Kapitel 1
"It is in your moments of decision that your destiny is shaped."
„Sei Höflich und Respektvoll. Verneige dich vor den Herrschaften und vermeide so gut es geht Augenkontakt. Sei Ehrlich und besonders sei ergeben und wiedersprich der Herrin nicht. Und mache nichts Unüberlegtes oder handele aus freiem Willen. Hast du das verstanden!"
Es war mehr rhetorisch gemeint, als dass Ilmare eine Antwort erwarte. Ihr strenger und ernster Tonfall traf die vor ihr stehende Maricæn sowieso nicht. Sie lächelte matt und gab ein nicken als Bestätigung von sich.
Zufrieden den Neuankömmling eine gute Lehrerin zu sein, grinste Ilmare zurück und drehte sich von der anderen Maia weg.
Maricæn unterdrückte ein erleichtertes seufzen, als sie sah wie ihre Bekannte im Salon verschwand.
Gezwungener Maßen bewegte sie sich in die andere Richtung und ignorierte gekonnt die Fein gearbeiteten und in ihren Augen angeberische Einrichtung. Was hatte Eru sich dabei gedacht, ausgerechnet sie als eine Maiar, untergebene der Valar zu erschaffen. Sie war gänzlich abgeneigt von den Wichtigtuern. Sie taten so als wären sie etwas Besonderes und nur sie könnten der Welt Frieden bringen. Pah. Auch sie waren nicht allmächtig und konnten sich überall einmischen. Verärgert verzog sie ihr Gesicht und ließ ihre Kalten grauen Augen gefährlich aufblitzen. Sie würde sich nicht ewig solchen Taugenichts beugen, hatte sie es ihnen zu verdanken nun in Taniquetil gelandet zu sein. In der Burg von Varda und Manwe, von dem aus sie die Welt im Blick behielten. Ihnen hatte sie es zu verdanken, als Zofe arbeiten zu müssen.
Schon allein von ihrer äußeren Erscheinung hätte man sich denken können, dass sie so ganz und gar nicht hier her passte. Ihre stechenden grauen Augen, mit den langen dunklen Wimpern, strahlen schon von allein eine gewisse Kälte aus und die dazu Schwarzen langen Haare. Niemand hatte nur ansatzweise solch dunkle Haare, niemanden den sie kannte zu mindestens. Engelsblond oder leuchtend braun musste es sein. Aber sie war mit den langen schwarzen Zausen bestückt. Meist offen getragen und mit einem langen Pony geschickt zur Seite oder teilweise nach oben zurückgebunden. Doch zu dieser Stunde trug sie ihre Haare zusammengeknotet unter einer weißen grässlichen Haube.
Je länger sie durch den Palast in Taniquetil lief, desto mehr verfinsterte sich ihre Miene. Ihr rundes kindliches Gesicht, verwandelte die junge Frau in ein kleines Stures Kind.
Plötzlich erreichte sie eine große weiße Tür, unbewusst war sie den rest des Flurs beinahe gerannt. Erschrocken verlor ihr Gesicht für einen Moment die Härte und ihre Züge wurden etwas weicher. Die Abneigung allerdings verschwand nicht.
Untergeben senkte sie den Kopf und klopfte zwei Mal an der schweren Tür.
Ein ‚tretet ein', ließ sie hinein gehen, den Blick stets auf den Boden gerichtet.
Gern hätte sie ihren Kopf gehoben und all ihren Spott und Gram der verzückten Valar ins Gesicht gespuckt, aber sie schwieg. Die Hände zu Fäusten geballt, folgte sie der Anweisung näher zu kommen.
Ein heller Kiefernboden, breitete sich unter ihren kleinen Füßen aus. „Heb doch bitte deinen Kopf, ich habe noch nie ein solch wunderschönes Gesicht gesehen, mit solch schönen Haaren.", sprach die Valar in einem sanften und beruhigenden Tonfall. Die liebliche Stimme verleitet einem zu blinden vertrauen und auch Maricæn konnte nicht anders als leicht zu lächeln, als sie ihren Kopf hob.
