Mit einem orangeroten Schein verschwand die Sonne langsam hinter den hohen Gebäuden in den tiefen Häuserschluchten der Stadt.

Price hielte kurz inne, um das farbenfrohe Spektakel zu betrachten. Für den Moment schien die Welt so ruhig und friedlich. Dann riss ihn das Geschrei eines Verwundeten wieder zurück in die Realität.

Sie hatten den ganzen Tag lang einen Häuserblock im Innern der Stadt verteidigt, zu dem sie sich in der Nacht zuvor zurück gezogen hatten.

Sie hatten sich tapfer gehalten, doch von den einst 250 ODSTs unter seinem Kommando waren noch etwa 30 unverletzt. 50 weiter hielten sich weitestgehend auf ihren Beinen und unterstützen ihre Kameraden. Der Rest war verwundet, tot oder vermisst. Nun neigte sich der Tag dem Ende zu.

Ein einziges Wort schallte doch den Kopf des Kommandeurs.

Nacht.

Diese Erkenntnis lies neue Energie durch seinen Körper strömen, wie die Flut durch ein ausgetrocknetes Flussbett am Ende der Dürre.

Die Dunkelheit war ihr Zeit.

„Ich kenne diesen Ausdruck.", meinte Wolf, der ihn anblickte, während er sich aus einer Kiste einige letzte Munitionsreste zusammen kratzte: „Ist es das, was ich denke?"

Sein Vorgesetzter blickte zurück und nickte.

„Ich hätte da eine Idee, die es uns vielleicht die Geschichte erleichtern könnte.", ergänzte Wolf.

„Ich glaub ich weis was du meinst. Du hast dafür eine halbe Stunde Zeit.", erwiderte der Sergeant Major.

Der ODST setzte sich seinen Helm wieder auf und verschwand als einsamer Wolf in der Dämmerung.

„Diese Pinkhäuter sind ganzschön stark.", durchbrach einer der Turianischen Aufklärer die Stille.

Sie waren nun seit gut einem Tag auf ihrem Posten und hatten Welle für Welle ihre Kameraden dabei beobachtet, wie sie gegen die verschanzten Invasoren gebrandet waren. Keine der Versuche war wirklich erfolgreich gewesen.

„Ach halt's Maul.", fluchte sein Kumpane: „Die halten nicht mehr aus als die Batarianer. Und die sind nicht unbedingt unverwundbar."

Er unterbrach seine Predigt kurz um einen Schnappschuss von einer Pinkhaut zu schießen, die soeben ihre Stellungen verlassen hatte und in einer der Straßen verschwunden war. Er meldete es kurz an ihren Befehlsstand zurück und fuhr dann fort: „Die Pinkhäuter in der Containerstadt wurden von der Miliz aufgehalten. So gut könne sie also nicht sein. Wir haben wahrscheinlich das Glück auf eine Eliteeinheit gestoßen zu sein."

Er unterbrach erneut, um einen ins Visier zu bekommen, der gerade die Stellungen entlang ging und anscheinend Munition verteilte. Da dieses Unterfangen erfolglos blieb ergänzte er seine Aussage: „Das einzige was mich wundert ist, warum sie eine Eliteeinheit zurück gelassen haben. Rein von ihrer Flottenstärke hätte ihre Kreuzer uns lange genug aufhalten können. Was bezwecken sie also damit."

„Wahrscheinlich sind sie Hals über Kopf davon gerannt wie ein Salarianer, wenn der gegenüber einen Fingerbreit größer ist.", kommentierte sein Kamerad diese Beobachtung.

Dies lies der Truppführer unkommentiert und observierte die Feindlichen Stellungen schweigend.

Der Untergeben unterbrach dies überrascht: „Ich bekommen ein unverschlüsseltes Funksignal rein. Keines der unseren."

„Lass mal hören."

„Höllenspringer, ich will euch nichts vormachen. Wir sind umzingelt, in der Unterzahl und von der Versorgung abgeschnitten. Es wird keine Verstärkung kommen, ebenso wenig werden wir Evakuiert. Weder sind wir Spartaner die alleine eine komplette Invasion abhalten können, noch wären wir so wertvoll um eine Solche wegen uns zu starten.

Doch all das ist unwichtig…"

Eine kurze Atempause trat ein.

„Denn wenn wir umzingelt sind, in der Unterzahl und ohne Nachschub, kämpfen wir am Besten.

Wir sind nicht so teuer wie ein ganzer Kreuzer, was uns nur Effektiver macht.

