Es herrschte reges Treiben in der Kommandozentrale des Turianischen Schlachtschiffes.
Victus, seines Zeichens General, marschierte mit zügigem und festem Schritt durch die Tür des taktischen Herzes der Flotte. Dies tat er mit einer Arroganz, als ob man ihn angewiesen hätte ein Steinzeitvolk von einem E-Zero Vorkommen zu vertreiben.
„General.", begrüßte ein Offizier diesen: „Wir haben mittlerweile wieder begrenzte Kommunikation zu Unio. Die koloniale Garnison wurde von dem Angriff überrascht und musste sich aus den beiden Landezonen zurück ziehen."
„Die Überraschung muss schon sehr groß gewesen sein.", kommentierte Victus den Lagebericht seines Adjutanten.
„Die Truppen vor Ort haben sich bei ihrem Gegenschlag fürs erste auf die Primäre Landezone des Feindes Konzentriert.", fuhr der fort, als ob nichts gewesen wäre: „Für beide hätten sie nicht genug Man gehabt."
„Feige Batarianische Sklaventreiber, werden nicht einmal mit einer Hinterwäldler Spezies fertig, die sie mit Pfeil und Bogen attackieren. Und noch schlimmer, sie merken es nicht wenn sie überlistet werden.", schimpfte der General: „Wenn ich diese Aufklärungsdaten richtig interpretiere, hat sie der Feind zum Narren gehalten. Seine primäre Landungszone passt einfach nicht."
„General Victus, es war die logische Wahl. Die alte Siedlung besteht nur aus Containern und Modulen, Verteidigungssysteme sind so gut wie nicht vorhanden. Ein Landen und Erobern ist wesentlich leichter.", warf ein junger Leutnant ein.
Victus starrte ihn mit einem bösen Blick an, der schon so manch einen Piraten oder Kadetten in die Flucht gejagt hatte, und knurrte: „Bringt man euch heutzutage in der Akademie nichtmehr bei, dass man einem General nicht einfach widerspricht?!"
„Ich habe ihnen nicht widersprochen, sonder nur meinen Standp…", versuchte sicher der junge Offizier zu rechtfertigen, wurde aber von dem in Lachen ausbrechenden General unterbrochen.
„Ein typischer Anfängerfehler mein Sohn.", erklärte ihm Victus beinahe kumpelhaft: „Gerade weil dieser Punkt so leicht einzunehmen war, ist dies nur eine Ablenkung. Der Widersacher würde ihn genauso leicht erobern können, wie man selbst. Die neue Stadt hingegen besteht aus richtigen Gebäuden, die wesentlich stabiler sind. Und da sie im Moment nur eine Baustelle ist, befinden sich auch nur wenige Zivilisten dort, die einem in den Weg kommen könnten. Soweit die Ausgangslage.
Laut den Berichten die mir weitergereicht wurden, ist sämtlicher Kontakt zur Neuen Stadt abgebrochen nachdem die Garnison sich zur primären Landezone begeben hat. Keiner weis genau wie und wie viele der Feinde dort gelandet sind.
So wie ich das sehe, wird sich der Feind so bald wir dort eintreffen in die neue Stadt zurück ziehen, um diese zu halten und uns ein paar zusammengeschossene Module zurücklassen."
„Das…", stotterte der Leutnant: „leuchtet ein."
„Die Frage die sich jetzt stellt, ", fuhr der General fort: „Wie viele Truppen hat der Feind in der neuen Stadt bereits gelandet."
„General, der letzte feindlicher Kreuzer hat sich soeben über das Massenportal zurück gezogen.", meldete Victus' Adjutant: „Die Garnisonstruppen melden, dass alle feindlichen Kräfte aus der alten Siedlung zurück gezogen haben."
„Und die Feinde in der anderen Kampfzone?", fragte der General.
„Die scheinen noch da zu sein. Es wurden keine feindlichen Transporter in oder Truppenbewegungen um die Stadt gemeldet.", antwortet sein Adjutant.
„Auch gut.", meinte Victus ruhig: „Unsere Truppen sind wegen eines Kampfes gekommen, den will ich ihnen nicht nehmen."
„Sir?", erwiderte sein Stellvertreter fragend.
„Wenn wir diese Bauruine von einer Stadt durch Truppen säubern stärkt das die Moral und tilgt die Schmach, des ungehinderten Angriff auf eine unserer Welten. Zumindest teilweise. Außerdem wird die Kolonialisierungsbehörde es sicher nicht gut heißen wenn wir ihre fast fertiges Vorzeigeprojekt in Schutt und Asche legen würden.", erklärte sich der General, betrachtete die auf dem Hologramm erschienen Lagekarte und befahl dann: „Schickt die komplette 432. Brigade zur Rückeroberung."
