Thorns in my chest

Kapitel 17

Nach ihrer Begegnung mit Snape kehrte Hermine in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors zurück und wurde dort von Ginny in Empfang genommen, wo sie ihr sofort alles erzählte. Doch auch das half nichts. Das bedrückende Gefühl, tief in der Klemme zu stecken, wollte einfach nicht weichen.

„Weißt du, Gin, im Grunde genommen wäre das alles nicht passiert, wenn du mich nicht dazu gedrängt hättest, mit dir in den Verbotenen Wald zu gehen."

Ginny rümpfte die Nase. „Ja, schon klar. Ich weiß, dass du immer noch sauer bist deswegen. Aber das wird uns auch nicht weiterhelfen. Lass uns lieber überlegen, was du jetzt machst. Oder hast du schon eine Idee?"

„Nicht wirklich. Snape klang ganz so, als wäre es ihm ernst. Vermutlich werde ich erst mal zu McGonagall gehen und Sie bitten, mich Zaubertränke abwählen zu lassen."

„Das solltest du nicht. Du tust ihm damit nur einen Gefallen."

„Hast du einen besseren Vorschlag?"

„Ja. Ignoriere ihn einfach."

„Das kann ich unmöglich tun. Seine Bedenken sind ja nicht ganz unbegründet."

Auch davon wollte Ginny nichts hören. Für Hermine stand trotzdem fest, dass sie mit ihrer Schulleiterin reden musste, denn so konnte es kaum weitergehen. Es war zermürbend, nicht zu wissen, was sie tun sollte. Ihre Gefühle in Bezug auf Snape hatten ein ziemliches Chaos in ihrem Inneren ausgelöst. Außerdem hatte er unmissverständlich klar gemacht, dass er sie nicht weiter unterrichten wollte.

Angespannt nutzte sie dann die erstbeste Gelegenheit, McGonagall zu treffen, die wie erwartet alles andere als begeistert von ihrer Bitte wirkte.

„Ihre Entscheidung kommt sehr plötzlich, Miss Granger. Finden Sie nicht?"

Hermine hatte sich zwar eine Ausrede zurechtgelegt, dennoch wurde sie die ganze Zeit über das Gefühl nicht los, dass die Schulleiterin Verdacht schöpfte.

„Das ist richtig, Professor McGonagall. Aber ich habe es mir gut überlegt und bin zu dem Schluss gekommen, dass es besser ist, etwas kürzer zu treten. Die vergangenen Monate waren sehr anstrengend."

„Nun gut, wie Sie wünschen. Ich werde Ihren Entschluss gründlich überdenken und mit Professor Snape darüber reden. Das verstehen Sie sicher."

Hermine nickte und war froh, als sie entlassen wurde. Hoffentlich würde Snape dichthalten.

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"Denkst du nicht, dass ich meine Gründe habe, Minerva?"

"Was für Gründe? Miss Granger ist außerordentlich begabt. Ich denke nicht, dass sie mit einem Fach wie Zaubertränke überfordert ist."

"Das steht hier auch gar nicht zur Debatte."

"Was dann? Was hast du getan?"

Ein höhnisches Grinsen legte sich über Snapes fahles Gesicht. "Natürlich. Es ist nur logisch, dass ich Schuld an allem habe."

Sichtlich beunruhigt kräuselte McGonagall die Lippen. "Wovon sprichst du? Würdest du mir endlich sagen, was hier vor sich geht?"

Der Professor fuhr sich angestrengt mit den Händen durch die Haare und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. So kalt, wie die Mauern in seinem Büro an diesem Abend wirkten, hatten sie schon seit geraumer Zeit nicht mehr gewirkt. Es war nicht leicht für ihn, diesen Schritt zu gehen.

"Bevor du mich weiterhin so vorwurfsvoll ansiehst, lass mich dir sagen, dass ich nichts getan habe, das gegen die Vorschriften verstößt, in Ordnung?"

Sie funkelte ihn voller Ungeduld an. "Raus mit der Sprache! Was ist passiert?"

Snape senkte den Blick, als würde es ihm gar nicht behagen, das zu sagen, was er sagen musste.

"Neulich war ich zu Nachforschungen in der Bibliothek. Und da Miss Granger aufgrund ihrer kleinen Exkursion in den Verbotenen Wald eine Strafe abzubüßen hatte, dachte ich, es wäre die Gelegenheit, ihr eine Lektion zu erteilen."

"Das sieht dir ähnlich. War das, nachdem du dich entschlossen hast, sie hinaus zu ekeln? Oder war es davor?"

Er kniff die Augen zusammen. "Was hättest du an meiner Stelle getan? Sie damit durchkommen lassen?"