Wir sind entbehrlich, was uns nur Gefährlicher macht.

WIR SIND HÖLLENSPRINGER!

Und wie landen wir in der Hölle ODSTs?!"

„MIT DEN FÜSSEN VORAN!", schallte es wie von Hunderten gebrüllt durch den Äther des Funkkanals.

„Ich hab zwar nichts verstanden, aber es scheint als hätten wir ein Problem.", kommentierte der Truppführer das eben gehörte.

Wie auf das Stichwort stürmten einige dutzend Gestalten aus den Gegnerischen Stellungen.

„Oh verdammt.", schimpfte er nur und legte sein Scharfschützengewehr an.

Der erste Schuss verfehlte eine der Gestalten nur knapp. Der Zweite traf einen der Riesen in den Rücken. An einer ungepanzerten Stelle getroffen stolpere der Riese.

„Die Ungetüme sind am Rücken verwundbar!", funkte der Kamerad des Schützen.

Der Riese fing sich wieder, worauf der Truppführer sein komplettes Thermomagazin in den Rücken des Monsters entlud. Der zu Boden fallende Riese erschütterte den kompletten Häuserblock.

Dem erschütternden folgte einem rauschenden Geräusch, dann zerriss ein Paar Raketen den Beobachtungsposten.

Gut 150 Meter entfernt stand ein ODST mit rauchendem Raketenwerfer.


Die Erschütterung von Tank's auf dem Boden aufschlagenden Körpers war noch nicht verklungen, da begann Grizzly zu beben und erzeugte einen Wutschrei der durch Mark und Bein aller Anwesenden ging.

Bevor irgendwer auch nur reagieren konnte, auch wenn keiner ihn hätte aufhalten können, stürmte der Koloss in Richtung der feindlichen Linien.

„Schütz seine Flanken!", brüllte Price in sein Micro das seinen verblieben Höllenspringern nur so die Trommelfelle schmerzten.

Die ODSTs sprinteten hinter her, während von Grizzly schon die ersten Feindlichen Projektile abprallten.

Der vier Meter große Mitstreiter hatte mittlerweile die gegnerischen Stellungen erreicht. Mit seinem Schildarm erwischte er zwei der Turianer, die in einigen Metern durch die Luft flogen und sich nicht mehr rührten.

Dem überraschten Dritten, den er um Haaresbreite verfehlt hatte, rammte er die untere Kante seines Schild hinein. Wie die Spitze eines übergroßen Schwertes trieb er ihn durch den Körper des Turianers, schwang es einmal und dessen leblose Körper, oder vielmehr was davon noch übrig war, fiel ein zwei Schritte entfernt auf dem Boden.

Im Schatten des Mgalekgolo stürmen die ODSTs und hielten ihm den Rücken frei.


Es war ein grausamer Anblick für die kleine Einheit der Special Task Group. Die Turianische Brigade, oder vielmehr das, was nach den schier endlosen Attacken auf die Stellungen der Invasoren noch übrig war, wurde nur so abgeschlachtet. Es hatte keine zehn Minuten gedauert, dann war diese gigantische Kreatur durch die Verteidigungslinien gebrochen und hatte den dahinter liegenden Kommandoposten verwüstet.

Ein Versuch mit den letzten organisierten Truppen den Angreifern in den Rücken zu fallen war schief gelaufen. Kurz bevor diese die ehemaligen Stellungen des Feindes erreicht hatten war der komplette Straßenzug nach mehreren Explosionen über den Angreifenden zusammengestürzt.

Es war kein Massaker was sie da sahen. Nein, ein Massaker hätte vorausgesetzt, dass die Angreifer sich mit ihren Opfern auseinander setzten. Doch die waren einfach über sie hinweggefegt wie ein Radioaktiver Sturm über einen Pyack auf Tuchanka. Die Ersten der Angriffswelle hatten auf alles geschossen was auch nur ansatzweise nach einer Bedrohung ausgesehen hatte. Die Nachhut hatte anschließend auf alles geschossen was sich noch regte.

Langsam kehrte Stille ein, schwer und bedrückend lag sie über dem Schlachtfeld, nur unterbrochen von gelegentlichen Explosionen entlang des Belagerungsringes und den Schreien einzelner Verwundeter die unter den Leichen ihrer Kameraden begraben waren.

„Einer der gefallenen Angreifer scheint noch am Leben.", meinte einer der Salarianer.

Der Kommandant der kleinen Einheit blicke sofort in die gedeutete Richtung.

