Angel of Darkness
Entführung
„Das stimmt nicht, du besitzt alle Eigenschaften die du als Gefährte benötigen würdest", widersprach Yury und kam auf Ray zu, kniete sich vor ihn hin. „Du bist der würdigste Gefährte, den unser Prinz haben könnte. Hiermit lege ich dir meine Loyalität und meinen Schutz zu Füßen."
Ray war gerührt.
„Du warst da und hast uns geholfen. Obwohl du soweit weg warst hast du mir geholfen und mir die Angst vor dem genommen was ich nicht ertragen konnte."
„Kai und ich sind miteinander verbunden. Wir haben viel zusammen durchgemacht. Ich hoffe, dass du uns ein wenig Hoffnung ins Leben bringen würdest."
„Ich würde es sehr gerne tun, Yury."
Obwohl Ray Yurys Gedanken nicht vollständig lesen konnte, da dieser sie sehr gut abschirmte, spürte er wie nahe sich dieser am Abgrund befand. Er brauchte dringend ein wenig Hoffnung um sein Trostloses Leben um ein paar Jahrzehnte vor der Finsternis schützen zu können.
„Wir werden dich jetzt in Sicherheit bringen", erklärte Kai und Andrej gab Ray seine Hand um ihm beim Aufstehen zu helfen. Als Ray stand zog es ihn zu Kai. Er brauchte ihn jetzt um seine Erinnerungen besser verarbeiten zu können. Kai spürte dies und legte fürsorglich seinen Arm um Rays Schultern.
Die Gruppe setzte sich dann in Bewegung. Yury ging vorne und erkundete aufmerksam die Umgebung. Kai ging zu Rays Rechten, Andrej zu seiner Linken Seite. Wie Bodygards umgaben die drei Karpatianer Ray um ihn bei Gefahr mit ihrem Leben beschützen zu können. Langsam gingen sie durch den Wald. Obwohl die drei es kaum erwarten zu können sich mit den neuen Feinden auseinander zu setzen, ließ keiner sich dies anmerken. Keiner der drei wollte Ray Sorgen machen. Nach einer Weile kamen sie an einer Hütte im Wald an. Diese war durch Bäume und Büsche sehr gut versteckt. Andrej und Yury gingen voraus und verwandelten die Hütte, der Staub von den Möbeln wurde entfernt, das Holz im Kamin angezündet, Kerzen spendeten Licht. Beide gaben sich Mühe die Hütte so gemütlich wie nur möglich für den Prinzen und dessen Gefährten zu machen.
Als Ray und Kai die Hütte betraten, verabschiedeten sich die beiden und gingen wieder in den Wald. Sie wollten die beiden für eine Weile allein lassen. Ray ging durch die Hütte, teils um sich diese genauer anzusehen teils, weil er sich immer noch nicht sehr wohl fühlte und er wollte es Kai ersparen ihn leiden zu sehen.
„Kai, ich möchte so etwas nicht mehr erleben", erklärte er bestimmt und Kai wusste gleich wovon er sprach. Er unterdrückte seine spontane Reaktion und wählte seine folgenden Worte mit bedacht.
„Ray, wir sind ein Volk das mit der Erde verbunden ist. Unser Blut und unser Körper braucht die heilende Wirkung der Erde. Die Schusswunde an meinem Bein ist innerhalb eines Tages geheilt und auch deine Wunden haben nur sechs Tage gebraucht um zu heilen."
„Das weiß ich doch Kai, ich bin nicht dumm. Aber auch wenn mein Verstand das Ganze als ein Wunder abtun kann, so kann ich es trotzdem nicht noch mal durchmachen. Bitte akzeptiere diese kleine Schwäche an mir."
Kai ging auf ihn zu und nahm ihn in die Arme. Ray konnte seine Trauer über den Verlust seines Heimes und seine Vorwürfe, ihn nicht vor diesem Erlebnis schützen zu können, spüren. Er wusste, dass Kai ihm liebend gern die Erinnerung an den durchlebten Albtraum genommen hätte. Ray rechnete es ihm hoch an, dass er es nicht getan hatte und seinen Wunsch respektiert hatte.
„Jeder braucht seine Erinnerungen, sie machen einen Stärker. Mach dir keine Vorwürfe mein Liebster. Du bist nicht für mein Glück und mein Schicksal verantwortlich. Ich liebe dich, und auch wenn ich gewusst hätte was auf mich zu kommt, hätte ich mich trotzdem für dich entschieden. Ich werde das Problem von allen Seiten betrachten, wenn ich mich wieder fit fühle und dann werden wir tun was auch immer nötig ist um unser überleben zu sichern." Verführerisch schmiegte sich Ray an Kai und sandte ihm seinen besten Schlafzimmerblick. „Aber was ich jetzt am meisten brauche bist du."
Er fühlte sich komisch, er hatte nicht nur das Bedürfnis nach Kai, sondern auch einen riesen Hunger.
Das merkte auch Kai und ließ sich nicht zwei mal bitten. Das war bis jetzt die einzige Möglichkeit wie Ray Blut zu sich nahm, wenn er Hunger hatte und zwar indem sie miteinander schliefen. Auf die Dauer würde es nicht funktionieren, aber Ray brauchte seine Zeit um sich an sein neues Leben zu gewöhnen und die menschlichen Grenzen zu vergessen. Also, lief es bis jetzt darauf hinaus, dass Kai auf die Jagd ging und dann das Blut an Ray weitergab.
So konnte Ray nicht nur seinen Hunger, sondern auch seine Begierde und Lust nach Kai stillen.
