Eluam Ran'perah betrachtete nachdenklich die Holoprojektion des Sektors. Es war weder genau, noch viel, was die passiven Sensoren auffingen. Und das, was sie erfassten, wurde von herumfliegenden Trümmern verzerrt.
Seit gut einem Tag befand er sich mit seinem Schiff in einem Trümmerfeld im Orbit von Torfan. Alle Hauptsysteme waren heruntergefahren, die Lebenserhaltung wurde von der Notendenergie gespeist und alle Fenster waren von seiner Crew verdeckt worden. Er hatte sogar in die Hülle ein Loch gesprengt auf der Höhe des Steuerbordhangars.
Jeder, der vorbei flog, würde sie für ein Wrack halten.
Ein alter aber wirkungsvoller Trick.
Viel interessanter war jedoch, wie er in diese Lage gekommen war.
zuerst hatten ihn seine Leute für verrückt gehalten, als er ihnen befohlen hatte, alle Wertsachen und Vorräte auf sein Schiff zu verladen. Sklaven hatte er ausdrücklich ausgeschlossen, mit einer Ausnahme. Seine Mannschaft hatte er hinter seinem Rücken über ihn reden hören. Er habe den Verstand verloren und der alte Mensch hätte ihm paranoide Gedanken eingepflanzt.
Als er dann das Schiff in das Trümmerfeld fliegen lies, nachdem ein etwas ungewöhnlicher Sensorschatten auf dem Monitor aufgetauchte, war es beinahe zur Meuterei gekommen.
Wie sehr man sich Täuschen konnte.
Keine Minute nachdem alle Systeme herunter gefahren und abgekühlt waren, erschien eine Armada. Die Größe ihrer Schiffe reichte von Kreuzern bis hin zu Schlachtschiffen.
Sie hatten auf alles geschossen was versuchte vom Planeten zu kommen, und jedes Schiff das auch nur den Hauch eines Versuches wagte, in Richtung Massenportal zu fliegen war von mehreren dieser fremden Schiffe, mit nicht ganz unbekannter Bauart, regelrecht Atomisiert worden. Nur ein Schiff hatte es geschafft durch die Blockade zu gelangen. Der berühmt berüchtigte Piratenkapitän Varem'pha war mit seinem ehemaligen quarianischen Kreuzer schwer beschädigt durch die Reihen der Angreifer gebrochen. Der, durch die Kaperung dieses Prachtstücks quarianischer Ingenieurskunst mit nur einer alten Fregatte bekannt gewordene ehemalige Admiral der Hegemonie, war der einzige gewesen, der ihnen etwas entgegen setzte. Und wenn es auch nur seine Flucht gewesen war.
Viel hatte es ihm nicht gebracht.
Kurz bevor er das vermeintlich rettende Massenportal erreicht hatte, verschwand sein Schiff in einer nuklearen Explosion gigantischen Ausmaßes.
Einige Besatzungsmitglieder, die zu dieser Zeit mit dem Abdunkeln der Fenster beschäftigt gewesen waren, wurden von dem Blitz geblendet und ihre Sehkraft hatte sich immer noch nicht komplett regeneriert.
Dieses Ereignis war nicht einmal der Höhepunkt gewesen.
Kurz darauf erschien ein Schiff gigantischer Größe. Mit seinen 2,5 Kilometern Länge überragte es sogar die Destiny Ascention.
„Was habt ihr? Die Skidbladnir ist nur ein Unterstützungs- und Docklandungsschiff.", hatte der Alte auf ihre erschrockenen Gesichter geantwortet.
Und Tatsächlich schien das Schiff nicht für den Raumkampf sondern den Transport und das Absetzten von Truppen gedacht.
Seither hatte es nichts anderes getan, als Unmengen an kleinen Transportschiffen in Richtung der Oberfläche des Mondes zu schicken.
Der Transporter des Typs Pelican überflog die öde karge Landschaft Torfans.
