Das neue Schuljahr war angebrochen und Kyoko Toshino und Yui Funami waren mit Akari Akaza, die immer noch so unscheinbar war wie vor den Ferien, auf den Weg zur Schule. „Ich freu mich darauf, endlich wieder alle zu sehen. Dieses Schuljahr wird das Beste, das garantiere ich euch!" Kyoko war sichtlich begeistert und voller Vorfreude. „Das sagtest du auch schon letztes Jahr", sagte Yui genervt. ‚Wann wird sie das endlich einsehen? Es wird schrecklich, das weiß ich jetzt schon´, dachte Yui enttäuscht. Sie hatte langsam genug von der energiegeladenen Kyoko und war froh, dass sie in den Ferien ein bisschen Zeit für sich hatte. „Was hast du denn dieses Schuljahr vor, Kyoko-chan?", fragte Akari neugierig und Kyoko fing an zu überlegen. ‚Was hab ich eigentlich vor?', fragte sie sich selbst in Gedanken. „Also, ich werde Chizuru dazu bringen mich zu mögen, ich werde ganz viele Pyjama-Partys machen, wieder Ayanos Pudding essen", zählte Kyoko auf. „Apropos Ayano, sie ist doch jetzt Schülerratspräsidentin, nicht wahr?" Ayano Sugiura war im letzten Jahr die Vizepräsidentin, aber da die frühere Präsidentin Rise Matsumoto jetzt auf der High School ist, wurde ihr nun das Amt übertragen. Sie hatte dadurch viel mehr Pflichten und aufgrund der Ereignisse in den Ferien würde sie das Amt nicht lange ausüben können.

„Bist du sicher, dass du das schaffst, Ayano-chan?" Chitose Ikeda, die beste Freundin von Ayano, war sichtlich besorgt. „Ja, ich schaff das", sagte Ayano in Gedanken versunken. Sie hielt sich den Kopf. ‚Warum musste das passieren? Wieso passiert sowas immer mir?', fragte sie sich selbst in Gedanken. Sie war in den Sommerferien zusammengebrochen, als Chitose bei ihr übernachtet hatte. Der Arzt stellte bei ihr eine Krankheit fest und meinte sie hätte noch höchstens vier Monate. Es bestand nur eine geringe Chance für sie. Ayano war deshalb in schlechter Verfassung und verlor öfters ihr Bewusstsein. „Ayano-chan!", schrie auf einmal Chitose als Ayano mit einem schmerverzerrten Gesicht stehen blieb und sich an einem Laternenpfahl festhielt. Das lilahaarige Mädchen spürte ein Stechen in der Brust. ‚Nicht schon wieder, alles fängt sich an zu drehen. Ich will nicht sterben!' Chitose hatte Angst um ihre Freundin. „Soll ich den Notarzt rufen?", fragte das weißhaarige Mädchen das Handy bereits in der Hand. „Nein, es geht schon!", sagte Ayano und versuchte stark zu sein. „Ayano-chan, in dieser Verfassung kannst du nicht zur Schule gehen geschweige das Amt der Schülerratspräsidentin ausüben." Ayano versuchte als Beweis, dass es ihr gut geht, weiter zu laufen und schaffte es auch. „Ich sagte doch, mir geht es gut!", schrie sie schon fast. „Ich mach mir halt nur Sorgen", entschuldigte sich Chitose bei der aufgebrachten Präsidentin. Sie nickte, sie war froh Chitose zu haben.

In der ersten Stunde hatten die neuen Drittklässler Englisch aber niemand schien sich für den Unterricht zu interessieren. Kyoko, energiegeladenen wie immer, ärgerte die direkt vor ihr sitzende Ayano. „Hey, Ayano-chan? Ayano-chan? Hey?" „Was ist?", fragte Ayano genervt und drehte sich um. „Ich wollte nur wissen ob du wach bist", entschuldigte sich das blonde Energiebündel. ‚Wenn sie nur wüsste, aber es ist gut, dass sie es nicht weiß', dachte sich Ayano. ‚Dass sie beide Dinge nicht weiß.' Sie fing wieder an wie wild an Kyoko zu denken, sie ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. ‚Sollte ich ihr noch sagen, dass ich sie liebe bevor ich sterbe? Oder ich geh einfach ohne irgendjemand anderen davon zu erzählen.'