„Gerade noch.", kommentierte er die Entdeckung seines Untergebenen, während er konzentriert den sich leicht bewegenden Körper durch sein Fernglas beobachtete.

„Holt ihn.", fuhr er nach einer kurzen Pause fort.

Die STG-Einheit bewegte sich schnell durch die verwüsteten Straßen. Die Schreie der Verwundeten ignorierend sie, während sie an ihnen Vorbei gingen, wie Geister, die unter den Totgeweihten wanderten.

Der Verletzte schien sie nicht wahrzunehmen, als sie näher traten und sich über ihn beugten. Erst als ein Trupp ihn zu Viert packte begann er plötzlich wild um sich zu schlagen. Einen der Salarianer fiel getroffen von einem Schwinger zu Boden.

Ohne Umschweife half ihm einer seiner Kammeraden wieder auf die Beine und stütze den benommenen Aufklärer.

Einer des Trupps verpasste dem verwundeten Feind einen Schocker, worauf der bewusstlos auf den Boden sackte.

So leise wie sie gekommen waren verschwand die STG Einheit mit dem ODST wieder, während die ersten Strahlen der Aufgehenden Sonne die Dächer die Flachdächer viele Meter Über ihnen erhellte.


Price lies sich müde auf eine wenigen provisorischen Feldliegen fallen und nahm seinen Helm ab.

Svenson kümmerte sich sofort um einen Streifschuss, der das Visier durchschlagen hatte knapp am linken Auge vorbei geschossen war und schließlich, nach einem Abpraller an der hintern Helminnenseite, im Hinterkopf stecken geblieben war. Das kleine Stück Metall hatten den Schädel zwar nicht durchschlagen und die Wunde war bereits geronnen, doch steckte es immer noch im Knochen.

Vorsichtig zog die Sanitäterin den Splitter heraus und verband die Wunde.

Price seufzte und wischte sich über Gesicht.

Fünf Höllenspringer. Das war alles was von ihrem Vorstoß noch übrig war. Sechs wenn man Grizzly mitzählte. Der Mgalekgolo stand einige Meter von ihm entfernt und wachte über das Lager. Einer der ODST's hatte seinen Schildarm grob vom blauen Blut gesäubert und ihm mit einer Mischung aus Schlamm und Asche das Zeichen ihrer Einheit darauf gemalt.

Der verrückte Zwerg war in den Wirren verschwunden. Wahrscheinlich unter wurde seine Leiche unter einem Berg von Toten begraben. Oder er war mit einer Granate in der Hand in einer gegnerischen Stellung Explodiert.

Das alles kümmerte Price gerade nicht. Sie hatten eine weiter Nacht überlebt, nur das zählte. Nebenbei hatten sie fast sämtliche feindliche Kräfte vernichtet. Sicher würden in Kürze neue Einheiten landen, doch hatte ihnen die Aktion fürs erste Ruhe verschafft. Und hoffentlich würde das Blutbad die Nächsten etwas abschrecken.


A'ina hastete durch die Wälder Unio. Das von einem der toten STG-Agenten requirierte Gewehr fühlte sich langsam an, wie Blei in ihren Händen. Sie befand sich nun gut drei Tagesmärsche von den Hauptsiedlungen entfernt.

Wie lange sie sich nun auf diesem Planeten befand wusste sie nichtmehr.

In den Wäldern diesem Planeten schien jedwedes Zeitgefühl verschwunden zu sein, oder es war aufgrund der Gefahr geflohen.

Sie konnte es ihm nicht verübeln.

Sie hatte gerade erst ihre Füße auf den Boden des Planeten gehabt, als ihre komplette Kommando Einheit von einigen Granaten zerfetzt wurde. Ihr Angreifer war so plötzlich und unerkannte verschwunden, wie er gekommen war. Seither jagten sie sich gegenseitig. Dann war sie auf eine Einheit der STG gestoßen und zusammen mit ihnen hatte sie einen abgestürzten Transporter der fremden Angreifer entdeckt. Nach einem kurzen Gefecht mit den Überlebenden war es ihr gelungen mit einem der Aliens zu verschmelzen. Dies hatte zwar keine größere Erkenntnis über die Angreifer an sich gebracht, denn der Gefangen lag im Sterben. Doch hatte sie sich dadurch eine Grundlage der Aliensprache erarbeiten können. Nicht, dass sie ihr hier half, sich konnte eventuell später noch von Nutzen sein.

Dem Letzten, ihr verbliebenen Agenten der SGT-Einheit hatte es wenig genutzt, als sie in eine Sprengfall gelaufen waren.

