Thorns in my chest
Kapitel 44
Ohne länger zu zögern kehrte Hermine nach Hogwarts zurück, verabschiedete sich im Schulleiterbüro von Professor McGonagall und eilte in die Kerker. Einen Moment lang war sie sich nicht sicher, weshalb sie sich dazu entschlossen hatte, ausgerechnet jetzt mit ihm das Schloss zu verlassen. Sie hatten alle Zeit der Welt, um sich in Ruhe auf das gemeinsame Leben vorzubereiten, das ihnen vorschwebte. Als er jedoch die Tür öffnete und vor ihr stand, war klar, dass sie nicht länger warten wollte.
Mit einem Satz fiel sie ihm um den Hals und drückte ihr Gesicht in seine langen Strähnen.
Er sagte nichts. Wortlos fing er sie auf und hielt sie fest, als hätten sie sich seit einer schieren Ewigkeit nicht gesehen.
„Ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass du nicht weiter für Dumbledore oder den Orden arbeitest", flüsterte sie ihm leise zu. „Ich könnte es nicht ertragen, ständig Angst um dich zu haben."
Ein schmales Lächeln umspielte seine Mundwinkel. „Dann gibst du dich also mit einem langweiligen Lehrer zufrieden?"
Sie nickte eifrig. „Voll und ganz. Lass uns von hier verschwinden. Ich kann es kaum erwarten, dich endlich in mir zu haben."
Obwohl Hermine schon längst ihre Sachen bei ihm gelagert hatte, erreichten sie weitaus später als geplant Spinner's End, da keiner so recht den anderen loslassen wollte.
Und so verlief die erste gemeinsame Nacht in ihrem zukünftigen Zuhause anders als erwartet. Lange lagen sie einfach nur in seinem alten Bett im Obergeschoss und redeten miteinander. Das Schlafzimmer, das einst seinen Eltern gehört hatte, würde einiges an Aufmerksamkeit brauchen, um wohnlich zu werden. Hermine jedoch störte sich nicht daran. Sie wusste, worauf sie sich eingelassen hatte. Hauptsache war doch, dass sie zusammen sein konnten. Im Hinblick auf das, was sie in den vergangenen Jahren an Abenteuern erlebt hatte, war das Gefühl, in diesem befremdlich anmutenden Haus zu sein, ohnehin nicht recht viel anders als damals im Grimmauldplatz. Nur dass es eben darauf ausgelegt war, ein Muggelhaus zu sein. Dass es still und unfreundlich war. Vor allem aber, dass sie es trotz aller Widrigkeiten mochte, da es ihm gehörte.
Während sie miteinander redeten, kam Hermine nicht umhin, über das nachzudenken, was sie mit Harry und Ron besprochen hatte. "Ich weiß auch nicht, was ich erwartet habe", sagte sie leise. "Aber ich mache mir Sorgen um die Jungs, Severus. Was wird als Nächstes passieren? Sogar Harry hat zugegeben, du hättest den richtigen Riecher gehabt. Dabei sollte es doch irgendwann endlich mal ein Ende haben."
Snape stützte sich auf den Ellenbogen und sah sie durch seinen Vorhang an schwarzen Haaren hindurch an. Sanftmütig strich Hermine ihm die Strähnen auf die Seite. Dann legte sie ihre Hand auf seine nackte Brust und wartete auf das, was er zu sagen hatte, während sie unter ihren Fingern seinen Herzschlag spüren konnte.
"Ich weiß selbst, dass es schwer ist, das zu verstehen, Hermine. Niemand von uns konnte ahnen, wie es weitergeht. Albus hat einfach seinen Instinkten vertraut, die ihn wie gewöhnlich in die richtige Richtung geführt haben."
Sie blinzelte. "Bereust du, dass du dich aus der Angelegenheit zurückgezogen hast?"
"Das ist nicht so leicht zu beantworten. Im Grunde genommen wollte ich nie da hineingeraten. Tatsache ist, dass ich auch nicht damit aufgehört hätte, wenn du nicht so unvorhergesehen in mein Leben getreten wärst."
"Das dachte ich mir, Severus."
„Dann wirst du einsehen müssen, dass jemand anders diese Arbeit fortsetzt."