„Männer!", begann Sergeant Petro Martinez in der Transportkabine seine Ansprache: „Wir wurden zur Unterstützung eines Trupps ODSTs angefordert. Diese verrückten Höllenspringer haben ohne Vorwarnung einen kleinen Unterschlupf der Vieräugler angegriffen. Einen Großteil der Verteidigungsanlagen haben sie unschädlich gemacht. Im Gegenzug ist es ihnen aber Gelungen sich festnageln zu lassen. Unsere Aufgabe ist es, die Initiative wieder zu erlangen und die Stellung des Gegners zu säubern. Laut Aufklärung befinden sich hundert bis hundertfünfzig Gefangene in dem Stützpunkt, passt als auf, was ihr beschießt."
„Mit welcher Feindstärke ist zu rechnen?", fragte einer der Corporals.
„Ausrüstungstechnisch ist die Lage schwer einzuschätzen. Die automatischen Verteidigungstürme auf der Oberfläche wurden zerstört, es ist aber mit weitern im Komplex zu rechnen. Die Aufklärung schätz die Feindstärke auf dreißig bis vierzig Schützen.", erwiderte der Sergeant.
Der Transporter ging in den Sinkflug.
„Macht euch bereit!", brüllte Sergeant Martinez und setzte seine Atemmaske auf. Seine zwölf Marines taten es ihm gleich. Die Atmosphäre des kleinen Mondes war einfach zu dünn.
Als die Heckrampe auf ging, gab sie den Blick auf die steinige Landschaft frei.
Nach dem kurzen aufheulen des Bordgeschützes raste der Vogel über einen Bunker hinweg. Dann flog er eine Kurve, wobei das Feuergefecht am Boden genau zu sehen war, und landete anschließend hinter dem Komplex.
Auf ein stummes Zeichen hin verteilten sich die Männer und begannen das Gebäude von beiden Seiten zu umrunden.
Auf der Vorderseite waren die Überbleibsel der Batarianer damit beschäftigt die ODSTs abzuwehren. Um den kläglichen Rest des Gewalthaufens zeigte sich das verheerende Bild das die Bordkanone des Pelicans hinterlassen hatte. Überall lag zerstörte Ausrüstung und Verwundete auf dem Boden.
Durch den Schusswechsel und das Geschrei ihrer verwundeten Mitstreiter bemerkten die verblieben Piraten den in ihren Rückenfallenden Feind zu spät.
Unter Gebrüll stürmte Martinez Männer das Karree.
Die verbliebenen Verteidiger wurden mit runtergelassenen Hosen erwischt. Es gab ein kurzes, einseitiges Feuergefecht, dann kehrte gespenstische Ruhe ein. Keiner überlebte.
Nach der Säuberung des Karees gingen sie Marines sofort seitlich der Panzertür in Stellung. Ein Trupp ODST schloss zu ihnen auf.
„Corporal Wu,", stellte sich der Führer des Trupps vor: „meine Männer und ich unterstellen uns ihrem Befehl."
Trotz der Rüstung merkte Martinez, dass der Höllenspringer noch grün hinter den Ohren war. Nur die Besten oder die Unerfahrensten hätten einen Angriff auf gut befestigte Stellungen des Feindes gewagt.
„Gut.", erwiderte Martinez: „Sie schließen sich als zusätzliches Feuerteam meiner Gruppe an. Wir rücken schnell und entschieden vor, säubern und sichern jeden Raum und Gang, bis wir keine freien Kräfte mehr haben und warten dann auf die Verstärkung.
Die wird in zehn Minuten hier sein. Solange können wir nicht warten. Laut Aufklärung befinden sich Gefangene im Komplex, also achten sie darauf auf was sie schießen." Er machte eine Pause, dann setzte er erneut an: „Bereit Marines?!"
Worauf ihm ein lautes Hurra durch den Funk entgegenschallte.
Mit einem Schlag auf die Bedienfläche öffnete sich das Tor und sie stürmten den Komplex.
