Torfan war die Hochburg Batarianische Piraten und Sklavenhändler. Diese unabhängige batarianische Kolonie, wie sie vom Citadel-Rat genannt wurde, hatte all die Jahrhunderte seit ihrer Gründung überstanden, trotz der Citadel-Gesetze gegen Sklaverei und Piraterie. Es war überhaupt ein wunder wie die Batarianer sich, mit ihrer so auf Sklaverei fixierten Kultur, so lange in den Reihen der galaktischen Gemeinschaft halten konnten.

Es herrschte reges Treiben auf dem kleinen Mond. Hunderte von Schiffen unterschiedlicher Größe transportierten hundertausende frische Sklaven von und zur Oberfläche. Die Plünderung der menschlichen Kolonie hatte sich für die Batariansichen Gesetzlosen ausgezahlt. Es herrschte ein Zustand des extremen Überflusses, dass sogar die raffsüchtigsten Banden gesättigt waren. Keiner der Bandenbosse beneidete den andern, für den Moment. Sie waren zu sehr damit beschäftigt ihre Wahre zu sichten Katalogisieren und mit ins Gehirn eingesetzten Kontroll-Chips zu willenlosen gehorchenden Sklaven zu machen.

Eluam Ran'perah war einer dieser Bosse.

Wenn auch eher eines der kleineren Lichter in den vielen verzweigten Bunkern von Torfan. Doch er hatte trotzdem einen sehr guten Fang gemacht. Am Rückweg war die Lebenserhaltung ihres Schiffes wegen Überlastung ein paar mal beinahe ausgefallen, so voll hatte er sein Schiff, einen umgerüsteter Passagiertransporter, mit Gefangenen gepackt.

Doch, anstatt sich in Reichtum und Erfolg zu sonnen, hatte er sich seit der Plünderung nur mit einem Problem nach dem andern herumgeschlagen müssen.

Diesmal war es ein Gefangener, der seinen Männer zu schaffen machte. Er hatte keine Ahnung wie es der alte Mann angestellt hatte, aber seine Mannschaft war sichtlich überfordert mit ihm.

So kam es, dass der große Pirat Ran'perah sich in einem Raum mit dem Alten wieder fand, zusammen mit Vier seiner Bewacher, die ihn ratlos anschauten, und einem Techniker, der verzweifelt versuchte eine beschädigte Schwarzmarkkopie eines streng geheimen STG-Übersetzungsprogramms für die menschliche Sprache zum Laufen zu bringen.

Der Techniker hämmerte genervt mir seiner Faust auf sein Omnitool ein und atmete erleichtert auf als dies schließlich das laufende Programm anzeigte.

„Nun,", wandte sich der kleine Piratenkönig dem Gefangenen zu: „Wieso machst du es meinen Leuten so schwer? Nicht das dies irgendetwas ändern würde, ich bin nur neugierig."

„Weil meine Überlebenschancen höher sind als eure.", erwiderte der Angesprochene ruhig und berechnend.

„Ist sie das?", lachte Ran'perah, und seine Männer stimmten kurz darauf mit ein. Nachdem er aufgehört hatte lehnte er sich auf seinem Stuhl nach vorne, faltete die Hände und stützte die Ellenbogen auf seine Oberschenkel, dann fragte er: „Und wie kommt das? Ich bin neugierig."

„Weil ich mehr weis.", erwiderte der Alte ruhig.

„Das musst du mir jetzt erklären.", kommentierte der kleine Unterweltboss die Aussage unter den verwirrten Blicken seiner Untergebenen.

„Ich weis zum Beispiel, wen ihr da überfallen habt und wie er darauf reagieren wird."

„Und wie werdet ihr Würmer darauf reagieren?"

Der Alte nahm tief Luft und fing an zu erzählen: „Um das ganze zu verstehen, musst du deinen neu gewählten Feind kennen, und begreifen, dass es mehr als nur eine Hand voll dünn besiedelter Welten sind die ihr gegen euch aufgebracht habt."

