Kapitel 4

"People make mistakes and fall, but it's the way they make amends that defines them."

An diesem Tag war sie ruhelos. Tausendmal lief sie die langen Gänge auf und ab und war tief in ihren Gedanken versunken.

Am Morgen hatte ihr Melkor ihre Aufgabe verkündet. Es war nicht viel aber es machte ihr zu schaffen, dass er sie anscheinend so unter Kontrolle zu haben schien, dass er ihr nur diese kleine Aufgabe als Beschatterin gab. Er unterschätzt mich, dachte sie zornig und lief einen weiteren Gang mit großen Schritten hinab. Sie war hier um die Valar zu zerstören ihr ihre gesamte Wut entgegen zu bringen und sie durfte nichts weiter machen als sie im Auge behalten? Wozu? Was hatte Melkor vor? Sie wusste es nicht und er ist auch geschickt ihren Fragen ausgewichen, sodass sie fast genauso viel wusste, wie vorher.

Ich brauche einen Plan, ich brauche einen guten Plan. Dachte sie, während sie umkehrte und den Gang wieder hinab lief. Sie brauchte die Kraft die Melkor besaß, die Armee, die Gefolgschaft aber dafür musste sie Melkor aus dem Weg räumen. Wie konnte sie dies bitteschön erzielen?

Sie wollte doch nichts weiter als die Aufmerksamkeit der Valar, das sie ihr zuhörten und ihnen zeigen was sie ihr angetan haben. Wie es sich anfühlte so beraubt zu werden.

Sie könnte dies aber nicht alleine schaffen. Wen kannte sie gut genug der ihr beim Sturz von Melkor helfen konnte und ihr dann auch den Platz überlassen würde? Eigentlich kannte sie niemanden aber wenigstens jemand der genug Informationen hatte und anscheinend auch nicht ganz zufrieden mit der Herrschaft war.

Nun endlich hatte sie etwas mehr Klarheit in ihre Gedanken gebracht und somit beendete sie auch ihr auf und ab Gelaufe und schlug eine bestimmte Richtung ein.

Sicher war sie sich nicht ob es die Richtige Entscheidung war aber ihr war klar, dass sie Hilfe benötigte und zwar von jemanden der Melkor und seine Machenschaften bis Gewohnheiten besser als sie kannte. Zaghaft klopfte sie an der schweren Holztür und wartete ob sich auf der anderen Seite der Tür etwas regte. Erst nach einer Weile konnte sie schwere Schritte vernehmen, als wollte derjenige warten bis sie von allein verschwand aber sie hielt eisern an ihrer Entscheidung fest.

Dann hörte sie ein leises klick und die Tür öffnete sich langsam. Innen war es dunkel und sie konnte nicht viel erkennen, besonders da die Tür nur zur Hälfte geöffnet wurde.

„Ich muss mit dir reden. Kann ich reinkommen?", fragte sie schließlich da ihr Gegenüber wohl nichts zu sagen hatte und sie achtete darauf sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen.

Die Tür wurde weiter geöffnet und somit konnte sie eintreten. Sie fuhr erschrocken zusammen als er die Tür hinter ihr zuknallte.

„Was willst du hier?", fragte er verärgert über ihr erscheinen und sie trat ein paar Schritte sicherheitshalber zurück. Dann fand sie sich wieder und unterdrückte das unbehagliche Gefühl, das sich in ihr breit machte, als ihr klar wurde, dass sie alleine mit ihm in diesem finsteren Zimmer war. Es war schon fast unmöglich ihn zu erkennen.

Sie trat mit erhobenem Kopf zu einer der Kommoden und strich über das glatte Material, bis ihre Fingernägel darüber kratzten und es einen leichten schleifenden Ton von sich gab.

„Ich hätte ein Angebot das ich dir ausbreiten möchte, Sauron.", sprach sie schließlich und sah in die Richtung in der er stehen musste. Er gab ein abfälliges schnauben von sich.

