Kein Drabble-

Geh zu ihr rüber. Jetzt. Severus rang mit sich selbst. Er stand in der hintersten Ecke eines Salons, gefüllt mit feiernden Hexen und Zauberern, fast jeder mit einem Glas in der Hand, lachend und taumelnd. Jeder schien Spaß zu haben, jeder bis auf Severus. Er hatte zwar ebenfalls ein Glas Feuerwhiskey in der Hand, hatte jedoch kaum zwei Schlucke an dem Abend gemacht.

Er tauschte hier und da ein paar Floskeln auf, antwortete höflich auf die oberflächlichen Fragen und musterte die feiernde Meute. Eine Person in dem Raum hatte den ganzen Abend über seine Aufmerksamkeit, diese war sich jedoch nicht einmal dessen bewusst.

Remus tauchte neben ihm auf. „Sprichst du sie heute einmal an oder willst du sie weiterhin unheimlich aus einer Ecke aus anstarren?" Remus nahm beiläufig einen Schluck aus seiner Flasche und beobachtete Severus aus dem Augenwinkel. Dieser verzog sein Gesicht in eine Grimasse und nahm einen großen Schluck seines Getränks. Er seufzte als er die Schärfe in einem Rachen spürte. „Was sollte sie mit mir reden wollen?"

„Was sollte Tonks mit mir reden wollen? Und trotzdem ist sie bei mir."

Remus zog seine Brauen hoch und ließ Severus mit seinen Gedanken alleine. Bevor er ging gab er ihn noch einen leichten Stoß in Hermines Richtung. Diese stand nun unweit von ihm das erste mal an dem Abend ohne Gesellschaft. Severus stürzte das Glas hinunter und ging auf Hermine zu. Er schlenderte unauffällig um ein paar Personen herum und stellte sich neben Hermine.

„Miss Granger, ich wusste gar nicht, dass Sie auch heute hier sind." Lüge. Eine Lüge. Er wusste genau wann sie wo war, immerhin hatte er einige Festivitäten nur wegen ihr besucht.

„Hermine, nach dem was geschehen ist, ist Hermine wohl passender."

Sie blickte Severus freundlich an.

„Nun denn, Hermine."

Sein Herzschlag verdoppelte sich sie ihm ein Lächeln für die Erwähnung ihres Namens schenkte. Severus war auf einmal verlegen. Er hatte sich so auf den ersten Schritt konzentriert, dass er nicht bedacht hatte, wie er eine Konversation anfangen sollte. Und vor allem über was. Sie schien sein Unbehagen zu spüren und fragte ihn über seine Meinung zu diversen Artikeln.

Als diese Hürde einmal geschafft war, sprudelten die Worte aus ihn heraus.

Sie besprachen diverse Gedanken die sie mit niemanden sonst bereden konnten. Gedanken über Tränke, Flüche und sonstige komplexe Angelegenheiten.

Severus genoss jede einzelne Sekunde mit Hermine. Er bewunderte ihre Intelligenz und die Mühelosigkeit mit der sie seinen Gedanken folgen konnte. Mehrere male versuchten sich Harry oder Ron in das Gespräche einzubringen, diese warfen jedoch bald das Handtuch und ließen die beiden alleine weiter philosophieren. Der Raum leerte sich nach und nach und Severus bemerkte wie spät es inzwischen war. Er atmete tief ein und nahm all seinen Mut zusammen. Er formulierte die Worte in seinem Kopf wieder und wieder. Er bemerkte, dass er schon zu lange nichts gesagt hatte und wusste – jetzt oder nie. Er sah ihr in die Augen und sie sah ihn abwartend an. Da bemerkte er – sie wartete auf ihn. Sie wusste ganz genau was er sagen wollte und wartete darauf, dass er es tat. Diese Hexe.

„Ich kenne einen außergewöhnlichen Buchladen in London, ich könnte ihn dir zeigen wenn du es möchtest." Severus beobachtete sie mit angehaltenem Atem.

„Sehr gerne." Severus Herz überschlug sich, er ließ sich seine Freude nicht anmerken und nickte Hermine zu. In der gegenüberliegenden Ecke stand Remus der ihm für seinen Geschmack viel zu auffällig zuzwinkerte. Severus rollte mit den Augen. Hermine beobachtete die Männer und grinste. 2 Monate musste sie auf diesen Moment warten. Aber es hatte sich ausgezahlt.