Leon S. Kennedy 1977:Das finde ich wirklich toll, dass dir diese Geschichte von mir auch gut gefällt. :) Ich mag diese Pairings auch total gerne, deshalb mussten sie auch unbedingt in meiner Geschichte vorkommen. Bald wird es auch noch ein weiteres Pairing geben, ein sehr ungewöhnliches. Ich verrate noch nichts. ;)
„Chris."
„Ja?"
Die beiden saßen nebeneinander im Konferenzraum der B.S.A.A.-Hauptzentrale. Vor einer Stunde waren sie aus Südamerika zurückgekehrt. Sie waren müde und mitgenommen und hatten noch nicht einmal die Gelegenheit gehabt, sich umzuziehen oder etwas zu essen.
Sie warteten auf ihren Vorgesetzten Clive O'Brian, der sofort nach ihrer Rückkehr in die Staaten ein Meeting angesetzt hatte, um ihre Lage zu besprechen.
„Du hattest Recht", sagte Jill nachdenklich. „Wesker hat mich tatsächlich nicht gerettet."
„Was?" Chris blickte seine Verlobte erstaunt an.
„Wesker stand unter Kontrolle dieser Leute, wer immer sie auch sind. Er kann es also nicht gewesen sein. Aber der Mann, der mich gerettet hat, war Wesker so ähnlich, der Körper, der Geruch, alles, ich hätte schwören können ... Und Wesker war auch immer ein guter Scharfschütze. Der Typ, der mich gerettet hat, war bestimmt auch der, der auf die B.O.W.s geschossen hat, als sie uns eingekesselt hatten."
„Jill, mach dir darüber keine Gedanken. Wir werden es früher oder später schon erfahren."
In diesem Moment kam O´Brian gefolgt von Sheva herein. Sie ließ sich neben Chris und Jill am Tisch nieder, O'Brian jedoch blieb stehen. Er schritt, die Hände auf dem Rücken verschränkt, zum Fenster. Er war angespannt, sein Gesichtsausdruck ernst.
„Ich bin froh, dass Sie alle wohlbehalten zurück sind."
„Was man von unserem Team nicht sagen kann", meinte Chris und er musste dabei seinen Zorn unterdrücken.
„Es tut mir leid, dass ich Ihnen die wohlverdiente Ruhe nicht gönnen kann, aber wir haben noch einige Dinge, die geklärt werden müssen."
Sie nickten zustimmend.
„Was passiert mit der Stadt?", fragte Jill, doch sie konnte die Antwort darauf schon erahnen.
„Der bolivianische Präsident hat die Auslöschung der Stadt angekündigt. Das Parlament muss wohl noch zustimmen, aber wir können davon ausgehen, dass man die Stadt zerstören wird. Es gibt keine andere Möglichkeit, die Gefahr einzudämmen."
„Scheiße", murmelte Chris und schlug mit der Faust auf den Tisch.
„Trotzallem haben Sie und Ihr Team gute Arbeit geleistet. Unsere Leute werten momentan die Daten aus, die Sie gesammelt haben, damit wir uns ein klareres Bild davon machen können."
„Brauchen Sie unsere Berichte?"
„Ja, natürlich, aber Sie werden erst mal nach Hause gehen und sich ausruhen. Wenn wir Sie brauchen, dann ..."
„Was ist mit Wesker?", fragte Sheva vorsichtig.
O'Brian sah aus, als hätte er dieses Thema lieber vermieden.
„Unser Ärzteteam kümmert sich gerade um ihn."
„Ich kann das einfach nicht fassen", sagte Chris und der Zorn brodelte in ihm. Er musste sich erheben.
„So lange haben wir dafür gekämpft, ihn endlich loszuwerden und dann ist er tatsächlich wieder da. Und jetzt müssen wir diesem Bastard auch noch helfen. Ich fass es einfach nicht!"