Eine ganze Weile wurde die kleine Hütte von den Geräuschen ihrer Liebe, Leidenschaft und Lust erfüllt und die beiden Insassen trieben sich einmal mehr an den Rand des Wahnsinns.
Eine Zeitlang lagen sie sich dann noch in de Armen. Ray spürte Kais Sorge.
„Kai, mir wird heute Nacht nichts passieren."
„Ray, mir wäre es wirklich lieber, wenn du noch eine Weile schlafen würdest", erklärte Kai sanft.
„Kai ich weiß du willst das ich schlafe damit ich nicht mitbekomme was du machst. Du willst Andrej hier lassen zu meinem Schutz und um ihn selber ebenfalls vor Gefahr zu schützen. Ich weiß auch, dass du dich an Gabor rächen möchtest und hast jetzt Angst du könntest was tun mit dem ich nicht einverstanden bin. Kai ich glaube an dich und es ist dein gutes Recht Gabor zur Rechenschaft zu ziehen. Ich glaube an deinen Gerechtigkeitssinn und, dass du in dieser Situation deine Gefühle zurückstellen kannst und objektiv beurteilst. Der Junge war durch den Tod seiner Eltern einem Zusammenbruch nahe und die angeblichen Beweise die er gefunden hat in denen du Schuld an deren Tod sein sollst haben seinen Geist völlig verwirrt. Es war eine schreckliche Tragödie."
Kai war sprachlos. Ray war so warmherzig, mitfühlend und großherzig. Wie sollte er einen Mann umbringen für das was er Ray angetan hatte, wenn dieser ihm schon längst verziehen hatte.
„Ach übrigens Kai, du solltest dich stärken, bevor du zu Gabor gehst. Und verzeih mir bitte den schlechten Scherz, aber ich erwarte, dass du mir mein Abendessen nach Hause holst."
Mit offenem Mund starrte Kai seinen Liebsten eine Weile an. Dann hatte er sich wieder gefangen.
„Zieh dich an", befahl er gespielt böse.
„Warum denn", kam die unschuldige Frage.
„Ich will nicht, dass du meinen Bruder auch in den Wahnsinn treibst wie mich."
„Ach und ich dachte ich sollte ihn ein wenig auflockern. Er nimmt alles viel zu ernst."
„Und dabei ist er noch der humorvollste der Karpatianer. Er hat seine Gefühle erst vor zweihundert Jahren verloren."
„Er hat eine bestimmte Vorstellung, von Gefährten, Frauen und Menschen. Wie man sich zu verhalten hat und so weiter. Das werde ich ihm austreiben."
Eine von Kais Augenbrauen ging in die Höhe.
„Kannst du mir was versprechen Chibi", fragte er und als Ray nickte fuhr er fort. „Sei nicht zu hart zu ihm, ja?"
Wieder nickte Ray, dann bekam er von Kai noch einen langen Kuss zum Abschied, bevor dieser verschwand.
Die Beiden kamen recht schnell im Krankenhaus an. Der Geruch von Medikamenten ließ Übelkeit in den beiden Karpatianern hochkommen. Es war ein leichtes für sie gewesen in Krankenhaus zu gelangen. Die Menschen konnten sie nicht sehen. Das einzige was sie spürten war ein kühler Luftzug. Im Krankenzimmer von Nicolae Gabor angekommen sah Kai diesen lange an. Obwohl er den Tod verdient hätte, konnte Kai dies nicht tun. Er wollte Rays Erwartungen nicht enttäuschen.
»Dann lass mich es tun«, hörte er Yurys Stimme grimmig neben sich.
»Nein Yury, du bist schon viel zu nahe an der Finsternis. Dein Seelenheil ist mir wichtiger«
Bei dem Gedanken Nicolaes mit Medikamenten verseuchtes Blut zu trinken wurde Kai noch übler. Aber er musste es tun. Nur so konnte er dessen Gedanken permanent lesen.
»Dann will ich derjenige sein der sein Blut trinkt« Yury klang bestimmend und Kai ließ ihm seinen Willen. Langsam ging er in Form eines Nebels auf das Bett zu. Der liegende spürte plötzlich eine Schwere auf seinen Füßen, dann auf seinem Körper bis sich ein schraubstockartiger Griff um seinen Hals legte und zudrückte. Mit einem keuchen wachte er auf, versuchte sich zu befreien, fragte wer da sei, da er ja nichts sehen konnte. Stimmen flüsterten in sein Ohr, ließen ihn zusammenzucken.
„Du weißt wer ich bin."
Entsetzen machte sich in ihm breit. Er erkannte auch die Ausweglosigkeit seiner Situation.
„Ich bin hier um mir dein Blut zu holen, dich zu meinem Sklaven zu machen, bis ich entscheide, dass du der Finsternis übergeben werden sollst."
Er wusste er hatte keine Chance und eigentlich wollte er sich gar nicht wehren. Er befreite seinen Hals und näherte sich, der schwarzen, durchsichtigen Gestalt an seinem Bett. Er konnte es kaum erwarten, er hoffte dadurch etwas von der Macht dieses Wesens zu erhalten, etwas was sich jeder Sterbliche wünschte: die Unsterblichkeit. Die Gestalt beugte sich über seinen Hals, nahm sich was sie begehrte. Es bereitet dem Kranken unheimliche Schmerzen, er fühlte wie sein Blut seinen Körper verließ und er immer schwächer wurde. Seine Glieder gaben nach und das letzte was er wahrnahm, war der Nebel der abseits stand. Dieser drängte sich zwischen ihn und die durchsichtige Gestalt. Mit einem Ruck wurde der fast leblose Körper auf den Boden befördert.
