man nur spürt, wenn die Freunde oder die Familie angegriffen werden.
Ich nickte nur und nahm selbst die Serviette zur Hand, die unbefleckt zu einem Tafelspitz gefaltet auf meinem Teller stand.
"Das war sehr nobel von dir Abby, wenn auch auf etwas unschöne Art. Ich werde schauen, das mal jemand mit Peter darüber redet", ergriff Micky das Wort, froh darüber endlich mal einen Satz vollenden zu können. Er stand wieder auf und blickte erwartungsvoll in die Runde.
"Ich habe noch eine Neuigkeit zu verkünden. Meine Neffen Mack und Muck werden mich für ein paar Tage besuchen und hier im Schloß wohnen. Ich hoffe das ist für niemanden ein Problem?"
Das Gestöhne, das darauf hin von jeder Ecke des Tisches kam, überraschte mich ganz schön. Die meisten, nein eigentlich alle sahen sehr unglücklich aus über diese Nachricht. Ungewünschte Kinder in dieser Welt? Na nu, was war denn da los? Micky konnte man seine Frustration regelrecht vom Gesicht abschälen, als er mit seinen weißen Handschuhen auf den Tisch klopfte.
"Kommt schon Leute, was ist denn das für ein Benehmen? Klar, die beiden sind ganz schöne Racker, aber.."
"Racker?", unterbrach Donald zuerst. "Die beiden haben mir Löcher in den Gartenschlauch gestochen und ständig alle Samen aus dem Acker geklaut!"
"Nicht zu vergessen das Spülmittel im Teich! Es hat drei Tage gebraucht die armen Fische umzusiedeln", warf Goofy ein.
"Oder das Chillie im Heu! Die Pferde haben den ganzen Tag nur getrunken", beschwerte sich Horace.
"Was ist mit der Mottenfamilie in unseren Kleiderschränken? Wir durften sämtliche Kleider wegschmeißen, stimmts Minnie?", gab Daisy noch dazu und erntete Zustimmung von Minnie.
"Denkt denn niemand daran, wie die beiden Halunken mein hart verdientes Geld in den Kochtopf warfen und sie mir dann unterschoben? Ich hab mir fast die Federn versenkt", gab nun Onkel Dagobert zum besten.
"Oder..."
"Okay, okay ich seh es ein. Ihr seit alle nicht begeistert. Aber sie sind meine Neffen und ich kann sie nicht von meiner Tür weisen", meinte Micky entnervt.
"Fein, aber auf deine alleinige Verantwortung", bestand Donald und nickte sicher. Er bekam die Zustimmung aller, auch Mickys.
"Also wir mögen ihn", warfen Donalds Neffen ganz keck ein, was mich gar nicht wunderte.
"Das kann ich mir vorstellen. Wehe ihr macht mit denen gemeinsame Sache!", warnte Donald. Goofy warf Max einen Blick zu, der genau das selbe aussagte. Max wiederum machte eine Geste, die wohl sowas wie 'Ich? Niemals!' bedeutete. Auch ich wurde angeschaut, obwohl ich mich noch ganz unschuldig fühlte. Na ja, fast ganz. Meine Wange belehrte mich eines besseren.
Ich war ganz gespannt auf Mickys Neffen Mack und Muck. Ich wusste fast gar nichts über die beiden, außer das sie offensichtlich ganz schöne Rüpel waren. Während der Restzeit, die wir noch am Tisch verbrachten, verhielt ich mich ruhig, auch als ich fast dazu genötigt wurde etwas zu essen. Ich wusste nicht genau was es war, das ich auf den Teller bekam, doch es schmeckte außerordentlich gut. Es machte irgendwie Spaß, trotz der vorausgegangenen Diskussion gemeinsam mit allen am Tisch zu sitzen und ihren Gesprächen zu lauschen. Es war auch unglaublich faszinierend alles aus nächster Nähe zu beobachten. Klarabella redete auf Horace ein, während die Glocke um ihrem Hals bei jeder Bewegung bimmelte. Donald gab vor Daisy an einen Fisch gefangen zu haben, der angeblich das doppelte seiner Armlänge lang war, worauf sich die Entendame fast an ihrem Essen verschluckte vor unterdrücktem Lachen. Micky und Minnie warfen sich verliebte Blickte zu, die ich einst kitschig und klischeehaft gefunden hätte. Die jüngeren am Tisch unterhielten sich über ihre ganz eigenen Dinge, lauter und schneller als die Erwachsenen. Ab und zu warfen sie mir noch schnelle Blicke zu, doch meistens schielte ich hinter meiner Knubbelnase unsicher zurück. Obwohl ich mich nicht einbrachte hatte ich ständig das Gefühl beobachtet zu werden, aber nicht im negativen Sinne.
