Wenn es kalt ist und ein Dieselmotor von selbst ausgeht, dann ist es fast immer versulzter Kraftstoff, der den Dieselfilter verlegt hat. Das hatte Kate immer gesagt, wenn irgendwelche Bekannte sie verzweifelt auf der Arbeit angerufen hatten, weil ihr Dieselauto nicht anspringen wollte. Obwohl Kate Flugzeugmechanikerin war, kannte sie sich auch mit Autos gut aus, und schraubte in ihrer Freizeit gerne.

Die Erinnerung an sie, wenn sie mal wieder am Sonntag mit ölverschmierten Händen zum gemeinsamen Mittagessen in die Flugplatz-Cafeteria kam, und mit freudenstrahlend von ihrem neusten Fortschritt bei ihrem „Projektauto" erzählte, treibt mir nach all den Jahren noch immer Tränen in die Augen. Weiter Bilder von schönen, gemeinsam verbrachten Stunden ziehen vor meinem geistigen Auge vorbei. Kate hatte immer etwas für verrückte Projekte übrig gehabt. Einmal hatten wir gemeinsam aus einem ausrangierten Turbolader, ein paar Auspuffrohren und einer zusammengeschusterten Brennkammer nach einer Anleitung aus dem Internet ein kleines Jettriebwerk gebastelt. Es hatte zwar mehr Lärm als Schub erzeugt, aber es war ein echter Turbojet.

Ich verdränge die schönen und doch schmerzhaften Erinnerungen. Kate ist nicht mehr hier, aber ihr Wissen kann uns jetzt vielleicht retten.

„Ich fürchte, es liegt am Treibstoff", sage ich zu Sergeant Miller. „Wissen sie zufällig, welche Sorte Dieselkraftstoff im Tank ist?"
Miller zuckt mit den Schultern.
„Keine Ahnung. Aber wahrscheinlich der, mit dem der Wagen durch das Portal kam. Angeblich sind diese Motoren ja recht heikel und nehmen es übel, wenn man nicht genau den richtigen Kraftstoff benutzt. Also was liegt näher, als den Treibstoff zu benutzen, den man dort benutzen würde, wo das Fahrzeug herkommt?"
Damit könnte der Soldat Recht haben. In Panem gibt es zwar einen synthetischen Dieselkraftstoff, der durch die Verarbeitung von Kohle gewonnen wird, aber ob dieser mit Motoren aus dem 21. Jahrhundert kompatibel ist, weiß wohl keiner.

„Was ist hier los?" fragt Johanna aufgebracht. „Macht diese Scheißkarre Ärger, oder was?"
„Das kannst du laut sagen!", entgegnet Miller und deutet auf mich. „Peter meint, es hat etwas mit dem Kraftstoff zu tun."
„Ich kann es nur vermuten. Wir müssen uns den Kraftstofffilter ansehen, dann wissen wir mehr", merke ich an.
„So eine verfluchte Scheiße!" flucht Johanna. „Da fliegen die extra einen Tankwagen ein, und dann sind die nicht mal fähig, vernünftigen Sprit zu tanken! Das kann ja was werden, wenn das Kerosin auch so eine Scheiße ist, dann muss ich mir doch glatt überlegen, ob ich überhaupt in diese DC-8 Schrottkiste einsteige!"

Ich werfe Johanna einen finsteren Blick zu.
„Niemand sagt zu meiner DC-8 Schrottkiste! Sieh dir doch mal euer Hovercraft an! Was ist da wohl mehr Schrott?"
„Schluss damit, Leute! Das bringt doch nichts!", ruft Sergeant Miller dazwischen, der mittlerweile die Motorhaube geöffnet hat und damit beschäftigt ist, den Kraftstofffilter mit dem zugehörigen Spezialschlüssel abzuschrauben. Wenigstens ist er nicht so blöd verbaut wie bei dem Auto, was ich zu Hause hatte. Da hätte man erst die Batterie und das Luftfiltergehäuse abmontieren müssen.

Sergeant Miller hält das Filterelement musternd vor seine Augen.
„Dieser weißliche Schleim sieht nicht gut aus", merkt er mit düsterem Blick an.
Ein Blick bestätigt meinen Verdacht, und die Erkenntnis trifft mich wie ein Schlag in die Magengrube. Der Filter ist mit einer weißlichen, trüben Masse verklumpt, die ein wenig wie matschiger Schnee oder zu dünn geratenes Kartoffelpüree aussieht.
„Nein, der ist nicht normal", entgegne ich.
„Und was bedeutet das?" fragt Johanna ungeduldig.
„Dass der Dieselkraftstoff durch die Kälte versulzt ist. Wahrscheinlich Sommerdiesel im Tank."

