Once a night

Samten schmiegte sich die Dunkelheit um ihre Konturen. Ihre zarte Haut war von einem leichten Schweißfilm bedeckt. Lange, dunkle Locken breiteten sich über das schlichte, weiße Kissen aus.

Tief atmete sie die würzige Nachtluft ein, die durch das leicht geöffnete Fenster in ihr Schlafzimmer strömte. Das gleichmäßige Heben und Senken ihrer Brust ließ darauf schließen, dass sie tief schlief, doch die Bewegung unter ihren Lidern zeigte an, dass sie träumte.

Die erste Veränderung die sie wahrnahm war der Duft. Ihr Schlafzimmer roch noch immer nach dem frischen Holz neuer Möbel und dominierte das Zimmer.

Doch nun nahm sie einen anderen Geruch wahr. Er war männlich, köstlich mit einer Unternote an Kräutern die sie an ihr Labor erinnerten. Der Duft gefiel ihr. Er erinnerte sie an etwas, dass schon lange vergangen war. Oder an jemanden?

Die zweite Veränderung die sie wahrnahm war der Untergrund auf dem sie lag. Ihre Laken waren nicht so glatt und anschmiegsam. Die Baumwolle war eher rau und nachgiebig, die sie auf ihrem Bett daheim hatte.

Ebenso fühlte die Matratze fremd an, auf der sie ruhte. Sie spürte, dass sie nackt war.

Ihr Puls beschleunigte sich. Sie trug immer irgendein Shirt im Bett...

Hermine öffnete die Augen. Verwirrt versuchte sie die Konturen der Möbel um sich einzuordnen. Das sanfte, frühmorgendliche Dämmerlicht das durch die Vorhänge fiel enthüllte wenig.

Wo war sie? Verwirrt setzte sie sich auf und lauschte in den Raum.

Da!

Sie hörte Geräusche!

Panikartig rasten ihre Gedanken durch Bewusstsein. Was hörte sie?

Sie identifizierte Atemgeräusche. Ihr Herz schlug schneller und sie spürte wie ihr der Schweiß ausbrach. Mühsam schluckte sie die aufkeimende Panik hinunter.

Tiefe, entspannte Atemgeräusche eines Schläfers drangen an ihr Ohr. Dieser Jemand lag direkt neben ihr.

Adrenalin pumpte durch ihren Körper. Verdammt! Sie hatte Angst. Was war geschehen?

Sie begann einen mentalen Check-up durch ihren Körper. Sie war unversehrt. Einzig zwischen ihren Schenkeln...

Was war das? Sie spürte Nässe der Lust. Ihre Vagina prickelte, als habe sie vor kurzem Sex gehabt! Mühsam unterdrückte sie ein Keuchen.

Oh Himmel! Es war schon lange her, dass sie mit einem Mann zusammen gewesen war.

Blind tastete sie nach ihrem Zauberstab, ertastete ihn mit steifen Fingern und wisperte ein heiseres „Lumos".

Das was das Licht enthüllte, konnte sie kaum erfassen. Sie starrte auf die Szene vor ihr.

Once a night my bedroom light
Bleeds out from inside my window

Wimmernd riss die die Augen auf.

Hier lag sie, Hermine Jane Granger, in ihrer Singlewohnung.

Hart und hastig atmete sie die kühle Nachtluft ein. Schweiß perlte von ihrer Oberlippe und ihre Hände prickelten. Langsam beruhigte sich ihr Herzschlag. Die Wellen der Panikattacke ebbten ab.

Krampfartig umklammerte sie noch immer ihren Zauberstab – ein Anker der Realität in diesem Augenblick.

Lange Zeit war es ihr unmöglich gewesen ein - und durchzuschlafen. Der Krieg hatte sie zutiefst erschüttert. Die traumatischen Erlebnisse hatten sie dermaßen eingeschränkt, dass sie die professionelle Hilfe einer Psychotherapeutin in Anspruch nahm.

Mittlerweile hatte sich ihr Zustand stabilisiert. Die Jahre hatten das ihre dazu beigetragen. Mit ihren achtundzwanzig Jahren war sie nicht nur ihrer Ausbildung zur Zaubertrankmeisterin fertig, sondern auch mit Ronald Weasley.

Trotzdem gab es nun Nächte wie diese. Nächte in denen sie aus dem Schlaf auffuhr, bis aufs äußerste in Panik. Oder was fast noch schlimmer war, bis aufs Äußerste sexuell erregt. Erregt durch einen Mann, der schon seid über zehn Jahren tot war. Sie barg ihr Gesicht in den Händen als sie an die Szene dachte, die sich vor ihrem träumenden Auge entfaltet hatte...