Ein erfahrendes und gütiges Gesicht sah ihr entgegen, mit freundlichen glänzenden hellblonden Haaren und einem warm strahlenden Gewand. Eine fast unscheinbare weiße Krone schmückte ihr Haupt und Maricæn konnte in deren Mitte die Sterne erkennen, die schon so vielen Hoffnung und Licht spendeten. Es war ihr bis dahin nie bewusst gewesen, warum man Varda als die schönste und Mächtigste beschrieb, aber in dem Moment war Maricæn wie geblendet von der ausgehenden Kraft, dass sie ihren ganzen Gram vergaß.
„Du bist wahrlich eine Schönheit. Sag wie ist dein Name?" Immer noch vernahm Maricæn die Stimme der Valar wie die leichten Sonnenstrahlen der Sonne. Sie brauchte zuerst einen Moment ehe sie antworten konnte.
„Verzeiht mein plötzliches Erscheinen. Mein Name ist Maricæn. Ilmare schickt mich." Schnell verbeugte sie sich untertan, um die Valar nicht wieder anzustarren.
„Ihr seid die neue Zofe nicht wahr. Ihr seid von Ilmare erst einen Monat unterwiesen worden. Ihr müsst wirklich schnell lernen, wenn sie euch bereits zu mir schickt. Aber ich zweifle Ilmares Urteilvermögen keineswegs an.", sang Varda beinahe ihr frohmut heraus. Maricæn hatte schon verstanden, dass Ilmare schon lange nicht mehr lediglich als Zofe behandelt wurde und das vollste vertrauen der Valar genoss. Noch ein Grund, weshalb Maricæn sie nicht leiden konnte. Sie würde sich nie mit solchen Feine und Anmutigen Valar abgeben. Varda griff nach einer Bürste und hielt sie Maricæn freundlich hin. „Dann darf ich bitten Maricæn, die stürmische." Varda war sichtlich amüsiert und schien zu fasziniert, als sie die Bedeutung von Maricæns Namen aussprach. Sie hatte von Anfang an Gefallen an der kleinen Maiar gefunden, wusste sie noch nicht von dem Hass den die Maricæn eigentlich gegen sie hatte.
Wiederwillig nahm Maricæn die Bürste entgegen und pflegte das seidige Haar ihrer Herrin. Wie Ilmare es ihr gelehrt hatte, flocht sie gekonnte die langen Haare zu einer Majestätischen Frisur und die Mächtigste aller Valar, schien ihr, der ausstößigen und niederen Zofe, jetzt schon blind zu vertrauen.
War auch Maricæn beinahe dem Zauber erlegen, konnte sie nun wieder mit Vernunft an die Sache gehen. Untergeben ließ sich diese manipulative Valar sich von ihr die Haare knoten und schien auch noch zu glauben ihr mit dieser Chance einen gefallen zu geben. Kurz verzog Maricæn das Gesicht, ehe sie zu einem leichten grinsen ansetze. Wenn die Valar so leicht zu gewinnen ist, dann weiß ich das zu meinen Zwecken zu nutzen, dachte sie finster. Ich finde schon meinen Weg als geborenen Untertan hier heraus zu komme, ich schaffe dies schon, versuchte sie sich selbst Hoffnung zu geben um nicht auf Ewig auf diesem Berg zu verharren.
Geschickt flocht sie die letzte Strähne des Goldenen Haars und band es elegant zu den anderen. Schnell ging Maricæn ein paar Schritte zurück und ließ den Blick wieder senken. „Es ist fertig meine Herrin." Neugierig sah Varda in ihren Spiegel und wand den Kopf dabei von links nach rechts, um die ganze gezauberte Frisur zu betrachten. „Wunderschön.", sprach sie schon fast zu fasziniert von Maricæns Werk. „Ilmare hätte es nicht besser machen können."