„Was willst du mir anbieten können?", fragte er mit einem unglaubwürdigen Tonfall. Sie wartete einen Moment bis seine respektlose Einstellung verschwand und er halbwegs wieder ernst zuhörte.

„Ich finde es ist Zeit für eine Veränderung. Zum besseren. Auch für dich würde etwas heraufspringen. Du musst nur zustimmen, mir zu helfen und mich nicht zu verraten." Sie sah ihn abwartend an und meinte ein leichtes amüsiertes lächeln auf seinen Lippen erkannt zu haben.

„Meinst du ich meine es nicht ernst?", fragte sie scharf nach und sein Lächeln verschwand.

Bedrohlich kam er ein paar Schritte auf sie zu. Sie wich zurück und stieß dabei an die Kommode hinter sich.

„Wieso sollte ich dir helfen und besonders, wieso sollte ich dir überhaupt zuhören? Was auch immer du zu sagen hast, lass es lieber. Glaub mir, vermissen würde dich keiner also lass es nicht darauf ankommen.", zischte er und griff grob nach ihrem Arm und schleuderte sie in Richtung Tür. „Und besonders lasse ich mir nichts von dir Befehlen also verschwinde!"

Er öffnete die Tür und schupste sie hinaus. Sie strauchelte kurz, ehe sie ihr Gleichgewicht wieder fand. Schnell drehte sie sich wieder um und stütze sich gegen die Tür, um ihn daran zu hindern, sie zu schließen.

„Aber wenn es eine Möglichkeit ist, mit der du nie wieder befehle entgegen nehmen musst.", sprach sie schnell und hoffte ihn umstimmen zu können. Sauron schien langsam zu verstehen was in ihrem Kopf zu schwirren schien. War ihr die ganze Aufmerksamkeit von Melkor zu Kopf gestiegen und machte sie nun übermütig? Er sah keine andere Erklärung dafür. Nur einen Ausweg über den er zuvor schon gegrübelt hat. Einen Ausweg sie loszuwerden.

„Du möchtest Melkor persönlich von seinem Thron stoßen?", fragte er also vorsichtshalber nach, um auch alles Richtig gedeutet zu haben.

„Und ich brauche deine Hilfe. Ich weiß wo seine Schwachstelle ist und du kennst seine Gewohnheiten und natürlich würde auch für dich eine Menge dabei herausspringen."

„Seine Schwachstelle.", grübelte er. „Sag mir seine Schwachstelle und ich denke über dein Angebot nach."

„Ich brauche eine Antwort jetzt und das du mich nicht verrätst."

„Nein wieso sollte ich. Sag mir nur, wie du es anstellen möchtest.", sprach er hinterlistig und hoffte sie wäre dumm genug es ihm zu erzählen.

„Nun gut. Ich bin mir ziemlich im Klaren wie Mächtig und stark Melkor ist aber seine Schwachstelle ist, das er sich selbst dafür hält und sich für unbezwingbar. Er wird leichtsinnig wenn er sich in seinen eigenen Hallen aufhält und würde nicht mit einem Angriff von innen rechnen.", sprach sie schon fast zu enthusiastisch. Sauron musste ein schmunzeln unterdrücken.

„In Ordnung, ich werde dir helfen. Lass mich nur noch wissen wann und wo.", fragte er.

Maricæn musste leicht schmunzeln. Nun fühlte sie sich noch siegessicherer als zuvor.

„Heute hat mich Melkor um einen kleinen Auftrag gebeten. Wenn wir erfolgreich zurückkehren, ist das der beste Moment ihn zu stürzen.", flüsterte sie nun, „Er fühlt sich dann noch stärker und mächtiger, sodass wir ihn wenn er alleine ist überwältigen können. Ich muss nur wissen, wo wir ihn alleine antreffen können und wo ihm niemand so schnell zur Hilfe kommen kann."