Wut steigt in mir auf. Auf die Leute, die die ganze Aktion „Notfallnachtanken in Distrikt 12" geplant haben, und dann so etwas Wesentliches übersehen konnten. Und auf mich selbst, weil ich mich auf sie verlassen habe.
„So ein Mist!" fluche ich, und stampfe mit meinem unverletzten linken Bein kräftig auf den Beton des Rollfelds.
„Was können wir tun?" fragt Miller besorgt.
„Den Filter wechseln und winterfesten Kraftstoff besorgen. Und hoffen, dass die Einspritzleitungen und die Injektoren noch nicht verstopft sind", entgegne ich. Stell dir das mal nicht zu einfach vor.
„Und wo sollen wir den herbekommen? Ich hab hier keine Tankstelle gesehen!" entgegnet Johanna mit zynischem Unterton.
„Wir könnten Kerosin verwenden. Entweder aus dem Tankwagen, oder aus dem Flugzeug. Ist zwar schlecht für die Hochdruckpumpe und die Einspritzdüsen, aber für die paar Minuten sollte es reichen", erkläre ich. Das wäre jetzt der Punkt, wo sie im Fernsehen ‚nicht nachmachen' sagen würden. Und wo jegliche Herstellergarantie aus dem Fenster fliegt.
„Ist mir doch egal, ob der Motor nachher hin ist oder nicht. Hauptsache wir kriegen die Maschine betankt. Wenn die Truppen erst mal hier sind, lassen die wahrscheinlich sowieso nicht viel von diesem Schmuckstück hier übrig!" entgegnet Johanna.

Sergeant Miller mustert uns nachdenklich.
„Ich glaube, wir übersehen da etwas. Der Tank ist so gut wie voll gefüllt mit diesem Sommerdiesel. Den müssten wir doch vorher abpumpen. Wie soll das gehen?"
Verdammt. Das ist in der Tat ein Problem. Ganz abgesehen davon, dass die Leitung vom Tank zum Filter auch verlegt sein könnte, zumal sie ja ungeschützt der Kälte ausgesetzt war.
Ich schüttle meinen Kopf.
„Den Tank leer machen und neu befüllen können wir vergessen. Wir müssen etwas zusammenschustern, mit einem Eimer oder eine Kanister voll Kerosin, in den wir die Ansaugleitung vom Filter und die Rücklaufleitung von der Pumpe reinhängen."
„Woher bekommen wir das Material? Wir werden Verlängerungen für die Leitungen brauchen, und so weiter", wirft Miller ein.
„Im Hangar müsste ein ganzes Regal voller Ersatzteile sein. Da sollte es auch ein paar passende Kraftstoffschläuche geben, entweder die vom Diagnosesatz oder einfach eine kleine Rolle mit ein paar Metern Schlauch", entgegne ich. Wenn es wahr ist, und die Ersatzteile, von denen Beetee geredet hat, auch wirklich geliefert wurden, und nicht in irgendeiner Lagerhalle in Distrikt 13 vor sich hin modern.

Sergeant Miller nickt mir anerkennend zu.
„Johanna, du gehst zu Hangar und holst die Teile. Kanister oder Eimer, einen neuen Kraftstofffilter und die Schläuche!", befiehlt der Soldat. Anscheinend ist er ranghöher als Johanna. Ich hätte mir mal die Rangabzeichen einprägen sollen!
„Na toll, ich darf wie immer schleppen!" motzt Johanna, und macht sich auf den Weg.
„Sie ist manchmal etwas schwierig, aber wenn man sich an ihre Art mal gewöhnt hat, kann man mit ihr arbeiten", sagt Miller mit vorgehaltener Hand zu mir. Dann greift er nach seinem Funkgerät.
„Miller an Boggs!"
„Boggs hört."
„Wir haben hier ein Problem mit dem Tankwagen. Der Kraftstofffilter ist verlegt, anscheinend wegen nicht kältefestem Dieseltreibstoff. Wir tauschen jetzt den Filter und basteln etwas, damit wir den Motor mit Kerosin betreiben können. Peter meint, das geht."
„Peter ist der Experte für diese alte Technik. Irgendeine Schätzung, wie lange das dauert?"
Miller wirft mir einen fragenden Blick zu.
„Ich weiß nicht, vielleicht zehn oder fünfzehn Minuten?"
„Peter sagt, zehn bis fünfzehn Minuten", spricht der Sergeant in sein Funkgerät.
„Verstanden. Braucht ihr Unterstützung?"
„Negativ", antwortet Sergeant Miller. „Wir kommen zurecht."

Jetzt, wo ich sein dunkelhäutiges, schmales, kantiges Gesicht und seine kurze klassisch afroamerikanische Stoppelfrisur aus der Nähe betrachte, kann ich mir wieder erinnern, dass ich ihn tatsächlich einmal auf dem Rollfeld in Distrikt 13 gesehen habe.

„Wie seid ihr eigentlich zu dieser Johanna gekommen?" frage ich ihn, seine Anmerkung von vorhin aufgreifend.
Miller rollt vielsagend mit den Augen.
„Das war so eine Aktion von Beetee und Boggs. Haben sie im vergangenen Frühling in Distrikt sieben aufgegabelt, angeblich, weil sie auf irgendeiner Art Abschussliste des Kapitols stehen soll. Beetee hat dauernd etwas von einem Jubeljubiläum der Hungerspiele gefaselt, wo anscheinend die ehemaligen Sieger noch mal in die Arena müssen. Keine Ahnung, wie der gute Mann darauf kommt, ich halte das für ziemlichen Bullshit, aber Beetees Wort ist momentan Gesetz. Da muss selbst Coin manchmal die zweite Geige spielen".
Der Sergeant hält seinen rechten Zeigefinger vor die Lippen.
„Darf man aber nicht laut sagen. Ist aber trotzdem so. Du hast das aber nicht von mir, klar?"
Ich nicke ihm zu.
„Klar."
Mein Blick fällt auf Breck, der teilnahmslos in einigen Metern Entfernung vom Tanklaster am Boden hockt. Er starrt abwesend auf den Betonboden. Tränen fließen aus rot geweinten Augen über seine Wange.
„Du schaust mal besser nach dem Jungen", sagt Sergeant Miller zur mir. „Ich kümmere mich um den Wagen."

