Kapitel 2

"I'll take a risk, take a chance, make a change and breakaway."

"Maricæn!
Du wirst im Salon gebraucht."
"Maricæn, was soll ich hiermit machen?"
"Maricæn?
Die Herrin braucht ihren Mantel."
"Maricæn...
Die Vorhänge sollen zugezogen werden aber sie klemmen. Was soll ich jetzt machen?"
"Maricæn! Die Blumen haben eine eigenartige Farbe..."
"Maricæn...Also, ich... ich brauche...", abrupt wurde das Dienstmädchen unterbrochen, als Maricæn sich zornig zu ihr umsah.
Seid sie zur Zofe ernannt wurde, häuften sich ihre Pflichten und ständig schien jemand ein Problem zu haben, um das sich Maricæn kümmern musste. Es lag nun in ihrer Verantwortung, das die Dienstdamen und Herren, ihre Arbeit vernünftig ausführten und nebenbei müsste sie den Anforderungen ihrer Herrin nachkommen.
Obwohl sie gelernt hatte wie sie sich zu benehmen hatte, konnte sie nicht länger ruhig bleiben, wenn ihr von allen Seiten jemand Fragen stellte.
Die Damen schwiegen als sie Maricæns vernichtenden Blick sahen und erleichtert über die Stille atmete Maricæn aus.
"Nun gut.", sprach sie um Ruhe bemüht und sah sich zu den einzelnen Dienstboten um die sie belagerten, "Die Vorhänge bleiben geschlossen, heute wird niemand das Zimmer betreten. Die Kanne stellst du zu den Gläsern und anderen Gefäßen in die Küche, die Blumen sind verwelkt, wirf sie weg und besorgt andere, am besten Lilien, den Mantel hole ich sofort und sehe dabei im Salon vorbei. Und Skaya frag am besten Ilmare, vielleicht bekommst du dann ein Wort zustande."
Hastig verteilte sie ihre Befehle bedacht und taktisch an die einzelnen Personen im Rang unter ihr, welche sofort verschwanden und taten was ihnen gesagt wurde.
Entnervt strich Maricæn sich einmal über das Gesicht und versuchte sich zu entspannen und vor allem sich unter Kontrolle zu haben. Als Zofe durfte sie nicht laut vor den Herrschaften werden, obwohl sie es nur zu gern getan hätte. Aber anscheinend hatte ihre Ausbildung doch ihre Wirkung hinterlassen.
Umso eher sie hier weg kam, desto besser. Noch an diesem Tag würde sie verschwinden und Varda hoffentlich nie wieder sehen. Nun würden sie keinen Verdacht mehr schöpfen, als wenn sie gleich bei ihrer Ernennung als Zofe floh, sie würden sie als Feige und Unfähig bezeichnen, dass konnte sie nicht zulassen.
Also musste sie diesen einzigen Tag noch aushalten und sich um Ruhe bemühen, um die leichte Überforderung nicht zu zeigen.
Sie trat in den Salon, der bis auf zwei Hausmädchen leer war. Diese schienen sich untereinander zu streiten, anstatt ihren Pflichten nachzukommen.
Bestimmend trat Maricæn zu ihnen und riss sie grob voneinander weg.
"Worum geht es?", fragte sie streng und umklammerte die Schultern der beiden Frauen immer fester, um sie zu einer Antwort zu zwingen.
Schmerzhaft verzogen beide das Gesicht, wehrten sich aber nicht und versuchten nicht Maricæns Hand von ihren Schultern zu entfernen. Dazu stand Maricæn zu weit über ihnen. Obwohl Maricæn gelernt hatte, das man auch die unteren Dienstdamen gut behandeln sollte um sich ihren Respekt zu gewinnen, wusste sie wie naiv und aufmüpfig diese Hausmädchen sein können. Bevor sie ihr also etwas vorlügen, griff sie zu härteren Mitteln.