„Ja, aber doch nicht Harry und Ron. Es ist viel zu gefährlich."
Snape zog kritisch die Brauen zusammen .„Sie haben sich selbst dazu entschieden, Auroren zu werden", sagte er ernst. „Was hast du erwartet? Dass sie am Schreibtisch sitzen und sich vom Ärger fernhalten? Wir können uns nicht einfach alle zurücklehnen und darauf hoffen, dass die Todesser von selbst aufgeben, das zu vollenden, wofür sie erschaffen wurden. Denn das wird nicht geschehen."
Nachdenklich ließ sie ihre Fingerspitzen seinen Oberkörper hinab gleiten, bis sie unter der Decke verborgen seinen Bauch erreichte. Anstatt sich weiter von ihrer Angst einholen zu lassen, setzte sie zielstrebig ihren Weg fort und legte ihre Hand auf seine erschlaffte Männlichkeit. Schon des Öfteren hatte sie versucht, die Geschehnisse das Alltags zu verdrängen, indem sie mit ihm geschlafen hatte. Jetzt, wo sie die Prüfungen hinter sich gebracht und die Zeit der Abstinenz überstanden hatten, war es wie ein verlockendes, befreiendes Ritual, endlich wieder körperlich mit ihm zusammen sein zu können.
Überrascht sog er die Luft tief in seine Lungen ein. Seine dunklen Augen suchten die ihren. Hermine aber schlug die Bettdecke zurück und blickte auf die vielversprechende Wölbung, die sich unter ihrer Hand auftat. Das sehnsuchtsvolle Prickeln nach sexueller Erfüllung in ihrem Unterleib war schon fast schmerzhaft, womit sie sich kurzerhand auf ihn legte.
"Darauf habe ich die ganze Zeit gewartet, Severus", hauchte sie leise in sein Ohr.
Er umfasste ihren Kopf und griff in ihre roten Locken, während er weiter unten mit der anderen Hand ihre Beine auseinander schob, um in sie einzudringen.
"Ich weiß."
Im nächsten Moment glitt er mühelos in sie. Schaudernd rief Hermine sich ins Bewusstsein, wie sich binnen weniger Monate die Beziehung zwischen ihnen geändert hatte. Wenn es jemals einen Augenblick der Zusammengehörigkeit zwischen ihnen gegeben hatte, dann war das nur ein schwacher Ausläufer dessen gewesen, was jetzt passierte. Ohne es so richtig zu realisieren, hatte sich ihnen durch seine neu gewonnene Unabhängigkeit eine ganz neue Perspektive eröffnet. Selbst seine Bewegungen waren im Gegensatz zu so oft nicht in erster Linie darauf ausgelegt, ihm körperliche Befriedigung zu verschaffen. Es war mehr, das er sich holen wollte. Stück für Stück hatten sie sich aufeinander zubewegt, um am Ende zu der emotionalen Einheit zu finden, die sie nun miteinander verband.
Sie fest an sich drückend setzte er sich auf und Hermine schlang instinktiv die Beine um seinen Leib. Empfindsamer und passionierter als je zuvor wippten sie auf und ab, bis sie beide von dem erlösenden Gefühl heimgesucht wurden, das den Höhepunkt ankündigte.
„Ich habe dir nie gesagt, dass ich dich liebe, Severus", flüsterte sie plötzlich.
Er nahm ihr Gesicht zwischen seine Hände und sah ihr in die Augen. Schweiß glitzerte an seinen Schläfen. „Ich weiß."
Langsam und sehnsüchtig küsste er sie, ehe er in seinen Bewegungen fortfuhr und in ihr kam.