Vorsichtig humple ich auf Breck zu. Er scheint mich gar nicht gleich zu bemerken.
„Ist dir nicht kalt auf dem harten Boden hier?" frage ich, um das Schweigen zu brechen.
Der Junge nickt mir müde zu.
„Schon. Aber das ist jetzt egal." Er schluckt. „Ich habe Marina im Stich gelassen. Was kümmert mich da der kalte Boden?"
Ich setze mich neben Breck und lege meinen Arm auf seine Schultern.
„Du hast Marina nicht im Stich gelassen. Du hättest nichts tun können. Wenn hier jemand Schuld an ihrem Tod hat, dann bin ich das, weil ich Katniss die Beeren aus der Hand geschlagen habe", entgegne ich sanft.
„Das meine ich nicht", erwidert Breck. „Was hättest du sonst tun sollen?"
„Was meinst du dann?"
„Ich hätte mit ihr gehen sollen. Ihr in den Tod folgen. Jetzt ist sie ganz allein…".
Dicke Tränen rollen über Brecks Wangen.
„So darfst du nicht denken! Glaubst du wirklich, Marina hätte gewollt, dass du dein Leben einfach so wegschmeißt?"
„Welches Leben denn? Die ein oder zwei Jahre, die mir vielleicht noch bleiben", entgegnet Breck verzweifelt.
„Wir könnten dich behandeln. Was das Kapitol kann, können wir auch. Du kannst 100 Jahre alt werden!", versuche ich den Jungen aufzumuntern.

Breck schüttelt seinen Kopf.
„Glaubst du, das macht es leichter? Wenn ich 100 Jahre lang damit leben muss, dass ich Marina alleingelassen habe? Dass ich so lange warten muss, bis ich sie vielleicht wiedersehe?"
„Das ist der Punkt", entgegne ich. „Du siehst Marina vielleicht wieder, aber dafür gibt es keine Garantie. Kein Mensch kann bis heute zweifelsfrei sagen, ob es ein Leben nach dem Tod überhaupt gibt, oder wie das aussieht. Was ich dir aber ohne jeden Zweifel sagen kann ist, dass Marina irgendwo da draußen noch am Leben ist, als wäre nichts geschehen."
Der Junge starrt mich ungläubig an.
„Spinnst du? Machst du dich lustig über mich?"
„Keineswegs", entgegne ich. „Ich sage dir nur, was die Gesetzmäßigkeiten der Quantenphysik sagen. Und nach denen spaltet sich das Universum bei jedem Vorgang, bei jeder Entscheidung, in eine Vielzahl paralleler Welten auf. Jedes mögliche Ergebnis einer Handlung ergibt ein eigenes Universum, und so fort. Wenn wir jetzt diese Höllenmaschine hernehmen, also diese Mikrowellenkanone, die Marina getötet hat, dann ist die so wie alle Maschinen nicht perfekt. Es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht funktioniert. Bis hier her alles klar?

Breck mustert mich nachdenklich.
„Wenn das stimmt, dann gibt es also…eine Welt, wo die Maschine nicht funktioniert hat, und Marina noch lebt?"
„Genau das wollte ich sagen. Diese Welt wäre bis zu dem Augenblick, wo der Spielmacher auf den Knopf drückt, völlig identisch mit unserer. Man kann sogar sagen, sie geht aus unserer hervor. Wir haben praktisch nur die falsche Abzweigung genommen, um das mal vereinfacht zu sagen", erkläre ich.
„Ist ja schön und gut. Aber was nützt mir das? Meine Marina ist tot!" entgegnet Breck.
„Das ist eine Definitionssache."
„Eine was?"
„Es kommt darauf an, wie man es sieht. Eine Marina, die in einem anderen Universum überlebt hat, würde ‚deiner' Marina bis aufs letzte Haar exakt gleichen. Ihre Erinnerungen, ihre Persönlichkeit, alles wäre identisch. Und wenn alles identisch ist, dann ist sie die gleiche Person. Oder etwas nicht?"
„Aber es wäre doch nur eine Kopie", entgegnet Breck. „Eine perfekte Kopie, aber eben nicht meine Marina."
„Doch. Eine perfekte 1:1 Kopie, die sich in keinster Weise vom Original unterscheidet, gilt als Original. Mir fällt jetzt nicht ein, welcher Physiker das gesagt hat, aber es ist so. Eine Kopie im eigentlichen Sinn hast du dann, wenn sie nicht zu hundert Prozent mit dem Original übereinstimmt."
„Aber das ist doch völlig verrückt! Welten, die sich aufspalten! Da muss es doch unendlich viele geben!"
„Es gibt auch unendlich viele. Oder zumindest so gut wie. Klar, es klingt verrückt, aber nach allem, was wir heute wissen, ist es so."
„Und wie sollten wir Marina in diesem Chaos finden?" fragt Breck skeptisch. „Und wie soll man überhaupt dort hingelangen?"

