Im Schutz der Dunkelheit hastete sie durch die Straßen der nun ausgestorbenen Stadt.
Sie wusste weder wohin sie ging, noch wo sie war. Ihr tat alles weh was einem weh tun konnte. Und wie sie überhaupt von dem mehrstöckigen Gebäude runter gekommen war, blieb ihr ein Rätsel.
Mehrmals hatte sie sich verstecken müssen, um nicht entdeckt zu werden. Diese Fremden in Kampfanzügen und verspiegelten Visieren hatten zwar die Staturen von Batarianer und Asari, doch irgendetwas stimmte mit ihnen nicht.
Die junge Asari-Kommando hatte gehofft, wenn, ihnen nur einzeln zu begegnen und überwältigen zu können. Doch gleich nach ihrer spektakulären Landung hatten sie sich in Gruppen zusammengerafft. Nun war es für sie zu riskant sich mit ihnen anzulegen. Und so durfte sie sich auf keinen Fall von denen gesehen werden.
Vorsichtig setzte sie einen Fuß vor den anderen und schlich die dunkle Straße entlang. Sie hatte gerade den Fuß um einen Vorhof gesetzt, als sie einen Sprung zurück machte.
Nachdem nichts folgte lugte sie vorsichtig um die Ecke.
In Mitten des Hofes standen vier Gestalten in einem kleinen Kreis. Sie hatten alle ihre Blicke auf etwas zu ihren Füßen gerichtet.
Als sie genauer hin schaute, erblickte eine fünfte Gestalt die regungslos am Boden lag. Offensichtlich ein Gefallener.
Die Angreifer schienen sie nicht bemerkt zu haben.
Als sie wieder hinter der Ecke verschwand und sich Umdrehte stand plötzlich einer der gepanzerten Gestalten hinter ihr. Sie sah nur noch den Kolben des Gewehres auf sie zurasen Dann wurde alles Schwarz.
Als sie wieder zu sich kam war sie gefesselt und die vier Gestalten sowie eine weiter standen nun um sie herum, anstatt um ihren gefallen Kameraden.
Offensichtlich führten sie eine Unterhaltung, doch sie konnte kein Wort, kein Geräusch hören. Das machte auch keinen Unterschied, da sie ohnehin nichts verstanden hätte.
Einer von ihnen, der Neuankömmling wie sie vermutete, auch wenn sie sie wegen ihrer Rüstungen und der Dunkelheit nicht gut auseinander halten konnte, beugte sich zu ihr hinunter.
Er sagte plötzlich irgendetwas, versuchte mit ihr zu reden. Sie starrte nur verwirrt und mit Unverständnis über ihr Gesicht geschrieben.
Sein fruchtloser Versuch mit ihr zu kommunizieren hielten ihn offensichtlich nicht davon ab es weiter zu versuchen.
Sie hatten jedoch ein plötzliches Ende.
Ohne jedwede Vorwarnung wurde auf sie das Feuer eröffnet. Die Luft war nur so erfüllt von Projektilen der Massenbeschleuniger wie sie bei den Völkern der Citadel als Bewaffnung üblich waren.
Einer der Fremden wurden von schweren Kalibern mehrfach getroffen. Ein Gelb-Goldener glänzendes Energiefeld erleuchtete um ihn für einen kurzen Augenblick. Dann verschwand es und dutzenden Geschossen prallten auf seine Rüstung, zum Teil durchschlugen sie seine Rüstung.
Er fiel mit erhobenem und feuerndem Gewehr tot zu Boden.
Sie merkte wie der Soldat der sich über sie gebeugt hatte, sie nun packte und hinter eine kleine Mauer in Deckung schleppte.
Das Feuer der kolonialen Verteidiger prasselte derweil mit einem höllischen Lärm und wie ein nicht enden wollender Hagelschauer auf ihre Deckung ein und über sie hinweg.
Ihre Gefangenenwache packte sie an ihrer Rüstung und riss ein riesiges, nach Tod schreiendes Messer aus dessen Scheide.
Es pfiff so schnell durch die Luft, dass sie nicht reagieren konnte bevor es blitzartig durch sein Ziel glitt, wie ein salarianischer Gedanke aus dessen Mund.
