„Wo ist jetzt Kyoko-chan? Sie hat doch dieses Treffen organisiert", fragte Sakurako die ganze Zeit im Raum des Vergnügungsclubs rumlaufend. Sie konnte einfach nicht stillsitzen, sie konnte es nicht. Alle aus dem Club und auch aus dem Schülerrat sind auf Wunsch Kyokos hier zusammengekommen, nur Kyoko selbst fehlte. Die Lage war sehr angespannt, es kam selten vor, dass man ein sogenanntes Krisentreffen einberuft. „So, alle sind da, oder?" Kyoko erschien in der Tür und blickte durch die Runde. „Ja, wir haben auf dich gewartet!", sagte Chinatsu leicht genervt. „Wir hoffen, du hast einen guten Grund", fügte sie noch hinzu. „Also, es geht um Ayano-chan", fing Kyoko an und setzte sich auf den Boden. „Geht es um ihr Amt als Präsidentin?", fragte Chinatsu verwirrt. „Auch, irgendwie. Es ist wegen…" Kyoko wusste nicht wie sie es den anderen sagen sollte. Ihr fehlten die Worte und hatte das Gefühl, dass sie wieder in Tränen ausbrechen würde. „Sie ist schwerkrank und hat noch höchstens vier Monate", sagte dann Yui um es auf den Punkt zu bringen. Schock, schwerer Schock lag in den Gesichtern der anderen. Kyoko musste sich zusammenreißen. „Und wir wollen diese Zeit, die sie noch hat, zur schönsten Zeit machen, die sie je hatte", sagte Chitose begeistert und hatte schon klare Vorstellungen. Sie nahm ihre Brille ab und bekam wieder Nasenbluten. Akari gab ihr eine Box mit Taschentüchern. „Danke." „Also gibt es Vorschläge?", fragte Kyoko etwas angeschlagen. „Ich würd sagen, wir sind einfach nett zu ihr, unternehmen viel mit ihr und alles", schlug Chinatsu vor und jeder schien einverstanden. ‚Ayano, ich verspreche dir: Du wirst noch eine schöne Zeit haben!', dachte Kyoko hoffnungsvoll.
„Ayano-chan! Lass mich deine Bücher tragen!" Kyoko folgte Ayano auf Schritt und Tritt, sie wollte, dass Ayano glücklich ist. „T-Toshino Kyoko! Du läufst mir schon den ganzen Tag hinterher!" Ayano schien nicht besonders glücklich, aber insgeheim war sie das. ‚Sie verfolgt mich, das ist so süß. Sie ist so süß', dachte Ayano. „Jetzt lass mich doch deine Bücher tragen! Bitte!" Kyoko blickte Ayano mit ihrem Hundeblick an und Ayano wurde rot. „N-Na gut. Wenn du unbedingt willst", sagte sie und gab der aufdringlichen Blondine ihre Bücher. „T-Toshino K-Kyoko?", fragte das lilahaarige Mädchen auf einmal. „Hä?" Ayano wurde leicht rot. ‚Ich sollte ihr es noch sagen, aber wie?', fragte sich Ayano. „I-Ich…" Sie sah rüber zu Kyoko und ihre Augen trafen sich. Ayano errötete noch mehr, ihr fehlten die Worte. Sie blickte vor Verlegenheit weg. „Wieso bist du heute so nett zu mir?", fragte sie dann nur. ‚Ich hab´s vermasselt!' Ayano war wütend auf sich selbst. „Einfach so", log Kyoko, sie hatte ihr versprochen niemanden von ihrem Schicksal zu erzählen. Ayano nickte, aber wusste es hatte einen anderen Grund. ‚Ich will nicht, dass sie mich anders behandelt, nur weil ich sterben werde.' „Ihr seid heute alle so. Wieso?", hakte Ayano nach, obwohl sie es sich schon denken konnte. ‚Sie hat mich durchschaut', dachte Kyoko und fühlte sich ertappt. „Ok, ich hab´s allen gesagt und wir haben beschlossen, dass wir die Zeit zu deiner schönsten Zeit machen." Ayano wusste es, Kyoko konnte nichts für sich behalten. Sie war irgendwie enttäuscht, sie wollte nicht anders behandelt werden als sonst. „Euch würde es dann nur schwerer fallen, wenn es dann soweit ist", sagte Ayano, nahm ihre Bücher und ließ Kyoko einfach stehen. ‚Sie hat Recht, es würde mir dann nur schwerer fallen', dachte Kyoko und seufzte.