"AU! Muss das sein?"
"Ich fürchte ja, tut mir leid."
Ich saß auf meinem neuen Bett, das entweder sehr hoch war oder ich hatte sehr kurze Beine, denn diese konnte ich frei hin und her schwingen. In der Sekunde jedoch kickte ich fast Minnie, die vor mir stand und einen Wattebausch mit Desinfektionsmittel gegen meine Wange drückte. Nach dem Essen hatte sie mich angesprochen und mir gesagt, das sie sich um meine Wunde kümmern würde. Die freundliche Mausdame hatte sofort damit begonnen und ich hinderte sie nicht daran, auch wenn der Alkohol brannte wie Feuer.
"Das haben wir gleich. Du hattest dir bestimmt einen anderen Anfang gewünscht, oder Liebes? Erzähl doch mal, wie gefällt es dir bisher bei uns?", fragte Minnie freundlich und lächelte, worauf ich auch lächeln musste.
"Es ist ganz anders hier als alles was ich bisher gesehen habe. Schon allein zu wissen das ich jetzt so hier aussehen gibt mir ein ganz seltsames Gefühl. Als würde ich in einem Kostüm stecken", sagte ich und sah auf meinen schwarzen Arm.
"Hmm, das kann ich alles sehr gut verstehen", antwortete Minnie und setzte sich neben mich auf das Bett. "Auch wenn ich das selbst noch nicht erlebt habe. Aber du scheinst mir ein sehr starkes Mädchen zu sein, das sich schon durch allerhand durchgebissen hat. Jeder von uns hier hat seine eigene Geschichte und die meisten haben nicht gerade schön angefangen. Aber es lief alles gut, weil sie an sich geglaubt haben und nun sind sie hier und leben ein friedliches Leben. Natürlich gibt es auch hier Auseinandersetzungen, so wie du ja selbst schon erlebt hast, doch niemand ist auf den anderen lange böse. Weißt du, Micky ist hier an oberster Stelle, auch wenn er es nicht gerne zu gibt, und er weiß ganz genau das wir nur eine Welt von vielen sind, die nebeneinander her existitieren. Bisher ist es noch nie passiert das jemand aus einer anderen Welt zu uns gekommen ist und sofort seinen Platz hier fand. Du bist etwas besonderes."
"Bist du dir wirklich sicher, das ich meinen Platz gefunden habe? Ich bin wie ein Waisenkind, gestrandet in einer bunten Welt voller sprechender Tiere."
Minnie lachte, als hätte ich einen Witz erzählt.
"Meinst du das wirklich? Schau dich doch mal an! DU bist ein Familiemitglied von uns. Das stand von dem Zeitpunkt aus fest, als du hier aufgetaucht bist. Und ich, nein wie alle möchten, das du dich auch so fühlst. Als du unterwegs warst hatten wir eine Sitzung der innersten Gruppe, das heißt mit all den Leuten die vorhin mit am Tisch saßen. Wie waren uns einstimmig einig, das du hier her gehörst."
"Aber wie könnt ihr jemaden vertrauen, der gerade erst erschienen ist? Und so mysteriös auch noch dazu! Momentan trau ich mir ja nicht mal selbst. Ich weiß noch nicht mal wie alt ich bin und ich vergesse ständig meinen Namen."
Minnie schaute kurz auf ihre Hände, die zusammengefaltet auf ihrem Schoß lagen und dann blickte sie sich um Raum um als hätte sie Angst, das uns jemand belauschte.
"Ich müsste eigentlich mit Micky darüber reden, aber ich glaube es geht schon in Ordnung, wenn ich es dir zeige. Kommst du mit?"
Minnie stand auf und reichte mir ihre Hand. Erst schaute ich sie nur an und fühlte mich dabei wie ein Idiot, bis ich sie ergriff und vom Bett gezogen wurde.
