Kapitel 1

Das Innerste geäußert und aufs Äußerste verinnerlicht.
Ein Wechselbalg, die Welt getauscht und nun werden wir sehen.

ASP - Wechselbalg

Der Mensch schläft. Er hat sich lange gewehrt, doch schließlich fordern ständige Fluchtbereitschaft und die körperlich anstrengenden Kämpfe ihren Tribut. Er liegt zusammengerollt zwischen den mächtigen Wurzeln einer riesigen Eiche; noch ist sein Atem ruhig.

Der Trickster weiß, die Erschöpfung wird die Alpträume und das Gefühl der permanenten Bedrohung nicht mehr lange fernhalten, der Mensch wird erwachen und zusammen mit dem Engel und dem Monster weiter laufen, bis er wieder zusammenbricht und schläft – nicht aus freiem Willen, sondern weil er es muss. Der Trickster hat diesen Kreislauf seit ihrer Ankunft so oft gesehen und doch ist dieses Mal etwas anders.

Das Monster und der Engel halten Wache, in der Hand des Monsters eine bösartig aussehende Waffe mit mehreren Knochenklingen, in der Hand des Engels... Nun, die Hände sind die Waffe des Engels. Der Trickster kichert lautlos vor sich hin angesichts dieser Erkenntnis und verlagert sein Gewicht, lehnt sich an den breiten Stamm des Baumes.

Die Astgabel bietet ausreichend Platz, dass er sich bequem ausstrecken kann, und so wartet er, dass die Gruppe weiterzieht und er ihnen in den Kronen der Bäume folgen kann, bis sie lernen, auch nach oben zu schauen. Mit einem Gedanken beschwört er sich eine Zuckerstange.

Das Monster lehnt sich an den Baum, wendet dem Engel den Rücken zu. Der wachsame Blick ist in den Wald gerichtet. „Du solltest aufpassen, Engel", murmelt es plötzlich mit schwerem Akzent, und der Trickster ist hellwach und aufmerksam. Stimmen tragen weit im Fegefeuer. Der letzte Rest der Zuckerstange ist vergessen.

Der Engel runzelt verwirrt die Stirn. Der Trickster kann hinter die körperliche Fassade sehen, sieht die blendende Gnade in ihm wirbeln. Die Schwingungen seiner Flügel sind ruhelos, am Rande der Dissonanz im erfolglosen Versuch, sich den Grundenergien des Fegefeuers anzupassen. Der Engel kann im Fegefeuer nicht leben, wird schwächer mit jedem Zyklus aus Wachen und Fliehen.

Das Monster wendet sich dem Engel zu. „Dean wird misstrauisch, wenn du dich weiterhin so sehr gegen den Weg hier raus sträubst. Und er wird nicht ohne dich gehen, also reiß dich zusammen, Kumpel." Das Monster kratzt sich mit der stumpfen Seite der Klinge über den Bart, wirft über die Schulter einen Blick auf den Menschen - Dean.

Dean Winchester.

Der Trickster erinnert sich vage an diesen Menschen und seinen Bruder. Wie er wohl ins Fegefeuer geraten ist? Menschen landen normalerweise nicht hier und auf den Trickster wirkt er nicht wie ein Monster. Er riecht menschlich und er verhält sich menschlich.

Der Trickster legt sich bäuchlings auf den breiten Ast, lässt die Beine herabhängen und verschränkt die Arme unter seinem Kopf. Er macht es sich bequem. Das könnte interessant werden.

Bevor der Engel antworten kann, fährt das Monster fort: „Außer du willst hier gar nicht raus? Willst du etwa hier bleiben?" Das Monster klingt ungläubig, überrascht. Der Trickster kann es ihm nachfühlen, denn der Engel verlagert unbehaglich sein Gewicht, offensichtlich ertappt und unwohl. Er zieht die Gnade zusammen, versucht sich in sich selbst zu verbergen.

„Natürlich möchte ich zur Erde zurückkehren", sagt er schließlich, wendet seinen Blick seitwärts zu den aufziehenden Nebelbänken im ewigen Wald des Fegefeuers, weicht dem Monster aus. Er lügt nicht, soviel kann der Trickster sagen. Doch es ist nicht die ganze Wahrheit.