„Christopher", mahnte O´Brian. „Mir wäre es auch lieber, wenn Albert Wesker unter den Toten geblieben wäre, aber wir müssen uns jetzt zwangsläufig mit der Tatsache seiner Rückkehr auseinandersetzen."
„Was passiert mit ihm?", fragte Jill.
„Nun, zu aller erst, wird er medizinisch versorgt. Das ist jetzt die Hauptsache, um alles andere werden wir uns später kümmern müssen. Fakt ist aber, dass wir die Regierung informieren müssen. Und das so bald wie möglich. Er war ein gesuchter Bio-Terrorist. Was die mit ihm machen werden, kann ich nicht sagen, aber so lange steht er selbstverständlich unter Arrest."
„Kann man schon irgendetwas sagen? Was mit ihm passiert ist?"
„Nein, unsere Leute sind noch mit der Auswertung der Daten beschäftigt. Ich schätze, das wird bis morgen dauern. Sie werden ihn gründlich untersuchen, dieses Gerät auseinandernehmen und die Dokumente und Daten, die Sie gesammelt haben, auswerten. Es wird einige Zeit in Anspruch nehmen."
„Werden Sie ihn befragen?", fragte Jill.
O'Brian seufzte.
"Natürlich werden wir ihn befragen müssen. Er ist momentan, so ungern ich es auch zugebe, die einzige Spur, die wir in diesem rätselhaften Fall haben. Er ist der einzige Zeuge, den wir haben. Vielleicht kann er uns ein paar Hinweise geben."
Er wandte sich zum Fenster und blickte hinaus.
„Die Sache wird immer mysteriöser. Ein Video wird uns zugespielt, auf dem Albert Wesker zu sehen ist. Es stellt sich heraus, dass er tatsächlich wieder zum Leben erwacht ist. Diesmal jedoch scheint er nicht der Drahtzieher zu sein. Eine unbekannte Person hält ihn in ihrer Gewalt. Eine Stadt, völlig unbedeutend, wird mit einem neuen, unbekannten Virus verseucht. Niemand bekennt sich dazu, die Motive sind völlig unklar. Neue, sehr gefährliche B.O.W.s tauchen auf."
„Und irgendjemand hat uns in Südamerika geholfen. Irgendjemand war auf unserer Seite", warf Jill ein.
O'Brian schüttelte den Kopf. „Ich sehe absolut keine Zusammenhänge. Warum diese kleine Stadt? Wenn ich an die Anschläge mit dem C-Virus denke ... Wie dem auch sei, Sie drei werden nach Hause bzw. ins Hotel zurück gehen und sich ausruhen. Wir werden uns bei Ihnen melden, wenn sich etwas Neues ergibt."
„Verdammt noch mal, Chris! Geh ran!", schimpfte Claire Redfield verärgert. Schon zum wiederholten Male hatte sie versucht, ihren Bruder auf dem Handy und Zuhause zu erreichen. Vergeblich. Und jetzt klingelte es erneut bereits zum siebten Mal und niemand hob ab.
„Wo bist du denn?"
„Hallo?"
Endlich meldete er sich.
„Chris! Wo bist du denn?! Ich versuche seit einer Ewigkeit dich zu erreichen!"
„Claire, was ist los? Von wo rufst du an?"
„Bin gerade in die Staaten zurückgekommen. Ich bin noch am Flughafen."
„Was ist passiert, du klingst ja total aufgeregt."
„Die Mission in Russland ist komplett schiefgelaufen. Ich habe mein ganzes Team verloren."
„Was?!"
„Und es gibt schlechte Nachrichten, Chris. Ein neuer Virus ist aufgetaucht. Der D-Virus."
Schweigen am anderen Ende.
„Was?", fragte Chris ungläubig. „Du hast in Russland von dem D-Virus erfahren? Das darf doch nicht wahr sein!"
„Wieso, was ist?"
