Angel of Darkness
Erlösung
Mit langsamen Schritten maß Robert das Verließ in dem er mit Ray eingesperrt wurde ab. Es gab keine Fenster, die Mauern waren ziemlich dick. Robert hatte das Gefühl, diese seien Schalldicht. Kein einziger Lichtschimmer drang in das dunkle Zimmer. Ray lag auf dem Boden, er hatte alle Decken die er auftreiben konnte über dessen Körper gelegt um ihn warm zu halten, jedoch schien dies nichts zu bringen. Ray lag wie tot auf dem Boden unter all den decken. Robert konnte keinen Herzschlag oder Atmung feststellen. Er wusste, der Vampir benutzte Ray als Lockvogel. Seine Verletzungen waren nicht so schlimm. Er konnte es aushalten. Der Vampir wollte damit Kai anlocken, ihm also eine Falle stellen. Robert kannte Kai gut genug um zu wissen, das dieser kommen würde und dann Gnade Gott Boronskys Seele. Plötzlich nahm er ein Geräusch war. Langsam näherte er sich Ray und musste zu seinem erstaunen fest stellen, dass dieser wieder zu atmen anfing und langsam aufwachte.
„Ray wie geht es Ihnen?"
„Es geht aber ich brauche Blut", flüsterte dieser noch total verpennt.
„Es wäre mir eine Ehre, Ihnen mein Blut zu spenden", erklärte Robert. Jedoch wusste Ray er würde das Blut nicht zu sich nehmen können. Er suchte eine telepathische Verbindung zu Kai, jedoch durchfuhr ihn sofort ein stechender Schmerz in seinem Kopf.
»Versuch es nicht, Chibi, schone deine Kräfte. Ich komme dich bald holen«
Erschöpft gehorchte Ray und drehte sich zu Robert um.
»Hat Andrej es geschafft«
»Ja, Chibi und das hat er nur dir allein zu verdanken. Deine Umschläge haben ihm das Leben gerettet«
„Lassen Sie uns miteinander sprechen. Wenn wir uns unterhalten lenken wir uns gegenseitig ab, bis Kai kommt."
„Ja", bestätigte Robert. „Er wird kommen. Sie sind sein Gefährte und ohne sie würde er sich in einen dieser Vampire verwandeln von denen in all diesen Legenden die Rede ist. Ein Monster ohne Gewissen und nur auf Zerstörung fixiert, ein Monster das die Vorstellungskraft der Menschen bei weitem übertrifft."
„Da wäre ich mir nicht so sicher. Es gibt auch unter Menschen solche Monster. Ich habe viele von ihnen gejagt", erklärte Ray.
Die Decken wurden fester an seine Körper gezogen. „Kennen Sie Yury?"
„Nicht persönlich. Kai hat mir viel von ihm erzählt, von seiner Sorge um ihn."
„Ja, aber seine Loyalität gehört einzig und allein Kai. Sie werden uns hier herausholen."
»Ray, ich bin auf dem Weg zu dir. Halte noch ein klein wenig durch«
»Kai, bitte komm nicht allein. Es ist eine Falle. Warte auf Yury«
»Ich kann nicht«
„Kai ist auf dem Weg zu uns", flüsterte Ray Robert zu. Dann ging die Tür auf und Janius Boronsky betrat das Verließ. Fasziniert betrachtet er Rays katzenartige Augen.
„Was ist mit dir", fragte er.
„Ich sterbe, das dürfte doch auch für so einen wie dich klar sein", erklärte Ray mit schwacher aber melodischer Stimme, sodass sich Boronsky nicht seinem Bann entziehen konnte. Er spürte Kai in der Nähe. Doch plötzlich spürte er noch etwas anderes.
»Kai, bleib wo du bist. Der Vampir ist da«
Gleich darauf kam Boris in das Verließ gerauscht und schubste seinen Komplizen unsanft zur Seite.
„Ich habe dir gesagt, du sollst das Blut des Priesters trinken", fuhr er Ray an.
„Und ich habe dir gesagt du sollst dich zum Teufel scheren", entgegnete ihm Ray schwach. Der Vampir packte Robert und schleuderte ihn gegen die Wand. Bei dem Aufprall wurde sein Schädel gebrochen. Einige Sekunden versuchte er noch am Leben zu bleiben, gab es dann mit einem Seufzen auf.
„Wenn du sein Blut nicht trinken willst, dann brauchen wir ihn ja nicht mehr", entgegnete Boris böse grinsend. Ray war vor entsetzten wie gelähmt.
»Es tut mir leid, Kai. Ich habe ihn wütend gemacht. Nur deswegen ist Robert jetzt tot«
Kai umfing tröstend seinen Geist.
„Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt mein Süßer", kam es wieder von dem Vampir. „Mein Name ist Boris und ich habe dir etwas mitgebracht." Ein winkte zu Boronsky und dieser kam vorsichtig näher. In der Hand hielt er einen Becher.
Ray konnte riechen, dass sich darin frisches Blut befand. Jedoch nahm er auch den Geruch von Kräutern war die unter das Blut gemischt worden waren.