Begeistert drehte sich Varda zu der schwarzhaarigen Zofe um. Mit einem Lächeln auf den Lippen verkündete sie: „Ich sehe dich dann morgen früh wieder. Komm aber nicht zu früh." Mit einem belustigten Nasekrausen entließ die Valar ihre neue Zofe und widmete sich wieder anderen Dingen.
Maricæn schloss erleichtert die Tür hinter sich und strich verärgert eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht und platzierte sie wieder unter der Haube. Dachte sie sie hätte mich somit in der Hand, dachte die Valar etwa sie könnte mich somit belohnen, als müsste ich ihr dankbar sein?!, dachte sie voll Zorn als sie zurück in die Richtung lief, aus der sie zuvor gekommen war. Tzz. Ich ergeben mich nicht diesen Unterdrückern und wichtig tuern, ich habe weitaus erfolgreichere Ziele, welche mir mehr zu sprechen, als Mitleid der Mächtigen Valar.
Wieder stapfte sie mit wutentbranntem Gesicht die langen Flure entlang.
Schlecht gelaunt kommt sie in der Küche an, in der Ilmare stand und die Köche und Köchinnen beaufsichtigte. Ja genau, noch war sie Vardas offizielle Zofe, wurde aber durch Maricæns Anwerben, zur Dienstboten Beaufsichtigte heruntergestuft.
Maricæn ging ein paar Schritte auf Ilmare zu, mit einem breiten grinsen auf dem Gesicht. Hatte sie die Neue bloß so früh zur Herrin geschickt um sie los zu werden. Dazu verdonnert diejenige die sie um ihre gute Stellung gebracht hat zu unterweisen, hatte Ilmare zuerst versucht ein dennoch gutes Verhältnis zu Maricæn aufzubauen. Doch dies wurde durch Maricæns desinteressiertes Verhalten dem gegenüber was Ilmare ihr versuchte zu lehren, zunichte gemacht.
Es war wahrlich keine schwere Arbeit die man zuvor von erfahrenen Leuten lernen musste. Etwas Tischdecken, Abendkleidung, Nachthemd und Alltagskleidung raussuchen, putzen, Anweisungen geben, gezüchtigt und ordentlich erscheinen und ab und zu das Haar flechten.
Schnell hatte Maricæn die Vorlieben und Techniken für die Herrin heraus gefunden und kümmerte sich immer weniger um Ilmare.
Weshalb es zu dem Vorfall vor einigen Minuten kam. Die erste Präsentation persönlich vor der Herrin, wo so manche bereits nervös werden und Fehler begehen...
Als Ilmare sah wie strahlend Maricæn auf sie zu kam wurde ihre Miene ernst und etwas Eifersucht schwang in ihren Zügen mit.
Nie hatte die Schwarzhaarige ihre Anweisungen und freundlichen Ratschläge ernst genommen. Ilmare bezweifelte sogar das sie die Arbeit als Zofe überhaupt ernst nahm. Sie fragte sich des Öfteren weshalb diese eiskalte Maia eines Tages hier aufgetaucht war und als Zofe arbeitete, wenn sie diese Arbeit nicht einmal leiden konnte.
Obwohl Maricæn die Chance der Herrin nicht schätzte, konnte sie es dennoch nicht lassen, ihren Erfolg vor der anderen Maiar auszuspielen.
Ilmare war ebenfalls eine sehr ansehnliche blonde Gestalt und der Herrin sehr ähnlich. Als mächtig und belesen wirkt auch diese, als arrogant auf Maricæn.
"Was ist passiert? Hat sie dich etwa angenommen?", fragte Ilmare da plötzlich und schien schon etwas besorgt zu sein.