Sie standen dich an dicht, eingepfercht wie Tier in einem zu kleinem Stall.
So ähnlich roch es mittlerweile.
Von außen drangen die Geräusche von Kämpfen immer stärker durch die Türen. Auch wenn die gelegentliche Erschütterung jedem klar gemacht haben musste, in welch einer Situation er sich befand, so waren das Geschrei und die Schüsse so nahe etwas ganz anderes. Man hatte sie ohne Vorwarnung hier eingesperrt.
Dann herrschte plötzlich Stille.
Mit einem Zischen ging die Tür zu ihrem Verschlag auf und sie wurden von dem einfallenden Licht geblendet.
Gestalten umrissen vom Licht stürmten in den Raum.
Sie brüllten etwas, doch die Gefangenen mit ihren schützend erhobenen Armen verstanden sie nicht.
„Raum ist gesichert.", rief einer von ihnen. Was auch immer das heißen sollte.
„Wie viele Entführte?", kam als Antwort von der Tür.
„Gute drei Dutzend, nur Xenos.", erwiderte die erste Stimme.
„Was sollen wir mit ihnen machen, Sir?", fragte eine Dritte.
Der aggressive Ton hatte nichts Gute zu verheißen. Vermutlich waren es Piraten, die ihren "Besitzern" die Beute wegnehmen wollten.
Die Gestalt außerhalb des Raumes befahl den anderen etwas.
„Alle, raus hier!", rief der Mann in der Rüstung vor ihr in leicht verzerrtem Turianisch.
Wie Vieh wurden sie durch die Gänge des unterirdischen komplexes getrieben, direkt in den Hangar. Dort wurden sie in kleinere Gruppen aufgeteilt und auf Transporter ihnen unbekannter Bauart verladen.
„Sind alle vom Planeten?", fragte Flottenadmiral Harper.
„Gerade ist der letzte Pelican zurück.", antwortete sein Adjutant.
Mit einer Handbewegung aktivierte der Admiral den Funk.
„Hier spricht Flottenadmiral Harper.", lies er über die ganze Flotte schallen: „Verpasst ihnen eine Narbe die sie nie vergessen lässt!"
Die Kreuzer, Zerstörer und Fregatten, die über den Ganzen Orbit verteilt waren, positionierten sich mir ihren Hauptbewaffnungen in Richtung des kleinen Mondes.
Dann begann der vereinte Chor aus Massenbeschleunigern zu feuern.
Die Symphonie der puren Zerstörung regnete auf den Planetoiden, der die Hochburg der Piraterie gewesen war. Mehrere Gefechtsköpfe wurden von bestimmten gleichmäßig verteilten Schiffen abgeschossen und verschwanden auf die von den schier endlos auf die Oberfläche prasselnden Projektilen aufgepeitschte See von Gesteinsbrocken.
Der helle Blitz des nuklearen Höllenfeuers zerriss Torfans Oberfläche in abertausende Teile.
Grimmig blickte der alte Admiral auf die Überreste des Stützpunkts seines Feindes. Nach einer Weile wandte er sich ab und gab den Abzugsbefehl, worauf die Flotte wenige Augenblicke später im Massenportaltransits verschwand.
Unentdeckt von der menschlichen Flotte beobachtet der gefürchtet Piratenkapitän Eluam Ran'perah das epische Schauspiel mit nichts als Furcht.
Dies war der Anfang vom Untergang jeder bekanten Zivilisation die sich mit den Neuankömmlinge angelegt hatte oder sich gegen sie stellte würde, dem war sich Ran'perah sicher.
Verwirrt und verängstigt warteten sie Dicht an Dicht in einem Frachtraum. Sie wussten weder wo sie, noch wer diese Leute waren, die sie auf dieses Schiff verfrachtet hatten. Es war riesig, soviel war klar, aber die Spezies die es betrieb war ihnen unbekannt.