„Kyoko-chan, ich hab eine Bitte an dich." Chitose fing Kyoko an der Tür ab. „Hä? Was ist denn?", fragte sie verwirrt. „Es geht um Ayano. Könntest du sie bitte im Auge behalten. Ich hab Angst um sie. Warum erklär ich dir später", erklärte Chitose und verschwand aus dem Raum den Gang hinunter. Jetzt war Kyoko noch verwirrter. ‚Ich wusste irgendwas stimmt mit Ayano nicht, fragt sich nur was. Ich krieg´s schon raus.' Kyoko war entschlossen und wenn sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, war sie nicht mehr davon loszukriegen. Sie stand also da und wartete auf die Schülerratspräsidentin. Sie fing an sie zu verfolgen und Ayano fing an sich unwohl zu fühlen. „Toshino Kyoko! Was machst du hier überhaupt?", schrie sie das blonde Mädchen an. „Chitose hat mich geschickt, ich solle dich im Auge behalten", erklärte Kyoko etwas eingeschüchtert. ‚Chitose! Was hast du ihr erzählt?', fragte sich Ayano und hatte Kyoko bereits vergessen. „Also, was ist los mit dir?", fragte Kyoko neugierig, sie wollte es unbedingt wissen. „Kümmere dich um deinen Kram!" Sie wollte weitergehen, aber dann spürte sie wieder ein Stechen in der Brust und ließ einen schmerzerfüllten Schrei raus. „Ayano-chan? Alles ok?", fragte Kyoko besorgt. In Ayanos Augen drehte sich alles und ihr wurde sehr schwindlig. ‚Nein, nicht jetzt vor Kyoko. Ich will nicht, dass sie es weiß.' Kyoko überkam ein Schock als das lilahaarige Mädchen plötzlich vor ihr komplett zusammenbrach. „Ayano-chan?" Sie kniete sich vor die am Boden liegende Ayano hin und wusste nicht was sie tun sollte. „Ayano-chan? Hörst du mich?" Sie versuchte die ohnmächtige Präsidentin wachzurütteln, aber sie erkannte, dass es keinen Sinn hatte. ‚Oh Gott, sie ist ohnmächtig. Was soll ich tun?' Kyoko war noch nie in so einer Situation gewesen. Sie konnte nicht klar denken, sie war total in Panik. ‚Was ist nur los? Wieso fang ich an zu weinen?' Ihr lief eine Träne die Wange hinunter, sie war nun vollkommen verwirrt. Zu ihrem Glück kam Yui vorbei. „Kyoko, beeil dich der Unterricht beginnt gleich. Was machst du hier überhaupt und wieso…" Sie stockte plötzlich als sie Kyoko mit Tränen in den Augen und die ohnmächtige Ayano in ihren Armen sah. „Was ist los?", fragte sie jetzt auch in Panik. „Ayano ist zusammengebrochen", antwortete Kyoko und versuchte sich zu beruhigen. „Bleib hier, ich ruf einen Krankenwagen." Kyoko nickte nur und wandte sich wieder der reglosen Ayano zu. ‚Hatte Chitose das gemeint? Aber wieso ist sie so plötzlich zusammengebrochen?' Sie strich ihr über den Kopf. ‚Ihre Haare sind so weich. Wach doch auf, Ayano-chan!' Sie fing an sie wie wild zu schütteln, aber Ayanos leere Augen zeigten, dass sie damit nichts bewirkte. ‚Was wenn sie stirbt? Sie schreit dann nie wieder meinen Namen, ich kann nie wieder ihren Pudding essen und ich seh sie nie wieder rotanlaufen. Nein, daran darf ich nicht mal denken!'