Die Batarianischen Schwerkriminellen schienen unschlüssig ob sie den neuen Informationen trauen konnten. Der Piratenkapitän hingegen blieb ruhig und hörte aufmerksam zu. Ihn schien die Geschichte des Alten gut zu unterhalten.

„Die ihr angegriffen habt, nennen sich selbst Menschen. Und die letzten Zehn Jahre haben die Menschen nichts anderes Gemacht als sich von einem großen und verheerenden Krieg zu erholen, in dem es um nichts Geringeres als die Auslöschung besagter Spezies ging.

Ihr habt, wissentlich oder aus purer Ignoranz, einen der Planeten angegriffen, der am Sichersten galt, bei einem Volk, dass das letzte halbe Jahrhundert damit zugebracht hat um sein überleben zu kämpfen.", der Alte legte eine Pause ein, und beobachtete die ratlos dreinschauenden Piraten. Nur der Anführer behielt die Ruhe.

„Was wird also ein paranoider erfahrener Soldat machen, dessen vermeintlich sicheres Haus geplündert, Frau vergewaltigt und Tochter entführt wurde? Was würdest du tun?"

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Es herrschte reges Treiben in den Sphären von Omega.

Seit vor drei Wochen die Turianische Grenzflottille verschwunden war, hatte das organisierte Verbrechen geboomt. Der Großteil der Batariansichen Sklavenjäger war zwar nach Torfan gezogen, doch die die geblieben waren hatten reiche Beute in nur spärlich bis gar nicht verteidigte Kolonien und Frachter Routen machen können.

Ähnlich erging es den restlichen zwielichtigen Wirtschaftszweigen.

Eigentlich hätte sich Aria zufrieden zurück lehnen können, um ihrem Reichtum beim Wachsen zuzusehen. Denn dieser neue Reichtum kam früher oder später zu ihr, Königen von Omega.

Eigentlich.

Doch wie jedes schnellverdiente Geld hatte auch diese einen Haken. Einen äußerst bösen und nicht direkt sichtbaren noch dazu.

Vor einer halben Stunde war ein Kreuzer unbekannter Bauart im System erschienen und hatte nach Andockkoordinaten verlangt.

Nach anfänglicher Verwirrung, fehlgeschlagenen Versuchen inoffizielle Informanten in den verschiedenen Regierungen der Citadel-Ratsvölker zu kontaktieren und einer nicht unwesentlichen Spenden an den besten und wohl mysteriösesten Datenhändler der Galaxie später hatte sie ein Dosier über diese Fremden erhalten.

Und was sie da las gefiel ihr überhaupt nicht.

Nicht das es besonders viel gewesen wäre, nein der Bericht viel äußerst dürftig aus. Es waren die wenigen Daten die aufgelistet waren, die ihr Sorgen machten.

Wie zum Beispiel die beiden Turianischen Brigaden, die bei der Rückeroberung einer angeblich sichern und wohlauf befindlichen Kolonie verheizt worden waren um eine Stadt aus Bauruinen zurück zu erobern, die von keinen 300 Man der Invasionskräfte gehalten wurde.

Oder die vernichtend geschlagene Flotte die diese Rückeroberung decken sollte. Auch wenn das Turianische Militär diese Gefecht offiziell als gewinn verbuchte, so waren über ein dutzend zerstörte und einige kampfunfähige Kreuzer sowie ein schwer lädiertes Schlachtschiff in ihren Augen keine Siegerflotte. Vor allem, da es sich bei dem Gegner um ein einzelnes fast Sturmreifgeschossenes Schlachtschiff gehandelte hatte.

Schluss endliche war sie zu dem Ergebnis gekommen, ihnen die Landeerlaubnis zu erteilen. Da die Unbekannten nicht einfach das Feuer eröffnet hatten, mussten sie etwas von ihr wollen. Sie würde die erste Autorität der bekanten Galaxie sein, die Kontakt mit ihnen aufnehmen würde. Dieser Gedanke amüsiert sie.

Ja das Schicksal war ein launisches und tragisch komisches Biest.

Der Kreuzer war gerade an seiner vorgesehenen Position angedockt und die Luftschleuse hatte sich geöffnet.

