Stumm starrten die versammelten Admiräle auf die Lichtspielvorstellung, die ihnen dargeboten wurde. Die Aufnahmen waren in guter Entfernung zu Torfan gemacht worden und zeigten ein gutes Bild von der Zerstörung des Planetoiden.

Als das Video durchgelaufen war herrschte Totenstille.

Vize Admiral Liu Wu brach als erster das Schweigen: „Harper ist zu weit gegangen."

„Dieses Kriegsverbrechen, 'zu weit gehen' zu nennen scheint mir eine Verharmlosung.", erwiderte Abgeordneter Adil Nagib, ständiger Vertreter der UN im Admiralitätsrat des UNSC.

„Er hat zu hart reagiert, ohne Zweifel. Doch egal wie man es betrachtet, es war ein rein militärisches Ziel.", hielte der Ratsälteste Admiral Benveniste: „Und er hat alle weichen Schilde und Geiseln vorher befreit."

„Dennoch hat er weit über seine Befugnisse hinaus gehandelt. Eine Eskalation des Konflikts wäre unerfreulich.", stellte einer anwesenden Flottenadmiräle fest.

„Dann ist es Beschlossen?", fragte Vizeadmiral Wu.

Mit zustimmendem Handzeichen und nicken bestätigten die anwesenden Wus Vorschlag.

„Harper wird in den Ruhestand gehen, mit allen Ehren und Bezügen.", kommentierte Benveniste die Abstimmung.

„Was ist mit der Expeditionsflotte? Wer wird sie in Zukunft leiten?", fragte Wu.

„Ich hätte einen passenden Kandidaten.", warf eine Stimme ein die eher selten im Rat zu hören war: „Und er könnte sich auf diese Weise, gleich Rehabilitieren."

Einige Offiziere regten sich auf ihren Stühlen, Nagib schaute die Admirälin neugierig an.

Serin Osman tippte kurz auf ihrer Konsole vor sich und es erschien eine Akte, sowie einige Aufnahmen, die die Versammlung in Aufregung versetzte.

„Ruhe!", schallte es vom Tischende her durch den Raum. Auf die Stimme des Vorsitzenden verstummten alle.

„Ich könnte sie jetzt fragen woher sie die haben, und mich in eine lange Diskussion mit meinen Kollegen und dem werten UN-Vertreter einlassen.", meinte der Vorsitzende mit ernstem Tonfall: „Aber ich vermute dies würde zu einer endlosen Geschichte ausarten. Weshalb ich gleich zum Punkt kommen werde."

Er legte eine Pause ein. Es schien eine schiere Ewigkeit vergangen als er fortfuhr: „Mitglieder des Admiralitätsrats, ich frage sie hiermit, setzten wir ihn wieder ein?"


In absoluter Regungslosigkeit lag die Vanguard im Raum, flankiert von einem Geschwader Fregatten und halbes Dutzend Zerstörern. Nur einige kleine Transporter schwirrten um den Giganten und seiner Eskorte. Der Marathon-Kreuzer war im Gegensatz zum größten Teil der restlichen 2. Flotte weder veraltet, noch in schlechtem Zustand. Sie befand sich in maximaler Kampfbereitschaft.

„Sprungtor läuft warm.", berichtete einer der Offiziere.

„Die Kampfgruppe soll sich bereit machen.", erwiderte der Captain.

Durch das Massenportal kam die Turianische Expeditionsflotte. Sie hatte noch nicht einmal den Transit abgeschlossen, als sich schon der erste Kombattant verabschiedete.

Eine Korvette zerschellte in dem Wrack einer Fregatte der Vorhut. Eine folgende Fregatte wurde von den Trümmern getroffen, scherte aus der Formation aus, kurz darauf erloschen ihre Triebwerke. Der kleine UNSC Kampfverbannt blieb weiter Regungslos. Erst, als einer der beiden Kreuzer die bewegungsunfähige Fregatte, bei dem Versuch ihr auszuweichen, streifte, begannen sie zu feuern.

Sie hatten leichtes Spiel mit den Invasoren. Das Chaos des feindlichen Verbandes ausnutzend, wurde die zahlenmäßig überlegene Flotte Stück für Stück dezimiert.

Ein Geschwader Korvetten begann einen Anflug auf die verteidigenden Stellungen. Das Führungsschiff kam nicht weit, bevor es, in der durch Projektile beider Seiten gefüllten Leere des Alls, explodierte.

