Harry spürte, wie seine Muskeln im Gesicht erschlafften und strich seine ungekämmten, struppigen Haare aus der Stirn, die Gedanken vollkommen blank. Er wartete, bis Cormac anfing, zu sprechen, zu erklären und er hätte ihm am liebsten dieses selbstgefällige Grinsen aus dem Gesicht geschrien, das er so hasste, das er schon immer gehasst hatte und das sich über die vertrauten Züge legte wie ein Jungbrunnen, die kleinen Fältchen glättete, während Harrys Magen in die Tiefe sackte und irgendwo zwischen seinen Zehen landete.

"Diesen Umschlag habe ich unter Vaters Tisch gefunden - er hatte ihn zwischen die Schubladen geklebt und wohl gedacht, niemand würde ihn dort finden!" Er lachte und Harrys Nerven vibrierten heiß und seine Hand verkrampfte sich irgendwo neben seinem Oberschenkel und dieses Lachen oh er ist so ein Vollidiot -

"Ich habe eben schon einmal hineingesehen, aber nicht, dass ich verstanden hätte... Also, ich meine, ich habe mit den Geschäften meines Vaters nicht viel zu tun gehabt, aber Edgars Name steht unter einer Liste von - nun, keine Ahnung." Verlegenheit trug die Röte seinen Hals hinauf bis zu seinen Wangen und er schlug die feingliedrige Hand vor den Mund und räusperte sich umständlich und Harry wollte ihn schütteln, bis der Verstand in ihn zurückkehrte, bis er schwindelig in seine Arme sank und er ihm erklären konnte, was für ein verfluchter Stümper er war.

Cormacs Lächeln, reinster Hohn angesichts ihrer beklemmenden Situation, entblößte einen Riss mitten in seiner weichen Unterlippe, rohes Fleisch in einem Moment der vollständigen Anspannung freigelegt und langsam kehrte kribbelnd das Gefühl in Harrys Beine zurück und sein Mund öffnete sich, um den Hoffnungsschimmer in den so braunen Augen in kleinste Scherben zu zerschlagen.

"Wenn das belastende Beweise sind - und davon gehe ich aus - dann bist du nichts anderes als der blödeste - Hast du den Verstand verloren?" Die Hysterie krabbelte Harry die Kehle hinauf, eine brennende Spur in seinen erkalteten Fasern hinterlassend.

"Wie bitte?" Empört schnappte Cormac nach Luft, die Röte kroch in seinen gegelten Haaransatz und seine Augenbrauen zogen sich zusammen. "Ich rette gerade deinen kleinen Arsch -"

Das Lachen blubberte in ihm empor und bevor er irgendetwas dagegen tun konnte, brach es aus ihm heraus, laut und kantig, doch innerlich hohl und trotzdem konnte er nicht aufhören und erst, als der Briefumschlag mit einem lauten, platschenden Geräusch auf sein Ohr peitschte, ebbte die falsche Heiterkeit ab. Cormacs lauter, schnaufender Atem offenbarte Harry, dass er seinen ganzen Mut dafür zusammengenommen haben musste und er biss sich kurz auf die Lippe.

"Du willst meinen Arsch mit gestohlenen Beweisen retten, die kein Zauberergericht der Welt anerkennen würde?" Er schüttelte seinen Kopf, bis seine Brille verrutschte, als könnte er die Erkenntnis ungeschehen machen, sie aus seinen Ohren auf den Boden und die Wände plätschern lassen.

"Ich - was?" Cormacs Schultern hoben und senkten sich dann wieder, kraftlos dem Boden entgegen, als hätte jemand seine Sehnen durchtrennt. Die weit aufgerissenen Augen starrten auf den Briefumschlag in seiner Hand, der in einem Sturm unausgedrückter Gefühle erbebte.