"Sprecht!", forderte sie also erneut und mit einem Schmerzverzerrten Gesicht, fing die korpulentere von ihnen an zu sprechen. "Limué hat die Vase zerbrochen, als sie diese putzen wollte und behauptet nun es sei meine Schuld gewesen."
Streng wurde Limué gemustert, sowohl von dem anderen Hausmädchen als auch von Maricæn. "Das ist nicht wahr! Sie hat versucht den Ring auf dem Tisch zu stehlen und als ich dies entdeckte, stieß sie vor Schreck die Vase um.", verteidigte sich Limué und deutete energisch auf die korpulente Frau vor sich.
"Was für einen Ring? Ich habe lediglich den Boden gewischt, als ich dort Schmutz bemerkte und neben mir auf einmal eine Vase zersprang.", sprach die andere wieder und verzog trotzig das Gesicht.
Maricæn stutzte als sie auf den kleinen Tisch sah, vor dem nun bunte Scherben lagen. "Und wo ist nun der Ring?", fragte sie an Limué gewandt und ließ ihre Hände von den Schultern der Hausmädchen sinken. Limué kramte kurz in ihren Taschen und übergab Maricæn einen goldenen Ring bestückt mit roten Rubinen. Ein sehr wertvolles Schmuckstück.
"Ich habe ihn schnell verwahrt, ehe sie ihn erneut stehlen konnte.", erklärte Limué mit einem finsteren Blick zu dem anderen Hausmädchen.
"Ich habe ihn nicht gestohlen. Da war kein Ring auf dem Tisch!", brach sie verzweifelt heraus und fuchtelte wild mit den Armen herum, um ihre Frustration über die Anschuldigungen zum Ausdruck zu bringen.
"Wo soll er sonst hergekommen sein. Ich habe es doch gesehen.", beharrte aber Limué und sah die andere nur noch intensiver an, um ihr ein Geständnis abzuverlangen.
"Jetzt seid endlich still!", rief Maricæn dazwischen und wieder hatte sie ihre Fassung verloren.
Leicht zornig ergriff sie Limué bei den Schultern und schob sie von der anderen weg.
"Gehe hinunter und hilft in der Küche die Abfälle zu entsorgen. Ich werde es fürs erste dabei belassen, da der Ring wieder zur Herrin gelangt. Nun geht.", sprach Maricæn streng zu Limué und diese trat beschämt, mit gesenktem Blick aus dem Salon.
Hatte Limué versucht einen Ring zu stehlen und es nun der anderen anzuhängen, um überzeugendere Argumente gegen sie vorzubringen. Nur verriet genau dies sie.
Hatte auch Ilmare sie des öfteren gesehen wie Limué etwas stehlen wollte, es im Nachhinein aber nicht beweisen können, wie auch Maricæn es nun nicht konnte.
Sie sah sich zu der anderen Dienstdame um, die ergeben ihren Kopf gesenkt hatte.
"Ihr hebt die Scherben auf und geht dann ebenfalls hinunter. Und versucht in nächster Zeit euren Kopf oben zu behalten.", sprach Maricæn leicht amüsiert zu der korpulenten Dame, die sich sofort daran machte, die Scherben zu entfernen.
Mit schnellen Schritten trat auch Maricæn wieder aus dem Salon und entdeckte einen der höheren Diener, der erschrocken zurück wich und seinen Blick starr geradeaus hielt, als Maricæn schwungvoll aus der Tür trat.
Ihr war schon aufgefallen wie der dürre Junge hinter dem korpulenten Hausmädchen hersah und sie schien somit den Schuldigen entdeckt zu haben.
"Ihr wisst, dass es eine teure Vase war, nicht wahr?", fragte Maricæn, nicht ohne ein kleines schmunzeln verkneifen zu können.
Ertappt zuckte der Junge zusammen und lief leicht rot an.
War er wohl von dem Anblick der herab gebeugten Dienstdame so abgelenkt, dass er den Tisch angestoßen hatte auf der die Vase stand, die daraufhin zerbrach.
