Vorbereitungen

„Darf ich vorstellen: Das ist Martha. Unser reizendes neues Mitglied!"

Mit diesen Worten winkt Aro die Vampirin zu sich. Ein wenig schockiert sieht Martha zum Anführer der Volturi. Wie von selbst setzt sie sich in Bewegung, doch augenblicklich wird sie zurückgehalten. Mit eisernem Griff hält Caius seine Gefährtin von ihrem Tun ab, den Blick dabei stets auf die Personen vor sich gerichtet. Darüber, dass sie sich nicht an die Absprache gehalten hat, werden sie später reden, allerdings weiß er auch um Aros äußerst überzeugende Art Leute dazu zu bewegen Dinge zu tun, die er von ihnen verlangt.

Mit seinem Handeln zieht Caius die die Aufmerksamkeit des gesamten Cullen-Clans auf sich. Stirnrunzelnd mustert Edward den Mann vor sich und liest dessen Gedanken. Sein Gesichtsausdruck wechselt zu einer verwirrten Miene und er flüstert seiner Frau leise Worte zu.

„Stimmt etwas nicht, Bruder", meint Aro in einem ungewöhnlichen strengen und kühlen Ton, während sich der Angesprochene langsam von seinem Thron erhebt. Auch Martha blickt ihn, mit einem entschuldigenden Ausdruck, an. Caius macht einen Schritt nach vorne, seine rechte Hand umfasst noch immer Marthas Handgelenk und sein Blick gleitet bedrohlich über jede einzelne Person bis hin zu Aro. Fast schon automatisch weichen einige Mitglieder der Cullens daraufhin zurück. Sein Ruf eilt ihm voraus. Doch ehe er das Wort erheben kann mischt sich Carlisle ein, der beruhigend auf ihn einspricht. „Caius, du kennst mich. Meine Familie und ich würden niemandem etwas antun."

Abschätzend blickt der blonde Meister zu dem Sprecher. Er weiß, dass er Carlisle in dieser Hinsicht Glauben schenken kann, doch seinem Clan und erst recht dem Wolf traut er nicht über den Weg. Caius' Blick richtet sich auf seine Gefährtin und schließlich löst er seine Hand von ihrem Gelenk, doch in seinen Augen ist der Befehl deutlich zu erkennen, dass sie sich nicht ohne ein Wort oder Zeichen von seiner Seite zu entfernen hat.

Auf ihr Kopfnicken hin machen sich beide auf den Weg. Aros Lippen umspielt ein schmales Grinsen anlässlich des erneuten Triumphes über seinen jähzornigen Bruder.

Freundlich lächelt Carlisle die Vampirin an, als sie vor ihm zum Stehen kommt. „Mein Name ist Carlisle Cullen. Es freut mich Euch kennen zu lernen." Mit einem zaghaften Neigen ihres Kopfes stellt sie sich schließlich ebenfalls vor. „Martha. Die Freude ist ganz meinerseits." – „Carlisle", erhebt plötzlich Caius das Wort. „Es gibt noch einiges zu besprechen." Nun richtet sich auch Aro wieder zu Carlisle. „Alter Freund, ich möchte dich bitten uns zu begleiten, sodass wir die wichtigen Dinge bereden können. Deine Familie wird in der Zwischenzeit in unserem Foyer warten."

Mit diesen Worten bedeutet er seinen Wachen dafür Sorge zu tragen, dass der übrige Clan in besagten Raum gelangt. „Ich werde bald zurück sein. Ich bin mir sicher, dass uns meine Frau Gesellschaft leisten kann", fragend sieht er zu den Meistern. „Natürlich Carlisle. Bitte folgt uns ins Nebenzimmer", spricht Marcus mit leiser Stimme. Zwischenzeitlich hat er sich von seinem Thron erhoben und macht sich auf den Weg zu einer unscheinbaren Tür.

Esme wagt einen kurzen Blick durch den Raum, weicht jedoch keinen Schritt von der Seite ihres Mannes. Sie hofft, dass es ihrer Familie gut geht und die Dinge die noch geklärt werden müssen, bald aus der Welt geschafft sind.

