AN: Ein ganz freundliches und herzliches Dankeschön an jene, die so nett waren meine Story zu lesen und eine Review zu hinterlassen. Das motiviert mich sehr. Merci

It's always a nightmare, it's never a dream

Sie arbeitete als Zaubertrankmeisterin mittlerweile mehr oder weniger für alles und jeden.

Sie war gut.

Nein, sie war die Beste.

Sie seufzte schwer auf. Seid Severus Snape nicht mehr lebte, war sie wirklich die Beste in ganz Britannien auf dem Gebiet des Zaubertrankbrauens.

Für St. Mungo bereitete sie die schwierigsten Tränke zu. Für das Ministerium leistete sie experimentelle und auch Rekonstruktionsarbeit. Für die Industrie stellte sie auf der Basis von Tränken Kosmetika und Pflegemittel her.

Die Arbeit befriedigte sie.

Aber sie machte auch einsam.

Denn im Labor arbeitete sie oft allein. Nur manchmal kamen Assistenten von den jeweiligen Instituten, um ihr zur Hand zu gehen.

Ihre Freunde sah sie nicht oft. Alle hatten Familie oder andere Verpflichtungen.

Langsam schlich sich die Angst in ihr Herz. Denn oft dachte sie tagsüber daran, dass sie nachts nicht allein sei. Nachts begegnete sie dem Menschen, mit dem sie gemeinsame Interessen hatte. Unterbewusst freut sie sich quasi auf die verstörenden "Träume" der Nacht. Dort traf sie den herausfordernsten Menschen dem sie je begegnet war. Severus Snape.

"Miss Granger, wenn sie mir schon zur Hand gehen müssen, dann bleiben sie konzentriert," bellte eine tiefe Stimme.

"Ja Sir," antwortete sie. Ihre Hände gruben sich in den Bottich mit Erde um vorsichtig die noch jungen Wurzeln auszuheben.

Es war ein merkwürdiges Gefühl. Einerseits schien sie wach zu sein, doch andererseits geschahen die Dinge ohne das Hermine sie beeinflussen konnte. Sie spürte die Erde an ihren Händen, roch die feuchte Würzigkeit von Felix Felicis in seiner ersten Basis und hörte das unwillige Brummen des Zaubertränkemeisters am Arbeitstisch. Doch konnte sie sich nicht von dem Bottich wegbewegen oder gar den Mund öffnen um zu fragen, was zum Geier sie hier eigentlich tat.

Es war, als wäre sie nur Gast. Gast in einem anderen Leben das sie parallel zu führen schien.

"Wenn sie so weit sind, pressen sie die Wurzeln aus und reichen sie sie mir rüber."

"Gern, Sir."

Sie vernahm das Geräusch eines hackenden Messers und spürte den Luftzug, als Severus Snape plötzlich neben sie trat.

"Ich kann es kaum glauben, Miss Granger," wisperte an ihrem Ohr.

Sie zog die Brauen zusammen und fragte: "Was können sie nicht glauben, Professor?"

"Das sie wirklich eine Meisterin der Zaubertänke sein sollen."

Sie spürte ohne ihr wirkliches Zutun, dass sie wütend wurde.

Ihr Traum- Ich fuhr herum und sah sich direkt seinem Gesicht gegenüber. Mit trockenem Mund nahm sie die Details seines Antlitzes auf: die dunklen Augen, die sie voller Neugier und Missgunst ansahen, die Linien um seine Augen, die Falten an seinem Mund und jene markante Falte zwischen seinen Brauen. Sein Haar strich leicht über ihre Wange, als er ausatmete.

Die Wut war wahrlich wie ein Feuer, dass hochkochte und sich leise gezischt in einem kurzen Wortschwall entlud.

"Sie wissen nichts über mich, Professor. Ich denke, sie sollten sich die Zeit nehmen meine Fähigkeiten zu erleben, bevor sie urteilen."

Damit wandte sie sich zackig ab und trat an ihm vorbei, um sich selbst mit einem Messer und einem Brett zu versorgen.

it's never a dream

Die elektrische Zahnbürste piepte kurz, als Hermine sie auf die Ladestation zurückstellte. Sorgsam wischte die junge Frau sich den Mund ab und trat zurück in ihre kleines Schlafzimmer. Die Uhr zeigte 9 Uhr 20 an .

Es wurde Zeit, wenn sie nicht zu spät zu ihrem Termin kommen wollte. Ihren Umhang umwerfend, trat sie in ihre Wohnküche um ihren Tee auszutrinken. Dann verließ sie die Wohnung. Sie grübelte vor sich hin, wie sie das Gespräch am besten beginnen sollte. Sie hatte Mrs Bolton seid circa einem Jahr nicht gesehen. Es war umso erstaunlicher, dass sie dennoch Zeit hatte, sie zu empfangen.

Hermine eilte die Straße hinab, um sich zwischen zwei eng stehenden Häusern hindurch zu schlängeln. In Deckung eines verwilderten Strauches apparierte sie.

"Miss Granger! Schön sie zu sehen." Greta Bolton nahm ihre Hände und zog sie sanft zu sich heran.

"Guten Tag Mrs Bolton," wisperte ihr Gegenüber.

