Rain Kiss

Er stieg vom Motorrad und nahm den Helm ab. Starling Citys Himmel wurde von dunklen Wolken bedeckt und der Regen wollte heute gar nicht mehr aufhören. Doch Oliver war das egal. Auf der Insel hatte er jedes Wetter miterlebt und er musste mit Hitze und mit Kälte klarkommen. Seine Lederjacke war schon völlig durchnässt und sein schneller Geschwindigkeitsritt auf dem Bike hatte noch einiges dazu beigetragen.

Er fuhr sich mit der Hand durch die nassen Haare und analysierte unbewusst seine Umgebung nach Gefahren und oder Feinden. Als er dies realisierte, schloss er seine Augen und wieder einen klaren Gedanken fassen zu können. Gerade war sein Überleben nicht in Gefahr, er war nicht auf einer Insel umgeben von wilden Tieren und gefährlichen Menschen, nein, hier konnte ihn nichts körperlich verletzten.

Er setzte langsam einen Fuß vor den anderen und seine Hiking Schuhe betrachten bald den nassen Rasen. Der Boden war unter seinen Füßen ganz aufgeweicht und der Schlamm machte den Untergrund rutschig. Er spürte, trotz der dicken Sohle, jeden Stein und Ast. Er versuchte sich auf die Umgebung zu konzentrieren. Er wollte sich von seinen Gedanken ablenken, von den Gedanken, die ihn aufwühlten, verletzten, die ihn schuldig machten.

Schon Stunden zuvor in der Arrow Cave versuchte er sich mit Training abzulenken. Er zerstörte auf dieser Art und Weise drei Dummys. Irgendwann dachte er, er müsse seine Zielfertigkeit üben und verschoss hunderte von Pfeilen bis die ganze Wand mit Tennisbällen voll war und Oliver nichts mehr hatte auf das er schiessen könnte. Dann kam Diggle endlich und sie machten ein intensives Sparring.

Anscheinend war es für Diggle zu intensiv und er brach es ab. Er, jedoch, brauchte irgendeine Art sein ganzes Adrenalin abzubauen und beschloss auf das schwarze Motorrad zu steigen und sich in den Straßen von Starling City zu verlieren. Eine höhere Macht, sein Unterbewusstsein oder sein Instinkt hat ihn dann schlussendlich hierher gebracht.

Schon heute morgen war Olivers Laune nicht gerade die beste. Er hatte schon sehr früh ein Meeting mit Isabel. Felicity begrüßte ihn mit einem liebevollen Lächeln, wie üblich saß sie schon an ihrem Tisch. Oliver konnte nicht anders und es stahl sich ein kleines Lächeln auch in sein Gesicht. Doch so schnell wie es kam, verschwand es auch.

Er ging weiter in sein Büro, Diggle platzierte sich auf die schwarze Ledercouch und Oliver setzte sich an seinen Schreibtisch. Auf seinem Desktop sah er seinen Kalender, die heutigen Termine und Aufgaben, alles ordentlich zusammengetragen von seiner Assistentin. Doch wie er bemerkte war der Nachmittag erstaunlich ruhig.

Der CEO wollte schon Felicity rufen um sie nach dem Grund zu fragen, als sie mit einer Tasse Kaffee in seiner Richtung ging. „Hier ein starker Kaffee für dich, du siehst nicht gut aus, harte Nacht? Natürlich hattest du eine harte Nacht..." Felicity wurde rot und beging zu stottern „Ja also so hart jetzt auch nicht, ich meine, es sollte mich gar nicht interessieren und ich muss es auch gar nicht wissen und du siehst auch nicht schlecht aus...ich meine du siehst gut aus wie immer...nicht super heiß gut...so wie ein CEO aussehen soll. Keine Ahnung wie ein CEO aussehen soll. 3,2,1"

Felicity hatte recht, er konnte in der Nacht nicht gut schlafen und ein starker Kaffee war eine Wohltat, jedoch war ihre Plapperei etwas, was kein Schlaf, kein Kaffee und kein gutes Zureden schaffen können. Es beruhigt ihn und gab ihm ein gutes Gefühl.

„Danke Felicity, und ich meine nicht nur den Kaffee." Sie lächelte ihn an und sie hielten für einige Sekunden intensiven Augenkontakt. Diggle betrachtete das alles nur mit einem wissenden Schmunzeln.

Olivers Tag wurde aber durch das Meeting mit Isabel und einigen Problemen in der Finanzabteilung nicht besser. Um zwei hatte er endlich keine Termine mehr und Felicity schmeiste ihn raus, sodass er in die Arrow Cave gehen konnte.

Mit diesen Gedanken an seinen Tag kam er endlich an seinem Ziel an. Er blickte mit Tränen in den Augen den Gegenstand an und in ihm kamen wieder die ganzen Gefühle hoch, die er auch in der Nacht des Erdbebens hatte. Schuld, Selbsthass, Trauer, Hilflosigkeit. Er konnte nichts mehr gegen als die Emotionen machen und lies sich auf seine Knie fallen.

Er wusste nicht wie lang er in dem Schlamm kniete, ob es Minuten oder auch Stunden waren. Ihm war es auch egal, ob er sich erkältete oder ob man ihn vermisste. Er verlor sich in seiner Dunkelheit. Er nahm am Rande seines Bewusstseins Schritte hinter sich war, entspannte ich aber als er den bekannten Rosenduft roch. Diesen Duft, diese spezielle Note würde er unter tausenden erkennen.

Ihre Hand legte sich auf seine Schulter und er blickte hoch. Sie stand mit einem durchsichtigen Regenschirm, einen schwarzen Mantel und schwarz-weiß karierte Gummistiefel. Wie immer war sie für die Situation und die Lage perfekt gekleidet. Er erhob sich langsam und merkte, dass er wohl länger dort gekniet hatte. Seine Beine waren total steif.

„Oliver, er hat dir verziehen. Er weiß, dass du überleben musst. Er sieht dich nicht als Mörder, du ehrst ihn mit deinem Prinzip, dass du nicht tötest." Sie standen da, wie Gegensätze, die sich anziehen. Er, die pure Dunkelheit, ein gebrochener Mann. Sie, das Licht, die menschliche Unschuld. Und dennoch, sie wendet sich nicht ab, sie blieb bei ihm und beide starrten auf den Grabstein vor ihnen.

Die Inschrift lautete „Tommy Merlyn". Nach einiger Zeit ergriff Oliver Felicitys kalte Hand und drehte sich zu ihr. „Du glaubst immer noch an mich?" „Ich werde immer an dich glauben, du bist mein Held." Sie schaute ihn voller Liebe an. Er konnte nicht glauben, dass man ihn, der so vieles schon getan hat, unbeschreibliches unvorstellbares, dass man ihn noch lieben konnte.

Doch hier stand sie, Felicity, seine Felicity. Und er kam nicht umher sie zu küssen Hier im Regen vor Tommy, um ihn zu zeigen, dass er sich ändern wollte, für ihn, für seinen besten Freund und natürlich für sie, für ihre Zukunft.