Mit einer leichten Handbewegung bedeutet Marcus den beiden Platz zu nehmen, während Aro und Caius sich bereits auf der Couch niedergelassen haben. Martha hat sich unterdessen wieder leicht hinter Caius positioniert. Sie fühlt sich hier fehl am Platz und hofft das sie hier niemanden stört. „Erzähl mir Carlisle, welche Beobachtungen konntest du beim Aufwachsen deines jüngsten Zuwachses machen?" Zwar hat Aro schon vieles aus Renesmees Gedanken lesen können, doch er schätzt Carlisles Meinung und einen anderen Blickwinkel auf die Geschehnisse der letzten Jahre.

„Nun, wie du sicherlich bemerkt hast, hat sie mit sieben Jahren ihr Wachstum beendet. In der Zwischenzeit hat sie gelernt ihre Gabe zu kontrollieren. Was ihre Ernährung betrifft, geht sie hauptsächlich mit uns jagen, hin und wieder geht sie aber auch mit ihren Freunden aus und isst menschliche Nahrung", erklärt Carlisle in einer sachlichen Tonlage.

„Was ist mit dem Wolf?", meldet sich Caius mit einem missbilligenden Unterton zu Wort. „Jacob und Renesmee sind ein Paar", erklärt Carlisle doch ehe er fortfahren kann unterbricht ihn Caius. „Ein Skandal! Das kann nicht dein Ernst sein", wütend erhebt er sich von seinem Platz. Martha zuckt daraufhin erschrocken zusammen und weicht minimal zurück, ein Reflex den sie nicht unterdrücken kann. Sie kann von sich auch nicht gerade behaupten ein Freund von Gestaltwandlern zu sein, aber Caius' Reaktion hat sie schon überrascht.

Carlisle weiß um seinen Hass auf die Kinder des Mondes und auch das ist ein Grund warum er den Volturi nichts von der Prägung des Gestaltwandlers erzählen will. Aro übergeht mehr oder minder den Wutausbruch seines Bruders und unterhält sich mit Carlisle über das Zusammenleben mit einem Halbvampir und einem Werwolf, sowie die künftige Geheimhaltung aller Spezies.

Es vergehen annähernd zwei Stunden in denen Aro mit Carlisle viele Einzelheiten bespricht, bevor Letzterer und seine Frau sich von den Meistern verabschieden und von Santiago zum Rest ihrer Familie gebracht werden. Etwas erleichtert sieht Martha in die Runde während die Meister stumm ihren Gedanken nachhängen. Die Anspannung war für sie kaum noch zu ertragen.

Nach kurzer Zeit verlässt Aro den Raum und befiehlt einer seiner Wachen Corin und Chelsea in seine Räumlichkeiten zu bringen. Es ist an der Zeit, dass sich Athenodora wieder beruhigt und unter Kontrolle bekommt, wohingegen Martha sich ihrer neuen Situation ergeben muss. Einen kurzen Blick wirft er auf die die geschlossene Tür hinter der noch immer seine Brüder sitzen. Dann macht er sich auf in seine Gemächer. Von dieser Sache müssen beide derzeit noch nichts erfahren, und wenn sie es bemerken wird es bereits zu spät sein!

Nach einiger Zeit sind auch Caius und Martha wieder in seinen Räumlichkeiten angelangt. Auf dem Weg dorthin haben sie nicht ein einziges Wort gewechselt und Martha kann den Grund bereits erahnen. „Du hast dich nicht an unsere Absprache gehalten!", beginnt Caius nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hat.

„Verzeih mir." Ehrliches Bedauern liegt in Marthas Stimme, als sie sich auf der Couch niederlässt. Ihr Blick ruht auf der kleinen Kommode an der Wand. Caius sieht sie unterdessen ungeniert an. Kurz darauf nimmt er neben seiner Gefährtin Platz. „Erzähl mir mehr von dir", fordert er sie auf, doch seine Stimme ist vollkommen ruhig und zeugt von ehrlichem Interesse.