„Was? Höchstens noch vier Monate? Ayano-chan, wieso hast du uns nichts gesagt?" Kyoko war in totaler Sorge, so hatten sie die anderen noch nie erlebt. Sie, Yui und Chitose waren bei Ayano daheim und standen um ihr Bett. Die inzwischen wieder bei Bewusstsein und völlig aufgelöste Ayano wurde leicht rot. „Macht euch wirklich so sehr Sorgen um mich?", fragte sie dann mit einer immer noch anhaltenden Schwäche in der Stimme. „Natürlich, Ayano-chan", sagte Chitose lächelnd und bemerkte Ayanos leere Tasse. „Kyoko-chan, Yui-chan, bringt ihr Ayano noch einen Tee?" Yui nahm die Tasse vom Nachttisch und ging mit Kyoko in die Küche. „Was ist passiert?", fragte Ayano leicht verwirrt. „Du wurdest ohnmächtig, Kyoko wusste nicht was zu tun war und fing an um dich zu weinen. Dann kam Yui und hat einen Krankenwagen gerufen. Ich bin natürlich auch mitgekommen. Du hättest Kyoko sehen müssen, sie war vollkommen aufgelöst." Ayano wurde rot, sie fand es irgendwie rührend. ‚Toshino Kyoko hat echt geweint um mich?' Nach einer kurzen Pause fuhr Chitose fort. „Dann im Krankenhaus haben die beiden von deiner Krankheit erfahren und Kyoko hat noch mehr geweint. Sie hörte erst auf, als du wieder wach warst." Ayano errötete noch stärker, wieso hatte Kyoko so sehr um sie geweint?

„Kyoko-chan?" Kyoko reagierte erst jetzt auf Yuis Rufe. „Hä?", fragte sie verwirrt. „Gib mir mal die Tasse!" Kyoko nahm die Tasse und gab sie ihr. Sie muss ständig an Ayano denken. ‚Wieso musste ich weinen? Wieso konnte ich es stoppen? Es ist ja nicht so, dass ich und Ayano uns besonders nahe stehen oder so. Aber wieso muss ich dann weinen?' „Kyoko-chan? Du bist grad nicht wirklich du selbst", bemerkte Yui und Kyoko nickte nur. „Es ist wegen Ayano, richtig?" Kyoko fiel Yui weinend in die Arme. „Ich will nicht, dass sie stirbt!", sagte sie schlurzend. „Ruhig, alles wird gut!" Kyoko fing noch heftiger an zu weinen, sie konnte nicht aufhören. ‚Wieso kann ich nicht aufhören?', fragte sie sich in Gedanken. ‚Ich frage mich was mit Kyoko los ist. Liegt ihr Ayano wirklich so am Herzen?', fragte sich Yui Kyoko tröstend. „Hörst du? Sie weint schon wieder", erklärte Chitose lauschend. Ayano hörte es laut und deutlich. ‚So habe ich sie noch nie erlebt.' Ayano gab sich die Schuld.

Nach einigen Minuten kamen Yui und Kyoko wieder zu Ayano und Chitose und brachten den Tee. Kyokos Augen waren rot, man sah, dass sie geweint hatte. „Hier ist dein Tee!", sagte Yui, als sie Ayano die Tasse gab. „Danke", sagte Ayano leise, sie war noch immer schwach. „Wirst du jetzt von deinem Amt zurück treten?", fragte Yui dann. „Ich schaff das schon!" Ayano versuchte stark zu bleiben. ‚Sie ist so unglaublich stark, psychisch stark. Wieso muss sie gehen?' Kyoko war schon wieder in ihren Gedanken versunken und fing dann wieder an zu weinen. ‚Toshino Kyoko? Was ist los mit ihr?', fragte sich Ayano. „Ich will nicht, dass du gehst!", schrie Kyoko und fiel ihr weinend um den Hals. Chitose nahm ihre Brille ab und ihre Nase fing an zu bluten. „So gut!", schwärmte sie. Ayano wurde rot, sie war Kyoko selten so nah gewesen. ‚Sie riecht gut. Ob sie Parfum benutzt?', fragte sich das lilahaarige Mädchen. Yui zerrte Kyoko von Ayano weg und versuchte sie von ihr fernzuhalten. „Komm, Kyoko-chan, wir sollten gehen!", sagte Yui nun und zerrte Kyoko zur Tür. „Nein! Ich will zu Ayano!", schrie sie Yui an und befreite sich aus ihrem Griff. ‚Was macht sie eigentlich? Warum will sie bei mir blieben?', fragte sich Ayano, dann hörte sie jemanden die Tür schließen. ‚Ich wollte sie auch noch länger bei mir haben. Es war irgendwie schön, dass sie sich um mich so sehr sorgt.'