Doch über die Hälfte schaffte es, weitestgehend ignoriert vom Abwehrfeuer der UNSC-Kräfte, bis in dessen Reihen. Außerhalb der Feuerzone und mitten in den Reihen der Verteidiger feuerten sie ihre Kanonen und Torpedos.

Die ersten Salven trafen die Vanguard. Nach den von der Panzerung abprallenden Projektilen, wie eine 9mm von einem Tigerpanzer der Wehrmacht, kratzten die mit Masseneffektfeldern arbeitenden Torpedos immerhin die dicken Titanium-A Platten. Daraufhin wechselten die kleinen sehr wendigen und schnellen Schiffe ihre Taktik und nahmen eine Fregatte unter Feuer. Das massive Feuer zeigte bei ihrer wesentlich schwächeren Panzerung seine Wirkung. Mehrere Projektile schafften es Löcher in die Hüllen der Schiffe zu reisen.

Eine besonders ungünstiger Treffer an den Triebwerkabteil lies das Kampfschiff manövrierunfähig durchs All treiben.

Nach dem zweiten Anflug zerbrach das Schiff, und der Reaktor ging hoch.

Auch wenn in dem Inferno der abgeschossenen Fregatte zwei Korvette der Turianer mit in die ewigen Jagdgründe riss, so brachte dieser erste Erfolg ihnen einen Moralischen Schub.

Durch den Erfolg beflügelt rückten die Turianer vor, das Chaos in den gegnerischen Reihen ausnutzend.

Die dicke Panzerung des Kreuzer lies die meisten Geschosse abprallen, doch die Masse des Feuer ging an dem Schwer gepanzerten Koloss nicht Spurlos vorbei. Viele kleinere Systeme, wie ein großer Teil der vorderen Nahbereichsverteidigung, hatten bereits das Zeitliche gesegnet.

Die UNSC Fregatten waren weniger glücklich. Der bunt zusammengewürfelte Haufen verschiedenster Vorkriegstypen hatte zwar bei weitem nicht die Aufmerksamkeit des Großkampfschiffes, doch das half nur wenig. An der rechten Flanke der Vangurad explodierte die Hongkongs Pride. Das leicht gepanzerte Unterstützung Schiff der Stalwart-Klasse war einem weiteren Anflug der Turianischen Korvetten zum Opfer gefallen.

Dies erhöhte den Druck auf die Verteidiger noch weiter.

Ein Slipstream Event öffnete sich zur linken Flanke der Angreifer und ein halbes Dutzend Zerstörer erschienen begleitet von zwei schweren Fregatten der Paris-Klasse.

Ohne zu zögern eröffneten sie das Feuer auf die gegnerische Formation und innerhalb von Sekunden wendete sich das Blatt.

Die Turianischen Fregatten hielten nicht lange unter dem Beschuss. Es dauerte nicht lange bis der linke Flügel der angreifenden Formation aufhörte zu Existieren. Ihres Flankenschutzes beraubt, erlitten die Kreuzer schwere Schäden.

In einer hastigen Aktion versuchte die übrigen Fregatten des rechten Flügels zumindest einem ihrer Großkampfschiffe den Rückzug zu ermöglichen. Während das Führungsschiff, dessen Manövrierfähigkeit unter dem Flankenfeuer eingebüßt worden war, sich mit einem letzten aufbäumen gegen sein Schicksahl zur Wehr setzte, versuchte sich der zweite turianische Kreuzer zurück zu ziehen.

Eine bisher inaktive Mine machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Handlungsunfähig mussten die verbliebenen Turianer zusehen wie der Stolz ihrer Flotte im nuklearen Feuer unterging.

Von den Überresten des bis zur Unkenntlichkeit zerschossenen führenden Schlachtschiffs kam nur ein einziges Wort über die wenigen verblieben Kommunikationsrelais in den Äther.


„Zwei Minuten.", schallte die Stimme des Navigationsoffiziers durch den Raum.

Commander Vakarian nahm den Reisebereicht stumm zur Kenntnis. In Gedanken an die kommende Aufgabe und ihre ihm bisher undurchsichtige Ursache.