»Du hättest ihn fast umgebracht«, sagte Kai vorwurfsvoll.
»Er hätte den Tod verdient«, flüsterte Yury verachtungsvoll und verpasste dem am Boden liegenden einen Tritt.
»Er ist nicht mehr zu retten, sein Geist ist schon längst umgebracht worden. Er ist vollkommen verdorben, träumt von der Unsterblichkeit, von Frauen die er zu seinen Sklavinnen macht«
»Trotzdem wäre es nicht gut. Unser Volk steht schon in der Aufmerksamkeit der Menschen. Wenn er jetzt tot aufgefunden wird wegen Blutverlust, kommt es wieder auf uns zurück.«
»Denkst du ich bin so blöd und unachtsam, Kai«, fragte Yury aufgebracht und verpasste Nicolae noch ein paar Tritte.
»Er ist genauso verdorben wie sein Großvater. Der hat auch seine Frau bis zur Bewusstlosigkeit verprügelt und dann jungen Mädchen nachgestellt und sich ihnen aufgedrängt. Solange bis ich ihm Einhalt geboten habe«
Kai sah Yury nachdenklich an.
»Ja und hast dadurch seinen Argwohn und Hass geweckt. Er hat dich auf Schritt und Tritt verfolgt und beschattet oder beschatten lassen. Seinen Hass hat er an seinen Sohn Ion weitergegeben«
»Hmpf. Er hat die Aufzeichnungen seines Vaters und Großvaters an einen Fabien Boronsky gefaxt. Dieser hat eine Untergrundorganisation eingerichtet die sich mit der Verfolgung von Vampiren beschäftigt. Jens von Dalien, Platon Febreez und Florian Popovic sind die sogenannten Experten welche die Vampire auftreiben. Die Originale befinden sich im Haus versteckt unter den Dielen im Schlafzimmer seiner Eltern. Kai ich werde die restliche drei töten. Es ist am besten, wenn du und Ray von hier verschwindet«
Beide verließen das Krankenhaus wieder und Yury säuberte sein Blut von den ganzen Giftstoffen. Kai war erstaunt, wie einfach es Yury gelang sich zu säubern und die Giftstoffe der Medikamente durch seine Poren ausstieß.
»Ich werde dich nicht allein lassen. Ich werde dein Seelenheil nicht riskieren«
»Du hast keine andere Wahl Kai. Ich fühle, dass die Finsternis in mir immer mehr an Macht gewinnt. Seit Jahrhunderten habe ich keine Gefühle mehr. Ich erledige meine Bedürfnisse, weil es mir mein Verstand vorschreibt. Ich brauche eine Gefährtin. Mir bleiben nur noch ein paar Jahre, dann muss ich mich zur ewigen Ruhe begeben«
»Yury, bevor du in die Sonne trittst musst du zu mir kommen«
»Überschätze nicht meine Loyalität zu dir Kai. Das einzige was mich retten kann ist eine Gefährtin und sollte die Zeit kommen, wo ich wieder etwas fühlen kann dann werde ich mir denjenigen, der die Gefühle zu mir zurückgebracht nehmen. Und keiner wird mir dabei in die Quere kommen«
Kai war baff, er wusste nicht was er seinem Freund entgegensetzten konnte.
»Komm, lass uns von hier verschwinden. Ich glaube Gabors verdorbenes Blut spricht im Moment aus mir, Kai«
Schnell verschwanden sie im Wald und machten sich auf den Weg zum Haus der Gabors. Wortlos betraten sie das Haus und Yury ging zielstrebig auf das Versteck zu, wo die Originale verborgen waren. Im Nu waren diese gefunden und vernichtet. Dann verließen sie das Haus welches so viel Hass ausstrahlte.
„Yury, ich hätte da mal eine kleine Frage die mich seit gestern beschäftigt. Was meintest du damit, dass Ray deiner Gefährtin das Leben schenkt" Das interessierte Kai jetzt schon, schließlich war und blieb Ray ein Mann. Auch wenn die Karpatianer viele Fähigkeiten und über jede Menge Wissen verfügten, war Kai nie zu Ohren gekommen, dass ein Mann Kinder kriegen konnte.
„Nun ja, wie du weißt bin ich ja viel herumgekommen. Ich weiß nicht mehr genau wann, traf ich auf einen Druiden. Wie du weißt, sind sie auch bedroht. Ihre Fähigkeiten sind nicht zu verachten. Derjenige, den ich traf, konnte die Zukunft voraussagen. Er sagte mir einerseits, dass meine Gefährtin die Tochter unseres Anführers sein würde. Dann aber widersprach sich die Nächste Vorhersage mit der ersten, da er deine Gefährtin als eine Person mit langen schwarzen Haaren und Augen wie Gold beschrieb, jedoch von männlichem Geschlecht. Er selber zweifelte an seiner Vorhersage, obwohl er bis zu dem Zeitpunkt noch nie falsch gelegen war. Das führte dazu, dass ich begann nachzuforschen. Sollte dein Gefährte ein Mann sein und eure Tochter meine Gefährtin, so musste es einen Weg geben, wie ein Mann ein Kind zur Welt bringen konnte. Nach langem Suchen fand ich verschieden Schriftrollen, die ziemlich alt waren, vermutlich so um die 7.000 Jahre. Die Menschen haben keine Ahnung von der Technologie und dem Wissensstand der alten Kulturen. Die wundern sich bis heute wie die Leute zu dem Zeitpunkt es geschafft haben die Pyramiden zu bauen. Ein Wissenschaftler, oder besser gesagt Alchemist hatte Experimente durchgeführt. Bei Menschen haben sie nichts gebracht, entweder das Kind oder der Mann haben es nicht überlebt. Dann aber führte er ein Experiment an einem Vampir durch. Der Vampir wurde von einer Zigeunerin mir einer Seele verflucht und traute sich nicht mehr zu seinem Volk aus Scham für seine Entscheidung. Also verkroch er sich. Er verliebte sich in den Alchemisten und stellte sich zur Verfügung. Bei ihm klappte es. Anscheinend hängt es mit unserem Blut und unseren Fähigkeiten zusammen. Der Vampir starb zusammen mit dem Alchemisten. Was aus dem Kind geworden ist weiß ich nicht." Als Yury endete ließ er sich erst mal Zeit zum Verschnaufen. Das war die Längste Rede die er an einem Stück in seinem ganzen 950 Jährigen Leben geführt hatte. Kai war sprachlos. Also bestünde die Möglichkeit, dass Ray und er Kinder haben könnten. Das machte ihn um einiges Glücklicher, denn diesen Wunsch hatte er begraben, als er Ray kennen lernte.