Jetzt muss ich aufpassen, was ich sage. Zu gerne würde ich Breck von dem Dimensionsportal erzählen, aber solange ich nicht ausschließen kann, dass uns das Kapitol irgendwie abhören könnte, kann ich das nicht tun. Außerdem will ich ihm keine falschen Hoffnungen machen. Es könnte in der Praxis schwierig sein, dass richtige Universum zu finden. Beetee hat es ja bis jetzt auch nicht geschafft, eine Parallelwelt zu finden, wo Kate noch lebt. Und selbst wenn, was sollte ich damit anfangen? Meinem dortigen Selbst in die Quere kommen? Oder gar eine Welt suchen, wo ich tot bin und dann quasi von den Toten zurückkehren könnte? Nein, ich verspreche dem Jungen besser nicht zu viel.

„Das kann ich dir leider auch nicht sagen. Ich weiß nur, dass es theoretisch möglich wäre, die Grenze zwischen zwei Welten zu überwinden. Es gab da mal in den ehemaligen USA Forschung in die Richtung, aber dann kam die Sache mit dem Meteoriten und dem Sonnensturm dazwischen. Da hatten wir dann anderen Sorgen, als aus dem allgemeinen Chaos Panem wurde. Aber wenn du sagen wir zehn oder zwanzig oder dreißig Jahre wartest, kann viel passieren. Und wenn nicht, kannst du immer noch darauf hoffen, Marina nach deinem Tod im hohen Alter wiederzusehen. Was meinst du?"
„Ich weiß nicht", antwortet Breck. „Das ist alles etwas viel für mich."
„Schon gut", entgegne ich. „Und jetzt, willst du nicht doch aufstehen und mit mir mitkommen?"
„Wozu?"
„Hast du schon mal einen großen Sechszylinder-Dieselmotor aus der Nähe gesehen?"
Breck schüttelt seinen Kopf.
„Wenn du willst, kannst du dir den Motor von unserem Tanklaster hier ansehen. Sergeant Miller, das ist der nette Mann da drüben, kann vielleicht deine Hilfe brauchen. Wir müssen etwas basteln, und du hast kleine Hände. Na?"
Zögernd erhebt sich der Junge.
„Wenn du meinst."

Vorsichtig stehe ich auf. Mein Knöchel ist schon genug in Mitleidenschaft gezogen. Plötzlich tupft mir von hinten jemand auf die Schulter.
„Peter, du solltest besser mal ins Cockpit kommen. Boggs will dich sprechen!" sagt ein mir unbekannter Soldat zu mir. Ein Schulterabzeichen mit einem angedeuteten Äskulapstab sticht mir ins Auge. Scheint ein Sanitäter zu sein.
„Wieso? Gibt es ein Problem?"
„Das kann ich nicht sagen. Boggs hat gesagt, es ist dringend. Er muss etwas mit dir unter vier Augen besprechen. Gleich!" sagt der Soldat nachdrücklich.
„In Ordnung", entgegne ich, und wende mich an Sergeant Miller. „Ich gehe mal schnell ins Cockpit. Wenn ihr mit dem Filter soweit seid, sagt mir Bescheid. Wissen sie, wie man den fuel drain an der DC-8 bedient?"
Miller nickt.
„Ich bin damit vertraut. Wenn wir den Sprit abgezapft haben, sagen wir dir Bescheid. Johanna und ich machen das schon."
„Gut. Und passen sie auf den Jungen hier auf. Er will sich gerne den Motor ein wenig ansehen", rufe ich dem Sergeant zu.
„Kein Problem."

Während ich mich humpelnd auf die DC-8 zubewege, lasse ich meine Augen routinemäßig über die Maschine schweifen. Auf den ersten Blick sieht sie unbeschädigt aus, doch beim näheren Hinsehen offenbaren sich die Spuren, welche die Manöver außerhalb der normalen Betriebsparameter hinterlassen haben. Am linken inneren Triebwerk fehlt eine Abdeckklappe. Wahrscheinlich abgerissen durch die abnormal hohe aerodynamische Belastung im Sturzflug. Von der Tragflächenunterseite tropft Treibstoff langsam Tropfen für Tropfen auf den Betonboden des Vorfelds. Ein untrügliches Zeichen dafür, wie sehr sich die Struktur belastet habe. Für den Moment ist es keine große Sache, der Treibstoffverlust von vielleicht ein paar Litern pro Stunde fällt nicht ins Gewicht, und so leicht entzündlich ist Kerosin nicht, schon gar nicht in dieser Kälte. Aber die DC-8 wird in Distrikt 13 eine gründliche Inspektion über sich ergehen lassen müssen, und eine Weile im Hangar stehen, um wieder ordnungsgemäß repariert zu werden. Unter normalen Umständen wäre die Maschine mit diesen Schäden gegroundet, doch wenn ich die Wahl zwischen einer lädierten DC-8 und einem Haufen schießwütiger Soldaten des Kapitols habe, gewinnt in jedem Fall die DC-8. Selbst wenn sie nach den Vorschriften luftuntauglich ist.