"Oh meine Liebe, ihnen geht es nicht gut," stellte die ältere Frau fest und wies mit der Hand auf die Sitzgruppe am Fenster, wo Hermine Platz nahm.

Aufgewühlt suchte diese nach ihrem Taschentuch um sich die Tränen abzutupfen.

"Ich dachte, ich müsse nie wieder zu ihnen kommen Mrs Bolton. Ich dachte wirklich es hätte ein Ende. Aber ich ... ich..."

Sie brach ab. Tränen rann nun unaufhörlich über ihre Wangen. Gebrochen sah sie ihre Therapeutin an...

"Ich glaube, ich werde wahnsinnig."

It's been so long
Feels like pins and needles in my heart
So long
I can feel it tearing me apart

Sanft strich Greta Bolton über Hermines Arm.

"Diese Träume erleben sie also als real."

Hermine nickte. "Ja. Ich habe - bis auf die Tatsache das ich mehr oder minder ein Zuschauer bin - das Gefühl der Realität."

"Okay." die Therapeutin notierte sich etwas auf ihrem Block und lächelte beruhigend. "Berichten sie was nach ihrem Zusammentreffen mit Professor Snape geschah, als er am dem Felix Felicis arbeitete. Ihren nächsten Traum... "

Die junge Brünette sah blicklos aus dem Fenster und begann zu erzählen...

"In der Nacht darauf ließ ich wieder das Licht brennen. Ich hatte Angst und doch wollte ich schlafen. Es war, als wollte ein Teil von mir zurück in dieses Labor..."

Vor ihrem inneren Auge entfaltete sich die Szene, wie sie geträumt hatte...

Sie hatte draußen auf einer Wiese gesessen. Eine leichte Brise wehte durch ihr Haar und ihre Finger strichen sanft über die kleinen Blüten von Willkraut. Neben ihr stand ein kleiner Korb mit Mitternachtsmoos, das in der Sonne trocknete. Die Sonne wärmte ihr Gesicht und Hermine nahm das Gefühl des Ganzseins in sich auf, welches sie in diesem Augenblick ganz intensiv wahrnahm. Ihr Inneres jubilierte. Es war, als habe sie sich selbst gefunden.

Doch dieser kleine Triumph wurde davon überschattet, dass sie abermals Zuschauer war, wie ihr anderes Ich agierte. Sie hatte keinen Einfluss auf die Szene die sich vor ihren Augen zu entfalten begann, als aus der Ferne eine schwarze Gestalt auf sie zu eilte.

Sie hörte sich genervt aufstöhnen und spürte wie sie die Augen verdrehte.

Musste er schon wieder auftauchen!

Nie hatte sie ihre Ruhe bei der Arbeit. Egal was sie auch für einen Auftrag ausführte, immer wieder fühlte er sich dazu berufen ihr hinterher zu gehen und zu schauen, auf welche Art und Weise sie den Arbeitsschritte gestaltete und ausführte.

Schon stand er neben ihr und starrte finster auf sie hinab.

"Miss Granger", bellte er, "würden sie die unendliche Güte haben und mir erklären was sie glauben hier zu tun?"

Sie knirschte mit den Zähnen, um ihm nicht die erstbeste Frechheit entgegen zu spucken die ihr in den Sinn kam.

Meine Güte! Dieser Mann war penibler als ihre Lehrmeister an den drei Universitäten die sie besucht hatte.

Sie riss sich zusammen und sortierte ihre Gedanken.

"Wenn sie die Freundlichkeit hätten sich zu mir zu setzen, Sir, werde ich ihnen gerne meine Intentionen erläutern," flötete sie süßlich und strich sich provokant eine ihrer dunklen Strähnen aus den Augen.

"Ich denke nicht im Traum daran", knurrte er. "Verschwenden sie nicht meine kostbare Zeit und bewegen sie sich ins Labor!"

Hermine reckte das Kinn vor und zischte:

"Vergessen sie es, Professor! Ich bin nicht hierher gekommen, um meine Lebenszeit genauso zu verschwenden wie auf der anderen Seite!"

Er wurde blass und trat wie von einem Schlag getroffen drei Schritte zurück.

Ihr Herzschlag raste und sie konnte spüren wie ihr der Schweiß ausbrach.

"Lebenszeit verschwenden?" wisperte er flach.

"Ja," knirschte sie. "Nichts anderes als das was sie taten, tue ich jetzt auf der anderen Seite."

Ihr Traum-Ich seufzte auf und fuhr weicher fort: " Wenigstens hier will ich auskosten, genießen, leben... und mehr..."

Mrs Bolton zog die Brauen hoch und kritzelte weiter in ihrer kursiven kleinen Handschrift wie eine Schnelle-Schreib-Feder auf ihrem Block herum.

Hermines Tränen blieben unbeachtet. Blicklos starrte die junge Zaubertränkemeisterin hinaus.

"Was ist die andere Seite, Miss Granger?" durchschnitt Mrs Boltons Frage die Stille.

Ihr Gegenüber zwinkerte nicht einmal, als sie monoton antwortete:

"Der Ort der nur ein Gedanke weit fort ist."

Die Therapeutin nickte gedankenvoll.

"Fahren sie mit dem nächsten Traum fort Miss Granger, wenn sie soweit sind."