Einige hatten neue Sklaven dieser Spezies bei ihren Vorbesitzern gesehen, doch nachdem diese meist verschreckt und scheu gewesen waren, hatten sie nicht viel über sie erfahren. Ganz abgesehen davon, dass niemand sie verstand.
„Was werden sie mit uns machen?", fragte eine junge Quarianerin ängstlich.
„Yal, beruhig dich. Sie werden uns nichts antun.", erwiderte die Sklavin neben ihr.
„Wie kannst du da so sicher sein?", fragte Yal die Asari.
„Sie haben uns wesentlich besser behandelt als die Batarianer. Kein Geschrei, Schlagen oder andere Peinigungen.", meinte Liselle beruhigend lächelnd.
„Das bedeutet nichts.", mischte sich ein Drell ein, den die beiden nicht kannten.
Eine Tür in ihrer Nähe ging auf und gepanzerte Gestalten betraten den Raum.
„Ihr Fünf, vortreten.", befahl einer von ihnen der Gruppe die ihm am nächsten stand mit sehr gebrochenem Turianisch.
Diese wurden durch die Tür bugsiert und verschwanden in dem dahinter liegenden Gang.
Die Wache wiederholte ihre Anweisungen in regelmäßigen Abständen und so leerte sich der Raum nach und nach.
Von den gut Dreihundert waren nur noch etwa zwei Drittel im Frachtraum, als Yal, Lisette, eine weitere Asari, der Drell und ein weibliche Turianer in die Gänge gescheucht wurden.
Vor einer Panzertür blieben sie stehen.
Eine der Wachen bemerkte den kämpferischen Ausdruck in den Augen des Drells. Er war offensichtlich noch nicht lange versklavt worden.
„Junge denk nicht mal dran.", meinte die Wache, und als der Drell ertappt, aber nicht weniger Kämpferisch zu ihm blickte, wurde seine Stimme selbst durch den schlechten Übersetzer bedrohlich: „Du bist ihr auf der Skidbladnir, zusammen mit tausenden bis unter die Zähne bewaffneten Soldaten. Selbst wenn du uns überwältigen solltest, spätestens zwei Gänge weiter würdest du in Stücke geschossen."
Damit war das Thema für die Wache erledigt und der Drell eingeschüchtert.
Die Panzertür öffnete sich und die Hölle tat sich vor ihnen auf.
Zu erst hörten sie Schreie, dann drang der Geruch von Tod und Verwundung an ihre Nasen und Luftfilter. Trotz der scheinbar auf Volllast laufenden Abluft-Systeme des Raums und ihres Luftfilter im Anzug drang Yal'Raye der Gestank bis zu ihrem Geruchssinn durch.
Dann gab das Tor den Blick auf den Raum dahinter frei. Dutzende Feldbetten, Operationstische und Tragen reiten sich aneinander in dem provisorischen Lazarett. Ein Meer an Verletzten tat sich vor ihnen auf, der Boden war überflutet von einer roten Flüssigkeit.
Ihre Wachen trieben sie direkt durch einen in der Mitte freigelassenen Gang auf die andere Seite des Raumes durch eine weitere Panzertür.
„Was sollte das?", fragte Liselle verärgert und immer noch leicht Blass.
„Das war der schnellste Weg.", erwiderte die Wache trocken: „Und vom Kapitän so angeordnet. Ihr solltet seht, was wir geopfert haben, um euch da raus zu holen. Bevor ihr uns verurteilt."
„Euch verurteilen?", fragte Yal mit zitternder Stimme.
Der Bewacher schwieg.
Eine weitere Wache übernahm sie und verteilte jeden auf Zimmer, die offensichtlich Behandlungsräume waren.
Anaya tippte die Aussage der Zeugin auf ihrem Pad ein.
Die Woche wurde immer verrückter.
Erst dieser Angriff der Unbekannten auf den Dantiustower, dann diese eigenartige Pinke Asari Leiche ohne jedwedes Element Zero im Körper, ihre Suspendierung ohne jedweden Kommentar, worauf sie zum Streifendienst versetzt wurde. Und nun eine Häufung von Überfällen auf Läden in der Gegend wo sie die Leiche gefunden hatten.