Es war weder eine Bewegung der, noch irgendeiner der Invasoren zu sehen, als der erste Turiansiche Kreuzer die Stad überflog. Für die wenigen Überlebenden Turianer und Batarianer, die sich versteckt hielten, war es regelrecht gespenstisch, das Kriegsschiff über die Stadt hinweg gleiten zu sehen.
Im Innern des Schiffes machten sich die Truppen bereit abgesetzt zu werden. Da wurde der Kreuzer plötzlich durchgeschüttelt.
In wenigen Augenblicken hatten die Flak-Kanonen und Laser des kolonialen GARDIAN-Flugabwehrsystem in den Kreuzer ganze Löcher gerissen.
Unkontrolliert stürzte das Turianische Schiff einige Hochhäuser streifend am Stadtrand ab.
Im Orbit betrachtete ein überraschter Führungsstab entsetzt das Geschehen.
„Sie sagten das GARDIAN -System sei bei dem Angriff zerstört worden.", fauchte der General einen seiner Offiziere an.
„General, es wurde bei der Invasion neutralisiert. Sie müssen es wieder instandgesetzt haben.", erwiderte der Betroffene fast schon panisch.
„Leiten sie alle Landungsschiffe um. Sie sollen die Truppen in sicherer Entfernung absetzen.", befahl Victus.
Wolf und Higgins spurteten durch die Straßen der leeren Stadt, von Deckung zu Deckung. Ein letzter Sprint und sie hechteten sich regelrecht in einen Hauseingang.
„In Position und bereit.", funkte Wolf seinen restlichen Kameraden.
„Nette Aktion mit der Fregatte, Jungs. Die Gesichter dieser flugunfähigen Vögel hätte ihr sehen müssen, als die aus ihrem Schiff geflogen sind.", kommentierte Woitinek den Haufen Altmetall der nun vor der Stadt lag.
„Funkstille.", kam ermahnend vom Sergeant Major.
„Macht euch bereit, sie kommen.", antwortete der Scharfschütze nur.
Wenige Sekunden später kam ein ganzer Zug der Vögel in Sicht.
Keiner der beiden rührte sich bis die Feindlichen Truppen etwa die Hälfte der Straße hinter sich gelassen hatten, dann drückte Higgins den Auslöser.
Ein ganzes Stück der Straße, in dem sich die Feindliche Einheit befand, explodierte.
Die verteilten Sprengladungen und Minen rissen einen großen Teil der Turianer in Stücke. Der Rest wurde mit herumfliegenden Trümmer, Splitter und Schrapnellen eingedeckt.
Kaum war die Druckwelle vorbei hasteten Higgins, Wolf und drei weitere Orbitalspringer aus ihren Verstecken und schossen auf alles was nur den Anschein machte, sich jemals wieder bewegen zu können.
Drei Minuten später war keiner der Turianer mehr am Leben.
„Erste Welle abgewehrt, keine Verluste.", meldete Higgins an den Sergeant Major über Funk.
Dann verschwanden sie wieder in den Schatten, auf die nächste Welle wartend.
Angestrengt schnaufend krochen zwei Turianer durch eine enge Röhre, als diese von einer Explosion erschüttert wurden. Die Beiden hielten schützend ihre Hände über den Kopf, bis diese vorbei war. Sie krochen weiter.
Lang- und Mühsam war das weitere Vorankommen der Turianer. Nach einer schieren Ewigkeit kamen sie an einem Schacht der noch nicht in Betrieb genommenen Kanalisation an. Der vorangegangen Turianer nahm sein Gewehr, dass er den ganzen Weg vor sich her geschoben hatte, und steckte es in das Magnethalfter. Nun beide Hände frei begann er an einer Leiter den Schacht empor zu steigen. Kurz darauf folgte ihm sein Kamerad.
Nach etwa der Höhe von zwei Stockwerken erreichte er eine Klappe, die er sogleich öffnete. Mit einer kleinen akrobatischen Einlage kletterten die beiden nacheinander aus dem Schacht in einen kleinen Kabuff, der über dem Kanalausgang stand.
Sie machten sich bereit und spurteten aus dem Verschlag in mitten der Straße in den nächsten Hauseingang.
Ein rauschen kam aus der Funkeinheit ihrer Omnitools. Der Truppführer begann an seinem Multifunktionswerkzeug herum zu spielen.