Eine Weile saßen sie einfach nur schweigend da und hielten sich in den Armen und Hermine schloss die Augen, um den Moment für alle Zeit in ihrem Gedächtnis festzuhalten. Den Moment, in dem ihr mehr als je zuvor bewusst wurde, wie sehr sie einander brauchten. Es war genau, wie Ginny gesagt hatte. Sie liebten einander, mussten es aber nicht aussprechen. Was sie miteinander hatten, war innig und beständig, ohne dass das Wort Liebe eines Tages abgedroschen zwischen ihnen stehen würde. Vielleicht war aber genau das eine der Besonderheiten in ihrer Beziehung, wie die Tatsache, dass sie wortlos einander vertrauen konnten.
xxx
Es dämmerte bereits, als ihre aufgewühlten Körper zur Ruhe kamen. Fröstelnd schlüpften sie unter die Decke und Hermine kuschelte sich an ihn. Eigenartigerweise war sie so im Einklang mit sich und der Welt gewesen, dass sie gar nicht bemerkt hatte, wie die Nacht an ihnen vorübergezogen war. Erst jetzt, als die Sonne durch die vergilbten Vorhänge blinzelte, fiel ihr auf, dass sie einen Bärenhunger hatte.
„Ich hoffe, du hast irgendwo einen Hauselfen versteckt, der uns Frühstück macht, Severus. Mir knurrt der Magen."
„Das war nicht zu überhören."
„Wirklich? Ist mir gar nicht aufgefallen."
Er lachte auf, ein seltenes, kehliges Lachen, das ihr jedes Mal aufs Neue eine Gänsehaut versetzte. „Tut mir leid, dass ich dich enttäuschen muss, aber meine Mutter stammte bekanntlich aus ärmlichen Verhältnissen. Da gab es keine Elfen. Wenn du Hunger hast, musst du dir selbst was machen."
Sie brummte. „Der Service in Hogwarts ist besser."
"Tu dir keinen Zwang an. Du bist die Frau. Die Küche gehört dir."
Hermine blinzelte, ehe sie konterte. "Das ist sexistisch, Severus."
"Selbst schuld. Es ist auch nicht gerade erstrebenswert mit einem Professor rumzumachen, der fast doppelt so alt ist wie du."
Spielerisch boxte sie ihm in die Seite. Sie wusste, dass er das nur tat, um sie aufzuziehen. "Du bist ein Scheusal, weißt du das?", kommentierte sie trocken und stand auf.
Die entspannte Atmosphäre, in der sie sich wie jetzt auch befanden, überraschte Hermine zuweilen immer noch. Eine Zeit lang hatte sie sich kaum vorstellen können, dass er sich in ihrer Gegenwart je so unbefangen zeigen würde. Doch nun war es zum Glück anders. Beschwingt verließ sie das Schlafzimmer und sauste in die Küche hinunter um etwas Essbares zu organisieren. Zu ihrer Verwunderung musste sie dort feststellen, dass die Schränke in logischer Reihenfolge sortiert und der Kühlschrank gut gefüllt war, womit es einem Kinderspiel gleichkam, sich ohne seine Hilfe zurechtzufinden.
Schnell setzte sie die Kaffeemaschine in Gang und suchte sich das zusammen, was sie haben wollte, um wenig später mit einem prall gefüllten Tablett ins Schlafzimmer zurückzukehren. Dort angelangt saß Snape seelenruhig auf dem Bett und begutachtete mit einer hochgezogenen Braue ihre Ausbeute.
"Für einen Junggesellen hast du einen verdammt ordentlichen Haushalt, Severus."
Er zuckte mit den Schultern. "Das war nicht immer so, wenn du es genau wissen willst. Aber da du seit Wochen von nichts anderem mehr geredet hast, als hierherzukommen, blieb mir kaum eine Wahl, als das Beste daraus zu machen."
Vorsichtig stellte sie das Tablett in die Mitte des Bettes und setzte sich im Schneidersitz zu ihm. "Danke, dass du einkaufen warst. Ich sterbe gleich vor Hunger."
"Danke, dass du dich in die Küche gewagt hast, um Frühstück zu machen."
"Gern geschehen. Was hast du gegen die Küche?"
"Nichts weiter. Es ist dieses Haus, das ich nicht leiden kann. Es stecken zu viele Erinnerungen darin."
Hermine reichte ihm eine Tasse Kaffee. "Hier, trink das. Du siehst aus, als könntest du den gebrauchen."
Kommentarlos nahm er einen Schluck und drehte die Tasse in den Händen, um sie zu betrachten. "Du hast mir noch gar nicht gesagt, wie Weasley die Nachricht aufgefasst hat, Hermine."