Das Opfer, die Besitzerin eines Feinkostladens, hatte genau die zwei punkförmigen Brandmale, wie die andern sechs Ladenbesitzer. Sie lagen sogar ungefähr an der gleichen Stelle, an der Wirbelsäule knapp unter dem Nacken.
„Wie ist der Angreifer unbemerkt an sie herangekommen?", fragte sie die Ladenbesitzerin.
„Vermutlich über die Hintertür. Die Eingangssensoren haben niemanden angekündigt.", erwiderte diese.
„War die Hintertür verschlossen?", fragte die Polizistin weiter.
„Ich glaube nicht.", meinte die Befragte.
Anaya seufzte: „Könnten wir", wobei sie auf sich und ihre zugeteilte Partnerin deutete: „Uns die Tür mal ansehen?"
Die Ladenbesitzerin nickte und begab sich mit ihr in den hintern Teil des Ladens.
Durch die offen stehende Hintertür wehte der Geruch der Gasse herein. Eine achtlos verlorene Verpackung war die erste Brotkrume. In der zugigen Seitenstraße hinter dem Laden schaute die Polizistin in beide Richtungen. Von einem Ende der Gasse blitzten die Leuchtmittel die Polizeifahrzeuge, das Andere wurde Meter für Meter dunkler und endete an einer Wand.
Instinktiv lief Anaya in die dunkle Richtung, ihren Schatten in die Gasse werfenden.
Die vermeintliche Sackgasse war durchlässiger als vermutet. Ein offensichtlich von der andern Seite aufgebrochener Luftschacht, eine kaputte auf der hälfte klemmende Tür in eines der angrenzenden Gebäude und eine Tür in eine Tiefgarage oder Liefereingang. Mehrere Wege führten aus der Mausefalle.
Anaya seufzte. Es wäre auch zu gut gewesen.
Sie drehte sich um und wollte die Gasse verlassen, hielt aber kurz inne.
Ein leises Stöhnen drang an ihr Ohr.
Schnell war die Richtung ausgemacht und die Polizistin bewegte sich vorsichtig auf einiger Container und achtlos aufgehäuften Müllberge zu.
Das Licht ihres Omnitools schweifte über die Szenerie während sie sich vorsichtig durch den Abfall kämpfte.
Schließlich blieb der Lichtkegel an etwas hängen. Verwirrt und unschlüssig blieb Anaya mit Waffe auf das Entdeckte gerichtet stehen.
Hinter dem ganzen Müll lag eine kleine Gestalt in der Siffe am Boden, gekrümmt und vor Schmerzen stöhnend. Neben dem Wesen, das wie ein Batarianischer Junge mit Asarigesicht aussah, lag eine aufgebrochene Packung Turianischer Pralinen in einer lache halb verdautem Inhalt dieser.
Mit einem kurzen Flimmern erschien die Projektion des turianischen Veritus Generals
„Wie ist der Stand der Expeditionsflotte?", fragte Spartarus sofort.
„Wir haben drei Schlachtschiffe für die Einsatzgruppe zusammen ziehen können.", berichtete der Gefragte Stolz.
„Die letzte Flotte wurde von nur einem feindlichem Schlachtschiff und einigen Korvetten aufgehalten, trotz überlegener Anzahl, gesamt Feuerkraft und Tonnage. Was macht sie so siegessicher?", fragte Tevos ihn misstrauisch.
„Mit allem Respekt für meine Kollegen, die erste Flotte wurde in hast aus nicht einsatzbereiten Einheiten zusammengezogen, um gegen einen unbekannten Feind zu kämpfen.", erwiderte der General: „Meine Flotte besteht aus erfahrenen und einsatzbereiten Einheiten, die bereit sind es mit einem sturmreif geschossenen trägen Schlachtschiff aufzunehmen."