Nun war sie erneut allein.

Sie blieb kurz stehen um einem verdächtigem Geräusch zu lauschen. Als nichts zu hören war, außer der Stille des Waldes spurtete sie weiter.

Nur Schlieren von Schatten in der Luft kündigten an was folgte. A'ina duckte sich gerade noch rechtzeitig. Das große Messer sauste nur ein zwei Finger breit über ihrem Kopf vorbei, der kräftige führende Arm traf sie dennoch teilweise. Die auf ihren Kopf treffenden harten Armschienen ließen sie zurück taumeln. Leicht schwindlig machte sie den zweiten Schlag aus und blockte ihn mit aller Kraft ab. Die benommen ausgeführte Aktion war zu langsam gewesen.

Die Armschienen ihres Angreifers schrammten an denen ihren Unterarms entlang und leiteten so das Messer gerade Wegs und mit nur bedingt gebremster Wucht in ihren Oberschenkel.

Die Stresshormone, die durch den Schmerz freigeschüttet wurden, spülten die Benommenheit regelrecht weg. Dem verschwommen Blick wich ein Tunnel.

All ihrer verbliebenen Kraft führte sie einen biotischen Schlag gegen den gepanzerten Gegner. Sein Visier zersplitterte und der Helm segelte davon. Dessen nun ehemaliger Träger flog ausgeknockt hinten über.

Am Ende ihrer Kräfte sank die Asari-Kommando neben ihrem Feind zu Boden.

Kraftlos starrte sie die gepanzerte Gestalt an, die zum greifen nahe neben ihr lag. Ihr Puls wurde immer ruhiger, die tiefenschärfe verschwand aus ihrem Blick. Langsam nahm sie die vergilbte Farbe, die einzelnen Kerben und Kratzer auf den Rüstungsplatten war. Und ein riesiges Loch, dass ein Projektil in die Panzerung geschlagen hatte.

Langsam wich der Erschöpfung Müdigkeit und sie begann weg zu dämmern.


„General.", schallte der turianische Sensoroffizier über die Lautsprecher des Beobachtungsraums: „Soeben hat ein Schlachtschiff das Massenportal durchquert. Das Designe ähnelt dem der Neuankömmlinge. Es scheint sich um dasselbe Schiff zu handeln, dass bei der Eroberung dabei war."

Der General blickte grimmig und betätigte sein Funkgerät: „Wie lange bis zur Ankunft?"

„Eine halbe Stunde."

„Gut, gehen sie in Blockadestellung und erwarten sie seine Ankunft.", befahl er und wandte sich wieder den Treiben auf den Monitoren zu.

In einem Verhörraum auf einem Salarianischen Aufklärungschiff war einer der Verrückten, die sich mit Kapseln auf den Planeten geschossen hatten. Sein Kampfanzug und Kleidung war entfernt und seine Wunden vorläufig versorgt worden.

Eine Asari-Verhörspezialistin war für teures Geld angerheuert worden um ihn zu verhören. Bisher hatte sie nur ein paar wirre Worte aus ihm heraus bekommen, dank zu übermäßig verabreichten Drogen, die einen Kroganer ausgenockt hätten.

Die Narkotika schienen nach zu lassen. Der Gefangene schien endlich seine Umgebung bewusst wahr zu nehmen.


Stöhnend versucht er sich auszurichten, doch irgendetwas hielt ihn auf der Liege, oder worauf auch immer er gerade lag.

Er hatte einen wirren Traum gehabt. Eine hübsche kalte Wissenschaftlerin hatte ihn in einem Labor untersucht, während er splitter faser nackt an einem Seziertisch gefesselt war, und sie etwas mit seinem Kopf anstellte. Dann hatte ein potthässlicher MND-Agent angebrüllt, worauf er nur unverständlich zurück gestarrt hatte, da er nichts von dem Geschrei verstanden hatte.

Er hob so weit wie möglich seinen Kopf und bemerkte, dass er tatsächlich splitterfasernackt und auf einen Tisch gefesselt lag.

Er hörte hinter sich ein zischendes Geräusch, gefolgt von einigen Schritten.

„Du bist wach."; ertönte die Stimme der hübschen kalten Wissenschaftlerin.

„Was soll das? Wieso hält mich der MND hier fest?", fluchte der ODST sofort los.

„Sie wissen genau wieso sie hier sind.", erwiderte die Frau.

„Ist das eine neue perverse Methode Kandidaten für das Spartan-Program zu rekrutieren oder…", der Erdsoldat zuckte zusammen, als eine Frau mit blauer Hautfarbe und Tentakeln anstatt Haaren sich über ihn beugte.