Erstarrt vor Schreck spürte sie den fast schon chirurgischen Schnitt, doch dessen Folgen begann ihr Körper nur langsam zu spüren.
Die Kunststoffriemen die ihre Hände gefesselt hatten fielen, zwischen ihren Händen durchtrennt, zu Boden.
Verdutzt starrte sie den Humanoiden mit seinem Kampfmesser an.
Der legte ihr seiner rechten Hand auf die Schulter und mit seiner Linken versuchte er erneut zu Kommunizieren.
Erst deutete er auf sie, dann deutete er in Richtung einer Tür. Sie nickte hastig, worauf er ihr drei gestreckte Finger vor ihr Gesicht hielt. Anschließend zog einen zylindrischen Gegenstand von seiner Taktik Weste und warf ihn über die Deckung. Er hielt ihr einen gestreckten Finger mit der linken Hand ins Gesicht. Und zog seine Pistole aus dem Magnethalfter um vier Mal bind über ihre Deckung zu schießen.
Er hielt ihr zwei gestreckte Finger vor, wobei er mit der rechten seine Pistole wegsteckte.
Sie wusste genau was jetzt kommen würde.
Er zeigte ihr drei gestreckte Finger, packte sie an der Schulter und rannte mit ihr in Richtung der Tür.
Durch die dichten Schleier der Rauchgranate, die nun den Platz zwischen ihnen und den kolonialen Verteidigungskräften vernebelten, erblickte sie gerade noch wie ein Batarianer mit einem Raketenwerfer auf sie zielte und abdrückte.
Sie blieb stehen, schubste ihre Wache in den Gebäudeeingang auf den sie soeben noch zugehechtet warne und erhob ihre Hände in Richtung der auf sie zukommenden Rakete.
Mit all der ihr zur Verfügung stehenden Kraft errichtet sie eine biotische Barriere, die sicher nur ein zwei Sekunden halten würde bis sie zu erschöpft wäre um sie aufrechtzuerhalten.
Keine Sekunde zu früh. Die Rakete schlug auf die Barriere und der größte Teil ihrer zerstörerischen Kraft wurde von ihr abgelenkt bevor sie und ihre Errichterin zusammenbrachen.
„Wie auch immer sie dieses blaue Energieschild hingekriegt hat oder was auch immer sie gemacht hat, sie hat damit Wolfs verdammten Kraut-Hintern gerettet.", grummelte Price und beendete damit die Diskussion seiner Männer.
„Sie hat sich wahrscheinlich in den verdammten Kraut hintern verknallt. Er hat sich ja mal wieder als Ritter für eine Jungfrau in der Not erwiesen.", grinste Woitinek.
„Woitinek halt deine verdammte Klappe.", raunte Higgins.
Jemand räusperte sich und alle drehten sich zu der Tür um, die in ein Hinterzimmer führte.
„Ich hab sie wieder zusammen geflickt soweit es mir hier möglich war. Sie ist in schlechter Verfassung.", meinte Svensson, die Sanitäterin der Gruppe: „Sie scheint die selbe Aminosäuren wie wir Menschen zu haben und sonst uns auch recht zu ähneln. Aber ob es ihr hilft was ich ihr gegen hab, oder es sie umbringt kann ich nicht sagen."
„Sie haben ihr möglichstes getan Sergeant. Ruhen sie sich aus.", erwiderte Price und wandte sich dann an seine Truppe: „Higgins sie sind dran mit der ersten Wache. Bis die Marines in ihren hübsch klimatisierten Panzern anrollen will ich das immer mindestens zwei ein Auge auf die Straße vor dem kleinen Laden hier haben.", womit er aus dem Schaufenster deutete: „Und das kann dauern wie ihr wisst. Ich weis nicht was sich dieser verdammte Navigator der Fregatte gedacht hat, als er uns über der falschen Stadt auf der falschen Seite des Sees abgesetzt hat. Woitinek, sie suchen sich ihr Krähennest und bleiben dort. Ich will alles mitbekommen was in 500 Metern Umkreis vor sich geht. Und Wolf. Da es ihr Fang ist gebe ich ihnen zu gerne die Aufsicht über ihn."
„Verstanden Sergeant Major.", erwiderten alle im Chor und folgten ihren Befehlen.