Sie blickte auf und musste erkennen, dass er es vermied, sie anzusehen. Fast kam es ihr so vor, als wäre er besorgt deswegen. "Ich wusste nicht, dass dich das interessiert, Severus", erklärte sie aufrichtig.
Er schnaubte leise. "Wie Potter reagiert hat, ist eine Sache. Aber er ist ja auch kein Weasley."
"Wer hätte gedacht, dass du Harry jemals den Vorzug geben würdest", sagte sie ironisch.
"Das steht hier gar nicht zur Debatte. Die Weasleys sind wie eine Einheit, wenn es hart auf hart kommt. Du weißt, was das bedeutet?"
"Machst du dir etwa Gedanken, was Molly und Arthur dazu sagen werden? Das musst du nicht. Sieh dir Ginny an. Sie hat es von Anfang an akzeptiert."
Er hob den Blick. "Sie ist ja auch nicht im Orden."
"Aber ..." Hermine konnte nicht begreifen, was in ihm vorging. Hilflos blinzelte sie ihn an. "Seit wann machst du dir Gedanken darüber, was andere für eine Meinung haben?"
"Es geht nicht um mich, Hermine, sondern um dich. Molly und Arthur waren nie so richtig gegen mich. Das heißt nicht, dass sie mich gemocht hätten. Aber immerhin haben sie akzeptiert, dass ich im Orden war. Wenn das mit uns die Runde macht, was bei dieser Familie unvermeidlich ist, wird für sie eine Welt zusammenbrechen. Du warst immer wie eine Tochter für Molly."
"Aber daran wird sich doch nichts ändern. Sie werden mich nicht verlieren, nur weil wir bald offiziell zusammen sind, Severus."
Er schüttelte den Kopf. "Mag sein. Trotzdem sollten wir uns darauf gefasst machen, dass die Nachricht nicht gerade eine Welle der Begeisterung auslösen wird. Vor allem du musst wissen, wie du damit umgehst, schließlich bist du immer im Fuchsbau willkommen gewesen."
Hermine rückte neben ihn und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. "Ich finde es rührend, dass du dir meinetwegen den Kopf zerbrichst, Severus. Aber glaubst du nicht, dass ich mir selbst Gedanken darüber gemacht habe?"
"Ich will nur sichergehen, dass du weißt, worauf du dich einlässt. Noch ist es nicht zu spät, etwas zu unternehmen."
"Zu spät wofür? Einen Rückzieher zu machen? Das haben wir doch alles schon besprochen. Ich werde meine Meinung nicht ändern, egal, was die anderen davon halten."
Er seufzte. "Gut. Dann solltest du dir das hier ansehen." Mit ernster Miene holte er einen Brief unter dem Kopfkissen hervor und hielt ihn ihr entgegen.
"Was hat das zu bedeuten?", fragte Hermine ahnungslos.
"Lies ihn. Dann wissen wir mehr. Aber wenn du mich fragst, kann das nichts Gutes sein."
"Wow ... Der ist vom Ministerium. Und er ist an dich adressiert", wehrte sie ab. "Ich kann unmöglich ..."
"Und wenn schon. Mach ihn auf."
Ihr entging nicht, dass er sehr ungeduldig zu sein schien. "Wann ist der denn gekommen?"
"Vorhin, als du in der Küche warst, saß plötzlich eine Eule am Fenster. Du kennst doch das Prozedere, Hermine. Muss ich dir wirklich erklären, wie wir unsere Post erhalten?"
"Schon gut. Das ist nur alles furchtbar aufregend für mich. Das ist unsere erste Post, die wir erhalten, Severus. Und du machst ein Gesicht, als würde da was Schlechtes drinstehen ..."
Er rollte mit den Augen. "Ich nehme dir deine Illusionen nur ungern. Aber heute ist Samstag und die Eule wollte, dass ich den Empfang quittiere. Was glaubst du also, wie unsere Chancen stehen, dass es sich um eine harmlose Angelegenheit handelt?"
Allmählich kam sie nicht mehr umhin, ihm Recht zu geben. Mit einem mulmigen Gefühl in der Bauchgegend nahm sie den Brief und öffnete den Umschlag. Schon nach wenigen Sekunden biss sie sich auf die Lippe.