Interessiert betrachtete die Königin von Omega auf dem Holobildschirm vor ihr, wie ein gutes Dutzend Humanoiden in Panzerungen den Dockbereich sicherten. Arias eigene Sicherheitskräfte waren bereits vor Ort und hatten alle Zivilisten aus dem Bereich entfernt. Nur um auf Nummer sicher zu gehen.

Eine einzelne Gestalt in Uniform und scheinbar unbewaffnet trat aus der Luftschleuse in den Dockbereich, umringt von fünf weiteren Soldaten mit verspiegelten Visieren.

Ihnen folgte eine Kreatur, die sogar die wuchtigen Elcor in den Schatten stellte. Die über drei Meter große Gestalt schaffte es gerade so durch die Luftschleuse. Als sie in den Dockbereich gelangte hielten Arias Truppen den Atem an. Auf seinen aus dem Rücken ragenden langen stacheln saß ein kleiner Gnom, der wohl den Meisten entgangen sein musste.

Einer ihrer Leutnants trat vor begrüßte den uniformierten Neuankömmling. Dann bat er ihn und seine Leibwächter ihnen zu folgen.

Es dauerte eine weitere halbe Stunde bis ihre Gäste das Afterlife betraten. Sie hatte ihnen natürlich nicht das Dock direkt davor gegeben.

Der Uniformierte marschierte mit seinen fünf Leibwächtern in den Club, als würden sie den Laden übernehmen. Das gefiel Aria überhaupt nicht.

Zwei der Wachen blieben am Ende der Treppe zurück, die zu ihrer Lounge führte. Die restlichen Drei verteilten sich im Raum, während der Uniformierte die zwei Stufen zu ihrer Sitzecke hinauf stieg und vor ihr stehen blieb.

„Danke für den raschen, unbürokratischen Empfang Misses T'loak. Ich bin Commander Jerome vom United Nation Space Command", begrüßte er sie.

Aria lächelte. Mit dem alte Spiel, ich weis wer du bist, konnte man sie nicht beeindrucken. Dafür war sie zu berühmt und berüchtigt.

„Nun Mister Jerome, was kann ich für sie tun.", erwiderte sie.

„Bevor wir anfangen, gehört der Salarianer zu ihnen?", fragte ihr Gast beinahe beiläufig.

Ihre Antwort darauf war kurz: „Nein."

Er nickte einem seiner Leibwächter zu.

Ohne weitere Worte wirbelte der Mann herum, riss sein Gewehr hoch und feuerte einen einzelnen Schuss ab.

Der batarianische Leutnant in seiner Schusslinie zuckte zusammen, während der Rest von Arias Leuten die Waffen auf den Commander und seine Männer richtete.

Mit einem dumpf durch den Raum hallenden Aufschlag landete der Körper zu Boden. Verdutzt blickten Arias Sicherheitskräfte auf den in der Ecke liegenden Salariener. Aus einem Loch im Kopf rannen allerlei Körperflüssigkeiten und Teile seines Gehirns, während ein Großteil über Wand in der Ecke verteilt war, in der er unentdeckt gestanden hatte.

Der Batarianische Leutnant, der zuvor noch zusammengezuckt war, nahm den Leichnam als erster unter die Lupe.

„Sehr hochentwickelter Tarnfeldgenerator, sieht nach STG aus.", berichtete er während seiner provisorisch schnellen Untersuchung.

„Mir scheint sie haben ein Sicherheitsproblem.", kommentierte der Commander dies kühl.

„Das ist mein Problem und geht sie nichts an.", erwiderte die Herrscherin von Omega bloßgestellt und fuhr in sachlichem geschäftsmäßigen Ton fort: „Sie sind sicher nicht hergekommen um mit mir über meine Sicherheitsvorkehrungen zu reden."

Der Commander begann ohne Umschweife mit seinem Vortrag: „Wie sie bereits mitbekommen haben, steht das galaktische Mächteverhältnis vor einem Umbruch. Um Missverständnisse und unnötige Konfrontationen zu vermeiden wurde ich entsandt um einige Abmachungen mit ihnen zu treffen."