Die Generalität hatte ohne Vorwarnung einen Großteil der Streitkräfte aus verschiedenen Sektoren, die in Richtung der Grenzen des turianischen Raums lagen, abgezogen. Zurück blieben hauptsächlich kleinere Wach- & Patrouillenflottillen. Die meisten hatten Erfahrung mir der Jagd nach Zoll vergehen, einige wenige waren Piratenjäger, die nun die Aufgabe hatten Kolonien und Raumstationen vor Übergriffen zu schützen.

Und Vakarian befehligte eine solche verbliebene Einheit.

Man hatte seine kleine Flottille die aus acht Fregatten und einem Kreuzer, der als Führungsschiff fungierte, mit einem Dutzend Fregatten und Korvetten sowie zwei veraltete Kreuzer verstärkt.

Gerade einmal genug um einen Sektor zu überwachen und den Schmuggel zu unterbinden, nicht aber um ihn zu sichern.

Sein Schiff sprang zurück auf Unterlichtgeschwindigkeit und nahm eine sichernde Position über einem der Zentren des Planeten. Pelarus war die größte Kolonie im Umkreis von drei Massenportaltransiten des allzu offensichtlichen Konfliktgebiets. Sie beherbergte einige Industriezentren und Werften, sowie größere, im Moment etwas verwaiste, Stützpunkte. Auch wenn die gesamtstrategische Bedeutung der Kolonie im Rauschen des machpolitischen Treibens unterging, so war der Stützpunkt für die lokale militärische Aufstellung von nicht zu unterschätzendem Wert.

Seit dem Marschbefehl war Vakarian aus dem Grübeln nichtmehr heraus gekommen.

Wenn er an der Stelle des unbekannten Feindes wäre, würde er alle anderen Stützpunkte links liegen lassen und Pelarus erobern, oder es zumindest dem Erdboden gleich machen.

Die Admiralität schien der mittelgroßen Kolonie keine allzu große Rolle in dem Konflikt zu zuordnen. Wenigstens ignorierten sie sie nicht komplett in ihrem Galaktischen Schachspiel. Er bezweifelte allerdings, dass er einer halbwegs anständigen Invasionsflotte standhalten würde.

„Commander Vakarian!", kam ein Offizier aufgeregt angelaufen: „Eine der Platinminen im Asteroidenfeld E34-5ZG3 hat eine Kreuzerflottille unbekannter Bauart ausgemacht. Sie scheinen sich dort zu verstecken."

Wie sind sie unbemerkt durch die Massenportale gekommen?", schoss es dem Flottenkommandeur durch den Kopf. Bedächtig ruhig erwiderte er seinem Untergebenen: „Haben sie genauere Informationen zu den Schiffen und ihrer Anzahl?"

„Nur die Daten der Passivsensoren und einiger Kameras. Ihre LADAR-Einheit ist vor ein paar Tagen von einer Asteroiden-Kollision Zerstört worden.", antwortete der Kommunikationsoffizier.

„Legen sie die Daten auf den Taktischen Projektorschirm und richten sie eine Verbindung zum Oberkommando ein.", befahl Vakarian.

Eine Übertragung erschien auf dem zentralen holographische Projektor.

Auf den ersten Blick schien alles normal. Die Kamera der Asteroidenmine zeigte ihr Umfeld, jede Menge Gesteinsbrocken in allen Größen. Kurz darauf vergrößerte die zuständige VI einen kleinen Ausschnitt zwischen zwei der größeren Asteroiden.

Da waren sie, eindeutig. Fünf, nein, mindestens Sieben Raumschiffe. Ihre Bauart war Vakarian unbekannte, und auch die VI erkannte sie nicht. Sie waren kantig, und sahen aus wie größere Container mit seitlichen Triebwerken.

„Container von der Größe eines Kreuzers!", schoss dem Kommandanten durch den Kopf.

„Kommandant, das Oberkommando ist in der Leitung. Sie wollen nur mit ihnen konferieren.", meldete sich der Kommunikationoffizer.

Vakarian verließ die Kommandozentrale und begab sich in den Besprechungsraum, der an den hinteren Teil grenzte. Die Tür ging hinter ihm zu und das Plexiglas wurde grau. Die Holoprojektion drei Generäle des Oberkommandos sowie eine weiteren Person erschien vor ihm.

„Commander.", begrüßte ihn diese Person.

„Primarch, was verschafft mir die Ehre?", antworte Vakarian überrascht.