Maricæn musste wieder grinsen. "Ganz recht. Immerhin wurde ich ja von dir ausgebildet. Hattest du etwa was anderes erwartet?" Vollkommen unschuldig sah Maricæn zu Ilmare. Diese stutzte kurz, wollte sie doch von Grund auf solche Feindschaften vermeiden und auch keineswegs abfällig Maricæn gegenüber sein. Sie gab ja zu, dass die schwarzhaarige schnell gelernt hat und sie weiterhin mit ihrem respektlosen verhalten ihr, Ilmare gegenüber, nichts anfangen konnte. Sie wusste dass Maricæn das Herz der Herrin gewinnen konnte, aber hatte sie dennoch tief im Innern gehofft das es nicht so wäre, hatte sie doch die Herrin in ihren Jahren als Zofe ins Herz geschlossen. Und nun sollte sie bloß Gemüse zerkleinerern bei der Arbeit zu sehen können und aufpassen, dass sie sich nicht schnitten.
Sie wandte sich Maricæn zu und zwang sich zu einem leichten lächeln. "Nein im Gegenteil. Es freut mich sehr für dich.", versuchte Ilmare ehrlich zu klingen.
Mit einem letzten schnellen Blick sah Ilmare noch mal zu Maricæn und ging dann, um den Salon für das Dinner vorzubereiten. Sollten sie heute doch einen besonderen Gast empfangen. Dennoch entfuhr ihr ein trauriger seufzer. 'Wir hätten so gute Freunde werden können', dachte Ilmare traurig, ehe sie sich wichtigeren dingen zuwenden musste.
Maricæn blieb trotzig eine Weile in der Küche stehen. Dieser Blick von Ilmare. Maricæn kannte ihn nur zu gut, es hätte nur noch ein verzweifelter Seufzer gefehlt und ihr inneres Bild was sie sich eben von Ilmare gezeichnet hatte, würde passen.
Sie hält mich wohl für sehr naiv, glaubt wohl ich wäre gleich bei meiner ersten Prüfung so sicher die Stellung zu behalten. Verärgert rümpfe Maricæn die Nase. Hält mich für dumm, nur weil sie selber es schon hinter sich hat, hält sie sich für klüger.
Verärgert ballte sie ihre Hände zu Fäusten und drehte sich schwungvoll um, um davon rauschen zu können.
Doch blickte sie in das nervöse Gesicht von Skaya einer der niederen Hausmädchen, welche nun abwartend vor ihr stand.
"Was willst du?", fragte Maricæn grob, sie hatte keinen Grund umschmeichelnd mit der dienst-Dame umzugehen, dies sparte sie sich für die Herrin auf.
Skaya zuckte erschrocken zusammen, als sie Maricæns drohenden Tonfall vernahm.
"I-ich wollte nur...Die...Die Herrin hat...", stotterte sie nun noch nervöser.
Maricæn seufzte kurz genervt auf, als sie einen Rate versuch startete. "Willst du mir vielleicht mitteilen, dass die Herrin nach mir schicken lässt?" Das war das einzige was ein Hausmädchen über die Herrin sagen konnte. Es sei denn es ging ums Dinner, dann wäre es wohl so etwas wie: 'Es fehlt der Salat.' Oder sowas ähnliches. Aber dafür war Maricæn nun nicht mehr zuständig, sie hätte es also an Ilmare weiter geben müssen.
"J-ja. Das meinte ich. Die Herrin wünscht dass ihr ihr beim Essen Gesellschaft leistet.", berichtete das Dienstmädchen weiter.
Erstaunt weiteten sich Maricæns Augen. Sie sollte jetzt schon mit der Herrin speisen?! Hatte sie wirklich ihre Fähigkeiten so unterschätzt? Dabei hatte sie es gar nicht darauf angelegt, die Aufmerksamkeit der Herrin zu bekommen. Hatte sie die Anstellung bloß angenommen, da es die einzige offene Stellung war und sie als Maiar nun mal in der Pflicht unter den Valar stand. Und sie hatte keine andere Wahl, nachdem die Valar ihr... Sie stoppte in ihren Erinnerungen und verärgert ballte sie ihre Hände zu Fäusten.