„Was heißen soll, dass ich mich ihnen unterwerfe und ihrer Herrschaft unterstelle.", meinte die Asari abschätzend hochnäsig.

„Nein.", stellte der Commander klar: „Vielmehr bin ich Cäsar, der Königin Kleopatra ihr Königreich lässt, solange sie die getroffenen Abmachungen einhält."

In Arias Mimik war die Frage nach der Bedeutung dieses Vergleichs mehr oder weniger deutlich zu sehen, doch sie hielt sie zurück.

Sachlich wie zuvor fuhr sie fort: „Und welche Abmachungen wären das?"

Der Commander lächelte, anscheinend gefiel ihm ihre direkte Art.

„Jeder Menschlicher Sklave in ihrem Besitz ist frei zu lassen und an uns zu übergeben. Des weitern muss jeder Mensch, der gegen seinen Willen fest gehalten wird, befreit und anständig versorgt werden, bis wir ihn abholen. Hierfür werden wir regelmäßig ihnen Besuche abstatten und zeitweilig Unterstützung zur Verfügung stellen. Wir werden ihnen auch die Möglichkeit geben uns zu kontaktieren, so dass sie bei größeren Aufkommen keine überfüllten Gästequartiere zu befürchten haben. Jedes Schiff, das mit der batarianischen Kolonie Torfan in Verbindung gebracht werden kann, ist entweder der Zugang zu ihrem Machtbereich zu untersagen, oder zu beschlagnahmen. Das United Nation Space Command rät ihnen jedwede Beziehung zu Sklavenhändlern, die nicht der Befreiung ihres Frachtgutes dient, zu unterlassen. Nur um etweilige Missverständnissen vorzubeugen. Einen allgemeinen Zugang zu ihrer Station würden wir auf jeden Fall zu schätzen wissen."

„Auch wenn ich selbst nicht im Sklavengeschäft besonders Aktiv bin, verlangen sie, dass ich auf einen beträchtlichen Teil meiner Einnahmen verzichte, indem ich diese der Station verweise.", erwiderte Aria: „Was springt für mich dabei raus."

„Handel mit Gütern, wie es sie im ganzen Citadel-Raum und den Terminus Systemen nicht gibt.", antwortet er ihr mit einem Lächeln: „Zwar nur nichtkritische Güter, doch wer das Monopol hat bestimmt den Preis."

„Habe ich sie Richtig verstanden, ich nehme ihnen einen Großteil ihrer Arbeit ab, indem ich ihre Bürger für sie befreie und einsammle und im Gegenzug bekomme ich ein paar Lebensmittelrationen und Spielzeug?"

„Sehen sie es mal so, wir haben eine Aufgabe, die sie wesentlich effektiver bewältigen könnten und durch diese Abmachungen müssen wir weder Ressourcen aufwenden um alle einzeln zu befreien, noch um uns einer weitern Schließung eines Sklavenumschlagplatzes zu kümmern. Auch wenn wir die Ressourcen für eine solche Aktion haben, wieso Kompliziert wenn es auch Einfach geht. Die beschlagnahmten Schiffe können sie natürlich auch behalten.", versuchte Jerome sie zu überzeugen.

"Wenn Sie es vorziehen das Angebot abzulehnen, werden wir Gezwungen sein die Administration auf dieser Station zu ändern.", fuhr er nach einer Schweigeminute fort.

"Kennen Sie die erste Regel auf Omega? Niemand legt sich mit Aria an!", erwiderte sie mit aggressivem Ton.

"Das UNSC beabsichtig nicht sich mit Ihnen "Anzulegen" oder um die Kontrolle auf dieser Station zu kämpfen.", lächelte er verschmitzt.

"Was meinen Sie da . . ."

"Wir würden sie lediglich beschießen bis nur noch Staubkorngroße Partikel von ihr übrig sind.", mit einem kalten Lächeln auf den Lippen lehnte er sich vor bis sein Mund neben Arias Ohr war und flüsterte: "Glauben Sie mir, darin sind wir sehr gut."