„Hier mein Lieber, dein Frühstück." Damit hielt er Ray den Becher unter die Nase. Ray wehrte sich dagegen. Er wollte und konnte nicht trinken. Boris wurde wütend. Er konnte es wirklich nicht ertragen, wenn sich ihm jemand widersetzte.
„Du wirst trinken", befahl er Ray und versuchte ihn geistig zu bezwingen. Ray hingegen hielt ihm stand. Seine Kopfschmerzen nahmen zu aber er weigerte sich aufzugeben.
„Drogen Boris? Ich dachte das so was sogar unter deinem niedrigen Niveau wäre", spöttelte Ray.
„Hörst du mich, Prinz der Karpatianer. Sag ihm er soll trinken sonst wird er sterben. Das willst du doch nicht", rief Boris.
»Ray du musst tun was er dir sagt«
»Aber Kai, es sind Drogen drin«
»Drogen können einem Karpatianer fast nichts anhaben.«
Boris wurde immer wütender. Sollte Ray sich weigern zu trinken und lieber sterben ging sein ganzer Plan den Bach runter. Kai sollte eigentlich gefangen genommen werden. Janius Boronsky freute sich schon ihn zu foltern und sein Bruder Fabien wollte unbedingt Experimente an einem Vampir durchführen. Ray konnte Boris seine Gedanken lesen als dieser ihn berührte. Er würde nicht zulassen, dass Kai gefangen genommen wurde. Lieber würde er sterben.
„Du würdest also lieber den Tod wählen? Tja so würde ich mein Ziel auch erreichen. Kai würde Selbstmord begehen, in dem Moment, wo du deinen letzten Atemzug machen würdest."
„Aber vorher wird er dich umbringen", sagte Ray überzeugt.
»Ray, bitte lass mich dir helfen. Du brauchst Blut und denk immer daran: wir sind miteinander verbunden. Er kann uns nicht trennen. Auch nicht mit Hilfe von Drogen. Ich werde ihnen gestatten mich gefangen zu nehmen. Aber nur weil ich es will. Sie können mich nicht umbringen. Keine Angst, Chibi« Kai verband seinen Geist mit Rays und half ihm somit das Blut trinken zu können. Boris war ganz zufrieden mit dem Ergebnis.
„Gut gemacht, Prinzchen", sagte er.
Plötzlich spürte Ray Kai, er kam gerade durch die Tür des Verlieses. Ray war schon viel fitter, er spürte wie sein Herz schneller schlug und atmen konnte er auch viel einfacher.
„Warum tust du das Boris? Warum verrätst du Kai", kam es von Ray.
„Er verrät alle Karpatianer Ray, nicht nur mich", antwortete Kai auf diese Frage. Er kam einfach herein, umgeben von einer unsichtbaren Macht. Sanft sah er Ray in die Augen.
»Hab keine Angst, Chibi. Ich liebe dich«
„Was willst du Boris", fragte Kai.
„Ich will dein Blut."
„Ich gebe es aber nur Ray zur Stärkung", erklärte Kai gelassen.
„Glaubst du ich bin so blöd um dich so nah an ihn heran zu lassen? Gib es in einen Becher!"
»Tut mir leid Ray. Ich kann nicht zulassen, dass er mein Blut bekommt. Er will es selber trinken um dann Macht über mich zu haben«
»Ray, hab keine Angst. Boris hat dir ein bestimmtes Kraut untergejubelt. Es wird aus einer Blume hergestellt welche im Norden des Landes wächst. Damit will er dich verwirren. Er wird versuchen dir ein Leben mit ihm selbst vorzugaukeln und deine Erinnerungen auch dementsprechend ändern. Wenn du dich nicht beugst wird er das ganze mit Schmerzen verdeutlichen. Das liegt aber nicht an den Kräutern, sondern am Vampir selbst. Er will Kai damit in die Knie zwingen. Er kann deine Gedanken lesen, also sei Vorsichtig, wenn du mit Kai Verbindung aufnehmen musst. Du kannst deine Gedanken besser abschirmen als sonst ein Karpatianer, du dürftest also keine Probleme haben. Boris weiß aber auch nichts von der Verbindung zwischen uns beiden. Ich kann jederzeit mit dir Verbindung aufnehmen und umgekehrt. Mach dir also keine Sorgen«
Plötzlich spürte Ray etwas böses und bevor er sich versehen konnte holte Janius Boronsky eine Waffe uns schoss mehrmals auf Kai. Ray schrie erschrocken auf, als Kai gegen die Wand geschleudert wurde und neben Robert auf dem Boden zum liegen kam.
„Kai", schrie Ray und wollte auf ihn zueilen, wurde jedoch von Boris daran gehindert. Ray hatte nicht die Kraft sich gegen ihn zu wehren. Er übermittelte aber alles was er sah an Yury.
„Er gehört euch", erklärte Boris und führte Ray mit Gewalt nach draußen.
„Die anderen werden kommen um ihn zu holen, aber er wird nicht mehr so lange leben. Die Boronskys werden der Rache der Karpatianer zum Opfer fallen und so wird keiner mehr erfahren was hier alles passiert ist. Du wirst mir gehören." Ray war angeekelt von diesem ganz und gar bösartigen Geist dieses Vampirs.
