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Martyr
Anfang und Ende
Am Anfang stand die Sonne über ihnen und schien heller als je zuvor.
Eines Tages aber zogen dunkle Wolken auf.
Ein Gewitter folgte.
Und mit ihm ein Streit.
Im strömenden Regen hatte er nach ihr gesucht.
Als er sie dann fand, hob er sie auf.
Mit all seiner Kraft drückte er sie an seine Brust.
Doch alles, was ihm geblieben war, war eine leblose Hülle.
Keine roten Lippen mehr.
Auch das Lächeln war verschwunden.
Der Blick, den sie erwiderte, war leer.
Es gab nur noch eisige Kälte.
Meter für Meter trug er sie nach Hause.
Mit jedem Schritt spürte er die bleischwere Last auf seinen Armen.
Und mit jedem Gedanken, der durch seine Erinnerungen stob, fühlte er nichts als unbändigen Schmerz - hätte er doch nur einmal den Mut besessen, ihr zu sagen, was sie ihm bedeutete.
Geblendet wie er war, begann er, sich selbst zu hassen.
Er schrie.
Er weinte.
Was würde er geben, um jetzt das Feuer in ihren Augen lodern sehen zu können...
In seiner Verzweiflung rannte er fort, hinaus in die Nacht.
Das Unwetter tobte.
Und mit ihm seine Wut.
Doch was danach passierte, weiß niemand, denn er ward nie mehr gesehen.
- Zu meiner Story Martyr gehörend -
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Thorns in my chest
Kapitel 23
Eine halbe Ewigkeit lagen sie nun schon beieinander und erkundeten sich gegenseitig. Nackt, hüllenlos. Es gab keine Gedanken mehr an die Konventionen oder Regeln, die sie voneinander trennten. Keine grausamen Eindrücke aus den Zeiten des Krieges, kein Zaubereiministerium mitsamt seinen abstrusen Gesetzen, kein Hogwarts. Auch keine Schulleiter oder Portraits, die von den Wänden zu ihnen hinabblickten und mahnend den Finger über sie erhoben. Hermine war dort, wo niemand es vermutete: In einem unwirklichen Raum, auf einem schäbigen, dennoch sauberen Sofa, lag sie in den Armen ihres Professors, der sie behandelte wie eine Kostbarkeit.
Erwartungsvoll berührte sie seine blasse Haut und ließ die Finger über seinen Rücken streichen, bis er eine Gänsehaut davon bekam. Unweigerlich musste sie darüber lächeln. Wenn sie früher einen Blick in die Zukunft geworfen und dort gesehen hätte, dass er ihr je dieses Vertrauen entgegenbringen würde, hätte sie sich für verrückt erklärt. Mittlerweile war es so selbstverständlich geworden, ihn zu berühren, dass sie dieses Gefühl der Zweisamkeit nie wieder missen wollte.
Langsam ließ sie ihre Hände an seinen Seiten hinabgleiten und umfasste seine harte Männlichkeit, wobei sie ihm ein tiefes Grollen entlockte. Ihr ganzer Körper erschauderte. Es gab wohl nichts Schöneres als diese intimen Momente, in denen sie einander Zeit gaben, ihre Bindung zu festigen. Sie wusste instinktiv, sie würde an nichts Schmerzliches denken, solange er es war, der bei ihr war. Alleine in der kurzen Zeit, in der sie sich einander angenähert hatten, war viel geschehen. Im Grunde genommen aber war der Prozess schon seit längerem im Gange gewesen, nur hatte eben keiner von ihnen ihn so richtig wahrhaben wollen.
Irgendwann, als sie wusste, dass sie bereit war, gab sie ihm einen innigen Kuss. Snape, der die ganze Zeit auf ihr gelegen hatte, stützte sein Gewicht auf dem Arm ab. Dann drang er in sie ein und Hermine spürte ein befremdliches Ziehen, während er sich in sie schob. Es war ein eigenartiges Gefühl, doch da er sie so innig darauf vorbereitet hatte, war es zu ertragen, womit sie ihn nach einer kurzen Unterbrechung aufforderte, den nächsten Schritt zu tun, bis er mit seinem Glied tief in ihr begraben war. Vorsichtig fing er an, sich zu bewegen. Schon bald aber, als Hermine sich daran gewöhnt hatte, wurden seine Regungen intensiver.