Die Asari blickte ihn lange abschätzend an.

Nach einem langen stillen Moment kam ihr nur ein Wort über die Lippen.

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Nos Astra war heiß um diese Jahreszeit. Auch wenn das die fünf großen Gestalten in ihren klimatisierten Anzügen nicht wirklich beeinflusste, trotz der Tatsache, dass sie in ein kleinem, fensterlosen, nichtklimatisierten Hinterzimmer eines schwach frequentierten Privatraumhafen gepfercht waren.

Die um mehr als einen Kopf kleinere blaue Gestalt neben ihnen jedoch lief der Schweiß nur so herunter.

„Diese verdammten Asari-Kleider. Welcher grenzdebile MND-Vollidiot hat bitte die Winterkollektion organisiert.", fluchte die Agentin.

Die fünf Spartaner lachten.

„Das ist nicht lustig.", fauchte ihre Kontaktperson: „Schon schlimm genug, dass der MND mich blau angemalt hat, dazu noch mit einer permanenten Farbe."

„Wissen wir. Sie haben hier denn schwierigen Job. Also was hat die Echse am Terminal erzählt?", fragte sie der Anführer des Feuerteams.

„Er bestätigte unsere Vermutung. Die primären Zielpersonen sind hier durch gekommen.", antwortete die Undercover-Agentin: „Sie kamen, wie MND berichtete, mit einer gewissen Nassana Dantius an und wurden unter Bewachung in eine dieser fliegenden Autos geladen."

„Wo wurden sie hingebracht?", schoss der Scharfschütze des Teams vor.

„Wenn die Gerüchte stimmen, in ihrem Penthaus.", erwiderte die Blaugefärbte.

Keine Stunde später hatten sie sich einen Transporter organisiert der das ganze Team auch tragen könnte. Die Steuerung war VI-Unterstützung erstaunlich einfach zu meistern.

Zwei der Spartaner setzte die Offizierin einen Block entfernt ab. Von Schatten zu Schatten sprintend begaben sie sich in Richtung des Hochhauses. Dank der späten Stunden und Lauffaulheit der Asari war niemand auf der Straße der sie hätte sehen können.

In wenigen Momenten hatten die Spartaner den Weg bis zum Gebäude hingelegt.

Einer von ihnen aktivierte die holografische Türklinke und sie gingen in den seitlich hervorstehenden Trägern in Deckung.. Die Tür ging auf und blieb in der Position stehen.

„Verdammt, die beschissene Türsteuerung hat schon wieder einen Treffer.", hallte die Turianische Stimme eines Stimme eines Wachmanns aus der nun offenen Tür.

„Ich ruf den Technik-Dienst, die sollen das Problem beseitigen.", ertönte eine zweite Stimme die einer Asari gehörte.

Der Turianer hatte sich derweil an der Tür zu schaffen gemacht. Die Versuche mittels seines Omnitools die Tür zu reparieren gab er schnell auf.

„Sie haben gut reden. Ihr Asari seit für solche Klimazonen wie geschaffen. Ihr schwitzt ja nicht einmal.", keuchte das Knochengesicht, während er mit purer Muskelkraft versuchte die Tür wieder zu schließen.

„Ich weis nicht wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat, aber wir Asari schwitzen durchaus.", erwiderte seine Kollegin.

„Ich habe noch keine von euch Schweißgebadet rumlaufen sehen."; brummte er.

„Das liegt daran, dass wir im Verhältnis wesentlich weniger Transpirieren als andere Spezies. Außerdem wird dieser Prozess von unserer Biotik unterstützt, weswegen wir nur in extremsten Fällen sichtbar Schweiß absondern.", belehrte sie ihn.

„Könnten sie mir helfen, anstelle Unterricht über die Asari Physiologie zu geben?", erwiderte der genervte Turianer.

„Ich komm ja schon.", antwortet sie nur.

Da schlugen die beiden Spartaner zu.