Mit finsterem Ausdruck nickte Maricæn der verschreckten Dame vor sich zu und ging ohne ein weiteres Wort an Skaya vorbei.
Sie war wirklich erstaunt, dass sie so schnell wieder zur Herrin berufen wurde. War sie doch eben gerade bei ihr gewesen, um sie für das Dinner mit ihrem Mann und dessen Besuch angemessen zu bekleiden. Es war ein hohes Treffen und es war eine Ehre für eine Zofe an so etwas teilzunehmen.
Als sie dann vor der Tür zum Speiseraum stand, erwischte Maricæn sich, wie sie etwas nervös an ihrer Unterlippe herum kaute. Zögerlich klopfe sie erneut an einer der vielen Eichentüren und ein Küchenmädchen öffnete sie ihr.
Schnell trat Maricæn ein und ging durch das Getümmel der Küchen Gehilfen, welche gerade das Dinner zum servieren vorbereiteten.
Mit schnellen Schritten erreichte sie den Speiseraum und trat mit gesenktem Haupt zu den Valar, welche bereits an der langen Tafel saßen.
Varda reagierte sofort, als sie die schwarzhaarige erblickte.
"Ah, da bist du ja, meine Liebe. Bitte, setz dich doch hier her." Varda deutete auf einen Platz neben sich. Varda saß mit ihrem Gemahl Manwe am Kopf des Tisches, beide nebeneinander als säßen sie auf ihrem Thron.
Maricæn setzte sich neben Varda und gegenüber von einem ihr Fremden Herren. Doch es erstaunte sie, wie seine Erscheinung ihrer eigenen glich. Anders als Varda und Manwe, war er von finsterer Gestalt, mit harten Zügen und mit stechenden Augen. Er trug eine fast unscheinbare Krone, die finster Qualmte und Feuer und Wut zum Ausdruck brachte. Demnach musste es sich um einen Valar handeln, doch es entsprach überhaupt nicht Maricæns Bild von ihnen und so konnte sie nur fasziniert zu ihm starren.
"Darf ich euch meine neue Zofe vorstellen. Maricæn Níanmé.
Maricæn, darf ich dir meinen Schwager vorstellen, Melkor und sein Begleiter, Údom der Kammerdiener.", sprach Varda in ihrer allbekannten fröhlichen Stimme und riss Maricæn aus den Gedanken.
Sie senkte einmal kurz ihren Kopf in Melkors Richtung und dann höflichst in die Richtung von Údom, den sie erst jetzt erkannte.
"Es freut mich euch kennen zu lernen.", sagte sie dann aber noch zusätzlich, hielt den Blick diesmal gesenkt, um ihn nicht wieder anzustarren.
"Auch mich freut es sehr.", vernahm sie seine Stimme und erstaunt blickte Maricæn wieder auf und sah Melkor direkt an. Anders als Varda hatte er eine dunklere, Mächtigere Stimme und auch seine Augen blitzen herausfordernd die kleine Zofe an.
Automatisch setzte sie ihr verschmitztes lächeln auf und auch er schien sie nun genauer zu mustern. Warum um Himmels Willen, waren alle Valar sofort so interessiert an ihr?!
Doch abrupt wurde ihr Blickkontakt unterbrochen, als das Essen serviert wurde und alle begannen zu essen und hin und wieder ein paar Themen aufgriffen, von denen Maricæn nichts verstand.
Es war ihr etwas fraglich weshalb sie überhaupt hier saßen und sich dieses Gemüse hineinstopften, da niemand von ihnen es nötig hatte. Sie waren unsterblich, hatten nie Hunger und verspürten zugleich keinen Schmerz oder Kälte. Dennoch schien es Sitte geworden zu sein, mit dem Gast zu speisen.