„….fünfte Kompa…, antworten… irgend… mich hören… Hier spricht das Oberkommando, an alle Citadel-Truppen in der besetzten Zone. Melden sie sich."
Der Truppführer betätigte ruhig die Sprechtaste: „Hier Leutnant Arterius, 3. Abteilung des 9. Kabale Aufklärungszug. Befinden uns in der Nähe des Zentrums."
„Da beiß mir doch einer in meinen turianischen Arsch. Sie sind der erste den ich seit einer guten Stunde erreiche, der auch nur annähernd hinter der Stadtgrenze ist. Irgendwie müssen die andern Signale blockiert werden.", antwortete der Funker offensichtlich erleichter.
„Melde mich spätestens in einer Stunde wieder.", würgte ihn der Aufklärer ab, worauf wieder Funkstille eintrat. Eine leere Straße mitten in Feindlichen Gebiet war kein Ort für eine Unterhaltung.
In der Ferne tauchten drei turianische Gestalten auf. Offensichtlich außer Atem und am Ende ihrer Kräfte, nutzten sie dennoch jedwede Deckungsmöglichkeit. Gerade als Arterius sie herwinken wollte, sich jedweder Feindespräsenz sicher, schoss etwas, eine rauchspur hinter sich her ziehend und einem durch die Straße hallendem Fauchen an ihnen vorbei.
Die beiden Geschosse schlugen zwischen den erschöpften Soldaten ein und rissen diese von ihren Beinen. Fassungslos starrten die beiden Aufklärer auf die drei leblosen, teilweise zerfetzten Turianer in der Mitte der Straße.
Vorsichtig verschwand der Spähtrupp durch die Tür hinter sich.
Im obersten Stockwerk des Gebäudes verschanzten sie sich, und richteten ihren Beobachtungsposten ein.
Arterius beobachtete die angrenzenden Straßen in sicheren Abstand aus den Fenstern, während die Dämmerung über die Stadt hereinbrach.
Er hatte trotz der Rauchspur des Geschosses keinen Schützen ausmachen können. Weder kurz nach dem Schuss, noch anschließenden bei der stundenlangen Observation.
„An die Soldaten des 9. Kabale Aufklärungszug, hier spricht General Victus.", schallte es aus seinem den Omnitool.
Arterius wollte schon antworten, doch Victus fuhr ohne Umschweife fort: „Hören sie genau zu Soldat und halten sie Funkstille.
Ich habe eine Sondermission für sie. Wir wurden Infomiert, dass sich zur Zeit des Angriffs eine Asari-Beobachterin Namens Avines auf dem Planeten befunden hat. Ihr Peilsender hat bis vor kurzem ihre Position innerhalb der Stad und Vitaldaten durchgegeben. Sie war die letzten 8 Stunden bewusstlos, ist dann aufgewacht und anschließend wurde ihr der Sender entfernt. Diese Informationen legen nahe, dass sie für ein ausführliches Verhör vom Planeten geschafft werden soll.
Ihre Aufgabe ist es, sie zu finden und zu befreien. Sollte sie dabei umkommen sind alle möglichen Daten und Proben die den Feind in die Hände fallen könnten zu vernichten. Darunter fällt auch ihr Körper.
Ihnen wird ihre letzte bekannte Position übermittelt."
Stumm gingen die beiden Turianer die empfangen Daten durch. Als sie wieder von ihren Omnitools aufschauten nickten sie sich stumm zu und verschwanden über die Treppe durch die Hintertür.
Sie überquerten leise in der Deckung der anbrechenden Nacht die erste der zwei Straßen die sie zu Überquereren hatten, verschwanden in einem leer stehenden Geschäft, durchquerten es. Über einen Hinterhof kamen sie in die Lagerräume eines an die Zielstraße grenzende Laden. In dessen Verkaufsraum angekommen schlichen sie sich leise auf die Straße zwischen zwei geparkte Skycars und hielten inne.
Auf der Straße weiter Stadtauswärts rollte gerade die nächste Welle der Turianischen Offensive.
„Ein gutes Ablenkungsmanöver für die Befreiungsaktion.", schoss es Arterius durch den Kopf und er wollte gerade zur nächsten Deckung hechten, als aus irgendeinem Stockwerk der ihnen gegenüberliegenden Häuserseite zwei Raketen auf den Panzer im Zentrum der turiansichen Formation schossen.
Bevor einer dessen Besatzungsmitglieder reagieren konnte, zerrissen die beiden Gefechtsköpfe das gepanzerte Gefährt und schickte ein gutes Dutzend Soldaten, die ihm zu nahe waren, ins Jenseits.