Es vergingen Stunden und Wolf blieb, abgesehen von einer halben Stunde Wachablösung die ihm der Sergeant Major aufbrummte, in dem kleinen stickigen Zimmer.
Irgendwann fielen ihm immer wieder die Augen zu.
Sein Kinn fiel ihm auf die Brust. Er schreckte auf.
Er blickte sich um. Nichts hatte sich verändert. Er nahm seinen Helm ab und legte ihn neben sich auf den Boden.
Auf einmal stöhnte die Gefangen und begann sich zu bewegte.
Wolf machte einen Schritt auf sie zu und beugte sich über sie. Anscheinend hatte sie einen schlechten Traum.
Sie sah so hilflos aus, wie sie sich auf ihrer improvisierten Schlafunterlage wand.
Auf einmal schreckte sie auf und gab einen leisen Schrei von sich.
Wolf legte seine Hand auf ihre Schulter, schaute ihr ihn die Augen und versuchte sie zu beruhigen. Und es klappte. Langsam wurde ihre Atmung entspannter.
Einen Augenblick lang starrten sie einander in die Augen. Verwirrt und irritiert blickte die Blaue ihn an, als ob sie die Ähnlichkeit ihrer Spezies nicht fassen könnte.
Ihre Hand wanderte langsam in nach oben, bis sie schließlich über sein Gesicht streifte.
Der Orbitalspringer schien wie paralysiert, er machte Anstalten keinerlei sie davon abzuhalten ihre Finger auf seiner Schläfe zu platzieren.
Sie murmelte etwas.
Bilder, Geräusche, Gefühle flutete nur so über ihn herein.
Als es vorbei war, stolperte er rückwärts, viel erschöpft neben seinen Helm und war sofort weg.
Der Wind pfiff ihr ins Gesicht, während A'ina in der geöffneten Ladeluke des kleinen Landungsschiffes stand. Sie waren die Vorhut. Auch wenn ihre Aufgabe nur im Beobachten lag, so waren sie auf einem besetzten Planeten. Sie waren sogar knapp vor der Turianischen Flotte. Als Specter des Rates hatte man gewisse Vorzüge und Privilegien. Obwohl diese auf einer Kolonie unter größtenteils Batarianischem Einfluss weniger Wert waren. Und vor dem unbekannten Feind erst recht nicht.
Das Landungsboot setzte auf einer kleinen Lichtung zwei Tagesmärsche außerhalb der Hauptsiedlung auf. Von hieraus sollte es mit einem Fahrzeug der Miliz weiter gehen.
Die Jägerin setzte sogleich ihre Füße auf den Boden des Planeten und blickte aufmerksam umher.
„Specter, was brauchen wir an Ausrüstung?", schallte die Stimme einer der Kommandosoldatinnen aus dem Laderaum. Man hatte ihr eine Asari-Kommandoeinheit zugeteilt. Sie wünschte sich der Rat hätte dies nicht getan.
Sie waren allesamt unerfahren, zum Teil sogar blutige Anfängerinnen. Aber Befehl war Befehl.
Sie drehte sich zu der jungen Jägerin um, als sie in ihren Augenwinkeln für Sekundenbruchteile eine Gestalt wahrnahm. Mehrere faustgroße Objekte flogen an ihr vorbei in das Innere des Landungsbootes und explodierten dort.
A'ina spürte die Druckwelle und wurde von ihr weggeschleudert. Noch bevor sie aufschlug verlor sie ihr Bewusstsein.
Wolf schreckte auf. Dabei stieß seinen Helm laut gegen die Wand des Zimmers.
War das alles nur ein Traum gewesen? Musste es. Er hockte immer noch auf seinem Platz und hatte seinen Helm anscheinend nie abgenommen. Die Gefangen lag immer noch schlafend in der Ecke.
Das Display in seinem Visier zeigt ihm an das er 2 Stunden Geschlafen hatte.
Price kam mit abgesetztem Helm in das Zimmer. Wolf stand auf, nahm seinen Eigenen ebenfalls vom Kopf und salutierte.
