Thorns in my chest

Kapitel 21

Professor Snape drückte die Tür zu seiner Wohnung hinter sich zu und lehnte sich mit dem Rücken dagegen. Es war keine Selbstverständlichkeit, was mit ihm passierte. Aber warum kostete es ihn dann so viel Überwindung, diese Chance, die sich ihm aufgetan hatte, zu akzeptieren?

Angespannt fuhr er sich mit den Händen durch die Haare, dann schloss er die Augen. Seine Lage war alles andere als einfach. Einerseits hatte er endlich einen Grund gefunden, der es ihm erlaubte, von Lily Abstand zu nehmen. Andererseits wusste er nicht, wie er damit umgehen sollte, wenn er tatsächlich eines Tages bereit wäre, sie in Frieden ruhen zu lassen. Am Anfang war es ihm geradezu lächerlich erschienen, als er gespürt hatte, dass ihm ausgerechnet etwas an Miss Granger liegen sollte. Mittlerweile musste er sich eingestehen, dass es ein schönes Gefühl war, nicht mehr nur von allen Menschen auf Abstand gehalten zu werden. Doch was geschehen würde, wenn er eines Tages in ihren Augen überflüssig und verbraucht sein würde, wollte er sich lieber nicht ausmalen. Es war schon schwer genug, sich einzugestehen, dass er an einem Punkt seines Lebens angekommen war, an dem andere bereits ein Haus gebaut und eine Familie gegründet hatten. Die traurige Realität sah so aus, dass sich diese Frage für ihn nie gestellt hatte, denn lange Zeit war ungewiss gewesen, ob und wie er den Krieg überhaupt überleben würde.

Snape fröstelte, als ihn ein plötzliches Verlangen überkam. Er hatte schon zu lange gewartet. Warum sollte er da noch mehr Zeit vergeuden?

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Der Blick ihres Professors ging Hermine trotz der guten Vorsätze, ihm Zeit zu geben, den ganzen Tag über nicht aus dem Kopf. Am liebsten wäre sie sofort wieder in die Kerker gerannt, um endlich irgendetwas Neues zu erfahren, das ihr Auskunft über seine Gefühlswelt geben konnte. Doch glücklicherweise erhielt sie zur Ablenkung Harrys Eule, in der stand, dass bei ihm alles in Ordnung war. Auch Ron war drauf und dran, sein Leben endlich wieder in den Griff zu bekommen.

Soviel zu den guten Nachrichten. Hermine legte abwesend den Brief auf ihrer Bettdecke ab und schlang die Arme um die Knie. Wenn sie doch nur jemanden hätte, mit dem sie über Snape reden konnte! Aber daran war eigentlich nicht zu denken. Abgesehen von Ginny, die so ziemlich für alles offen war, würde wohl niemand damit klarkommen, dass sie sich ausgerechnet für ihren Professor interessierte. Harrys Ansichten dazu konnte sie sich jedenfalls denken. Es war ein Wunder, dass er seine Meinung über Snape überhaupt soweit geändert hatte, dass er bereit gewesen war, am Ende des Krieges für ihn auszusagen. Mehr konnte sie nicht von ihm erwarten, obwohl es natürlich ausgesprochen verlockend war, sich jemandem anzuvertrauen.

Nachdem sie den Brief zum wiederholten Male gelesen hatte, entschloss sie sich dazu, Harry nicht weiter zu beunruhigen und wenigstens mit Ginny Klartext zu reden, sobald sie vom Training mit der Quidditch-Mannschaft zurückkommen würde. Es war immer noch besser, rechtzeitig Unterstützung einzuholen, als hinterher festzustellen, dass sie vom Regen in die Traufe geraten war. Außerdem, wenn jemand Hermine kannte, dann Ginny.

In ihrer Antwort an Harry beschränkte sie sich darauf, ihm aufmunternd zuzureden, um ihn nicht weiter zu beunruhigen. Dann verstaute sie seinen Brief bei den anderen und machte sich auf den Weg in die Bibliothek, wo sie den Nachmittag umgeben von ihren heißgeliebten Büchern verbrachte.