Ein Schatten huschte durch die formationshaltende Vorhut. Mündungsfeuer blitzte auf, gefolgt von zu Boden fallenden Turianern mit Kugeln in Kopf oder Rücken. Die Verbliebenen schauten sich verdutzt um. Keiner hatte den Schützen ausfindig machen können. Einige schossen wahllos auf ihnen nahe liegende Häusereingänge. Ein zweiter Schatten rannte quer über die Straße, rammte einem Turianer etwas ins Rückenmark und huscht wieder in den Schatten. Sekunden später explodierten zwei Granaten in der löchrigen aber dennoch haltenden Formation. Die Schrapnelle folgen die gut 100 Meter und regneten auf die Deckung der beiden Späher nieder.
Nachdem der Metallsplitterhagel vorbei war packte Arterius seinen Kameraden und sie spurteten zur nächsten Deckung.
Einer der angegriffenen Turianer sah erneut zwei Schatten die über die Straße huschten und eröffnete auf sie das Feuer.
Blindlings hechteten die beiden in einen der unzähligen Läden und gingen hinter der Ladenteke in Deckung.
Immer wieder gab es blitzende und donnernde Schüsse der Invasoren gefolgt von blinden Antworten der Turianer. Sie wurden nach und nach weniger bis sie endgültig erstarben.
„Arterius, wir sind exakt bei den Koordinaten, die uns gegeben wurden.", bemerkte der junge Turianer etwas verdutzt. Sie waren einfach in den nächstbesten Hauseingang gehechtet.
Die Blicke der beiden Turianer wanderten zu einer Tür im hintern Teil des Ladens, deren Schloss rot leuchtend 'Verschlossen' durch den ganzen Raum schrie.
Geduckt schlichen die beiden in den hintern Teil des Ladens. Arterius fuhr mit seinem aktivierten Omnitool über das rote Schloss, das daraufhin in grün wechselte und die Tür gilt auf. Sie huschten hinein und schlossen die Tür hinter sich. Dann schauten sie sich um.
In der Abstellkammer auf dem Boden lag eine schlafende Asari.
Der jüngere Turianer versuchte sie zu wecken: „Avines?"
Sie regte sich und scheute die beiden verschlafen an. Man sah regelrecht wie ihre Gedanken dahin krochen. Dann weiteten sich ihre Augen: „Was machten sie hier?"
„Ein Asari-Kommando aus ihrer Gefangenschaft befreien.", erwiderte Arterius, und fügte hinzu: „Deren Zelle verdammt einfach zu knacken war."
„Dem war so, weile sich hierbei um keine Zelle handelt.", fauchte sie zurück: „Durch die Überstrapation meiner Biotik bin ich kaum in der Lage mich zu bewegen. Die haben mich hier eingesperrt das ich nicht ins Kreuzfeuer gerate."
Die beiden Turianer schauten nur verdutz aus der Wäsche. Das hatten sie eindeutig nicht erwartet.
Eine ruhige bestimmte Stimme erklang von der Tür, in einer ihnen Unbekannten Sprache.
Die Szenerie war für einen kurzen Augenblick wie eingefroren.
„Er hat gesagt, ich sollt eure Waffen auf den Boden legen, die Hände hinter dem Kopf verschränken und langsam aufstehen.", übersetzte Avines.
Arterius linste zu seinem Kameraden, der ihm kurz und unauffällig die Zähne zeigte.
Blitzschnell drehten sich beide um, von einer blauen Aura umhüllt und die Arme erhoben.
Der ODST in der Tür eröffnete das Feuer.
„Nein!", schrie Avines. Von Kugeln durchsiebt, vielen die beiden leblosen Körper der Turianer zu Boden.
Sie war nun schon mehreren Stunden durch den Wald gestreift, immer der Spur ihres Angreifers folgend. Die in einen Ganzkörperpanzer gehüllte Gestallte war nur einige Male kurz aufgetaucht und hatte einige Salven aus halbdunklen Ecken abgefeuert.
Anscheinend war er Verletzt und allein, anders konnte sie sich es nicht erklären, dass er sie immer nur hinhielt und sich Zeit verschaffte.
Ihren schmerzenden Fuß merkte sie kaum mehr. Das Humpeln war nach einer Dosis Schmerzmittel verschwunden. Ihre Kopfverletzung war längst geronnen und versorgt, auch wenn vermutlich eine Narbe bleiben würde.
