Leon S. Kennedy 1977: Ich hab noch viele tolle und spannende Sachen für die Geschichte auf Lager. ;)
Ein frohes neues Jahr allen meinen Lesern. :)
„Albert, komm her zu mir."
Eine sanfte Frauenstimme sprach mit ihm. Er sah eine Gestalt vor sich, doch er konnte keine klaren Gesichtszüge ausmachen. Die Person bückte sich zu ihm und streckte die Arme nach ihm aus.
Er fühlte sich seltsam unbeschwert hier und es war wohlig warm. Er wäre gern hier geblieben, hätte seine Hand nach der Frau ausgestreckt und sie gerne aus der Nähe gesehen, doch auf einmal glitt sie von ihm weg und die Umgebung veränderte sich.
Er versank in Dunkelheit und Kälte und ein stechender Schmerz fuhren durch seinen Körper.
Er hörte eine andere Stimme, in seinem Kopf.
„Lass es nicht zu. Wehr dich dagegen. Wir beide gehören zusammen."
Die Schmerzen waren zu stark.
Ein Mann sprach zu ihm: „Albert, bleib wach!"
Er wollte es tun, er wollte wach bleiben, doch er schaffte es nicht. Die Schmerzen waren zu stark.
Als er das nächste Mal die Augen öffnete, befand er sich in einem Büro. Es dauerte einen Moment, bis er begriff, dass es sein altes S.T.A.R.S.-Büro war.
Chris stand vor ihm.
„Du kapierst es einfach nicht, oder? Du bist nur ein erbärmliches Überbleibsel von Umbrella. Und das ist", er trat nahe an Wesker heran, „wo du hingehörst."
Ehe Wesker reagieren konnte, hatte ihm Chris ein Messer in die Brust, mitten ins Herz, gerammt. Er verzog vor Schmerz das Gesicht und Blut quoll aus der Wunde.
Als er an sich heruntersah, bemerkte er, dass sein Oberkörper von Uroborus bedeckt war und Chris das Messer in das orange, pulsierende Herz gestoßen hatte. Der Parasit schrie in seinem Kopf. „Töte sie! Töte sie!"
Einen Augenblick danach spürte er, wie sich ein zweites Messer durch seinen Rücken in seine Lunge bohrte und er wusste sofort, dass es die junge Afrikanerin war, die Chris begleitet hatte.
Dann sah er sie über sich im Hubschrauber. Er war von Lava umgeben und Uroborus flüsterte ihm zu: „Töte sie, töte sie! Es darf nicht das Ende sein!" Chris und seine afrikanische Partnerin feuerten zwei Raketenwerfer auf ihn. Er sah die Geschosse auf sich zufliegen und das nächste, was er wahrnahm, war die Dunkelheit, die ihn einschloss und der Schmerz seines Todes.
„Chris ..."
Der blanke Hass kroch wie Gift durch seine Adern und er schwor bittere Rache.
Er erwachte und das erste, was er hörte, waren die gleichmäßigen Töne eines Herzmonitors.
Leon erwachte irgendwann mitten in der Nacht, da sein Handy klingelte. Er quälte sich verschlafen hoch und tastete auf seinem Nachttisch nach dem Gerät. Ada neben ihm regte sich.
Er hob ab. Es gab nur eine Person, die ihn zu so später Stunde aus dem Bett holte.
„Hunnigan."
„Tut mir Leid, wenn ich Ihre Nachtruhe stören muss, Agent Kennedy", sagte Ingrid Hunnigan. „Aber es konnte nicht warten, es ist dringend."
„Das will ich hoffen", murmelte Leon schlaftrunken.
„Die B.S.A.A. hat uns kontaktiert. Es ist ... sehr ernst." Hunnigan klang besorgt. Leon war sofort alarmiert.
„Hat es was mit dem neuen Virusausbruch zu tun?", fragte er.
Ada richtete sich neben ihm auf und lauschte ihrem Gespräch. Leon setzte sich auf und schaltete die Nachttischlampe ein.