„Was wenn der Feind noch strategische Reserven hat? Die STG geht davon aus, dass dies nicht ihr einziges Schlachtschiff war.", erwiderte der Salarianische Ratsherr.
„Ebenso die Turianische Aufklärung. Wir schätzen, dass sich die Reserve auf zwei bis drei weitere Schiffe begrenzt. Und dies sind die optimistischsten Schätzungen. Der Feind wird die ihm verbliebenen Großkampfschiffe sicher zur Sicherung seiner Planeten einsetzen. Wir werden höchstens ein weiteres Großkampfschiff zu Gesicht bekommen.", prophezeite der General.
„Und wie sieht es mit unserer Verteidigung aus?", fragte Tevos: „Bei solch einer Ungewissheit können wir unsere Stellungen nicht ohne Kräfte zur Verteidigung lassen."
„Vier turianische Schlachtschiffe sind nur ein Relay entfernt. Die Asari Streitkräfte haben fünf Ihrer scheren Kreuzer abkommandiert um die Verteidigung der Kolonie zu unterstützen. Die Salarianer haben eines ihrer Schlachtschiffe im System und die Batarianer haben eine eigene Flotte, mit einem ihrer Schlachtschiffe und einem gutem dutzend Kreuzer sowie einer Flottille Fregatten, zum Portal 314 entsandt. Egal was an unserer Expeditionsflotte vorbeikommt, es wird keine Gefahr für die Kolonie darstellen.", berichtete der Veritus stolz.
Tevos, sowie Spatarus und der Salarianische Ratsherr zeigten keine Reaktion, bis Veritus ausgeblendet wurde.
„Die Kriegshunde wurden entfesselt", erfasste der Salarianische den Elefanten im Raum.
Stumm saßen sie an der Bar, zwölf insgesamt, regelrecht ausdruckslos auf ihre Drinks starrend. Der Batarianische Haufen war schon so stumm in das Hell's Pit gekommen, eine Bar in den zentralen Bezirken Omegas. Die Barkeeperin hatte in ihren 600 Jahren noch nie so viele am Boden zerstörte Batarianer auf einem Haufen gesehen. Und dann war da noch ihr eigenartiger Begleiter.
Seiner Spezies war sie noch nie begegnet. Vielleicht war er einer dieser Neuankömmlinge, die die Raumstation in Aufruhr versetzt hatte und von denen eine Gruppe auf der anderen Seite der Bar von einem Salarianer bedient wurde, wie ihr eine Überwachungskamera zeigte.
Wenn man nach den Beiträgen des Extranets ging, waren sie mittlerweile das Thema der Stunde der Galaktischen Gemeinschaft. Auch wenn diese noch weniger zu wissen schienen, wie die Bewohner von Omega, oder auch nur je ein Exemplar gesehen hatten.
Er musste alt sein, für die Maßstäbe seiner Spezies. Das verrieten seine bedachten Bewegungen. Zumindest vermutete sie dies aus ihren Beobachtungen. Außerdem hatte er diesen Ausdruck in seinen Augen, den man bei den Alten fand, die viele Jahre Krieg gesehen hatten. Ihre Mutter, einer der letzten Zeuginnen der Kroganer Rebellion hatte genau denselben gehabt.
Egal wie, er war der erste seiner Spezies, der der Barkeeperin über den Weg lief.
„Was ist mit denen los?", fragte sie den Begleiter nach einer sehr langen Weile und einigen Drinks.
„Lebensveränderndes Ereignis.", kommentierte dieser knapp.
Sie fragte auf diese Antwort nicht weiter nach und wandte sich wieder den andern Gästen zu.
Sie bot einem der zwölf an ihm nachzuschenken. Der Batarianer blickte verwirrt auf, als ob er wahrgenommen hatte wo er sich eigentlich befand und starrte ihr in die Augen.