"Das nicht."

"Also. Was ich in so einem Fall tue, musst du mir überlassen."

"Und hattest du Erfolg damit?", fragte sie ironisch.

Ein Seufzer entfuhr ihm. "Ich dachte, sie würde aufhören, mir hinterher zu schnüffeln. Kannst du dir nicht vorstellen, dass ich genug davon habe, unter ständiger Beobachtung zu stehen?"

"Es überrascht mich nicht, dass sie dir misstraut. Du hast ihr und ihren Freunden jahrelang keinen Grund gegeben, dir zu vertrauen. Ebenso wie mir."

"Wenn du schon wieder vorhast, dich zu beschweren, kann ich nur sagen, dass ich es leid bin, diese Diskussion jedes Mal aufs Neue zu führen. Es geht hier nicht um uns, Minerva."

Abgeschlagen nickte sie. "Schön. Es hätte mich auch wirklich gewundert, wenn du ein Einsehen gehabt hättest."

Wütend schlug er mit der Faust auf den Tisch. "Verdammt noch mal! Meinst du, mir fällt das hier leicht?"

"Nein. Aber du kannst nicht von mir erwarten, dass ich alles vergesse, was geschehen ist."

Snape presste hart seine Kiefer aufeinander. "Ich fürchte, so kommen wir nicht weiter. Es war ein Fehler, es dir zu erzählen."

"Nein. Du packst es nur wie üblich falsch an." Erwartungsvoll lehnte sie sich zu ihm vor und sah ihm ins Gesicht. "Hat es vielleicht weitreichende persönliche Gründe, die dich zu dieser Entscheidung gedrängt haben? Es würde mich nicht wundern, wenn du etwas Vertrautes in ihr siehst. Es gibt durchaus Parallelen zu einer gewissen ehemaligen Schülerin, die dir immer sehr viel bedeutet hat."

Mit einem Satz war er auf den Beinen und stand über sie gebeugt hinter seinem Tisch. "Übertreib es nicht, Minerva. Meine Geduld in dieser Angelegenheit ist schon lange aufgebraucht."

McGonagall reckte ihr Kinn empor. "Meine ebenfalls. Aber da ich nur darüber mutmaßen kann, muss ich davon ausgehen, dass es etwas Dringliches ist, das dich dazu bewogen hat, so drastische Maßnahmen zu ergreifen. Nicht dass ich es gutheißen würde, wenn dem so wäre."

"Das ist wieder einmal typisch."

"Von mir aus kannst du dich aufregen, wie du willst. Solange ich die Wahrheit nicht kenne, werden wir nicht vorankommen."

Es wurde still und Snape kehrte zu seinem Platz zurück und ließ sich auf dem Stuhl nieder.

"Es ist etwas vorgefallen, Minerva", sagte er ernst.

Sofort wurden die vor Aufregung eben noch so rosigen Wangen der Schulleiterin bleich. "Grund gütiger! Du siehst aus, als wäre es etwas Schlimmes."

Snape nickte. "Wir sind uns näher gekommen ... Nicht so, wie du jetzt vielleicht denkst. Aber immerhin so, dass es dazu geführt hat, dass Miss Granger einen Schritt gewagt hat, den ich offengestanden nie für möglich gehalten hätte."

McGonagall stöhnte auf. "Was hat sie getan?"

„Sie hat mich berührt. Genauer gesagt mein Gesicht."

„Und du hast das zugelassen?"

Er verzog die Mundwinkel zu einer gequälten Grimasse. "Ich konnte nichts dagegen tun. Es ist einfach passiert."

Entrüstet schüttelte McGonagall den Kopf. "Wieso um alles in der Welt sollte sie so etwas tun?"

Auf dem Gesicht des Professors tauchten tiefe Sorgenfalten auf. "Das fragst du mich?"

Erneut schüttelte McGonagall den Kopf. "Du hast recht. Es ist absurd."

"Das habe ich ihr auch gesagt."

"Was?"

"Ja. Machen wir uns nichts vor, Minerva. Ich bin nicht wie Lockhart, dass ich wild darauf wäre, Anhänger zu finden, die mir nachlaufen."

"Nein, bist du nicht. Und weiter? Was hat sie gesagt?"

"Das würde ich lieber für mich behalten."

"Dann ist es ihr ... Ist es ihr ernst?"

Tief seufzend schob er seine Hände durch die Haare. "Es sagt mir nicht zu, mich darüber zu äußern. Aber wenn du damit fragen willst, ob ich sie für ein flatterhaftes Mädchen halte, muss ich verneinen. Sie ist intelligent, liebt Diskussionen und Bücher. Das sind Eigenschaften, die man nicht oft findet."