Als ich die Maschine durch die offene Vordertür betrete, schlägt mir sofort der Geruch geronnenen Bluts in die Nase. Komisch, dass mir das im Flug gar nicht aufgefallen ist. Ich höre, wie hinter mir jemand schnellen Schrittes die Treppe hochkommt. Es sind zwei Soldaten.
„Nicht schrecken! Wir sollen nur die Toten holen und aus der Maschine entfernen", sagt einer der beiden zu mir.
„Machen Sie nur. Aber denken Sie daran, es sieht nicht gerade appetitlich aus da hinten!" entgegne ich.
„Schon in Ordnung, dafür werden wir bezahlt", erwidert der Soldat achselzuckend, und verschwindet mit seinem Kollegen in der Kabine.

Ich humple weiter ins Cockpit. Aus dem Augenwinkel sehe ich Cloves Leiche, die jemand achtlos in der vorderen Bordküche abgelegt hat. Ich zwinge mich, meinen Blick abzuwenden. Bloß keine weichen Knie bekommen!

„Da bist du ja endlich!" ruft mir Boggs zu. Er hat mittlerweile am Flugingenieurssitz Platz genommen. Finch sitzt mit bandagiertem Kopf auf dem Navigatorensessel.
„Ich wäre ja schneller gekommen. Aber mein Bein spielt nicht ganz mit", entgegne ich lächelnd. Boggs versteht Spaß. Meistens.
„Du immer mit deiner Untertreibung! Sag doch, dass dein Knöchel höllisch wehtut und dass es besser wäre, wenn dich jemand trägt. Johanna könnte dich mit etwas gutem Willen…".
„Kommt nicht in Frage! Bevor ich mich von der frechen Kratzbürste durch die Gegend tragen lasse, verpasse ich mir eigenhändig eine Morfixspritze", unterbreche ich ihn.
„Das lass mal lieber", entgegnet Boggs. „Du weißt doch noch, was du damals im Simulator angestellt hast, als du gemeint hast, das Fliegen unter Einfluss von Morfix testen zu müssen!"

Und ob ich das weiß. Ich hatte mal wieder einen meiner Anfälle von „Testitis" gehabt, und wollte wissen, ob ich im Notfall auch mit einer Ladung Morfix fliegen kann, falls ich mich an einem Außenposten blöd verletzen sollte und ein Flug keinen Aufschub duldet. Die Erinnerung an den Simulatorflug ist ein nichts als ein verschwommenes Chaos von Sinneseindrücken, eingebettet in ein wärmendes Glücksgefühl, in dem ich mich zu allem fähig gefühlt hatte, und in Wahrheit eine derart miserable Performance abgeliefert hatte, dass ernsthafte Zweifel an der Echtheit meines Pilotenscheins hätten aufkommen können. Morfix und Fliegen ist keine gute Kombination, wirklich nicht.

„Ja. Ich weiß", erwidere ich. „Und was wolltest du jetzt eigentlich von mir?"
„Es geht um den Treibstoff", beginnt Boggs. „Falls wir den Tankwagen nicht in Gang bekommen, oder nicht rechtzeitig, gibt es eine Chance, Distrikt 13 mit dem Treibstoff, den wir an Bord haben, zu erreichen?"
Nachdenklich neige ich meinen Kopf zu Seite.
„Das Minimum laut Betriebsvorschrift liegt bei 17 000 Pfund unter Standardbedingungen. Wenn ich mich recht erinnere, ungefähr 11 000 Pfund Tripfuel, und 6 000 Pfund Reserve, bei maximal 180 000 Pfund Fluggewicht. Nachdem wir jetzt noch an die 14 000 Pfund an Bord haben…gut, machen wir 13 000 daraus, wir müssen ja auch noch zur Startbahn rollen und die APU schluckt auch noch 200 Pfund pro Stunde, dann sollten wir theoretisch knapp hinkommen."

Theoretisch knapp hinkommen ist gut. Wir hätten 2000 Pfund übrig, abzüglich der nicht ausfliegbaren Treibstoffmenge. Das wären maximal ein paar Minuten Reserve.

„Es ginge sich also aus", fasst Boggs zusammen.
„Theoretisch ja. Aber wir hätten wahrscheinlich nicht mal genug Reserve, um durchstarten zu können. Wir könnten uns auch keinen Triebwerksausfall leisten. Falls wir das Fahrwerk oder die Klappen aus irgendeinem Grund nicht reinbekommen, hätten wir keine Chance. Und wenn wir Gegenwind haben, kommen wird vermutlich als Segelflieger runter", entgegne ich.
Boggs grübelt.
„Wie lange brauchen wir zum Anlassen und zum Rollen zur Startbahn? Mit den minimal notwendigen Checks?"
„Ich würde sagen, zwischen fünf und zehn Minuten", antworte ich.
„Gut. Dann machen wir Folgendes. Wir beginnen umgehend mit dem Einladen der Leute. Zuerst die Erwachsenen, die Kinder erst, wenn die Leichen weg sind. Wenn die Truppen weniger als fünfzehn Minuten entfernt sind, brechen wir alle Versuche mit dem Tankwagen ab. Wir lassen die Motoren an und starten so rasch es geht. Einverstanden?"
Ich nicke.
„Klingt nach einem Plan. Wie weit sind die Truppen den noch weg?"