Stumm schaufelte Maricæn das essen in sich hinein, konnte aber nicht verhindern, ein paar unbemerkte Blicke zu dem Valar vor sich zu werfen. Sie konnte es sich immer noch nicht erklären, weshalb sie ihm vorher nie begegnet war. Warum war sie stets mit diesen höflichen und arroganten Valar umgeben, die sie nur reizten und in dem glauben Gutes zu tun, sie verdammten.
Doch die etwas erhobene Stimme von Melkor ließ auch Maricæn wieder zu den Anwesenden aufsehen.
"Wenn du mich hierher bestellt hast, um mich zu belehren, dann muss ich dich enttäuschen. Ich habe genauso das recht wie ihr, seine Werke zu vollenden.", sprach er etwas zornig zu seinem Bruder.
"Aber nicht indem du unsere Zerstörst oder sie dir zu Eigen machst. Ich möchte dich zur Vernunft bringen mein Bruder.", sprach Manwe um Fassung bemüht.
"Zur Vernunft?! Und ich dachte du willst dich endlich dem hingeben und dich nicht länger um meine taten sorgen.", konterte Melkor, weniger darum bemüht, seine Wut zu verbergen.
"Ich sage nur das es dir in Zukunft schaden könnte. Es entspricht nun mal nicht seinem Bildnis, an seiner Stelle die Herrschaft zu übernehmen."
Erstaunt sah Maricæn zu Melkor hinüber. Stimmte es was sein Bruder sagte, er stellte Erus Herrschaft in Frage und nimmt sie sich selber an?!
Nun noch faszinierter sah sie den dunklen Valar an.
"Du kannst mich warnen aber davon abhalten kannst du mich dadurch nicht. Ich habe ebenso meine Vorstellungen und nicht anders als ihr, setzte ich sie um." Mit diesem Satz stand er auf und winkte seinen Begleiter zu sich, der ihm sofort folgte.
Seufzend erhob sich Manwe und folgte seinem Bruder in einer ruhigen Schrittfolge, anders als Melkor, der stürmisch aus dem Saal verschwunden war.
Etwas enttäuscht und traurig sah Varda ihnen nach. "Es ist besser wenn sie das unter sich ausmachen. Auf mich hört er noch weniger.", sprach Varda als Erklärung, wohl mehr um sich selbst zu überzeugen, dass sie nicht eingreifen muss.
Sie wusste nicht genau den Grund weshalb Melkor versuchte all ihre Werke die sie vollbracht hatten, zu beeinflussen. Erst nachdem er ein großes Feuer und Eis über Arda gebracht hatte sahen sich Manwe, sie selbst und einige andere Valar, darunter auch Ulmo, der Herr des Wassers und Aule, der die Schmiedekunst beherrschte, dazu genötigt einzugreifen.
Somit wurde Melkor etwas gezüchtigt und Manwe versuchte ihn weiter umzustimmen, da er immer noch überzeugt davon war, sein Ziel erreichen zu können.
Varda erhob sich von ihrem Stuhl und bedeutete auch Maricæn, das sie nicht länger gebraucht wurde. "Danke dir trotzdem das du dabei warst, etwas weibliche Unterstützung ist mir bei solchen Treffen lieber.", sprach die Valar und untergeben verbeugte sich Maricæn ehe auch sie aus dem Saal verschwand.
Wieder lief sie den Gang entlang und verschwand diesmal in ihrem Raum, den sie sich mit Ilmare teilte. Die andere Zofe war noch nicht dort und somit hatte Maricæn noch etwas Zeit für sich. Etwas verwundert über das zuvor geschehene, trat sie an das kleine Fenster, das einen schönen Ausblick über Land und Himmel bot. Was hatte das Treffen bloß bedeutet und weshalb hatte der dunkle Valar sie so interessiert angesehen?
Hatte es etwas für sie zu bedeuten? Konnte sie sich endlich von Varda lösen? Aber sie war noch hier und Melkor war fort. Wie könnte sie herausfinden, ob er genauso über die anderen Valar dachte wie sie und ob es stimmte was er vorhatte.