"Da steht, dass du ins Ministerium gebeten wirst, um eine Aussage zu machen."
„Dachte ich es mir doch."
„Was, Severus? Was dachtest du?"
„Haben dir deine beiden Freunde nichts erzählt?"
Hermine starrte ihn fragend an. „Wovon sprichst du? Weißt du etwa was, das ich nicht weiß?"
„Offensichtlich." Er nahm die Hände hoch und fuhr sich abgeschlagen damit durch die Haare. „Vermutlich standen sie unter Eid. Das würde erklären, warum sie dir nichts gesagt haben, wo sie sich doch sonst nicht zurückhalten können ..."
„Severus, lass das."
„Schön. Jedenfalls vermute ich, dass sie gestern das Nest ausfindig gemacht haben."
„Dann haben sie Gaunt geschnappt?"
„Ich gehe scharf davon aus. Es sei denn, sie haben es verbockt, was bedeuten würde, dass meine Arbeit umsonst war."
Hermine stand vor Aufregung der Mund offen. „Und wieso will das Ministerium dann, dass du eine Aussage machst? Du hast dem Orden alles gesagt, was du wusstest. Oder etwa nicht?"
„Im Großen und Ganzen schon. Nur wird dem Ministerium das nicht reichen, wenn sie ihm einen Prozess machen wollen. Mir bleibt also gar nichts anderes übrig, als der Aufforderung in dem Schreiben nachzukommen. Selbst wenn das bedeutet, dass sie mich dabei durch die Mangel drehen werden, wie beim letzten Mal. Versteh mich nicht falsch, Sie hatten jegliches Recht, das zu tun, schließlich war ich nicht unschuldig. Du warst auch nicht dabei, also kannst du nicht wissen, wie es gewesen ist, ihnen ausgeliefert zu sein. Aber glaub mir, wenn ich einen Weg finden würde, die Aussage zu umgehen, würde ich es tun."
Hermine entging nicht, wie besorgt er war, obwohl er sich Mühe gab, es vor ihr zu verbergen. Am meisten zu schaffen machte ihm immer noch der Umstand, dass seine eigene Vergangenheit jedes Mal wieder aufgerollt wurde, sobald im Zuge einer Untersuchung des Ministeriums Voldemort oder die Todesser zur Sprache gebracht wurden. Aus diesem Grund hatte er sich fest dazu entschlossen, sich aus den Angelegenheiten des Ordens herauszuhalten, sowie jegliche Nachricht in Bezug auf den Krieg gegen Voldemort und die Todesser zu ignorieren. Insgeheim wusste sie natürlich, wie schwer es ihm fiel, sich nicht weiter damit auseinanderzusetzen. Wenn er jedoch damit abschließen wollte, sah er kaum eine andere Möglichkeit.
Um sich nicht weiter beunruhigen zu lassen, gab auch sie sich erst einmal damit zufrieden, nicht weiter nachzuhaken. Dann, nachdem sie sich langsam und ausgiebig über das Frühstück hergemacht hatten, verschwand er im Bad, während Hermine sich noch einmal die Zeit nahm, den Brief zu lesen, den das Ministerium geschickt hatte.
Obwohl sie sich vorgenommen hatte, ihrer Neugierde ein Ende zu setzen, um die gemeinsame Zeit mit ihrem Professor zu genießen, ließ ihr die Sache keine Ruhe. Wenn seine Vermutungen sich bewahrheiten würden, würde das bedeuten, dass sie einen weiteren Erfolg im Kampf gegen die Todesser zu verbuchen hätten, was genau das war, was sie sich erhofft hatte.
Tief in ihre Gedanken versunken krabbelte sie aus dem Bett, ging nach unten ins Wohnzimmer und schnappte sich ein Blatt Pergament und eine Feder vom Schreibtisch. Voller Tatendrang hockte sie sich nackt wie sie war auf das Sofa und setzte einen Brief an Harry auf. Sie konnte nicht vergessen, welches Leid die Todesser über die Menschen gebracht hatten. Wie sie, Harry und Ron vor ihnen auf der Flucht gewesen waren und sich all die bekannten Gesichter der Verstorbenen in ihr Gedächtnis gebrannt hatten, die sie in den vergangenen Jahren verloren hatten. Genau das aber wollte sie hinter sich lassen. Sie brauchte Gewissheit und wollte erfahren, wie es jetzt weitergehen würde, um endlich ihren Frieden zu finden.