„Was ist es dann? Ich werde nicht zulassen, dass du uns alle umbringst, weil du abgelenkt bist, Engel", knurrt das Monster. Der Griff um die Waffe wird fester, als müsse es gegen den Drang ankämpfen, dem Engel den Kopf abzuschneiden.

„Mein Name ist Castiel", erwidert der Engel scharf, weicht der Frage aus. „Und ich kann nicht." Der Engel – Castiel – wendet sich Dean zu. Der Trickster folgt seinem Blick. Der Mensch schläft. Die Gnade des Engels tastet behutsam in seine Richtung, versichert sich der Existenz des Menschen. Neid brennt sich durch den Trickster ob dieser Nähe. Einsamkeit ist ein Fluch des Fegefeuers.

„Kannst was nicht, Engel? " Mit zwei schnellen Schritten steht das Monster neben Castiel, packt seine Schulter. Der Engel wird herumgerissen, sein Gesicht nur Zentimeter von dem des Monsters entfernt. „Antworte mir!" Der Trickster schiebt die ungewollten Gefühle fort, alle Aufmerksamkeit auf das Monster und den Engel gerichtet. Die Gefühle sind ohnehin nicht die seinen. Sie gehören den Nicht-Erinnerungen, und er konzentriert sich lieber auf den Moment.

Der Engel hebt die Hand und der Trickster beugt sich unwillkürlich hinab. Er kennt diese Geste. Monster, die sich in blendendem Licht auflösen und weitere Monster anlocken.

„Ich kenne dieses Portal; es ist eines von Vaters Schöpfungen nur für Menschen, und ich bin kein Mensch. Ich bin es nie gewesen und ich werde es nie sein. Ich habe nicht mal mehr eine menschliche Seele in mir." Castiel starrt auf seine Hand, er streckt die Finger, als müsse er sich bewusst davon abhalten, den Vampir auszulöschen. „Ich kann dieses Portal nicht passieren. Ich wäre hier gestrandet, meine Hülle ohne Seele und ohne Leben auf der anderen Seite."

Das Monster nickt. „Das habe ich befürchtet. Dean wird dich jedoch nicht hierlassen. Gibt es einen anderen Weg für dich?"

Der Engel schüttelt den Kopf. „Meine Gnade würde Dean verbrennen. Du warst einmal ein Mensch, du kannst ihm deine Seele anvertrauen und er wird dich mit auf die andere Seite nehmen. Er ist ein guter Mann. Ein guter Freund. Er wird dich nicht im Stich lassen." Castiel atmet tief ein. Es beruhigt den Engel körperlich, nicht jedoch seine nervös zuckenden Flügel. Der Engel weiß, dass er hier im Fegefeuer sterben wird, und der Trickster stellt überrascht fest, dass er Bedauern über diese Tatsache empfindet. Erneut fremde Gefühle. Er steht diesem Engel nicht nahe.

„Ich werde schon zurecht kommen." Der Engel sieht das Monster mit unbewegtem Gesicht an, keine Spur des inneren Aufruhrs äußerlich sichtbar. „Irgendwie werde ich schon überleben." Er zögert, sieht zum unruhiger werdenden Menschen.

„Dean darf nichts davon erfahren", sagt Castiel schließlich und richtet den Blick seiner intensiv-blauen Augen auf den Vampir.

Das Monster nickt, senkt die Waffe. Sein Körper entspannt sich beinahe unmerklich, lindert die unausgesprochene Drohung. Der Mensch erwacht mit einem unterdrückten Schrei aus seinem Alptraum. Er weiß nichts von der lautlosen Vereinbarung zwischen Engel und Monster.

Den Angriff einer Gruppe Vampire wehren der Engel und das Monster gemeinsam ab, ihr neues Bündnis in wortlosem Verständnis resultierend. Wenn es dem Menschen auffällt, erwähnt er es nicht. Der Trickster beobachtet den Kampf, nagt abwesend an der Schokolade in seiner Hand. Zucker hilft, die Nicht-Erinnerungen manchmal in Schach zu halten.

Der Engel hat gelernt. Er nutzt nicht seine Gnade, um die Vampire zu zerstören. Der Trickster nickt anerkennend, als der Engel den letzten Vampir mit einem eleganten Streich seiner Engelsklinge enthauptet.