„Verdammte Scheiße, was geht hier ab."

„Sie scheinen eine einigermaßen intelligente Spezies zu sein, raten sie.", erwiderte die Blaue mit regelrecht verführerischer Stimme.

Er atmete tief durch: „Entweder sind das Nebenwirkungen von dem Zeug was sie mir gegeben haben, oder die hässlichen Geier haben echt hübsche Weibchen."

Die Verhörspezialistin lachte.

„Eure kleine Invasion wurde ganz schön an die Wand gefahren. Auch wenn ihr für ordentlich Unruhe gesorgt habt.", fuhr sie fort: „Dennoch, euch haben sie zurück gelassen. Einfach so."

Der Gefangen schwieg.

„Ah ich habe einen wunden Punkt getroffen.", bemerkte sie mit einer Mischung aus diabolischem und verführerischem Lächeln auf den Lippen.

Der Gefangen starrte schweigend an die Decke.

„Auf jeden Fall ist euer beschädigtes Schlachtschiff zurück um noch eine runde zu kassieren.", meinte sie so beiläufig wie möglich.

Der Erdsoldat schreckte hoch, wurde allerdings schon im Beginn der Bewegung von seinen Fesseln gestoppt.

Mit zufriedener Selbstsicherheit bombardierenden Blick beobachte sie das leicht von Schmerz verzogene Gesicht des Gefangen. Der hätte am liebsten an so einigen verrissenen Muskeln massiert, doch in seiner Zwangslage gefangen versuchte er sich in stoischer Ruhe.

Die Verhörspezialistin hatte die Lunte allerding schon gerochen: „In seinem Zustand wird es der Turianischen Flotte nicht lange Standhalten. Nur ein Wunder oder der Citadel-Rat, könnte dies noch verhindern.", sie legte eine kurze Pause ein um die Information sich in dem Gedanken des unwissenden Gefangen setzen zu lassen. Dann setzte sie zur Attacke an: „Der Rat hat allerdings keinerlei zuverlässige Informationen die eine Intervention rechtfertigen. Ein so junge Spezies jedweder Verteidigung zu berauben und sie schutzlos zurück zu lassen wäre so einer."

„Frag doch die Vögel was sie mit Shanxi gemacht haben.", spuckte er ihr entgegen: „Frag sie doch wie sie die Verteidigung der Kolonie zerstört haben, nachdem sie ein ziviles Forschungsschiff zerstört hatten. Frag sie wie sie dabei zugesehen haben wie die Vieräugler über Shanxi hergefallen sind und Kolonie plünderten. Frag sie wie sie den Aasgeiern den Rücken gedeckt haben als diese hundertausende Kolonisten verschleppten."

Die Überraschung war nur für einen Sekundenbruchteil auf ihrem Gesicht zu sehen, aber dem ODST entging sie nicht.

„Ah, wie es mir scheint haben sie dir nicht erzählt wie das alle hier anfing.", grinste der Gefangene.

Die Asari hatte sich von dem Rückschlag wieder gefangen bevor ihr Gegenüber auch nur mit dem Lachen angefangen hatte. Und bei dem Punkt, als er fertig war, hatte sie sich wieder vollends gesammelt.

„Das ändern nichts an der Tatsache, dass euer Schlachtschiff gleich in Stücke geschossen wird.", sie tippte auf ihrem Omnitool.

„Hmm, das ist Merkwürdig.", erwiderte der Gefangen ruhig.

„Was ist Merkwürdig?"

„Ich weis von keinem Schlachtschiff, dass auch nur annähernd in Reichweite wäre.", antwortete er, die Ruhe selbst.

„Siehe selbst.", meinte die Asari und auf einem Bildschirm in seinem Blickwinkel erschien eine Bild.

Die Übertragung, oder die Aufzeichnung, zeigte ein UNSC Großkampfschiff. Einige Stellen der Panzerung waren beschädigt und zwei drei der Hilfstriebwerke waren zerstört oder fehlten fast komplett. Die Panzerung mit dem großen weißen Lettern UNSC war bereits teilweise zerstört, doch dahinter konnte man noch ziemlich deutlich den Namen des Schiffes lesen. In lädierten Buchstaben, weithin sichtbar, stand Halcyon.

Der Gefangen fing laut an zu lachen. Die Asari stand unschlüssig über seine Reaktion da, während das Gelächter hallte von den glatten Wänden des Verhörraums wieder.