Als Snape frisch geduscht und angezogen die Treppe hinunterkam, hatte sie ihr Werk vollendet. "Du hast nicht zufällig eine Eule in deinem Dachstuhl sitzen?", fragte sie vorsichtig nach, obwohl sie sich die Antwort denken konnte.
Er schüttelte den Kopf. "Wenn du den verschicken willst, solltest du den Kamin benutzen."
Hermine seufzte. "Er ist an Harry adressiert, Severus. Ich weiß, dass du wahrscheinlich dagegen bist, wenn ich mich einmische. Es muss ohnehin schon schwer genug für dich sein, dich da rauszuhalten. Ganz besonders jetzt, wo du endlich den Entschluss gefasst hast, dich zurückzuziehen. Aber ich muss einfach wissen, ob das wahr ist, was du vermutest."
Auf leisen Sohlen kam er näher und setzte sich zu ihr aufs Sofa. Sofort ergriff sie die Gelegenheit und drückte sich an seinen wärmenden Körper.
"Vielleicht solltest du dir erst mal was anziehen, Hermine."
Fröstelnd schüttelte sie den Kopf und ließ sich von ihm in die Arme nehmen. "Das ist lächerlich, oder? Ich bin viel zu aufgewühlt, um klar denken zu können. Dabei will ich doch nur, dass es vorbei ist, Severus. Sie haben uns so viel genommen. Dir und mir. Und allen anderen auch."
Ein eigenartiger Blick tauchte auf seinem zerfurchten Gesicht auf, den sie schon des Öfteren gesehen hatte. "Ich weiß. Aber du darfst nicht vergessen, auch ich war einer von ihnen."
Seine schmerzhafte Erklärung brach ihr beinahe das Herz. Nach Worten suchend lehnte sie den Kopf an seine Stirn. „Du wolltest das alles nie, Severus. Du wolltest nicht, dass so etwas passiert."
„Nein, wollte ich nicht."
„Dann hör auf, dich damit zu quälen. Du hast getan, was du konntest, um dem ein Ende zu setzen. Jetzt ist es an der Zeit, den anderen deine Arbeit zu überlassen."
„Vermutlich. Jeder muss auf seine Weise damit klarkommen, nicht wahr?" Er sah sie an, als würde er nach Bestätigung suchen. Ebenso schnell sah er wieder weg. „Ich kann mich nicht mehr daran beteiligen, sonst wird es nie vorbei sein. Aber wenn du Informationen möchtest, solltest du mit jemandem darüber reden."
„Selbst wenn es Harry ist?"
„Ich werde dir sicher nicht vorschreiben, mit wem du dich austauschen sollst, Hermine."
„Ich bin stolz auf dich, Severus", sagte sie ernst. „Auch dann, wenn ihr Schwierigkeiten miteinander hattet, bist du bereit, die Jungs in meinem Leben hinzunehmen."
Zärtlich streckte sie sich und küsste ihn auf den Mund. Snape empfing sie und erwiderte den Kuss. Seine Hände umfassten ihre Schultern und drückten sie so innig an sich, dass sie sich dabei vorkam, als würde sie in seinen Armen dahinschmelzen. Halb nebeneinander, halb aufeinander lagen sie auf dem Sofa, ohne sich daran zu stören, dass sie es weitaus bequemer haben könnten, wenn sie sich nur die Zeit dazu nehmen würden, sich voneinander loszulösen. Doch genau das kam nicht infrage. Auch nur eine Sekunde von ihm getrennt zu sein, erschien ihr unmöglich.
Sein Atem ging unruhig an ihrem Ohr, seine Lippen waren ihr vertraut. Von Lust ergriffen und warm drifteten sie auseinander und gaben den Zugang zu seiner Zunge frei, die begierig nach ihrer suchte, womit die anfänglich zärtliche Geste des Küssens nicht lange so harmlos blieb. Schon bald spürte sie den Drang, die Zweisamkeit zwischen ihnen bis ins Detail auszukosten. Sehnsüchtig rieb sie ihre nackten Brüste an seinem Frack und hatte die Finger dabei fest in seinem Nacken verschlungen.
