Entscheidungen

Nachdenklich lässt Aro seine Hände in seinen Schoß sinken, während Caius ungeduldig mit den Fingern auf der Armlehne trommelt. „Da du letzten Endes deine Gefährtin gefunden hast, wird die Bestrafung wohl ausfallen", meint der Schwarzhaarige und blickt seine Brüder genau an. Doch beide bleiben stumm. Die drei Meister sitzen in Markus' Räumlichkeiten um die aktuelle Situation zu besprechen. Eine ganze Minute herrscht Stille in dem recht großen Raum, jeder hängt seinen Gedanken nach, bis Markus schließlich das Wort erhebt. „Was ist mit Athenodora?" Mit diesen Worten liegt die komplette Aufmerksamkeit auf ihm. „Demetri", richtet Aro das Wort an eine der Wachen im Raum. „Bitte bring sie sicher her", beordert er die Wache. „Natürlich Meister", antwortet der Grieche und verbeugt sich respektvoll ehe er sich auf den Weg macht. „Was hast du vor, Aro?", meint nun Caius, der seinen Bruder mit Argwohn betrachtet. Ein undeutbares Grinsen bildet sich auf dessen Gesicht. „Geduld!"
Kurze Zeit später steht Athenodora vor ihrem Mann und dessen Brüdern. Fragend sieht sie in die Runde, doch sie kann sich bereits denken um was es geht. „Meine liebe Athenodora, ich bin mir sicher du weißt bereits den Grund warum du gerufen wurdest", beginnt Aro und winkt die Vampirin zu sich. Schließlich ist sie keine Fremde, sondern eine lange Angehörige seiner Familie. Außerdem hat er die Gedanken von Caius während der Konversation zwischen ihm und seiner Frau hören können. Seufzend kommt diese der Bitte nach und nimmt neben ihrem Mann Platz. „Ja Aro, ich kann es mir bereits denken", antwortet sie wahrheitsgemäß. „Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, was ich zukünftig tun werde", fährt sie fort und blickt zu den beiden Schwarzhaarigen. Dabei weicht sie den Blicken ihres Mannes weitestgehend aus. „Ich könnte als Nomadin den Clan verlassen oder eventuell Heidi unterstützen", endet sie schließlich. „Das kommt nicht in Frage", erhebt Caius augenblicklich das Wort in einem Ton, der viele erschrocken hätten. Aro beobachtet die Szene nahezu amüsiert. „Natürlich nicht", mischt er sich nun mit einem Lächeln auf den Lippen ein. „Liebes, du bist ein Gründungsmitglied der Volturi." Mehr braucht er nicht zu sagen, die Anwesenden wissen genau was er ihnen damit sagen will. Einzig die Angesprochene schaut noch ein wenig verwirrt, sie stimmt zwar seiner Aussage zu, doch hat sie sich selbst nie in dieser Position gesehen. Mehr als die Gemahlin eines Meisters und nicht als Gründungsmitglied. „Es wäre wahrlich eine Tragödie dich ziehen zu lassen", meint Aro weiter. Markus stimmt ihm mit einem schwachen Nicken zu, woraufhin Athenodora leicht lächelt. Noch einige Zeit unterhalten sie sich darüber, wo sie künftig bleiben wird. Letztendlich kann die Vampirin weiterhin in einem Turm mit Sulpicia, Corin und Chelsea bleiben. Im Anschluss macht Caius sich erneut auf den Weg in die Kellerräume.
„Deine Dienste werden nicht mehr benötigt", sagt er der Wache, die augenblicklich verschwindet. Caius öffnet die Zellentür, die laut knallend gegen die Wand stößt. Ein wenig ängstlich sieht Martha auf. Natürlich hat sie den Befehl an die Wache gehört und ist sich dementsprechend sicher was nun kommen wird. Ergeben senkt sie erneut den Kopf und seufzt auf. Binnen einer Sekunde ist der blonde Meister neben ihr und packt sie am Arm. Er zerrt sie auf die Beine und mit den Worten „Folge mir" schleift er sie hinter sich her. Ihr bleibt nichts anderes übrig als so gut wie möglich hinterher zu stolpern, doch der Weg kommt ihr seltsam vor. Dies ist nicht die Richtung zum Thronsaal, dessen ist sie sich sicher und das bestätigt sich auch wenig später, als sie vor einer Tür in einem ihr unbekannten Flur anhalten. Schnell öffnet Caius die Tür, befördert die Deutsche mit einem kräftigen Schub hinein und schließt die Tür erneut hinter sich.