„In seinem Thronsaal sitzt er hin und wieder und niemand darf ihn betreten wenn er niemand empfängt. Wenn er zurück kehrt wird er sich dorthin begeben um seinen nächsten zug zu planen."

„Dann ist dies unser Wo und Wann.", sprach Maricæn immer noch mit einem breiten grinsen auf den Lippen. Die Eile und die Ungeduld trieb sie an und brachte sie dazu zu handeln. Sie hatte lange genug von Melkor gelernt und getan was er gesagt hatte, ohne auch nur einen seiner vernichtenden Züge von denen er immer erzählte mit erlebt zu haben. Nun wird es Zeit das sie die Dinge in die Hand nahm.

„Also kann ich auf dich zählen? Und versuch es geheim zu halten.", sprach sie und besah ihn mit einem ernsten Blick.

Er nickte nur und grinste leicht. Was er sich eigentlich dabei dachte, blieb Maricæn verborgen und somit dachte sie auch nicht weiter darüber nach. Sie drehte sich um und verließ den Flur, um sich in ihr eigenes Zimmer zu begeben und sich auf die folgende Aufgabe vorzubereiten.

„Hast du etwas interessantes herausgefunden?", fragte Melkor mit einer distanzierten und kalten Stimme. Sauron trat vor und verneigte sich kurz ehe er sprach.

„In der Tat. Unsere kleine Maia hat ihre eigenen Pläne entwickelt. Anscheinend bekommt ihr diese Freiheit nicht und sie wird übermütig.", sprach Sauron und wieder erschien ein leichtes vorfreudiges grinsen auf seinen Lippen.

„Sprich. Was hat sie vor?", fragte Melkor und nun war seine neugierte etwas geweckt.

„Sie glaubt daran euch stürzen zu können und euren Platz einzunehmen. Sie glaubt ihre werdet unachtsam wenn ihr in eurer eigenen Burg seid und würdet nicht an einen Angriff von innerhalb erwarten. Wenn ihr heute zur Burg zurückkehrt, will die euch in eurem Thronsaal überwältigen.", erklärte Sauron und obwohl sie teilweise recht hatte, das Melkor unvorsichtiger in seiner Burg war, hatte auch er vorgesorgt, da er ihr nicht vertrauen konnte und wäre auch ohne Sauron darauf gekommen. Denn es ist nicht so, dass auch Sauron gerne seine eigene Herrschaft besäße aber dieser Plan war einfach zum Scheitern verurteilt, noch bevor er ausgesprochen war.

„Wie hast du davon erfahren?", fragte Melkor weiter und schien leicht in Gedanken zu sein.

„Ich habe gehört wie sie mit einen der Wachen über eure Rutine sprach um heraus zu finden wann sie euch alleine antreffen kann.", log er, doch schien ihm Glauben zu schenken, zudem es nicht sehr wichtig schien. Doch war es besser nicht persönlich daran beteiligt zu sein. Man könnte seinen Loyalität in Frage stellen, selbst wenn er nun alles berichtete, könnte es teil des Plans sein und Sauron wollte einfach nicht das Risiko eingehen, damit in Verbindung gebracht zu werden.

„Du weißt was ich gesagt habe, falls sie aus der Reihe tanzt. Dies steht immer noch fest und weitere Gedanken würde ich mir nicht über sie machen."., sprach Melkor wieder abwesend und deutete Sauron mit einer Handbewegung zu verschwinden.

Sauron verbeugte sich wieder und ließ Melkor allein zurück mit seiner Streitmacht.

Wenn sie also versucht zu fliehen, hast du die Erlaubnis sie mit allen möglichen Mitteln zurückzuholen oder zu strafen.' hallten Melkors Worte in seinem Kopf wieder. Nur das sie nicht vorhatte zu fliehen, er aber dennoch die Erlaubnis hatte sie zu strafen. Was genau er mit ihr anstellen wollte, musste er noch genauer Bedenken.