„Unser Zug ist abgesehen von unseren beiden Verlusten und einem aus Kennsy's Gruppe vollständig. Aber er ist über die ganze Stadt verteilt.", begann Price ihn in Kenntnis zu setzten: „Ein Großteil hat sich irgendwo eingegraben und wartet nun auf die Verstärkung. Das Problem ist, die wird vorerst nicht kommen."
„Was?", erwiderte Wolf ungläubig.
„Wie es scheint reagierte Admiral Harper etwas voreilig und auf eigene Verantwortung. Das Oberkommando hat ihn zurück gepfiffen. Harper's Flotte so wie unsere Ausrüstung ist noch aus dem Allianz-Kriege, deswegen will das Oberkommando eine offene Konfrontation mit den Vögeln und den Vieräuglern vermeiden. Außerdem fürchten sie einen Zweiten Angriff auf Shanxi.
Was heißt die haben uns hier nur abgesetzt und wurden dann abgezogen. Zwei veraltete Zerstörern und eine fast auseinander fallender Kreuzer sind plötzlich nichtmehr genug um eine Kolonie zu schützen. Also haben sie die Hälfte der Seelenverkäufer von Fregatten wieder zurück beordert. Der Rest sammelt die Truppen am Eigentlichen Landepunkt wieder ein und wird sich dann auch verziehen."
„War das nicht der ursprüngliche Plane, möglichst schnell die Schiffe wieder zurück zu ziehen?", fragte Wolf.
„Bis zu dem Transitportal, aber nicht bis zurück nach Shanxi.", antwortete der Sergeant Major.
„Mist.", fluchte sein Schütze: „Schaffen wir es bis zur Landungszone, bevor die Navy verschwindet?"
„Nein. Wir haben aber neue Befehle bekommen. Die Luftabwehr ist als Ziel fürs erste außen vor, wir sollen uns eingraben und auf die Fünfte Flotte warten. Oder zumindest einen Teil davon.", fuhr Price fort.
„Die Fünfte Flotte? Wollen die den Planeten einäschern? Die Fünfte Flotte kommt direkt aus dem Bürgerkriegsgebiet der Überbleibsel der Allianz. Sie hat seit dem Ende des Großen Krieges nichts anderes Gemacht als Flotten der Brut und Sangheili-Seperatisten zu jagen und deren Stützpunkte in Schutt und Asche zu legen. Wenn die hier eintreffen werden die auf alles Schießen was nur ansatzweise nicht nach Mensch aussieht.", kommentierter Wolf die neue Information.
„Haben sie etwa Mitleid mit denen?", erwiderte sein Vorgesetzter.
„Mit Verlaub Sergeant Major, sie verstehen da etwas falsch. Das sollte ein Gegenschlag werden, um uns Zeit zu verschaffen unserer Kräfte neu auszurichten, keine Strafexpedition mit Genozid.", warf der Beschuldigte ein: „Hier leben auch Nicht-Kombattanten. Kinder, Frauen und Familien. Und bei denen habe ich keine gezielte Aggression gegen uns gesehen. Selbst die Blaue hier,", womit er auf die Gefangene deutete: „Hat keinerlei Anstalten gemacht uns zu töten, seit wir sie gefangen genommen haben. Kein Existenzbestimmender Hass gegen Menschen, kein bestreben die Menschheit auszurotten. Sie hat sogar einem Ihrer Untergeben das Leben gerettet. Wenn wir einfach jeden der uns vor den Lauf läuft töten, sind wir nicht besser als die Allianz und die Propheten."
„Nette Rede, leider bin ich dafür der falsche Ansprechpartner.", Price seufzte müde: „Nun erst einmal sollten wir uns um unser Überleben sicherstellen. Danach können wir uns um sowas Gedanken machen. Immer schön eins nach dem andren."
Er verließ das Zimmer.
Wolf legte seinen Helm seufzend auf einen Tisch neben der Tür. Als er nach der Gefangen sah, bemerkte er wie sie ihn mit großen Augen anstarrte.
Er dachte sich nichts dabei, schließlich hatte sie noch keinen seiner Spezies ohne Helm und Visier gesehen.
„Ist der aufziehende Sturm, wirklich so schlimm.", stammelte sie mit einer sehr merkwürdigen Aussprache zusammen.