Minnie führte mich durch allerhand Korridore, an deren Wände starke Lampen hingen. Die waren auch nötig, da wir immer wieder Stufen nach unten stiegen und es dunkler und dunkler wurde. Mir wurde schon ein wenig mulmig, als Minnie stehen blieb und an einem Kerzenhalter an der Wand zog. Darauf hin spaltete sich die Wand vor unserer Nase und glitt links und rechts auf wie große Schiebetüren in Supermärkten. Dahinter befand sich eine große, massive Tür mit der klassischen Silouette von Mickys Kopf darauf. Ich hüpfte vor Aufregung auf und ab, als Minnie ganz langsam die Tür aufzog. Dahinter verbarg sich ein großer Raum, der unnatürlich hell dafür war, das wir im Keller waren. Die Wände waren in einem zarten Blau gestrichen und große, deckenhohe Regale voller Bücher standen an einer Wandseite uns gegenüber. Links und rechts hingen große Gemälde mit goldverzierten Ramen. Mir fiel fast die Kinnlade herunter, als ich auf den Bildern sämtliche Bewohner dieser Welt sah, wie sie früher ausgesehen haben mussten. Sie waren schwarz weiß und viel einfacher als heute in der Erscheinung. Auf einem Bild waren Minnie und Micky, Micky mit einer weißen statt roten Hose und Minnie trug oben herum gar nichts, dafür hatte sie einen Hut auf dem Kopf, an dem eine Blume steckte. Auf dem nächsten Bild war Donald mit einem viel schmaleren Kopf und daneben stand Goofy, der nichts anderes anhatte als Schuhe, eine Weste und einen Hut. Zusätzlich hatte er sogar einen leicht buschigen Schwanz. Dann kam noch Klarabella, auch oben herum nackt, dafür mit einer Halskrause und bodenlangen Rock und Horace, der nur sein Gestell um dem Hals hatte und ebenfalls einen Hut auf dem Kopf. Und alle hatten Augen, die so simpel und ausdruckslos aussahen, das es schon gruselig war. Je weiter wir auf die Bücherregale drauf zu kamen, umso länger wurde der Raum. Beinahe fragte ich mich, ob wir sie je erreichen würden. Die Bilder an den anderen Wänden waren jetzt nicht mehr schwarz weiß, sondern bunt und zeigen alle Figuren in der Form, wie sie etwas später aussahen. Dieses mal fiel mir ein Bild ins Auge, das einen kleinen Jungen zeigte, der vorher nicht zu sehen war. Er war rothaarig und hatte das Erscheinungsbild eines Hundes, jedoch fehlten ihm die Ohren. Seine Nase war auch rötlich und er trug eine blaue Latzhose. Gleich daneben tauchten Gemälde von Tick, Trick und Track auf, gefolgt von Mack und Muck. Fragend blieb ich vor dem rothaarigen Jungen stehen, bis mich Minnie weiterzog. Sie hatte es offenbar eilig wieder hier raus zu kommen. Warum zeigte sie mir diesen Raum? Und vor allem, was wollte sie mir noch zeigen? Es hatte offensichtlich mit den Büchern zu tun, die vor uns wegliefen, so schien es zumindest. Es ging noch eine ganze Weile so weiter, das immer mehr Bilder auftauchten, bis sie so aktuell wurden, das auch Max auftauchte. Ich erschrak furchtbar, als ich das letzte Bild der Galerie sah. Der Rahmen glänzte ganz neu und frisch und abgebildet...ja, war ich. Ich war stehend zu sehen, mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht, das eine kleine Zahnlücke zeigte und den Händen hinter den Rücken. Ich war so irritiert, das ich nicht gleich merkte, wie auch Minnie stehen geblieben war und das Bild anschaute. Sie hingegen war aber keines wegs irritiert.
"Da siehst du es schon, du bist der neuste Teil unserer Galerie Abby. Du bist gut getroffen!", sagte sie vergnügt.
"Aber wie... wie ist das denn möglich? Es hat doch keiner ein Foto von mir gemacht oder mich gezeichnet!"
"Mach dir keine Gedanken, das geht alles automatisch. Und nun komm, ich muss dir noch mehr zeigen."
Ich konnte mich nur schwer von dem Bild lösen, als Minnie endlich zu den Regalen kam. Ich war erst so frustiert, das sich die böden Möbestücke immer mehr entfernten, das ich nun um so freudiger darauf zu steuerte. Mit geschicktem Griff zog Minnie eines der Bucher heraus. Es war grün und hatte einen samtenen Einband. Auch hier fanden sich die Farben des Hauses wieder, rot, grün, blau und minzgrün. Minnies Mine war unergründlich als sie mir das Buch reichte. Mit leicht zittrigen Händen nahm ich es entgegen, den auf dem Einband stand mit goldenen Lettern: Abbigale Goof.
"Weißt du noch als ich dir sagte, das jeder hier seine eigene Geschichte hat? Hier sind sie alle verzeichnet, die ganzen Bücher die du hier siehst sind randvoll von den Ereignissen und Informationen aller Bewohner dieses Landes. Auch in deinem steht schon etwas drin."