„Bei unserem Einsatz in Südamerika sind wir auch über den neuen Virus gestolpert und über jede Menge neuer B.O.W.s."
„Same here", antwortete Claire. „Offenbar haben wir es mit denselben Leuten zu tun!"
„Was ist auf eurer Mission passiert?"
„Mein Team und ich wurden von einer Horde B.O.W.s überfallen. Sie haben alle Leute getötet und wollten mich in ihr Nest oder so was verschleppen. Ich habe einen Mann getroffen. Er war ebenfalls auf einer Mission hier. Er hat mir das Leben gerettet. Wir haben zusammen eine alte Umbrella-Forschungsanlage untersucht. Wir konnten gerade noch raus, bevor uns irgend so ein riesiges, schwarzes Tentakelmonster fressen konnte. Ich habe meine Leute informiert, dann haben wir die Anlage in die Luft gejagt."
„Ein schwarzes Tentakelmonster?!", fragte Chris sofort alarmiert.
„Es sah wie Uroborus aus, Chris", sagte Claire. „Eine Frau war damit infiziert. Wir dachten zuerst, sie wäre eine Überlebende, aber dann ..."
„Verdammt."
„Die Russen haben uns einige Stunden in Gewahrsam genommen, bevor uns mein Vorgesetzter rausgehauen hat. Ich erklär dir alles, wenn ich bei euch ankomme. Der Typ, den ich getroffen habe, er kommt auch mit. Er stellt sich der B.S.A.A."
„OK. Wir warten auf dich. Komm gut nach Hause."
„War das deine Schwester?", fragte Jill, nachdem Chris aufgelegt hatte.
„Ja. Und sie hat mir erzählt, dass sie in Russland ebenfalls über Uroborus und den neuen D-Virus gestolpert sind."
„Was?! Oh nein! Was geht hier nur vor, Chris?"
„Keine Ahnung, aber wir müssen etwas unternehmen, so viel steht fest. Diese Leute operieren offenbar international. Ich habe die Befürchtung, es werden noch mehr unangenehme Dinge auf uns zu kommen."
Chris legte sein Handy auf den Küchentisch, dann folgte er Jill in ihr Schlafzimmer. Sie ließen sich mit dem Rücken zueinander auf ihrer Seite des Bettes nieder und begannen, schweigend ihre Kleidung vom Einsatz auszuziehen.
Chris tat alles weh, vor allem von den Schlägen, die er von Wesker einstecken musste. Er hatte immer noch rote Striemen um seine Handgelenke, wo ihn der Pflanzen-B.O.W. eingewickelt hatte. Er war müde und erschöpft und wollte nur noch eine Dusche nehmen und dann ins Bett. Die vergangenen Tage waren hart und kräftezehrend gewesen.
„Chris?"
„Hm?"
„Dir ist hoffentlich klar, in welchem Dilemma die B.S.A.A. und damit auch wir jetzt sitzen, oder?"
Chris hielt in seiner Bewegung inne.
„Und du weißt hoffentlich auch, dass wir es nicht verheimlichen können?"
„Ja."
„Hat O'Brian mit dir schon irgendwas geredet?"
„Ich weiß nicht, wir haben noch keine Rücksprache darüber gehalten. Wir müssen jetzt erst mal abwarten, Jill. Lass uns erst mal den ganzen anderen Mist auf die Reihe bringen."
Er erhob sich und ging ins Bad, wo er die Dusche anstellte.
„Sowohl Jake, als auch Wesker verdienen es, die Wahrheit zu erfahren", sagte Jill ernst.
„Wir müssen es ihm früher oder später sagen. Er verdient es, es zu erfahren. Außerdem: Wenn die Regierung informiert ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zu Sherry Birkin durchdringt. Wie lange glaubst du braucht es, bis Jake es weiß. Und wenn wir es ihm verheimlichen, dann wird er sauer sein."
„Glaubst du, das weiß ich nicht?", fragte Chris ein wenig ärgerlich. Er wollte im Moment einfach nur seine Ruhe haben.