"E-es war ein versehen.", stotterte er und es gefiel Maricæn wie sie von allen mit solchem Respekt behandeltet wurde und sie fürchten konnten. Sie ertappte sich dabei, wie sie es sich noch einmal durch den Kopf gehen ließ, ob sie wirklich zu Melkor gehen sollte... Sie konnte auch hier ihre Vergeltung ausüben und unwichtige Dienstboten in die Enge zwängen.
Doch so schnell dieser Gedanke gekommen war, verwarf sie ihn wieder. Sie hatte kein Interesse daran den Jungen zurechtzuweisen und zu strafen. Was nützte es ihr sie einzeln fertig zu machen, wenn sie bald in der Lage war, alle zu unterjochen. Ja sie wollte mehr, die Macht zu herrschen, über allen stehen und sich nicht nur mit dem bestrafen von Dienstdamen und Herren vergnügen.
"Geht einfach. Wen interessiert schon eine Vase.", sprach sie leicht desinteressiert zu dem Jungen und sofort lief er davon, wollte er nicht abwarten bis sie es sich nochmals überlegte. Maricæn musste für die Vase sowieso nicht mehr aufkommen, wenn Varda die Burg verließ, würde auch sie verschwinden.
Seufzend lief sie weiter, bis sie in der Halle ankam in der Varda bereits ungeduldig auf sie wartete. Schnell zog Maricæn den Mantel aus dem Schrank, der auch für Gäste an der Wand des Empfangssaales stand und trat mit schnellen Schritten zu Varda.
"Da bist du ja endlich, ich dachte schon du wärst verschollen.", sprach Varda streng aber dennoch leicht heiter zu Maricæn.
"Verzeiht, ich musste auf dem Weg noch einiges klären.", sprach Maricæn leicht aus der Puste und half Varda in ihren weißen schimmernden Mantel.
Schnell verbeugte sie sich als Manwe erschien, der anscheinend mit seiner Gemahlin die Burg für einige Zeit verlassen wollte. Maricæn wusste nicht genau wohin sie wollten aber sollte es nicht weit entfernt sein. Sie durfte zum Glück nicht mit, da es ein geheimes Treffen war und man ihr dafür noch zu wenig vertraute.
Besonders Manwe schien sie in dem Augenblick skeptisch zu mustern. War ihr etwas entgangen?
"Ihr seht gestresst aus.", stellte er trocken fest, behielt sie aber weiterhin im Auge. Varda bedachte ihn mit einem strengen Blick, der ihn zum schweigen bringen sollte, er diesen aber gewollt übersah.
"Vielleicht wäre es besser wenn Ilmare für heute die Arbeit übernimmt und Maricæn sich für heute frei nimmt.", sprach er weiter und hatte anscheinend Sorge, das seine Burg in Chaos untergehen könnte, wenn er Maricæn hier alleine die Kontrolle überließ.
Maricæn musste ein freudiges grinsen unterdrücken. Das käme ihr nur gelegen, würde es noch weniger auffallen wenn sie dann plötzlich verschwand.
"Mein Kammerdiener wird auf sie achten, sodass sie nicht wieder ausreißt. So etwas gehört sich nicht als Zofe, besonders dann nicht, wenn wir nicht da sind. Sagen wir als Schutz, damit nicht alles in Chaos verfällt, allein durch unsere Abwesenheit.", setzte er allerdings noch hinzu und sah Maricæn streng an. Ihr Blick verfinsterte sich leicht vor Zorn. Nicht nur weil er sie wie ein kleines Kind zurechtwies und durch einen Kammerdiener beschatten wollte, sondern auch weil Ilmare recht behalten hatte. Sie wurde gestern Abend gesehen oder hatte Ilmare sie doch an die Herrschaften verraten?