„Was möchtest du wissen?" Ein wenig überfordert, doch mit einem schmalen Lächeln blickt sie zu ihm. Dann spürt sie wie sich seine Finger an ihr Kinn legen. „Alles!", antwortet er monoton. Doch in diesem Moment zerstört ein zaghaftes Klopfen die erneute Zweisamkeit.

Eine Vampirin betritt mit leisen Schritten den Raum. Ihr schwarzes Haar reicht in leichten Wellen bis zu ihrer Schulter. Äußerlich sieht sie aus wie Anfang 30, mit gesenktem Blick wendet sie sich an Caius. „Meister Aro wünscht Euch zu sehen. Er wartet in der Bibliothek, Meister."

Genervt steht der Angesprochene auf und ein leises Knurren verlässt seine Kehle. „Ich werde bei Eurer Gefährtin bleiben, sofern es Euch beliebt", fährt die Gardistin fort. „Gib auf sie Acht, Corin", erwidert Caius das Wort, bevor er sich auf den Weg in die Bibliothek macht.

„Du bist das Gesprächsthema Nummer 1 unter den Wachen", eröffnet Corin das Gespräch mit einem Grinsen. Verwirrt blickt Martha sie an. „Wie meinst du das?" Daraufhin muss Corin laut lachen und stützt sich mit ihren Ellenbogen auf einem Sessel ab. Sie mustert die verwirrte Vampirin vor sich. „Wenn Meister Caius einen Straftäter am Leben lässt und dann auch noch in seine Quartiere bringt, dann muss schon etwas Gewaltiges passiert sein", erklärt Corin. „Oh", flüstert Martha. Daran hat sie nie gedacht, sie hat immer versucht nicht aufzufallen, aber augenscheinlich war das überhaupt nicht möglich. „Was machst du hier Corin? Es tut mir leid, aber ich habe dich bisher nur ganz selten mal im Thronsaal gesehen."

Corin lächelt sie an, es verwundert sie zwar, dass Martha so wenig weiß, aber das Thema ist schließlich auch nicht ganz einfach. Insbesondere für ihren Meister. Sie muss allerdings aufpassen, denn die Instruktionen von Aro waren klar und deutlich. Martha soll nicht wissen welche Gabe Corin besitzt.

„Hauptsächlich bin ich bei Sulpicia und Athenodora. Man sagt mir nach, eine gute Gesellschaft zu sein." Bei der Erwähnung von Caius' Ehefrau wendet Martha den Blick ab, sie weiß einfach nicht wie sie mit der Situation umgehen soll. Sie hat sich all das hier nicht ausgesucht oder gar gewünscht, es liegt einfach nicht in ihrer Natur sich irgendwo dazwischen zu drängen. „Mach dir keine Sorgen", hört sie auf einmal Corin neben sich, die ihre Hand auf Marthas Schulter gelegt hat. „Die beiden standen sich schon sehr lange nicht mehr nahe."

Verwirrt legt Martha ihre Stirn in Falten. Etwas hat sich verändert, sie spürt eine Wärme in sich, aber sie kann es auch nicht genau in Worte fassen. Sie fühlt sich gelassener, wenn man das so sagen kann.
„Sulpicia scheint dich zu mögen. Sie hat mir von eurem Gespräch erzählt, sie hat so eine herzensgute Persönlichkeit.", schwärmt Corin woraufhin Martha wieder leicht lächelt und das Gespräch zurückdenkt. „Das ist wahr. Sie scheint sehr offen gegenüber anderen zu sein. Vorurteilsfrei und interessiert. Ein wenig beneidenswert muss ich sagen." Corin lacht auf und setzt sich schließlich neben Martha. „Vermutlich harmonieren sie und Aro deshalb so gut. Wer weiß. Wir alle haben unterschiedliche Persönlichkeiten. Du hast sicherlich auch Eigenschaften, die andere gerne hätten."

Ein ehrliches Lächeln liegt nun auf Marthas Gesicht, sie genießt dieses seltsame und doch angenehme Gefühl von Gelassenheit. Seit langer Zeit hat sie endlich wieder das Gefühl ein Gespräch auf Augenhöhe zu führen.