Es gab wohl nichts Vergleichbares, mit dem sie das hätte beschreiben können, was in ihr vorging. Dennoch war ihr bewusst, dass niemand sonst imstande gewesen wäre, ihrem Ersten Mal auf diese wundervolle Art gerecht zu werden. Keiner der Jungs, mit denen sie bisher ausgegangen war, hätte sie so glücklich machen können. Und das war keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedachte, wie ihr Leben in den letzten Monaten verlaufen war. Innerlich zerrissen und vereinsamt hatte sie sich auf die Suche nach dem Sinn begeben, der ihrem Dasein zu neuer Blüte verhelfen sollte. Wer hätte schon gedacht, dass sie es ausgerechnet in Severus Snape finden würde?
Der Moment, in dem er den Höhepunkt erreichte, zeigte einmal mehr, wie sehr sich alles zwischen ihnen geändert hatte. Snape, der sonst eher verschlossen gewesen war, dabei zu erleben, wie er sich gehen ließ, offenbarte die Sehnsucht, die in ihm steckte. Sein ganzer Körper verriet Hermine, wie sehr er sich danach verzehrt hatte, ihr alles zu geben. Erschöpft brach er auf ihr zusammen und verbarg seinen Kopf in ihrem Haar, während sie ihn mit jeder Faser ihres Seins in sich aufnahm. Erst als sich seine Atmung wieder beruhigt hatte, rollte er sich mit ihr herum und hielt sie fest in seinen Armen. Wenig später schloss er die Augen und Hermine bekam die seltene Gelegenheit, sein friedfertiges Gesicht zu betrachten, von dem sie nie geglaubt hätte, dass sie es einmal so anziehend finden würde.
Sanft strich sie mit ihren Fingern die langen Strähnen beiseite, besah sich seine markante Nase und den schmalen Mund. Sie wusste, dass er nie den ersten Preis in einem Schönheitswettbewerb bekommen würde. Aber was machte das schon? Er hatte trotz allem etwas an sich, dem sie vor allen anderen den Vorzug geben würde. Sie mochte seine wilden schwarzen Augen, seine Stimme, die Art, wie er sie ansah, wenn er verunsichert war. Ganz besonders aber mochte sie es, wenn er plötzlich etwas Unvorhersehbares tat, so wie in diesem Moment.
Er schlug die Augen auf, umfasste mit seiner Hand ihre Wange und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen. „Du wirst es nicht erfahren, wenn du mich nicht einfach danach fragst, Hermine."
Verblüfft blinzelte sie ihn an. „Was meinst du?"
„Das weißt du genau."
Sie grinste verschlagen. „Es gibt wohl gar nichts, das ich vor dir verheimlichen kann, nicht wahr?"
„Zugegeben, nicht allzu viel."
Hermine seufzte. „Schön. Ich habe mich gefragt, wie es wohl wäre, wenn wir länger hier bleiben würden."
Er hob skeptisch eine seiner Brauen an. "Das kommt ganz darauf an, was du unter dem Wort 'länger' verstehst."
Hermine seufzte und stützte den Kopf auf die Hand. Abschätzig blickte sie auf ihn hinunter. "Na ja, streng genommen könnten wir beide uns ja mal einen Tag frei nehmen. McGonagall wird uns schon nicht den Kopf abreißen, wenn wir das tun. Oder?"
"Abgesehen davon, dass es sehr auffällig wäre, wenn wir beide verschwunden sind, hast du streng genommen recht. Aber nein, es geht nicht."
"Warum nicht?"
"Hermine, das hier ist keine Flitterwochensuite. Es ist nicht der geeignete Ort, um länger als nötig zu bleiben. Ich habe ohnehin schon ein schlechtes Gewissen, dass wir es auf dieser alten Couch getan haben."
"Aber das musst du nicht. Es war perfekt."
Er schnaubte abfällig. "Das sagst du jedes Mal."
"Weil es stimmt. Es war vollkommen, Severus. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es besser hätte sein können."
"Natürlich nicht, weil du keinen Vergleich anstellen kannst."
Hermine puffte ihn mit dem Ellenbogen in die Seite. "Nicht deswegen. Du warst wunderbar, Severus. Bitte tu mir den Gefallen und akzeptiere das."
