Thorns in my chest

Kapitel 25

Ein kühler Luftzug brachte die Flammen von Snapes Kamin in den Kerkern von Hogwarts zum Züngeln, als Professor McGonagall daraus hervor stieg. Eilig bewegte sie sich auf sein Sofa zu, auf dem er es sich bequem gemacht hatte. Der Professor jedoch blickte gelassen von seiner Zeitung auf, als würde der Besuch ihn kaum überraschen.

"Ich nehme an, Albus hat dich über die neuesten Entwicklungen aufgeklärt", säuselte er ihr zur Begrüßung entgegen.

McGonagall schnappte nach seiner Zeitung und warf sie auf den Sofatisch, ehe sie sich ihm gegenüber auf einem Sessel niederließ. "Ganz recht. Wie kommt es, dass ihr beide ständig aneinandergeratet?"

Er zog die Brauen zusammen. "Wir haben uns eben furchtbar gern, Minerva. Sonst noch was? Hättest du etwas dagegen, wenn ich den Artikel zu Ende lese? Er beinhaltet einige interessante Aspekte zur Diskussion über die Abschaffung der Dementoren in Askaban."

Sie rollte mit den Augen. "Nicht jetzt, Severus. Ich kann ja verstehen, dass du genug davon hast, dich weiter von Albus herumkommandieren zu lassen. Aber so langsam bin ich es leid, ständig zwischen euch vermitteln zu müssen."

"Sieh einer an. Welchem Umstand habe ich diese Erkenntnis zu verdanken?"

McGonagall beugte sich zu ihm vor und sah ihm eindringlich in die Augen. "Diese Angelegenheit ist von großer Wichtigkeit. Wenn du ihm nicht sagen willst, wer ..."

"Meiner Vermutung nach handelt es sich um Bellatrix. Sie war schon immer vernarrt in ihren Herrn und Meister. Außerdem, wer sonst sollte es sein? Er hätte sich nie mit einem Muggel gepaart."

Entgeistert starrte sie ihn an. „Das klingt alles ganz furchtbar, Severus! Erst recht aus deinem Munde."

Snape blinzelte ungerührt. „Es würde zumindest erklären, warum Bella eine derart gespaltene Persönlichkeit hatte. Denn wenn das wahr ist, haben sie ihr vermutlich gleich nach der Geburt das Baby weggenommen, um es vor Neugierigen zu verstecken und in Sicherheit zu bringen."

„Aber wer - wer würde nur so etwas Grausames tun?"

„Willst du darauf wirklich eine Antwort von mir? Ich bin kein Experte in solchen Dingen. Doch üblicherweise gehört ein Kind zu seiner Mutter. Und ich nehme an, sogar für Bella muss das Neugeborene von Bedeutung gewesen sein. Ganz besonders, wenn es von ihm stammte."

McGonagall wirkte zutiefst erschüttert, während sie nach Worten suchte. „Du denkst also, dass Tom Riddle für einen Nachkommen gesorgt hat."

„Ich weiß nicht, ob er es beabsichtigt hat, Minerva. Noch stützt sich mein Wissen darüber auf bloße Theorien. Aber je länger ich darüber nachdenke, umso logischer erscheint es mir. Bestimmt ist auch ihm der Sinn eines solchen Unterfangens nicht verborgen geblieben. Er wollte Unsterblichkeit um jeden Preis. Und die hat er bekommen. Nicht nur durch das Spalten seiner Seele."

„Hoffen wir, dass du dich irrst."

„Auch das wäre möglich."

Die Professorin machte ein sorgenvolles Gesicht. „Wenn du nichts dagegen hast, werde ich Albus die restlichen Informationen übermitteln. Wir müssen sehen, was wir damit anfangen können. Ich werde dich dann so bald wie möglich kontaktieren, damit wir besprechen, wie es weitergeht." Der Professor nickte wortlos und sie seufzte. "Warum hast du es Albus nicht einfach gesagt? Dann hätte der Streit zwischen euch vielleicht vermieden werden können."

"Ich war wütend. Ist das so schwer zu verstehen? Manchmal glaube ich, er sieht es als selbstverständlich an, dass ich da bin, um ihm Informationen für den Orden zu beschaffen."

Sie schüttelte den Kopf. "Vielleicht hast du recht. Du warst lange genug in diesem Gewerbe."

Snape verzog die Mundwinkel. "Nicht nur das. Es besteht keine Möglichkeit, dass ich jemals meinen Frieden finde, wenn ich nicht aufhöre, für ihn zu arbeiten."

"Dann werde ich mit ihm reden, Severus. Du kannst dem Orden auch anders helfen."

"Das wird nichts bringen. Du weißt, was er sagen wird."

"Machst du dir Sorgen um deinen Posten? Oder ist es etwa Miss Granger, um die es hier geht?"

Er zuckte mit den Schultern. "Beides. Du wirst mich für einen Narren halten, aber zum ersten Mal in meinem Leben mache ich mir Gedanken über meine Zukunft."

Auf McGonagalls Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. "Das wurde ja auch langsam Zeit. Meinst du nicht?"

"Mag sein. Alt genug wäre ich jedenfalls."

Die Schulleiterin seufzte. "Darf ich daraus schließen, deine Liaison mit Miss Granger hat eine neue Phase erreicht?"

Er straffte seine Haltung ein wenig. "Darfst du. Ich habe mich selbstverständlich an die Regeln gehalten."

McGonagall nickte anerkennend. "Das ist gut. Ich gratuliere. Dann ist es euch also ernst?"