Ich traute mich gar nicht das Buch aufzumachen. Ich kam mir vor wie in einer Geheimgesellschaft, wo andere Leute ausspioniert werden. Ich wusste nicht was ich davon halten sollte, aber wahrscheinlich war das alles nur ein weiterer Teil der unerklärlichen Magie dieser Welt. Einer Welt, in der auch einfach so Bilder auftauchten. Ich fasste mir ein Herz und klappte das Buch auf. Eigentlich hätte es mich nicht überaschen sollen, das noch nicht viel darin stand. Wie in einem Märchenbuch wurde festgehalten, wie ich vom Himmel kam, gefunden und hergebracht wurde und so weiter. Was mich allerdings interessierte waren die zusätzlichen Seiten, die mir fast gar nicht aufgefallen waren. Auf diesen Seiten stande ganz persönliche Informationen, wie mein ganzer Name, der mir Kopfschmerzen bereitete. Warum in Herrgotts Namen musste ich mit Nachnamen Goof heißen?! Und dann auch noch Abbigale. Ich hoffte, das mich keiner je so nennen würde, da war mir Abby schon etwas lieber. Und endlich sollte ich auch mein Alter erfahren. Jetzt fragte ich mich allerdings warum, den in dem Buch stand, das ich erst zehn Jahre alt war! ZEHN!
"Minnie, hast du eine Tüte dabei?"
"Nein, warum?"
"Weil ich gleich hyperventiliere!", rief ich und streckte ihr das aufgeschlagene Buch demonstrativ entgegen. Minnie nahm es mit einem Fragezeichen über dem Kopf.
"Ich bin erst Zehn! Ist das zu fasse? Nein, ich glaube das einfach nicht. Aber ich hätte schon an meinen Sachen merken müssen das da was nicht stimmt. Oh und was ist mir der Schule? Ich will das ganze Zeug nicht noch einmal machen! Was lernt man hier überhaupt?"
So wäre es bestimmt noch eine Weile gegangen, wenn Minnie mich nicht aufgehalten hätte. Sie schlug das Buch zu und fing an zu lachen.
"Du meinst es wohl wirklich ernst mit den hyperventilieren. Ich habe mir schon gedacht das du so alt bist, das sind die anderen der jüngeren auch alle", erklärte sie mit einem zuckersüßen Lächeln, das meine Nackenhaare stehen ließ.
"Jetzt mal ehrlich, was soll das ganze? Ich kann ja verstehen warum du mir das gezeigt hast aber warum ist das alles hier so geheim?"
Minnie sah aus als wüsste sie nichts von dem was ich sagte.
"Was meinst du denn? Das hier ist doch nicht geheim, es weiß nur nicht jeder davon, das sich das Archiv hier befindet. Aber sollte einmal jemand zu uns kommen und uns fragen wird er die richtige Antwort erhalten. Und nun komm, es ist schon spät und der neue Tag morgen wird ganz sicher aufregend."
Unzufrieden mit der Antwort machte ich mich auf den Weg Minnie zu folgen, die schnellen Schrittes aus dem Keller ging. Nicht geheim, aha. Warum also hatte sie daran gedacht erst Micky zu fragen, bevor sie mir dieses Archiv zeigte? Konnte es sein, das es sogar in einer Welt wie dieser Verschwörungen und falsches Spiel gab? Wahrscheinlich war das ein so fester Bestandteil des Lebens, das sich das überall wieder finden ließ.
"Was meinst du mit aufregend? Ist morgen irgendetwas los?"
Minnie blieb auf ein mal stehen, so das ich fast gegen sie knallte. Ihre Augen leuchteten wieder vor Freude.
"Haben wir dir das noch gar nicht erzählt? Morgen findet eine Feier statt, anlässig deines Erscheinens Abby! Das ist bei jedem neuen Bewohner so, das ist ein fester Brauch. Es wird getanzt, gespielt, gegessen und gelacht. Da kannst du dich wirklich darauf freuen."
Ein Fest für mich? Da hatte ich prinzipiell nichts dagenen, aber etwas unwohl war mir schon dabei. Ich war noch nie ein großer Fan davon im Rampenlicht zu stehen. Vor allem nicht, wenn ich dafür gar nichts getan hatte. Es war nicht mein Verdienst, das ich hier gelandet war. Sollte es dafür überhaupt eine Belohnung geben? Wahrscheinlich sollte das gar keine Belohnung sein, sondern war so alltäglich, das die Disneylandbewohner darüber nicht einmal mit der Wimper zuckten. Was regte ich mich eigentlich so auf, in der realen Welt wurde auch jeder Mist gefeiert, wie zum Beispiel das Bestehen von Supermarktketten, die es angeblich schon etliche Jahre gab.