„Viel schlimmer.", antwortete ihr der Orbitalspringer abwesend, griff nach seiner Feldflasche um sich einen Schluck zu genehmigen, setzte an und hielt mitten drin inne.
Entgeistert blickte er sie an, während der Inhalt seiner Feldflasche munter auf den Boden plätscherte. Gleich darauf fiel sie dumpf zu Boden, während der Erdsoldat sich zu seiner Gefangen herunter beugte.
„Du sprichst meine Sprache? Wie…?", fragte er sie immer noch verwirrt drein schauend.
„Die Asari, meine Spezies, hat ihre Fähigkeiten.", erwiderte sie leicht verlegen und etwas schüchtern lächelnd.
„Das war gar kein Traum. Du hast vorhin meine Gedanken gelesen!", platzte es aus ihm heraus.
„Nein so einfach ist das nicht. Das Verschmelzen lässt mich nur Gefühle und Eindrücke sehen und eben auch Grundlegende Sachen wie Sprachen erfahren. Konkrete Gedanken kann ich nicht aus dir herauslesen.", versuchte sieh ihn zu beruhigen.
Wolf kippt beinahe ein zweites einmal hinten Über. Er atmete tief durch, versuchte sich zu sammeln und dabei das gesehen in dem vermeintlichen Traum sich wieder ins Gedächtnis zu rufen. Dann wandte er sich erneut an seine Gefangene: „Du weist wo die Erde ist."
„Was? Nein.", erwiderte sie, erschrocken von der Kälte in seiner Stimme.
Er schien nicht überzeugt von der Ehrlichkeit ihrer Antwort. Er griff an sein Magnetholster und richtet seine Pistole auf sie: „Bei den Bildern, die mir durch den Kopf schossen als du meine Gedanken gelesen hast, war die Erde dabei. Ganz klar und deutlich hab ich sie gesehen. Also Versuch mich nicht für dumm zu verkaufen!"
Sie hielt erschrocken ihre Hände vor ihr Gesicht und antwortet hastig: „Ich weis das sie euer Heimatplanet ist, wie sie heißt und wie sie aussieht, aber nicht wo sie liegt."
„United Nations Space Command Notfall Prioritäts Auftrag 098831A-2, die Information über die Lage der Kolonien der Menschen und der Erde muss geheim bleiben. Diese Informationen dürfen unter keinen Umständen dem Gegner in die Hände fallen. Dies zu vermeiden ist oberste Priorität und ist mit allen erforderlichen Mitteln zu gewährleisten.", rezitierte er den wohl bekanntesten stehenden Befehl des UNSC frei, der auch umgangssprachlich Cole-Protokoll genannte wurde.
„Warte!", kreischte sie fast und schaute ihn flehend an: „Ich bin nicht euer Feind. Du hast selbst gesagt ich habe euch nicht geschadet, und dich sogar gerettet. Ich gehöre weder zur Batarianischen Hegemonie noch zu Turianischen Hierarchie."
Der Erd-Soldat entspannte leicht seinen griff um seine Waffe, senkte sie allerdings nicht. Nach einer Weile Schweigen fragte er schließlich: „Was machst du dann hier?"
„Mein Auftrag war, die Batarianer und die Turianer hier im Auge zu behalten. Nachdem letzte Woche die Hierarchie und die Batarianer plötzlich je eine ihrer Flotten heimlich marschbereit machten, wurde ich zu einem ihrer vermuteten Ziele geschickt, um herauszufinden was hier los war. Bis ihr hier aufgetaucht seid, habe ich ein paar Gerüchte über eine verschwundene turianische Grenzflottille gehört und eine große Ansammlung Batarianischer Söldner gesehen, die hier durch kamen. Nichts was den Rat eine Intervention veranlassen würde."
„Die Vieraugigen sind Batarianer, und die Vögel Turianer, oder? Und was ist dieser Rat?", fragte Wolf ruhig.
„Ja das sind sie. Der Rat ist die oberste Instanz der Galaktischen Ordnung. Er ist das exekutive Komitee, dass das galaktische Zusammenleben regelt und für den galaktischen Frieden sorgt.", antworte sie ihm mit leicht zitternder Stimme.