In stummem Einverständnis machten sie sich dann wieder auf den Weg. Auf dem Weg zur Hütte, in der sich Ray und Andrej befanden, kamen sie an Roberts Hütte vorbei. Kai beschlich ein ungutes Gefühl. Dieses war so stark, dass er innehielt und auf die Hütte zuging. Yury folgte ihm. Sie entdeckten Spuren eines Gewaltverbrechens. Vor der Hütte befanden sich Schleif- und Blutspuren. Sofort nahm Kai telepathischen Kontakt zu Ray und Andrej auf, aber die beiden waren noch in der Hütte und sicher.
In der Nähe war Keiner mehr. Vorsichtig betraten die beiden die Hütte. Sie war durchwühlt worden, das Bettzeugs zerrissen. Aber von Robert keine Spur.
„Ich glaube es sollte kein Problem sein die Spur zu verfolgen, Kai."
„Ganz meine Meinung."
Beide verwandelten sich in ihre Wolfsgestalt und folgten der Blutspur des Priesters. Je weiter sie gingen desto größer wurde Kais Unbehagen. Er hatte das Gefühl etwas übersehen zu haben, etwas stimmte hier ganz und gar nicht. Sie waren schon einen ziemlich weiten Weg gelaufen. Sie hatten den Bereich von Kais Wölfen schon verlassen und in das Revier eines anderen Rudels eingedrungen. Kai wusste diese würden sie als eindringliche betrachten und sandte einen Ruf an das Alphapärchen. Mit der Witterung des Priesters stimmte auch etwas nicht. Egal wie weit sie diese verfolgten sie blieb immer gleich. Sie war nicht älter und sie wurde auch nicht frischer. Als sie an eine Klippe ankamen blieben sie stehen.
„So weit kann er niemals allein gegangen sein", begann Kai.
„Ja, und ein sterblicher hätte ich in dieser kurzen Zeit nie so weit schleppen können. Das ist das Werk eines Vampirs", fuhr Yury fort.
Kaum hatte er ausgesprochen, da kam auch schon ein Rudel Wölfe auf sie zu. Ihre roten Augen funkelten boshaft und sie setzten sofort zum Angriff an. Sie kamen aber nicht weit. Yury schien überall zu sein, schleuderte einen Wolf nach dem anderen die Klippen runter oder brach ihnen das Genick.
„Du bist viel zu unvorsichtig Kai. Sie waren darauf aus dich zu töten. Warum bist du nicht verschwunden", kam es knurrend von Yury.
„Du legst es wirklich darauf an, nicht wahr? Dafür, dass du sein Rudel vernichtet hast wird der Vampir dich jagen. Dumm ist er nicht, er hat uns in die Irre geführt und seine Witterung gelöscht."
„Ja das war auch meine Absicht. Das hier war meine Einladung an ihn, mich anzugreifen. Er kann dich zwar zum Kampf herausfordern, dich aber an Sterbliche zu verraten ist verabscheuungswürdig und erbärmlich."
„Wir müssen Robert schnell finden, sonst wird er den nächsten Sonnenaufgang nicht mehr erleben", sagte Kai.
„Ja, aber wieso hat er sich solche Mühe gemacht dich hierher zu locken", überlegte Yury laut. „Er muss doch gewusst haben, dass dir die Wölfe nichts anhaben können."
„Es war eine Falle. Er wollte mich weg haben", überlegte Kai und zog erschrocken die Luft ein.
„Jeder im Dorf weiß, dass Bryan Tashas Bruder ist. Wenn Tasha, Ian und das Baby Ziel des Anschlages war, dann ist Bryan jetzt als nächster dran."
Sofort hob er sich in die Lüfte und sandte einen Warnschrei an alle Karpatianer. Yury suchte die Gegend ab. Seinen Augen entging nichts. Dann verwandelte er sich in einen Vogel und stürzte die Klippe runter, direkt auf einen Kaum sichtbaren Spalt im Felsen. Der Eingang einer Höhle. Ein gutes Versteck, aber nicht gut genug. Den Bahnzauber entschärfte Yury mit links und betrat die Höhle. Das Versteck des Vampirs. Grimmig und gehässig Lächelnd sah sich Yury in der Höhle um. Der Vampir würde hier, wenn er zurückkam keine Ruhe mehr finden können. Wenn dieser zurückkam würde er lernen müssen, dass niemand den Prinzen der Karpatianer bedrohte, ohne dafür gnadenlose Vergeltung im Gegenzug zu erhalten.
