Rechenschaft
Mit einem vorfreudigen Schmunzeln im Gesicht nimmt Caius seinen Platz neben seinen Brüdern ein. „Wo ist sie?", wendet Aro ihm seine Aufmerksamkeit zu. „Sie sitzt im Kerker. Ich werde mich später mit ihr befassen", erwidert Caius, und sein Bruder nickt ihm wissend zu. „Gut, dann sollten wir uns zunächst um ihre Schwestern und die Sterblichen kümmern." Aro sieht abwartend auf die Tür, wohlwissend dass in wenigen Sekunden die drei deutschen Vampire eintreten werden.
Angeführt von Demetri gelangen Eva und ihre Schwestern in den Thronsaal. Ganz genau wissen sie noch nicht was vorgefallen ist, doch es muss etwas mit Martha zu tun haben, andernfalls wäre sie an ihrer Seite. Sie blickt zu Aro, der sie mit einer Mischung aus Enttäuschung und Vorfreude ansieht. „Aro bitte erzähl mir, was ist passiert?", fragt Eva gerade heraus. „Meine liebe Eva", beginnt der Angesprochene und geht einige Schritte auf sie zu. „Mir ist zu Ohren gekommen, dass deine Schwester Martha unser Geheimnis preisgegeben hat." Schockiert sehen die drei Frauen zu dem Meister. „Das kann nicht sein", haucht Amelie ungläubig. Erschrocken hält sich Sofie die Hand vor den Mund während Eva versucht Ruhe zu bewahren. „Bist du dir sicher? Sie ist bereits sehr alt und weiß bestens um die Gesetze, außerdem", in diesem Moment wird sie durch ein dunkles Knurren unterbrochen. „Wag' es nicht uns des Lügens zu bezichtigen!", faucht ihr Caius erbost entgegen. Seine Hände halten die Armlehne in einer festen Umklammerung, sodass das Holz bereits bedrohlich zu knirschen beginnt. „Es tut mir leid, Meister. Es lag nicht in meiner Absicht", antwortet Eva daraufhin kleinlaut und senkt ihren Kopf. „Wo ist unsere Schwester jetzt?", fragt Sofie vorsichtig und richtet ihren Blick dabei auf Aro. Amelie fixiert dagegen die beiden Zwillinge, die sich neben Caius positioniert haben. Schließlich sind sie beide für ihre vernichtenden Gaben bekannt. „Sie befindet sich derzeit in unseren Kerkern", sagt Aro. Als er bemerkt, dass eine der Frauen sich wieder zu Wort melden will, schneidet er ihr mit einer Handbewegung das Wort ab. „Leider ist es euch nicht gestattet sie zu sehen." Er geht zurück zu seinem Thron und nimmt Platz, seine Hände faltet er in seinem Schoß und ein Lächeln bildet sich auf seinen Lippen. „Jetzt wollen wir uns aber zuerst um eure Bekanntschaften kümmern. Heidi sollte in Kürze eintreffen." Demetri und Felix, der mittlerweile ebenfalls wieder im Thronsaal angekommen ist, bedeuten den Vampirinnen sich an die Wand neben der Tür zu stellen. Die beiden Wachen positionieren sich mit wachsamen Augen neben den Dreien.