„Ich dachte Exekutionen werden im Thronsaal abgehalten", meint Martha nach kurzer Zeit. Verunsichert gleitet ihr Blick durch das Zimmer, das nicht minder prunkvoll eingerichtet ist als jenes in dem sie mit ihren Schwestern untergebracht war. Schließlich sieht sie zu dem blonden Meister, der noch immer vor der Tür steht. Ein amüsiertes Schmunzeln bildet sich auf seinem Gesicht. „Du legst es also darauf an?" Langsam umkreist er sie, doch sie dreht ihm nicht ein einziges Mal den Rücken zu. „Was ist mit meinen Schwestern? Wo sind sie?", fragt sie weiter. Ihre Stimme ist dieses Mal fester, doch ihre Haltung ist noch immer defensiv und jederzeit bereit einem Angriff auszuweichen. Ein spielerisches Grinsen umschmeichelt seine Lippen. „Sie wurden nach Hause geschickt", antwortet er ihr, während er sie stetig umkreist und jede ihrer Bewegungen beobachtet. Ihm gefällt dieses Spiel, auch wenn er weiß worauf es im Endeffekt hinauslaufen wird, doch er ist sich sicher, dass auch sie es bereits weiß oder zumindest erahnt. „Und eure kleinen Freunde haben ihre gerechte Strafe erhalten", fährt er fort. „Stundenlang hat dein kleines Spielzeug vor Schmerzen geschrien; hat sich auf dem Boden gewunden wie ein jämmerlicher Köter", endet er und beobachtet ihre Mimik, während die seine animalistische Züge annimmt.
Ihre Augen folgen ihm unentwegt und als er sich erneut gegenüber der Tür befindet, sieht sie ihre Chance einen Fluchtversuch zu starten. Nur kurz richtet sie ihre Aufmerksamkeit auf die Tür in ihren Augenwinkeln. Doch dieser Blick bleibt nicht unbeobachtet und als die Nomadin sich umdreht um zur Tür zu rennen bildet sich ein breites Grinsen auf seinem Gesicht. Zu schnell, selbst für vampirische Augen, bewegt sich Caius zu Martha, dreht sie um und steht nun hinter ihr und blockiert somit erneut den Weg zur Tür. Anstatt sie loszulassen, bleiben seine Hände an ihren Schultern und halten sie fast schon brutal an Ort und Stelle. „Wo sollte es denn so schnell hin gehen?", haucht er ihr amüsiert zu. Erschrocken und verwirrt steht die Deutsche wie versteinert da. In diesem Moment ist sie sehr dankbar für ihren toten Körper, der sie in dieser Situation nicht verraten kann. Neben dem Schock und der Angst, die nachweislich vorhanden sind, hat auch ein ihr unbekanntes Gefühl von ihrem Körper Besitz ergriffen. Seltsamerweise mag sie sein dominantes Verhalten in einem Maße wie es ihr nicht mehr gesund zu sein scheint. Sie fühlt sich zu ihm hingezogen auf eine Weise die ihr fremd ist und dennoch kommt es ihr vertraut vor. „Ich", beginnt Martha langsam, doch sie stoppt für einen Moment; nicht sicher wie sie fortfahren soll. Ergeben seufzt sie auf. „Ich weiß es nicht." Diese Aussage entstammt komplett der Wahrheit, denn wenn sie ehrlich ist, weiß sie nicht wohin sie hatte fliehen wollen.
Normalerweise hätte Caius länger gegen seine Gefühle angekämpft, doch er weiß, dass dieser Kampf gegen seine Gefährtin nicht zu gewinnen ist und Töten hätte er sie nicht können, geschweige denn der Exekution beiwohnen. Eher hätte er dem Vollstrecker den Kopf abgerissen, als den ihren fallen zu sehen.
„Das dachte ich mir", entgegnet ihr Caius schmunzelnd und streicht mit ungewohnter Zartheit ihre Haare nach hinten und entblößt damit ihren Hals. Auch wenn sie bereits ein Vampir ist hat dieser besondere Teil des Körpers noch eine äußert anziehende Wirkung. „Gefährten können eben nicht lange voneinander getrennt sein", flüstert er ihr zu und haucht ihr einen federleichten Kuss auf ihren Hals.