A'ina blieb stehen und hielt inne. Etwas stimmte nicht.
Aus den Schatten der Bäume tauchte eine Gruppe Salarianer auf, ihre Waffen in alle Himmelsrichtungen erhoben und auch auf sie gerichtet.
„Was machen sie hier?", fragte einer der beiden der seine Waffe auf sie gerichtet hatte.
„Mein Name ist A'ina, ich bin Specter des Rates.", begann sie ruhig, worauf der Salarianer sich entspannte, dann fuhr sie fort: „Und ich jage einen Kommandosoldat, der es geschafft hat mein Shuttle zu zerstören bevor meine Unterstützung die Möglichkeit hatte es zu verlassen."
Die Salarianer schienen keine weitere Erklärung zu benötigen und stellten sich sogleich in Verteidigungsstellung um sie.
„Major Kailos Sobur, STG. Wir stehen zu ihnen zur Verfügung Specter.", erwiderte der offensichtliche Offizier der der STG Einheit, während er seine Waffe sinken lies.
A'ina lächelte. Endlich hatte sie eine Einheit die eine wirkliche Hilfe war.
Im Orbit des Planeten starrte ein verbitterter General auf eine Karte. Seine Truppen waren darauf verzeichnet. Oder zumindest das was einmal seine Truppen gewesen waren.
„General.", meldete sich sein Adjutant.
Der Angesprochene schaute auf.
„Wir haben soeben eine Meldung der Sturmlandebrigade bekommen.", fuhr der junge Offizier fort: „Sie haben eine weitere Phalanx verloren und es steht ihnen nur noch ein gepanzertes Fahrzeug zur Verfügung."
„Das macht jetzt wie viele Verluste?", fragte der General.
„Zwei Bataillone den Tag über und mindestens ein ganzen Regiment seit Einbruch der Nacht.", antwortete der.
„Was? Und das gegen ein einziges Bataillon?", entfuhr es Victus verdutzt.
„Soweit das unsers Aufklärung bestätigen wurden nur Truppen über diese Landekapseln dort abgesetzt, und auf den Luftbilderen sind 300 Einschläge dieser Kapseln zu sehen.", berichtigte ihn sein Adjutant: „Und wenn die Schätzungen der Taktischen Auswertung korrekt sind, sind etwa 50 davon nur mit Nachschub gefüllt gewesen."
„Wann kommt die Verstärkung?", fragte Victus weiter.
Eine der vielen Konsole in blinkte auf.
„Wie es schein, jetzt."
„Verdammt, die wären uns beinahe in den Rücken gefallen.", fluchte Sergeant Major Price als er die toten Turianer betrachtete. Dann klopfte er seinem Untergeben der die beiden entdeckt hatte dankend auf die Schulter. Der nickte nur und starrte weiter auf den Gefangenen, mit immer noch leicht rauchendem Gewehrlauf.
„... des 201. ODST-Bataillons bitte kommen.", knackte es über eine UNSC Frequenz: „Höllenspringer, meldet euch."
„Hier Sergeant Major Price, wer spricht da.", antworte Price nach einer kurzen Pause.
„Hier ist die UNSC Korvette Wolfsschatten. Wir wurden entsandt um euch Aufklärung zu liefern. ", identifizierte sich der mysteriöse Anrufer: „Außerdem haben wir hier eine kleines experimentelles Team schwerer Infanterie, die ganz heiß auf einen Kampf sind. Wo sollen wir sie absetzen?"
A'ina kämpfte sich mit Kailos Sobur an ihrer Seite durch den überwucherten Wald von Unio. Seit sie die STG-Einheit getroffen hatte war der Angreifer nicht mehr aufgetaucht. Er schien regelrecht vor ihnen zu fliehen. Dann auch wenn seine Spuren nicht all zu deutlich waren, so zeugten sie von hast.
Rauch stieg auf in nicht all zu weiter Ferne.
„Zu offensichtlich, wahrscheinlich eine Falle.", kommentierte Kailos dies.
„Der Jäger ist oft nicht weit von seiner Falle entfernt.", erwiderte A'ina.
Mit einem stummen zustimmenden Nicken pflichtete er ihr bei.
Sie näherten sich der Rauchsäule langsam Stück für Stück. Dabei stießen sie immer öfter auf Trümmerteile. Schließich das Frack eines kleinen Schiff in Sicht, das sich Bug voran in die Erde gerammt hatte, das Heck hing in der Luft.
Um es herum waren geleerte Kisten und einzelne kleinere Verpackungen verstreut.
„Da.", flüsterte einer der Salarianer leise.