Denn es klang als hätte er bereits Erfolg mit seinen Plänen, wenn Manwe so besorgt darüber war und war ihr Melkor angenehmer als es Varda oder Ilmare waren.
Die Neugierde packte sie und vor Tatendrang leuchteten ihre Augen auf. Sie sah eine Chance sich an den Valar zu rächen, ihre Stellung aufzugeben und endlich wieder, aus freiem Willen handeln zu können.
Gerade öffnete sie das Fenster, um Melkor hinterher zu kommen, als sich die Zimmertür öffnete und Ilmare hinein trat.
Verwundert sah sie zu der Schwarzhaarigen, wie sie vor dem offenen Fenster stand. Sie wirkte unruhig und wusste Ilmare trotz der wenigen erfreulichen Gespräche die sie untereinander geführt hatten, das Maricæn nie lange still halten konnte und an ihren Zielen Entscheidungen festhielt, was es auch koste. Und genau diesen Ausdruck hatte konnte Ilmare in ihrer Mitstreiterin erkennen, den Ausdruck von Ungeduld und Tatendrang.
"Was hast du vor?", fragte die blonde also etwas besorgt und zog ihre Haube vom Kopf. Lange, leicht gelockte blonde Strähnen, vielen ihr sanft über die Schulter.
"Ich muss nur kurz weg, das sollte dich nicht kümmern.", sprach Maricæn kühl und besah Ilmare mit einem strafenden Blick.
"Maricæn, du kannst zu dieser Zeit nicht einfach verschwinden!", sprach Ilmare leicht erschrocken. Sie war nun die Zofe der Herrin Varda und sollte nicht nach Anbruch der Nacht, draußen gesichtet werden.
"Ich kann. Wenn du mich nicht verrätst oder soll ich Varda das nächste Mal von deinen kleinen Ausflügen aufs Dach erzählen?" Schelmisch grinste Maricæn zu der blonden Frau hinüber, die sie nun durch geweitete Augen ansah.
"Woher weißt du das?", fragte sie erschrocken und konnte ihre Bestürzung nicht verstecken. Wie konnte Maricæn ihr nur damit drohen. Wo sollte sie sonst ihrer Natur nachkommen?
"Ilmare die manchmal Lichtspeere vom Nachthimmel wirft, die schönste und höchste Maiar.", sprach Maricæn spöttisch und wurde nur noch verletzt von Ilmare angestarrt. Wie Maricæn es hasste wenn sich diese Valar und hohen Maia aufplusterten. Sie war lediglich Maricæn, die Herrin der Dämmerung und Schatten. Weder eine der Mächtigsten, noch als eine der schönsten wurde sie bezeichnet.
Aber das konnte sich ändern. Melkor durfte noch nicht weit gekommen sein...
"Also lass mich gehen und ich behalte es für mich.", sprach Maricæn weiter und konnte von Ilmare nur noch ein grimmiges Nicken erkennen.
Wenn Varda erfuhr das Ilmare ihren Dienst vernachlässigte um Lichtspeere vom Himmel zu werfen, würde sie in der Gunst der Herrin sinken und dies wollte sie auf keinen Fall. Waren sie wie eine Familie geworden und auf einmal kam diese schwarzhaarige Maiar und vernichtete jegliche Harmonie.
Ohne ein weiteres Wort sprang Maricæn auf das Fenster und sah abschätzend hinab.
Sie befanden sich einige Stockwerke vom Boden entfernt doch dies tat nichts zur Sache. Kraftvoll stieß Maricæn sich ab und ehe sie den Boden erreichen konnte, war sie in einer riesigen Rauchwolke verschwunden. Gleißend staubte der Rauch voran und durch den seichten Staub suchte sie die nahe Umgebung ab. Sie wusste nicht wieso aber konnte sie jeden finden, der sich verborgen halten wollte. Sie hielt es nur für einen wiederkehrenden Zufall aber als sie eine dunkle Gestalt am Fuße des Berges erkannte, wusste sie das es ihre Gabe war, die ihr zusätzlich gegeben wurde. Somit sah sie diese auch als weiteres Zeichen an, Melkor noch einmal sprechen zu müssen.