Seit sie damals nach Hogwarts gekommen war, hatte sie fast jede freie Minute damit zugebracht, Nachforschungen anzustellen und sich neues Wissen anzueignen. Die Bücher waren immer für sie dagewesen, ganz gleich, in welcher Stimmung oder Verfassung sie gewesen war. Und so verlor sie sich auch heute in ihnen, gemütlich auf einem Stuhl zusammengesunken, tief in die Zeilen versunken...

Hermine bemerkte den schwarzen Schatten, der plötzlich über ihr kauerte, erst in dem Moment, als Snape unmittelbar hinter ihr stand. Zutiefst erschrocken fuhr sie herum und blickte auf eine Reihe schwarzer Knöpfe, ehe sie sein Gesicht fand.

„Großer Gott! Sie haben mich eiskalt erwischt!"

Snape schmunzelte amüsiert. „Das war nicht weiter schwer."

Vor Aufregung fühlte sie ihr Herz rasen und suchte nach Worten. „Was – was tun Sie hier?"

„Ich habe nach Ihnen gesucht, Granger. Und wo sonst sollten Sie an einem freien Tag um diese Zeit sein?"

„Sehr schmeichelhaft, wirklich. Wollen Sie mir nicht lieber verraten, wieso Sie hier sind?"

Der Professor ließ die Mundwinkel spielen. „Ich fürchte, dazu müssen Sie mit mir kommen, Miss Granger."

„Wirklich? Mit Ihnen? Wohin?"

„Wir sollten reden."

„Reden? Was soll das nun wieder bedeuten? Hab ich vielleicht was angestellt?"

Er räusperte sich verhalten. „Ich habe Minerva mein Wort gegeben, dass ich nichts tun werde, das gegen die Regeln verstößt ..."

Hermine schnaubte. „Ah, Sie also auch? So langsam wird mir diese Frau unheimlich. Das kann doch unmöglich ein Zufall sein!"

Snape runzelte die Stirn. „Exakt. Aus diesem Grund halte ich es für das Beste, wenn ich Sie mit mir nehme."

Überrascht blinzelte sie ihn an. „Was haben Sie vor? Wollen Sie mir etwa eine weitere Lektion erteilen? Ich versichere Ihnen, davon habe ich genug, Professor."

Abfällig schüttelte er den Kopf. „Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit. Wenn Sie also nichts weiter vorhaben, würde ich jetzt gerne gehen."

Hermine seufzte und klappte das Buch zu. „Schön. Wo soll's denn hingehen?"

„In mein Elternhaus", sagte er steif. „Nur damit Sie wissen, was Sie erwartet. Noch ist es nicht zu spät, einen Rückzieher zu machen, was diese ganze Sache hier anbelangt. Wenn Sie jedoch zustimmen, schlage ich vor, einfach irgendwo anzufangen."

Er verstummte und sie stutzte. Tief in ihr tat sich das ungute Gefühl auf, dass es ihm ernst war. Das sarkastische Grinsen jedenfalls, das ansonsten wie in solchen Situationen üblich sein Gesicht zierte, konnte sie diesmal nicht erkennen.

„Spüre ich da etwa Zweifel, Granger?"

„In Ordnung", sagte sie bestimmt, obwohl es nicht leicht war, seinem brennenden Blick standzuhalten. Natürlich lag es ihr fern, ihn beurteilen zu wollen, ohne dass sie seine Meinung zu den Dingen gehört hatte. Doch was sein Elternhaus anbelangte, wusste sie nur vage, wie er aufgewachsen war. Ob sie daher tatsächlich bereit war, sich darauf einzulassen, war schwer zu sagen. „Ich werde mit Ihnen kommen. Sie haben Recht. Wir sollten irgendwo anfangen."

Snape reckte sein Kinn empor. „Nur um das klarzustellen, Sie werden gemeinsam mit mir apparieren."

Hermine nickte. „Schon klar. Ich denke, das bekomme ich hin. Beim letzten Mal war es nicht ganz so schlimm. Vermutlich lag meine Skepsis darin, dass ich einfach furchtbar nervös war."

Er legte den Kopf schief und betrachte sie eindringlich, ehe er antwortete.

„Und jetzt sind Sie nicht nervös?"

Wie beiläufig zuckte sie mit den Schultern. „Ich vertraue Ihnen, Professor. Das sollte genügen."

Abermals sah er sie eine Weile an. „Gut. Wenn Sie dann soweit wären, können wir los."