Hinter dem Schiff waren ein halbes dutzend lebensloser Körper in einer Reihe aufgebahrt worden, jeder ein Gewehr zu Füßen gelegt.
„Offensichtlich Totenehrung.", kommentierte Kailos den Fund.
„Es muss jemand den Absturz überlebt haben.", meinte A'ina.
„Oder ihr Angreifer hat die Absturzstelle vor uns gefunden.", erwiderte der Salarianer.
„Und das alles getan, mit uns auf den Fersen? Ich glaube kaum.", schnaubte die Asari-Kommando.
Der Salarianer wollte gerade zu einer Antwort auf diese Diskusionsprovokation ansetzen, als sein Omnitool piepte und kurz rot aufleuchtete.
Der Salarianer drehte sich mit einer Geschwindigkeit um seine eigene Achse, bei der die meisten Vertreter anderer Spezies das Gleichgewicht verloren hätten.
Doch ohne irgendein Schwindelgefühl oder sonstige Sinnesbeeinträchtigung zog er seine Pistole und schoss.
Der Mensch, der gerade einen der Salarianer leise zu Boden legte, wurde mehrfach getroffen. Er schaffte es gerade noch sein Messer aus dem leblosen Körper des Salarianer zu ziehen ehe er selbst Tot zu Boden viel.
Ein erneuter Pipton verriet dem Führer der STG-Einheit das Ableben eines weiteren Teammitgliedes.
Diesmal konnte der Salarianer nur noch die leblosen Beine seines Kameraden ausmachen die hinter das Wrack gezogen wurden. Dann brach die Hölle los. Aus verschiedenen Richtungen wurden sie unter Feuer genommen.
Mit ihrer Biotik zog A'ina einen der Angreifer aus den Büschen quer über die Lichtung zu sich, um ihm mit einem heftigen biotischen Schlag ins Jenseits zu befördern.
Mit einigen gezielten Schüssen erledigte sie einen weitern Angreifer.
Das Scharmützel war so schnell vorbei wie es angefangen hatte. Am Ende standen nur noch sie und Kailos.
„Fünf Angreifer. Anscheinend alle schon vorher in schlechter Kondition. Trotzdem die ganze Einheit verloren. Schlechte Bilanz.", dachte der Salarianer laut.
„Scheinen nicht der Selbe Einheitentyp zu sein wie meine Beute.", kommentierte die Asari: „Die Rüstungen sind einfacher und ihre Kampfkraft unterscheidet sie wie die eines Vorcha zu einem Turanischen Elitesoldaten."
„Der hier lebt noch.", bemerkte der STG-Agent und richtete seine Waffe auf den Verwundeten.
„Warte.", hielt ihn die Asari-Kommando ab. Sie kniete sich neben den Verwundeten und legte ihre Hände an seine Schläfe. „Umarme die Ewigkeit.", flüsterte sie, worauf ihre Augen wurden Pech schwarz.
Nach einem kurzen Augenblick lies sie wieder von dem panisch zappelnden Feind ab.
„Hier.", sagte zu ihm in für den Salarianer fremden Zungen, während sie ihm einen Dosis Medigel verabreichte: „Für die Schmerzen."
Der Verwundete beruhigte sich und die Spannungen vielen von seinem Körper. Sein Blick wurde glasig und träge.
„Wo ist der Man mit Visierhelm, der meine Ganze Einheit ausgelöscht hat?", fragte sie ihn mit ruhiger und bestimmter Stimme.
Der Befragte schaute nur verwirrt und als sie ihm ein schlechtes Bild, das sie zufällig auf der Jagd nach dem Fremden geschossen hatte.
Der Verwundete fing an zu lachen.
„Total weggetreten. Wie viele Medigeldosen haben sie ihm gegeben?", fragte Kailos.
Die Asari antwortete nur: „Vier Standard Asari-Dosen."
Der Befragte fing sich wider etwas und begann mit eindeutig benebelter Stimme zu reden: „Ich bin ihm bisher nicht begegnet dem Spartaner. Doch sollte auch nur einer auf dem Planeten sein, lauf soweit und so schnell du kannst. Das ist kein Feind den man Töten kann. Er ist der unsterbliche Alptraum eines jeden Soldaten, der Dämon aus euren Träumen, der euch jagen und töten wird. Flieht ihr Narren.", dann begann er wieder zu lachen und er hörte nichtmehr auf, bis er langsam Müder zur Seite sackte und mit einem leisen letzten Seufzer die Augen für immer schloss.
Die Asari und der Salarianer starrten sich nur ratlos an.
