Tut mir so Leid, dass ich so lange kein neues Kapitel hochgeladen habe, aber irgendwie hat mich eine schlimme Schreibblockade heimgesucht und ich habe dann zuerst meine andere Fanfiction „Dark Sad Love Story" beendet. Ich werde mich aber bemühen, dass es jetzt wieder regelmäßige Up-Dates hier gibt.
Viel Spaß beim Lesen.
Ungeduldig wartete Jake auf Sherrys Rückkehr. Der D.S.O. hatte sie angerufen, weil es einen neuen Anschlag mit einem neuen Virus gegeben hatte und sie in der Zentrale gebraucht wurde.
Es war halb zehn am Abend, als sie endlich nach Hause kam. Jake sprang vom Sofa auf, als er den Schlüssel im Schloss hörte, und eilte in den Flur. Sherry hängte ihre Jacke an die Garderobe und legte ihren Dienstausweis auf das Schlüsselkästchen neben der Tür. Sie wirkte erschöpft und mitgenommen.
„Hey, Supergirl", begrüßte Jake sie und schloss sie in die Arme.
„Hey", sagte sie und lehnte sich gegen seine Brust.
„Und? Wie sieht die Lage aus? Ist es wirklich ein neuer Virus?"
„Es hat den Anschein", sagte Sherry. Sie klang besorgt. „Eine kleine Stadt in Südamerika. Die B.S.A.A. ist vor Ort und hat uns Informationen geschickt."
„Musst du hin?"
„Nein. Zum Glück nicht. Also im Moment zum Glück nicht."
„Steckt Neo-Umbrella dahinter?"
„Wir wissen es noch nicht genau. Es hat sich niemand zu einem Anschlag bekannt und momentan gibt es keine Hinweise darauf."
Jake nickte. Sherry seufzte und schloss die Augen.
„Hast du Hunger? Es ist noch was da."
Sie nickte und die beiden gingen in die Küche. Sherry ließ sich am Tisch nieder, während Jake die Reste vom Abendessen aus dem Kühlschrank nahm und sie auf dem Ofen erwärmte.
„Wie war dein Tag?", fragte sie.
„Ganz in Ordnung, aber dauerhaft halte ich es dort nicht aus", sagte Jake schmunzelnd.
Seit er in die USA gekommen und bei Sherry eingezogen war, arbeitete er in einem Laden, doch im Vergleich zu seinem alten Leben war der Job langweilig und öde. Noch dazu verdiente er viel zu wenig und war von Sherry abhängig. Sie hatte ihn gebeten, sein Söldnerdasein aufzugeben und er hatte es ihr zu liebe auch bereitwillig getan. Doch manchmal sehnte er sich nach den alten Tagen.
„Du weißt, dass das Jobangebot, das dir Hunnigan gemacht hat, immer noch steht", sagte Sherry mit vielsagendem Blick. „Dann könnten wir zusammenarbeiten."
Der D.S.O. hatte Jake angeboten, Agent zu werden und die Aussicht, mit Sherry zusammenarbeiten zu können, war durchaus verlockend, doch Jake war sich unsicher, ob er annehmen sollte.
„Ich hab ja darüber nachgedacht, aber ich weiß nicht so recht, ob das das Richtige für mich ist. Außerdem bin ich ja jetzt momentan sowieso beschäftigt."
Er reichte Sherry ihr Essen und setzte sich neben sie an den Tisch.
„Hast du gelernt heute?"
„Ja, natürlich. Schon drei Kapitel durch, alle Aufgaben erledigt und die Extraübungen gemacht. Kein Problem für mich."
Jake hatte vor einiger Zeit angefangen, seinen Schulabschluss nachzuholen. Durch seine Söldnertätigkeit hatte er die Schule mit 15 ohne Abschluss verlassen. Er hatte damals nicht an seine Zukunft gedacht, da er nur Geld verdienen wollte, um seiner Mutter zu helfen. Jetzt jedoch, nachdem endlich Ruhe sein Leben eingekehrt waren, konnte er sich wieder auf sich selbst konzentrieren.
Sherry hatte ihm den Vorschlag gemacht und ihn überzeugt, doch Jake tat es noch aus einem anderen Grund. Seine Mutter hatte ihm als Jugendlicher immer gesagt, wie wichtig sein Abschluss für seine Zukunft sein würde und sie war sehr enttäuscht von ihm gewesen, als er die Schule abgebrochen hatte. Gleichzeitig hatte sie Schuldgefühle gehabt, weil er es nur wegen ihrer Krankheit getan und sie sich dafür verantwortlich gefühlt hatte.
Außerdem hatte seine Mutter, als sie in Amerika gelebt hatte, selbst versucht, einen Abschluss zu machen, doch durch ihre Rückkehr in ihre Heimat war sie nicht mehr dazu gekommen. Jake fühlte sich ihr gegenüber verpflichtet und er wollte den Abschluss nicht nur für sich, sondern auch für sie machen. Auch wenn sie nicht mehr daran teilhaben konnte ...
Dreimal die Woche besuchte er neben seinem Job eine Abendschule.
Sie verfielen in Schweigen, während Sherry aß.
Jake hatte sich schon den ganzen Tag den Kopf darüber zerbrochen, wie er das Telefonat mit Luise ansprechen sollte. Er wusste, dass Sherry es nicht gut heißen würde, doch er wollte es vor ihr auch nicht verheimlichen. Er war so aufgewühlt, über das, was er erfahren hatte, dass es gar nicht für sich behalten konnte. Schließlich beschloss er, dass es wenig Sinn hatte, um den heißen Brei herum zu reden.
„Sherry."
Sie nahm gerade einen Bissen von ihrer Gabel und sah ihn erwartungsvoll an.
„Heute ist etwas passiert."
Ihre Augen weiteten sich vor Schreck, doch Jake wehrte sofort auf.
„Nein, nein, nichts Schlimmes. Es ist nur ..."
Er trommelte mit den Fingern auf der Tischplatte und suchte nach den richtigen Worten.
„Ich bin jetzt auf Mum sauer und auf meinen Vater irgendwie weniger als vorher."
„Wie darf ich das verstehen?", sagte Sherry verwundert, nachdem sie ihren Bissen hinuntergeschluckt hatte.
„Naja", druckste Jake herum. „Ich habe heute mit einer alten Schulfreundin von Mum telefoniert. Sie wohnt in New York. Und ich hab sie gefragt, ob sie etwas über die Beziehung meiner Eltern weiß."
„Jake ..."
„Ja, ja, ja, ich weiß, was du jetzt sagen willst. Aber hör es dir erst mal an. Luise, so heißt sie, hat mir nämlich einige sehr interessante und aufschlussreiche Dinge erzählt."
„Und was? Da bin ich aber gespannt."
„Zum Beispiel, dass ich gar nicht in Edonien sondern in Amerika geboren wurde."
Sherry blickte Jake entgeistert an. „Was?"
Er nickte.
„Mum ist nach der Trennung von Dad nicht sofort zurück nach Edonien, sondern zu Luise nach New York. Und da bin ich auch geboren."
„Im Ernst? Das heißt, du bist Amerikaner, Jake."
„Jep. Und mir ist auch klargeworden, warum Mum immer so ein Tamtam um meine Geburtsurkunde gemacht hat."