Überraschend plötzlich streckte er ihr seinen Arm entgegen und Hermine griff nach seiner Hand. Mit einem Ruck zog er sie dann auf die Füße und legte den Arm um ihre Taille.

Hermine wurde ganz schummrig dabei. Es war ein eigenartiges Gefühl, so innig an ihn gedrückt zu werden. Fast kam es ihr vor, als würde ein lang gehegter Traum in Erfüllung gehen, was natürlich paradox war.

„Weiß McGonagall, was Sie hier tun?"

Er zog sanft die Brauen zusammen. „Heute ist Sonntag. Das heißt, Sie haben keinen Unterricht. Außerdem haben Sie mir Ihre Erlaubnis gegeben. Das sollte vorerst genügen."

Hermine schauderte wohlig, während sie so in seinen Armen lag. „Das meinte ich nicht. Bestimmt haben Sie auch sonst jede Menge zu tun. So wie neulich."

Snape nickte knapp. „Das habe ich wahrhaftig. Aber wie es so schön heißt, sollte man die Gelegenheit beim Schopf packen, wenn sie sich einem bietet. Und heute ist so ein Tag, an dem es sich anbietet, eine Ausnahme zu machen."

„Dann sind Sie also tatsächlich bereit, alles stehen und liegen zu lassen, um Zeit mit mir zu verbringen?"

Ein kaum merkliches Lächeln legte sich über sein Gesicht. „Das werden wir hinterher sehen, Granger."

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Die Reise mit ihm war so schnell vergangen, dass Hermine es fast bereute, als er nach der Ankunft wieder von ihr abließ. Vorsichtig sah sie sich um und überlegte, was sie sagen sollte. Doch schon die ersten Eindrücke waren sehr aufwühlend, wodurch es ihr sichtlich schwer fiel, das in Worte zu fassen, was in ihr vorging.

Obwohl sie von Harry erfahren hatte, was es mit dieser Gegend auf sich hatte, war es etwas vollkommen anderes, tatsächlich hier zu sein. Es wirkte surreal und erinnerte Hermine unschön an einen Artikel, der kurz nach Bekanntwerden von Snapes Geschichte im Tagespropheten veröffentlicht wurde. Im Großen und Ganzen hatte der Journalist darin sein Hauptaugenmerk auf die Kindheit des Professors gelegt, genau wie es damals mit Harry der Fall gewesen war, als er für das Trimagische Turnier interviewt werden sollte.

Das Haus in Spinner's End, das der arbeitslose Vater ihm hinterlassen hatte, weckte traurige Erinnerungen an die Zeit, zu der Investoren mit Wohlstand geworben hatten, um Arbeitskräfte zu mobilisieren. Hermine fröstelte bei dem Gedanken an etliche Zeitungsartikel und Fernsehberichte aus der Welt der Muggel, die von der Armut zeugten, die viele Menschen ereilte, als sie durch den Verlust der Arbeit um ihre Existenz bangen mussten. Parallel dazu prangte in ihrem Gedächtnis das Bild des auf der Titelseite des Tagespropheten erschienenen, an einem Flussufer gelegenen Spinner's End, das als Wohnviertel für die Arbeitskräfte inzwischen stillgelegter Fabriken aus dem Boden gestampft worden war.

Snape schien zu spüren, dass sie nicht wusste, was sie sagen sollte und lud sie zu einer kleinen Führung durch das Haus ein. Im Anschluss fanden sie sich im Wohnzimmer wider, wo er sie dazu aufforderte, sich auf das Sofa zu setzen.

Nachdenklich nahm Hermine Platz und war umso erstaunter, als er Anstalten machte, sich zu ihr zu gesellen. Etwas steif nahm er seinen Umhang ab, legte ihn über die Lehne des Sofas und setzte sich mit verschränkten Armen und Beinen neben sie, sodass zwischen ihnen noch ein gutes Stück Platz blieb.

Für einen Moment wurde es still im Raum, während keiner es wagte, den anderen anzusehen, dann fuhr er sich mit den Händen durch die Haare, was deutlich machte, dass auch er verunsichert war.

„Ich nehme an, es hat Ihre Erwartungen erfüllt, Granger", sagte er leise.