In verschrammter ODST Rüstung, verdreckt und voller Blut, warf er sich regelrecht erschöpft gegen die dicke Wandplatte der Bauruine. Kurz innehalten beobachtet er die Bewegungssensoren in seinem Helmdisplay. Keine waren in einem 50 Meter umkreis zu sehen.
Mit einem Klappern viel das Magazin seiner Schallgedämpften Maschinenpistole auf den Boden. Es war das letzte.
Zu erschöpft dieser Tatsache irgendein Gefühl zu widmen, wechselte er die leere Waffe gegen ein Sturmgewehr auf seinem Rücken aus. Eine leichte Welle der Zufriedenheit durchströmte ihn als er die leuchtende 61 auf der Munitionsanzeige des Gewehrs sah. Er hatte sich wohl eine der letzten MA5B-Sturmgewehre im UNSC-Arsenal sichern können. Trotz der Betagtheit der Waffe, das doppelt so große Magazin hatte er bei den Nachfolgermodellen immer vermisst.
„Wolf, falle mit deinem Team bis zu dem Eckladen zurück und bildet dort eine Verteidigungsline.", schallte der Befehl seines Vorgesetzten über Funk.
„Verdammt, was soll das.", grummelte er zu sich selbst.
Vorsichtig lugt er um die Ecke. Dort bewegte sich nur ein von einer Granate verstümmelter und blaues Blut spuckender Turianer, der seine letzten Atemzüge machte. Ein letzten Seufzer und das Leben verlies ihn.
Wolf atmete noch einmal tief ein, dann begann er zu rennen. Aus der Ferne feuerte die nächste Welle des Gegners auf ihn, doch die Projektile verfehlten ihr Ziel um Längen.
Auf der Höhe des Eckladens ging er neben seinen Team-Kameraden in Deckung.
Die feindlichen Truppen waren mittlerweile wesentlich näher und begannen sie unter Feuer zu nehmen.
Von der Überzahl und dem massiven Beschuss festgenagelt und unter Munitionsmangel leidend konnten die Höllenspringer nur vereinzelt ungezielt auf die gegnerischen Salven antworten.
„Wer hatte diese bescheuerte Idee.", meinte Higgins.
„Was auch immer Price sich dabei gedacht hat, ich hoffe…", hielt Wolf mitten in der Antwort inne: „Was zur Hölle?"
Ein Stampfen erschütterte die Erde.
Zwei ODST mit sauberer unbeschädigter Rüstung kamen um die Ecke gesprintet und begannen sofort ihre Kameraden zu unterstützen.
„Sergeant Xain, Versuchs und Erprobungsbrigade. Wir sind hier mit einem schweren Trupp um sie zu unterstützen.", stellte sich einer der beiden vor und warf Higgins ein MP-Magazin zu.
„Schweren Trupp?", fragte Higgins über das immer näher kommende Stampfen hinweg.
Etwas Riesiges kam um die Ecke und kurzdarauf begann dessen Arm zu glühen. Die Ladung aus grünem Plasma schoss die Straße entlang und schlug mit einer riesigen Explosion in der Mitte der ungläubig dreinblickenden Turianer ein. Im folgte ein zweiter Schuss des zweiten Jäger, der seinem Partner um die Ecke gefolgt war.
Nun prasselte der Beschuss, der zuvor auf die ODST gerichtet war, auf die beiden über 4 Meter großen Mgalekgolo nieder.
„Das sind Grizzly und Tank.", stellte einer der frischen ODST die beiden Ungetüme vor.
„Wirf mich!", quickte eine hohe Stimme von irgendwo her.
Kurz darauf flog ein Grunt, geworfen von einem der beiden Jäger, über das Gefechtsfeld.
„Oh man was treibt Crazy da schon wieder!", brüllte Sergeant Xain laut.
Der Grunt landete in der Gegnerischen Formation. Die wusste erst nicht, was ihnen da vor die Füße gefallen war und als sie es begriffen, war es zu spät.
Von der Nadelpistole durchbohrt fielen die Turianer zu Boden, entweder wie am Spieß schreiend oder Tod.
„Da kommt schon die nächste Welle.", berichtete Wolf.
„Eins muss man ihnen lassen, die Vögel haben eine eiserne Moral.", warf Higgins ein: „Selbst die alten Allianz Elitetruppen wären mittlerweile demoralisiert."
„Hier spricht Price, alle Teams auf die innere Verteidigungsposition zurück ziehen. Ich wiederholen, zieht euch auf die innere Verteidigungsposition zurück!", kam Prices Befehl über Funk.