„Ich will nur nicht, dass der Junge etwas Dummes tut und ich möchte nicht dass er ..."
„Verletzt wird? Enttäuscht wird?"
„Ja."
„Chris ..."
„Hör mal, ich ..." Er holte tief Luft. „Jill, wir haben im Moment dringlichere Probleme. Wesker ist wieder da, ja. Das ist schlimm genug. Und wenn du meine ehrliche Meinung hören willst, die B.S.A.A. sollte es so lange es geht, verheimlichen. Wir sollten Jake in die Sache nicht reinziehen. Ich will den Jungen so weit wie möglich von Wesker weg wissen."
Jill seufzte, doch sie erwiderte nichts darauf. Auch sie hatte nicht mehr die nötige Energie für lange Diskussionen.
Es war ein paar Tage nach ihrem Einsatz in Südamerika und Weskers Entdeckung, dass sich Jill und Sheva wieder in der B.S.A.A.-Zentrale einfanden. Chris begleitete sie nicht. Er hielt Rücksprache mit O'Brian.
Jill und Sheva warteten auf dem Flur des 4. Stocks, der Abteilung für Forschung, auf Dr. Martin, ein Arzt, der als Spezialist für Viren für die B.S.A.A. tätig war. Sein Team, zu dem auch seit einigen Jahren Rebecca Chambers gehörte, hatte Wesker untersucht und behandelt und das Gerät, mit dem er kontrolliert worden war, zur Analyse gegeben.
„Dr. Martin." Jill hatte ihn sogleich angesprochen, als er das Behandlungszimmer verließ.
„Was ist mit Albert Wesker?"
„Ms. Valentine, Ms. Alomar." Dr. Martin schüttelte beiden die Hand.
„Was können Sie uns sagen?"
„Wo soll ich anfangen?" Er warf einen Blick auf das Klemmbrett, das er mitgebracht hatte und auf dem er Unterlagen fixiert hatte.
„Albert Wesker hatte sehr viel Glück."
Sie gingen ein Stück.
„Wie meinen Sie das?"
„Er war in einer katastrophalen physischen Verfassung. Wäre er länger diesem Zustand ausgesetzt gewesen, er hätte es nicht überlebt."
Sie hielten vor dem Fenster inne, durch das Jill und Sheva Blick auf Wesker nehmen konnten.
Er lag in einem Bett und musste beatmet werden. Zusätzlich verabreichte man ihm Infusionen. Er war immer noch bewusstlos.
„Was genau hat man mit ihm gemacht, Dr. Martin?", fragte Jill beunruhigt.
„Wir haben dieses Gerät, das Sie von seinem Hals entfernt haben, untersucht. Ihm wurde damit eine Art Droge injiziert. Die Analyse ist noch nicht vollständig abgeschlossen, aber wir können sicher sein, dass es sich dabei um eine Weiterentwicklung des C-Virus handelt."
„Eine Droge auf Basis des C-Virus?"
Dr. Martin nickte.
„Es scheint ein neuer Stamm des C-Virus zu sein."
„Wesker schien damit unter Kontrolle gehalten worden zu sein", sagte Jill. „Ähnlich wie ich mit dem P30. Dient das zur Versklavung des Willens?"
„Es sieht so aus, ja, denn Fakt ist, es macht gefügig und willenlos und raubt einem die Selbstkontrolle. Darauf konzipiert, dass jemand alles tut, was man befiehlt. Es könnte sogar gut sein, dass er nicht mal mehr weiß, was er eigentlich getan hat."
„Aber warum ist er in so einem schlechten körperlichen Zustand?", fragte Sheva. „Wenn jemand ihn benutzt hat, um Befehle auszuführen, warum sollte man ihn sterben lassen?"