„Inwiefern?", fragte Sherry, während sie aufstand und ihren leeren Teller neben die Spüle stellte. Sie nahm sich ein paar Scheiben Toastbrot und steckte sie in den Toaster. Sie lehnte sich an die Küchenzeile, während sie wartete.
„Mum hat immer gesagt, dass sie meine Geburtsurkunde verloren hätte, aber ich wusste immer, dass sie sie irgendwo vor mir versteckt hat. Kein Wunder, denn da steht es ja schwarz auf weiß, dass sie mich angelogen hat. Sie hat immer behauptet, ich sei in Edonien geboren."
„Deine Mum hat dich wirklich angelogen?", fragte Sherry ungläubig. „Warum sollte sie das tun?"
„Ich bin mir mittlerweile absolut sicher, dass sie mich von meinem Vater fernhalten wollte. Luise meinte, dass irgendwas zwischen den beiden vorgefallen ist und dass das zu ihrer Trennung geführt hat. Irgendwas mit Umbrella. Meine Eltern haben sich wegen Weskers Arbeit getrennt."
„Dann war deine Vermutung also doch richtig", schlussfolgerte Sherry aus dem Gesagten.
Als ihr Toast fertig war, machte sie sich ein Sandwich. Jake grinste sie an.
„Du hast aber heute Appetit, Supergirl. Naja, jedenfalls so wie Luise die Situation damals beschrieben hat, kann es gar nicht anders sein, als dass Mum irgendwas über Umbrella wusste. Vielleicht hat mein Vater sie ja verlassen ..."
All die Jahre hatte er nur Hass für seinen Vater gehegt und es fiel ihm schwer, seinen Verdacht auszusprechen, weil er Wesker damit verteidigte. Und noch schwerer fiel es ihm zuzugeben, dass seine Mutter ihm die Wahrheit verheimlicht hatte.
„... weil er sie vor Umbrella beschützen wollte."
„Meinst du wirklich?", fragte Sherry während sie aß.
„Mit Sicherheit kann man es nicht sagen, aber ... Das erklärt so vieles. Luise hat gesagt, dass Mum sehr verschlossen war und überhaupt nicht darüber gesprochen hat, warum sie sich getrennt haben. Mum war total fertig und ich denke, dass, wenn diese eine Sache, was auch immer es war, nicht dazwischengekommen wäre, sich meine Eltern nicht getrennt hätten. Vorher waren sie anscheinend total glücklich miteinander. Bis zu irgendeinem Punkt, an dem etwas passiert ist."
„Denkst du wirklich ,dass sie mit Wesker zusammengeblieben wäre? Ich kann mir das nicht so recht vorstellen", bemerkte Sherry vorsichtig skeptisch. „Bist du deswegen weniger sauer auf deinen Vater?"
„Nein, das ist es nicht. Ich kann meinem Dad in einem Punkt keinen Vorwurf mehr machen."
Sie sahen sich an.
„Er wusste nichts von mir, Sherry. Er hatte keine Ahnung, dass es mich gibt. Und er hat Mum nicht meinetwegen verlassen."
„Was? Wie?", fragte Sherry verwirrt.
„Als Mum bei Luise vor der Tür stand, wusste sie zwar schon, dass sie mit mir schwanger ist, aber sie hatte es Dad gar nicht erzählt. Während sie in New York gewohnt hat, muss sie wohl immer mal wieder mit dem Gedanken gespielt haben, ihn anzurufen. Aber sie hat es, aus welchem Grund auch immer, nicht getan. Es ging ihr ziemlich schlecht damit. Sie hat sich Vorwürfe gemacht, weil sie mir meinem Vater vorenthalten hat."
„Das stellt die Sache in einem ganz anderen Licht dar", sagte Sherry und sah nachdenklich drein.
„Ja. Vor allem weiß ich jetzt, dass Mum all die Jahre sehr gelitten hat. Und sie hat das immer vor mir verborgen. Wahrscheinlich hat sie das auch krank gemacht."
„An was ..." Sherry zögerte. „An was ist deine Mutter eigentlich ..."
„An was Mum gestorben ist?"
Es war nach wie vor ein schmerzliches Thema für Jake über den Tod seiner Mutter zu sprechen. Er hatte sie viele Jahre lang leiden sehen, hatten ihre Schmerzen miterleben müssen und hatte sich vor allem irgendwann damit abfinden müssen, dass sie nicht gesund werden würde. Er hatte die Tatsache lange verdrängt und hatte versucht, alles zu tun, um das nötige Geld für die Behandlung aufzutreiben, doch heute im Nachhinein verstand er, dass er nur vor dem Unweigerlichen davon gelaufen war.
„Was sie genau hatte, weiß ich nicht. Als Jugendlicher habe ich mich nicht dafür interessiert. Es war immer wichtiger, dass wir unsere Rechnungen bezahlen konnten und ihre Medikamente. Ich glaube, es war etwas mit den Nerven. Ich kenn sie praktisch nur krank, also muss es angefangen haben, als ich noch sehr klein war. Am Anfang war es noch heilbar und die Medikamente, die sie genommen hat, haben auch sehr gut geholfen, aber irgendwann wurde es zu teuer. Wir konnten uns die Therapie nicht mehr leisten. Und dann war es zu spät."
Er schluckte hart. Ein Kloß hatte sich in seinem Hals gebildet.
„Es tut mir so Leid, Jake", sagte Sherry mitfühlend.
Er nickte nur, aber antwortete nicht.
„Was willst du jetzt machen, nachdem du das weißt? Du wirst es nicht erfahren, was deine Eltern auseinandergebracht hat. Oder weiß Luise noch irgendwas dazu?"
„Nein, leider nicht. Ich weiß es nicht. Ich habe so viel erfahren und einige Fragen sind geklärt. Ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll."
Sherry beendete ihr Sandwich, wischte sich mit einer Serviette den Mund ab, dann trat sie auf ihn zu und setzte sich auf seinen Schoß. Sie lehnte sich an ihn.
„Luise hat mir angeboten, Kontakt zu halten. Wenn ich nach New York kommen sollte, kann sie mir sogar das Krankenhaus zeigen, wo ich geboren bin."
„Das finde ich sehr schön für dich", sagte Sherry und küsste ihn auf die Wange. „Das solltest du auf jeden Fall wahrnehmen."
„Aber?"
„Nichts aber, du kennst meine Meinung, dass du die Vergangenheit ein Stück weit loslassen musst. Auch wenn es schwer fällt. Du hast so viel, was in der Zukunft liegt, auf das du dich konzentrieren musst."
Plötzlich grinste sie verwegen. „Und jetzt gerade, in diesem Moment, sollst du dich sowieso für etwas anderes interessieren."
„Und das wäre?", fragte Jake gespielt unwissend.
Sherry küsste ihn leidenschaftlich auf die Lippen. „Lass dich überraschen", hauchte sie gegen seinen Mund, dann löste sie sich von ihm und wies ihn an, ihr ins Schlafzimmer zu folgen.
Ciudad de mochos colores, Südamerika
„In fünf Minuten versammeln wir uns zum Abflug", wies Isabel ihr Team an. „Cinco minutos!" Die Soldaten griffen zu ihren Waffen.
„Wir müssen uns auch bereit machen", wies Chris Jill und Sheva an. Sie luden ihre Waffen nach und erneuerten ihren Vorrat an Ersatzmunition.
„Geht es mit deinem Bein", fragte Chris seine Verlobte besorgt. „Ich weiß, du willst unbedingt mit, aber ..."