„Das heißt nichts Gutes.", kommentierte Higgins den Befehl seines Vorgesetzten.
„Warum sollten wir uns gleich komplett zurück ziehen? Zwischen unserer jetzigen Position und der Befohlenen ist noch eine Verteidigungsstellung in der Karte eingezeichnet. Das ist ein riesiger taktischer Fehler", fluchte der ODST der mit Sergeant Xain gekommen war.
„Wag es ja nicht unseren Sergeant Major in den Schmutz zu ziehen. Der wird schon seine Grüne haben.", knurrte ihn Higgins sofort an.
„Das reicht.", ging Wolf dazwischen: „Wir sollten uns lieber Überlegen, wie wir die beiden Riesen da heil zurück bekommen. Ihr Rücken ist so gut wie ungeschützt und Rückwärtslaufen könne sie nicht. Wenn wir also nicht wollen, dass uns die Spatzen in den Rücken fallen, dann müssen wir uns etwas ausdenken."
Higgins grinste unter seinem Helm: „Ich hätte da eine Idee."
Sergeant Xain blickte ihn an und meint nur: „Lassen sie hören."
„Wir halten die Stellung, bis die beiden Giganten sich zurückgezogen haben.", meinte Higgins.
„Scheiß Idee.", murmelte der Schütze in sauberer Rüstung.
Einige Kilometer über ihnen im Orbit starrte der Turianische General unzufrieden auf eine taktische Karte der Stadt.
Sie hatten nun schon seit fast einem Tag versucht den Feind zu vernichten, oder zumindest aus der Stadt zu jagen. Doch bisher hatten sie nur wenige Meter gut gemacht. Welle auf Welle war gegen die Stellungen es Feindes gebrandet, ohne nennenswerten Erfolg. Für jeden gemeldeten Abschuss hatten sie ganze Gruppen verloren. Es war ein Alptraum.
„General Victus. Wir haben eine dringenden Anruf für sie.", trat ein junger Soldat an ihn heran.
„Ich habe keine Zeit. Er soll mir eine Nachricht schicken oder zurückrufen.", fauchte Victus.
„Es ist das Oberkommando.", kommentierte der Kommunikationsoffizier die Antwort seines kommandierenden Offiziers.
Der schaute mit einem undefinierbaren Blick auf und begab sich dann in den angrenzenden Kommunikations- und Konferenzraum.
Dort stellte er sich auf das Raster und aktivierte es,
Der Raum wurde dunkel und vor ihm erschienen die Projektionen der fünf wichtigsten Turianischen Generäle.
„Nun, wir hören.", fing der Primarch nach kurzem Schweigen an.
„Die Hauptstreitmacht ist bereits vertrieben worden. Die Containersiedlung wurde gesichert und die Zivilbevölkerung ist in Sicherheit. Die Kollateralschäden sind gering.
In der unbewohnten im Bau befindlichen Siedlung haben sich noch einige feindliche Kräfte eingegraben. Wir werden sie im Laufe des Tages Stück für Stück zurück erobern.
Die Rettungsaktion bezüglich der Asari-Beobachterin ist fehlgeschlagen. Sie ist meinen Informationen nach tot.", berichtet Victus trocken und ohne zu zögern.
„Bisherige Verluste.", fragte der zur rechten des Vorsitzenden.
„Etwa 40 bis 50 % der Sturmbrigade.", kommentierte Victus.
„So viele? Mir erscheint die Anzahl etwas hoch.", meinte der General zur Linken des Primarchen.
„Es wurde eine ganze Division verjagt. Laut den Aufklärungsdaten sind ihr Überbleibsel mit Sechs bis Sieben Landekreuzern abtransportiert worden.", erwiderte der Vorgeladene.
„Wir werden ihren Offiziellen schriftlichen Bericht für die Details abwarten.", meinte der Vorsitzende: „Ihre Befehle lauten, den Planeten zu säubern und zu halten. Primäres Ziel ist der Schutz der Bevölkerung, Sekundäres Gefangene und mögliche Sicherstellung von Feindtechnologie. Keine Alleingänge, haben sie das Verstanden. Sie rühren sich nicht vom Fleck bis andere Befehle erhalten. Haben sie verstanden General Victus."
„Ja, Primarch.", antwortete Victus nur widerwärtig.
Der Projektor schaltete sich ab und das Licht ging wieder an.
Mies gelaunt verlies Victus das Zimmer, um sich dem letzten "kleinen" Widerstand auf dem Planeten widmen.