„Wir wissen aus Blutproben bereits soviel", antwortete Dr. Martin. „Wesker trägt ja einen speziellen Antikörper gegen Viren in seinem Immunsystem. Um ihn also mit dem C-Virus infizieren und kontrollieren zu können, musste man sein Immunsystem sehr stark schwächen. Wir haben in seinem Blut extrem hohe Dosierungen seines Serums, dem PG67A/W, gefunden."
„Das haben wir in dem einen Dokument gelesen. Sie haben mit ihm experimentiert. Er war Testobjekt 1", sagte Jill.
„Man musste ihn damit und mit der Droge regelrecht zudröhnen, damit man ihn so kontrollieren konnte", fuhr Dr. Martin fort. „Das erklärt seinen schlechten körperlichen Zustand. Er hatte, wie eingangs bereits gesagt, sehr viel Glück. Er war mangelernährt und hatte wahrscheinlich monatelang wenig bis gar nicht geschlafen. Das könnte seine Verwirrtheit und Desorientiertheit erklären."
„Lieber Himmel", murmelte Sheva.
„Die Droge hätte ihn früher oder später getötet. Wenn Sie mich fragen, war es vielleicht sogar beabsichtigt."
„Wann können wir mit ihm sprechen, Dr. Martin?", wollte Jill wissen. „O'Brian will ihn zu den Vorfällen in Südamerika befragen."
„Das kann einige Tage dauern. Er ist stark, aber es wird seine Zeit brauchen, bis er genesen sein wird. Erwarten Sie vorerst nicht zu viel. Momentan sind wir etwas besorgt, wegen seines Zustandes. Er ist sehr geschwächt und wir hoffen, dass er keine Entzugserscheinungen bekommt von der Droge."
„Wenn er aufwacht, was wird mit ihm geschehen?", fragte Jill weiter, während sie nachdenklich durch die Scheibe auf Wesker sah. Eine andere Ärztin erneuerte gerade die Infusion und kontrollierte die Vitalwerte.
„Ich habe mit O'Brian noch nicht darüber gesprochen, aber soweit ich das heraushören konnte, steht er jetzt erst mal unter offiziellem Arrest der B.S.A.A., bis entschieden ist, was mit ihm passiert. Ich würde aber sagen, warten wir erst mal ab, bis er sich erholt hat."
Jill und Sheva dankten Dr. Martin und wandten sich zum Gehen, doch der Arzt hielt sie zurück. „Warten Sie, da ist noch etwas."
„Was ist es?"
„Wie soll ich sagen", begann Dr. Martin zögerlich. „Bei der Untersuchung haben wir etwas festgestellt."
Die beiden Frauen sahen den Arzt vielsagend an.
„Sein gesamter rechter Arm bis zum Schultergelenk ist eine Prothese."
„Wie bitte?!" Jill und Sheva blickten Dr. Martin geschockt an.
„Außerdem auch Teile seines Brustkorbes und des linken Oberarms. Sehr moderne, hochentwickelte Technologie, so etwas habe ich noch nie gesehen. Wir können uns nicht erklären, was das zu bedeuten hat."
Sheva trat erneut an die Scheibe und blickte nachdenklich auf Wesker. Dann nickte sie und Erkenntnis trat auf ihr Gesicht.
„Uroborus", sagte sie schließlich. „Jill, erinnere dich. Wesker hat Uroborus in seinen Körper aufgenommen. Es hat seinen rechten Arm weggefressen und ist dann auf die linke Seite rübergewandert." Sie fuhr mit dem Finger ihren rechten Arm entlang nach oben, dann über ihre Brust und schließlich zu ihrem linken Oberarm.
„Wie auch immer er ins Leben zurückgekommen ist, Uroborus muss seinem Körper so viel Schaden zugefügt haben, dass er sich davon nicht heilen konnte. Vielleicht lag es auch daran, dass Chris und ich ihm davor eine Überdosierung seines Serums gegeben haben und er geschwächt war."
Jill und Dr. Martin nickten.