Langsam und unauffällig drosselte die UNSC Halcyon ihr Tempo, mit kurzen Zündungen der kleinen Manövertriebwerke. Sie waren zu früh dran in ihrem Zeitplan. Das Timing musste stimmen.

Nicht, dass die Halcyon sich vor der Turianischen Flotte verstecken musste. Der älteste noch im Dienst befindliche Erdkreuzer war, trotz seiner veralteten Technik und seines lädierten Zustand, noch in der Lage ordentlich auszuteilen.

Kapitän Mc'Kinsey stand auf der Brücke und beobachtete die taktische Holokarte.

Sie waren in der Unterzahl und hatten die schlechtere Position. Nach Tonnage war die Übermacht nicht ganz so groß, doch die Flotte würde nicht einfach zu knacken sein.

Das größte Problem lag in ihrer Anzahl.

„Sir.", begann sein erster Offizier: „Archer-Raketenwerfer 6. ist nicht einsatzbereit, ebenso einige Punktverteidigungsgeschütze am Bug. Wir haben Probleme mit dem Feuerleitrechner für die MAC-Kanone und Hangar B verliert leicht Luft."

„Was ist genau mit dem Feuerleitrechner los?", fragte der Kapitän.

„Die für die Berechnung zuständige dumme KI ist nach dem letzten Systemausfall unbrauchbar. Wir haben sie versucht in der kurzen Zeit mit einer der andern zu ersetzen, doch die sind für diese Aufgabe nicht ausgelegt. Und ohne eine schlaue KI an Bord werden wir wohl auf die Notfallprograme zurück greifen müssen. Was unsere Reichweite auf 2/3 der ursprünglichen setzt, die Hälfte wenn der Treffer 100% sitzen muss.", fuhr sein Untergebener fort.

„Dann ist der Kampf wenigstens ansatzweise fair.", meinte Mc'Kinsey weiter auf die Karte starrend.

Die Halcyon erreichte kurz darauf eine in der Karte markierte Stelle. Eine Sirene heulte durch das Schiff.

Der letzte Hauch von entspannter Ruhe wich aus der Besatzung. Unwichtig Reparaturen wurde eingestellt und das letzte Besatzungsmitglied begab sich auf seine Kampfstation.

„Ist das modifizierte Projektil geladen?", fragte der kommandierende Offizier.

„Geladen und feuer bereit.", erwiderte der erste Feuerleitoffizier.

„Dann lasst uns ein paar Vögel am Spieß braten."


Victus starrte seit er die Kommandozentrale vor gut 5 Minuten betreten hatte auf die Strategische Karte.

Das Verhör, auch wenn er kein Wort verstanden hatte ging ihm immer noch durch den Kopf. Dieses Lachen, nachdem der Gefangene das Bild des lädierten Schlachtschiffes gesehen hatte. Es machte keinen Sinn. Sie hatten Aufzeichnungen von dem Schiff in Aktion während der Invasion. Es war zweifellos ein starkes Schiff, doch würde es der geballten Feuerkraft seiner Flotte nicht lange stand halten können.

„General, wir haben mehrere kleine Kontakte, Kanonenboot Größe, die sich vom zweiten Mond aus unserer Position schnell nähern. Sie müssen den Mond als Deckung und sein Gravitationsfeld als Katapult zur Beschleunigung genutzt haben.", berichtet der Sensoroffizier.

„Schickt zwei Fregatten zum abfangen.", befahl Victus ruhig in die Karte vertieft.

„Das Schlachtschiff hat soeben sein Hauptgeschütz abgefeuert."

„Ausweichen!", schreckte der General hoch.

Während sich der erste Offizier nur nachdenklich wunderte: „Die sind viel zu weit weg. Jeder lahme Frachter könnte dem Projektil ausweichen."

Das Projektil kam der Flotte immer näher und sauste am den ersten Reihe vorbei.

„Radioaktiver Alarm!", brüllte ein Brückenoffizier. Doch es war zu spät.

Der Gefechtskopf des Projektils explodierte in mitten der Formation mit einem gleisend hellen Blitz.

Das Schlachtschiff wurde von der Druckwelle erfasst und durchgeschüttelt.

„Sämtliche Sensoren sind überlastet oder ausgefallen. Die Kommunikationsrelais starten gerade neu. Zwei Drittel der GARDIAN-Laser sind Offline. Geringe Schäden an der Panzerung. Die Struktur und Hülle scheinen unbeschädigt.", ging ein Leutnant die Schadensberichte durch.