Snape richtete sich auf und nahm ihr Kinn zwischen seine Finger. Ernst sah er sie an. "In Ordnung. Ich werde es akzeptieren, wenn du dafür ohne Umschweife mit mir nach Hogwarts zurückkommst."
Sie rollte mit den Augen. "Wann?"
"Noch heute Abend."
"Was? Aber ich hatte gehofft, wir könnten die Nacht zusammen hier verbringen und morgen früh ..."
Entschieden schüttelte er den Kopf. "Nein. Es geht nicht. Ich habe noch etwas zu erledigen. Außerdem habe ich das hier nicht geplant. Das heißt, ich hinke in meinem Zeitplan etwas hinterher."
"Mir ist schon klar, dass du viel arbeitest. Aber heute ist Sonntag. Kannst du da nicht mal eine Ausnahme machen?"
"Das habe ich getan, Hermine."
Sie grummelte leise vor sich hin. Er hingegen nahm seine Hand hoch und fuhr sich damit durch die Haare.
"Ich habe dich nicht hierher gebracht, damit ich mir deine Vorwürfe darüber anhören kann, wann und wie ich arbeite. Ich kann schließlich nicht einfach alles stehen und liegen lassen."
"Das wollte ich damit auch gar nicht ausdrücken."
"Was genau willst du dann?"
"Ich möchte an deinem Leben teilhaben. Wenn du etwas zu erledigen hast, kann ich dir ja vielleicht helfen."
Er lachte ironisch auf. "Das hatten wir alles schon einmal. Und du weißt, wohin es uns geführt hat."
"Ja. Aber jetzt ist das anders. Es sei denn, du bereust, was wir getan haben."
"Sei nicht lächerlich. Ich wäre wirklich verloren, wenn ich das täte. Außerdem, wenn ich dir sage, was ich vorhabe, würdest du dich nur darüber aufregen."
"Ist das ein Wunder? Immerzu bist du so geheimnisvoll."
"Sag bloß, das stört dich."
"Nein. Nicht direkt. Aber jetzt, wo das mit uns passiert ist, dachte ich, wir könnten ..."
"Könnten was?"
"Mehr Zeit miteinander verbringen."
"Das werden wir. Aber nicht heute Nacht."
Nachdenklich klemmte Hermine ihre Lippe zwischen die Zähne und kuschelte sich wieder an seine nackte Brust. Wie es aussah, war ihm bewusst, dass das, was auch immer er zu tun hatte, sie beunruhigen würde. Doch so sehr sie es auch dabei belassen wollte, war es fast unmöglich, sich keine Gedanken darüber zu machen.
"Hat es wieder was mit Dumbledore zu tun?", fragte sie mit gespielter Unschuld.
Er drückte sie an sich und strich sanft mit dem Daumen über die Kontur ihrer Oberlippe. "Kein Kommentar."
Hermine seufzte. Dann schloss sie die Augen, um in seinen Armen die ihnen verbleibende Zeit auszukosten.
Nachdem er sie von Spinner's End direkt in sein Büro in Hogwarts gebracht hatte, wurde ihr schwer ums Herz. Am liebsten hätte sie erneut zu protestieren angefangen, um jedoch den Frieden zu wahren, ließ sie es bleiben. Zum Abschied nahm er sie noch einmal in die Arme und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn, ehe er sie zur Tür brachte und sie hinausschickte.
Hermine war überglücklich, als sie an diesem späten Abend in ihren Schlafsaal kam. Nicht nur, weil Snape sich bereit erklärt hatte, sie in einen so wichtigen Teil seines Lebens einzuführen, sondern auch, weil sie so unvorhergesehen mit ihm geschlafen hatte.
Leise wollte sie ins Bett schlüpfen, da streckte Ginny den Kopf unter der Decke hervor und sah sie schief an.
"Wo bist du nur gewesen? Ich dachte, wir wollten heute zusammen irgendwas machen. Stattdessen habe ich den ganzen Nachmittag damit zugebracht, auf dich zu warten."
Hermine stieß einen verträumten Seufzer aus. „Das glaubst du mir nie, Gin!"
„Das nächste Mal wäre eine Nachricht angebracht, meinst du nicht?", gab das Weasley-Mädchen unbeeindruckt zurück.