Boggs drückt auf ein klobiges, armbanduhrähnliches Gerät auf seinem linken Handgelenk. Ein Holo. Sofort erscheint eine dreidimensionale Projektion mit einer Übersichtskarte der Region. Deutlich ist eine Reihe rot markierte Punkte nördlich des Flugplatzes zu erkennen, wie ein Konvoi. Im oberen rechten Rand der Karte ist ein kleines Videobild eingeblendet.
„Sieht so aus, als ob sie noch eine Weile brauchen. Laut unserer Drohne haben sie in den letzten paar Minuten kaum Fortschritt gemacht. Warte!"
Boggs vergrößert das Videobild. Eine ganze Schlange von geländegängigen Militärfahrzeugen ist zu sehen. Die Fahrzeuge stehen still, Soldaten laufen wie Ameisen herum. Boggs gibt mit Fingergesten ein paar Befehle ein, um die Drohne ans vordere Ende der Schlange fliegen zu lassen.
„Da haben wir das Problem", bemerkt er trocken. Quer über dem verwaschenen Weg, der nur noch entfernt an eine Straße erinnert, liegt ein riesiger Baum. Soldaten sind gerade damit beschäftigt, dem Stamm mit Motorsägen zu Leibe zu rücken. Umfahren geht nicht, weil das Gelände rechts steil abfällt, und links ein Berghang in die Höhe ragt.

„Was meinst du, wie lange brauchen die noch, bis sie den Baum aus dem Weg haben?" frage ich Boggs.
„Schwer zu sagen. Vielleicht eine Viertelstunde, oder auch mehr. Oder weniger. Das Problem ist nicht das Durchsägen, damit scheinen sie fast fertig zu sein, es ist eher das zur Seite schaffen. So ein Baum ist schwer, da braucht man viele Leute. Ist verdammt mühsam. Aber ich programmiere die Drohne so, dass sie automatisch Alarm schlägt, sobald sich der Konvoi wieder bewegt."
„Was ist das überhaupt für eine Drohne?" frage ich neugierig.
„Eine Sunglider 4000. Leichtbau mit Brennstoffzellen-Antrieb, Solar-Zusatzversorgung und automatischer Thermiknutzung. Kann ein paar Stunden in der Luft bleiben. Videosystem mit 8K-Auflösung, kreiselstabilisiert. Zoomoptik mit äquivalenter Kleinbildbrennweite von 28 bis 700 Millimetern, mit einklappbarem 1,5 fache Telekonverter. Zusätzlich eine Wärmebildkamera, und Software für automatische Bild- und Bewegungsanalyse", erklärt Boggs.
„Nettes Teil. Kann ich so eine zum Geburtstag haben?"
„Ich denke eher nicht. Du weißt ja, Coin gibt nicht gerne etwas aus der Hand. Militärhardware schon gar nicht."

Mein Blick fällt auf Finch.
„Wie geht es dir eigentlich? Besser?"
„Der Sanitäter hat mir etwas gegen die Schmerzen gegeben. Aber da ist etwas, was ich dir sagen sollte."
Jetzt ist meine Neugier geweckt.
„Was denn?"
Finch zögert.
„Na los! Sag es ihm schon!" fordert Boggs sie auf. „Meine Erlaubnis hast du!"
Das Mädchen räuspert sich.
„Also, es geht um Breck. Besser gesagt, seinen Tod. Seinen vorgetäuschten Tod."
Das ist es also! Hab ich doch geahnt, dass Finch etwas damit zu tun hatte!
„Du musst wissen", setzt sie fort, „dass ich, sagen wir, so eine Art Rebellenagentin war. Jemand, der dazu da war, um dir zu helfen und dich auf den richtigen Weg zu bringen. Und darauf zu achten, dass die Spiele in die gewünschte Richtung gehen."
Jetzt bin ich baff.

Ich starre Finch mit offenem Mund an.
„Du? Eine Agentin? Warum hast du mir das nicht gesagt?"
„Warum wohl? Weil das Kapitol hätte mithören können, oder hast du das vergessen?"
„Aber die Übertragung war doch aus!" entgegne ich. So froh ich bin, dass Finch anscheinend auf der Seite der Rebellen steht, so sehr hasse ich es auch, wenn man mir etwas verheimlicht.
„Die Übertragung, das ist richtig. Aber die Kameras hängen am Gleichstrom, entweder am DC BUS 1 oder am BATTERY BUS, und zeichnen auf einen Solid-State-Recorder auf. Die Lichter am Sender sind zwar aus, aber die Aufzeichnung selbst läuft weiter, und würde ans Kapitol gesendet werden, falls der AC TIE BUS wieder Strom bekommen würde", erklärt Finch.
„Ich habe den Sender und den Rekorder endgültig vom Netzt getrennt", ergänzt Boggs.