"Du hast recht. Sie ist außergewöhnlich. Mir erschien sie immer sehr bodenständig. Vor allem aber ist sie noch so jung. In diesem Alter ist es vollkommen normal, wenn man verwirrt ist. Zudem hat Weasley es nicht gerade geschickt angestellt."

"Vermutlich." Sichtlich nervös räusperte er sich. "Also. Wie stehst du jetzt zu meinem Vorschlag?"

McGonagall sah betrübt aus, als sie die Hand ausstreckte und sie auf seine legte. "Weiß Albus davon?"

"Ja."

"Gut. Ich werde mir die Angelegenheit durch den Kopf gehen lassen. Da ihre Zukunft davon beeinträchtigt werden könnte, muss alles wohl überlegt sein. Versteh mich nicht falsch, Severus. Ich will keine voreiligen Schlüsse ziehen, schließlich bin ich froh, dass du mir die Wahrheit gesagt hast. Dennoch muss ich wissen, ob deine Gefühle in Bezug auf Miss Granger über etwas hinausgehen, das nicht erlaubt ist."

Snape spannte umgehend seine Kiefermuskulatur an und McGonagall zog ihre Hand zurück.

"Du musst verstehen, dass ich um diese Frage nicht herumkomme."

Er nickte steif. "Natürlich. Und ich fürchte, ich muss dir sagen, dass mich ihr Verhalten vollkommen unerwartet getroffen hat."

"Das dachte ich mir. Es tut mir leid, dass du in diese Situation gebracht wurdest."

Energisch schüttelte er den Kopf. "Das ist nicht alles, was mir Sorgen macht. Du weißt, dass ich nie in Erwägung gezogen habe, mir etwas Derartiges anzufangen. Mich einer Schülerin zu nähern, war immer ein Tabu. Aber Miss Granger ist unvoreingenommen mir gegenüber und ich fürchte, du hast recht, wenn du sagst, dass sie etwas an sich hat, das außergewöhnlich ist."

"Soll das heißen, du magst sie?", fragte McGonagall vorsichtig.

Snape legte den Kopf schief. "Ich denke, es wäre nicht ratsam, sie weiterhin in meiner Nähe zu haben. Sie bringt mich durcheinander."

Entgeistert starrte sie ihn mit ihren großen Augen an. "Dass ich das noch einmal erleben darf!"

"Minerva, bitte!"

"Das ist mein voller Ernst. Seit Lily Evans dir damals die kalte Schulter gezeigt hat, warst du wie verwandelt."

Wenig begeistert von ihrem Ausbruch rollte er mit den Augen. "Lass das. In Ordnung?"

"Schön. Wie du willst. Als deine Vorgesetzte habe ich ohnehin keine andere Wahl, als dir zu raten, dass du die Finger von ihr lassen sollst. Wenigstens, solange sie hier zur Schule geht. Was ihr danach tut, obliegt nicht mehr meiner Verantwortlichkeit."

Snape schnaubte missbilligend. "Du klingst so, als würdest du es unterstützen, wenn sie sich mit mir abgibt."

„Ich muss zugeben, dass es weniger verwunderlich ist, als ich angenommen hätte. Jemand wie Weasley wäre nicht in der Lage, sie glücklich zu machen."

„Und ich schon?", fragte er scherzhaft.

McGonagall verzog die Mundwinkel. „Das habe ich nicht gesagt. Es ist nur so, dass ihr beide ähnliche Interessen hegt. Und nach allem, was du mir erzählt hast, scheint es so, als hättet ihr euch weitaus mehr zu sagen gehabt, als angenommen. Mir scheint das eine gute Basis zu sein, auf die man aufbauen könnte."

Nachdenklich ließ er den Blick durch sein Büro schweifen, das so ziemlich alles verkörperte, was ihm geblieben war. Streng genommen hatte Minerva genau das angesprochen, worüber er sich ebenfalls schon den Kopf zerbrochen hatte. Dennoch jagte ihm die Vorstellung, jemand könnte an seinem Leben teilhaben, Angst ein.

„Sieh zu, dass du sie von meinem Unterricht befreist. Das wäre ein Anfang."

Das Gesicht McGonagalls wurde todernst. „Verdirb es nicht, Severus. Du weißt, ich meine es gut mit dir. Immerhin hast du deinen Weg zu uns zurückgefunden. Aber dieses Mädchen ist etwas Besonderes. Sollte ich feststellen, dass du sie verletzt, könnte ich dir das nie verzeihen."

Abwesend nickte er. Am wenigsten würde er es sich selbst verzeihen.