Drinnen wurde Kai mit Handschellen an Händen und Füssen gefesselt. Janius freute sich schon diesen Vampir quälen zu können. Die Wunden waren nicht lebensgefährlich, jedoch so platziert, dass Kai relativ viel Blut verlor.
„Na, wie fühlt man sich so hilflos und ohne Macht, du Monster." Kai regte sich überhaupt nicht, er sah ihn nur an. „Hasst du mich jetzt du Vampir?"
„Nein, ich hasse dich nicht Sterblicher. Aber ich kann dir sagen, du bist soeben geopfert worden", erklärte Kai ruhig.
„Boris wird uns die anderen Blutsauger ausliefern.", sagte Janius überzeugt.
„Warum sollte er das tun?"
„Weil du ihn zum Monster gemacht hast, genauso wie den hübschen Chinesen. Mit deinem Tod werden die Opfer alle wieder Menschen werden." Kai betrachtete ihn ungerührt. Plötzlich wurde Janius quer durch den Raum geschleudert. Er versuchte an seine Waffe zu kommen, jedoch begann die Erde zu beben und die Waffe schlitterte weg. Auf allen vieren krabbelte er wieder auf die Waffe zu als sich die Mauern lösten und einzelne Steine auf ihn zugeflogen kamen. Kai sah dem ganzen amüsiert zu und er rührte sich keinen Millimeter. Furcht stieg in Janius hoch.
„Mein Bruder wird dich töten", schrie er angsterfüllt. Sein Herz machte einen Hüpfer. Gleich hatte er die Waffe und konnte ihn mit einem Schuss erledigen. Jedoch kam er nicht dazu seine Pistole zu erreichen, da weitere Steine auf ihn zuflogen. Dann viel ihm auf, dass die Steine in einem bestimmten Muster vielen. Keiner landete in der nähe wo Hiwatari und der Priester lagen. Furcht ergriff ihn, dann ein Letzter Brocken und er viel auf den Boden. Kai war ganz cool. Er hätte Janius ohne großes Drumherum getötet, aber Yury stand nun mal auf solche Spielchen und spezial Effekte. Sie waren seine Spezialität. Es dauerte nicht lange und Yury schritt auf Kai zu.
„Das wird langsam zur Gewohnheit", erklärte er und befreite ihn.
„Wie geht es Robert", fragte Kai.
„Er ist tot."
„Schau nach, bitte Yury. Wenn es nur eine winzige Chance gibt ihn zu retten, dann..."
Yury ging auf den Priester zu und fühlte nach seinem Puls. Wie er erwartet hatte war Robert tot. Er ging zu Kai zurück und hielt ihm sein Handgelenk hin.
„Und jetzt trink. Die Schüsse haben dich viel Blut verlieren lassen."
„Langsam wirst du lästig Yury, weißt du das? Wir müssen Ray zurückholen."
„Um es mit Boris aufnehmen zu können müssen wir fit und ausgeruht sein. Er wird ihn diese Nacht in Ruhe lassen."
Kai gab sich geschlagen und nahm was sein Freund ihm bot, bis Yury ihm das Zeichen gab aufzuhören. Um Kai zu heilen brauchte er auch noch einiges an Kraft. Eine Weile später war eine andere Macht zu spüren. Ein Blonder Mann tauchte auf. Yury sah kurz auf um den Neuankömmling zu begrüßen. Adrian, ein weiter Karpatianer. Ein blonder junger und hübscher Mann. Kurz darauf war auch Bryan da.
„Was ist hier passiert?", fragte Adrian als er den Prinzen, verletzt und geschwächt, am Boden liegen sah. Yury übermittelte ihm telepathisch die wichtigsten Fakten ohne seine Heilung an Kai zu unterbrechen. Er gab sein Äußerstes um Kai noch diese Nacht vollständig heilen zu können.
„Boris", kam es erschüttert von Adrian. „Ich bin eine Weile mit ihm durch die Lande gezogen. Ich hätte nicht gedacht, dass er sich mal gegen uns wenden würde. Wir leben wirklich in gefährlichen Zeiten. Eine erneute Vampirjagd wird unser Volk nicht überleben."
Er wusste selber wie groß die Versuchung war diesem Gefühl der Macht nachzugeben. Er selbst war ziemlich nah an der Grenze. Er hatte schon oft Vampire gejagt und fand leider Spaß daran sie zu töten. Das töten viel ihm leider Gottes auch relativ leicht. Dann vernahm Adrian ein Auto welches sich näherte. Er machte sich auf den Weg um auszukundschaften wer die beiden Sterblichen waren die sich näherten. Im Auto saßen ein Mann und ein Junge um die 15 Jahre.
„Wann sind wir endlich da Onkel Fabien", fragte er ungeduldig.
„Wir sind bald da, keine Sorge."
„Was ist meine Überraschung, Onkel."
„Es soll eine Überraschung sein, da musst du nicht wissen was es ist."
„Aber ich kann mein neues Gewehr ausprobieren."
„Ja das kannst du. Aber sei vorsichtig. Diese Wälder sind voller Wölfe und anderer Kreaturen."
„Aber wir haben doch die Gewähre, Onkel Fabien."
„Manchmal reichen Gewähre nicht aus, Danny."