Nach Bataianischem Glauben waren die Augen die Tür zur Seele. Und die seinen blickten Ausdruckslos, ja geraderecht erschreckend leer ihr entgegen.
Einer der Neuankömmlinge in Uniform setzte sich zu dem Begleiter der Batarianer.
„Admiral.", begrüßte er ihn.
„A.D.", erwiderte der Admiral.
„Ihre Rücktrittserklärung ist nie eingegangen.", meinte der Uniformierte verschmitzt grinsend.
„Das hätte eigentlich mit meinem Totenschein erledigt sein sollen.", brummte der Admiral grimmig und nahm einen Schluck von dem Neonfarbenen Drink.
Er schien in gedankenversunken ein Starrduell mit dem Regal hinter dem Tresen auszuführen, um dann schließlich dem deutlich jüngeren Offizier zu zuwenden: „Der MND wird wohl etwas schlampig auf seine alten Tage. Ich hatte ein paar Jahre früher mit euch gerechnet."
Der Angesprochene überging dies: „Was ist mit eurem Häufchen Elend?", wobei er in Richtung der Batarianer nickte.
Die Mundwinkel des Admirals zuckten für den Bruchteil einer Sekunde: „Nur ein sehr, sehr kleiner Fisch."
Der MND-Offizier zog seine Augenbraue hoch: „Das Oberkommando hat beschlossen, die Netze einzumotten und Dynamitfischen zu gehen."
„Die haben wohl ein Stück zu viel von der Allianz gelernt.", murmelte der alte Offizier.
„Vermutlich haben sie es nicht mitbekommen in ihrer Zeit als Toter, aber ihre Verehrung als Gott des Krieges hat nur noch mehr zugenommen.", änderte der MND-Offizier das Thema: „Und sobald einer der angetrunkenen Ledernacken auf der anderen Seite sie erkennt, werden die die ganze Station auseinander nehmen, nur um ihren Gott des Krieges heil nach Hause zu bringen.",
„Weis ich.", schnaubte der Admiral fast belustigt: „Die interessanter Frage ist, wie werden meine Gastgeber reagieren, wenn sie herausfinden, wen genau sie beherbergt haben."
„Gott des Krieges? Netter Titel.", warf Barkeeperin ein und schenkte ihm nach. Die beiden hatten nun endgültig ihre Aufmerksamkeit.
„Mehr ein Spitzname.", kommentierte der Admiral dies.
„Offensichtlich ist die Übersetzungssoftware in Omegas Straßen angekommen.", murmelte der MND-Offizier zu sich selbst, dann wandte er sich an die Asari: „Das größte militärischer Genie unserer Zeit wäre der akkuratere Spitzname."
Die Blauheutige lehnte sich über den Tresen zum Ergrauten: „Was macht eine solche Person in Begleitung batarianischer Sklavenjäger?"
Dieser leerte sein Glas und deutete ihr, ihm das nächste zu bringen: „Das ist eine lange Geschichte."
„Ich liebe Geschichten.", erwiderte sie leicht grinsend.
„Und meine Wenigkeit würde sie gerne von ihnen hören.", kommentierte der MND-Offizier die Barkeeperin: „Nicht, dass ich das wesentlich schon herausbekommen hätte, aber einige kleine Details fehlen mir noch."
Vize Admiral a.D. Preston Jeremiah Cole nahm einen kräftigen Schluck und begann zu erzählen: „Ich genoss meinen wohlverdienten Ruhestand als Toter, als diese vieräugigen Aasgeier beschlossen Shanxi einen Besuch abzustatten. Möglich wurde dies durch die Hilfe der Turianer. Die hatten, aus irgendeinem Grund, einfach das Feuer auf ein Forschungsschiff eröffnet und in dem Zug auch gleich alle zu Shanxis Verteidigung abgestellte Schiffe zerstört.
Dann folgten die Batarianer. Der Himmel war von Sklavenjäger und Piraten verdeckt. Eine Woche lang plünderten, verschleppten und Brandschatzten sie. Mich haben sie bei dem Versuch, eine Gruppe Kinder wegzubringen, erwischt.