Es vergeht eine geschlagene halbe Stunde, die sich für die Deutschen wie Tage anfühlen, ehe sie die klackernden Absätze von Heidis Schuhen und die schlagenden Herzen der jungen Männer hören können. Mit wachsender Nervosität sehen Sofie und Eva zu den Meistern, doch Aro und Caius blicken schon voller Vorfreude auf die Flügeltüren und auch Marcus hat seinen Blick aufgerichtet. Endlich werden die Türen schwungvoll geöffnet und mit einem wissenden Lächeln sieht Heidi zu ihren Meistern. Die Menschen folgen ihr bereitwillig und werden von Heidi in einer Reihe aufgestellt. Euphorisch erhebt sich Aro erneut von seinem Platz und geht mit langen Schritten auf den ersten der Reihe zu. „Wie ich hörte hattet ihr einen schönen Abend meine Freunde. Nun, mein Name ist Aro. Dürfte ich denn erfahren mit wem ich das Vergnügen habe?", auffordernd und freundlich zugleich hält der Schwarzhaarige dem ersten Mann seine Hand entgegen. Nichtsahnend nimmt er diese an. „Mein Name ist Pablo. Wenn Sie mir die Frage erlauben, warum sind wir hier?" Seinem Sprechverhalten und seiner Körpersprache merkt man noch deutlich den Einfluss von Heidis Gabe an. Kurz darauf lässt Aro seine Hand wieder los und lächelt Pablo vielsagend an. „Alles zu seiner Zeit, junger Freund." Dann wendet er sich an den nächsten und wiederholt die Prozedur. Die ersten drei Menschen sind jedoch die ehemaligen Partner der unschuldigen Schwestern und sie haben auch nicht auffälliges bemerkt. Wie so oft ist die letzte Person die, die entscheidenden Informationen besitzt. Doch genau das macht das Spiel spannender und lässt Aro die ganze Szene noch weiter auskosten. „Und du hattest also das Vergnügen mit unserer Martha", erläutert er nachdem er Antonios Hand wieder loslässt. Verwirrt nickt ihm dieser zu und blickt den Mann vor sich an. Die Gabe von Heidi hat sich nahezu aufgelöst und so werden sie nicht mehr geblendet von ihren bezirzenden Worten. Viel mehr fallen ihnen nun die seltsamen Personen vor sich auf, der eigentümliche Kleidungsstil und allen voran die blutroten Augen.
Aro geht einen Schritt zurück und blickt seitlich zu seinen Brüdern, richtet das Wort jedoch an den Letzten in der Reihe. „Wie ich feststellen musste, hast du bereits eine Ahnung was wir sind", philosophiert der Volturi Meister vor sich hin. Antonio senkt beschämt den Kopf, er weiß zwar nicht wie er darauf kommt, doch jetzt vor den Anderen zu behaupten, dass er diese Personen für Fabelwesen hält, wäre ihm zutiefst peinlich. Die Blicke der drei jungen Männer haften neugierig auf ihm. Aro legt ihm unterdessen eine Hand auf die Schulter. „Nur keine falsche Scheu. Sag' uns deine Vermutung." Ein nahezu animalistisches Grinsen bildet sich auf seinen Lippen. Seufzend erhebt nun Antonio das Wort. „Vampire, vermute ich." Noch ehe er ein weiteres Wort sagen kann, hört er das lauthalse Gelächter von Pablo und den Anderen. „Echt Mann, du hast einen an der Klatsche", grölt der Kerl neben ihm und haut ihm auf die Schulter. „Vampire, das ist so geil", meint Pablo und wischt sich seine Lachtränen weg. Antonio sieht leicht auf und blickt zu dem Mann der eben noch mit ihm gesprochen hatte. Er, sowie die ganzen anderen Leute im Raum scheinen seine Äußerung alles andere als amüsant zu finden. Aus den Augenwinkeln sieht er, wie sich der blonde Mann von seinem Platz erhebt und nahezu lautlos auf sie zugeht. „Deine Freunde scheinen dir nicht zu glauben", richtet Caius das Wort an Antonio ohne jegliche Emotion zu zeigen. „Nun ja", beginnt sich der Angesprochene zu rechtfertigen, doch der Volturi fällt ihm mit lauter Stimme ins Wort. „Sag' mir, welche signifikanten Merkmale gibt es für Vampire?" Ein leichtes Lächeln umspielt nun Caius' Lippen.