„Indirekt ja. Wie soll ich es ausdrücken." Sie seufzte. „Ich mache es am besten kurz. Albert Wesker ist wieder da."
„Was ist los?", raunte Ada Leon zu, da sie seinen entsetzten Gesichtsausdruck gesehen hatte.
„Wie bitte?", fragte Leon ungläubig. „Das soll doch wohl ein Scherz sein?"
„Leider nein", sagte Hunnigan. „Sie haben ihn in Südamerika aufgegriffen und er befindet sich momentan in Gewahrsam der B.S.A.A. Der Präsident weiß Bescheid."
„Scheiße", murmelte Leon. „Was passiert jetzt?"
„Die Sache wird vorerst unter Verschluss gehalten. Nur der Präsident, der Nationale Sicherheitsberater, Gabriel Benton, und ich wissen zur Zeit Bescheid. Ich sollte Sie und Helena einweihen. Sie werden heute noch mit ihr zusammen einen Flug nach New York nehmen und sich mit Chris Redfield in der B.S.A.A.-Hauptzentrale treffen."
„Es ist halb vier Uhr morgens", sagte Leon, doch Hunnigan unterbrach ihn sofort.
„Ihr Flug geht um halb sieben."
„Fuck", sagte Leon, als er aufgelegt und sein Telefon wieder auf den Nachttisch gelegt hatte.
„Was ist los?", fragte Ada erneut.
Leon sah sie an, doch er fand nicht die richtigen Worte. „Wesker ist wieder da."
Erschocken blickte sie ihn an. „Was?"
„Ja. Helena und ich müssen nach New York und uns mit der B.S.A.A. treffen. Dann werden wir wahrscheinlich besprechen wie es weitergeht."
Er erhob sich widerwillig vom Bett und schritt zu seinem Schrank, um sich anzuziehen.
„Wie ist das möglich?", fragte Ada. „Er sollte eigentlich tot sein."
„Keine Ahnung. Sie haben ihn in Südamerika gefunden, aber mehr weiß auch noch nicht."
Er sah sie an und es war ihm anzumerken, dass er nichts lieber wollte, als in ihrer Nähe zu bleiben. „Tut mir Leid."
Ada grinste ihn verwegen an. „Es wird ein nächstes Mal geben."
Auch sie stand auf und suchte sich ihre Kleidung zusammen.
Als sie angezogen war, stieg sie auf das Fensterbrett. Sie wollte sich gerade mit ihrem Enterhaken hinausschwingen, als Leon fragte: „Bekomm ich keinen Abschiedskuss?"
Sie ignorierte ihn und verschwand in die Dunkelheit.
„Diese Frau ..."
Er seufzte und schüttelte den Kopf. Dann ging er ins Bad, um sich für seinen Auftrag fertig zu machen.
Jake wurde durch irgendetwas aus dem Schlaf gerissen. Zuerst dachte er, ein Geräusch hätte ihn geweckt, doch als er in die Dunkelheit horchte, war alles still. Ein Blick auf den Wecker auf dem Nachttisch verriet ihm, dass es vier Uhr morgens war.
Draußen war finster. Er war müde, doch er wollte nicht weiterschlafen. Sein Oberkörper war nassgeschwitzt.
Er setzte sich im Bett auf und rieb sich verschlafen die Augen. Er warf einen kurzen Blick auf Sherry, doch diese schlief tief und fest. Er strich ihr kurz über ihr helles, blondes Haar, dann erhob er sich und ging ins angrenzende Badezimmer.
Ein Schwall kaltes Wasser ins Gesicht weckte seine Lebensgeister.
Er hatte schon wieder den Traum von sich und seinem Vater gehabt. Er fluchte gedanklich.
Wann würde es endlich aufhören?
Er schritt leise, um Sherry nicht zu wecken, nach nebenan in die Küche, wo er sich ein Glas Wasser einschenkte und nachdenklich am Tisch niederließ.
Er fühlte sich nicht wohl und verspürte große innere Unruhe in sich. Schon seit ein paar Tagen, seit Sherry erfahren hatte, dass es einen neuen Anschlag mit einem neuen Virus gegeben hatte, hatte er ein merkwürdiges Gefühl, das er sich nicht erklären konnte.