„Meinst du meine Überraschung ist schon da?"
„Natürlich, Onkel Janius passt auf sie auf."
Adrian musste seinen Instinkt, diese beiden Sterblichen zu töten, unterdrücken. Aber er hatte schon viel zu oft getötet. Er konnte es sich nicht leisten so weiter zu machen. Er würde sie am Leben lassen, solange sie sein Volk und den Prinzen der Karpatianer nicht gefährdeten.
Durch ein Rauschen kündigte sich Yury mit Kai auf den Armen an.
„Tut mir leid Yury, aber ich konnte sie nicht töten. Ich konnte es nicht riskieren."
„Es braucht dir nicht leid zu tun Adrian, ich kann dich sehr gut verstehen. Das war glaube ich Fabien Boronsky und er wird jetzt alle Hände voll zu tun haben seinen toten Bruder unter dem Geröll heraus zu holen. Adrian machte danach eine kleine Handbewegung und der Rest der Mauer stürzte ein und begrub Janius Boronsky endgültig unter sich. Roberts Leichnam wurde von Bryan schon in Sicherheit gebracht.
Sie machten sich also auf den Weg zu der Höhle, wo sie auch den Tag verbracht hatten um sich noch ein paar Stunden auszuruhen. Wenn sie wieder wach waren würde ihnen eine Vampirjagd bevorstehen.
Die kalte Luft umhüllte Rays Körper. Er fühlte sich schwach und ihm war schwummerig. Er wusste nicht was mit ihm geschah, was er hier machte. Er versuchte sich zu erinnern aber er kam nicht weit. Seine gesamte Erinnerung bestand aus einem Puzzleteil. Jedoch wurden seine Kopfschmerzen stärker je mehr er versuchte die einzelnen Teile desto stärker wurden die Kopfschmerzen. Er realisierte auch nicht, dass er von einem Mann im Arm durch die Gegend geschleppt wurde.
Plötzlich fühlte er wieder Boden unter seinen Füßen. Er sah sich seinen Begleiter etwas genauer an. Schlecht sah er ja nicht aus, wenn man auf den herben Typ stand. Aber für Ray fühlte es sich nicht richtig an. Wenn er von diesem Mann berührt wurde, wurde er von Gefühlen des Ekels überrannt. Irgendwie wusste er, dass es sich nicht gehörte, das es falsch war. Dann erinnerte er sich an jemand anderen. Er konzentrierte sich, doch, da war ein Name. Genau, Kai. Als er den Namen dachte durchfuhr in ein schrecklicher Kopfschmerz.
„Was ist den mit dir, mein Lieber", hörte er die Frage seines Begleiters. „Wenn du etwas möchtest, dann brauchst du es nur zu sagen und ich werde dafür sorgen, dass du es bekommst."
Die Stimme sollte freundlich klingen, aber Ray ließ sie kalte Schauer über den Rücken fahren. Der Mann hatte auch recht triumphierend ausgesehen. Ray bezweifelte, dass er ihm tatsächlich helfen wollte.
„Nein, keine Sorge. Mir ist nur etwas übel."
„Das kommt davon, weil du Hunger hast. Keine Sorge wir sind bald da."
Obwohl Ray sich vor der Berührung des Anderen ekelte, musste er es über sich ergehen lassen. Er war viel zu schwach um selber zu laufen.
„Du bist nicht..." Der Name ging unter einem Schmerzensschrei unter. Hätte der Fremde ihn nicht festgehalten wäre Ray hingefallen. „Es tut mir leid. Ich bin ganz verwirrt. Ich weiß nicht einmal wer du bist und wie du heißt", erklärte Ray als er sich von der Schmerzattacke erholt hatte.
„Ich bin Boris und dein wahrer Gefährte. Dein Kopf tut weh, weil du hingefallen bist. Ein anderer hatte dich entführt aber jetzt bist du wieder bei mir und wir sind bald zu Hause. Unsere Gäste warten schon mit dem Essen auf uns."
Ray ließ es zu, dass dieser Fremde seinen Arm um ihn legte als währe es sein gutes Recht. Rays Instinkt jedoch sagte ihm es sei falsch. Womit der andere jedoch nicht rechnete, waren Rays außergewöhnliche Fähigkeiten. Er glaubte er habe gewonnen. Aber Ray hatte noch seine Fähigkeiten und seinen Verstand. Darauf konnte er sich immer verlassen. Er hatte nicht den Verstand verloren und er war auch nicht durchgedreht. Abgeschirmt suchte er nochmals eine Verbindung.
»Kai, wo bist. Gibt es dich überhaupt«
»Hallo Chibi. Es gibt mich wirklich«
»Was ist denn passiert«
Kai übersandte Ray die Bilder des Geschehens und Ray musste sich zusammenreisen um sich nichts anmerken zu lassen.