Wieder trat Schweigen ein. Nach einer Weile, es konnten nur mehrere Sekunden oder auch wenige Minuten gewesen sein, durchbrach die Asari die Stille: „Was ist zwischen euch und den Batarianern und Turianern vorgefallen? Du hast vorhin zu deinem Vorgesetzten, dass dies nur ein Gegenschlag zur Zeitgewinnung sein sollte. Ihr seid also nicht die Aggressoren?!"
Der Orbitalspringer schaute sie immer noch misstrauisch an, als ob er ihre Geschichte nicht glauben konnte. Dann nahm er seine Waffe herunter, setzte sich auf eine Kiste neben die am Boden liegende Asari und begann zu erzählen: „Vor etwa drei Wochen entdeckte ein Bergbauschiff eine große, uns unbekannte Konstruktion am Rande eines unserer Systeme. Irgend so ein übereifriger Wissenschaftler hat dann daran herum gespielt und es zufällig nach eineinhalb Wochen aktiviert. Es stellte sich heraus, dass es eine Art Transitportal ist, das einen über eine große Entfernung in sehr kurzer Zeit bringt. Auf der andern Seite wurde das Forschungsschiff von einer unbekannten Flotte unter Beschuss genommen. Es kam gerade so zurück bevor es auseinander Brach. Kurz darauf folgte die Flotte. Sie zerstörte einige Schiffe die sich im Orbit befanden, darunter zwei UNSC Korvetten, eine UNSC Fregatte und ein Passagierschiff voller Kolonisten. Nachdem jede mögliche Gegenwehr ausgeschaltet war zog sie sich zum Transitportal zurück um die Ankunft der Bodentruppen zu decken. In der anschließenden Woche folgte ein nicht enden wollender Strom an batarianischen Schiffen durch das Transitportal. Sie griffen den Planeten an, plünderten und verwüsteten ihn. General Williams versuchte Welle um Welle abzuhalten, doch von eineinhalb Millionen Kolonisten waren am Ende keine Fünfhunderttausend mehr auf dem Planeten am Leben."
Und wieder trat Schweigen ein. Doch dieses Mal war es so bedrückend das keiner der beiden wusste wie er es brechen konnte.
„Verstehe ich das richtig, du bist also eine Beobachterin eines neutralen Komitees, das seine beiden, sich losgerissenen Bluthunde zurückpfeifen könnte?", warf der Erdsoldat in die bedrückende Stille.
„Was?", erwiderte sie irritiert, überlegte kurz und meinte dann: „Sieht so aus."
Der Orbitalspringer sicherte seine Pistole, steckte sie an sein Magnethalfter und streckte seine Hand aus.
„Alle Geräte die zur Kommunikation oder zur Ortsbestimmung verwendet werden könne bitte.", wies er sie an.
Erst zögernd, begann sie schließlich etwas um ihrem Arm zu entfernen und es ihm zu geben. Dann starrte sie ihn erneut an, als ob sich versuchte ihn einzuschätzen. Schließlich lehnte sie sich zurück, legte sich auf wieder auf den Boden und drehte sich auf den Bauch.
„An den linken Ecken des Kastens mit den blauen Lichtern ist je eine Klammer. Öffne die beiden.", wies sie ihn an.
Vorsichtig ging Wolf in die Knie, beugte sich leicht vor und öffnete die Klammern. Mit einem Zischen entwich Druckluft an den Klammern und der Kasten machte einen kleinen Satz nach oben.
„Nimm den Kasten ab. Darunter befinden sich ein großer Riegel.", fuhr sie fort: „Löse ihn und öffne den Anzug. Auf der Unterseite des rechten Teiles ist ein quadratischer Chip in den Anzug gesteckt. Das ist der Peilsender, ziehe ihn heraus."
Wolf folgte ihren Anweisungen und hielt am Ende den Chip in seiner Hand.
Er legte ihn auf den Boden und zerschlug ihn mit dem Griff seiner Pistole.
Die Blaue drehte ihren Gesicht zur Seite und räusperte sich: „Ähm, könntest du bitte meinen Anzug wieder zusammen setzten?"
Mit einigen schnellen präzisen Handgriffen setzte er den Rest wieder zusammen.
Die Asari legte sich wieder auf ihren Rücken und lächelte: „Danke. Ich war nie der Stripper Typ."