Als Söldner hatte ihn genau dieses Gefühl auf so manchem Auftrag davor bewahrt eine Kugel in den Kopf zu bekommen. Es war dieser Instinkt, immer auf der Lauer und in Alarmbereitschaft zu sein, immer darauf bedacht, auf eine bevorstehende Gefahr zu reagieren.
Vielleicht wurde er langsam paranoid ...
Er leerte sein Glas mit einem Schluck und stellte es neben der Spüle ab, dann ging er ins Wohnzimmer.
Er überlegte gerade, ob er den Fernseher einschalten sollte, da erweckte etwas aus dem Augenwinkel heraus seine Aufmerksamkeit am Fenster.
Er konnte sich gerade noch rechtzeitig schutzsuchend hinter das Sofa werfen, als eine Kugel durch die Glasscheibe schoss und genau dort in der Wand einschlug, wo er eben gestanden hatte. Glassplitter flogen umher.
Jake hielt sich die Hände über den Kopf. Scherben regneten auf ihn nieder.
Er hörte Stimmen. Ein Trupp schwarzgekleideter Leute schwang sich durch die kaputte Fensterfront in ihre Wohnung. Alle trugen Kampfanzüge und Nachtsichtgeräte.
„Sucht das Mädchen!"
Jake war sofort alarmiert. Jemand war hinter Sherry her. Er musste etwas tun, doch ohne Schusswaffe konnte er nichts ausrichten. Seine Gedanken rasten. Er hoffte inständig, Sherry möge von dem Lärm aufgewacht sein und ihre Waffe genommen haben.
„Töte den Jungen!", befahl ein Mann.
Jake stemmte sich auf Hände und Knie und hechtete zur Seite ehe ein Magazin einer Maschinenpistole das Sofa durchlöcherte. Das weiße Füllmaterial flog durch die Luft.
Er stürzte sich auf einen der maskierten und konnte ihn mit einem gezielten Fußtritt entwaffnen. Er griff sofort nach der Pistole und feuerte auf die Eindringlinge.
Er traf einen der Männer in die Brust, der nach hinten kippte und reglos am Boden liegen blieb, die anderen jedoch erwiderten das Feuer sofort und Jake musste abermals Deckung suchen.
Er konnte nur noch durch die gläserne Terrassentür nach draußen springen und sich so dem Kugelhagel entziehen. Er verzog vor Schmerz das Gesicht, als das Glas ihm die Schulter aufschnitt.
„Kümmere dich um ihn!"
In einem Meer aus Glassplittern schlitterte Jake über die geflieste Terrasse. Sein Oberkörper war augenblicklich von Schnitten übersät und er blutete stark.
Einer der schwarzgekleideten Männer kam ihm hinterher und zielte auf ihn, doch ehe er abdrücken konnte, stieß Jake geistesgegenwärtig einen großen, tönernen Blumentopf mit einer Palme um, die dem Attentäter den Weg verspürte.
Es verschaffte Jake so viel Zeit, sich aufzurappeln und den Mann mit einem kräftigen Schlag unschädlich zu machen. Er ergriff die TMP, die der Mann bei sich getragen hatte und hastete zurück ins Wohnzimmer. Er hörte Schüsse aus der Richtung ihres Schlafzimmers. Holz splitterte.
„Sherry!", rief Jake. Bitte nicht.
Als Jake den Flur zurücklaufen wollte, griffen ihn zwei Männer an. In der Dunkelheit konnte er nicht rechtzeitig reagieren und verlor seine Waffe.
Zu zweit griffen sie ihn an. Einen konnte er mit einem kräftigen Fußtritt an die Wand schlagen, doch sein Partner schlug ihm mit der Faust in die Nieren. Jake stöhnte vor Schmerz auf und sank auf die Knie. Der Eindringlich nutzte die Gelegenheit und versetzte ihm einen weiteren Schlag auf seine verletzte Schulter, sodass er zusammenbrach. Das nächste, was er noch spürte, waren Tritte in die Rippen und an den Kopf.