Die drei anderen Italiener scheinen sich der Gefahr noch nicht bewusst, denn man kann noch immer leises Gekicher hören. „Also, sie … sie haben rote Augen?", stottert Antonio verunsichert. „Sehr richtig", meint Caius und bedeutet ihm fortzufahren, während er die Reihe mit langen Schritten auf und nieder marschiert. „Sie, ähm, sie verbrennen in der Sonne", fährt der Italiener fort. Er wird jedoch direkt unterbrochen. „Lüge!" Antonios Atem geht hektisch als er weiter darüber nachdenkt, sein Gehirn ist plötzlich wie leergefegt. „Sie können sich sehr schnell bewegen?", fragt er schließlich kleinlaut. Das Grinsen auf Caius' Gesicht breitet sich aus und innerhalb eines Wimpernschlages steht er nicht mehr an Ort und Stelle, sondern direkt hinter Pablo. Die Hände umklammern seine Schultern und mit großer Genugtuung bemerkt er wie dessen Herz einen kurzen Aussetzer macht, nur um anschließend in doppelter Geschwindigkeit zu schlagen. Er blickt mit einem Funkeln in den Augen zu Antonio hinüber der erschrocken zurück starrt. „Und das Elementare?", hakt der Vampir weiter nach. „Sie", Antonio schluckt einen dicken Kloß im Hals hinunter, „sie trinken Blut!" Zufrieden sieht Caius ihn an. „Exakt!" Mit diesen Worten umgreift er Pablos Schultern, doch anstatt ihn selbst zu töten, schubst er ihn in Richtung der Zwillinge. Auf sein Handzeichen hin, langt Jane nach ihm und bohrt ihre Zähne direkt in seinen Hals. Zutiefst schockiert und panisch weichen die drei übrigen Männer zurück. Aro hat unterdessen wieder auf seinem Thron Platz genommen und überlässt das Feld ganz seinem Bruder, der nun in seinem Element zu sein scheint. „Aber wieso?", haucht Amelies ehemaliger Tanzpartner. „Weil euer Freund hier", Caius deutet abfällig auf Antonio, „zufällig unser Geheimnis herausgefunden hat." Damit bedeutet er Alec sich um diesen zu kümmern und nach kurzer Zeit fällt er, genauso wie Pablo zuvor, reglos zu Boden. Tränen rinnen über Antonios Gesicht und leise Schluchzer verlassen seine Kehle. Das alles war niemals in seiner Absicht. „Diese drei Damen dort hinten, sollten euch bekannt vorkommen. Auch sie gehören zu unserer Rasse", fährt Caius fort, während sich die beiden Übrigen zu den Deutschen umdrehen. „Tötet mich doch endlich", wimmert Antonio leise. Zu leise für die Person neben ihm, dennoch laut genug für die Vampire in seiner Nähe. Plötzlich steht der blonde Volturi Meister direkt neben ihm. „Ich werde deiner Bitte sehr gerne entsprechen, doch zuvor musst du noch den Anblick eines weiteren Todes deiner Freunde ertragen." Betont langsam geht er wieder nach vorne und beobachtet seine Angst mit Wohlgefallen. „Demetri?" Mit diesen Worten saugt auch schon die nächste Wache den Lebenssaft aus seinem Opfer. Der Schrei des Opfers ist Musik in den Ohren von Caius und Demetri, die verzweifelten Versuche sich aus dem Griff zu befreien, sind zwecklos. Nun ist nur noch Antonio übrig, der weinend zu Boden geht. „Erbärmlich", murmelt Caius und schreitet raubtierartig auf ihn zu. Er packt den Menschen am Genick und richtet ihn problemlos auf. „Dein erster Fehler war deine Beobachtung", flüstert er ihm grinsend ins Ohr. Panisch reißt Antonio die Augen auf, sein Atem geht mehr als unregelmäßig und sein Herz droht beinahe zu zerspringen. „Dein Zweiter war, dass du deine dreckigen Hände an diese Frau gelegt hast", er flüstert so leise, dass ihn wirklich nur Antonio hören kann. Bevor auch nur jemand etwas sagen kann, bohrt Caius seine Zähne in seine Ader. Doch er lässt sich Zeit, nimmt zwischenzeitlich wieder etwas Abstand um das Gift sein Übriges tun zu lassen. Sofort fällt der Italiener schreiend zu Boden, er windet sich unter Schmerzen und presst seine Hand an seinen Hals. Genüsslich blickt der Blonde zu dem Häufchen Elend am Boden, er genießt seine schmerzerfüllten Schreie und lässt ihn seine Verachtung deutlich spüren. Nach knapp einer halben Stunde wiederholt er die Prozedur und saugt ihm etwas mehr Blut aus dem Körper, doch er lässt ihm immer noch genug um zu leben und den Schmerz zu spüren, die Qualen zu erleiden die er nach der Meinung des Meisters mehr als verdient. Nach über zwei Stunden permanenten Schreiens gibt ihm Caius den Gnadenstoß und entlockt ihm das letzte bisschen Blut in seinem Körper. Zufrieden blickt er auf den Leichnam vor sich, ehe er einige Wachen zu sich winkt, die die toten Körper beseitigen sollen.