Aufgeregt lief Ray in der Hütte auf und ab. Andrej saß auf einem Stuhl und sah ihm gelassen zu. Ab und an kippelte er vor und zurück.
„Ich bin die Ruhe in Person", erklärte Ray als er seinen Blick sah.
„Oh, das sehe ich, mein Lieber."
„Meinst du nicht, dass es zu lange dauert. Kai hätte seine Sache doch schon längst erledigen müssen. Bist du nicht auch ein wenig nervös", fragte Ray.
„Meinst du, weil ich hier in einer kleinen Hütte mit einem wunderhübschen Verrückten eingesperrt bin?"
„Sehr witzig. Glauben eigentlich alle karpatianische Männer sie seien große Komiker?"
„Eigentlich nicht. Nur diejenigen, deren Schwager wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend watschelt und keine Minute still sitzen kann. Ich habe das Gefühl einem Tischtennisball zuzusehen."
„Wirklich witzig. Aber ich mache mir Sorgen. Kai war sehr aufgebracht als er gegangen ist."
Andrej blieb ganz ruhig und sah Ray beim hin und her Laufen weiter zu. Gelassen lehnte er sich im Stuhl zurück, wobei die vorderen Beine des Stuhls sich anhoben.
„Ray, du hast eine viel zu lebhafte Fantasie", erklärte er.
„Das nennt man Intellekt mein Lieber, nicht Fantasie", wurde er auch gleich von Ray aufgeklärt.
„Weißt du Ray du weißt einige Eigenschaft einer Frau auf, wenn ich das jetzt so sehe. Und karpatianische Männer wissen um das empfindliche Nervenkostüm einer des schönen aber schwachen Geschlechts. Sie kommen mit Krisen nicht so gut zurecht."
Langsam näherte sich Ray seinem lieben Schwager, ließ seinen Fuß unbemerkt unter das Bein des Stuhles fahren und hob es an. Mit einem lauten Krachen fiel Andrej rücklings mitsamt dem Stuhl auf den Boden.
„Mein herzallerliebster Schwager, wie es scheint sind karpatianische Männer arrogant aber nicht besonders clever", fuhr Ray unschuldig blickend fort. Andrej kam wieder hoch und sah Ray gespielt böse an.
„Du hast aber eine ziemlich hinterhältige Ader, wie es den Anschein hat."
Doch plötzlich wurde er wieder ernst.
„Zieh das hier an", befahl er und zauberte eine Strickjacke für Ray hervor.
„Wie ist den dann möglich", fragte dieser erstaunt.
„Karpatianer können so einiges aus Naturmaterialien herstellen. Aber jetzt zieh es an. Wir werden nach draußen gehen. Da kann ich die Gegend besser überwachen."
Ray tat was von ihm verlangt wurde. Er konnte den Ernst aus Andrejs Stimme heraushören. Draußen angekommen merkten sie sofort, dass etwas nicht stimmte. Plötzlich konnten sie zwei Menschen wittern. Einer war verwundet und sie konnten auch schon das Blut riechen.
„Pater Robert", rief Ray. „Er ist verletzt, wir müssen ihm helfen." Er wollte schon die wenigen Treppen die zur Hütte führten hinunterstürzen als Andrej ihn aufhielt.
„Ray. Du bist jetzt ein Karpatianer. Du musst die Gegend Auskundschaften. Verlass dich nicht immer nur auf deine normalen Sinne. Was glaubst du, wie er es in seinem Zustand bis hierher geschafft hat? Dann kommt noch hinzu, diese Hütte ist geheim, keiner kennt sie. Wieso kommt dann Robert hierher?"
„Aber er ist in Lebensgefahr, wir müssen ihm helfen", protestierte Ray. Er konnte die Schmerzen des Priesters fühlen.
„Ray, konzentriere dich. Lausche in die Natur. Wittere die Luft. Verlas dich nicht auf das was du siehst."
Ray versuchte es, zuerst geschah nichts aber dann spürte er es. Ein Ungleichgewicht in der Natur, eine enorme Macht die nicht im Gleichgewicht mit der Erde stand. Ray erzitterte als er es spürte. Er sah nach vorne, wo Robert von einem blonden Mann um die 40 gestoßen wurde. Er sah Fabien Boronsky ähnlich war es aber nicht.
„Kommt her, sonst wird er es austragen müssen", rief er in Rays Richtung und gab Robert noch einen Schubs.
„Nein! Pater Robert", rief Ray bewegte sich aber nicht vom Platz.
»Ray, verschwinde von hier, bring dich in Sicherheit. Das hier ist eine Falle« Andrejs Stimme klang eindringlich wie ein Befehl.
»Nein, ich kann dich nicht allein lassen und Robert braucht auch Hilfe«
»Du bist aber für die Zukunft unseres Volkes wichtiger als ich und Robert. Ich habe Kai geschworen dich zu beschützen. Bring mich nicht dazu den Schwur zu brechen. Ich habe schon nach Kai gerufen. Er ist weit weg und kommt so schnell er kann. Bring dich in Sicherheit, die Sonne geht bald auf. Versteck dich bis Kai da ist«
Ray blieb keine Zeit zu reagieren, als wie aus dem nichts eine Gestalt vor Andrej auftauchte. Ein Untoter. Sofort begannen sie zu kämpfen. Entsetzt sah Ray zu. Er hatte noch nie bei einem Gewaltausbruch zugesehen. Jedoch bemerkte er schnell, das Andrej keine Chance hatte. Der Vampir kam gerade von einem Beutezug und war gestärkt während Andrej diese Gelegenheit in der Nacht nicht hatte. Sie griffen sich gegenseitig mit Krallen und Zähnen aber Andrej bekam das meiste ab. Der Vampir bekam kaum einen Kratzer.