Aus weiter Ferne hörte er weitere Schüsse. Sherry schrie. Er wollte zu ihr und ihr helfen, doch die Kraft verließ ihn und er versank in Dunkelheit.
Ihr Meeting war für drei Uhr angesetzt worden. Chris, Jill, Sheva und ihr Vorgesetzter O'Brian wartete bereits im Konferenzraum ungeduldig auf die Ankunft der D.S.O.-Agenten. Chris' Schwester Claire saß bereits am Tisch und schenkte sich ein Wasser ein.
Endlich betraten Leon Kennedy und Helena Harper den Raum.
„Agent Kennedy, Agent Harper", sagte O'Brian und schüttelte beiden die Hand.
„Chris."
„Leon."
Die beiden Männer musterten sich einen Moment. Leon und Helena nahmen gegenüber den B.S.A.A.-Agenten neben Claire Platz.
„Hey, Leon", sagte Claire.
„Claire."
„Schön, dass Sie alle beisammen sind", sagte O'Brian. „Ich wünschte unser Zusammentreffen könnte aus weniger ernsten Gründen erfolgen."
O'Brian schritt vor den großen Bildschirm an der Stirnseite des Tisches und betätigte die Fernbedienung. Eine Karte von Bolivien und Ciudad de muchos colores erschien.
„Wie Sie wissen, gab es in Südamerika vor wenigen Tagen einen Anschlag mit einem neuen Virus", erklärte er an Leon und Helena gewandt. „Unser Team", er deutete auf Chris, Jill und Sheva, „hat in Zusammenarbeit mit der argentinischen B.S.A.A. dort eine Erkundungsmission geleitet, um die Situation einzuschätzen und Daten zu sammeln. Die Auswertung der Daten nahm einige Zeit in Anspruch, aber die Ergebnisse liegen uns jetzt vor. Wir werden Sie auf den neuesten Stand unserer Untersuchungen bringen."
Die Tür zum Konferenzraum öffnete sich und Rebecca Chambers trat herein.
„Hi", sagte sie schüchtern, als sie vor die Gruppe trat. „Also, wir haben den neuen Virus, den man in dieser Stadt freigesetzt hat, untersucht." Sie räusperte sich.
„Es handelt sich dabei um etwas, das dem T-Virus sehr ähnlich ist. Offenbar ein weiterentwickelter Stamm davon. Der Stoffwechsel des Virus verläuft aufgrund einer Mutation geringfügig anders als beim ursprünglichen Virus. Wir konnten allerdings nicht herausfinden, was genau die Mutation verursacht hat. Sie war aber sehr unstabil und nicht beständig, also wären alle geschaffenen Zombies früher oder später gestorben. Wir wollen keine voreiligen Schlüsse ziehen, aber wenn dies wirklich ein beabsichtigter Anschlag gewesen ist, dann war es nicht sonderlich professionell."
„Könnte es kein Unfall gewesen sein?", warf Helena ein. „Das der Virus versehentlich dort freigesetzt wurde?"
Rebecca nickte. „Das halten wir ebenfalls für wahrscheinlicher."
Chris erhob sich jetzt und schritt nach vorne.
„Wir konnten die Infektion auf eine alte Forschungsanlage zurückführen", erklärte Chris.
Er betätigte die Fernbedienung und Fotos, die sie von der Anlage gemacht hatten, erschienen.
„So weit wir sehen konnten, hat es nichts mit Umbrella oder Neo-Umbrella zu tun. Wir haben dort dieses Symbol gefunden."
Er zeigte ihnen das Schlangenemblem.
„Die Familie", sagte Leon sofort. Helena nickte. „Simmons."
„Die Familie?", fragte Jill verdutzt. „Was ist das?"
„Simmons? War das nicht der Nationale Sicherheitsberater?", fragte Chris.