"Jetzt beruhig dich. Ich denke es gab einen triftigen Grund dafür, alleine abends die Burg zu verlassen. Nicht wahr Maricæn?", verteidigte Varda sie und sah freundlich zu der Zofe hinüber. Maricæn schien etwas ertappt und murmelte nur ein: "Ja, selbstverständlich."
Natürlich wollten beide nun den Grund wissen und sahen sie weiterhin abwartend an. Dies hatte Maricæn nicht vorhergesehen. Sie konnte die Wahrheit nicht sagen, man würde sie wegsperren und auf jeden Fall versuchen sie davon abzuhalten sich Melkor anzuschließen. Denn sie hatte gesehen wie beide auf Melkors Einstellung reagiert hatten und das sie selbst seine Ansichten unterstützen wollte, würden sie nie gut heißen. Dies machte Maricæn erneut wütend. Als brauchte sie ihre Zustimmung und würde zugleich bestraft, wenn sie diese überging. Zudem schienen beide sie für unfähig zu halten. Nicht mal einen Tag als Zofe konnte sie arbeiten und sofort wollte man ihr ihren Dienst wieder nehmen. Nun gut mit ihren Plänen passte ihr das sehr gut, war aber dennoch beleidigend.
Und sie war keineswegs unfähig! Sie fühlte sich ihnen ebenbürtig und wollte auch so behandelt werden.
Genau wir damals haben sie auch jetzt nicht das Recht, für sie Entscheidungen zu treffen.
Als Maricæn in das freundliche und aufmunternde Gesicht von Varda sah und dann zu dem misstrauischen und an ihr zweifelnden von Manwe, konnte sie sich erneut nicht unter Kontrolle halten.
"Wen kümmert es schon wo ich letzte Nacht war. Ihr glaubt sowieso ich bin unfähig irgendetwas zu bewältigen. Wenn ihr glaubt das Ilmare das so viel besser hinbekommt, dann bitte lasst sie es doch wieder übernehmen! Ich brauche eure Hilfe nicht! Und nun geht, da ihr mir nicht einmal genug traut um mich mit zunehmen.", mit diesen strengen und wütenden Worten, drehte sich Maricæn um. Sie wusste das sie damit zu weit gegangen war, das man es ihr nicht verzeiht und sie den Titel als Zofe wohl nicht mehr lange innehaben würde aber in dem Moment war ihr das sowas von egal. Wenn es sein musste, würde sie diese beiden mit Melkor zusammen einfach überrennen. Sie brauchte sie nicht mehr, sie konnte sich nun endlich aus den Zwängen lösen und sich an allen Valar rechen.

Erschrocken sahen Varda und Manwe der kleinen Maia hinterher als sie stürmisch in der Burg verschwand.
Als erstes fasste sich Varda wieder.
"Siehst du was du angestellt hast. Sie fühlt sich übergangen. Hoffentlich bist du jetzt zufrieden, da du erreicht hast was du wolltest. Ilmare wird für heute alles übernehmen. Ich hoffe das Maricæn morgen wieder besser gelaunt ist." Leise seufzte Varda und schien diese Dreistigkeit von Maricæn zu übersehen.
Manwe sah Varda nur verständnislos an.
"Ich weiß nicht was du in ihr siehst? Sie ist unverschämt und vorlaut, keine Eigenschaft die für eine Zofe geeignet ist.", sprach er als beide sich umdrehten, um die Burg zu verlassen.
"Ich wollte ihr nur aus ihrer Trauer helfen. Ihre Tätigkeit schien sie zu belasten und ich habe gehofft, sie könnte hier glücklicher werden.", seufzte Varda erneut und trat ebenfalls aus der Burg.

Maricæn hatte genug von dieser Burg und dessen Inhaber. Lange Zeit hatte sie es erduldet und sich als Zofe versucht aber es war allein Vardas und Yavannas schuld, dass sie hier gelandet war. Niemand hatte nach ihrer Meinung gefragt und selbstverständlich hörte man auch jetzt nicht auf sie.
