Kapitel 7
Seiya stand heute nicht wie sonst üblich an der Straßenecke, dann würde er bestimmt schon zu Hause sein. Seit Montag hatte sich in meinem Leben einiges zum Schlechten gewendet, vor allem die Situation mit Seiya und Diamond bereitete mir Kopfzerbrechen. Diamond würde jetzt wieder unterwegs sein, Seiyas Aufenthaltsdauer war noch unklar und Mamoru war anscheinend irgendwo in Bosten unterwegs ohne es für nötig zu erachten sich zu melden.
Das Gespräch mit Diamond begleitete mich aber fast den ganzen Heimweg. Warum machte sein Bruder ihm solche Angst? Warum warnte er mich und mahnte mich zur Vorsicht? Sollte ich vielleicht doch nach Osaka fliegen und wenn es nur war um Antworten zu bekommen.
Als ich meine Wohnungstür öffnete, schlug mir ein seltsamer Geruch entgegen, der mit jedem Schritt stärker wurde. Es roch verbrannt und war zudem nebelig in der Wohnung. Der Gestank schien aus der Küche zu kommen, begleitet von dem Geräusch von klappernden Töpfen.
Ich lehnte mich im Türrahmen an und beobachtete belustigt das Bild, welches sich mir bot. Ich musste mich wirklich beherrschen, nicht laut loszulachen.
Seiya stand in meiner kleinen Küche und versuchte offensichtlich zu kochen. Die Betonung lag hier auf versuchte. Auf dem Herd stand ein kleiner Topf und auf dem Tisch vier weitere, womit alle Töpfe, die ich besaß, gefüllt waren. Zusätzlich standen noch einige Schalen um ihn herum und alles war gefüllt mit Reis. Er war gerade dabei, wieder Reis aus dem Topf vom Herd abzuschöpfen. Die Küche sah aus wie ein Schlachtfeld und er war der tapfere Soldat auf verlorenem Posten, absolut ohne Kontrolle.
Als seine Augen mich trafen, leuchteten sie vor Erleichterung.
"Schätzchen, Gott sei Dank bist du endlich da. Ich wollte dich eigentlich mit etwas zu Essen überraschen, aber der Reis hört einfach nicht auf, aus dem Topf zu kommen", sagte er etwas panisch.
Nun konnte ich wirklich nicht mehr, das Lachen brach einfach aus mir heraus. Da stand ein großartiger Sänger in meiner Küche und verzweifelte an der einfachen Aufgabe, Reis zu kochen.
"Hör auf zu lachen und hilf mir lieber", schmollte er mit einem Löffel bewaffnet.
"Wie lange hast du denn vor, von dem Reis zu essen? Das reicht locker bis zum Ende nächster Woche. Wie viel hast du denn in den Topf gemacht?", fragte ich belustigt.
"Na, eine Packung pro Person, so wie es im Internet stand. Am Anfang hat auch alles in den Topf gepasst, aber dann...",er breitete seine Arme aus und deutete auf sein Werk.
Das erklärte natürlich alles. Ich besaß keinen Beutelreis, dass hieß er hatte tatsächlich zwei Kilo Reis gekocht, oder es zumindest versucht. Als mir das bewusst wurde brach ich in erneutes Gelächter aus. Er tat mir irre leid, wie er mich mit seinen großen Augen hilfesuchend ansah, aber es war einfach zu komisch.
Nachdem ich mich etwas beruhigt hatte, ging ich auf ihn zu und zog ihm den Löffel aus der Hand, streckte mich nach oben und gab ihm einen kurzen Kuss.
"Ich schlage vor du gehst erstmal ins Wohnzimmer und ich versuche hier zu Retten was es noch zu retten gibt.", bevor er noch Einwände erheben konnte schob ich ihn aus Tür raus. Jetzt betrachtete ich erneut das Ausmaß seiner Bemühungen. Zwei Kilo Reis in unterschiedlichen Garzuständen lachten mich an, das konnte auch nur Seiya zustande bringen. Nach knapp zwei Stunden sah meine Küche wieder nach einer Küche aus und ich hatte uns eine Reispfanne zubereitet.
Seiya hatte in der Zwischenzeit den Esstisch eingedeckt. Ich betrachtete ihn immernoch amüsiert.
"Morgen wirds spät werden, wir müssen noch die letzten Songs aufnehmen und abends ist noch ein Interwie wegen der neuen Tournee. Wie wars bei dir auf Arbeit?"
Ich schluckte und versuchte normal zu klingen. "Der übliche Stress, heute fielen einige Ankäufe an, musste alles gelistet und geschätzt werden. Für dich bestimmt zu langweilig wenn ich das genauer ausführen würde. Ich wurde außerem für Samstag nach Osaka auf eine Ausstellung eingeladen, aber ich weiß noch nicht genau ob ich hin gehe. Wie lange bleibst du eigentlich?" Ich klopfte mir innerlich auf die Schulter, das war doch alles ganz sollide verpackt.
"Ich denke nächste Woche müssen wir leider wieder los. Wie lange bleibst du denn in Osaka? Wir könnten ja auch zusammen hinfliegen."
"Ich weiß noch nicht mal genau ob ich überhaupt hin möchte, aber wenn wäre es nur die Nacht von Samstag auf Sonntag.", verdammt Seiya hatte also am Wochenende keine Termine.
"Du kannst es dir ja noch überlegen und was hast du morgen an deinem Freientag vor?"
"Ja, mach ich. Ach meine Freundin Minako wollte morgen zum Frühstück kommen, du erinnerst dich? Die mich damals zu unserem ersten Treffen ermutigt hatte, ich hab dir doch von ihr erzählt."