»Ray, verschwinde«
Jedoch dachte dieser nicht daran Andrej mit diesem Monster allein zu lassen. Er bemerkte wie sich das Gesicht des Vampirs in eine Schnauze mit scharfen Reißzähnen verwandelte, damit griff er Andrej an und erwischte ihn auch am Hals. Ray dachte nicht lange nach, lief auf den Vampir zu und sprang auf dessen Rücken, versuchte ihn zu würgen, damit dieser von Andrej losließ.
»Ray. Hau ab«, rief Andrej schwach.
»Ray nein«, rief Kai, der zusammen mit Yury auf dem Weg zur Hütte war. Aber, es war schon zu spät. Der Vampir ließ von Andrej ab und fasste Rays Handgelenk, bevor dieser sich aus dem Staub machen konnte. Er versenkte seine Zähne in Rays Handgelenk und bediente sich. Kai bebte vor Wut, er vereinte seine telepathischen Kräfte mit Yurys und gemeinsam schafften sie es den Vampir zu würgen, so dass er Ray los ließ. Erstarrt stolperte Ray ein paar Schritte zurück.
»Ray schließ die Wunde, sonst verblutest du« Jedoch war Ray viel zu erstarrt um zu regieren. Lange konnten Kai und Yury den Vampir nicht halten. Es war eh schon ein Wunder, dass es geklappt hatte. An einem Karpatianer ist es normalerweise nicht möglich. Mit ein paar Schritten war der Vampir wieder bei Ray und schloss die Wunde am Handgelenk. Danach drehte er sich zu Boronsky um.
„Er gehört mir. Du wirst ihn bis heute Abend für mich aufbewahren und vor der Sonne schützen. Ich werde ihn abholen kommen und wehe er ist dann nicht mehr am Leben."
Nach diesen Worten verschwand der Vampir genauso geräuschlos wie er aufgetaucht war. Ray lief sofort zu dem am Boden liegenden Andrej. Er stellte sich so, dass man nicht sehen konnte was er tat.
„Sie Monster, Sie haben zugelassen das dieses Monster ihn umgebracht hat", schrie er Boronsky zu und beugte sich über Andrej als würde er um ihn trauern. Dabei legte er Andrej Umschläge aus Erde auf den offenen Hals und mischte diese mit seinem Speichel. Dann hielt er Andrej sein Handgelenk hin.
»Hier, trink. Du hast zu viel Blut verloren«
Andrej folgte der Aufforderung und Ray spielte weiter den Hysterischen, heulte schniefte und schrie Boronsky immer wieder an.
»Kai, beeil dich die Sonne geht bald auf und Andrej muss weggebracht werden«
Als er Andrej ausreichend Blut gegeben hatte, zog er sich seine Jacke aus und legte diese seinem Schwager über das Gesicht. Dann beugte er sich über ihn und erweckte den Anschein sich von einem Toten verabschieden zu wollen.
»Andrej halt durch, tu es für Kai, für mich und auch für dich«
Brutal wurde er auf die Beine gezogen und ihm wurde befohlen Boronsky zu folgen. Als er von diesem berührt wurde konnte er seine Gedanken lesen. Anscheinend war er fasziniert von der Macht und der Kraft des Vampirs und wünschte sich diesen Zustand auch für sich. Hass und Abscheu machten sich in Ray breit. Und diese Gefühle die nur ihn galten konnte Janius Boronsky in Rays Augen sehen. Es gefiel ihm ganz und gar nicht was er da las. Mit einem Stoß beförderte er Ray von sich.
„Solltest du mich angreifen oder nicht mitkommen wird Boris den Pater umbringen", fuhr er mit Verachtung in der Stimme.
„Na dann solltest du dafür sorgen, dass es dem Pater gut geht", fuhr Ray ihn an. Er sah gar nicht ein, die respektvolle Anrede an dieses mieses Monster zu verschwenden. Boronsky drehte sich um und ging dann den Weg zurück. Robert und Ray mussten ihm folgen. Ray stolperte mehr oder weniger den Weg entlang. Er bemerkte wie er immer schwächer wurde, er konnte sich kaum mehr auf den Beinen halten, geschweige denn Robert helfen.
„Wer ist den dieser Boris", wandte sich Ray an Robert.
„Das ist dieser Vampir. Dieses Monster. Er hat sich über das Blut der Vampirjäger Macht über sie verschafft. Er gaukelt ihnen vor, dass Kai der Anführer der Untoten ist und wenn man ihn tötet dann werden die Opfer wieder zu Menschen. Er hat Ion Gabor in seinem Wahnsinn unterstützt, ihm wahrscheinlich geholfen seine Frau umzubringen. Fabien Boronsky ist der Anführer der Vampirjäger, dann sind da noch sein Bruder Janius und ein gewisser Platon Febreez für die Drecksarbeit", erklärte Robert.
„Zwei sind noch im Gasthaus abgestiegen." Wieder stolperte Ray und wäre fast hingefallen. Mit ganzer Willenskraft schaffte er es sich auf zu rappeln.
»Trink das Blut des Priesters«, hörte er die Stimme des Vampirs in seinem Kopf. Dieser musste durch sein Blut eine Verbindung zu ihm aufgebaut haben. Doch Ray konnte den Willen aufbringen und gegen den Befehl ankämpfen.