In der nächsten Unterrichtsstunde, Mathe, konnte sich weder Ayano noch Kyoko richtig konzentrieren. ‚Vielleicht hab ich es auch übertrieben', dachte Kyoko und wollte es wieder gut machen. ‚Ich hätte nicht so austicken dürfen, es ist meine Schuld', dachte Ayano und fühlte sich ebenso schuldig. Beide wussten was zu tun war. ‚Ich sollte mit ihr reden!' Kyoko fasste sofort einen Plan, riss ein Stück eines Zettels ab und schrieb darauf eine Nachricht an Ayano. Sie faltete es zusammen und warf es auf den Tisch des lilahaarigen Mädchens. ‚Hmm, was ist das? Von Kyoko?', dachte Ayano und öffnete das Papier. ‚Ayano-chan, wir sollten reden! Komm in der Pause in den Clubraum. Kyoko', las Ayano auf dem Zettel, drehte sich kurz zu Kyoko um und nickte ihr zu. Kyoko lächelte und Ayano drehte sich wieder um. ‚Schritt eins wäre geschafft', sagte Kyoko zu sich selbst und hakte in Gedanken eine Liste ab. ‚Frag sich nur noch, was ich sagen soll!' Kyoko grübelte die ganze Stunde hindurch.
„Toshino Kyoko!", schrie Ayano beim Eintreten in den Clubraum, fand aber das blonde, sonderbare Mädchen nicht vor. ‚Typisch! Erst bittet sie mich hierher und dann ist sie nicht da', dachte Ayano und setzte sich hin. Sie fand einige von Kyokos selbstgezeichneten Mangas vor und sah sie sich an. Als sie bemerkte, dass die Mangas überwiegend das Thema Yuri behandelten, wurde sie rot und legte die Mangas wieder weg. ‚Wie lange will sie mich noch warten lassen?', fragte sich Ayano seufzend. „Hey, Ayano-chan! Sorry, dass ich so spät bin!" Kyoko trat nun ein und war schon auf Ayanos Standpauke gefasst. „Toshino Kyoko! Für wen hältst du dich eigentlich, dass du mich hier herrufen und dann warten lassen kannst?", schrie Ayano, sie hielt Kyoko manchmal für unmöglich. „Tut mir leid, ich musste noch was klären", entschuldigte sich Kyoko, sie musste noch mit Yui reden. Die beiden hatten momentan ein bisschen Streit, wollten es aber geheim halten, denn gerade die beiden galten als die besten Freunde überhaupt. Kyoko holte nun ihr Essen raus und aß nebenher. „Also, worüber wolltest du reden?", fragte nun Ayano, nachdem sie sich wieder beruhigt hatte. „Es tut mir leid, ich habe es heute Morgen übertrieben. Ich hätte niemanden davon erzählen dürfen. Wie kann ich es wieder gut machen?", fragte Kyoko die rotanlaufende Ayano. ‚Geh mit mir aus!', wünschte sich Ayano insgeheim, aber ihr war es zu peinlich Kyoko um ein Date zu bitten. Kyoko blickte sie immer noch fragend an, was sollte Ayano sagen? „Ah, ich weiß schon", sagte Kyoko und Ayano errötete noch mehr. ‚Weiß sie es? Weiß sie, dass ich sie liebe?', dachte Ayano panisch. „Ich werde natürlich nie wieder deinen Pudding essen!" *facepalm* „Was denn?", fragte Kyoko unwissend. ‚Tut sie nur so oder ist sie wirklich so dumm?', fragte sich Ayano verwundert über Kyokos Vorschlag. Ayano nahm nun ihren ganzen Mut zusammen. „W-Willst d-du…? Sie stotterte und stockte die ganze Zeit. Kyoko schaute sie fragend an, Ayano konnte es nicht. „Willst du das noch?", fragte sie letztendlich und zeigte auf Kyokos Essen. ‚Ich hab´s schon wieder vermasselt!', dachte Ayano wütend. ‚Da ist noch was anderes als die Tatsache, dass sie sterben muss', dachte Kyoko verwundert über die Frage. „Du wolltest was anderes fragen. Wieso machst du immer einen Rückzieher?", fragte sie nun und wollte Klarheit. ‚Sie hat mich durchschaut. Was soll ich ihr sagen?' Ayano drehte in Gedanken vollkommen durch. „Du musst es nicht sagen, wenn du nicht willst… aber du weißt, dass ich es am Ende eh raus bekomme", sagte Kyoko grinsend. „Ich werd´s dir nicht sagen!", sagte Ayano entschlossen und verschränkte die Arme. „Buh!", sagte Kyoko, stand auf und ließ Ayano alleine zurück. „Noch nicht!", sagte Ayano sich sicher, dass Kyoko es nicht mehr hörte.