„Tut mir leid, dass ich dich versetzt habe. Wir werden das nachholen. Versprochen. Außerdem gibt es da einiges, das ich dir erzählen sollte. Aber nicht heute."
Ohne Zweifel hatte sie Ginnys Interesse geweckt, denn schlagartig saß sie hellwach in ihrem Bett. „Bist du sicher, dass du damit warten willst?"
„Ja. Im Moment würde ich einfach nur gerne über alles nachdenken, was heute geschehen ist. Es war ein wunderbarer Tag, das kannst du mir glauben."
Ginny verdrehte die Augen. „Na gut. Aber warte nicht zu lange damit."
Gleich am nächsten Morgen beim Frühstück wurde Hermine aus ihren rosaroten Gedanken gerissen, als plötzlich Ginny neben ihr auftauchte. „Ich hoffe, das Warten hat sich gelohnt", verkündete sie zischelnd.
Hermine wusste, dass sie immer noch sauer war, weil sie sie versetzt hatte, womit sie sich dazu entschloss, sofort loszulegen. Außerdem hielt sie es selbst kaum noch aus, die große Neuigkeit für sich zu behalten. Mit irgendjemandem wollte sie sich schließlich austauschen.
Energisch packte sie ihre Freundin am Ärmel und zog sie mit sich fort. „Komm, Gin. Das hier ist wohl kaum der geeignete Ort, um so etwas zu besprechen."
Ginny starrte sie mit großen Augen an. „Aber … Das Frühstück! Ich hab noch nichts gegessen!"
„Das hättest du dir eher überlegen sollen."
Kurzerhand führte sie sie aus der Großen Halle und in das erstbeste leere Klassenzimmer. Dann schloss sie die Tür hinter ihnen und baute sich mit verschränkten Armen vor ihr auf.
„Weißt du, was das hier ist?"
Ginny runzelte die Stirn. „Ist das eine Fangfrage?"
Hermine nahm die Arme hoch und fuchtelte aufgeregt damit durch die Luft. „Das hier ist der Ort, an dem sich mein ganzes Leben verändert hat. Ich war nichtsahnend auf dem Weg in den Gemeinschaftsraum, da kam mir Snape in die Quere und hat mich eiskalt hier rein gezerrt."
Ginny klappte die Kinnlade runter. „Nein! Und weiter?"
Angespannt kaute Hermine auf ihrer Lippe herum. „Wir haben geredet."
„War er etwa immer noch sauer wegen dieser Sache mit dem Verbotenen Wald?"
Hermine schüttelte den Kopf. „Es ist inzwischen viel komplizierter geworden. Ich weiß überhaupt nicht, wo ich anfangen soll ..."
„Wie wäre es, wenn du mir alles schön der Reihe nach erzählst? Was ist als Nächstes passiert?"
„Wir – wir haben uns geküsst."
„WAS?"
„Ja. Es war kein besonders romantischer Kuss. Aber das spielt keine Rolle. Es war aufregend und … Es war einfach toll!"
Ungläubig schüttelte Ginny den Kopf. „Wie konnte das denn nur passieren?"
Hermine zuckte wie beiläufig mit den Schultern. „Keine Ahnung! Es ist unwichtig, wie es passieren konnte. Fakt ist, dass es passiert ist. Und nicht nur das, Gin. Wir haben miteinander geschlafen."
Während sie gebannt auf Ginnys Reaktion wartete, die offensichtlich einen Schock erlitten hatte, da sie nichts dazu sagte, hoffte Hermine, dass es das Richtige gewesen war, diese Neuigkeit ihrer Freundin anzuvertrauen.
„Was ist los, Gin?"
Fassungslos öffnete Ginny den Mund. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Hermine. Was erwartest du von mir?"
Hermine strich sich ungeduldig eine Strähne hinters Ohr. „Das weiß ich doch nicht! Sag einfach irgendwas."
Ginny nickte. „Ich glaube, ich sollte mich setzen. Das ist zu viel auf nüchternen Magen ..."
Blass wankte sie zum Lehrerpult und hockte sich mit vor der Brust verschränkten Armen auf die Tischplatte.
„Du weißt schon, dass du dafür jede Menge Ärger bekommen könntest, oder?"