»Kai, du bist verletzt«
»Keine Sorge Chibi, Yury flickt mich gerade zusammen. Halte noch ein wenig durch. Wir holen dich da raus«
»Wer ist der Mann bei mir«
»Das ist Boris, ein Vampir. Er darf nicht erfahren, dass du mit mir Kontakt hast sonst bestraft er dich mit Schmerzen«
»Kai, mach dir keine Sorgen um mich, werde schnell gesund« Damit beendete Ray die Verbindung, bevor Boris dahinter kam. Aber er versuchte immer wieder mal Kai Bilder die er selber sah zu übermitteln. Sie waren gerade an einem Haus angekommen. Es lag abgelegen, zur Hälfte in einen Berg eingehauen. Ray zögerte über die Schwelle des Hauses zu gehen und er bemerkte auch Kais Unbehagen. Also ließ er seine Knie weich werden und zwang Boris somit ihn tragen zu müssen. Dieser blieb in einem großen Saal ähnlichen Raum stehen. Er war zum Himmel nach offen. Mann konnte die Sterne und den Mond sehen. Im Saal befand sich ein langer Tisch und dazu die passenden Bänke. An einer der Wände konnte man die Bergwand ausmachen und dort hingen, oh Schreck zwei menschliche Gestallten. Ein Mann und eine Frau. Sie sahen beide mitgenommen aus, waren übersäht mit blauen Flecken. Sogar Blut konnte Ray an den beiden ausmachen. Boris aber ging ganz locker auf die Frau zu und band sie los. Dann brachte er sie zu Ray.
„Hier mein Lieber, dein Abendessen", meinte er auffordernd. Ray sah ihn kurz an und dann begannen seine Augen mit Tränen zu fühlen.
„Misstraust du mir", fragte er und Boris sah ihn nur unverständlich an. „Willst du mich wegen etwas das ich getan habe bestrafen? Ist es vielleicht, weil ich anders bin, weil ich nicht in der Erde ruhen kann und auch nicht schweben kann. Schämst du dich meinetwegen", fragte er mit trauriger Stimme. Boris wusste gar nicht wie ihm geschah. Ray sah in unschuldig und mit traurigem Blick an.
„Aber nein", wehrte er ab und bevor er etwas sagen konnte fuhr Ray fort. „Ah jetzt erinnere ich mich wieder. Du sagtest etwas von neuer Dienerschaft. Sind das unsere neuen Diener?" Er sah Boris fragend an und versuchte gleichzeitig die Frau die vor ihm kniete zu beruhigen. Dann ohne Vorwarnung verengten sich seine Augen zu schmalen Schlitzen. „Oder ist dies gar nicht die neue Dienerin, sondern deine Geliebte", fragte er auch schon mit gefährlicher Stimme.
„Nein, nein", entgegnete Boris und gestikulierte mit seinen Händen wie wild herum.
„Nein, das stimmt nicht. Ich bin nicht seine Geliebte", erklärte auch die Frau entsetzt.
„Das tut mir leid, ich weiß nicht was in mich gefahren ist, dass ich an so etwas gedacht habe. Ich fühle mich so schwach."
„Du brauchst Blut, Kleiner. Trink ihr Blut."
„Ich kann nicht. Hat vielleicht der andere etwas mit mir gemacht, dass ich kein Blut mehr trinken kann", fragte Ray und gab seiner Stimme einen hysterischen Klang. Dabei dachte er mit Absicht an Kai, so dass ihn der Schmerz in sich zusammenfallen ließ. Boris knirschte mit den Zähnen. Sein Plan war so gut, beinahe perfekt. Wenn er Ray dazu brachte das Blut eines Sterblichen zu trinken, ihn die Macht spüren lassen würde und der Sterbliche dabei drauf ging, wäre Ray für Kai für alle Ewigkeit verloren. Ray würde dann zu einem Vampir werden und Kai wäre geschlagen. Seine Rache an Kai wäre perfekt gewesen. Jedoch konnte er Ray nicht dazu zwingen. Da Ray ein Sterblicher war, wusste Boris auch nichts von dessen Fähigkeiten und als dieser ihn auch noch aus seinen katzenähnlichen goldenen Augen unschuldig ansah konnte er nicht anders. Er würde so gern wieder etwas empfinden, aber das war nicht möglich. Er konnte nicht einmal mehr sein, von seinem Ausschweifenden Leben gekennzeichnetes Gesicht, im Spiegel ansehen. Kein Vampir konnte sein Antlitz im Spiegel sehen ohne unsägliche Schmerzen zu empfinden. Um sich abzureagieren verschwand er, nicht bevor er noch einen Befehl aussprach.
„Kümmere dich um ihn und wehe ihr verschwindet", wandte er sich an die Frau. Dann rauschte er nach draußen. Ray ging auf die arme Frau zu.
„Wie heißt du denn?"
„Mein Name ist Mariah und das da drüben ist mein Mann Lee. Bitte töte uns nicht."
„Keine Angst, euch passiert nichts. Aber ich kann euch auch nicht freilassen. Er würde euch wieder finden. Er kann euch in der Nacht sehen, eure Angst riechen, euer Herz schlagen hören." Mariah begann zu zittern.
„Aber keine Angst. Ich werde versuchen euer Leben zu retten. Ihr müsst ihm aber aus dem Weg gehen. Wenn er zurück kommt, dürft ihr auf keinen Fall seine Aufmerksamkeit erregen." Langsam begab sich Ray zum Ausgang des Hauses, sah sich die Umgebung und den Sternenhimmel an. Alles was er sah übermittelte er bis ins kleinste Detail, an Yury. Danach ging er ins Haus zurück.