So ging er zufrieden in seinen Raum zurück und musste sich keine Sorgen mehr um die schwarzhaarige Maia machen, die ihn persönlich in Melkors diensten zurückgestellt hatte, nur um die Täuschung echt aussehen zu lassen, das man ihr vertraut und die Anerkennung gab, nach der sie zu suchen schien. Aber Sauron wusste, das Melkor sie bald öfters brauchen würde, da sie unschuldig und harmlos aussah, sodass es das perfekte Trugbild abgab. Niemand würde erahnen, dass sie unter Melkors Gefolgschaft stand. Er selbst würde dann in den Hintergrund rücken. Das durfte er nicht zulassen, besonders wenn man bedenkt dass es nur ein kleines unfähiges Mädchen war.

Maricæn war bereit. Bereit Melkors Anforderung ein letztes Mal Folge zu leisten, ehe sie ihn für immer verdammte und selbst seinen Platz einnahm.

Ehrlich gesagt war ihr etwas mulmig zumute, wenn sie daran dachte, die Valar beschatten zu müssen. Hätte sie jetzt bereits eine Armee würde sie sofort auf sie zustürmen aber still und heimlich die Beobachterin spielen, ging ihr noch mehr gegen Strich als diese Minderwertige und Anspruchslose Aufgabe die ihr Melkor anvertraut hatte. Doch es passte einfach von der Zeit her nicht. Melkor musste allein sein, sonst konnte sie ihn nicht bezwingen und bevor er seine Burg verlässt, ist er nie alleine, sondern organisiert seine Streitmacht. Also musste sie Ruhe bewahren wenn sie gleich auf die Valar treffen wird.

Sie flog leise und unbemerkt über das Land hinweg. Durch den leichten Rauch der sich um sie gebildet hatte, konnte sie dennoch die schönen Einzelheiten von Yavannas Saat erkennen und die vielen Farben die die verschiedenen Blumen von sich gaben. Es war wunderschön mit anzusehen aber als sie hinauf sah und die Wolkenfetzen erkannte, verschwand das friedfertige Gefühl, das ihr der Anblick zuvor gebracht hatte.

Sie erreichte schließlich den Platz an dem sie Wache halten sollte und versteckte sich hinter einigen hochgewachsenen Pflanzen. Die Valar haben sich zur Ruhe gesetzt und haben sich somit alle versammelt, um den Täglichen Pflichten einmal zu entkommen. Maricæn schnaubte verächtlich.

Allein der Gedanke daran, dass die Valar eine Auszeit brauchen, ließ sie an damals denken und als sie hinter den Pflanzen hervor lugte, erkannte sie sogar Varda unter ihnen.

Nur ihr Anblick verstärkte ihre Wut und immer mehr Schatten formten sich unkontrolliert um sie. Sie machen es sich hier bequem und feiern sich selbst. Dachte sie verächtlich. Ihre Wut stieg und schon bald war die geplante Vorsicht vergessen.
Ihre Augen leuchteten gefährlich auf und mit einem Satz sprang sie aus ihrem Versteck und landete vor den verdutzten Valar.
"Wie könnt ihr hier so unbekümmert sitzen, während andere wegen euren Entscheidungen keine Ruhe finden können!", rief sie wutentbrannt und schlagartig formten sich dunkle Wolken über ihnen und die heitere Stimmung war verschwunden.
"Maricæn?! Ich habe mir schon sorgen um dich gemacht, wo warst du auf einmal hin?", fragte Varda sofort und sah besorgt zu der aufbrausenden Maia.
"Tu gar nicht erst so freundlich. Wieso sollte ich euch erklären wo ich hin war. Ihr habt mir damals nicht einmal zugehört, als ihr...als ich sie..." Maricæn brach ab als ihr die Erinnerung wieder vor Augen geführt wurde.