„Keine Diskussion, Chris", sagte Jill sofort. „Ich werde mitkommen. Ich bin OK. Es tut nicht mehr weh. Und ich will endlich wissen, was hier vor sich geht."
Chris kannte Jill lange genug, um zu wissen, dass er sie nicht überzeugen konnte, besser hier zu bleiben. Er wusste wie stur und dickköpfig sie sein konnte.
Die beiden Teams begaben sich zu den Hubschraubern, die sie über dem Wald absetzen sollten. Während des Fluges besprachen sie ihr Vorgehen. Isabel hatte ihnen die Koordinaten, sowie einen Plan der Umgebung auf ihre Handys geschickt.
Es dauerte nicht lange, bis sie die Stadt überquert und das dichte Grün des Waldes erreicht hatten. Der Hubschrauber blieb über den Baumwipfeln in der Luft stehen und die beiden Teams seilten sich nach unten zum Boden ab. Sie landeten auf weichem Grund zwischen Bäumen und niedrigen Farnen.
„Wir müssen weiter in diese Richtung", sagte Isabel und deutete zwischen die Bäume.
Zwei Männer ihres Teams gingen voraus, um mit Macheten einen Weg durch das engverwachsene Grün zu schaffen.
Sie hielten ihre Waffen bereit und horchten bei jedem Geräusch auf. Doch sie hörten nur ein paar Vögel. Chris gefiel die Stille nicht. Er schloss zu Isabel auf, die sie anführte.
„Seit wann leiten Sie Ihr Team, Isabel?"
„Seit ein paar Monaten. Unser alter Teamleiter starb bei einem Einsatz. Da habe ich seinen Posten übernommen."
„Was war Ihre Motivation, sich der B.S.A.A. anzuschließen?", fragte Chris, während sie sich weiter ihren Weg durch das dichte Unterholz bahnten.
„Ich stamme von Ureinwohnern ab, aber wie viele der jüngeren Generationen zog es auch mich in die Städte. Ich wollte studieren. Meine Familie lebte in einem abgeschiedenen Dorf im Wald. Sie waren einfache Bauern. Viele der Kinder wurden krank und eines Tages bot ihnen ein Pharmakonzern eine kostenlose Behandlung an."
„Lassen Sie mich raten: Umbrella", schloss Chris. Isabel nickte.
„An meinen Leuten wurde Experimente durchgeführt und sie verwandelten sich in Monster. Unsere Regierung hat nichts dagegen unternommen, weil man die Beziehungen zu Umbrella nicht kaputt machen wollte. Ich will Gerechtigkeit für den Tod meiner Familie und die Verantwortlichen müssen gestoppt werden! Ich war Soldatin in der Armee, danach Polizistin, aber ich hatte nicht das Gefühl, ich könnte irgendetwas ausrichten. Ich hörte von der B.S.A.A. und beschloss, mich Ihnen anzuschließen und Ihre Sache zu unterstützen."
„Meine Geschichte ist ähnlich", sagte Sheva. „Ich verstehe Sie, Isabel."
Sie durchkämmten ein dichtes Gebüsch und erreichten schließlich eine Lichtung, auf der eine alte Steinruine eines antiken Tempels stand.
„Das muss es ein", sagte Isabel. „Das sind die Koordinaten."
„Was ist das? Das erinnert mich an die Ruine in Kijuju", sagte Sheva.
„Ein alter Maya-Tempel", erklärte Isabel. „Der Großteil befindet sich unter der Erde. Man hat ihn vor Jahren im Rahmen von archäologischen Arbeiten freigelegt. Die Spur führt hierher, also ..."
Sie näherten sich dem alten Gebäude, das im Laufe der Zeit von Pflanzen zugewachsen worden war. Einige Mauerstücke waren zerbröckelt, sodass man die genauen Umrisse nicht mehr erkennen konnte, doch die Anlage schien gut erhalten.
„Irgendwo dort gibt es einen Eingang, eine Treppe, die nach unten führt", sagte Isabel.
Sie zerschnitten ein paar Lianen und schoben ein paar Gesteinsbrocken zur Seite, um eine kleine Öffnung in der Wand freizulegen. Sie mussten sich bücken, um hindurchzukommen.
Eine lange Treppe führte sie nach unten in eine Halle. In der Mitte stand ein Altar und die Wände wurden von alten Zeichnungen geziert, die jedoch im Laufe der Jahrhunderte verblasst und kaum noch zu erkennen waren. Es roch nach Moder und Wasser tropfte. Die Wurzeln der Pflanzen über der Erde hingen von der Decke.
Vorsichtig teilten sie sich auf und erkundeten ringsherum den Raum. Ein Soldat aus Isabels Team machte schließlich an einer Wand eine Entdeckung. Als sie eine Staubschicht wegwischten, kam ein Zeichen bestehend aus zwei Schlangen, die sich ineinanderwunden, zum Vorschein.
„Was ist das? Sieht aus, wie ein Symbol. Und es hat mit Sicherheit nichts mit diesem Tempel zu tun", stellte Isabel fest.
„Nein. Auf keinen Fall."
„Gehört es zu Neo-Umbrella?", fragte Jill.
„Keine Ahnung", sagte Chris. „Wir sollten ein Foto davon machen."
„Seht mal, da in der Mitte."
Jill deutete auf eine Einkerbung. „Das sieht wie ein Schalter aus, Chris. Man muss etwas hineinsetzen. Mit Sicherheit öffnet sich dann eine Tür."
„Wir haben aber nichts dergleichen."
„Warte mal. Wir müssen ja nur den Mechanismus auslösen."
Jill versuchte es vorsichtig, zuerst mit dem Schaft ihres Kampfmessers, dann mit der Klinge. Sie bohrte einige Zeit in der Einkerbung, dann gab es plötzlich ein Klicken.
„Ich habs geschafft. Es ging auch so."
Sie hörten ein Rumoren aus den Wänden, dann bewegte sich hinter ihnen der Altar zur Seite und ein Aufzug fuhr nach oben.
„Wer sagst denn? Jetzt kommen wir der Sache schon näher."
Chris hatte keine Ahnung, wie tief sie unter die Erde gelangten. Der Aufzugschacht schien nicht enden zu wollen. Was würde sie unten erwarten?
Als sie ausstiegen, fanden sie sich in einem Gang wieder, der sie in ein großes Labor brachte.
Alle technischen Geräte und Computer waren abgeschaltet, ein paar lose Kabel versprühten Funken. Die Lampen über ihnen flackerten nur schwach, sodass sie ihre Taschenlampen benutzen mussten, um etwas sehen zu können.
Überall ringsherum standen große Glasbehälter, manche von ihnen waren zerbrochen und hatten ihren Inhalt über den Boden ergossen, manche waren sachgerecht abgelassen und geöffnet worden. Er mochte sich gar nicht ausmalen, was sich einmal in ihnen befunden haben mochte. Hatte man hier B.O.W.s gezüchtet, die jetzt die Stadt oben heimsuchten?
„Was mag hier passiert sein?", fragte Isabel.
Sie hielten ihre Schusswaffen bereit, während sie jeden Winkel des Labors absuchten.
„Gesichert!", sagten Isabels Leute.
„Da hinten geht es weiter, wahrscheinlich in ein anderes Labor", mutmaßte Sheva. „Und dort ist eine weitere Tür."