Das was das Licht ihres Zauberstabes erhellte, konnte sie kaum erfassen. Paralysiert starrte sie auf die Szene vor ihr.

Das war nicht real. Sie musste träumen. Ihr Atem beschleunigte sich, Schweiß trat ihr auf die Stirn und sie spürte wie ihr das Blut aus dem Gesicht wich.

Sie schluckte trocken, als sich der Schläfer neben ihr unwillig brummend bewegte und sie schließlich schwarz schimmernden, blitzenden Blickes ansah.

Was ist, Liebes? Kannst du nicht schlafen?" raspelte die von Schlaf raue Stimme von Severus Snape an ihr Ohr...

Verzweifelt fuhr sich Hermine durch ihr schweißfeuchtes Gesicht. Sie spürte sie Tränen, bevor sie realisierte dass sie bitterlich weinte. Ihr abgehacktes Jammern drang verzögert in ihr Bewusstsein.

Taumelnd erhob sie sich aus dem Bett und stolperte ins Bad, wo sie zielsicher ihren Beruhigungstrank fand. Sie entkorkte mit zitternden Fingern die kleine Phiole und leerte sie in einem Zug. Sie setze sich auf den Deckel der Toilette und vergrub das Gesicht in den Händen.

„Oh Gott...", wimmerte sie, „ich werde wahnsinnig."

Jede Nacht erlebte sie kurze Sequenzen des nachts, in denen sie ihres verstorbenen Lehrers ansichtig wurde. Mal stand er wütend vor ihr und verlangte nach einer Antwort, mal hielt er ihre Hand oder – was sie völlig schockiert hatte – liebte er sie mit einer unbändigen Leidenschaft.

Der Inhalt dieser Sequenzen war schon verstörend genug. Doch ihre Gefühle in diesem Moment, wo sie diese durchlebte ließen sie verzweifeln.

In der kurzen Sequenz wo er sie anfauchte: „Ich will jetzt endlich deine Entscheidung dazu hören." War sie wirklich wütend gewesen, dass er sie unter Druck setzte. Sie wusste nicht, worum es ging, aber die Wut und Empörung war echt gewesen.

Wo er die in der kurzen Szene ihre Hand hielt, war sie voller überschäumender Freude gewesen. Sie hatte Zärtlichkeit empfunden und ...

Sie seufzte schwer.

Aber in jener Sequenz, wo er sie liebte, sie mit seinem harten Schaft ausfüllte, war sie so voller explosiver Lust und Leidenschaft gewesen. Sie hatte ihn mehr als nur begehrt. Sie konnte nicht in Worte fassen, wie sie sich nach ihm verzehrte und wie sehr sie es genoss, dass er sie so leidenschaftlich liebte.

Sie rieb sich durchs Gesicht, als würde dies helfen, sie wieder zur Vernunft zu bringen, als würde dies helfen, diese Träume... diese zweite Realität wegzuwischen.

Sie schauderte.

Dieser „Traum" der heutigen Nacht war anders. Er war länger und zudem war sie, sie selbst gewesen. Sie stand nicht unter den Einfluss von Gefühlen, die sie nicht auch im Wachzustand hatte.

Sie weinte wieder. Hermine seufzte hart auf.

Die Therapiesitzungen hatten ihr geholfen wieder Stabilität in ihr Leben und in ihre Seele zu bringen. Auch waren die Schlafstörungen zurückgegangen. Alpträume hatte sie nur sehr sporadisch. Aber diese Träume von ihrem ehemaligen Professor und sich selbst...

Sie waren neu...

Neu seid...

This city's just not pretty like it used to be

Die Gedenkfeiern hatte sie immer gemieden.

Jedes Jahr hatte sie irgendetwas gefunden, was sie davon abhielt einer beizuwohnen.

Doch in diesem Jahr...

Harry hatte sie bekniet mitzukommen. Allerdings gab es nur einen Grund, weshalb sie mitgekommen war, nämlich seine Aussage:

„Denk nur wie stolz Professor Snape wäre, wenn er erlebt hätte, was du aus dir gemacht hast, Mine."

Ja. Sie hatte daran gedacht, wie er vielleicht reagiert hätte. Er, der stets biestig ihr gegenüber aufgetreten war. Wäre er stolz gewesen?

Vermutlich. Er hatte sie immer gefordert im Zaubertrankunterricht. Sie hatte immer das Gefühl gehabt, er wolle sie anspornen dass sie alles gab. Zum anderen hatte sie wirklich ein großes Interesse an dem Fach gehabt. Das hatte sich nicht geändert, egal wie gemein Severus Snape in seiner Rolle als Professor und „Fledermaus aus den Kerkern" ihr gegenüber aufgetreten war.

So kam es, dass sie der Gedenkfeier in Hogwarts beiwohnte.