„Die Tatsache, dass sie die letzte Verteidigungslinie zwischen einer aggressiven neuen Spezies und dem Turianischen Raum sind.", erwiderte der oberste Turianer.

„Sie meinen?", fragte er Flotillenkommandant leicht verwirrt.

Der Primarch setzte zu einer Erklärung an: „Vor etwa drei Standartwochen ist das Relais 314 von der CItadelraum abgewandten Seite aus Aktiviert worden. Die zuständige Patrouillenflotille untersuchte den Vorfall und fand drei Raumschiffe unbekannter Bauart am Relais. In Annahme dies seien die Gesetzesbrecher wollte sie diese In Gewahrsam nehmen.

Die Raumschiffe reagierten nicht auf die Befehle des Kommandanten, ihre Schiffe, sowie die Besatzungen und Passagiere in seine Obhut zu übergeben und versuchten zu fliehen, worauf er das Feuer eröffnete. Eines der Schiffe entkam und wurde bis zu einer Kolonie auf der andern Seite des Tores verfolgt. Der Kreuzer und die zwei Fregatten im Orbit des Planeten eröffneten ohne Verzögerung das Feuer auf unsere Einheiten die sich erfolgreich unter Hinnahme von Verlusten zur Wehr setzten und die Kriegsschiffe vernichteten.

Anschließend wurde eine Blockade errichtet um Zeit für weitere Schritte zu gewinnen. Nach einer Woche traf feindliche Verstärkung ein und seither befinden wir uns mit den Neuankömmlingen, die selbst Menschen nennen, im Kriegszustand.

Die nahste Kolonie, Unio, wurde durch die Menschen seither zweimal Erobert und wieder Verloren.

Irgendwie haben sie unsere Verteidigungslinien umgangen und sind nun vor unserer Haustür. Die Kreuzer sind dieselbe Bauart, wie sie bei der ersten und zweiten Schlacht um Unio zum Einsatz kamen."

Das war ein ganzschöner Brocken den der Turiansiche Kommandant zu verdauen hatte.

Völlig überfordert, tat er das, was jeder gut disziplinierte Soldat in seiner Situation versuchen würde. Er blendete alles aus was für ihn überlebensunwichtig erschien: „Haben sie genauere Angaben zu den Fähigkeiten der Kreuzer und Taktiken des Gegners?"

Der Primarch tippte auf die Konsole vor sich: „Commander, ich vertraue ihnen Geheimberichte an, unter der Bedingung, dass sie nur für ihre Augen bestimmt sind. Schützen sie die Kolonie und halten sie den Feind auf, bis Verstärkung eintrifft."

Die Projektionen verschwanden und zurück blieb ein blinken seines Omnitools, stellvertretend für ein Datenpaket, dessen Inhalt die Grundfeste der Turianischen Gesellschaft und den Glauben an ihre militärischer Überlegenheit erschüttern sollte.


Price stand stumm da und betrachtete die Stadt, die sich vom Tal aus über den gegenüberliegenden Hang erstreckte.

Planquadrat Alpha.

Das war der klangvolle Name, dem die Aufklärung der Stadt und ihrer Umgebung gegeben hatte. Sie war, soweit bekannt, zumindest das Militärische Hauptquartier für das System, vielleicht sogar für den Sektor.

Ihre Aufgabe war es, die Kommunikation und Flugabwehr auszuschalten, bevor die Invasionsflotte eintraf. Dafür hatte man ihn und den Rest seiner Männer ausgesucht, die Kompanie verstärkt und mit einer Stealthkorvette eingeflogen.

An und für sich ein guter Plan, doch die Durchführung war es, die Price Kopfschmerzen bereitete.

Es reichte nicht aus eine nahezu komplett ausradierte Kompanie kurz nach ihrem letzten und kurz vor ihrem nächsten Einsatz mit einer Hand voll Leute zur ergänzen. Ganz abgesehen davon das sie immer noch weit von ihrer Sollstärke entfernt wahren, er kannte von den meisten seiner Neuzugänge nicht einmal die Gesichter. Für ihn waren sie nur Namen und Nummern auf einer Zuweisungsliste.

Als ob das nicht genug wäre, führte der selbe Flottillen-Kommandant die Operation an, der sie zuletzt im Chaos des übereilten Einsatzes so Glorreich in der Falschen Stadt abgesetzt hatte. Dazu kam, dass ihm hier alles viel zu ruhig war.