‚Was ist ihr Geheimnis? Was ist es?', fragte sich Kyoko daheim in ihrem Bett liegend. Es war inzwischen Nachmittag und Kyoko konnte nicht aufhören daran zu denken. ‚Vielleicht weiß es Chitose? Nein, wahrscheinlich nicht.' Sie würde alles tun um Ayanos Geheimnis zu erfahren. Sie war unglaublich neugierig und würde keine Ruhe geben bis sie es weiß. ‚Vielleicht ist sie ein Ninja oder ein Vampir?' Kyoko hatte keinerlei Ahnung, was Ayano vor ihr geheim hielt. ‚Vielleicht führt sie Tagebuch? Ja, das ist es!' Das Energiebündel sprang auf und wollte bei Ayano vorbei schauen mit der Absicht ihr das Geheimnis irgendwie zu entlocken. Sie zog ihre Schuhe an und machte sie auf den Weg.
Kyoko hörte es in Ayanos Haus klingeln, ihre Mutter öffnete die Tür. „Hallo, ist Ayano da?", fragte Kyoko freundlich. „Ja, sie ist gerade duschen. Warte doch in ihrem Zimmer auf sie!", forderte die Mutter sie auf und die Blonde zog ihre Schuhe aus. ‚Perfekt!', dachte Kyoko und ging die Treppen hoch in Ayanos Zimmer. Sie war schon gestern hier, aber hatte damals nicht dieselben Absichten. ‚Wo könnte sie es versteckt haben?', fragte sie sich und stellte das ganze Zimmer auf den Kopf. Sie schaute erst unter dem Bett, den auf dem Schreibtisch und dann im Kleiderschrank. ‚Sie hat Dessous?' Kyoko war verwundert als sie sexy Unterwäsche in Ayanos Kommode fand. Sie legte sie zurück und suchte weiter. ‚Ich hab nicht mehr viel Zeit, sie wird nicht ewig duschen.' Kyoko stand ein wenig unter Zeitdruck und war in Hektik. Sie ließ sich aufs Bett sinken, sie wollte sich geschlagen geben. Sie würde womöglich nie Ayanos Geheimnis erfahren. ‚Wieso ist das Bett so unbequem? Darauf kann man doch nicht schlafen!', dachte sie Kyoko und wollte der Ursache auf den Grund gehen. ‚Ha, da ist es!' Sie hielt triumphierend Ayanos Tagebuch in der Hand und dachte erst noch nach. ‚Soll ich es wirklich lesen? Ach, so schlimm kann das Geheimnis nicht sein!', dachte sie und öffnete das Buch an irgendeiner beliebigen Stelle. ‚Es tut so weh, ich kann es ihr einfach nicht sagen. Ich möchte, dass sie weiß, dass ich sie liebe… ihr blondes Haar glänzt wie Seide und ihre blauen Augen strahlen wie das Meer… sie mag ignorant und eigensinnig sein, aber ich liebe sie einfach. Ich liebe Toshino Kyoko.' Kyoko schluckte, sie hätte das jetzt nicht erwartet. Sie war vollkommen erstarrt, Ayano war verliebt in sie. ‚Ich hätte es wissen müssen. Es war doch eigentlich offensichtlich, wie konnte ich nur so blind sein?' „T-T-Toshino K-Kyoko?" Ayano, nur mit einem Handtuch um, stand in der Tür und war so rot wie noch nie. Kyoko legte sofort das Tagebuch weg und blickte zu Ayano. „W-W-War das mein T-Tagebuch?" Kyoko nickte verlegen und blickte zu Boden. „Weißt du es?", fragte Ayano leise. Kyoko nickte stumm, sie wusste nun alles.