„Ich schlage vor, wir teilen uns auf. Isabel, Sie und ihr Team nehmen die linke Tür, wir drei die rechte."
„Seien Sie vorsichtig. Wir müssen nicht, was uns hier erwartet."
Chris, Jill und Sheva schritten weiter ins nächste Labor. Hier gab es glücklicherweise Licht und sie konnten ihre Taschenlampen wegstecken. Hier standen hauptsächlich Computer und Laborutensilien herum. Auf der gegenüberliegenden Seite befand sich ein großer, leerer Tank. Jemand hatte mit Gewalt die Scheibe eingeschlagen und Flüssigkeit hatte sich über die Fließen ergossen.
Der Raum war ähnlich verwüstet wie der vorherige. Ein Metalltisch war umgeworfen worden. Überall lagen zerbrochene Petrischalen und Mikroskope. Auf einem Labortisch lagen wild durcheinander Papiere.
Ihre Aufmerksamkeit wurde jedoch sofort auf etwas anderes gelenkt. Der Raum war angefüllt mit Kokons, ähnlich denen, die Chris auf seinen Missionen in Edonien und China bereits gesehen hatte.
Die drei hoben sofort alarmiert ihre Waffen, als sie hörten, wie eine Schale knackend aufbrach und sich Gliedmaßen nach draußen kämpften.
Chris' Herz begann laut gegen seine Rippen zu pochen, so als wittere es die bevorstehende Gefahr. Angespannt richteten sie ihre Pistolen auf das Etwas, das sich seinen Weg in die Freiheit erkämpfte. Doch irgendetwas schien nicht in Ordnung zu sein.
Als sie sich näherten, erkannten sie, dass es ein Napad war, doch das Monster sah nicht aus, wie die, die Chris bekämpft hatte. Es war fürchterlich entstellt, hatte nur einen Arm und röchelte stark, als könne es nicht richtig atmen. Die Flüssigkeit in seiner Blase war viel zu zäh und es fiel nur schwach zur Seite, aber zeigte keine Intention, die Menschen vor ihm anzugreifen. Nachdem es sich ein paar Mal am Boden hin und her gewunden hatte und gequälte, kreischende Laute von sich gegeben hatte, erschlaffte sein Körper.
„Es ist tot", bemerkte Jill. Zögerlich schritten sie und Sheva zu den anderen Chrysaliden und untersuchten sie. „Die sind alle kalt und ausgetrocknet. Ich glaube, von denen droht uns keine Gefahr mehr. Die sind tot."
„Was ist hier nur passiert? Irgendwas stimmt doch hier nicht."
Chris unterdessen schritt zu den Labortischen, wo die vielen Dokumente lagen und überflog das Geschriebene. Es waren Aufzeichnungen über Forschungsarbeiten. Einige Dokumente sprachen vom „D-Virus", er fand jedoch keine näheren Erläuterungen dazu. Als er die Papiere auseinanderschob erstarrte er.
„Chris, was machst du?"
„Jill, Sheva, seht euch das mal an", sagte Chris und deutete auf ein Dokument, das er unter den Akten gefunden hatte, die auf dem Labortisch verteilt lagen.
„Oh mein Gott", sagte Jill leise. „Das ist Weskers Handschrift, ich erkenne sie sofort! Während ich bei ihm gefangen war, hab ich ihn öfters handschriftlich Notizen machen sehen, wenn er gearbeitet hat."
„Dann hat er das geschrieben? Dann muss er hier sein", meinte Sheva, doch Chris verneinte.
„Nein, das ist fünf Jahre alt. Es ist offenbar aus seiner Arbeit in Afrika. Hört mal."
„ 2008, Kijuju", begann Chris zu lesen.
„Die Arbeit an Uroborus macht große Fortschritte, dank der Antikörper, die ich aus Jills Blut isolieren konnte. Ich schätze, es dauert nur noch wenige Monate bis zu seiner Fertigstellung.
Dank der positiven Entwicklung hat Tricell weitere Gelder zugesichert und Excella den CEO-Posten für die Zweigstelle in Afrika angeboten.
Mich beunruhigt jedoch eines: Ich glaube, ich habe bei einer Probe eine Beobachtung gemacht. Als ich Laborratten der Wirkung dieser Uroborus-Probe aussetzte, mutierten die Tiere nicht. Sie zeigten alle Verhaltensauffälligkeiten, wurden aggressiv oder apathisch. Einige Männchen entwickelten kannibalistisches Verhalten.
Nach zwei Tagen lagen alle Tiere völlig ausgezehrt tot im Käfig, Uroborus aber lebte noch und es war deutlich größer und stärker als vorher. Es schien auf neue Opfer zu warten, fast so, als hätte es ein Bewusstsein.
Ich schließe daraus, dass es einen mutierten Stamm hervorgebracht hat, der parasitäre Eigenschaften besitzt.
Bei Amphibien und Reptilien hatte Uroborus keine Wirkung. Offenbar braucht es Säugetiere als Wirt.
Ich habe die betroffenen Proben von den anderen getrennt und bewahre sie gesondert auf, sodass die Tricell-Forscher keinen Zugriff darauf haben.
Es wäre zu diesem Zeitpunkt äußerst unklug, würde Tricell von diesen neuen Entwicklungen erfahren.
Ich kann mir keine Verzögerungen erlauben.
Excellas ständige Annäherungen an mich sind widerwärtig. Sie erinnert mich an eine bestimmte Person. Ich schicke Jill zu ihr, um sie zu beschäftigen. Ihre Zeit ist sowieso bald gekommen."
„Er hatte also schon länger geplant, Excella loszuwerden", murmelte Chris.
„Warum interessiert sich jemand für Weskers alte Arbeit?", fragte Jill beunruhigt.
„Die B.S.A.A. hat doch nach seinem Tod das ganze Tricell-Gelände und alle Labore auseinander genommen. Die haben keine solchen Proben gefunden, Chris. Chris?"
Chris antwortete nicht. Seine Gedanken rasten.
„Die Stadt ist jedenfalls nicht von Uroborus verseucht worden, so viel steht fest. Aber offenbar wurde Uroborus mit Weskers Tod nicht vernichtet. Etwas davon war noch übrig. Und jemand scheint sich dafür zu interessieren."
„Aber wir wissen immer noch nicht, mit was die Stadt verseucht wurde", sagte Sheva, die den Tisch nach weiteren Dokumenten absuchte, die ihnen einen Hinweis auf das Geschehen geben konnte.
„O'Brian hat ja auch gesagt, dass es nicht der C-Virus war. Was ist das denn?"
Sie zog ein Dokument aus einer Akte mit der Aufschrift „Objekt 1" hervor. Die ersten paar Seiten fehlten augenscheinlich. Es gab kein Foto von Objekt 1. Sheva begann zu lesen:
„13.08.2013
Objekt 1 wurde vor einigen Tagen aus dem Cryostaseschlaf befreit. Es war anfangs geschwächt, aber zeigt erstaunliche Regenerationsfähigkeiten.
Es leistet Widerstand und greift die Forscher an.
Objekt 1 leidet unter Verhaltensauffälligkeiten, wahrscheinlich aufgrund von Traumatisierungen. Damit haben wir nicht gerechnet. Wir müssen sehen, ob es unsere Arbeit behindert.
Wir werden heute die neue Droge testen. Objekt 1 wehrt sich gegen die Prozedur und wir müssen Betäubungsmittel einsetzen. Wir verabreichen das Serum, um die Droge anwenden zu können.