Sie verabscheute die Valar und wollte nur noch hier weg. Sie rauschte durch die Gänge ohne darauf zu achten, wen sie währenddessen über den Weg lief, sodass sie plötzlich in Ilmare hinein lief. Nicht auch noch sie, seufzte Maricæn innerlich. Als sie in das freundliche und erschrockene Gesicht von Ilmare sah, konnte sie nur genervt mit den Augen rollen. Ilmare war nicht besser wie Varda. Hilfsbereit und allwissend. Auch sie hätte Maricæns Leben zerstört ohne zu fragen ob dies überhaupt genehm war, nur in dem Glauben, zu helfen. Sie musste hier eindeutig weg, so lange hatte sie auf so eine Chance gewartet und hatte nun alles Recht, unverfroren zu sein.
Abfällig schnaubte Maricæn als Ilmare sie besorgt musterte.
"Was ist passiert?", fragte sie mit sanfter Stimme und versperrte Maricæn den Weg.
"Glückwunsch, du darfst wieder die Zofe sein und nun lass mich vorbei.", sprach Maricæn immer noch leicht gereizt und wollte Ilmare zur Seite schieben, doch diese drängte Maricæn wieder besorgt zurück.
"Wie meinst du das? Wurdest du von hier verstoßen?", fragte sie etwas ungläubig. Maricæn seufzte. Sie war nun endlich frei und konnte machen was sie wollte, ohne gleich bestraft oder abfällig gemustert zu werden und dennoch musste sie auf solch unwichtige Fragen reagieren.
"Sprech mit Varda darüber wenn sie zurück ist aber lass mich gehen oder muss ich dich dazu zwingen aus dem Weg zu gehen?!", sprach Maricæn nun drohender. Und obwohl beide wussten, das Ilmare stärker und mächtiger war, ließ sie der strenge Tonfall von Maricæn zur Seite treten.
"Mach nichts unüberlegtes.", sagte Ilmare noch besorgt, als Maricæn an ihr vorbei stürmte, "So wie immer."
Maricæn überhörte dies gekonnt und lief zu dem erst besten Fenster und riss es schwungvoll auf.
Schnell sprang sie hinaus und wurde wieder zu einer einzigen rauchenden Wolke. Sie hatte bereits am Morgen die Karten in Vardas Bibliothek studiert und konnte nun so schnell es ihr möglich war, nach Utumno fliegen.
Das Varda oder Manwe nach ihr suchen würden, störte sie reichlich wenig. Sie konnten ihr nichts mehr anhaben und wenn das stimmte was sie von Melkor gehört hatte, mieden sie ihn so gut es ging. Also würden sie sie dort sowieso nicht finden.
Stille breitete sich über sie aus, als sie über das Land hinweg flog. Ein leichter Nebel hatte sich unter ihr ausgebreitet und verwehrte ihr den Blick auf das was sich darunter befand. Verärgert sah sie hinab. Es war wohl der unpassendste Zeitpunkt an dem sich der Nebel bewegte, dachte sie voller Zorn. Hätte ich noch die Gewalt über ihn, hätte ich ihn sinnvoller heraufbeschworen. Wann war schon Nebel um die Mittagszeit zu sehen, wenn genug Licht erstrahlte konnte man dennoch etwas sehen. Und war es nicht der Zweck des Nebels die Sicht zu behindern? Nicht nur das, auch ihre Familie hatten sie ihr genommen, als wäre es noch nicht genug.
Doch sie schüttelte nur verärgert den Kopf, wollte sich nicht wieder an diesen Tag erinnern. Sie war froh wenigstens ihre Fortbewegungsart behalten zu haben, hasste sie es doch lange Strecken zu Fuß laufen zu müssen.
Es erschien ihr dennoch sehr lange, bis sie die Burg Utumno in der Ferne erkennen konnte.