Engelsklinge. Der Blick des Tricksters wird von dem unnatürlichen Silberschimmer gefangen, zu hell und zu rein für das Fegefeuer, trotz der Besudelung durch Vampirblut. Gefährliches Silber. Der Trickster kann nicht wegschauen, und die Schokolade verschwindet.

Die Zeit verdreht sich und der Trickster fällt in seltsame Nicht-Erinnerungen.

Der Trickster setzte das Kelpie mit einem Fingerschnippen in Flammen und watete aus dem Fluss. Dass diese Monster aber auch nie lernten, wann sie ihn in Ruhe zu lassen hatten. „Memo für das nächste Mistvieh: Während eines entspannten Schaumbades angreifen ist eine selten dämliche Idee", murrte er vor sich hin, während er seine Kleidung auswrang und anzog.

Seine Sinne tasteten in den Wald: das panische Wiehern des Kelpies lockte mit Sicherheit weitere Monster an. Vom Geruch natürlich mal ganz abgesehen. Doch bisher näherte sich nichts Auffälliges - einige Gestaltwandler in ausreichender Entfernung, Leviathane am Rande seiner Wahrnehmung und ein paar geflügelte Zwielichte. Für den Moment war der Trickster sicher.

Der Gestank verbrannten Fleisches wurde übermächtig. „Ich habe das wohl nicht bis zum Ende durchdacht", gab er zu und rümpfte die Nase. „Das ist ja widerwärtig." Ein weiteres Fingerschnippen und der Geruch verschwand. Das Kelpie löste sich schließlich in weißen Dampf auf, legte sich wie trüber Nebel über das aufgewühlte Wasser. Viel Zeit würde vergehen, bis es sich erneut aus dem Fegefeuer heraus manifestieren konnte.

Der Trickster seufzte. Darin wollte er nun wirklich nicht mehr baden. Mit einem Fingerschnippen teleportierte er sich so weit flussaufwärts, dass von den Verunreinigungen des Kelpies nichts mehr spürbar war. Der Fluss schuldete ihm noch immer ein Schaumbad und er war fest entschlossen, es zu genießen.

Fegefeuer hin oder her, ein Trickster hatte seine Bedürfnisse. Am Rande seiner Wahrnehmung konnte er einige Vampire und eine Shtriga spüren, doch er wusste, dass sie ihn wahrscheinlich nicht stören würden. Mit Sicherheit hatte er sie bereits einmal getötet. So lästig es auch war, dass die Monster im Fegefeuer nicht dauerhaft starben, so praktisch war es, dass zumindest einige von ihnen lernfähig waren und ihn in Ruhe ließen.

Er entschied, dass die Flussbiegung sicher genug war, und erwärmte das Wasser mit einem Gedanken auf eine angenehme Temperatur. Ein weiterer Gedanke schickte einen kurzen Stromstoß in das Wasser und vertrieb die Fische – einmal einem hechtähnlichen Echeneis zu begegnen hatte ihm gereicht. Er war sich sicher, die blutigen Saugmale an seinen Beinen waren noch immer sichtbar. Anhängliche kleine Biester.

Er zwinkerte einmal und das erwärmte Wasser füllte sich mit Schaumblasen in den bunten Farben aller Frequenzen. Dem Trickster gefiel insbesondere das Gleißen im ultravioletten Bereich, als er sich mit einem erleichterten Seufzen in die Wärme gleiten ließ. Kostbare Momente der Ruhe, bevor die Leviathane ihn erneut fanden.

Der Trickster schloss die Augen, genoss den aufsteigenden warmen Dampf, einen heißen Kakao in seiner Hand. In Momenten wie diesen vermisste er die Erde kaum, konnte er den permanenten Druck der vagen Nicht-Erinnerungen beiseite schieben und ganz in der Gegenwart leben. In diesen Momenten war er vollständig.

Es war die unnatürliche Stille, die ihn aus der Ruhe riss. Keine Monster kratzten an seiner Wahrnehmung, kein Laut drang an sein Ohr. Misstrauisch richtete der Trickster sich auf, sah zum Waldrand. Die Geräuschlosigkeit war beunruhigend... Etwas hatte alle Monster im Umkreis vertrieben, und in einem Anflug von Realismus bezweifelte der Trickster, dass es seine Großartigkeit gewesen war.