ONI hatte bereits berichtet, dass ein Großteil der Truppen an die vermeintliche Front nach Unio verlegt worden waren. Doch selbst die zurückgebliebene Garnison regte sich kaum. Die ach so riesige Stadt wirkte wie eine Siedlung im Herzen des UEG Territoriums an einem Sonntagmorgen.

Abgesehen von einer Fauna-Überwachungskamera hatten sie keine Sicherheitsmaßnahmen bemerkt.

„Wir sind soweit, jedes Relay auszuschalten.", meldete ihm Wolf, der kurz zuvor neben ihn getreten war.

„Berichten sie dem Einsatzkommando, dass wir bereit sind und warten.", erwiderte Price ruhig.

Der ruhige Höllenspringer, den Price zu seinen wenigen lebenden Freunden zählte schaute ihn eine Weile durch sein verspiegeltes Visier an.

„Was liegt dir auf der Zunge.", fragte der Kompaniechef nach einigen Stummen Minuten.

„Die Operation stinkt zum Himmel.", erwiderte der Stumme.

„Genauso wie die davor.", gab ihm sein Freund recht: „Aber warum, brauch ich dir ja nicht zu sagen."

Wolf starrte ihn an.

„Sag bloß du hast 1 und 1 noch nicht zusammen gezählt.", gluckste Price: „Die komplette alte Einheit bestand aus Soldaten die irgendwen in hohen Positionen verärgert haben. Higgins hat eine Plasmagranate auf einen Brut geworfen der gerade einen seiner Kameraden auseinander reisen wollte. Das Politikersöhnchen hat zwar überlebt, kann allerdings nur noch flüssige Nahrung zu sich nehmen. Svensson hat einem verletzten Major ein defektes Medikament verabreicht, worauf der starb. Wen Woitinek und du verärgert haben weis keiner. Und dann ist da noch der Kompaniechef, der nach einer Befehlsverweigerung ein Sergeant vor sein Major bekommen hat."

„Und ich dachte, wir wären nur schlechter Umgang.", meinte Wolf trocken.

Price lachte: „Du hast den perfekten Spitznamen für uns gefunden."


El Comodore, wie er neckisch von seinen Untergebenen wegen seiner selbst inszenierenden Art und Weise genannt wurde, stand mit herausgestreckter Brust auf der Wings of Mistral. Die Fregatte der Paris-Klasse war ein altes Schiff. Sie hatte den großen Krieg überstanden und fristete ihr Gnadenbrot als Flagschiff einer kleinen Flottille in den "hintern" Sektoren des UNSC-Raumes. Oder zumindest sollte sie das. Nach dem Angriff auf Shanxi hatte man alle Kräfte in den angrenzenden Systemen und dem gesamten Sektor zusammengezogen. Und auch wenn sie zu spät für die Rückeroberung und die Kolonie und den folgenden Gegenschlag gewesen waren, so nahmen sie nun an der Strafexpedition gegen den stärkeren der beiden Aggressoren teil. Es erfüllte Captain Lorenzo Ghirlandaio mit Stolz zur ersten Welle der Offensive zu gehören.

Geduldig lag er mit seiner Flottille wartend in einem Asteroidenfeld am Rand eines Systems dieser Vogel ähnlichen Kreaturen. Sie brauchten nur das Signal zu empfangen und dann würden sie losschlagen.

„Captain, wir haben eine Konstruktion entdeckt, auf einem der größeren Asteroiden keine drei Lichtsekunden von unserer Position.", meldete sich sein Adjutant.

Genervt von diesen unwichtigen Lappalien wandte er sich Ghirlandaio an seinen Lakaien: „Warum erfahre ich erst jetzt von diesem Umstand?"

„Die Anlage scheint durch die Kollision mit kleineren Asteroiden beschädigt zu sein und emittiert nur sehr geringe Energie.", erwiderte der Adjutant etwas eingeschüchtert.

„Warum belästigen sie mich dann mit solch belanglosen Details?", schnauzte ihn der Captain an.

Ohne weiter auf seinen Gehilfen zu achten, der mehr denn je wie ein Häufchen Elend wirkte, wandte er sich wieder dem Geschehen auf der Brücke zu.