Die Kleingeister brachen uns zu ihrem Stützpunkt. Wenn ich das Richtig verstanden habe, war das ein Mond. Den Namen habe ich nicht mitbekommen, nicht dass das noch wichtig wär."
Die Mundwinkel des MND-Offizier zuckten für den Bruchteil einer Sekunde nach oben. Dies entging der Barkeeperin nicht, auch wenn sie nicht weiter nachhakte.
Der Admiral atmete tief durch und fuhr dann fort: „Sie wussten offensichtlich nicht, auf was sie sich eingelassen hatten, worauf ich es ihnen bei einer kleinen Unterhaltung mit Häuptling Ich-bin-ein-ganz-schlauer klar machte.
Offensichtlich war er beeindruckt, denn kaum war unsere Unterhaltung beendet, hat der Kapitän sein Schiff mit allem beladen was nicht Niet- und Nagelfest war und wollte von dem trost- und gesetzlosen Gesteinsbrocken verschwinden.
Sie haben es bis zum Asteroidenfeld, das den Modes umkreist, geschafft. Ihr unerschrockener Anführer war nun endgültig Paranoid geworden. Beim kleinsten Ausschlag ihrer Sensoren lies er alle Systeme herunterfahren und das Schiff verdunkeln. Wie sich herausstellte zu ihrem Glück.
Der Sensorausschlag war eine UNSC Flotten, die den Mond im Handstreich einnahmen. Was genau dorrt geschah wissen sie wohl besser wie ich.", meinte der Alte in Richtung des MND-Offiziers.
„Wir haben nur unsere Leute zurück geholt und dann das System von Parasiten gesäubert.", meinte der Angesprochene.
„So kann man die Vernichtung eines Planetoiden auch beschreiben. War das Harpers Plan?", fragte Cole den MND-Offizier. Der nickte
„Vernichtung eines Planetoiden?", stoß die Barkeeperin irritiert aus: „Wie soll das gehen."
„Es geht.", warf der Batarianer kurz ein, der ihnen am nächsten saß. Es war das erste aktive Zeichen, dass er von sich gegeben hatte, seit er und seine Kameraden die Bar betreten hatten.
„Dieser Konflikt war von Anfang an der Plan des MND.", meinte Cole, immer noch auf den jüngeren Offizier neben ihm fixiert.
„Ich weis nicht was sie meinen.", erwiderte der, ohne eine Miene zu verziehen. Er hatte diese Anschuldigung offensichtlich schon erwartet.
„Ein Forschungsschiff, das alleine durch ein unbekanntes Transitportal fliegt? Also bitte. Wenn ihr diesen Verlauf des Konflikts nicht erwartet und gewollt habt, hättet ihre eine ganze Flotte um das Portal versammelt, oder gleich die Infinity geschickt. Ihr macht nie etwas ohne Absicherung. ohne zu wissen was euch erwartet. Nicht nach Requiem."
Der MND-Offizier schwieg.
Irgendwo hinter der kleinen Runde an der Bar schallte eine laute, lallende Stimme: „He Vieräugler, was macht ihr mit einem von uns da!"
Der MND Offizier stand ruhig auf und blickte den Marine an: „Sergeant, lasen sie's gut sein."
„Unser Auftrag ist, alle Menschen zurück zu holen!", schimpfte der Soldat zurück, wobei er etwas wankte: „Oder hab ich da was falsch verstanden?"
„Diese Herren sind meine Gefangen.", kommentierte Cole die Unterhaltung ruhig, ohne sich um zu drehen.
Der Marine wankte an dem MND Offizier vorbei und setzte sich direkt neben den Admiral.
Einige Sekunden starrte er diesen an.
Die Erkenntnis traf ihn, wie ein Schlag ins Gesicht. Worauf er beinahe vom Hocker gefallen wäre.
Kurz darauf brach ein Tumult los.