Hermine war tief getroffen von seiner Zurückhaltung. Unter anderen Umständen hätte sie einen Wutanfall von ihm erwartet. Doch allem Anschein nach tat er sein Bestes, sie nach und nach in die Bestandteile seines wahren Lebens einzuführen.

„Sie scheinen nicht viel Zeit hier zu verbringen", stellte sie vorsichtig klar. „Alles wirkt so, als hätten Sie es seit langem nicht angefasst."

„Das ist richtig, Granger", sagte er durch seine nahezu unbeweglichen Lippen hindurch. „Und weiter?"

„Ich will ehrlich zu Ihnen sein. Hier fehlt das Leben, Professor. Da sind diese dunklen Möbel, all die alten Bücher … Aber wann haben Sie zuletzt hier gesessen und ein Stück Kuchen gegessen?"

Er runzelte die Stirn. „Kuchen?"

Hermine biss sich auf die Lippe und senkte den Blick. Es war schwer, das loszuwerden, was sie eigentlich sagen wollte, obwohl sie sich fest vorgenommen hatte, die Wahrheit zu sagen.

„Ich habe den Artikel im Tagespropheten gelesen und muss sagen, dass er auf mich ausnahmsweise sehr zutreffend wirkt. Natürlich werden Sie das anders sehen, schließlich haben Sie als Einziger eine Ahnung davon, was wirklich geschehen ist. Aber … Ich weiß nicht weiter. Wenn Sie wollen, würde ich mir gerne Ihre Version des Ganzen anhören. Ohne Umschweife."

Snape nickte träge. „Ja, der Artikel. Er hat auf allen Seiten für Verwirrung gesorgt, nicht nur bei Ihnen."

Erwartungsvoll sah Hermine ihn an. „Wie stehen Sie dazu?"

Als er nicht antwortete, sondern sie lediglich durch seine Strähnen hindurch musterte, versuchte sie es erneut.

„Verstehen Sie das nicht falsch. Ich rechne es Ihnen hoch an, dass Sie mir diesen Ort anvertrauen. Aber warum haben Sie mich ausgerechnet jetzt hier hergebracht?"

Er holte Luft. „Das ist der Ort, an dem ich gelebt habe, Miss Granger. Ich wurde hier geboren, habe hier meine ersten Schritte gemacht und wäre sogar beinahe hier gestorben. Aber das ist eine andere Geschichte. Egal, was Sie sich über mich zusammengereimt haben, hier hat alles begonnen."

Hermine spürte, wie sich eine Gänsehaut über ihren Körper legte. Er hatte so emotionslos gesprochen, dass ihr fast die Tränen kamen.

„Was meinten Sie damit, als Sie sagten, dass Sie fast gestorben wären? Wieso sagen Sie das so, als wäre es nebensächlich?"

Während sie auf eine Antwort von ihm wartete und sein Gesicht betrachtete, schien eine gewaltige Anspannung von ihm auszugehen. Nur langsam begriff Hermine, dass McGonagall recht gehabt hatte. Wenn sie das tatsächlich durchziehen wollte, hatte sie jede Menge Arbeit vor sich.

Zaghaft streckte sie ihre Hand nach ihm aus und legte sie auf seine.

Snape blinzelte. „Sie wirkten so entschlossen, Miss Granger. Wann immer ich versucht habe, etwas zu verhindern, das uns einander näher bringen würde, waren Sie dagegen. Warum?"

Verwundert biss sie sich auf die Lippe. Es war ihr selbst ein Rätsel, wie es dazu kommen konnte, dass sie sich so benommen hatte.

„Das ist sonst gar nicht meine Art. Ich bin nicht so, dass ich jemandem hinterherlaufe, Professor."

„Das weiß ich."

Hermine räusperte sich verlegen. „Es ist nicht leicht für mich, das zu erklären. Sie sind schließlich mein Professor."

„Dann versuchen Sie es. Ich werde Ihnen keine Benotung dafür geben. Nicht im eigentlichen Sinn ... Sie wollten doch, dass ich etwas unternehme, richtig? Es sei denn, ich habe Sie falsch verstanden."

„Nein, das haben Sie keineswegs. Ich bin froh, dass Sie den ersten Schritt gemacht und mich hierher gebracht haben. Das bedeutet mir wirklich sehr viel."