„Captain! Annährungsalarm!", schrie ein Sensoroffizier auf. Der Comodore hatte nicht mal die Zeit zu antworten, da zeigten die holographische Projektion Explosionen und Beschädigungen an einer der Fregatten am Ende der Formation an.

„Neuformieren!", befahl Ghirlandaio.

„Das ist Sinnlos.", erwiderte ihm sein zweiter Offizier: „Wir haben weder den Platz dazu, noch genug Reaktionszeit um zu Manövrieren. Der Feind kann aus allen Richtungen kommen.", womit er auf die taktische Karte verwies.

Die zeigte eine Formation Feindkorvetten die ihre linke Flanke angriffen, während sich Ghirlandaios Fregatten auf die Angreifer im Rücken der Formation ausrichteten. Die waren längst wieder hinter Asteroiden verschwunden.

Es Folgte ein weiteres Geschwader Jäger aus einer andern Richtung.

„Sir! Wir werden hier nur auseinander genommen. Der Feind ist viel zu agil!"

Er wusste nicht wer das Gesagt hatte, dennoch riss ihn dieser Satz aus der Paralyse in der er, für ihn unbestimmte Zeit, verharrt hatte.

„An alle Schiffe, Formation auflösen! Begeben sie sich zu Sammelpunkt Gamma.", befahl der Comodore. Für einen Augenblick schien die Flottille regungslos, dann brachen nacheinander die einzelnen Fregatten aus und versuchten aus dem Asteroiden Feld zu entkommen.

Die UNSC Raven, eine Fregatte der Charon-Klasse hatte sich gerade erst aus ihre Position gelöst, als das mittlerweile schwer lädierte Schiff von einer Salve Raketen von einem Jäger Geschwader getroffen wurde und Explodierte.

Die stramme Formation und das enge Umfeld taten ihr Übriges. Der Explodierende Reaktor, unterstützt von einigen Dutzend Archer-Raketen riss viele der Kriegsschiffe mit sich. Die Überlebenden Schiffe beider Seiten, die sich innerhalb und in der Nähe des Verbands befunden hatten, wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Eine angreifende Korvette wurde von einem abgesprengten Asteroiden Stück regelrecht zermalmt.

„Beta 36-1 an Taskforce Normandie, bitte kommen. Beta 36-1 an Taskforce Normandie, bitte kommen.", der Funker wandte sich an Price: „Nichts, ich bekomme keinerlei Verbindung und wenn sie unsere Funksprüche aufgefangen haben sollten, antworten sie nicht."

„Verdammt.", fluchte der kommandierende Offizier der Kompanie.

„Wenn der Angriff verschoben wurde, ist die Flottille vielleicht noch im Asteroidenfeld, dann können wir genauso versuchen sie per Dosentelephon zu erreichen.", warf Wolf ein.

„Seit wann bist du unter die Witzbolde gegangen.", erwiderte sein Vorgesetzter genervt.

„ich dachte ich probier mal was neues, den Posten als gefühlsregungsloser grimmig dreinschauender Kompaniechef hast du ja fest in Besitz.", konterte sein Freund.

„Der Klassenclown steht dir nicht. Überlass das Higgins oder Wotinek.", brummelte Price.

„… hier….. an Bodentr….", schallte es über den Äther.

Price war sofort bei dem Funker: „Können sie das Signal verbessern?"

„Ich kann es versuchen.", erwiderte er und begann sich an seiner Ausrüstung zu schaffen zu machen. Und nach einigen fixen Handgriffen wurden die Wortfetzen immer länger, und zu ganzen Wörtern und halben Sätzen: „…das letzte Schiff… Haben schwere Schäden erlitten. Ich wiederhole, die Taskforce Normandie wurde ausgelöscht. Die UNSC Bladerunner ist das letzte Schiff. Wir haben schwere Schäden erlitten. Das Schiff wird nichtmehr lange Durchhalten."

„Hier Sergeant Major Price. Können sie auf den Planeten evakuieren?", funkte Price.

„… endlich erreiche ich jemanden. Wir könnten es schaffen, je nach dem wann uns die Aasgeier entdecken und wie lange die Triebwerke noch mit machen."

„Ankunft?", fragte der Sergeant Major sobald die Antwort eingetroffen war.

Circa 3 Stunden."

„Verstanden. Wie machen euch ein Plätzchen frei.", erwiderte Price und wandte sich dann an seine Truppe: „Ihr habt es gehört. Wir haben drei Stunden."