Dunkelheit umgab sie und ein hier ständig herrschender dunkler Nebelschleier umgab die Burg. Aus kantigen Steinen gebaut, erschien die Burg ihr mächtiger und eindrucksvoller als Vardas Burg auf Taniquetil. Spitz ragten die Türme hervor und dunkel und leicht uneben führten die ersten Stufen in einen finsteren Schlund. Außer einige rote Fackeln war alles ziemlich trist und farblos und erschreckte Maricæn im ersten Moment.
Etwas unsicher landete sie vor den Stufen und sah sich um. Nebel und schwarzer Rauch stieg aus den Felsen um sie herum auf und auch der Himmel war in Bewegung und kreiste in einem leichten Grünschimmer über ihr hinweg.
Es ließ sie leicht erschaudern.
Dennoch musste sie es nun durchziehen, konnte sie nicht mehr zu Varda zurück, was sie auch nicht mehr wollte.
Sie betrat die Treppen und stieg sie langsam und bedacht empor. Rechts und links von sich konnte sie Steinstatuen ausmachen, die mit Schild und Schwert dort wachten.
Mit schweren Schritten erklomm sie schließlich die Stufen und fand sich vor einem schwarzen Tor wieder.
Sie wollte klopfen, als sie schwere Schritte hinter sich vernahm. Schwungvoll drehte sie sich um, gewappnet für alles was kommen konnte.
Es waren zwei der zuletzt aufgereihten Steinstatuen, die sich ihr in den Weg stellten, ihre Schwerter erhoben.
"Was sucht ihr hier?", fragte einer mit einer dumpfen und grollenden Stimme. "Melkor hat mich zu ihm gerufen.", antwortete sie schlicht und sah den Steinsoldaten skeptisch an. Wurde der Stein mit einem Zauber belegt oder war er eine Person die zu Stein verzaubert wurde? Was es auch war, es machte Maricæn irgendwie unruhig.
"Könnt ihr dies beweisen? Wir können nicht einfach jeden hinein lassen.", sprach die Statue weiter und umklammerte sein Schwert fester.
"Lasst mich hinein und ihr seht das ich erwartet werde.", sprach sie streng. Auch wenn ihr diese Situation nicht gefiel, waren es lediglich Statuen, was konnten sie ihr schon anhaben.
Also drehte sie sich einfach von ihnen weg und wollte erneut an die Tür klopfen. Was auch immer so fatal daran war, sie wurde grob herum gerissen und fand sich auf den Boden wieder, mit zwei Schwertern die auf sie zeigten.
"Ihr könnt nicht einfach hinein. Der Herr empfängt heute niemanden.", hielt die grollende Stimme der Statue sie erneut auf. Maricæn seufzte und erhob sich wieder.
"Ich wollte lediglich klopfen aber nun gut, wenn euer Herr heute niemanden empfängt.", sprach sie sarkastisch und wollte sich zum gehen umwenden. Die Statuen senkten gerade ihre Schwerter, als Maricæn sich wieder umwand und mithilfe des schwarzen Rauches an ihnen vorbei rauschte.
Donnernd sprang das schwarze Tor auf und sie landete überrascht in einer, zwar dunkel gehaltenen Eingangshalle aber durch viele Verschnörkelungen und hübsch verschlungene Formen wirkte es zugleich sehr harmonisch, wenn nicht sogar gemütlich. Es passte so überhaupt nicht zu dem äußeren Eindruck, den sie sich von der Burg gemacht hatte.
Sie wurde in ihrem Staunen allerdings unterbrochen, als sie erneut grob am Arm gepackt wurde. Die Steinstatuen waren ihr gefolgt und nicht nur die zwei vom Eingang, auch die anderen die sie auf ihrem Weg zum Tor gesehen hatte, umzingelten sie nun.
Dies wollte sie sich nun aber nicht bieten lassen. Sie war nun frei, niemand hatte das Recht sie so herum zu zerren. Unbemerkt erhob sie ihre Hand mit der Handfläche zum Boden und schwarzer Staub formte sich darin. Innerhalb einer Sekunde hatte sich daraus ein Breitschwert geformt, genauso dunkel wie ihr Haar.
