Thorns in my chest

Kapitel 33

Die dunkle Gestalt des Professors lehnte elegant an der Mauer eines verlassenen Lagerhauses. Die Gegend, in die es ihn verschlagen hatte, war seiner Heimat Spinner's End gar nicht so unähnlich. Hier lungerten überwiegend verzweifelte Menschen herum, die bereit waren, alles zu tun, um ihre Sorgen für eine Weile vergessen zu können. Männer, Frauen, sogar Kinder.

Vor ihm in der Gasse waren versiffte, steif gefrorene Matratzen, eine Vielzahl an Müllsäcken und Einkaufswägen zu sehen. Es schien unmöglich zu sein, dass hier jemand leben konnte. Und doch versammelten sich bei eisiger Kälte Menschen um kleine Feuerstellen, die mit Lumpen umwickelten Hände nach Wärme ausstreckend.

Snape fröstelte unwohl, als mit schnellen Schritten ein junger Mann in die Gasse gebogen kam, der zielstrebig auf ihn zueilte. Er war nicht viel älter als Hermine, wie der Professor sich bitter in Erinnerung rief.

„Ich habe gute Neuigkeiten", sagte der Ankömmling aufgeregt. „Wirklich, sehr gute."

Snape klemmte unbeeindruckt eine Zigarette zwischen seine dünnen Lippen und riss an der Mauer ein Streichholz an. In Hogwarts rauchte er nie. Hier draußen aber wurde ihm allzu deutlich bewusst, was für ein Glück er gehabt hatte. Nur die wenigsten schafften es, dieser Hölle zu entrinnen. Damit kannte er sich aus.

„Das sagst du jedes Mal, Fabio", gab er nuschelnd zurück, während er scheinbar unbehelligt an der Zigarette zog. In Wahrheit diente ihm das Rauchen nur, um sein Schuldbewusstsein zu verdrängen.

Der junge Mann grinste. Er wirkte verunsichert. Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, zumindest den Versuch zu starten, ein gutes Geschäft zu machen. „Das wird Sie mehr kosten als üblich."

Gelangweilt paffte der Professor an dem glühenden Stängel. „Wir haben eine Abmachung. Mehr ist nicht drin."

„Sie werden staunen. Ich kann Ihnen einen Freund vorstellen. Er ist neu hier und noch ganz unverbraucht."

Snape wollte mit den Augen rollen, unterließ es aber. Lässig nahm er noch einen Zug und schnippte die Zigarette ins nächstbeste Feuer.

„Fabio, du weißt, dass ich nicht nach einem Stricher suche, sondern nach Informationen. Wenn du nichts für mich hast, habe ich auch nichts für dich."

Fabio wippte nervös mit dem Kopf. „Die werden mich töten, wenn ich sie verrate. Das ist Ihnen doch klar!"

Der Professor sah ihm eindringlich in die Augen. „Glasklar."

Fabio senkte den Blick und Snape streckte seine Hand nach ihm aus und legte sie mit festem Griff auf seine Schulter. Er hatte lange überlegt, ob er es sich leisten konnte, mit seinen Prinzipien zu brechen, um den armen Schlucker zu erlösen. Jetzt, wo er ihm gegenüberstand, schien es der einzig richtige Weg zu sein.

„Wenn du mir gibst, wonach ich suche", begann er ruhig, „werde ich dir ein Geschenk machen, das alles bisher dagewesene übersteigt. Du wirst frei sein, Fabio. Frei wie ein Vogel. Frei wie der Wind."

Fabio schluckte. „Sie werden mich doch nicht umbringen, oder?"

Snape schüttelte den Kopf. Er wusste am besten von allen, wie sehr die Menschen an ihrem Leben hingen, schließlich hatte er einst Dumbledore angefleht, ihn zu verschonen.

Urplötzlich ließ er von ihm ab und richtete sich kerzengerade vor ihm auf. „Nein. Ich habe etwas viel Besseres für dich."

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Nachdem er Fabios Gedächtnis modifiziert hatte, sah er zu, so schnell wie möglich von dort zu verschwinden. An einem Ort wie diesem gedieh nichts Gutes. Und doch war es alles, was er für den Jungen tun konnte. Oft genug hatte er sich selbst gewünscht, einfach vergessen zu können, um von vorne anzufangen.

Er hatte lange mit sich gerungen, ob er es riskieren konnte, so etwas zu tun. Jemandem aus Gefühlsduselei einen Gefallen zu erweisen oder ihm zu helfen, war nicht gerade sein Metier. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Ministerium seinen Zauber aufspüren würde, war zwar eher gering, er war schließlich kein Stümper. Dennoch konnte er neuerlichen Ärger um seine Person nicht gebrauchen. Jedenfalls nicht, wenn er sein Leben ändern und an eine Zukunft glauben wollte.