„Das Projektil sollte uns verfehlen.", stellte der erste Offizier miesmutig fest.

„Kommunikation wieder Online.", rief der dafür zuständige Offizier: „Flotte weitestgehend Intakt. Die Fregatte Shadowrunner war zu nah an am Projektil. Sonst nur leichte Hüllenbrüche und ausgefallene Sensoren und GARDIAN-Laser."

„Ich will Informationen was dort draußen vor sich geht. LADAR, Video oder eine verdammte Kriegsreporterbeschreibung. Egal was. Und wenn sie einen Soldaten mit Kamera auf Weltraumspaziergang schicken müssen!", schrie Victus gerade zu.

Auf einigen der Monitore erschienen die Bilder von Geschützkameras intakter GARDIAN-Türme.

Mehrere, mittlerweile ziemlich nahe, Silhouetten waren über die Überbleibsel eines zerstörten Lasergeschützes zu sehen.

Die Angreifer drehten plötzlich alle ab, nicht ohne eine nicht zählbare Masse an Raketen ab zu feuern.

„Sir, wir haben berichte das zwei Kreuzer in der Atmosphäre des Planeten gesichtet wurden.", doch der Bericht ging bei den auf die Monitore starrenden Offizieren unter.

Die flankenschützende Kreuzerflottille wurde mit den ansausenden Raketen eingedeckt. Überwältigt von der schieren Anzahl hielten die wenigen einsatzbereiten Abwehrsysteme nur wenig dagegen.

Langsam aber stetig kamen die Sensoren wieder online. Nicht schnell genug für die beiden Kreuzer, die sich zum Planeten auf machten. Das Hauptgeschütz der Halcyon schrie zwei Mal. Die Triebwerke der beiden Turianischen Kriegsschiffe wurden von den Geschossen einfach abgerissen. Manövrierunfähig trieben die beiden Rümpfe langsam in Richtung der Atmosphäre.

In der Turianischen Flotte machte sich derweil Hektik breit. Keiner hatte dank der geblendeten Sensoren das Erdschiff weiter verfolgen können. Und anstatt wie erwartet die geschwächte Flanke anzugreifen, war es aus der entgegengesetzten Richtung gekommen.

Das Turianische Schlachtschiff manövrierte sich träge in Schussposition, während sein Ziel die Backbordflanke schützende Kreuzerflottille regelrecht auseinander nahm. Nur mäßig von den Kreuzern und der Flankenbewaffnung des Flakschiffs der Turianer behackt, die aus Rücksicht auf ihre eigenen Schiffe das Feuer auf das Getümmel nur vorsichtig erwiderten.

Das hässliche Schiff der Aliens segelte durch die Formation der Turianer. Raketen verließen ihre Startrampen, auf diese kurze Entfernung gab es so gut wie keine Chance für die GARDIAN noch rechtzeitig zu reagieren. Zumindest der Teil der nicht von dem Atomsprengkopf zerstört oder funktionsunfähig gemacht worden war.

Große Löcher klafften in diesem Abwehrschirm der vielleicht noch die Raketen hätte stoppen können. Nur einzeln gelang es den Laserwaffen die Ankommenden Gefechtsköpfe abzuwehren, doch diese Anzahl war zu gering und erinnert mehr an eine trotzige Geste als wirklich etwas am Gesamtbild, das sich bot, zu ändern.

Die Projektilgeschütze mischten sich schließlich auch noch in die Kämpfe ein als das Schiff einige Schiffe der Turianer sehr nah passierte. Es schien als würden Teile der Alienhülle plötzlich in Flammen stehen als die leuchtenden Geschosse in schneller Folge die Läufe der unzähligen kleineren über das Alienschiff verteilten Türme verließen. Dann war das feindliche Schlachtschiff vorbei.

Nun waren die Turianer am Zug.

Victus lies keine Sekunde verstreichen, als das Hauptgeschütz seines Flakschiffs sein Ziel endlich im Visier hatte.

Die Projektile des großen Massenbeschleunigers deckten das schon strapazierte Energieschild des Erdschiffs nur so ein. Als dieser versagte prasselten die ersten Geschosse von der Hülle des Ziels zunächst ab wie Gewehrkugeln von einer Panzerplatte. Auch wenn die Querschläger den verbliebenen Turianischen Einheiten weiter zusetzten, durchschlugen die Folgenden die Panzerung des Ziels und rissen Löcher in die Panzerung.

Das in Hast abgefeuerte Geschütz überhitzte und ermöglichte dem schwer beschädigten Erdschiff zu entkommen.