Geschockt sieht sie geradeaus, nicht sicher, ob sie ihn gerade richtig verstanden hatte. Sicherlich weiß sie, dass Vampire Gefährten finden können, die fortan die Ewigkeit miteinander teilen werden. Doch genau diesen Partner zu finden ist nicht allzu häufig und der ihre sollte ausgerechnet ein Volturi sein? Und nicht nur irgendein Volturi, sondern der Sadistischste der drei Meister? Gerade als sie sich weiter Gedanken darüber machen will, spürt sie, wenn auch nur kurz, seine Lippen an ihrem Hals. Wie von selbst lässt sie sich ein wenig gegen ihn sinken und ihre Augen schließen sich erleichtert. Das triumphierende Grinsen auf seinen Lippen kann sie förmlich spüren. Plötzlich spürt sie wie ihr Kopf ein wenig nach hinten gezogen wird und schon fast auf seiner Schulter liegt. „Versuch' erst gar nicht zu leugnen, dass es dir gefällt", flüstert er ihr ins Ohr und beobachtet mit Genugtuung welche Wirkung seine Worte auf sie haben. Mit einem Mal wird sie losgelassen, doch noch bevor sie sich wieder etwas orientieren kann, fühlt sie die steinerne Wand an ihrem Rücken. Der Blonde direkt vor ihr. Besitzergreifend und hart zugleich pinnt er sie dort mit einer Hand fest. Die Andere wandert ungewöhnlich sanft von ihrer Schläfe hinab und ruht schließlich an ihrem Kinn. Für einen kurzen Moment blicken sich beide in die Augen, ehe er ohne ein Wort zu sagen, doch mit einem leisen Knurren, den Raum verlässt. Die Tür lässt er dabei geräuschvoll ins Schloss fallen. Verwirrt lässt sich Martha auf der Couch nieder.
Am späten Nachmittag haben sich Aro und Markus wieder im Thronsaal eingefunden, als ihre Sekretärin den Saal betritt. „Ariana, Liebes, was führt dich her?" Vorfreudig wie man es nur von kleinen Kindern erwarten würde, geht Aro auf die neue menschliche Sekretärin zu, die ein wenig unsicher im Raum stehen bleibt. „Eine Nachricht von Carlisle Cullen für Euch, Meister", antwortet sie höflich und hält ihm das kleine silberne Tablett mit der Nachricht entgegen. Eifrig nimmt der Schwarzhaarige das Stück Papier und beginnt damit, es zu entfalten. „Danke, du kannst nun gehen." Mit diesen Worten entlässt er die Frau, die dieser Aufforderung schnellen Schrittes nachkommt. Eingehend den Brief studierend geht Aro zurück zu seinem Thron. Wenigstens hat sie eine bessere Rechtschreibung und Grammatik als Bianca. Markus beobachtet seinen Bruder aus den Augenwinkeln, er weiß, dass dieser ihn gleich in Kenntnis darüber setzen wird, was Carlisle ihnen mitzuteilen hat. Caius ist unterdessen noch in seinem Quartier, sollte jedoch in Kürze im Thronsaal eintreffen. Just in diesem Augenblick öffnet dieser die Tür und geht, den Brief in Aros Händen argwöhnisch begutachtend, zu seinem Platz. „Unser Freund Carlisle kündigt sich für die nächsten Tage an", beginnt der Schwarzhaarige enthusiastisch. Fragend zieht Caius eine Augenbraue nach oben, während sein Bruder fortfährt. „Das Kind ist nun erwachsen und er möchte uns das ordnungsgemäße Wachstum beweisen", endet Aro schließlich und faltet das Papier in seinen Händen wieder zusammen. Dann sieht er kurz zu seinen Brüdern. „Wie es aussieht, werden sie auch deren Gestaltwandler mitbringen", fügt er seufzend hinzu. Augenblicklich vernimmt er ein lautes Knurren zu seiner Linken. „Wir werden keinen dieser Hunde hier beherbergen", faucht ihm Caius erbost entgegen während er sich von seinem Platz erhebt. Nachdenklich, jedoch stumm, schweift Aros Blick durch den Raum. Auch er ist nicht sonderlich begeistert von der Idee einen Gestaltwandler unter seinem Dach zu wissen. Er wird wohl die Sicherheitsmaßnahmen erhöhen müssen und dafür sorgen, dass Carlisles Clan das Schloss noch am selben Tag verlässt. Seine Neugier den Hybriden nun wieder zu sehen und weitere Informationen über die erst kürzlich bekannte Rasse zu erhalten sind einfach zu groß, um dieses Treffen abzusagen. Und er weiß, ohne den Werwolf werden sie sich nicht auf den Weg begeben. Eine schwierige Entscheidung ist es, die er treffen muss, doch eigentlich hat er sich bereits entschieden. Caius wird er wohl nicht überzeugen können und Markus wird sich aus der Sache raushalten, also muss er nur noch die Wachen für diesen Tag neu organisieren.