Nervös schritt sie auf und ab. Wie ein eingesperrtes Tier trottete sie die Mauer vor seinen Quartieren entlang. 22:45. Er war nun schon drei Stunden weg. Eine Stunde mehr als er angegeben hatte. Hermine fuhr durch ihre wilde Lockenmähne und raunte verzweifelt. Die Treffen häuften sich, brannte früher das Mal einmal im Monat, so verstrich heute keine Woche ohne eine Zusammenkunft der Todesser.
Während Severus ihr tausendmal versichert hatte, dass ihm nichts passieren würde, konnte Hermine während seiner Abwesenheit vor Sorge nicht still sitzen.
„Geh schlafen, ich melde mich, ich verspreche es."
Pah, als ob das so leicht wäre. Der schiere Gedanken daran, was Severus bei diesen Treffen mit ansehen oder gar erleiden musste, trieb Hermine in den Wahnsinn. Und es gab nichts was sie dagegen tun konnte. Unzählige male hatte sie ihn angefleht dem Ruf einmal nicht zu folgen, zu fliehen, nicht mehr den Spitzel für Dumbledore zu spielen, aber tief im Inneren wusste sie, wenn sie den Krieg gewinnen wollten, brauchten sie Severus Informationen.
„Hermine?"
„Severus?"
„Alles in Ordnung, warst du die ganze Zeit über -"
Hermine fiel Severus um den Hals und drückte ihn so fest sie konnte an sich. Severus warf einen Blick über seine Schulter und als er sichergegangen war, dass keine neugierigen Augen sie beobachteten, tat er es ihr gleich. Er vergrub seine charakteristische Hakennase in ihre Locken und atmete ihren Duft tief ein.
Er konnte sich selbst keinen Reim daraus machen, warum er so schnell so abhängig von ihr war, doch in diesen Momenten verschwendete er keinen Gedanken rührte ihn, dass sie auf ihn gewartet hatte und er liebte sie in dieser Sekunde noch ein wenig mehr, falls das möglich war.
Als ihre Beziehung oder wie man das auch immer nennen konnte begann, sträubte sich Severus mit aller Macht gegen seine Gefühle. Er tat es als Nichtigkeit ab, als ob die Zuneigung der Langeweile oder der Angst entsprang und wie ein Sommergewitter so schnell wie sie gekommen waren wieder verschwanden, doch er irrte sich. Die Gefühlte blieben. Hermine blieb. Tapfer hielt sie seinen Tiraden, seinen Wutausbrüchen und seinen boshaften Worten stand und sah immer nur das Beste in ihn. Obwohl er manchmal kommentierte, dass sie nur das sah was sie sehen wollte, und es einfach nichts Gutes in ihm gab- war sie in ihrer Überzeugung nicht zu erschüttern.
Und tatsächlich, nach und nach gewöhnte er sich an das längst vergessene Gefühl der Liebe und er wurde wirklich der Mann den sie in ihm sah. Es überraschte ihn selbst wie viel Liebe er nach all dem was er in seinem Leben ertragen musste noch in sich trug und geben konnte und nicht selten fragte er sich, wie das alles gut gehen konnte. Doch für jeden seiner Zweifel hatte sie die Zuversicht, für jede seiner Ängste gab sie den Mut und für jede seiner Schwächen fand sie die Stärke.