Test 1: Die Vorrichtung wurde am Körper installiert. Wir beginnen mit einer niedrigen Dosis zur Gewöhnung. Objekt 1 zeigt weiterhin Widerstand und kann sich der Wirkung leicht widersetzen. Das Immunsystem kann die Droge zu schnell bekämpfen und abbauen.
Das Labor wurde zerstört und eine Forscherin verletzt.
16.08.2013
Test 2: Wir erhöhen die Dosierung auf das Doppelte und schaffen es zum ersten Mal, Objekt 1 für längere Zeit unter Kontrolle zu halten.
Objekt 1 reagiert auf Befehle, aber die Droge wird zu schnell abgebaut. Modifikationen durchführen.
22.08.2013
Test 6: Wir scheinen die richtige Dosis gefunden zu haben. Objekt 1 gehorcht willenlos. Sein Körper kann die Wirkung der Droge nicht länger bekämpfen.
Wir beobachten Ruhe- und Schlaflosigkeit. Objekt 1 verweigert die Nahrungsaufnahme. Auch nach mehreren Tagen klingt die Wirkung nicht ab.
Das Mittel, das wir aus dem Gehirn des Mädchens gewonnen haben, funktioniert."
„Um Himmels Willen", murmelte Sheva, als sie geendet hatte. „Hier wird jemand für Versuche missbraucht."
„Offensichtlich benutzen sie jemanden als willenlosen Sklaven. Vielleicht finden wir denjenigen und können ihm helfen."
„Da ist die Rede von einem Mädchen", sagte Jill besorgt. „Ein Mittel, das sie aus ihrem Gehirn gewonnen haben! Oh mein Gott! Was sind das für Leute?!"
„Keine Ahnung, aber ich bin mir sicher, dass wir es bald herausfinden werden", sagte Chris ernst.
„Glaubt ihr nicht, dass Wesker hier ist?", fragte Sheva. „Warum sonst sollte diese alte Aufzeichnung von ihm hier sein? Und diese Skrupellosigkeit würde zu ihm passen. Erinnert euch, was er und Tricell in Afrika gemacht haben. "
Chris atmete geräuschvoll aus. „Wir werden es sehen."
„Oh, nein. Seht euch das an!", sagte Jill. Sie zog ein drittes Dokument hervor. „Das ist über Jake uns Sherry! Ihre Gesundheitsdaten, das entschlüsselte Genom von beiden und noch einiges mehr. Was können die damit wollen? Haben wir es doch mit Neo-Umbrella zu tun? Haben die die beiden nicht in China gefangen gehalten?"
„Ja. Schau auf das Datum. Es ist von ihrer Gefangenschaft von vor ein paar Monaten. Was kann das alles nur zu bedeuten haben?"
„Haben Sie etwas gefunden?", fragte Isabel, die das Labor betrat.
„Nein, nur ein paar Dokumente. Wir werden sie für die Akten mitnehmen. Und die toten B.O.W.s", sagte Chris.
Er nickte Sheva zu, die alle Papiere zusammen in eine Mappe legte und einsteckte.
Als sie auf den Flur traten, trafen sie mit dem zweiten Team zusammen.
„Bei uns dasselbe Bild. Überall tote Kokons. Wie wollen wir weiter vorgehen?", fragte Isabel.
„Ich würde sagen, Ihre Leute untersuchen weiter die Labors. Nehmen Sie alles mit, was wir irgendwie verwerten können: Dokumente, USB-Sticks oder Disketten, Proben, alles. Wir müssen wissen, womit und mit wem wir es zu tun haben. Anders gesagt, nehmen Sie dieses Stockwerk auseinander."
„Verstanden, Captain Redfield. Was wollen Sie drei machen?"
„Wir werden weitergehen und die Anlage weiter erforschen. Ich habe so ein Gefühl, dass wir dann vielleicht noch ein paar Antworten bekommen."
„Brauchen Sie ein paar Leute?", fragte Isabel mit leichter Besorgnis in der Stimme. „Sie sind nur zu dritt und es könnte gefährlich werden."
„Nein, Sie brauchen jeden hier. Wir schaffen das schon", sagte Chris an seine Verlobte und an Sheva gewandt, die beide zustimmend nickten.
„OK, aber wir bleiben über Funk in Kontakt."
Chris, Jill und Sheva trennten sich erneut von Isabel und ihrem Team und drangen weiter ins Innere der Anlage vor. Über ein paar Treppen und einen Aufzug gelangten sie zu einem weiteren Labor, das direkt in die unterirdische Tempelanlage gebaut worden war. Auch hier fanden sie weitere Kokons und tote B.O.W.s.
„Diese Labore scheinen in diese Ruine integriert worden zu sein. Für das, dass wir unter der Erde sind und das hier ein jahrhundertealter Bau, ist die Luft erstaunlich gut", meinte Sheva.
„Luftschächte", bemerkte Chris und deutete mit seiner Maschinenpistole nach oben. „Ein Belüftungssystem. Und wir werden beobachtet." Er wies auf die Überwachungskameras an der Decke.
„Über den Eingang, den wir genommen haben, können doch die B.O.W.s nicht nach draußen gelangt sein, oder?", warf Jill ein. „Ich glaube, es muss einen weiteren Zugang geben."
„Ja, und wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Chris und deutete auf eine Blutspur vor ihnen, die sie zu den Leichen mehrerer Forscher führte. Ein toter Katzen-B.O.W., wie sie ihn oben in der Stadt gesehen hatten, lag daneben.
Sie erreichten schließlich einen hohen Raum, der auf allen Seiten von einer Reihe Säulen gehalten wurde. Auf der gegenüberliegenden Seite führte eine Treppe nach oben zu einer Balustrade.
Ein Mann stand dort. Sie konnten sein Gesicht nicht erkennen, da seine obere Gesichtshälfte maskiert war. Als er die Ankömmlinge sah, breitete sich ein diebisches Grinsen auf seinem Gesicht aus und er breitete die Arme aus, als wolle er Chris, Jill und Sheva feierlich begrüßen.
„Erstaunlich, ich habe Sie wirklich unterschätzt." Er klatschte zweimal. „Sie haben es bis hierher geschafft. Dafür gebührt Ihnen wirklich Anerkennung. Zu dumm nur, dass Sie nicht wieder nach Hause zurückkehren werden, um Ihren kleinen Freunden von Ihrer Entdeckung zu erzählen."
Sie hoben gleichzeitig ihre Waffen.
„Lassen Sie das. Wir wollen Antworten! Wer sind Sie und was haben Sie hier vor?!"
Der Mann lachte spöttisch.
„Ich würde es Ihnen zu gerne erzählen. Aber ich fürchte mein voller Terminplan lässt es nicht zu. Wie schade. Wirklich schade."
„Stopp! Hiergeblieben!"
Er wandte sich um und wollte gehen, doch Chris gab einen Schuss ab, der direkt neben dem Unbekannten in die Steinwand einschlug. Er hielt inne und sah nur desinteressiert über seine Schulter.
Was dann geschah, ging so schnell, dass Chris nicht reagieren oder die Situation auch nur annähernd erfassen konnte.