Die Feierlichkeiten waren sehr würdig gewesen. Harry hatte tatsächlich eine kurze Ansprache gehalten. Darüber war Hermine mehr als erstaunt gewesen, da er die Öffentlichkeit nach wie vor mied.

Er hob aber hervor, dass es ihm wichtig sei, jenen die Ehre zu erweisen, die für die Sicherheit seiner Familie und Freunde gestorben waren.

Während die Ansprachen und auch die musikalischen Einlagen führten ihre Gedanken immer wieder zurück zu dem Tag der Schlacht um ihre Freiheit. Es war ihr unmöglich abzuschütteln was sie innerlich so gefangen nahm. Heimlich verließ die junge Frau die große Halle. Sie wollte den Ort besuchen, der immer wieder in ihren Träumen auftauchte.

Die „Heulende Hütte" war mittlerweile eine Gedenkstätte. Nichts desto trotz katapultierte der Besuch dieser Hermine in einen Zustand von lethargischer Trauer. Sie blieb sehr viel länger dort, als sie geplant kletterte sie über die Absperrung und berührte die Stelle, wo ihr Professor den Tod gefunden hatte.

„Danke Professor Snape," hauchte sie weinend. Ihre Tränen benetzten den Stein unter ihr. Sie fühlte Dankbarkeit für seinen Verdienst, sie für die Kunst des Brauens zu begeistert zu haben. Aber für seine Buße und tiefe Menschlichkeit in dieser, empfand sie tiefe Hochachtung.

Sie vermochte kaum in Worte zu kleiden, wie sehr der Verlust seiner Person sie schmerzte. Der Respekt und die Hochachtung waren nur kleine Anteile, die diesen Schmerz begleiteten. Es war vielmehr die Trauer, dass er sein Leben niemals wirklich gelebt hatte. Das niemand hinter die Fassade seines bissigen und ernsten Gebarens hatte sehen wollen... wollen und können.

Sie war zu lange dort an am Ort seines Todes verblieben. Anders konnte sie sich es nicht erklären, dass diese Träume begonnen hatten, gleich in jener Nacht nach der Gedenkfeier. Harry hatte sie nach Hause gebracht, denn Ron hatte sich angekündigt bei ihm und Ginny zu nächtigen.

Hermine war aufgewühlt. Sie hatte kaum ein Wort mit Harry sprechen können.

Deswegen nahm sie langes, heißes Bad, kaum dass er fort war. Sie brauchte die Wärme und die Entspannung.

Zum Glück konnte sie auch sehr schnell einschlafen.

Und damit begann es... ihr zweites Leben. Anders konnte sie es kaum nennen.

Once a night my bedroom light

In jener Nacht ließ sie das Licht brennen. Sie fühlte sich wohler, ohne die Dunkelheit die so gut zu ihren Erinnerungen und ihrer Stimmung passte.

Zusammengerollt driftete sie ab in die Arme des Schlafes...

Direkt in ein Zaubertränkelabor. Sie sah sich selbst dabei zu, wie sie an die halb geöffnete Tür klopfte.

"Herein." schnarrte die Stimme ihres Professors.

Sie spürte ihr Herz aufregt schlagen, ihre feuchten Hände und ihren trockenen Mund. Wie aufgeregt sie war!

"Miss Granger..." Die ungläubige Überraschung war echt. Nein. Er war nicht überrascht. Er war absolut fassungslos.

Eilig stürzte er durch sein Labor auf sie zu, um dann wie angewurzelt vor ihr stehen zu bleiben.

"Sie...! Ich habe...", setze er mehrfach an und sein fassungsloser Blick machte ihr noch mehr Angst, als seine offenkundige Sprachlosigkeit.

"Ich habe die Möglichkeit nicht verstreichen lassen wollen sie wieder zu sehen, Sir," wisperte sie. Ihre Augen brannten.

Ihre Augen brannten noch immer als sie mit klopfendem Herzen in dieser Nacht urplötzlich wach wurde. Das Chaos der Gefühle die in ihr tobten ließen sie wimmernd dasitzen. Die Tränen rannen ihr über die Wangen und sie wiegte sich vor und zurück. Sie war verstört und konnte nicht entschlüsseln, was eigentlich mit ihr geschehen war.

Es fühlte sich an, als sei nur noch halb. Das war ihr Problem seid Ende des Krieges. Sie hatte das Gefühl, einen Teil ihres Daseins, ihrer Persönlichkeit und ihrer Lebendigkeit verloren zu haben. Auch die Therapie bei einer wirklich fähigen Psychotherapeutin die mit dem St. Mungo Hospital zusammen arbeitete konnte an dieser Gefühlslage nichts ändern.

Hermine massierte sich die Schläfen. So also hatte es begonnen. Ihr zweites Leben...