„Ja, das ist eine plausible Erklärung. Allerdings haben wir bei der Blutuntersuchung keine Spur von Uroborus gefunden. Jemand hat es wahrscheinlich aus seinem Körper entfernt. Wir werden sein Blut noch genauer unter die Lupe nehmen, hoffentlich sind wir dann schlauer. Wenn wir dazu mehr wissen, werden wir Sie in Kenntnis setzen. Alles weitere wird O'Brian mit Ihnen besprechen."
Dr. Martin verabschiedete sich von den beiden Agentinnen, dann kehrte er in sein Labor zu seiner Arbeit zurück. Jill und Sheva blieben noch einige Zeit vor dem Krankenzimmer stehen und betrachteten den leblosen Wesker durch die Scheibe.
„Was ich dich schon die ganze Zeit fragen wollte, Jill", sagte Sheva. „Wie hast du es geschafft, dass Wesker wieder zu sich gekommen ist. Wer ist diese Olivia? Er hat darauf reagiert."
„Ich hätte selbst nicht gedacht, dass das funktioniert", gab Jill zu. „Ich habe ja versucht, ihn an die S.T.A.R.S.-Zeit zu erinnern, als er unser Captain war und wir zusammengearbeitet haben. Aber als das nicht geklappt hat, ist mir die Sache mit Olivia eingefallen."
„Es hat funktioniert. Wesker scheint sich an sie erinnert zu haben."
„Ja, das ist kein Wunder, denn der Fall ist uns allen im Gedächtnis geblieben. Außerdem ist da der Grundstein für die Feindschaft zwischen Wesker und Chris gelegt worden."
„Was? Wie? Ich verstehe nicht."
„Olivia war eine Streifenpolizistin, die mit uns im RPD gearbeitet hat. Sie und Captain Wesker hatten damals eine Affäre miteinander", sagte Jill. „Olivia hatte allerdings privat ein paar Probleme. Sie war hochverschuldet und hatte sich von Kredithaien Geld geliehen. Außerdem war ihr ehemaliger Verlobter in kriminelle Machenschaften verstrickt. Sie hat geholfen, ihn ins Gefängnis zu bringen. Als er rauskam, hat er Rache geschworen.
Olivia kam nach Raccoon City, um ein neues Leben zu beginnen, aber ihr altes hat sie bald eingeholt. Die Typen haben sie bedroht und eingeschüchtert. Und eines Tages schließlich haben sie Olivia und Wesker in ihrer Wohnung überfallen. Olivia wurde erschossen, Captain Wesker kam mit einem Durchschuss in der Schulter davon."
„Aber was hat das mit Chris zu tun?", fragte Sheva neugierig.
„Chris hat damals wegen irgendeiner banalen Sache, ich weiß gar nicht mehr weswegen, bei Olivia angerufen, aber sie nicht erreicht. Dabei wussten wir, dass sie Zuhause war. Wir wussten ja auch von ihrem Verhältnis mit unserem Captain. Ihm kam das ziemlich merkwürdig vor und als er Wesker ebenfalls nicht erreicht hat, hat er Alarm geschlagen und ist zu der Wohnung gefahren. Er hat Wesker sozusagen das Leben gerettet, denn die Typen hätten nicht lange gefackelt, ihn auch zu erschießen. Das hat Wesker gar nicht gefallen, in Chris' Schuld zu stehen."
„Verstehe, das kann ich mir vorstellen."
„Ich weiß gar nicht, wie ich darauf gekommen bin. Ich dachte, es wäre vorbei, da fällt mir das ein. Das war in den knapp zwei Jahren, die es S.T.A.R.S. gab, unser einziger richtiger Fall. Ich bin froh, dass ich ihn damit erreichen konnte."
Jill sah auf die Uhr. „Gehen wir nach oben zu Chris. Hier können wir sowieso nichts mehr tun. Wir müssen abwarten."