Aus dem Augenwinkel sah er einen dunklen Schatten und spürte einen Luftzug an sich vorbeirauschen, im nächsten Moment wurde ihm auch schon seine Waffe aus der Hand geschlagen und sein Arm schmerzhaft verdreht. Ein Schlag gegen seine Wange mit einem Stiefel ließ ihn einige Meter zurücktaumeln und stürzen.
Eine in einen weiten schwarzen Mantel gehüllte Gestalt hatte sich auf sie gestürzt. Nachdem sie Chris außer Gefecht gesetzt hatte, zog sie ein japanische Kurzschwert und griff Jill und Sheva an.
Haarscharf fuhr die Klinge an Shevas Hals vorbei. Sie konnte sich nur retten, weil sie sich zur Seite rollte. Sie und Jill schossen sofort, doch ihr Angreifer wich den Kugeln blitzschnell aus und bewegte sich so schnell auf sie zu, dass ihre Augen den Bewegungen nicht folgen konnten.
Ehe sie es sich versahen, bekam Jill einen kräftigen Schlag mit der flachen Hand gegen die Brust und wurde einige Meter durch den Raum geschleudert. Sheva hatte keine Chance sich zu wehren, als die Gestalt ein Rad durch die Luft schlug neben ihr landete, sie an der Hand packte und herumriss, sodass sie Sheva im Schwitzkasten hatte. Das Schwert wanderte an ihren Hals. Sie wehrte sich verzweifelt, doch erst, als Chris sich wieder gefangen hatte und ein paar Kugeln abfeuerte, konnte sie sich losreißen. Chris traf das Schwert und es flog mit einem Klirren außer Sicht.
Sheva und Chris schossen abwechselnd und versuchten, den Angreifer von beiden Seiten mit Fußtritten zu treffen, doch ihre Angriffe wurden abgeblockt und schließlich packte sie der Unbekannte am Handgelenk, wandte sich blitzschnell um und hob die beiden über seine Schultern, sodass sie über den Steinboden schlitterten.
„Genug. Sei nicht so grob zu Ihnen", befahl plötzlich der Mann von der Treppe und der Angreifer hielt inne.
Chris, Jill und Sheva hatten Mühe, sich wieder aufzurappeln. Chris' Kiefer schmerzte von dem Schlag, den er gegen sein Gesicht bekommen hatte. Die drei hoben ihre Waffen auf und zielten auf die Person, die jetzt regungslos vor ihnen stand.
Chris konnte es sich nicht erklären, aber das ungute Gefühl beschlich ihn, diese Situation schon einmal durchlebt zu haben. Er fühlte sich wie in einem Deja-vú gefangen.
„Schwächlich, ich hätte mehr erwartet, nachdem Sie es bis hierher geschafft haben", kommentierte der Unbekannte von der Balustrade.
Wut kochte in Chris hoch.
„Und ehrlich gesagt, hätte ich gedacht, dass Sie sich über diese Begegnung freuen würden. Immerhin ist dies doch so was wie ein altes ... Familientreffen."
„Was ..."
Und plötzlich traf die Chris die Erkenntnis wie ein Schlag in den Magen.
„Zeig Ihnen dein Gesicht", befahl der Unbekannte.
Die maskierte, verhüllte Gestalt legte ihren Mantel ab. Sie trug einen engen schwarzen, ledernen Kampfanzug und einen Helm, der ihr Gesicht verdeckte.
„Worauf wartest du noch?"
Die Gestalt zog langsam ihren Helm vom Kopf.
„Nein, das kann nicht sein", murmelte Jill kopfschüttelnd neben Chris.
Die Person, die sie angegriffen hatte, war niemand geringeres als Albert Wesker.
„Wesker!"
Chris, Jill und Sheva starrten fassungslos auf ihren früheren Captain und Erzfeind.
Wesker hatte sich seit ihrem letzten Zusammentreffen um einiges verändert. Er hatte immer noch eine muskulöse Statur, doch er war deutlich dünner und blasser als früher. Seine Wangenknochen traten stärker hervor und seine Haare waren nicht mehr blond, sondern weißlich. Chris schloss sofort daraus, dass er also wirklich in Cryostase geschlafen hatte.
Wesker fixierte die drei mit ausdrucklosem Blick und sein Gesicht zeigte keinerlei Emotion.
Chris rechnete damit, einen spöttischen Kommentar oder das herablassende Grinsen auf ihr Wiedersehen zu sehen, doch nichts geschah. Wesker blieb nur stumm und regungslos vor ihnen stehen und tat nichts.
Er trug irgendetwas um seinen Hals, das Chris jedoch nicht genauer erkennen konnte.
„Zu dumm Mr. Redfield. Wie muss sich das für Sie anfühlen? Die Erkenntnis, dass Sie schon wieder versagt haben?"
„Chris ..."
„Aber lassen wir die Plauderei. Es hat mich wirklich gefreut, Sie kennenzulernen, aber leider muss ich mich bald verabschieden. Ich habe eben einen strengen Zeitplan einzuhalten. Ich würde sagen, Sie begehen das Wiedersehen mit ihrem alten Freund feierlich. Möglichst auf würdige Art und Weise. Drei gegen einen wäre doch ziemlich unfair, oder?"
Der Mann schnippte mit den Fingern und links von ihnen öffnete sich ein Tor.
Eine Pflanze bahnte sich ihren Weg aus der Dunkelheit und streckte ihre Tentakeln nach ihnen aus.
„Du weißt, was du zu tun hast. Fang mit der schwächsten an."
Wesker nickte und im nächsten Moment hatte er sich schon auf Jill gestürzt.
„Jill!"
Chris zielte erneut auf Wesker, doch die Pflanze umschlang ihn von hinten und brachte ihn zu Fall.
Sheva wollte Jill zu Hilfe eilen, doch auch sie wurde umgerissen und von dem B.O.W. über den Boden gezogen, der sofort begann, die beiden einzuwickeln.
„Jill!", rief Chris.
„Nana, nicht so ungeduldig. Sie werden in Kürze an der Reihe sein, Mr. Redfield."
Jill rollte sich zur Seite und Weskers Faust schlug auf dem Steinboden ein, wo sie eine Mulde hinterließ. Kleine Steinsplitter flogen umher.
Ihre Schulter schmerzte, weil sie genau mit dem Knochen aufgeschlagen war. Wesker hechtete ihr sofort hinterher.
Sie wusste, dass sie keine Chance hatte, zu entkommen oder seine Angriff irgendwie abzuwehren. Er bewegte sich blitzschnell, für das Auge unsichtbar, auf sie zu und riss sie mit einer eleganten Fußbewegung von den Beinen.
Ein Schrei entfuhr ihr, als sie auf dem Steißbein aufschlug. Bevor sie Weskers Fuß am Kopf treffen konnte, rollte sie zur Seite. Er rupfte ihr ein paar Haarsträhnen aus ihrem Pferdeschwanz.
Sie rappelte sich mühevoll wieder auf um nur sogleich wieder von seinem Cobrastrike in die Brust getroffen zu werden. Diesmal war der Schlag um einiges härter und ihr blieb die Luft weg. Sie hatte das Gefühl ihr Brustbein wäre zertrümmert worden.
„Wesker, komm zu dir!", rief sie atemlos. Gleich darauf wich sie seinem Faustschlag aus.
Auf der anderen Seite des Raumes sah sie, wie Chris und Sheva von dem Pflanzen-B.O.W. verschlungen wurden.