"Du hast Beweise gestohlen und das geht zugunsten deines Vaters, Cormac!" Er sah nicht auf, glotze auf das verfluchte Papier und Harrys Geduld bröckelte hinweg wie Kalk unter einem Sprühregen aus Essig. "Du hättest sie genausogut fälschen können." Die Arme vor der Brust verschränkt, atmete er tief durch, die Kraft seiner Wut in seinen Muskeln bebend, auf die baldige Befreiung sehnend.

"Und er hat unter dem Tisch geklebt, da, wo ein ausgebildeter Auror zuerst nachschauen würde - an dem offensichtlichsten Ort, an dem jemand etwas deponieren würde, das er unbedingt gefunden haben möchte und du gehst dem auf den Leim." Die Bitterkeit, die in seinen Mund kroch, ließ ihm die Nackenhaare zu Berge stehen.

"Meinst du, dass er -" Cormacs Stimme flutete kraftlos und matt aus seinem Mund und hätte Harry nicht innegehalten, um Atem zu schöpfen, hätte er sie nicht wahrgenommen, zu leise, um das Rauschen in seinen Ohren zu übertönen und beinahe hätte Harry die Hand ausgestreckt und sie auf die teigigen Wangen gelegt, um seinen Worten den Dorn zu nehmen.

"Ich meine, Cormac, dass es viel zu lächerlich offenbar ist, um zufällig zu sein." Der Umschlag segelte zu Boden und landete auf der Stufe neben Harrys Füßen und aus Cormacs Kehle drang ein zittriges Seufzen.

"Dann kommt er einfach damit davon und es ist meine Schuld, meine verdammte -" Das Unbehagen sammelte sich in Harrys Hals und verdickte sich zu einem Knoten, an dem vorbei er kaum atmen konnte und er wusste genau, wie Cormac fühlte, verflucht ja, es war alles, was er mit Sicherheit wusste und als Cormacs Hand in sein Haar fuhr und an den Locken riss, unwillkürlich und hektisch, überbrückte er den letzten Meter, der zwischen ihnen verblieb.

"Nicht -" Hitze umfing seine Fingerspitzen, als er Cormacs blasse Handgelenke packte und seine Arme nach unten drückte. Der hastige Atem schlug neblig auf seiner Brille auf und in diesem Moment hatte er den Impuls, sie einfach fortzuwerfen, aber er konnte nicht mehr loslassen. Klebrig stockend ging die Erkenntnis durch seinen Kopf, er wusste, was gleich geschehen würde und die Gänsehaut auf seinen Armen ließ ihn frösteln.

Als Harry sich auf die Zehenspitzen stellte und die Anspannung seine Waden beben ließ und sein Mund auf Cormacs stoppeligem Kinn ein Kribbeln einfing, explodierte sein Herz und das fiebrige Blut jagte sirrendes Leben durch seine Adern. Ein Seufzen traf federleicht auf seine Nase und er musste den Kopf nur noch einen Zentimeter heben, nur ein kleines Stück noch, aber Cormac beugte sich ebenfalls vor, zu schnell, zu hastig und ihre Münder stießen aufeinander, ein metallischer Geschmack legte sich auf seine Zunge wie ein Kokon aus Blut.

Haltlos schwankend wie die Zweige einer Weide im Sturm standen sie dicht aneinandergedrängt dort, inmitten all der Verwüstung und voller Staunen lauschte er auf den Rhytmus des zweiten Herzens, das gegen seine Brust schlug, stark genug, um den Metallmantel, der ihn umfangen hatte, einzureißen und ihn nackt und bloß zurückzulassen und als seine zitternden Beine unter ihm wegknickten, krallten sich seine Finger fester in die Handgelenke lass es nicht abbrechen oh bitte lass es nicht -

Aber er fiel, fiel nach hinten auf die Stufe und ihre Münder lösten sich und Cormac, mitgerissen von seinen eingegrabenen Fingern, stürzte auch und dann war Cormac über ihm und es war egal, er presste seine Lippen einfach überall auf die fremde, salzig schmeckende Haut und sein Puls prasselte wie Regen auf dem Bordstein gegen einen langen, geröteten Hals.