*Flashback*

Es waren diejenigen die sich Entschieden hatten, sich seinem Werk anzunehmen. Es zu vollenden, es zu formen.
Sieben männliche Valar und sieben weibliche Valier. Darunter auch die Maiar, oft schwächer und niederen Ranges der Valar.
Viele verteilten sich auf der neu erschaffenen Welt Arda und die Maiar dienten oft als Diener der Valar.
Doch nicht Maricæn. Sie wollte nicht kontrolliert oder bewacht werden. Sie kam nach Arda allein ihretwegen. Die Schatten der Nacht und des Tages waren ihre Fähigkeiten und das Wetter spielte oft nach ihrem befinden.
Es waren die feinen und unantastbaren Dinge, die sich Maricæn anschlossen. Wie der flüsternde Wind, welcher nur kleine Spuren hinterlässt, wollte auch Maricæn verborgen bleiben.
Also begab sie sich weit, sehr weit in den Süd-Westen auf einen Berg, der vor einem grünen Wald hockte.
Sie begann die Welt auf ihre Weise zu formen und schickte verschiedene unantastbare und dennoch sichtbare schleiernde Substanzen über die Welt.
Sie erprobte ihre Wirkungen und Nebel und Schatten, wurden zu Wolken und Stürmen.
Doch schon bald bereute sie ihre Entscheidung, alleine zu bleiben.
Sie fühlte sich einsam und sie hatte niemanden, dem sie ihre Entdeckungen präsentieren konnte.
Eines Tages traf sie auf einen Feuergeist. Arien war ihr Name ebenfalls eine sehr hitzköpfige Persönlichkeit. Sie wurde von Maricæns Werken angelockt.
Sofort verstanden sich beide, wurden Freunde und probten nun gemeinsam ihre Fähigkeiten. Arien war eine Maia der Sonne und konnte große Hitze aushalten und Licht über Arda bringen.
Maricæn liebte ihre Werke, so voller Wärme und Heiterkeit, sodass sie bald ihre eigenen kühlen und finsteren Schatten vergaß, die sich nach und nach über sie gelegt hatten. Nun formten sie gemeinsam das auferstehen des Lichtes und das Farbenspiel welches sich ergab, wenn Maricæn ihre schwarzen Wolken dazu heraufbeschwor. Die Morgen- und Abenddämmerung war erschaffen, auch wenn die Sonne selbst noch nicht existierte.
Doch egal wie gut sich beide nun verstanden, schon weitaus besser als nur Freunde, zog Arien ein Leben in größerer Gesellschaft vor.
Sie freundete sich mit Vána die Ewigjunge an, welche Blumen nur durch ihr Erscheinen erblühen ließ und die Vögel freudig zu singen beginnen. Immer öfters verließ sie Maricæn um die wachsenden Blumen mit dem Tau von Laurelin zu wässern. Sie allein konnte der Hitze des Baumes trotzen und somit half sie Vánas Blumen beim wachsen.
Maricæn verzog sich nun wieder und die tiefen Schatten zogen sich über sie. Arien selbst kam nun gar nicht mehr zu Maricæns Bergen zurück und verbrachte ihre Zeit bei den Valar.
Also überdeckte Maricæn die Berge im Süden komplett mit dunklen Schatten und ließ außenstehende nicht zu ihr gelangen.
Sie gab den Valar die Schuld, ihr ihre Familie, als die sie Arien bezeichnete, genommen zu haben. Ihr Zorn breitete sich über das Land aus, indem sie mit dichtem Nebel denjenigen die Sicht versperren ließ, die ihr Arien nahmen.
Man glaubte beinahe das Land müsste nun in ewiger Finsternis verweilen, bis Arien eines Tages wieder bei Maricæn auftauchte und die Schatten verschwanden.