Snape atmete geräuschvoll aus und reckte die Hüften in die Höhe, wo er durch die Hose hindurch hart auf Hermines feuchten Unterleib traf.
Erst jetzt kam ihr in den Sinn, ihn aus seinen Hüllen zu befreien. Ungeduldig stemmte sie sich hoch und setzte sich auf seinen Schoß, um sich dort an seiner Kleidung zu schaffen zu machen. Seine halb geschlossenen schwarzen Augen vor sich erblickend sah sie ein gefährliches Blitzen darin, das bezeugte, wie stark das Verlangen nach ihr in ihm loderte. Augenblicklich umfasste er ihr Becken und presste sie an sich.
Hermine schauderte. Beinahe kam es ihr so vor, als würde er sie mitsamt seiner Kleidung nehmen wollen. Alleine der Gedanke war aufregend, besonders, da sie inzwischen angefangen hatte, seine schwarzen Sachen erotisch zu finden wie kaum etwas anderes. Schon als sie noch mit ihm gemeinsam in einem Klassenzimmer Unterricht gehabt hatte, war es ihr zuweilen schwer gefallen, ihn anzusehen, ohne dabei lüstern zu vergehen.
Als hätte jemand in ihrem Inneren ein Feuer entfacht, spannte sie die Muskeln an, die seine Männlichkeit umgaben. Snape zog die Brauen zusammen, der Griff seiner Hände verstärkte sich.
In ihrem Vorhaben bestätigt, ihn bis auf die Spitze zu reizen, wiederholte sie den Vorgang rhythmisch, wobei sie ihm ein scharfes Zischen entlockte. Erst dann rutschte sie ein Stück zurück und öffnete seine Hose, schließlich wollte sie ihn voll und ganz bei sich spüren, wenn er kam.
Der bloße Duft, den seine Erregung verströmte, war so männlich und herb, dass sie nicht länger widerstehen konnte, sich darauf zu setzen. Langsam glitt sie mit ihrem Unterleib über seine Spitze, während er mindestens ebenso quälend langsam wie erwartungsvoll in ihre Falten eintauchte. Seine Hände hielten ihre Hüften und drückten ihren Körper auf seinen Schaft nieder.
Als er dann tief in ihr begraben war, erzitterte sein ganzer Leib. Jede Faser seines Seins schien mit ihr zu verschmelzen. Zugleich küsste Hermine sein Gesicht und ließ ihren Gedanken freien Lauf. "Vom ersten Moment an wollte ich dich haben, Severus. Schon im Fuchsbau, als du plötzlich vor uns gestanden hast, war mir einen Moment lang eiskalt vor Bewunderung für dich. Ich konnte nicht fassen, dass du tatsächlich lebst. Aber du warst da. Groß und lebendiger als je zuvor. Zuerst dachte ich, es war Abneigung, die ich empfunden habe. Aber ich habe mich getäuscht. Es war Verlangen. Das Verlangen, dich anzusehen und zu berühren."
Er ließ den Blick zwischen ihre eng miteinander verschmolzenen Körper gleiten, die aufgehört hatten, sich zu bewegen, obwohl er immer noch tiefer in ihr war, als er begreifen wollte. "Ich habe dich nicht grundlos zurückgewiesen, Hermine. Der Anblick, dich mit deinen Freunden zu sehen, tat weh. Weil ich wusste, dass ich nie etwas Vergleichbares erlebt habe. Auch dann, wenn ihr gestritten habt, geschah es aus dem Grund heraus, dass ihr eine Einheit gebildet habt. Das hat mich verletzt."
"Du hast es getan, weil du eifersüchtig warst", stellte sie klar.
"Ja. Ich denke schon. Aber genau genommen gibt es keine treffende Bezeichnung dafür, die das erklären könnte. Es quält mich. Es nimmt mir die Luft. Da sind zu viele Dinge, die ich falsch gemacht habe. Zu viele Sünden, für die ich büßen müsste, um davon loszukommen. Du bist zauberhaft jung und unbefangen. Und trotzdem bist du bei mir, als gäbe es keine anderen, die dir die Welt zu Füßen legen würden. Würdigere Männer als mich. Schönere. Du verdienst sie, obwohl ich jeden dafür töten möchte, der es wagt, dich anzusehen."