Ein Flüstern wehte gegen sein Ohr, doch das Blut rauschte so laut, dass er nicht in der Lage war, zu verstehen und Lippen zupften an seiner Wange und seine Arme klammerten sich nutzlos in den dünnen Umhang, zerrten hilflos daran und er war verzweifelt, still liegen zu bleiben, sich nie wieder zu bewegen, diesen Rausch nie enden zu lassen.

"Ich liebe dich", murmelte Cormac gegen seine Lippen (nein, nein -) und seine Fingerspitzen glitten zart um Harrys Bauchnabel, malten eine Gänsehaut auf den Unterbauch und flatterten weiter hinunter und (oh oh mein Gott, du kannst doch nicht einfach -) wieder hinauf und rissen den Bademantel von seinen Schultern. Eiskalte Luft strich über ihn hinweg und aus dem Augenwinkel sah er den roten Stoff seidig zu Boden segeln und er wäre fortgelaufen, ganz sicher, aber seine Beine krallten sich wie aus eigener Entscheidung um die fremde, schlanke Hüfte.

"Ich liebe dich", flüsterte Cormac um seine Brustwarzen herum (verdammt, kannst du nicht einfach deine Klappe ha-) und als er anfing, zu knabbern, keuchte Harry die Bedenken beiseite und seine Hüfte stieß haltlos nach oben, hilflos und ungelenk, scheuerte sich wie im Wahn fast wund an Cormacs Hose und seine Stimme verschwamm im Hintergrund, verlor sich in Harrys Gehörgang und wirbelte sinnlos in seinem Magen umher.

"Ich -", keuchte Cormac an sein Kinn, ein warmes, nichtiges Wölkchen in Ekstase geborener Idiotie, während Harry ungeschickt den Druckknopf öffnete und die Hose mit seinen Oberschenkeln nach unten striff, die Hitze ein unbeständiges Rinnsal zwischen ihrer nackten Haut und sie rieben sich atemlos aneinander wie Jugendliche, nicht in der Lage, die wütend verzweifelte Umklammerung ihrer Beine und Arme zu lösen und obwohl der Abstand zwischen ihnen kaum für ein Haar ausgereicht hätte, war es nicht nah genug, es würde nie reichen, es konnte nicht -

Schlanke Finger rankten sich um Harrys Gesicht, rahmten es ein und dann lehnte sich Cormac vor und presste seinen Mund auf Harrys Lippen, wie um jedes Keuchen aufzusaugen. Und obwohl der Blickkontakt bei jedem erneuten Stoß kurz abbrach, konnte Harry sehen, wie die Augen des Anderen verschleierten, als seine Bewegungen grob und fahrig wurden.

Cormacs Zähne gruben sich tief in Harrys Lippen und er schmeckte sein eigenes Blut und es war ihm absolut und vollkommen gleichgültig, denn im nächsten Moment wurde seine Welt weiß und das Rauschen in seinem Körper übertönte mühelos alles andere und dann war alles vorbei, aber noch immer lösten sie sich nicht voneinander. Harrys Finger waren gefühllos geworden und das einzige, was er spüren konnte, war sein unsteter Puls, der viel zu stark durch seinen Körper hämmerte.

"Das war -", begann Cormac zu sprechen, die Stimme spröde und rissig, aber er unterbrach sich und starrte betreten auf das Blut, im Kuss verschmiert um Harrys Mund. "Es - es tut mir leid, ich wollte nicht -"

Ein Stöhnen kraxelte Harrys Kehle empor, schmerzhaft, als hätte er Scherben geschluckt. "Wenn du jetzt sagen willst, dass das ein Fehler war, dann gnade dir Gott oder wer auch immer -"

Durch die Umklammerung seiner Arme spürte er, wie sich Cormacs Körper versteifte. "Nein, nein - deine Lippe, sie ist -" Die Augenbrauen zusammengezogen, mit einer tiefen Falte auf der Stirn, schüttelte er den Kopf. "Es tut mir leid -"