"Arien! Wo warst du, warum bist du gegangen, was ist mit unserem Farbenspiel?", belagerte Maricæn die immer strahlende Maia vor sich.
Erst jetzt wurde ihr schmerzlich klar, wie sehr sie Arien ins Herz geschlossen hatte. Sie war ihre Schwester, die einzige die sie je sehen wollte. Und ihr wurde klar, wie abhängig sie von Arien geworden ist und wie diese es nicht erwidern konnte. Es schmerzte einfach nur der Gedanke daran, sie verlieren zu können.
"Du hast mir auch gefehlt Maricæn aber ist es nicht irgendwie einsam hier oben? Du weißt ich hätte dir angeboten mit mir zu kommen aber weiß ich auch das du es hasst, für jemanden etwas zu tun. Ich war bei Vana und habe ihre wunderschönen Blumen gepflegt.", antwortete Arien stets munter und mit strahlenden Augen, als sie an Vanas herrliche Blumen dachte.
Maricæn war etwas bestürzt von der Erzählung ihrer Schwester.
"Du hast ihre Blumen gepflegt? Aber wir beide können gemeinsam etwas viel schöneres Erschaffen als Vanas Blumen. Bitte sag nicht, dass du wieder zu ihr gehst." Bittend sah Maricæn Arien an und hielt sie an den Armen fest, aus Angst sie erneut zu verlieren.
Etwas schuldbewusst sah Arien zu der anderen Maia hinab. Sie hatte nie diese Einsamkeit verstanden, in der sich Maricæn so wohl zu fühlen schien. Sie hatten gemeinsam viel gelacht und sich über vieles Unterhalten, doch waren sie von Grund auf sehr verschieden und Arien wusste schon damals als sie sich trafen, das sie hier nicht ewig bleiben wollte. Doch das sie Maricæn durch ihr Erscheinen so durcheinander gebracht hat, hatte sie nicht geahnt. Sie konnte es in ihren Augen sehen, diese Angst um den Verlust aber auch dies musste Maricæn hinnehmen und lernen damit umzugehen.
"Maricæn hör mir zu. Es war eine schöne Zeit und du wirst immer meine beste Freundin bleiben aber ich möchte nicht für immer hier oben alleine bleiben. Die Valar haben entschieden, dass ich bald das Sonnenschiff lenken möge und ich stimmte zu. Es ist doch nicht so als wären wir für immer getrennt, ich bleibe bis dahin erst einmal bei Vana und du kannst mich selbstverständlich dort besuchen."
Aufmunternd sah Arien zu Maricæn und konnte die Bestürzung in ihren Augen sehen. Das war eindeutig nicht die Antwort die sie erhofft hatte.
Maricæn schwieg darauf einige Zeit und schien zu überlegen, wie sie darauf reagieren sollte. Es war klar, sie besaß Arien nicht und konnte sie nicht daran hindern fort zu gehen.
Aber sie war die erste Person die sie so genau kennen gelernt hatte, die sie verstand und unterstützte aber besonders war sie so eine heitere Person, die ihr den Mut gebracht hatte, sich anderen zu öffnen.
Ganz sachte und bedacht, senkte Maricæn ihre Hände und ließ Ariens Arme los.
"Nun gut. Ich will dich hier nicht festhalten, du bist genauso frei wie ich und kannst dahin gehen wo du willst.", sprach Maricæn etwas bitter und sah starr zu Arien.
"Ich danke dir. Glaub mir irgendwann wirst du es schon verstehen, mach dich nicht abhängig von einer Person. Wie du sagtest, du bist frei also fühl dich auch so." Mit einer letzten Umarmung verschwand Arien von dem Berg und trat den Weg zurück zu Vana an.
Schlecht gelaunt ging Maricæn zurück auf den höchsten Punkt des Berges und beobachtete Arien aus der Ferne, wie sie immer kleiner wurde.
Mach dir keine Sorgen ich verstehe ganz genau was los ist, dachte Maricæn finster. Die Valar haben dich mir genommen, du bist ihrem Zauber erliegen. Doch mach dir keine Sorgen, mir wird dies nicht passieren.
So verging einige Zeit und Maricæns Lust ihre Fähigkeiten weiterhin zu proben und Arda in eine Tägliche Morgendämmerung zu hüllen, verging. Nur noch halbherzig schickte sie Wolken hinaus und war mehr in ihren Gedanken versunken.
Was wenn die Valar Arien gegen ihren Willen festhalten und dazu zwingen für sie zu arbeiten?
Oder lag es wirklich nur an ihr, das Arien nicht länger hier bleiben wollte?