Soll ich mich freuen oder ärgern?
„Das heißt, es wurde alles aufgezeichnet, was wir bis zur Landung getan haben?"
„Korrekt" entgegnet Boggs. „Dieses Material wird Distrikt 13 nach Bedarf verwenden, um den Distrikten zu zeigen, wie ihr das Kapitol überlistet habt."
„Na toll! Dann sollen wir also Fernsehstars werden", bemerke ich sarkastisch. „Noch irgendetwas, was ich wissen sollte, und was man mir verheimlicht hat?"
„Jetzt erklär ihm doch endlich, was es mit Breck auf sich hat", mahnt Boggs Finch.
Ich will etwas erwidern, doch ich entschließe mich, den Mund zu halten. Jetzt herumzustreiten, bringt uns nicht weiter.

„Also, Peter, die Leute aus Distrikt 13 haben mit mir nach der Ernte im Zug geredet. Genauer gesagt, so ein Typ namens Haymitch. Er hat mir versprochen, dass die Rebellen meine Familie in Sicherheit bringen, wenn ich ihnen helfe. Sie haben mir ein paar Dinge verraten, zum Beispiel, dass die Nachtriegel nicht echt sind, sondern nur eine Kombination von Wirkstoffen enthalten, die einen scheintodähnlichen Zustand hervorrufen", erklärt Finch.
„Das muss aber ein guter Scheintod sein! Ich konnte keinen Puls fühlen!"
„Das Mittel verlangsamt den Herzschlag auf ungefähr fünf schwache Schläge pro Minute. Der Zellstoffwechsel wird auf etwa ein Viertel des Normalwerts reduziert. Dieser Zustand kann etwa zehn Minuten aufrechterhalten werden, ohne dass es zu Organ- oder Hirnschäden kommt", setzt Finch fort.
„Aber Breck lag ja wie lange da hinten? Eine Stunde?" werfe ich ein.
„Da komme ich ins Spiel. Es gab in einem Overhead-Staufach eine Ampulle mit dem Gegenmittel, und eine weitere mit einem starken, kurzzeitig wirksamen Schlafmittel. Was ich getan habe war, Breck das Gegenmittel zu spritzen, nachdem du weg warst, ihn auf die Sitzreihe zu legen und festzuschnallen, und ihm dann das Schlafmittel zu spritzen, nachdem sein Herzschlag annähernd normal war, aber bevor er aufwachen konnte", erklärt Finch ruhig.

Jetzt ergeben ihre ungeklärten Aufenthalte in der Kabine auf einmal Sinn. Sie hat nach Breck gesehen, und ihn am Schlafen gehalten. Und sie konnte es mir nicht sagen, weil ihre Verbindung zu Distrikt 13 sonst unweigerlich aufgezeichnet worden wäre. Aber Moment! Die Kameras müssten doch auch gefilmt haben, wie sie an Breck hantiert!
„Ach ja, bevor du fragst, die Kamera, welche den Bereich im Blick hatte, und die Weitwinkelkameras am hinteren und vorderen Ende der Kabine habe ich kaputtgeschlagen. Ich habe es wie einen Wutanfall aussehen lassen", fügt Finch ihren Ausführungen hinzu, ehe ich meine Frage stellen kann.
„Cleveres Mädchen", merkt Boggs an. „Darum haben wir sie ausgewählt."
„Wir werden da noch über ein paar Dinge reden müssen, wenn wir in Distrikt 13 sind", sage ich augenzwinkernd zu Boggs. Dann will ich den ganzen Plan hören, von A bis Z.
„Ich hätte Breck eigentlich vor der Landung noch eine Dosis Schlafmittel verpassen sollen", setzt Finch fort. „Weil sich das nicht ausging, ist er aufgewacht."
„Das war auch gut so", bemerke ich trocken. „Ohne Breck wären wir jetzt alle tot."

Plötzlich deutet Boggs mit der linken Hand Richtung Frontscheibe.
„Was hat denn deine Freundin da draußen vor?"
Erstaunt wende ich mich von Finch ab und werfe einen Blick durch die Scheibe. Katniss stürmt mit eiligen Schritten auf die Maschine zu. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, scheint sie sich über irgendetwas zu ärgern.
„Der passt etwas nicht", fügt Boggs lapidar hinzu. „Sieh mal besser nach ihr!"
Rätselnd, was Katniss über die Leber gelaufen sein könnte, humple ich Richtung vorderer Tür. Die beiden Soldaten kommen gerade mit einer zugedeckten Leiche aus der hinteren Kabine nach vorne. Katniss zwängt sich noch schnell an ihnen vorbei durch die Tür.
„Na, na, na, nicht so eilig, so junge Dame!" tadelt sie einer der Soldaten.
„Spar dir die junge Dame", zischt Katniss böse zurück und stürmt mit vor Wut zusammengekniffenen Augen auf mich zu. Was habe ich jetzt schon wieder falsch gemacht!