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Kommissarin Anaya schoss mit ihrem Dienstwagen durch die Straßen von Nos Astra. Es war gerade dunkel geworden.

Sie landete direkt vor dem was einmal Nassana Dantius Residenz gewesen war. Die Fassade war an mehreren Stellen beschädigt und die Struktur litt unter dem in die Seite des Gebäudes gerammten Luftfahrzeug.

„Was ist hier passiert?", fragte sie eine der Technikerinnen.

„Das heraus zu finden ist eigentlich ihr Job. Ich versorge sie nur mit den Fakten dazu.", erwiderte die Technikerin.

Anaya warf ihr einen düsteren Blick zu, worauf die Technikerin ohne Umschweife fort fuhr: „Ich beginne mal von ganz vorne. Die beiden Wachleute im Foye berichteten, dass circa während des Sonnenuntergangs die Automatik der Eingangstür versagte. Die Tür öffnete zwar, schloss allerdings nichtmehr. Zuerst versuchte der Turianer sie manuell zu schließen, als ihm das nicht gelang, rief der seine Kollegin zu Hilfe. Nachdem sich beide an der Tür zu schaffen gemacht hatten wurden sie niedergeschlagen. Soweit ist es auch auf den Überwachungsaufnahmen dokumentiert.", sie unterbrach kurz und lies das besagte Material auf ihrem Omnitool laufen.

Zwei riesige Schatten vielen durch die Tür, während die beiden Wachmänner damit beschäftigt waren diese wieder zu schließen, und zerrten die beiden aus dem Blickfeld der Kamera. Dann viel sie aus.

„Ich habe die Profile mit Zeit und Sonnenstand vergleichen. Was auch immer das war, es ist verdammt groß. Überragt einen durchschnittlichen Kroganer.", spekulierte die Technikerin.

„Die Statur passt nicht dazu.", erwiderte die Ermittlerin.

„Das war ja nur der Anfang.", fuhr die Technikerin fort: „Kurze Zeit später meldeten die Sensoren eine Erschütterung im Penthaus. Wie sich herausstellte hat irgendetwas ein Loch in den Landeplatz durch die Decke gerissen."

„Jemand hat sich durch die Decke gesprengt?", fragte Anaya skeptisch nach.

„Nein, vielmehr ist etwas mit viel Wucht durchgeschlagen. Es sind einige Audiodateien vorhanden, die ein anschließendes Feuergefecht enthalten, aber sämtliche Kameras des Komplexes sind ab der kaputten Tür tot. Das interessante kommt noch. Nur wenige Augenblick später ist eine Luftabwehrrakete in eines der Nachbargebäude eingeschlagen. Sie wurde auf einen Transporter abgefeuert, den die Kameras des besagten Gebäudes wenige später erfassten."

„Dann geben sie eine Suchmeldung nach dem Transporter raus.", meinte die Kommissarin grimmig.

„Das wird nicht nötig sein. Vor etwa einer Stunde ist dieser Transporter im Dantius Park abgestürzt.", erwiderte die Angesprochene: „Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage der technische Defekt war der Treffer einer Boden-Luft-Rakete."

Die Technikern nickte.

„Mam, der Abgestürzte Transporter wurde vor nicht einmal drei Stunden an einem Privatraumhafen in der Nähe gemietet.", platzte eine Untergebene in das Gespräch.

Anaya zögerte nicht. Ohne Umschweife rannte sie zu ihrem Flugauto und düste davon in Richtung Raumhafen.

Unter heulen des Antriebs kam das Polizeiauto vor dem kleinen Privatflugfeld zum stehen. Anaya und drei ihrer Kolleginnen sprangen heraus und liefen zum Eingang des Terminals. Dort wartet schon ein hippelicher Salarianer auf sie.

„Wo haben sie die Frau gesehen.", fragte die Kommissarin ohne Umschweife.

„Sie kam vor etwa sechs Stunden mit ihrem Schiff hier an, daran erinnere ich mich genau. Sie war alleine und hatte fünf schwere Container dabei die unser Personal für sie ins Facht Terminal transportiert hat, wo diese nochimmer auf den Zoll warten.", erwiderte der Gefragte.