Hermine umfasste mit der Hand sein Kinn, bis er sie ansah, ebenso, wie er es unzählige Male zuvor getan hatte. Ihr Herz pochte wie wild und sie wusste, dass es ihm ähnlich ging. "Sag das nicht. Du bist klüger als die meisten Menschen, die ich kenne. Und du bist schön. Du bist wie kein anderer. Und das macht dich weitaus attraktiver als du es dir vorstellen kannst. Ich wünschte nur, du selbst könntest es sehen. Deshalb möchte ich, dass du weißt, dass du nicht besorgt sein musst, ich könnte auch nur einen von ihnen wollen. Ich gehöre voll und ganz dir."
"Ich weiß. Aber ich kann es nicht richtig begreifen. Warum, Hermine? Warum willst du das? Sag es mir."
"Dafür braucht es keinen Grund. Aber wenn du es wissen willst, werde ich es versuchen. Du hast mich in dein Herz blicken lassen, Severus. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich weiß, dass du nicht der bist, den andere gerne um sich haben, auch dann, wenn es inzwischen vielleicht ein paar Menschen gibt, die ihre Meinung über dich geändert haben. Trotzdem ist es mir gleich, was sie denken. Ich bin selbst nicht unfehlbar oder besser, nur weil ich mit Harry Seite an Seite in einem Krieg gekämpft habe. Es war auch nicht meine Absicht, das mit uns zu überstürzen. Aber ich weiß, wenn ich etwas wirklich will. Denn dann bin ich bereit, es mir zu holen, so wie dich. Ich wollte dich so sehr, dass ich nicht verstehen konnte, was mit mir passierte. Das mit uns war einfach anders. Es war unbeschreiblich. Noch nie fühlte ich mich körperlich und emotional so stark zu jemandem hingezogen. Und so ist es auch jetzt. Ich will dich, Severus. Ich will dich, weil ich dich begehre und weil ich dich schätze. Du bist ein wunderbarer Mann, Severus Snape."
Er sah sie an und küsste sie sanft auf die Stirn. Der Wunsch in ihm, Bestätigung zu finden, schien für den Moment besänftigt. Seine Hände glitten über ihren Rücken und gruben sich in ihre Schultern, um sie festzuhalten, während er sich gemeinsam mit ihr aufstemmte und sie unter sich auf dem Sofa begrub.
Hermine klammerte sich so fest sie konnte an ihn. Warm und voller Verlangen lag er auf ihr.
"Ich wollte dir das niemals antun", hörte sie ihn mit rauer Stimme sagen. "Das mit uns hätte nie passieren dürfen." Ihr entging nicht, wie sehr er sich schuldig fühlte, weil er zugelassen hatte, dass sie sich einander annähern konnten. Doch er ließ sie nicht zu Wort kommen. "Du hättest ein anderes Leben haben können. Ein unbeschwertes, eines ohne Sorgen."
Unbeholfen lächelte sie zu ihm empor. Der verlorene Blick in seinen Augen ließ sie ganz schwach werden. "Aber wenn es das ist, was ich mir wünsche, wirst du es mir nicht verwehren, nicht wahr?"
Er schüttelte den Kopf und zog sich ruckartig aus ihrem Körper zurück. "Ich kann mich dir nicht entziehen. Ich habe es versucht, nur um enttäuscht festzustellen, dass ich daran gescheitert bin."
Ohne Vorwarnung bäumte er sich auf und schob sich in sie, sodass sie aufstöhnte. "Gib es mir, Severus. Alles. Gib mir deine Kraft, deine Lust, dein Herz."
Snape schauderte. Es brauchte nicht mehr als ein paar Stöße, um ihn zur Eruption zu bringen. Sein Wunsch nach Vollkommenheit war nach so vielen Jahren der Isolation und Einsamkeit wahr geworden. Tief grollend presste er seinen Samen in ihren Körper und kam dann nass vom Schweiß auf ihr zu liegen.