Wesker fixierte sie mit bösartigem Blick und seine Augen leuchteten rot. Lähmende Angst überkam sie und sie schaffte es nicht einmal ihr Kampfmesser zu ziehen.
So gut es ging, wich sie seinen Angriffen aus, aber immer wieder versetzte er ihr kräftige Schläge und schließlich hatte sie keine Kraft mehr. Sie schmeckte Blut in ihrem Mund.
Er nutzte eine kurze Unachtsamkeit von ihr aus und schleuderte sie mit einem weiteren Cobrastrike quer durch den Raum, sodass sie an eine Steinsäule stieß und zusammensank.
„Nein, Jill!", schrie Chris von der anderen Seite.
„Wesker! Lass Sie zufrieden! Hör auf!"
Der Mann oben an der Treppe hatte für Chris' Flehen nur ein verächtliches Lachen übrig.
„Glauben Sie, davon lässt er sich beeindrucken? Er steht unter meinem Befehl."
Der Raum wankte vor Jills Augen hin und her. Sie sah Wesker nicht mehr. Auf einmal wurde sie gepackt, hochgerissen und gegen den Stein gedrückt.
„Wesker, wach endlich auf! Er benutzt dich nur!"
Wesker drückte Jill so fest gegen die Wand, dass sie dachte, ihre Wirbelsäule müsse jeden Moment brechen.
„Wesker! Albert! Bitte!", flehte Jill, doch der Angesprochene ignorierte ihre verzweifelten Worte.
„Jill!", rief Chris von der anderen Seite, doch er konnte nichts tun; der B.O.W. hatte seine Tentakeln um ihn gewickelt und hielt ihn fest.
„Zeit zu sterben!", sagte der Maskierte von oben auf der Balustrade.
Weskers freie Hand wanderte an Jills Kehle und er begann, sie zu würgen.
„Nein!", keuchte Jill und versuchte nach Kräften, seine Hand wegzudrücken., vergeblich. Gegen Weskers übermenschliche Kraft kam sie nicht an.
„Jill!" Chris' und Shevas erstickte Schreie drangen aus weiter Ferne zu ihr. Beide hatten ihre Kampfmesser gezückt und stachen auf die Pflanze ein, um sich zu befreien.
Das Monster krümmte sich, als gelbe Flüssigkeit aus ihren abgeschnittenen Gliedmaßen quoll.
„Wesker, bitte! Erinnere dich doch! Bitte! Ich bin es, Jill Valentine!"
Er sah sie mit den gleichen leeren, ausdruckslosen Augen an. Ihre Stimme drang nicht zu ihm durch. Nebel drohte sie einzuhüllen. Die Bilder verschwammen vor ihren Augen.
„Albert, erinnerst du dich denn nicht?!", versuchte sie es abermals. Ihre Kräfte ließen langsam nach.
„Ich bin es, Jill Valentine! Wir haben mal zusammengearbeitet! Wir waren beide im S.T.A.R.S.-Team! Du warst unser Captain, erinnerst du dich nicht? Ich, Jill, Chris, Barry, Rebecca, Brad, Enrico! Du musst dich erinnern!"
Sie schloss die Augen. Langsam driftete sie in Dunkelheit. Die Schmerzen übermannten sie. Ein letzter Gedanke kam ihr. Sie musste ihn aussprechen, es war die einzige Möglichkeit.
„Olivia", presste sie hervor. „Erinnere dich an Olivia ... S.T.A.R.S ... Liv ..."
Plötzlich veränderte sich Weskers Gesicht. Der Schmerz ließ mit einem Mal nach und Jill schlug hart auf den Boden. Der Griff um ihren Hals löste sich und panisch rang sie nach Luft. Ihr Gehirn nahm den Sauerstoff dankbar auf und das Leben schien in ihren Körper zurückzufinden. Ihr Herz raste und ihr Atem ging so schnell, als wäre sie gerannt. Ihre Glieder zitterten. Sobald sie einigermaßen dazu in der Lage war, sah sie auf und suchte Wesker.
Er war einige Meter zurückgewichen und blickte verwirrt auf Jill. In seinen Augen lag etwas seltsam menschliches. Jill war sich nicht sicher, ob sie so einen Ausdruck jemals zuvor bei ihm gesehen hatte.
„Jill ... Olivia", murmelte er. „Olivia ... Liv ..."
Er stand da, verwirrt und unsicher, ohne etwas zu tun, so als wüsste er nicht, was er sollte. Er schien tief in Gedanken zu sein und nach der Erinnerung zu suchen, die zu dem Namen passte. Jill rang nach Worten. Sie konnte kaum sprechen, so schnell ging ihr Atem, aber sie durfte jetzt nicht lockerlassen.
„Erinnere dich. Wir haben zusammen im S.T.A.R.S.-Team gearbeitet. Olivia war auch da. Erinnere dich an Olivia. Du musst aufwachen!"
Jill sank keuchend erschöpft und entkräftet zu Boden.
„Olivia ..."
Plötzlich trat ein Ausdruck von Erkenntnis auf Weskers Gesicht. Seine Augen weiteten sich, er sah entgeistert an sich herunter und dann auf Jill und den B.O.W. „Wo bin ich, was ... Wo ist Olivia?"
„Bemerkenswert", spottete der Maskierte. „Immer noch stur und widerspenstig. Das sollte genügen."
Er holte ein kleines Gerät hervor und gab etwas auf der Tastatur ein, dann wandte er sich um und verschwand durch eine Tür.
Plötzlich durchfuhr ein Ruck Weskers Körper und sein Gesicht verzerrte sich vor Schmerz. Seine Hände krallten sich in seine Haare und ein Schmerzensschrei entfuhr ihm. Er sank auf die Knie. Das Etwas um seinen Hals leuchtete kurz auf. Er schüttelte den Kopf.
Als er aufsah, erkannte Jill sofort, dass er erneut unter der Kontrolle des Unbekannten stand. Seine Augen waren wieder leer und doch lag etwas Bösartiges darin.
Er machte sich bereit zum Sprung, um ihr den letzten Schlag zu versetzen.
„Wesker, nein!", schrie sie. „Kämpf dagegen an!"
„Wesker!" Es war Chris, der schrie, um Wesker von der immer noch am Boden liegenden und wehrlosen Jill abzulenken. Er und Sheva hatten sich aus dem Griff des Monsters befreit und eilten herüber. Sie zückten ihre Waffen und schossen, doch Wesker wich den Kugeln mit ein paar eleganten Sprüngen aus und stürzte sich nun auf die Neuankömmlinge.
„Wesker, bitte, du musst aufhören!", schrie Jill, während sie sich mühevoll hochrappelte. „Kämpf dagegen an! Denk an Olivia!"
Bei der Nennung des Namens hielt Wesker, der gerade zum Faustschlag gegen Sheva angesetzt hatte, in seiner Bewegung inne. Sein Arm zitterte und abermals verzerrte sich sein Gesicht vor Schmerz. Seine freie Hand krallte sich verkrampft an seinen Kopf, als bereite ihm etwas darin Höllenqualen.
Sheva reagierte sofort und streckte ihn mit zwei gutplatzierten Fußtritten nieder.
Er wand sich in Schmerzen am Boden. Als er sich auf den Bauch drehte und schließlich in eine kniende Position aufrichtete, rief Jill:
„Chris! Das Ding um seinem Hals! Macht ihm dieses Ding ab!"