Er nickte kaum merklich. „Gut."

Der Blick in seinen Augen war fordernd. Zugleich wirkte er beunruhigt wie ein kleines Kind, das Angst davor hatte, dass man sein Vertrauen missbrauchen könnte. Genau das aber fand Hermine absolut anziehend an ihm. Lange hatte sie darauf gewartet, dass so etwas wie das hier geschehen würde; dass jemand sie trotz aller Widrigkeiten und Differenzen ernst nehmen würde. Und so erinnerte sie sich wehmütig an die vergangenen Monate und die Zerrissenheit, die sie nach dem Krieg heimgesucht hatte. Es war, als wäre sie in ein tiefes Loch gestürzt, womit es ihr nicht leicht gefallen war, zu begreifen, dass er nicht mit anderen Männern zu vergleichen war - schon gar nicht mit Ron. Wenn Snape also bereit sein sollte, sie anzuhören, musste sie im Gegenzug zeigen, dass sie ihn nicht enttäuschen wollte.

„Wie ich bereits erwähnte, sind Sie ein interessanter Mann", sagte sie ernst und schlang ihre Finger fest um seine.

Er umfasste postwendend ihre Hand und sah sie mit einem durchdringenden Blick an. „Bemühen Sie sich nicht, mir schmeicheln zu wollen. Mir genügt es, wenn Sie ganz Sie selbst sind, Granger."

Hermine schüttelte sanft den Kopf. „Das habe ich nicht vor. Aber es ist wahr. Sie haben die Fähigkeit, mich immer wieder in Erstaunen zu versetzen. Darüber hinaus bringen Sie mein Herz dazu, schneller zu schlagen. Und das ist eine völlig neue Erfahrung für mich, Professor. Deshalb würde ich einfach nur gerne Zeit mit Ihnen verbringen, um zu sehen, was dahintersteckt. Ich weiß, das ist vielleicht nicht genug. Sie haben so viel gesehen und erlebt, dass diese Dinge für Sie wahrscheinlich nicht von Bedeutung sind. Aber es ist ein Anfang. Und wenn Sie mir gegenüber nicht ganz abgeneigt sind, wäre es wunderbar, wenn Sie mir den Gefallen tun, uns die Gelegenheit zu geben, einander näher kennenzulernen. Ich verspreche Ihnen auch, dass ich nicht versuchen werde, Profit daraus zu schlagen."

„Sie wollen meine Geschichte also nicht an die erstbeste Zeitung verkaufen?", fragte er in leichtem Sarkasmus.

Hermine musste unweigerlich lächeln. „Das werde ich auf gar keinen Fall tun, Professor. Es ist abscheulich, wie skrupellos die Leute über einen reden, wenn sie die Artikel ernst nehmen. Glauben Sie mir, ich kann ein Lied davon singen."

Snape senkte den Kopf und besah sich ihre Hände, die nun innig miteinander verschlungen waren.

„Unter diesen Umständen halte ich es für gerechtfertigt, Ihrem Wunsch nachzukommen."

Die langen Strähnen, die seine Augen verdeckten, waren zum Greifen nah und Hermine konnte kaum noch widerstehen, ihn zu berühren. Doch dann sah Snape wieder auf.

Langsam nahm er seine andere Hand und umfasste damit Hermines Gesicht. „Hätten Sie etwas dagegen, wenn wir noch ein Weilchen bleiben? Das Haus ist zwar alles andere als geeignet für eine romantische Verabredung, trotzdem fürchte ich, kann ich Sie nicht gehen lassen, bevor ich Sie geküsst habe."

Sie fühlte seine Hand auf ihrer Wange und spürte seinen Atem auf ihrer Haut, als er sich ihr zielstrebig näherte. Unweigerlich machte Hermines Herz einen Sprung. Wenn er das tatsächlich tun würde, wäre der Augenblick vollkommen.

Mit jeder qualvoll verstreichenden Sekunde, die sie so verbrachten, stieg der Wunsch in ihr, die Lippen auf seine zu drücken. Sanft sahen sie sich in die Augen und keiner von beiden sagte mehr ein Wort, bis sie nur noch sehnsüchtig auf seinen Mund blickte, der sich auf ihren senkte, um sie endlich von der Ungewissheit zu erlösen, dass sie nicht träumte.