„Wolf.", schallte die Stimme von Price in von der Tür her.
Der Gerufene sprang auf, packte seinen Helm und spurtet aus dem Zimmer.
„Ich haben einen Auftrag für dich.", begrüßte ihn sein Vorgesetzter: „Nachdem wir hier festsitzen und keine Verstärkung in Sicht ist, hab ich mir ein paar Gedanken gemacht."
„Sir?", erwiderte Wolf nur.
„Du wirst zusammen mit Higgins eines der letzten Wiederstandnester in der Stadt säubern. Das Areal ist bereits in euren Karten markiert. Lasst das Großgerät dort möglichst unbeschadet und wenn ihr fertig seid liefert ihr ein Paket, dass ich euch schicken werde. Soweit verstanden Höllenspringer?"
„Verstanden Sir.", kam von seinem Untergebenen.
Der Sergeant Major wand sich ab, hielt kurz inne und ergänzte: „Noch irgend welche Fragen oder Anmerkungen, Höllenspringer?"
„Wer übernimmt meinen Wachdienst Sir?", fragte der vorsichtig.
„Svenson wird die Ladentür und die zum Hinterzimmer gleichzeitig im Auge behalten müssen.", antwortete der Sergeant Major.
„Sir, ich würde vorschlagen, dass in Gegenwart unseres Gastes niemand über unsere derzeitige militärische Lage redet. Ich habe zwar ihr Kommunikationsgerät, aber ich bin mir nicht sicher ob sie nicht doch ein weiteres Besitzt.", warf Wolf leicht beiläufig ein.
„Du hast was? Wie bist du daran gekommen, und woher weist du dass das nicht nur irgendein Gerät ist?", erwiderte sein Vorgesetzter überrascht.
„Ich habe sie darum gebeten jedwede Kommunikationseinheit oder Peilsender mir auszuhändigen, was sie in beiden Fällen ohne zu zögern getan hat.", erklärte ihm Wolf.
„Sie hat dich verstanden?", kam nur von dem noch verblüffteren Sergeant Major.
„Sieht so aus.", antwortete Wolf: „Sie hat mir sogar verständlich Anweisungen gegeben wie der Peilsender an der Unterseite ihres Anzugs zu entfernen ist. Ich schicke dir die Aufzeichnung der Unterhaltung meines Helmmikrophons."
Für einen kurzen Moment beäugte Price seinen Untergebenen einschätzend. Dann brach er in Gelächter aus: „Und Svenson dachte du würdest unserer Gefangenen an die Wäsche gehen."
„Und das hast du ihr geglaubt?", meinte Wolf überrascht.
Worauf Price noch etwas belustigt reagierte: „Ich hab ich gesagt sie soll sich ihre Anschuldigungen sonst wo hin stecken und dass du eine mönchshafte Selbstdisziplin besitzt, wenn es um Frauen geht. Dennoch, etwas gezweifelt hab ich, nachdem sie mir erzählt hat, du hättest die Gefangenen ausgezogen."
Der Sergeant Major atmete tief durch, und als er sich beruhigt hatte meinte er: „Das wär ja wie aus einer schnulzige Romanze.", dann prustete er wieder los.
Wolf salutierte mit einem unterdrückten Lacher und verließ den provisorischen Unterschlupf.
„Was ist mit dem Häuptling los?", fragte Higgins, der Außen auf ihn wartete: „Hat der irgend was genommen?"
„Kleines Missverständnis, das anscheinend zum Lachen ist.", antworte ihm sein Kamerad.
„Na dann.", kommentierte der wartende und sie verschwanden in den Straßen der leeren Stadt.
A'ina erwachte am Rande der Lichtung, um sie herum lagen überall Trümmer des Fracks, das einmal ein Landungsboot gewesen war.
Stöhnende richtete sie sich auf und beobachtete ihre Umgebung. Ihr Angreifer musste entweder in Eile oder Allein gewesen sein, den er hatte sich nicht die Mühe gemacht, zu prüfen ob alle in der Explosion umgekommen waren.
Ihr sollte es Recht sein.
Auf ihr kaputtes Sturmgewehr stützend rappelte sie sich auf und humpelte in den Wald.