Mit einem Gedanken stand er vollständig bekleidet am Flussufer und hielt die Steinklinge in der Hand, die er einem Rugaru abgenommen hatte. Er empfand den kühlen Stein als beruhigend, auch wenn er die Klinge eigentlich nicht benötigte und eher mit seinen ganz eigenen Kräften kämpfte.

Ein Blatt raschelte. Sofort wirbelte der Trickster in die Richtung des Geräusches und weitete seine Sinne, suchte nach der Lebenskraft der Monster.

Nichts.

„Komm raus, komm raus, wo immer du bist", sang er leise vor sich hin und hob die Klinge. „Daddy will spielen."

Noch immer spürte er keine Monster in seiner Umgebung. Beunruhigt konzentrierte er sich auf seine körperlichen Sinne, lauschte angestrengt in den Wald, während er die Blätter beobachtete. Der Geruch der Schaumblasen überdeckte alles. Die Haare auf seinen Armen stellten sich auf.

Nichts.

Ein weiteres Blatt bewegte sich, links von ihm. Der Trickster wandte sich dem Geräusch zu. Er hielt den Atem an, versuchte das Pochen seines überlauten Herzens auszublenden.

„Was ist da?", rief er, um die unnatürliche Stille zu übertönen. Kalter Schweiß lief seinen Nacken hinab. Irgendetwas war grundlegend falsch. Ein Trickster verspürte keine Angst. Nicht so.

„Zur Hölle mit euch", murmelte er und setzte kurzerhand mit einem Fingerschnippen den Waldrand in Brand. Sofort schossen lodernde Flammenzungen empor, trockenes Unterholz zerbarst knackend, Hitze trocknete den Nacken des Tricksters. Er weitete erneut seine Sinne.

Nichts.

Etwas schien seine Eingeweide zu verknoten, seine Finger klamm und kaum in der Lage, die Klinge zu halten. Seine freie Hand zuckte, ballte sich zur Faust, öffnete sich wieder, während sein Blick rasend über die Flammenfront huschte. Er konnte nicht atmen, etwas schnürte ihm die Kehle zu, und er konnte das Blut in seinen Ohren rauschen hören.

„Du bist schon längst in der Hölle, kleiner Bruder", klang es von rechts. Der Trickster zuckte zusammen, rasende Übelkeit in seinem verdrehten Magen. „Und du bist hier mit mir", fuhr die sanfte, warme Stimme fort. Der Trickster keuchte, versuchte genug Luft in seine verkrampften Lungen zu ziehen. Langsam drehte er sich erneut.

Ein Mensch stand vor ihm, blond, groß, freundlich lächelnd, die kalten Augen den Tod verheißend. Die Klinge rutschte aus seiner verschwitzten Hand, fiel mit einem dumpfen Geräusch zu Boden. Er konnte sie im Zeitlupentempo fallen sehen, seine Muskeln zu verkrampft, um sie aufzufangen.

„Bitte nicht." Der Trickster wollte fliehen, doch seine Beine waren wie versteinert. Gegen seinen Willen flehte er das Monster an, ihm nichts anzutun. Er wusste nicht, was das Monster tun würde, er wusste nur, es würde schrecklich sein und es würde ihn töten. Der Trickster ertrank in Angst.

Hinter der Fassade des Menschen konnte er leuchtend rote Macht sehen, kalt, grausam, vertraut. Die Hülle war kaum stark genug, sie in sich zu binden. Eine schmale, silberne Klinge manifestierte sich in der Hand des Nicht-Menschen, todbringend schimmerte sie im Flammenlicht. Eine Engelsklinge. Sein Blick wurde von ihr gebannt. Sein Herz raste viel zu schnell, fügte dem Schmerz in seinen Eingeweiden einen brennenden in seiner Brust hinzu.

„Nein, geh weg, bitte", wimmerte der Trickster. Die Panik trieb ihm die Tränen in die Augen, suchte nach einem Ventil, als er unterdrückt schluchzend auf die Knie sank. „Du bist nicht real, geh weg, wer bist du, geh weg, geh weg…"

Das Monster stand direkt vor ihm, hob die Klinge. Der Blick des Tricksters hing wie gebannt auf den orangeroten Flammenschatten, die sich in dem glatten Metall spiegelten. Alles, nur nicht das Monster ansehen, nicht diesem Schmerz in seiner Brust nachgeben, der von panischer Furcht und tiefstem Verrat sprach.