Unwillig runzelte Harry die Nase. "Halt' mal kurz die Klappe, McLaggen. Mach' es nicht kaputt oder so." Verwundert betrachtete er seine eigene Hand, die das Lächeln auf Cormacs Gesicht umrundete und mit den Fingerkuppen spürte er der Hitze auf den roten Wangen nach, unterbrochen von kratzigen Bartstoppeln und es war merkwürdig, der Kontrast zu der weichen Mädchenhaut, an die sich seine Zellen noch so gut erinnerten, hätte nicht größer sein können, aber der Unterschied war so oberflächlich, dass er auf Harrys Haut einschmolz und unter seinen tastenden Blicken zerrann, als hätte er versucht, Rauch mit bloßen Händen aufzufangen.

"Ich bin in dich verliebt, Harry", hauchte Cormac ihm entgegen und Harrys Finger froren in ihrer Erkundung ein und die wohlige Zufriedenheit in seinem Magen verpuffte wie Leprechan-Gold in den Händen eines Hungerleiders.

Die Zeit begann sich zu dehnen, zwischen ihnen und Cormacs Geständnis und obwohl es ihm beinahe körperlich wehtat, konnte Harry nicht darauf reagieren und sah zu, wie die Kraft aus dem Mann über ihm floss, nein, strömte, als hätte er ein Leck in einen Staudamm geschlagen. Den Kopf gesenkt, stemmte sich Cormac auf die Ellbogen und das plötzliche Fehlen der warmen Haut ließ Harry frösteln.

Als er sich aufrichtete und seine Hose hochzog, konnte Harry in sein Gesicht sehen und er wünschte, er hätte weggeschaut oder die Augen zugekniffen, denn der Ausdruck wilden Schmerzes versetzte seinem vertrockneten Herz einen Stoß und es schlingerte hilflos in seiner Brust und plötzlich brannte es hinter seinen Augenhöhlen und er schluckte verzweifelt gegen die Tränen an.

"Ich - ich dachte wirklich -", murmelte Cormac zu seinen Schuhen, zum Ende hin immer lauter. "Wieso hast du das getan?" Er schrie fast und Harry zuckte zusammen und als sich der Grund für seine Zurückweisung endlich klar in seinem Kopf formulierte, zog er die nackten Knie an die Brust und umklammerte sie mit seinen Armen, frierend.

"Du bist nicht in mich verliebt, ich - ich bin nur die einzige Möglichkeit, die dir geblieben ist, nicht völlig allein zu sein." Harrys Kiefer klapperte haltlos und seine restlichen Worte gingen unter, irgendwo zwischen den Zähnen, die wild aufeinanderschlugen.

Erst, als Cormac schon lange gegangen war, fand Harry das Gefühl für seine Gliedmaßen wieder und während er langsam ein paar Schritte vorwärtstorkelte, um seinen Bademantel aufzuheben, fiel ihm auf, dass der Umschlag noch dort lag und ihn zu verhöhnen schien und nun ließ er die Tränen zu, deren Unterdrückung ihn die Chance gekostet hatte, sich zu erklären.

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Das Arbeitszimmer war sauber und ordentlich, die Erinnerung an Cormacs Eindringen ausgelöscht aus dem makellosen Holz des Schreibtisches und jeder Blutfleck achtlos weggewischt wie Tränen.

Eingerahmt und liebevoll geglättet ruhte das Foto von Cormacs Mutter inzwischen auf einer präsenten Stelle auf dem Tisch, nicht störend nah, nicht zu weit, als dass er nicht hin und wieder einen Blick hinaufwerfen könnte und besonnen strich der Mann, der bequem auf seinem dunkel gepolsterten Sessel saß, über sein stoppeliges Kinn.

Nachdem er unter dem Schreibtisch nach dem Umschlag getastet hatte, konnte er sich vor Lachen kaum halten und die Selbstzufriedenheit war durch seine Adern geströmt wie das köstlichste Blut.