Viele Fragen schwirrten durch ihren Kopf, fragen die keine Antwort fanden. Egal wie viel Zeit sie verbrachte um an Arien, ihre Schwester, ihre einzige Familie dachte, besuchte sie diese kein einziges Mal.
So geschah es das sie einige Tage gar keine Wolken losschickte und nur in ihrer selbstgeformten Behausung in Stein, lag und grübelte. Und an einem Tag erwachte sie aus ihrem festen Schlaf, wie immer passend zur Morgendämmerung und erkannte plötzlich zwei Gestalten vor sich.
Zuerst hielt sie es für eine Einbildung, doch verwarf sie dies als die Gestalten anmutig näher zu ihr traten.
"Maricæn, Herrin der Schatten. Wir haben dich beobachtet und deine Trauer gesehen.", sprach eine von ihnen. Mit hellem leuchtenden Haar und einem blau strahlendem Gewand, nahm die Erscheinung Maricæn kurzzeitig den Atem.
"Wir möchten dir lediglich helfen. Es ist sehr einsam hier und du scheinst sehr wenig Gefallen an deiner Tätigkeit zu haben.", ergänzte die andere Gestalt. Weniger imposant aber genauso bezaubernd wie ihre Begleiterin.
"Du bist in meiner Burg willkommen, auf dem Berg Taniquetil. Es ist Zeit etwas zu ändern, Maricæn.", sprach wieder die strahlende Frau, mit den leuchtend hellen Haaren.
Noch ehe Maricæn sich sicher war, wer sie sind, waren sie schon wieder verschwunden.
Aber es mussten Valar gewesen sein, nur was genau wollten sie nun von ihr? Sie sollte zu der Burg auf dem Berg Taniquetil?
Verwundert schüttelte Maricæn den Kopf und trat aus ihrer Höhle.
Doch ehe sie sich weitere Gedanken über die Valar machen konnte, sah sie geschockt ihren Berg hinab.
Was sie dort sah, hätte sie nie für möglich gehalten und obwohl es wunderschön aussah, konnte sie sich in dem Moment nicht darüber freuen.
Vor ihr erstreckte sich das weite Land, das Licht erhob sich in der Ferne und leichte Wolkenfetzen ließen den schön rot schimmernden Farbton erscheinen, den sie mit Arien oft hervorgeholt hatte. Und nicht nur das. Auch über ihr waren ein paar Wolken zu erkennen und seichter Nebel hatte sich an dem Fuß ihres Berges gefangen.
Sie hätte sich über diesen Anblick gefreut, erinnerte er sie an Arien, doch verstand sie nun die Worte der Valar.
'Es ist Zeit etwas zu ändern.'
Etwas panisch hob sie ihre Hand, die Handinnenfläche zeigte nach oben und erleichtert stellte sie fest, dass sich kleiner schwarzer Rauch darin formte. Die Valar hatten also nur ihren Taten freigesetzt, den Wolken und Schatten einen eigenen Willen gegeben und sie somit von ihrer Pflicht befreit.
Erst nahmen sie ihr Arien und nun auch noch ihre Tätigkeit. Was sollte sie nun jeden Tag machen?
'Du bist in meiner Burg willkommen, auf dem Berg Taniquetil.', hallten die Worte der Valar in ihrem Kopf wieder.
Sie wollten sie versklaven, sie zu sich locken und sie zur Arbeit zwingen.
Doch was konnte sie nun dagegen machen?
Bestürzt sank sie zu Boden und betrachtete traurig wie sich ihr Werk verselbständigt hat. Es sah so wundervoll aus, wie konnte man ihr dieses Erlebnis nehmen.
Sie war nur froh, das man ihr ihre Fähigkeit nicht komplett genommen hat, wenn sie wollte konnte sie immer noch ein Unwetter losschicken, nur das es nicht mehr unbedingt nötig war.
Doch was brachte es ihr hier untätig zu hocken und zu trauern. Sie hasste es untätig zu bleiben und entschied sich tatsächlich der Valar einen Besuch abzustatten. Aber nicht um ihrem Vorschlag nachzukommen und etwas zu ändern. Nein, sie wollte ihre Macht zurück und das würde sie der Valar schon irgendwie beibringen.
Also trat sie sofort ihren Weg zu dem Berg Taniquetil an und wollte endlich die Valar zur rede stellen. Doch dies erwies sich als schwieriger als gedacht. Man ließ sie nicht zu den Valar, stattdessen baten sie ihr eine Stelle an, in der sie eines Tages wenn sie gute Leistungen hervorbrachte, die Valar treffen konnte. Und ohne es verhindern zu können, war sie als Zofe angestellt und konnte sich nicht länger um ihren Verlust sorgen.