Schwungvoll wand sie sich um und durchschlug den Arm der Statue, die sie festhielt. Der Stein bröckelte zu Boden und erschrocken wich die Statue zurück.
Nun begannen aber die anderen zu handeln und stürmten alarmiert auf sie zu.
Die ersten wehrte sie mit ihrem Schwert ab, doch war sie keine gute Schwertkämpferin, weshalb sie sich erneut in schwarzen Rauch hüllte und somit den Schwerthieben auswich.
Sie umkreiste die Gruppe von Statuen und hüllte sie währenddessen selbst in Finsternis.
Dunkler Rauch stieg vom Boden auf und ließ die Statuen orientierungslos ins nichts schlagen. Nicht wenige trafen dabei ihre Mitstreiter.
Dann begann der Rauch zu zittern. Funken sprangen hervor und kleine blaue Blitze waren darin zu erkennen. Es zerbarst den Stein und hilflos vielen diese zu Boden. Einige waren dem Rauch allerdings entkommen, diese packte Maricæn von hinten und trennte sie von ihren steinernen Köpfen, sodass diese bröckelnd zu Boden vielen.
In dieser Aufruhr bemerkte sie nicht, wie jemand die Treppe hinab stieg und interessiert das Geschehen beobachtete.
Sie duckte sich unter einem hieb hinweg, ehe sie die Statue schwarzen Staub ins Gesicht warf, der daraufhin erschrocken zurück taumelte und von Maricæn vernichtet wurde.
Außer Atem landete sie in der Mitte des Raumes. Der Rauch um sie verschwand und gab zerbarstene Steine am Boden preis.
Es war schwer auszumachen was die Steine zuvor darstellen sollten.
Etwas erschöpft wand sie die Steine am Boden und betrachtete ihr Werk. Als sie jedoch ein Lachen vernahm, sah sie auf und erkannte eine dunkle Gestalt die am Ende einer Treppe stand, die hoch in die Burg führte. Amüsiert sah Melkor zu ihr hinab, wurde daraufhin aber schlagartig wieder ernst.
"Ich hatte euch so schnell nicht erwartet.", sprach er ausdruckslos und trat gemächlich die Treppen zu ihr hinab.
"Ich hatte es nicht länger ausgehalten und hoffe hier eher meine Erfüllung zu finden.", sprach sie ebenfalls ernst und verfolgte ihn mit einem aufmerksamen Blick.
"In der tat, das werdet ihr, ich verspreche es euch. Ihr werdet nicht auch von hier heimlich verschwinden. Eure Erfüllung ist gewiss.", sprach er und ein finsteres Grinsen breitete sich aus, das die falschen Versprechen überdecken sollte. Er wusste nun, dass er auch Maricæn nicht trauen konnte und er sie davon abhalten musste, dass sie wie aus Taniquetil auch von hier verschwinden konnte, wenn sie herausfand, was er wirklich vorhatte.
Maricæn dahingegen war zu begeistert sich nun endlich hier wieder zu finden, und vor einem Valar zu stehen, ohne sich verbeugen oder sonst wie untergeben zeigen zu müssen, das sie seinen verdächtigen Unterton nicht bemerkte.
Begeistert musterte sie ihn, wie er zu den zerfallenen Statuen trat und diese wieder amüsiert betrachtete.
"Somit möge unsere Zusammenarbeit beginnen und uns Erfolg versprechen.", sprach er immer noch heuchlerisch und sah zu Maricæn.
Doch Maricæn war auf einmal davon überzeugt alles erreichen zu können, allein durch die untergebene Haltung von einem Valar ihr Gegenüber, überzeugte sie davon.
Weshalb sie nur freudig grinste und ihre Augen gefährlich aufblitzen ließen, als sie mit Melkor in der Burg verschwand.

Was ihr diese naive Einstellung im Nachhinein bringt, wird sie noch früh genug Erfahren.