Chris und Sheva nickten, dann überwältigten sie Wesker und drückten ihn mit dem Gesicht nach unten auf den Boden.
Sheva ergriff das Gerät und zog es am Verschluss auseinander. Wesker schrie vor Schmerz auf und versuchte, sich gegen das Vorhaben der beiden zur Wehr zu setzen. Chris hatte Mühe, seinen Ex-Captain festzuhalten.
Jill eilte Sheva schließlich zu Hilfe und mit vereinten Kräften schafften sie es, das Kontrollgerät um Weskers Hals zu entfernen. Wesker bäumte sich vor Wut und Schmerz auf und schleuderte die drei einige Meter durch den Raum. Er selbst konnte sich nur noch unter größter Mühe aufrecht halten. Er wankte und torkelte einige Meter unkontrolliert und verkrampft umher. Er gab ein würgendes Husten von sich, als müsse er sich übergeben, dann schließlich fiel er zu Boden. Er wand sich noch ein paar Mal unter Schmerzen und Krämpfen hin und her, dann erschlaffte sein Körper und er kam zur Ruhe.
Außer Atem rappelten sich Jill, Chris und Sheva hoch. Jill war immer noch etwas wacklig auf den Beinen und ihr Kopf fühlte sich an, als wäre er mit Blei gefüllt, doch sie riss sich zusammen und eilte als Erste zu dem bewusstlosen Wesker.
Sie stützte mit einem Arm seinen Oberkörper. Sein Nacken blutete und ein roter Striemen zog sich um seinen Hals.
„Wesker? Kannst du mich hören?"
Chris und Sheva näherten sich argwöhnisch und mit gezückten Pistolen.
„Jill, sei vorsichtig ...", mahnte Chris, doch seine Partnerin brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen.
„Wesker? Wach auf." Mit ihrer freien Hand rüttelte sie ihn vorsichtig an der Schulter.
Allmählich rührte sich Wesker. Er blinzelte und schlug die Augen auf, doch es schien ihm Mühe zu bereiten, die Lider offen zu lassen.
„Jill ... Valentine", sagte er mit schwacher Stimme.
Erst jetzt, da sie ihn aus der Nähe betrachten konnte, fiel Jill auf, wie schlecht Wesker aussah. Natürlich war ihr eingangs aufgefallen, dass er abgenommen hatte, doch sie hätte nicht damit gerechnet, dass er in einem derart schlechten Zustand war. Er war blass, regelrecht bleich und hatte dunkle Ringe unter den Augen. Sie spürte die Knochen an seinem Oberkörper, wie sie sich unter der Haut abzeichneten. Seine Hände waren spinnenartig geworden und man sah die Blutgefäße stark hervortreten. Seine Haut war trocken, sein blondes Haar heller als sonst, ungepflegt und strohig. Außerdem war ein Bartschatten in seinem Gesicht zu erkennen.
„Erkennst du mich?", fragte Jill.
„Jill", flüsterte er schwach. Er verlor das Bewusstsein und sein Kopf sank zur Seite.
„Wesker!"
„Jill, was ist los?", fragte Chris alarmiert und kniete sich neben sie.
„Er ist ohnmächtig. Wir müssen den Einsatz abbrechen und ihn in ein Krankenhaus bringen."
„Die BSAA hat ein Ärzteteam", sagte Chris, während er das Gerät, das sie Wesker abgenommen hatten, vom Boden auflas. „Und unsere Leute müssen das untersuchen."
„Was ist mit dem Unbekannten?", fragte Sheva und deutete die Treppe hinauf.
„Hinter der ganzen Sache steckt viel mehr als wir angenommen hatten", stellte Chris fest. Jill nickte.
„Offenbar ist es nicht Wesker, hinter dem wir her sind. Jemand anderes ist dafür verantwortlich. Wir müssen zurück zum Hauptquartier und uns neu organisieren."
„Wer könnte so etwas planen?", fragte Sheva beunruhigt.
„Ich weiß es nicht, aber ich habe die Hoffnung, dass uns Wesker weiterhelfen kann."
„Sherry?"
„Ja?"
„Weiß eigentlich irgendjemand von uns?"
Sie lagen nebeneinander, Sherrys Kopf ruhte auf Jakes Brust.
„Nein, ich habe es niemandem erzählt. Und ich glaube, außer Chris und mir weiß niemand, dass du im Land bist."
Tatsächlich hatte Sherry ihre Beziehung zu Jake bewusst geheim gehalten. Es war nicht einfach und ihr gefiel die Geheimniskrämerei nicht, doch sie tat es für Jake und sie wollte kein Aufsehen damit erregen, dass sie mit dem Sohn von Albert Wesker zusammen war.
„Wann wollen wir es sagen? Ich hab langsam keine Lust mehr, mich zu verstecken", sagte Jake. „Jeder sagt mir pausenlos, dass ich nicht mein Vater bin, aber trotzdem behandelt mich jeder so. Und meine Existenz unterliegt strengster Geheimhaltung. Ich frage mich wofür."
„Die B.S.A.A. will dich schützen, Jake, mehr nicht", sagte Sherry mit Bedacht.
Sie hatte Verständnis für ihn. Es war nicht leicht, für beide nicht.
„Vor wem? Vor Leon vielleicht. Der ist ganz schön eifersüchtig, he?"
Sherry boxte ihn in die Seite.
„Au! Was soll das?"
„Leon ist nicht eifersüchtig", sagte Sherry ernst. „Er hat sich einfach nur noch nicht daran gewöhnt, dass ich nicht mehr zwölf bin und er mich nicht mehr beschützen muss."
„Ja, aber mal im Ernst. Irgendwann werden sie es erfahren. Also wollen wir es nicht lieber vorher offiziell machen?"
„Ich weiß nicht", seufzte Sherry. „Ich glaube, ich bin einfach noch nicht so weit. Und solange sich die Situation global nicht endlich entspannt, wäre es vermutlich nicht so gut, wenn man von dir erfährt. Ich mein das wirklich ernst. Wer weiß, ob es nicht noch mehr Leute da draußen gibt, die es auf dich abgesehen haben."
„Dann werden wir denen genau so in den Arsch treten wie den letzten."
„Jake, das ist kein Spiel!", entgegnete Sherry ungeduldig.
Ihr gefiel seine Leichtsinnigkeit nicht. Er nahm alles grundsätzlich zu wenig ernst und das besorgte sie.
Jake rollte sie plötzlich herum, sodass er auf ihr war und drückte sie nach unten. Er grinste sie verschmitzt an.
„Du machst dir viel zu viele Sorgen, Supergirl", sagte er locker und küsste sie. „Sei doch mal ein bisschen entspannter. Ich mein, was wäre, wenn ich noch als Söldner unterwegs wäre? Aber dir zuliebe hab ich's aufgegeben. Mein Leben ist so unriskant, dass es gefährlicher ist, 'ne Glühbirne auszuwechseln."
Sherry wollte etwas sagen, doch ihre Worte wurden von seinem Kuss abgeschnitten.
Sie lächelte gegen seine Lippen.
„Jake, ich möchte einfach nicht, dass dir etwas geschieht. Ich will dich nicht verlieren."
Sie sahen sich tief in die Augen.
„Ich liebe dich, Jake."
Er grinste sie an. „Ich liebe dich auch, Supergirl."
Sie küssten sich und die Welt draußen war vergessen.
Keiner der beiden bemerkte, dass sie beobachtet wurden.
