Thorns in my chest

Kapitel 8

Hermine schnaubte. Die Bibliothek! Warum hatte er deswegen so ein Geheimnis gemacht? Glaubte er etwa, dass er sie damit in die Knie zwingen konnte? Schön. Eine Weile lang hatte sie wirklich Angst gehabt. Vor allem, als er so plötzlich an Ort und Stelle mit ihr disappariert war. Aber jetzt, wo sie all die vertrauten Bücher erblickte und deren Geruch wahrnahm, kam sie sich fast lächerlich vor.

„Wonach suchen wir?", fragte sie instinktiv. Im Grunde genommen jedoch war es nur ein kläglicher Versuch ihrerseits, von ihrer Unsicherheit abzulenken.

Snape legte den Zeigefinger auf den Mund, als Zeichen dafür, dass er nicht gestört werden wollte, während er mit prüfendem Blick die Reihen absuchte. Vielleicht war auch jetzt alles nur wieder eine Show, die er abzog, um sie einzuschüchtern.

Seufzend lehnte Hermine sich mit dem Rücken gegen die Wand und verschränkte die Arme vor der Brust. Es hatte etwas Surreales an sich, ganz allein um diese Zeit mit ihm hier zu sein. Irgendwie unheimlich, zugleich aber auch komisch.

„Wenn Sie mich weiterhin zappeln lassen wollen, schön", sagte sie frei heraus, ohne den Blick von seiner schwarzen Rückseite zu nehmen. „Aber um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass wir vorankommen werden, wenn wir nicht aufhören, diese Spielchen zu spielen."

Snape wandte den Kopf in ihre Richtung und sah sie emotionslos an. „Dann hoffe ich, Sie haben Ihre Lektion gelernt: Das nächste Mal, wenn Sie unbedingt jemandem hinterher spionieren wollen, nicht dabei erwischen lassen."

Fast schon genervt rollte Hermine mit den Augen. „Soll das jetzt ewig so weitergehen? Warum sagen Sie mir nicht einfach, was Sie wissen; vielleicht kann ich Ihnen ja helfen."

Wortlos streckte Snape seine dünnen Finger und zog ein altes Buch aus einem der Fächer. Einen Moment lang betrachtete er den Titel, ehe er mit großzügigen Bewegungen den Staub abstreifte.

Hermine hüstelte. „Wollen Sie mich umbringen?"

Snape holte sich einen Stuhl herbei, hob seinen Umhang an und ließ sich darauf nieder. „Kommen Sie her und hören Sie mit dem Gezeter auf, Granger."

Eingeschnappt setzte sie sich zu ihm und stützte den Kopf auf die Hände, während er das Inhaltsverzeichnis studierte.

„Zweihundertsiebzehn."

Seine Stimme ließ sie frösteln. Kaum hatte er die Seite aufgeschlagen, reckte Hermine den Hals, um einen Blick auf das zu erhaschen, was der Professor im Schilde führte. Doch es war vergebens. Snape hatte seine Hakennase so dicht über die Seiten gebeugt, dass seine ungepflegten Strähnen alles andere verdeckten.

Enttäuscht wich Hermine zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. „Eigentlich brauchen Sie mich doch gar nicht, nicht wahr? Sie haben mich nur mitgenommen, um mich zu schikanieren."

Er brummte. „Möglich."

Ein genervtes Schnauben entfuhr ihr. „Woher wissen Sie von der Sache mit dem Stein der Auferstehung? Hat Dumbledore Ihnen davon erzählt?"

Der Professor hob den Kopf und sah sie innig mit seinen schwarzen Augen an. „Gegenfrage. Hat Potter Ihnen erzählt, dass er hin und wieder im Schoss ist, um mit Albus zu reden?"

Irritiert blinzelte Sie. „Er besucht mich manchmal."

„Natürlich", murmelte Snape abfällig. „Es liegt ja auf dem Weg ..."

„Na hören Sie mal! Es mag ja sein, dass Sie nie überwinden werden, dass Lily sich für James entschieden hat. Doch das ist noch lange kein Grund, Harry bis an sein Lebensende schlecht zu machen. Wenn er mit Dumbledore reden will, soll er es tun. Ich werde ihm keine Vorschriften machen. Und Sie sollten endlich aufhören, sich da einzumischen."

Eine dunkle Falte tauchte zwischen den Brauen Snapes auf. „Sieh an. Er hat Ihnen nichts gesagt. Nichts über seine Arbeit. Nichts über die Vorgänge, die sich noch immer im Verborgenen des Schulleiterbüros abspielen. Über die Macht, die ein Portrait in den Händen hält, während es abgeschottet von der Außenwelt die Fäden zieht … Ich muss zugeben, dass mich das überrascht, Granger. Vielleicht hatten Sie ja recht: Die Zeitungen lügen. Sie sind gar nicht so taff, wie Sie tun. Im Grunde genommen war alles, was Sie erreicht haben, pures Glück. Und Potter, so auserwählt er auch sein mag, lediglich ein Aufschneider, der Sie ausgenützt hat."

Hermine hatte Mühe, seinem bohrenden Blick standzuhalten. Mehr und mehr beschlich sie das Gefühl, dass der Hass, den Snape in sich hatte, nach wie vor unermesslich groß sein musste.

„Sie können nicht aufhören, nicht wahr?", fragte sie ungläubig. „Gibt es überhaupt irgendetwas Gutes, das Sie in den Menschen sehen?"

Er legte den Kopf schief, schien zu überlegen. „Nicht wirklich."

Mit einem lauten Knall klappte das Buch zu, sodass Hermine erschrak.

Der Professor kam auf die Beine. „Wir sollten gehen."