„Wo ist der Schlüssel zu Lees Ketten", fragte er Mariah. Wortlos zeigte Mariah, wo sich dieser befand und Ray ging auf diesen zu um ihn frei zu lassen. Als dieser frei war griff er automatisch Ray an und begann ihn zu würgen.
»Ray« Kais Geist war da und plötzlich wurde Lee gewürgt und von Ray ferngehalten.
»Kai! Nicht. Bitte tu es nicht. Es ist nicht seine Schuld, er hatte nur Angst. Sie sind beide durch Boris traumatisiert. Bitte Kai«
Kai musste all seine Willenskraft zusammen nehmen um Rays Wunsch zu erfüllen. Dann ließ er Lee los, dieser wurde aber wieder gefesselt.
Mariah kam auf Ray zugelaufen.
„Bitte bring ihn nicht um. Er kann nichts dafür. Er hatte Angst um mich. Bitte."
„Keine Angst..", weiter kam Ray nicht da er plötzlich wieder Boris sah. Er war gerade auf der Jagd. Ray sah eine kleine leblose Gestallt an einem Baum liegen, dann eine Frau die versuchte sich von Boris zu entfernen. Jedoch war er vom Töten wie berauscht und zwang die Mutter des schon getöteten Kindes ihm zu Willen zu sein. Ray begann zu zittern.
„Oh nein. Ich habe ihn nach draußen getrieben und jetzt hat er schon wieder getötet. Es ist meine Schuld."
„Nein ist es nicht. Das darfst du nicht sagen. Auch Lee gab sich die Schuld an dem was der Vampir mit mir gemacht hat, weil er der Meinung war er hätte mich beschützen müssen. Mach nicht den gleichen Fehler."
„Aber ich habe ihn vertrieben um unser Leben zu retten und jetzt hat er andere getötet."
„Du kannst nichts für seine Entscheidungen."
„Er kommt zurück. Er ist berauscht von seinen Morden. Ihr dürft auf keinen Fall seine Aufmerksamkeit erregen, sonst überleben wir das hier nicht." Kaum hatte Ray ausgesprochen, da war Boris schon da. Er ging auf Ray.
„Mach dich fertig. Wir werden hier verschwinden."
„Was ist denn passiert", fragte Ray arglos.
Blitzschnell bewegte sich Boris auf Ray zu als diesem einfiel, dass er ja über die gleiche Fähigkeit verfügte. Wütend sah der Vampir ihn an und schleuderte mit einer Handbewegung eine der Bänke gegen die Wand. Krachend viel sie neben dem Ehepaar zu Boden. Mariah stieß einen erschrockenen Schrei aus. Da wandte sich Boris ihr zu und begann mit hypnotischer Stimme zu sprechen.
„Du wirst wie ein Schoßhündchen auf allen vieren zu mir kommen!"
Da mischte sich auch Ray ein.
„Hör nicht auf ihn, Mariah. Du kannst ihm widerstehen." Seine Stimme klang sanft, beruhigend und genauso hypnotisch. Das brachte Boris nun endgültig dazu sich wütend zu Ray umzudrehen.
„Ich werde dir deine Aufmüpfigkeit schon noch austreiben!" Mit einem schnellen Griff hatte er Rays Haare erwischt und zog ihn zu sich. Ray stieß einen schmerzhaften Schrei aus.
Dann brach der Teufel los. Ein Wahnsinniger Sturm brach los. Das Dach des Hauses wurde weggefegt, die Erde erzitterte, der Wind heulte auf. Mariah kauerte sich ängstlich an Lee. Eine schwarze Wolke kam vom Himmel heruntergeschossen, zerstörte die Einrichtung des Hauses. Die Wände zerbarsten als hätte man sie mit Dynamit in die Luft gesprengt. Im Zentrum dieses Sturmes kam Kai. Machtvoll und Ehrerbietend kam er auf die beiden zu. Das Chaos um ihn herum schien ihn nicht zu kümmern. Dann hob er die Hand, eine kleine Bewegung und das Chaos verschwand.
„Lass ihn frei", seine Stimme klang ruhig und völlig gefasst.
Boris zog Ray darauf hin noch fester an den Haaren.
„Willst du, dass ich dich dazu zwinge zu mir zu kriechen und um dein Leben zu betteln? Mit deinen Opfern hast du es doch genauso gemacht."
Dann öffneten sich die Finger des Vampirs, ohne das dieser es wollte, und Ray war frei.
»Komm zu mir Ray«
Kais Wut war immens. In diesem Moment brauchte er Yurys Hilfe gar nicht. Er hielt Boris nur mit der Kraft seines Geistes fest.
Dann erschienen der Reihe nach die restlichen Karpatianer hinter ihm. Bevor Ray zu Kai ging, drehte er sich noch mal zu dem Menschenpaar um. Er konnte ihre Angst fühlen und wollte sie beruhigen.
„Keine Angst er wird uns retten."
„Nein, wird er nicht. Er ist genauso wie der andere", widersprach Lee.
„Nein ist er nicht", fuhr Ray ihn an. „Er ist gut und wird uns helfen."