„Du verdammter Lügner! Europa! Kanada! Schöne Geschichte hast du dir da ausgedacht", fährt sie mich an, und verpasst mir eine kräftige Ohrfeige.
„Spinnst du? Was soll das?" entgegne ich. Was ist denn in die gefahren?
„Das Gleiche könnte ich dich fragen. Erzählst mir irgendwelche Phantasiegeschichten von Kanada und irgendwelchen Transportflügen, und in Wahrheit hast du die ganze Zeit für die gearbeitet!" schreit mich Katniss an und deutet abfällig in Richtung der beiden Soldaten, die gerade mit der Leiche die Treppe runter marschieren.
Sie packt mich mit beiden Händen an den Schultern.
„Die Soldaten haben es mir erzählt. Alle wissen es, sogar meine Mutter und Prim! Wahrscheinlich war ich zu dumm, um es zu merken!"
Um Fassung ringend, mühe ich mich um eine Antwort. Bleib sachlich! Lass die Situation nicht eskalieren!
„Deine Mutter und Prim haben es vermutlich auch erst jetzt erfahren, während sie auf uns gewartet haben", entgegne ich.

Katniss funkelt mich böse an.
„Das ändert nichts. Du hast mich angelogen, mich für dumm verkauft!"
„Nein! So ist das nicht!", erwidere ich. „Welche Wahl hatte ich denn? In Distrikt 12 haben die Wände Ohren, da wäre es viel zu gefährlich, auch nur ein Wort über die Existenz von Distrikt 13 zu verlieren. Glaub mir, ich hätte dir nur zu gerne alles erzählt, aber selbst die Geschichte mit Europa und Kanada war schon sehr gewagt. Stell dir vor, das Kapitol hätte Wind davon bekommen. Wen hätten sie dann wohl geschnappt?"
„Ich hätte ihnen nichts verraten!" entgegnet Katniss trotzig.
„Denkst du! Sie hätten dich so lange gefoltert, bis du etwas sagst. Irgendwann redet jeder!"
„Ich bin nicht jeder!"
„Und wenn Folter nichts bringt, haben die noch so nette Psychodrogen. Dagegen ist man machtlos. Manche Leute behaupten sogar, das Kapitol kann Informationen notfalls direkt aus dem Gehirn herunterladen!" setze ich fort.
„Und das soll ich dir glauben?" Katniss sieht mich fragend an.
„Wem glaubst du lieber? Demjenigen, der dich zu deiner Schwester gebracht hat, und der dir das Leben gerettet hat? Oder dieser verrückten trotzigen Stimme in dir?"

Katniss senkt ihren Blick zum Boden.
„Du hast ja Recht. Ich sollte nicht so undankbar sein". Sie holt Luft. „Aber du musst dich entscheiden. Entweder du sagst mir die Wahrheit, und zwar die ganze Wahrheit, oder wir gehen nach dieser Sache besser getrennte Wege! Verstanden?"
Ich nicke verhalten.
„In Ordnung. Sobald wir in Distrikt 13 sind, erfährst alles. Du hast ja keine Ahnung, wie gerne ich dir das alles schon längst erzählt hätte. Glaubst du, mir hat dieses Lügenspiel Spaß gemacht? Aber ich verspreche dir, das hat jetzt ein Ende", sage ich ruhig. „Und falls es dir hilft, ich wurde auch verarscht. Genau genommen wurden sogar wir alle verarscht!" füge ich hinzu.
Erstaunt reißt Katniss ihre Augen auf.
„Von wem?"
„Von Finch", entgegne ich.


Anmerkungen:

1) Es ist möglich, aus einem Turbolader ein funktionierendes Turbojet-Triebwerk zu basteln. Allerdings ist der zu erwartende Schub aufgrund der für diesen Zweck unpassenden Abstimmung von Verdichter- und Turbinenrad eher gering, und so eine Konstruktion ist auch aus Platz- und Gewichtsgründen eher nur zu Demonstrationszwecken geeignet. Es gibt auf Youtube einiges Videos dazu. Der Trick besteht darin, die Brennkammer richtig zu gestalten - gerät sie zu kurz, erreichen die Flammen das Turbinenrad und glühen es aus. Manchmal laufen diese Triebwerke auch nicht aus eigener Kraft, sondern müssen mit Druckluft am Drehen gehalten werden, das zeigt dann, dass die Abstimmung nicht passt.

2) Ich habe mich an einem Cummins 6.7L ISB Dieselmotor orientiert, in der Version mit nur einem saugseitig montierten Kraftstofffilter. Etwaige minimale Detailabweichungen ergeben sich aus der nicht ganz eindeutigen Dokumentation, welche zwei Varianten des gleichen Motors gleichzeitig behandelt.

3) Moderne Dieselmotoren bitte niemals mit anderen Kraftstoffen als Dieselkraftstoff gemäß DIN EN 590 (bzw. laut Handbuch freigegebenen alternativen Kraftstoffen wie Biodiesel (RME)) betreiben. Der Betrieb mit Kerosin, Benzin, Lampenpetroleum oder ähnlichen ungeeigneten Brennstoffen führt aufgrund mangelder Schmierfähigkeit unweigerlich zu Schäden an der Hochdruckpumpe (bei Common Rail) bzw. den Pumpe Düse Elemente (PD-TDI oder vergleichbare Motoren) und dem Einspritzsystem. Im Falle von Benzin kann das schon nach kürzester Zeit geschehen (falsch tanken, ein paar Kilometer fahren, Ende). In diesem Sinne Vorsicht an der Tankstelle!