„Das ist mir schon klar. Aber eigentlich wollte ich was anderes von dir hören. Wie stehst du allgemein dazu, dass es passiert ist? Vor allem dazu, dass es mit ihm passiert ist?"
Ginny zuckte mit den Schultern. „Was soll ich sagen … Ihr hattet Sex ... Etwa in diesem Klassenzimmer?"
Hermine wehrte eifrig ab. „Nein, wo denkst du hin! Es ist bei ihm zuhause passiert."
Fragend hob Ginny die Hände. „Moment. Du warst bei ihm zuhause? Wann ist das alles denn geschehen?"
„Na ja, es war eben ein ereignisreiches Wochenende ..."
„Ha! Kein Wunder, dass du was Besseres vorhattest, als dich mit mir abzugeben."
Seufzend kam Hermine auf sie zu und setzte sich neben sie.
„Weißt du, ich hätte das selbst nie für möglich gehalten. Aber es hat sich alles nach und nach zusammengefügt. Es war wunderschön. Er war auch total lieb. Und das meine ich ehrlich. Ich glaube nicht, dass es noch besser gegangen wäre."
Verwundert starrte Ginny sie an. „Redest du immer noch von Snape?"
„Ja, das tue ich. Und er heißt jetzt auch nicht mehr Snape. Er heißt Severus, Gin."
Ginny stützte nachdenklich den Kopf auf die Hände. „Dann war es das, was du wolltest?"
Hermine nickte.
„Und er … Ich meine, er hat dich nicht damit überrumpelt oder so?"
„Nein."
„Puh. Ich denke, na ja, dann ist es okay. Ich will damit nicht sagen, dass ich das unbedingt befürworte, schließlich ist er schon ziemlich alt und so. Aber wenn du glücklich bist ... du – du siehst jedenfalls so aus … kann ich damit leben."
Erleichtert fiel Hermine ihrer Freundin um den Hals. „Danke für das Gespräch! Du glaubst gar nicht, wie gut es tut, das jemandem anzuvertrauen."
Ginny lächelte zaghaft. „Ja, weißt du, ich bin inzwischen einiges gewohnt. Wenn es dir so viel bedeutet, werde ich schon irgendwie damit klarkommen."
„Ich hatte gehofft, dass du das so siehst."
„Habe ich denn eine andere Wahl?"
„Ehrlich, Gin. Ich bin mir sicher, dass nicht jeder so viel Verständnis dafür aufbringen würde."
„Mach dir deswegen keine Gedanken. Ich glaube, so langsam verstehe ich auch, warum du in letzter Zeit so neben dir gestanden hast."
„Vermutlich. Es war nicht leicht, mir das einzugestehen."
„Das glaube ich dir gern. Hast du schon eine Ahnung, wie du es Harry beichten wirst?"
Hermine biss sich auf die Lippe. „Nein. Es ist wohl besser, wenn er noch nichts davon erfährt. Du weißt ja selbst, wie er zu ihm steht."
Ginny nickte. „Allerdings. Es war schon ein ziemlicher Schock für ihn, dass Snape auf seine Mum scharf war. Was er dazu sagen wird, dass er jetzt auch noch auf seine beste Freundin steht, will ich lieber nicht wissen."
„Dann heißt das, du wirst es ihm nicht sagen?"
„Vorerst nicht. Ich glaube, es ist auch für ihn das Beste so. Aber ewig kann ich es nicht vor ihm geheim halten, wenn du verstehst, was ich meine."
„Natürlich, Gin. Sobald sich die Gelegenheit ergibt, werde ich mit ihm darüber reden. Aber zuerst denke ich, sollten wir dir was zu Essen besorgen. Du siehst ziemlich ausgehungert aus."
„Tja, was soll ich sagen? Ich bin eben eine Weasley."
Befreit kehrten die beiden in die Große Halle zurück. Hermine wusste zwar, dass das erst der Anfang war, dennoch tat es gut, sich endlich wieder mit Ginny ausgesprochen zu haben. Hoffentlich würde Harry die Angelegenheit ähnlich handhaben. Tief in ihrem Inneren aber wusste Hermine, dass es sinnlos war, so zu denken. Nur eines war sicher: McGonagall sollte Recht behalten. Das letzte Wort hierzu war noch nicht gesprochen.