„Ja", erklärte Leon. „Er war sozusagen Anführer oder Leiter der Familie. Die Familie ist eine geheime Organisation. Sie lenken die politischen Geschehnisse der westlichen Welt nach ihren Vorstellungen. Sie haben den C-Virus geschaffen. Das Symbol haben Helena und ich unter der alten Kathedrale von Tall Oaks gesehen. Es steht eindeutig damit in Verbindung."
„Woher hast du diese Informationen?", fragte Chris eindringlich.
Leon zögerte einen Moment. „Von einer verlässlichen, vertraulichen Quelle. Die ich im Moment nicht preisgeben kann", fügte er hinzu, bevor Chris etwas sagen konnte.
„Wie dem auch sei", fuhr Chris schließlich fort. „In dieser Forschungsanlage haben wir dutzende Chrysalide gefunden, aber die J'avos und anderen Monster darin waren alle tot. Sie waren missgebildet und sind schon nach dem Schlüpfen oder noch in ihren Kokons gestorben."
Er zeigte ihnen Bilder von den Funden.
„Was ist da passiert?", fragte Claire.
„Wir haben Proben davon analysiert", sagte Rebecca. „Wir können davon ausgehen, dass jemand die Forscher, die dort gearbeitet haben, infiziert hat. Es war allerdings wieder nicht sonderlich erfolgreich. Diesmal war es tatsächlich der C-Virus, aber wieder war es ein weiterentwickelter Stamm davon. Und wieder sind die Viren nach kurzer Zeit abgestorben. Der Stamm war nicht überlebensfähig. Das würde unsere Theorie eines Unfalls bekräftigen."
„Wir haben außerdem Daten gefunden, die nichts Gutes verheißen", fügte O'Brian hinzu. „Unsere Teams haben Forschungsunterlagen und Dokumente gefunden."
Er reichte Leon, Helena und Claire jeweils eine Mappe mit Kopien.
„Der D-Virus", sagte Claire und nickte. „Über den bin ich auch gestolpert."
„Uroborus?!", fragte Leon alarmiert.
„Nicht nur, dass es offenbar einen neuen Virus gibt", sagte Chris, „jemand interessiert sich für Weskers alte Arbeit über Uroborus."
Bei der Erwähnung von Weskers Namen wechselten alle einen betretenen Blick.
„Claire, wenn du jetzt bitte ..."
Chris' Schwester nickte und erhob sich.
„OK. Mein Team und ich von TerraSave wir sollten in Russland einen Mann aufspüren, der illegal mit B.O.W.s handelt. Bei dem verabredeten Treffpunkt, wo wir unseren Informanten kontaktieren sollten, wurden wir von einer Horde B.O.W.s überfallen. Mein Team wurde getötet und mich wollten sie gerade ... Ein Mann namens HUNK hat mir das Leben gerettet, allerdings saßen wir dann in einer Umbrella-Anlage fest. Dort sind wohl B.O.W.s ausgebrochen und haben die Forscher niedergemetzelt. Als wir uns wieder nach draußen gekämpft haben, haben wir eine Frau dort entdeckt. Ihr Name war Laura Yamamoto. Sie war wohl dort festgehalten worden und sie hat ständig von ihrem Mann gesprochen, den sie unbedingt sehen wollte. Sie war völlig verwirrt und wir konnten uns keinen Reim auf das machen, was sie gesagt hat. HUNK und ich wollten sie mit nach draußen nehmen, aber da hat sie sich in ein Monster verwandelt. Sie muss mit Uroborus infiziert gewesen sein."
„Was?!", fragte Leon entsetzt. „Wir kann das sein? Ich dachte Uroborus wäre vernichtet worden?"
„Das dachten wir auch, aber irgendwer hat es offenbar wieder ausgegraben."
„Die Frau hat ständig davon gesprochen, dass man die Arbeit ihres Mannes missbrauchen würde, dass man ihn erpressen würde und eine Tochter, die in Gefahr schwebt, gibt es offensichtlich auch. Sie sagte, ein gewisser „M" wäre dafür verantwortlich. In einem Dokument in einem der Labore habe ich schließlich etwas über den D-Virus gelesen, genauso wie Chris und sein Team in Südamerika."