Er hatte sie bereits bemerkt und wartete gespannt, bis sie vor ihm landete und der Rauch um sie herum, wieder verschwand.
Abwartend sah er zu ihr und musterte sie erneut interessiert.
"Was führt euch zu mir?", sprach er, so ruhig es ihm gelang, nachdem ihn sein Bruder erneut versucht hatte, von seinen Plänen abzubringen.
"Ist es wahr was Manwe über euch erzählt.", fragte sie beinahe neugierig wie ein kleines Kind. Schnell versuchte sie sich zurückzunehmen, um nicht zu euphorisch zu klingen.
Er musste leicht schmunzeln.
"Das kommt auf seine Wortwahl an, er mag es bestimmte Angelegenheiten etwas annehmlicher zu umschreiben. Ich bin eher für das direkte.", sprach er stets mit einem hinterlistigen grinsen auf den Lippen. Er hatte ihre Neugierde in der Stimme bemerkt und der Gedanke gefiel ihm, das nicht nur er, seine eigenen Vorstellungen hatte und sie umsetzen wollte, entgegen Erus Vorstellung. Und wenn er seinen Bruder damit ein wenig mehr reizen konnte, indem er die Zofe seiner Frau abwarb, gefiel ihm der Gedanke noch mehr.
Maricæn musste ebenfalls verschmitzt grinsen.
"Auch ich mag es lieber schnell zu handeln, anstatt zu warten, bis man herausfindet was der andere einem Umschreibt.", stimmte sie also mit ein.
"Ihr seid eine Zofe? Ihr wirkt gar nicht so förmlich und geziemt wie es euren Rang entspricht.", brachte er sein Erstaunen heraus und mit der Antwort, wurde sein Interesse an ihr nur noch mehr geweckt.
"Ich sehe mich nicht eines niederen Ranges.", sprach sie leicht verärgert, "Es war nicht meine Entscheidung eine Zofe zu werden. Ich warte noch auf ein besseres Angebot."
Eine kurze Zeit schwiegen sie, indem Melkor sie weiterhin musterte. Sie schien brauchbar zu sein und wenn sie ihm ohne weiteres Folgen würde, war es ihm recht.
"Vielleicht besucht ihr mich in meiner Festung Utumno, ihr seid willkommen.", sprach er also, ehe er sich wieder umdrehte und mit seinem Begleiter in einer Dunkelheit verschwand, die ihn stets zu umgeben schien.
Zufrieden sah Maricæn ihm nach, ehe sie sich wieder zurück in ihre Kammer begab. Unter zusammen gekniffenen Augen sah Ilmare sie an.
"Ich hoffe du hast nichts angestellt.", sprach sie zu Maricæn, stets in ihrem Belehrenden Tonfall, "Aber sei gewarnt. Jetzt wo du Zofe bist, beobachtet man dich. Und du solltest dir keinen Fehler erlauben."
Maricæn schnaubte nur abfällig und begab sich zu ihrem eigenen Bett.
"Würde es dich nicht freuen, wenn ich endlich verschwinde?", fragte Maricæn einfach zu glücklich über ihren Erfolg, sodass sie weniger vernichtend klingen konnte.
Der fehlende Ernst ließ Ilmare jedoch noch besorgter werden.
"Ich wollte es dir nur sagen." Ohne ein weiteres Wort verkroch sich Ilmare wieder unter ihrer Decke und schlief nach kurzer Zeit bereits ein.
Maricæn schüttelte nur unbekümmert den Kopf. Wie wollte Varda sie denn davon abhalten?
Sie würde sich schon bald nach Utumno aufmachen, das wusste sie.
Doch ahnte sie nichts von den stets wachsamen Valar und den ohnehin misstrauischen Manwe ihr gegenüber.