»Fahr zur Hölle« Damit konnte er den Vampir vorläufig aus seinem Kopf schmeißen. Jedoch wusste er nicht wie lange. Er fühlte wie er immer schwächer wurde und seine Knie nachgaben. Als nächstes spürte er, wie er gepackt und auf den Rücksitz eines Autos geschissen wurde. Auch Robert saß bald neben ihm und das Auto fuhr los. Schwach sackte Ray in sich zusammen.
»Ray, bleib stark! Ich hole dich da raus. « Kai Stimme zu hören war tröstend und spendete Kraft. Robert zog Rays Kopf an seine Schulter, damit er sich getrost ausruhen konnte. Die Sonne ging auf und Robert merkte, dass Ray dringend Schutz brauchte.
„Er braucht eine Decke", erklärte Robert an Janius gewandt.
„Halt die Klappe alter Mann."
„Sollte ihm aber was geschehen würde dich Boris umbringen", ließ sich Robert nicht einschüchtern. Sofort kam eine Jacke geflogen. Diese legte er Ray über das Gesicht.
»Kai, kümmere dich zuerst um Andrej. Komm erst heute Abend um mich abzuholen« Damit driftete Ray in die Dunkelheit ab.
Als Kai und Yury bei der Hütte ankamen war die Sonne schon aufgegangen und sie fanden Andrej auf der Lichtung in der Sonne schutz- und hilflos liegen. Gott sei Dank hatte Ray ihm den Kopf abgedeckt. Sofort zogen sie ihn in den Schatten der Bäume und Yury stellte fest, dass er noch lebte. Sie packten ihn und trugen ihn durch ein Höhlenlabyrinth welches in der Nähe der Hütte begann. Tief in der Erde hielten sie an und Yury begann mit der Untersuchung. Die Wunde an seinem Hals hat schon zu heilen angefangen. Ray hat ihm Erdumschläge gemacht und sein Blut hat ihm das Leben gerettet. Aber ich brauche die Heilkräuter."
„In Ordnung, ich hole sie. Bitte Yury, rette ihn."
Daraufhin verwandelte sich Kai in einen Wolf und machte sich auf den Weg zur Hütte. Er war dort fast angekommen als er sich hinter ein Gebüsch versteckte. Auf der Lichtung befanden sich Platon Febreez und Florian Popovic.
„So was blödes aber auch. Hiwatari war schon da. Jetzt liegt er bestimmt schon in seinem Sarg."
„Das ist nicht unsere Schuld. Wenn wir nicht diese Panne mit dem Auto gehabt hätten, wären wir rechtzeitig da gewesen. Boris hätte uns ein anständiges Auto zur Verfügung stellen sollen. Ich habe ihm gesagt, dass mein Auto nicht richtig funktioniert", fuhr Febreez den anderen an.
„Wir sollten zur Hütte gehen, vielleicht ist er ja dort in seinem Sarg", begann Popovic. Beide machten sich auf den Weg zur Hütte. Febreez ging vor und Popovic eine ganze Strecke hinter ihm. So wohl fühlte er sich nicht in seiner Haut. Dann war Febreez um ein Gebüsch gebogen. In diesem Moment sprang ein schwarzer Wolf aus dem Gebüsch und erwischte Popovic an dem rechten Knöchel und brach ihn. Vor Schmerz aufjaulend sackte dieser zusammen. Dann sah er den Wolf vor sich der ihn mit unheimlichen roten Augen ansah. Furcht kroch in ihm hoch. Auch Febreez bekam es mit der angst zu tun. Er kauerte sich hinter dem Busch und traute sich nicht hervor.
Der Wolf sah den am Boden kauernden mit Abscheu an und dieser fragte sich was das für ein Tier war. Er sah ihn aus intelligenten Augen an.
„Florian, was ist mit dir?", kam die zögernde Frage von Febreez. Jedoch bekam er keine Antwort da der Wolf diesem schon die Kehle durchgebissen hatte. Danach machte sich das Tier auf den Weg zu dem anderen. Dieser kauerte hinter dem Busch auf dem Boden. Das Tier erweckte den Anschein sich zusammenreißen zu müssen um diesem nicht auch an die Kehle zu gehen. Anscheinend wollte er zuerst mit ihm spielen, ihn leiden sehen.
»Kai, ich brauche dringend die Kräuter also, beeil dich.«
Danach machte das Tier einen Sprung und auch Febreez gehörte der Geschichte an. Danach sprintete er auf die Hütte zu, verwandelte eine Pfote um die Tür zu öffnen. In der Hütte fand er das Säckchen mit den Kräuter recht schnell, hängte es sich um den Hals und sprintete wieder raus. Die Sonne stand schon höher und die Strahlen schmerzten in seinen Augen, egal wie stark er sie zusammenkniff. Endlich kam er in der Höhle an und konnte die Kräuter an Yury weitergeben. Er nahm seine menschliche Gestallt wieder an um dann Yury bei dem Heilritual zu helfen.
„Ich habe seine inneren Wunden geheilt. Wenn er eine Weile in der Erde schläft wird er wieder vollkommen gesund", berichtete Yury. Dann reichte er Kai eine Paste. „Hier, für deine Augen. Es lindert die Schmerzen, solange bis du dich zur Ruhe begeben kannst." Yury hatte recht, die Linderung trat recht schnell ein und das brennen in seinen Augen ließ nach.
„Du solltest dich auch in die Erde begeben und ausruhen, ich werde die Höhle sichern und dafür sorgen, dass wir nicht angegriffen werden."