„Musst du immer mit einer ganzen Armee auf die Jagd gehen Kai", fragte Boris boshaft.
„Du wurdest von uns für deine Taten zum Tode verurteilt. Ich bin hier um das gefällte Urteil zu vollstrecken. Du kannst keine Gnade erwarten." Kai sah seinen Widersacher kalt an. Kein Gefühl spiegelte sich in den rubinroten Augen. „Du bist noch fast ein Baby, Boris. Gegen einen erfahrenen Kämpfer hast du keine Chance."
Boris warf sich in die Luft und verschwand nach draußen. Kai folgte ihm. Als Boris draußen landete bildeten die anderen Karpatianer einen Kreis um ihn und Kai, der in dem Moment vor ihm auftauchte. Ray blieb ihm Haus und Adrian kam auf ihn zu.
„Komm mit mir", befahl er leise. „Kai wünscht, dass du in Sicherheit gebracht wirst." Ray kannte ihn nicht aber er konnte sehen, dass sein Gegenüber ein Karpatianer war. Er wollte ihm folgen, als er ohne Vorwarnung zusammenbrach. Er bekam nicht mehr mit wie Adrian ihn auffing. Sein Geist befand sich plötzlich draußen. Er sah sich einem Dämon, einem Ungeheuer mit rotglühenden Augen gegenüber. In diesen Augen befand sich kein funken Gefühl. Ein grausames Lächeln zierte seine Lippen. In seinen seelenlosen Augen spiegelte sich nur die Verkündung von Tod und Verdammnis. Seine Bewegungen waren die einer Raubkatze und er war unbesiegbar. Er hatte Ray tödlich verwundet und sich dann in Rauch aufgelöst. Rays Körper krümmte sich in Adrians Armen vor Schmerzen.
»Sieh ihn dir an! Sieh dir an was für eine Bestie Kai Hiwatari in Wirklichkeit ist. Schau in dir genau an! Du hast bisher nur den gebildeten Mann gesehen. Aber er hat schon viele unseres Volkes gejagt und getötet. Er wird auch uns töten und seine Befriedigung darin finden.«
»Nein, das ist nicht war« Ray wehrte sich mit allem ihm möglichen gegen diese Subjektiven Bilder von Boris. Boris hatte seinen Geist vollkommen mit Rays verbunden und jede Wunde die Kai Boris zufügte schmerzte auch Ray in gleichem Masse.
»Ray! Lass mich dir helfen«, befahl Yury, der gesehen hatte, dass Boris dadurch versuchte Kai zu schwächen und noch mal eine kleine Rache an diesem zu nehmen. Ray hatte nicht wirklich die Wahl sich zu wehren, aber er wollte es auch nicht. Erschöpft lies er sich in den erlösenden Schlaf gleiten. Das gab Kai den Spielraum den er brauchte um Boris fertig zu machen. Er brauchte jetzt auf Ray keine Rücksicht mehr zu nehmen.
„Ich habe schon gewonnen Kai. Er hat dein wahres Gesicht gesehen."
Kai ließ sich nicht lange Zeit um Boris für alle Zeit von der Erdoberfläche zu löschen. Als dies beendet war, musste er gegen seine animalischen Instinkte, die ihn übermannten, ankämpfen. Yury konnte sich denken was mit Kai gerade passierte. Er hatte die Witterung der Menschen aufgenommen und seine Dunkle Seite war in diesem Moment, nach dem Kampf mit Boris übermächtig. Einzig und allein Ray konnte Kai jetzt noch zurückholen. Also nahm er Ray Adrian ab und ging mit ihm nach draußen. Er stellte sich so hin, das der Wind Rays Geruch zu Kai rüber brachte. Dessen vernebelte Sinne nahmen plötzlich den süßlichen Duft Rays war. Er schien innerlich zerrissen zu sein. Die Witterung der menschlichen Beute auf der einen Seite und Rays lieblicher und betörender Duft auf der anderen Seite. Eine ganze Weile kämpfte er mit sich, dann drehte er sich und ging zu Ray, nahm ihn Yury ab.
Als Ray wieder aufwachte befand er sich in einem weichen Bett, in einem schön und bequem eingerichteten Schlafzimmer. Kai lag neben ihm.
„Wie geht es dir Chibi?"
„So weit so gut. Was ist mit Mariah und ihrem Mann?"
„Sie sind am Leben, können sich, an Boris und das Geschehene, nicht erinnern. Sie erinnern sich an uns als langjährige Freunde."
Ray war erleichtert, jedoch zuckte er unter Kais Berührung zusammen.
„Warum hast du Angst vor mir Ray? Du hast meine Dunkle Seite gesehen als ich im Namen unseres Volkes einen Verräter richten musste. Glaubst du ich bin böse? Du hast deinen Geist mit meinem verbunden. Du kannst in jeden einzelnen Winkel meiner Selbst einsehen."
„Ich weiß nicht mehr was ich glauben soll, Kai", flüsterte Ray.
„Küss mich Ray! Du hast dich mir schon einmal anvertraut. Küss mich und schenke mir deine Liebe und deine Vergebung für die Dinge, die ich tun musste! Es tut mir leid, dass ich dich aus deinem Dasein herausgerissen habe, aber du bist für die Einsamkeit nicht geschaffen. Ich weiß, was es heißt, einsam zu sein. Küss mich Ray und erinnere dich wieder an mich."