Er kniff die Augen zusammen. "Für weitere Informationen stehe ich leider nicht zur Verfügung. Entschuldige bitte, ich würde gerne den Artikel zu Ende lesen."

„Natürlich. Nur eins noch, Severus. Wenn du meine Meinung dazu hören willst …"

Er grinste verschlagen. „Will ich das etwa?"

„Nein. Wahrscheinlich nicht. Lass dir trotzdem sagen, dass ich es begrüßen würde, wenn du deinen Posten behältst. Es gibt nicht viele so fähige Lehrer. Wenn ich an Lockhart denke, wird mir immer noch schlecht."

„In diesem Fall hättest du mich für ein anderes Fach einstellen sollen."

„Ich hatte meine Gründe, es nicht zu tun. Du bist den Dunklen Künsten zu sehr zugeneigt. Außerdem möchte ich, dass du uns etwas länger erhalten bleibst."

Snape streckte seine langen Beine und legte sie auf den Tisch. „Wenn das so ist, werde ich mir dein Angebot durch den Kopf gehen lassen. Vorausgesetzt, Albus wird es akzeptieren."

„Es wird nicht leicht für ihn werden. Aber am Ende sitzen wir am längeren Hebel."

„Unsere Abmachung ist mehr als das, Minerva. Sie ist ein Versprechen. Und du weißt, ich werde mein Wort ihm gegenüber halten."

Unbeeindruckt verdrehte sie die Augen. „Meinetwegen. Du kennst meine Einstellung dazu. Ich fände es schade, dich fortschicken zu müssen."

„Dann lass uns hoffen, dass es nicht dazu kommt."

xxx

Beunruhigt lief Hermine in ihrem Schlafsaal auf und ab. Sie wusste, dass das, was ihr bevorstand, nicht leicht werden würde. Die Ereignisse des Wochenendes, so wunderbar sie auch gewesen sein mochten, führten unweigerlich zu neuen Problemen. Erstens, weil es sich um Snape handelte. Zweitens, weil sie nicht wusste, was sie jetzt tun sollte...

Sie war immer noch tief in ihre Gedanken versunken, da hörte sie Schritte und hielt inne. Im nächsten Moment platzte Ginny durch die Tür.

„Und? Hast du ihn gesehen?"

Das Weasley-Mädchen nickte. „Beim Essen sah er aus wie immer. Groß, ernst … Wenn du mir nichts gesagt hättest, hätte ich gar nicht gemerkt, dass so etwas Bedeutendes vorgefallen ist."

Hermine stöhnte auf und ließ sich aufs Bett fallen. „Oh Gott! Wie macht er das bloß? Ich habe ständig Angst, dass irgendjemand was mitbekommen hat."

Nachdenklich setzte Ginny sich zu ihr. „Weißt du, wieso gehst du nicht einfach zu ihm und fragst ihn, wie ihr das handhaben sollt? Du kannst dich nicht ewig hier verstecken."

„Kommt gar nicht infrage! Wie sieht das denn aus, wenn ich ständig angelaufen komme wie ein kleines Kind?"

„Dann musst du da wohl durch. Solange McGonagall ihre Meinung nicht ändert, werdet ihr zusammen Unterricht haben."

Hermine verschränkte schnaubend die Arme vor der Brust. „Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr muss ich ihm Recht geben. Es wäre wirklich das Beste gewesen, wenn ich das Fach hingeschmissen hätte."

„Aber das hat nicht funktioniert, wie es aussieht. Komm schon! Reiß dich zusammen."

„Ich habe ehrlich gesagt keine Lust dazu, verstecken zu spielen. Als ich mit Harry und Ron unterwegs war, war das schon schwierig genug. Aber das hier – es kommt mir vor, als würde mir das Schicksal einen Strich durch die Rechnung machen wollen."

„Wieso? Sag bloß, du hast es dir anders überlegt!"

„Nein, auf keinen Fall. Er ist nach wie vor sehr anziehend. Alleine wenn ich an ihn denke, fängt mein Herz zu rasen an."

„Das sehe ich. Bisher läuft es doch ganz gut. Ihr habt geknutscht und hattet Sex ... Du warst so glücklich, als du mir davon erzählt hast."

„Das bin ich, Ginny. Aber ihn jetzt wiederzusehen wird verdammt hart. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Wie soll ich ihn ansprechen? Was erwartet er von mir?"

„Wie wäre es mit 'Professor'? Nur so als Tipp, wenn du nicht vorhast, aufzufliegen. Und jetzt komm. Wir sollten langsam los."

Beschwingt stand Ginny auf und zog ihre Freundin auf die Füße.

„Weißt du, es hat schon auch irgendwie was Romantisches an sich, wenn man bedenkt, was da zwischen euch abgeht. Ich hätte ihm das niemals zugetraut."

Hermine rollte mit den Augen. „Könntest du diese Kommentare bitte lassen? Wenn du mir jetzt auch noch in den Rücken fällst, habe ich niemanden mehr auf meiner Seite."

„Wie du willst. Übrigens, hier, ich hab dir was mitgebracht."

Begierig nahm Hermine das Sandwich entgegen, das Ginny für sie zusammengestellt hatte.

„Danke, Gin."

"So kann das unmöglich weitergehen. Du wirst noch verhungern, wenn du dich weiterhin hier oben zurückziehst."

Hermine verschluckte sich und hüstelte. "Hast du etwa eine bessere Idee?"

"Nein. Lass uns lieber gehen, bevor wir zu spät zum Unterricht kommen."