„Aha, willst du vielleicht ein Schild an den Eingang der Höhle hängen, auf dem in großen Buchstaben steht, ‚hier ruht der große Yury, bitte nicht stören'", fragte Kai mit einem ironischen Unterton in seiner Stimme. Yury zuckte nur gelassen mit seinen Schultern.
„Ich will, dass der Vampir genau weiß, wenn er sich jetzt zum Todfeind gemacht hat."
Kai sah seinen Freund an. Er strahlte eine solche Kraft und Macht aus, dass es schon unheimlich war. Trotzdem wirkte er mit seinen Eisblauen Augen und dem ebenmäßigen Gesicht mehr als sinnlich.
„Yury, ich habe das Gefühl du denkst, jetzt wo ich Ray habe brauche ich dich nicht mehr. Du glaubst du hast nicht mehr lange und riskierst somit diesen gefährlichen Kampf indem du die Aufmerksamkeit des Vampirs von mir und Ray weg lenkst und dich in den Mittelpunkt stellst. Du hoffst dein Leben im Kampf zu lassen. Aber da irrst du dich. Unser Volk braucht dich jetzt am dringendsten. Auch wenn ich jetzt Ray habe heißt das nicht, dass ich dich nicht mehr brauche. Ich brauche dich Yury."
„Du scheinst fest daran zu glauben, dass ich den Tod wählen würde, wenn es soweit ist und nicht auf die Seite des Bösen überwechsele. Dein Vertrauen in mich ist größer als meines", fuhr Yury spöttisch fort. „Dieser Vampir ist berauscht von seiner Macht und skrupellos. Tod und Zerstörung sind sein zweiter Vorname. Ich weiß wovon ich spreche. Ich kämpfe schon seit Ewigkeiten gegen dieses Gefühl in mir an. Ich besitze kein Herz mehr und meine Seele ist umringt von Finsternis. Der Vampir ist mir nicht gewachsen. Keine Angst, ich werde nicht verlieren. Mit mir kann er es nicht aufnehmen. Ich werde dich und Andrej nie in Gefahr bringen indem ich einen Vampir herausfordere dem ich nicht gewachsen bin. Aber eines weiß ich ganz sicher. Ich will nicht tatenlos darauf warten eines Tages meine Entscheidungen nicht mehr selbst treffen zu können. Ich will dich nicht dazu zwingen mich jagen und töten zu müssen Kai. Mein ganzes Leben bestand darin an dich zu Glauben und dich unter allen Umständen zu schützen. Ich möchte nicht, das du derjenige sein musst der es beendet."
Gerührt sah Kai seinen Freund an.
„Yury, du bist zu streng zu dir. Du bist der geheimnisvollste Karpatianer und der Stolz unseres Volkes."
„Ach ja. Deswegen wohl wird mein Name nur leise geflüstert, falls sich überhaupt einer traut ihn auszusprechen."
Kai kam nicht mehr dazu etwas zu antworten da die Erde plötzlich zu beben begann. Das Zentrum des Erdbebens schien weit weg zu sein, jedoch so stark um Risse in den Felsen zu hauen. Yury grinste hinterhältig.
Der Vampir hatte sein Versteck aufgesucht um sich zur Ruhe zu begeben. Er kam aber nicht in seine Höhle rein. Er versuchte es in jedem labyrinthartigen Gang aber bei jedem lag einer seiner Wölfe tot davor. In die Höhle kam er trotzdem nicht rein. So ging es bis sein ganzes Rudel tot zu sein Füssen lag. Wütend schrie er auf. Ihm blieb nicht mehr viel Zeit. Ein Vampir, musste die Sonne noch mehr fürchten als ein Karpatianer, da er noch empfindlicher auf die Strahlen reagierte. Vor Wut schrie er nochmals auf, und jetzt begannen die Wände der Höhle langsam einzustürzen. Eins wusste der Vampir mit Sicherheit, das hier, war nicht Kais Werk. Dieser hatte einen zu starken Gerechtigkeitssinn, der eines Tages sein Untergang sein würde. Dies hier war das Werk des geheimnisvollsten aller Karpatianer: Yury.
Boris hatte nicht gedacht, dass Yury sich in diesen Kampf einmischen würde. Jetzt hatte er es doch getan und Boris hatte nun ein Problem. Kai kämpfte fair und ohne Tricks, nicht aber Yury. Dieser war gefürchtet sowohl unter Karpatianern als auch unter den Vampiren. Es gelang Boris nur knapp seine Höhle zu verlassen, bevor diese einstürzte. Jedoch hörte man ihn gleich vor Schmerz aufheulen, da ihn die Sonne beim Verlassen der Höhle voll traf. Das spöttische Gelächter von Yury verfolgte ihn und er musste sich ein neues Versteck suchen. Dafür blieb ihm nicht viel Zeit.
„Nein Yury", antwortete Kai lachend und begab sich in die heilende Erde. „Dieser Streich ist der Grund wieso du so gefürchtet bist. Ich bin der einzige der deinen schwarzen Humor versteht."
„Kai, ich werde dich und Andrej nie in Gefahr bringen indem ich Boris zum Kampf herausfordere. Meine Bahnsprüche kann er nie überwinden, dafür ist er nicht stark genug."
„Ich weiß Yury. Ich habe keine Angst vor Boris. Und ich glaube unser Vampirfreund hat einen kleinen Vorgeschmack erhalten auf das was ihn noch erwartet. Er ist jetzt voll damit beschäftigt sich ein neues Versteck zu suchen und kann uns nichts anhaben. Bis heute Abend haben wir unsere Ruhe."