„Welches ist ihr Schiff?", fragte die Asari ungeduldig, während ihr Blick über die abgestellten Luxusliner schweifte.

„Ähm, das gerade abhebt.", meinte der Angestellte.

„Die Raumkontrolle soll es abfangen", rief sie ihren Kolleginnen zu, die hecktisch versuchten die zuständigen Behörden zu erreichen.

Oben im Orbit sprang das Schiff auf Überlichtgeschwindigkeit, bevor eines der Militärschiffe es abfangen konnte.

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Langsammer als gewollt humpelte sie durch die Straßen von Nos Astra. Der Absturz hatte sie ganzschön mitgenommen.

Neben ihr lief der Junge, den sie aus dem Wolkenkratzer gerettet hatten. Team-Echo und das Mädchen hatten sich unterwegs von ihnen trennen müssen, als ein Fahrzeug der Ordnungshüter ihnen nahe gekommen war. Zum Glück war ihre Verkleidung da noch in Takt gewesen. Die Polizistinnen waren nach einem kurzen ausleuchten der Gasse weiter gefahren. Den Jungen in der Ecke hinter einem Container versteckt hatten sie nicht bemerkt. Sie war vermutlich für einen Penner gehalten worden, oder so etwas ähnliches.

Müde lies sie sich in einer Nische nieder. Mit ihren blauen Finger fuhr sie sich durch ihr Haar. Die Tentakelattrappe hatte sie schon einige Straßen zuvor verloren.

Der Junge, keine 10 Jahre alt, ging neben ihr in die Knie.

Die ganze Zeit war er ruhig und unauffällig geblieben und hatte ihren Anweisungen Folge geleistet. Er hatte sogar ohne auf ihre Anweisung zu warten instinktiv ein Versteck gesucht, wenn sich ein weiteres Fahrzeug genährter hatte.

„Junge, wie heißt du eigentlich?", fragte die Agentin erschöpft.

„John.", erwiderte er.

Sie lächelte: „Du bist ein guter Soldat, John."

Das Lob lies seinen ersten Gesichtsausdruck nicht verschwinden, doch Stolz mischte sich in seinen besorgten Blick.

„Ich will nicht, dass sie wegen mir sterben.", meinte John.

Unter ihr lachen mischte sich ein Schluckauf, und ihr Grinsen wurde rot.

„Ich sterbe nicht wegen dir.", erwiderte sie dem Jungen, unterbrach kurz um Blut auf den Asphalt zu spucken und fuhr dann fort: „Daran sind nur diese vieräugigen Sklavenjäger schuld."

„Dafür werde ich alle hässlichen Vieräugler töten!", schrie der Junge fast.

Der Blick der Agentin wurde ernst: „Nur weil einige von ihnen schlecht sind, haben nicht alle den Tod verdient. Erinnerst du dich an die Eliten? Sie waren mal unsere schlimmsten Feinde, doch ohne den Gebieter gäb es uns wahrscheinlich nichtmehr."

Einzelne Tränen rannen dem Jungen die Wangen hinunter.

„Nicht weinen.", versuchte sie ihn zu beruhigen: „Du musst erst einmal überleben. Wenn du von dem Planeten herunter gekommen bist, kannst du um mich Trauern."

Sie überreichte ihm ihren Schocker, den sie gut unter den Winterkleid versteckt hatte und befahl im: „Geh."

Der Junge lief los, ohne sich ein weiteres Mal um zu drehen. Lange nach dem er um die Ecke verschwunden war, vernahm sie ein Donnern in der Ferne. Es kündigte den sauren Regen an der ihr die Farbe vom Gesicht und der Haut waschen würde. Ihr Leichnam würde der lokalen Polizei viele ungewöhnliche Fragen bereiten. Ob diese je alle gelöst werden würden, war ungewiss. Auch kümmerte es sie nicht.

Mit einem letzten Atemzug frische kühlerer Luft starb sie, in einer Gosse an einer Wand gelehnt, mit einem Lächeln auf den Lippen.