"Ja, bei ihr muss ich mich immernoch dafür bedanken.", er grinste zu mir rüber. Seiya kannte immer noch niemanden aus meinem Freundeskreis, genauso wenig wie ich jemandem aus seinem kannte. Er hatte recht, wir lebten hier zusammen in unserer Blase.
Wir kuschelten uns zusammen aufs Sofa und schauten noch einen Film zusammen, dabei muss ich wohl eingeschlafen sein. Als ich nämlich wieder aufwachte lag ich im Bett. Benommen versuchte ich rauszufinden was für ein Klingeln mich aus dem Schlaf gerissen hatte. Nach einigen Sekunden wurde mir bewusst, dass es mein Handy war. Welcher Idiot rief mich denn nachts um 1 Uhr an. Ich blinzelte verschafen auf das Display und war schlagartig hellwach. Ich drückte auf stumm, ein Blick zu Seiya der schlief zum Glück noch wie ein Stein. Mit klopfendem Herzen schlich ich aus dem Schlafzimmer und nahm den Anruf an. Eine Nummer aus Amerika.
"Tsukino."
"Meine Bunny, endlich erreiche ich dich.", ertönte Mamorus Stimme und augenblicklich wurde mir ganz warm ums Herz.
"Mamo, was war denn los bei dir? Ich habe Tage lang versucht dich zu erreichen. Ich dachte schon, dir sei etwas passiert."
"Ganz ruhig, es geht mir gut. Ich musste nur für ein paar Tage nach Bosten und auf dem Flug habe ich mein Handy verloren. Ich hatte Glück das die Dame von der Anmeldung deine Nummer direkt mit notiert hatte.", er lachte etwas verlegen. Dinge zu verlieren gehörte früher zu meinen Spezialitäten, womit er mich häufig aufzog und jetzt war es doch tatsächlich ihm passiert.
"Ich bin einfach nur froh das dir nichts passiert ist. Warum warst du in Bosten?"
"Ich habe dort einige Vorlesungen für die Medizinstudenten gegeben und durfte eine neue Methode für einen Herzklappenersatz lernen. Das ist auch der Grund warum ich mit etwas Glück eher zurück sein werde. Ich wollte es dir erst sagen wenn es sicher ist. Bunny noch 5 Wochen dann bin ich endlich wieder bei dir.", er klang so glücklich. Ich freute mich auch irgendwo, aber mir war auch schlagartig bewusst das mir die Zeit weiter im Nacken hing. Tick tack, tick tack. Ich werde das nicht mehr lange aushalten alle drei zu koordinieren. Schon garnicht wenn Mamoru wieder hier wäre.
"Bunny? Bist du noch dran?"
"Oh, ja natürlich ich war nur so überrascht. Du hast mir glatt die Sprache verschagen. Ich freu mich sehr das du bald wieder hier bist."
"Und ich mich erst, das kannst du dir garnicht vorstellen. Ich freu mich schon dich wieder in meine Arme zu schließen. So ich muss jetzt weiter arbeiten. Ich liebe dich Bunny."
Während mein schlechtes Gewissen sich langsam meldete, durchfluteten gleichzeitig Schmetterlinge meinen Bauch als ich diese Worte von ihm hörte.
"Ich dich auch, Mamo. Pass auf dich auf.", flüsterte ich leise in den Hörer. Er war der einzige dem gegenüber ich diese Worte bisher erwiedert hatte. Ich rief erneut das Bild von uns beiden auf und ließ es einen Augenblick auf mich wirken. Oh, Mamoru wo bin ich hier nur rein geraten. Wärest du nie nach Amerika gegangen wäre vieles so viel einfacher. Aber dann wäre Seiya auch nie in mein Leben getreten und zu Diamond hätte ich bestimmt nur eine rein berufliche Beziehung aufgebaut.
Das Quietschen der Schlafzimmer Tür führte bei mir zu einem ungewollten Zusammenzucken. Langsam neigte ich meinen Kopf und Seiya blinzelte zu mir rüber. Mist. Bitte lass ihn vom Telfonat nichts mitbekommen haben.
"Warum bist du denn im Wohnzimmer?", brummte er verschlafen.
"Ich ... ich konnte nicht schlafen ... Vollmond.", murmelte ich leise zurück.
Er kam dichter und zog mich an meiner Hand nach oben in seine Arme. "Komm, versuch es noch mal. Das Bett is so leer ohne dich und es ist mitten in der Nacht."
Im Bett war ich natürlich immer noch am grübeln, ich hatte statt 12 Wochen nur noch
5 Wochen um eine Lösung zu finden. Nur noch 5 Wochen, um mich für einen zu entscheiden.
Zuerst brauchte ich Antworten von Diamond, ich musste wissen was es mit seinem Bruder aufsich hatte. Warum er plötzlich so panisch und voller Angst war. Diese Antworten würde ich nur in Osaka bekommen.
Seiya und Mamoru würde meine größte Baustelle werden. Garnicht auszudenken was passieren würde wenn Seiya hier war und Mamoru plötzlich vor der Tür stehen würde oder wenn beide mich von der Arbeit abholen würden und ich einen nicht gleich sah. Ich musste jetzt langsam den Tatsachen ins Auge blicken, es wurde allmälich Zeit sich zu entscheiden. Wenn es nur nicht so schwierig wäre. Mein Kopf hämmerte vor Überlegungen, aber ich kam natürlich zu keinem entschluss. Diese Grübelei war aber auch nicht förderlich beim Einschlafen. Ach das war doch zum verrückt werden.
