Thorns in my chest

Kapitel 15

Dumbledore räusperte sich verhalten, als Snape mit einem finsteren Ausdruck in den Augen vor ihn trat.

„Darf ich fragen, wie schlimm es war?"

„Dürfen Sie nicht."

Stunde um Stunde hatte er damals nach dem Akt damit zugebracht, die Begegnung mit ihr schönzureden. Egal, was auch immer er versucht hatte, war erfolglos geblieben. Nichts hatte ihm abseits des befreienden Moments, in dem er den Höhepunkt erreicht hatte, Befriedigung verschafft. Und bis jetzt hatte sich nichts daran geändert. Wahrscheinlich war er der einzige Todesser überhaupt, der es jemals bereut hatte, mit Bella geschlafen zu haben. Umso weniger wollte er wahrhaben, dass sie ihn erneut in diese Lage gebracht hatte.

Dumbledore nickte. „Ich bin schon zufrieden, wenn du die Details für dich behältst. Diesmal."

Obwohl ihm nicht entgangen war, dass der ehemalige Schulleiter besorgt wirkte, hatte er nicht vor, seinen Unmut vor ihm zu verbergen. Wütend plumpste er in den Stuhl hinter dem Schreibtisch und sackte darin zusammen.

„Sie weiß etwas. Ich bin mir ziemlich sicher."

„Aber sie hat dir nichts gesagt."

Snape antwortete nicht und vergrub stattdessen den Kopf in seinen Händen. Für Dumbledore genügte das, um zu wissen, dass er richtig gelegen hatte.

„Was schlägst du vor, Severus? Sollen wir die Aktion abbrechen?"

Langsam sah der Professor auf und ließ das gütige Gesicht seines Mentors auf sich einwirken, das ihm entgegenblickte.

„Sie können wohl kaum von mir erwarten, dass ich diese Frage beantworte."

„Du solltest dich ausruhen, mein Junge."

Snape schüttelte träge den Kopf. „Das kann ich nicht. Es lässt mir keine Ruhe."

„Wann hast du das letzte Mal richtig geschlafen?"

„Ist schon eine Weile her."

„Das dachte ich mir."

Geduldig nahm Dumbledore seine Brille von der Nase und putzte sie am Ärmel ab.

"Hast du noch etwas anderes auf dem Herzen?"

"Nein."

Dumbledore begutachtete die Gläser und setzte die Brille wieder auf. "Das kommt ganz auf den Blickwinkel an, nicht wahr?"

Snape grunzte. "Verschonen Sie mich mit Ihren Weisheiten."

"Wie du willst. Doch glaub mir, du wirkst ganz so, als würde es dir guttun, darüber zu reden."

Mit funkelnden Augen sah der Professor das redselige Portrait an. "Aus Ihrer Sicht ist es leicht, das zu sagen, meinen Sie nicht? Sie hängen hier herum und erteilen mir gute Ratschläge. Es ist fast so wie früher."

"Ich biete dir lediglich meine Gesellschaft an."

"Als würde ich so großen Wert darauf legen!"

Dumbledore lugte mahnend über den Rand seiner Gläser. "Mach nicht den Fehler, dich vor mir zu verschließen. Das haben schon andere getan. Und jetzt sieh dir an, was aus ihnen geworden ist. Die meisten sind verloren."

"Und was hat es mir gebracht, dass ich mit meinen Prinzipien gebrochen und Ihnen alles anvertraut habe?", spuckte Snape spöttisch. "Es schmerzt! Es ist, als hätte ich ihr Andenken verraten."

"Lily hat sich entschieden. Genau wie du. Außerdem habe ich nicht von dir verlangt, dass du mit Bellatrix schläfst. Du kannst mir nicht an allem die Schuld geben, Severus."

"Nein. Aber Sie kennen Bella. Sie holt sich das, was sie haben will. Und wie es den Anschein hatte, hat sie nur darauf gewartet, mich zu bekommen."

Dumbledore wippte nachdenklich mit dem Kopf. "Vielleicht hast du recht und ich habe mich geirrt. Trotzdem kannst du nicht von mir erwarten, dass ich untätig bleibe. Du hast Lucius gehört. Und seine Argumente sind berechtigt. Vor allem, da er sich am Ende der Schlacht vor aller Augen zurückgezogen hat. Einerseits fürchtet er den Zorn der noch frei umher laufenden Anhängerschaft Toms. Andererseits ist er hin- und hergerissen, was er tun soll. Er hat Angst um seine Familie, seinen Wohlstand und sein Ansehen. Nur ein riesiger Narr würde die Zeichen ignorieren. Ein solcher Narr war ich einst. Aber das wird mir nicht noch einmal passieren."

Mit geschlossenen Augen rieb Snape sich die Schläfen.

"Das weiß ich", murmelte er matt.

"Dann wirst du verstehen, dass wir etwas tun müssen. Es gibt keine Garantie, dass nicht auch die Auroren infiltriert wurden. Tom hatte Anhänger in allen Reihen. Sollen wir uns da etwa auf den Zufall verlassen?"

Snape seufzte. "Nein. Aber Sie müssen zugeben, dass es sinnlos ist, meine Arbeit fortzusetzen. Jeder weiß inzwischen, was ich getan habe."

„Genau deshalb werden wir die üblichen Methoden umgehen. Es war ein großer Schritt von Lucius, sich an dich zu wenden ..."

„Das ist noch lange kein Beweis dafür, dass er mir vertraut. Er wechselt seine Meinung immer entsprechend der Aussichten. Heute ist er überzeugt, dass wir auf der Gewinnerseite stehen. Morgen ist es vielleicht wieder anders."

Dumbledore setzte ein gutmütiges Lächeln auf. „Davon solltest du dich nicht aus der Ruhe bringen lassen."

Snape rollte abfällig mit den Augen. „Das werde ich nicht. Ich wollte damit nur sagen, dass sich die Zeiten geändert haben."

„Denkst du, Bellatrix hat etwas geahnt?"

Einen Moment lang überlegte der Dunkle Zauberer. Es war schwer, aus Bella schlau zu werden. Von allen anderen war sie immer die gewesen, die Voldemort am ergebensten gedient hatte.

Abwesend schüttelte er den Kopf. „Nein."

„Gut. Dann solltest du dir überlegen, was du ihr das nächste Mal erzählst."

Snape starrte das Portrait entgeistert an. „Das nächste Mal? Ich dachte, wir wären uns darin einig, dass es keinen Zweck hat, es weiter auf diese Art zu versuchen."

Dumbledores Gesicht wurde ernst. „Es liegt an dir, Severus. Wie auch immer du dich entscheiden wirst, du wirst derjenige sein, der den Auftrag auszuführen hat. Mir sind leider die Hände gebunden."

Snape knurrte und machte sich bereit, das Büro so schnell wie möglich zu verlassen. Er hatte genug.

„Und noch etwas", setzte Dumbledore streng nach, ehe sein Spion durch die Tür entschwinden konnte. „Vielleicht solltest du wirklich jemanden um Hilfe bitten. Du wirkst erschöpft."

Ungläubig zog der Professor die Brauen in die Höhe. „Das ist nicht Ihr Ernst."

Das Portrait nickte beflissen. „Mein voller Ernst. Geh. Ruh dich aus. Alles Weitere besprechen wir morgen."