„Aber keine Angst, kleiner Bruder", flüsterte das Monster in der Verkleidung eines Menschen. „Du hast es bald hinter dir."

Der Trickster wollte antworten, wollte kämpfen, wollte fliehen. Er war erstarrt und das Monster legte eine Hand auf seinen Arm. „Bruder, zwing mich bitte nicht dazu."

Die Klinge fand das Herz des Tricksters und ein leises Seufzen entkam ihm. Sein Blick wanderte nach oben, dem Monster ins Gesicht. Es lächelte den Trickster traurig an und legte die linke Hand tröstend auf seine Wange. Die Geste fühlte sich überraschend vertraut an, brüderlich… Das Monster drehte die Klinge und schnitt in ihn, das Lächeln nun voller Zähne und triumphierend. Schwarze Flügelschatten umgaben den Trickster, brannten sich in den glimmenden Boden, während sich die Flammen in der Klinge spiegelten, welche ihn getötet hatte…

Flügel.

Engelsklinge.

Nein.

Der Trickster zuckte zusammen, stieß den Mann mit aller Kraft fort und zog die Klinge aus seiner Brust. Mit einem überraschten Schrei fiel das Monster zu Boden. Der Trickster schüttelte den Kopf, versuchte seine Gedanken zu klären. Das war nicht er. Er hatte keine Flügel, nur ein in Lammblut getauchter Pflock konnte ihn töten. Er war nicht in Gefahr. Er war es nie gewesen. Das Monster hatte keine Macht über ihn. Es war nicht real. Er war nicht real.

Der Mensch sprang fauchend auf ihn zu.

Der Trickster verwandelte das Monster in ein Gänseblümchen.

Gänseblümchen waren gut. Niemand hatte Angst vor einem Gänseblümchen.

Der Trickster erhob sich, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. „Du bist nicht real. Geh weg", flüsterte er mit rauer Stimme und zertrat die zarte weiße Blüte mit mehr Wucht als notwendig. Schwarzer Rauch stieg auf, zerfaserte in der heißen Luft zu Nichts. Die Überreste des Gänseblümchens zerfielen zu grauer Asche.

„Geht einfach alle weg", rief er aus einem Impuls heraus, und der Trickster wusste nicht sicher, ob er die Nicht-Erinnerungen oder die Monster des Fegefeuers meinte. Erleichtert vernahm er in der Ferne die Antwort eines Werwolfs. Die normalen Geräusche des Fegefeuers, die Schreie, der wispernde Nebel, das Sirren der Leviathanschwingungen… Es war alles wieder da.

Der Trickster sah sich nicht um, als er den Fluss hinter sich ließ. Die Attraktivität von Wasser, Schaumbädern und Kakao hatte rapide nachgelassen. Nahezu erleichtert wehrte er kurze Zeit später den Angriff dreier Vampire ab. Sie starben laut. Alles war besser als die Stille und ein Monster, das in der Gestalt eines Bruders tötete, der nicht der seine war, und Erinnerungen benutzte, die er nie erlebt hatte.

Der Trickster erstarrt. Die Klinge in der Hand des Engels, er kennt sie. Fast kann er das Gewicht des manifestierten Metalls in seiner Hand spüren, perfekt ausbalanciert für weite Schwünge und Stiche. Eine Waffe, erschaffen, um zu töten. Es ist nicht seine Erinnerung.

Es ist eine Nicht-Erinnerung.

Unbewusst tastet der Trickster nach der harten Narbe auf seiner Brust. Die Narbe bildet ein Dreieck, ähnlich der Form der Engelsklinge. Er weiß nicht, woher sie kommt oder was ihn verwundet hat, doch er hat kein Monster mit Narben im Fegefeuer gesehen, gleichgültig, wie oft er sie tötet. Keines außer ihm.

Das Gänseblümchenmonster kommt ihm in den Sinn, bevor er jegliche Erinnerung daran schaudernd beiseite schiebt. Nicht daran denken, einfach der Stille aus dem Weg gehen und dem laut streitenden Menschen samt Anhang folgen. Guter Plan, einfacher Plan

Seine Hand findet Schokolade in seiner Jackentasche und er lässt sich nur zu gern ablenken, konzentriert sich auf den vertrauten Geschmack.

Die Nicht-Erinnerungen umkreisen drohend den Rand seiner bewussten Wahrnehmung.