Eine zweite, kleinere Welle anfliegender Bomber feuerte ihre Ladung auf das Heck des Turiansichen Schlachtschiffes. Obwohl die Masseneffektfelder das Schlachtschiff vor den detonierenden Gefechtsköpfen weitestgehend schützte, pusteten sie den Antrieb des Schiffes aus.

Bis deiser wieder angesprungen war und Victus die Verfolgung befohlen hatte, war das Erdschiff aus seiner Reichweite verschwunden.


Vize Admiral Liu Wu betrat den großen Konferenzraum, seinen Adjutanten an der Tür zurück lassend.

Er schien der letzte zu sein.

Kaum hatte er sich gesetzt begann ein Admiral auf der andern Seite des Tisches zu reden: „Die Entwicklung um den Shanxi Zwischenfall sehen beunruhigend aus. Auch wenn diese neue Allianz nicht so gefährlich zu seien scheint wie die Alte."

„Zwischenfall?", rief ein ergrauter Offizier dazwischen: „So nennen sie das also, wenn eine komplette Kolonie niedergebrannt, ein Drittel ihrer Bevölkerung massakriert und ein weiteres Verschleppt wird. Der MND scheint ja regelrecht Spaß an dem Spektakel zu haben."

„Wollen sie etwa dem MND unterstellen das wir nichts dagegen unternommen hätten bei gegebener vorzeitiger Information.", konterte der Redner.

„Nein, das nicht. Vielmehr das sie es gewusst haben.", erwiderte der Alte.

„Genug.", ging der Großadmiral am Ende des langen Tisches dazwischen. Seine Imposants und Autorität wurde von dem riesigen Gemälde hinter ihm weit sichtbar Verstärkt. Es zeigte keinen geringeren als den verstorbenen Großadmiral Lord Terrence Hood.

„Eine unbekannte Gefahr steht vor unserer Tür. Wir müssen darauf regieren."

„Schicken wir die 5. Flotte und radieren diese Gefahr von der Galaxiekarte.", kam es von einem Vizeadmiral mit Texanischem Akzent.

„Ich weis nicht wer diesen Irrtum in die Welt gesetzt hat, aber die 5. Flotte wird nicht einfach mal durch den ganzen UNSC Raum verlegt. Sie wird da gebrauchen wo sie ist.", erwiderte der Großadmiral.

„Wie wäre es mit der 2. Flotte?", warf Liu Wu ein.

„Diese Ansammlung von Museumsschiffen und Seelenverkäufern? Da können wir ja gleich mit Frachtern in den Kampf ziehen.", raunte der texanische Admiral.

„Die Halcyon ist unser ältestes Großkampfschiff, das sich noch in Dienst befindet. Und sie hat den Geiern ganzschön eingeheizt.", konterte Wu.

„Und zu welchem Preiß? Das Schiff wird nur noch durch Spucke und dem Willen der Mannschaft zusammengehalten. Sie wird für Jahre im Dock verschwinden. Wenn sich das überhaupt rentiert.", meinte der Angesprochene mürrisch.

„Die 2. Flotte wird mit weitern Schiffen ergänzt werden.", beendete der Großadmiral die Diskussion: „Die Frage ist, wie wir weiter vor gehen."

„Wir zerstören ihre Schiffe und bomben sie zurück in die Steinzeit.", schlug ein General vor.

„Unsere Aufmerksamkeit sollte auf den Schutz von Shanxi gerichtet sein, und der Befreiung der verschleppten Kolonisten.", meinte der Alte Admiral, der sich offensichtlich wieder beruhigt hatte.

„In dem Punkt sind wir einer Meinung. Unserer IT-Abteilung ist es gelungen aus einem der abgeschossenen Schiff Navigationsdaten auszuwerten. Die Vieräugigen haben ihre nächste größere Basis auf einem Mond in einem System relativ nahe zu Shanxi. Laut einigen Gefundenen Aufzeichnungen befindet sich dort der größte Hafen für Sklavenhandel.", berichtete der Vertreter des MND: „Wir empfehlen gezielte Kommandoeinsätze zur Befreiung der verschleppten Kolonisten."

„Und gehen dabei das Risiko ein, einige nicht befreien zu können.", erwiderte der Alte.

„Was schlagen sie vor?", fragte ihn der Flottenadmiral am Ende des Tisches ruhig.

Mit glühen in den Augen wandte sich der Graufuchs von seinem Kontrahenten ab, und dem Rest der Versammlung zu.

„Wir holen sie zurück, jeden einzelnen."