„Kai, wenn ich dich Küsse, dann kann ich nicht mehr aufhören."
Kai konnte spüren, dass Ray noch zögerte.
„Ray du bist mein Leben. Du bist noch ängstlich wegen dem was du gesehen hast. Ich muss diese Dinge tun. Ich muss die Verräter im Namen unseres Volkes zur Strecke bringen. Ich kann mir dabei keine Gefühle erlauben. Ich würde sonst daran zugrunde gehen. Bitte Ray küss mich, durchdringe meine Seele und liebe mich so wie ich bin."
Zaghaft kam Ray ihm immer näher und küsste ihn. Auf einmal waren sie wieder da. All die Gefühle, die Liebe und sein Vertrauen zu Kai. All das was Boris gehofft hatte zu zerstören. Die Leidenschaft war wieder da.
„Es tut mir leid Kai, dass ich gezögert habe. Ich hatte Angst, dass ich mir dich nur eingebildet hatte, dass unsere Verbindung nur ein Fantasiegebilde war. Es war alles zu schön um wahr zu sein", flüsterte Ray müde. Er hatte sich noch nicht komplett ausgeruht. Kai gab ihn noch einen zärtlichen Kuss und nahm ihn in seine starken Arme.
»Schlaf, Chibi. In meinen Armen bist du sicher«
Am nächsten Abend versammelten sich die Karpatianer auf dem kleinen Friedhof hinter dem Schloss, oder Kais ehemaliges Haus. Hier befand sich auch eine kleine Kapelle. Andrej war noch recht schwach und blass. Seine Wunden waren noch nicht vollständig geheilt. Aber er lächelte Ray sanft an. Bryan ging hinter seinem Freund um ihn im Notfall stützen zu können. Adrian hielt sich etwas abseits. Yury hatte aus Respekt vor Robert einen Holzsarg gezimmert. Als Grabstein diente die Statue eines Engels.
„Er war mein Freund und Beichtvater. Er hat daran geglaubt, dass unser Volk überleben wird."
Mit einer Handbewegung öffnete Kai das Erdreich und Yury ließ den Sarg hinein gleiten. Kai begann zu beten und Yury neigte respektvoll den Kopf, obwohl er Kais Glauben nicht teilte. Dann erhoben sich die Stimmen, der Karpatianer, als sie ein lateinisches Lied anstimmten. Zum Schluss sandte Kai noch einen Abschiedsgruß an seine Wölfe, welcher auch beantwortet wurde und schloss das Erdreich wieder.
Yury verwandelte sich als erster. Die Federn seiner mächtigen schwingen funkelten bläulich im Mondlicht. Auf einem Baum in der Nähe ließ er sich nieder und wartete. Als nächster folgte Adrian, dessen Federn funkelten golden. Ansonsten glich er dem ersten Vogel, oder besser gesagt Eule – mächtig, stark und äußerst gefährlich.
Bryan folgte und danach löste sich auch Kais Gestalt auf. Sie flogen zusammen in den Himmel und dann im Sturzflug wieder herunter. Der Wind, der durch ihre Federn blies, wischte die Erinnerung an den Vampir einfach weg. Ray sah ihnen fasziniert zu und wünschte sich diesen Aspekt seines neuen Lebens mit den anderen teilen zu können, sich in die Lüfte erheben zu können und den Wind alles unangenehmen wegwischen lassen.
»Konzentriere dich mein Geliebter. Nimm die Bilder an, die ich dir sende. Vertraue dich mir an. Glaub daran«
Ray zögerte noch ein wenig, aber dann gab er sich ganz in Kais Hände, er träumte den Traum fliegen zu können. Er merkte am Rande wie sein Körper sich verwandelte, aber das kümmerte ihn nicht. Etwas unbeholfen flatterte er in der Gestalt, einer kleineren Eule mit blauschwarzen Federn auf den Kopf des steinernen Engels. Andrej verwandelte sich als letzter und führte Ray der noch ein wenig unsicher war zu den anderen die schon warteten. Eine der Eulen brach aus der Formation heraus und kam Ray entgegen. Sie neckten sich eine Weile, jedoch wurde Rays Übermut ein wenig von den anderen gebremst. Diese bildeten einen Kreis um die beiden um Ray sicher und ohne Gefahren in die Freuden des Fliegens einzuführen. Ray genoss es sichtlich, das Fliegen, den Wind der durch seine Federn strich, sie sanft umschloss. Es war ein schönes Gefühl der Freiheit, er fühlte sich frei von allen Beschränkungen, von allen negativen Gedanken und Erfahrungen. Alles in allem war das Gefühl einfach herrlich. Kai würde sich mit Ray zurückziehen. Sie würden sich ihr neues Leben aufbauen und es genießen. Alle Anspannung fiel von ihm ab und er war nur noch glücklich. Er flog über Ray und berührte seinen Geist. Dafür erntete er von Ray all dessen Liebe. Rays glockenhelles Lachen erfüllte den Geist jeden Karpatianers, sandte ihm Hoffnung und Licht in der Dunkelheit.