* Flashback ende*

Bis heute hatte sie Varda nicht erzählt, was sie eigentlich angestellt hatten und was ihr Hass bedeutete. Es hatte ihr zu viel Zeit gekostet, bis man sie zu Varda gelassen hatte, das sie selbst nach einiger Zeit ihren Grund vergessen hatte. Doch nun war es anders. Sie konnte mit Varda reden, konnte ihr all ihren Hass entgegen bringen, den sie seit langem mit sich herumschleppt.
"Weshalb habt ihr nicht mit mir geredet und habt mich einfach eiskalt beraubt?!", rief sie ihnen entgegen.
"Wir wussten um deine Distanz zu anderen und dachten in einem Gespräch nicht weit kommen zu können. Und wussten wir doch was dich plagte."
"Ihr wusstet es?! Dann muss ich euch wohl enttäuschen. Es war die einzige Tätigkeit die ich liebte und nur deshalb kam ich nach Arda, wo ich sie ausleben konnte!", stellte Maricæn nicht ganz ohne Anschuldigung klar.
"Es tut mir leid wenn wir dich falsch verstanden haben, hättest du mehr von dir preisgegeben wäre dies vielleicht nicht passiert.", sagte Varda keineswegs anschuldigend aber es beruhigte Maricæn dennoch nicht.
"Wohl eher weshalb mischt ihr euch immer überall ein! Erst nehmt ihr mir Arien und dann gebt ihr mir die Schuld daran, dass ich nun tatenlos bin."
"Arien. Also sie war der Grund deiner Trauer? Doch versteh doch, es war ihre eigene Entscheidung zu gehen, es gibt keinen Grund auf irgendwen wütend zu sein."
"Doch den gibt es. Denn ihr merkt nicht einmal wenn ihr etwas Gutes tun wollt, wie ihr andere dadurch verletzt. Lasst es lieber sein und kümmert euch um eure Angelegenheiten!"
"Es tut mir leid um deinen Verlust. Deine Tätigkeit kann ich dir wiedergeben aber Arien hat sich selbst dazu entschieden Valinor zu verlassen und das Sonnenschiff zu lenken und Hüterin der letzten Goldfrucht zu werden. Währest du glücklich wenn du weiterhin alleine geblieben wärst, nachdem sie gegangen war? Ich wollte dir doch nur helfen."
"Dennoch habt ihr Schuld an allem, hättet ihr mich zufriedengelassen, wäre einiges anders gekommen." Damit dachte sie auch wieder an Melkor. Nachdem die Valar ihr nun endlich zugehört hatten, empfand sie ihre Entscheidung sich ihm abzuschließen etwas zu gewagt und töricht.
Sollte sie die Valar davon erzählen?
Konnten sie ihr wenigstens diesmal richtig helfen?