„Ich muss hier einwerfen", sagte Rebecca. „Wir haben alle Proben, von den B.O.W.s, den Zombies und aus den Laboren penibelst untersucht, sogar doppelt und dreifach, wir haben definitiv keinen neuen, unbekannten Virus gefunden. Also was auch immer der D-Virus ist, angewendet wurde er nicht."
„M? Sehr ... mysteriös", meinte Leon. „Sonderlich weit bringt uns das nicht."
„Wer ist dieser HUNK?", wollte Helena wissen.
„Er sagte nur, er sei selbst Agent und auf einer Mission, aber mehr hat er mir nicht gesagt", sagte Claire schulterzuckend. „Was wird jetzt eigentlich mit ihm passieren?", fragte sie an O'Brian gewandt.
„Agent HUNK, oder mit bürgerlichem Namen Edward Cromefield, ist ein ehemaliger Umbrella-Agent, der für den Umbrella Security Service, kurz U.S.S. gearbeitet hat, und zudem war er als Söldner und Auftragsmörder tätig. Er steht unter Arrest. Der Präsident ist allerdings unter den gegebenen Umständen bereit, mit ihm einen Deal zu vereinbaren", erklärte O'Brian.
„Einen Deal?"
O'Brian nickte. „Da er schon seit längerem Nachforschungen anstellt, kann er uns in diesem Fall vielleicht weiterhelfen. Außerdem hat er Ihnen, Ms. Redfield, in Russland das Leben gerettet. Wenn er sich bereit erklärt, den D.S.O. zu unterstützen und ihrem Team beizutreten, Leon, Helena, wird man ihn nicht weiter belangen. Agent HUNK ist jetzt allerdings ein eher zu vernachlässigendes Problem."
Sie alle wussten, bei welchem Punkt das Gespräch angekommen war.
„Wesker", sagte Claire schließlich. Die anderen nickten.
„Ich kann das immer noch nicht glauben, dass er zurück sein soll", sagte Jill. „Chris, Sheva und ich haben ihn sterben sehen."
„Ich dachte, wir hätten den endlich los", sagte Leon ärgerlich. „Und dann so was."
„Wie kann es sein, dass er wieder lebt?", fragte Claire.
„Wir haben keine Antwort auf diese Frage", erklärte Rebecca ratlos.
„Und das schlimmste ist", sagte Chris voller Wut, „er ist es diesmal nicht. Wir haben ihn in Südamerika aus der Gewalt eines Unbekannten befreit. Vielleicht der geheimnisvolle „M". Er wurde mit einer Droge unter Kontrolle gehalten und ist in einem sehr miserablen Zustand, sodass wir diesen Bastard auch noch retten mussten."
Leon schüttelte den Kopf. „Wo ist er und wie geht es ihm? Konntet ihr mit ihm reden?"
Chris verneinte. „Bislang nicht. Er wird immer noch ärztlich versorgt. Er ist immer noch in einem sehr schlechten Zustand. Was mich am meisten ärgert ist, dass er momentan unser einziger Anhaltspunkt ist. Wir müssen zwangsläufig mit ihm zusammenarbeiten. Und so wie ich ihn kenne, wird er sich darauf nicht einlassen."
„Wie wird mit ihm verfahren?", fragte Leon O'Brian.
„Ich habe natürlich den Präsidenten informiert und er und ich kamen in einem Punkt überein. Wir werden die Sache vorerst unter Verschluss halten. Momentan sind nur wir hier, der Präsident, der Nationale Sicherheitsberater und Ingrid Hunnigan eingeweiht. Das soll vorerst so bleiben."
„Hunnigan hat uns schon gesagt, dass man Agent Sherry Birkin nicht informiert hat. Ist es wegen Jake Muller?"
„Ja", erklärte Chris. „Jake ist in den USA und wahrscheinlich wird er Kontakt zu Sherry aufnehmen."
„Jake ist im Land?"
„Ja, wir hatten im Oktober eine kleine Unterredung."
„Jake Muller und Agent Birkin stehen sich seit ihrer gemeinsamen Mission nahe", sagte Helena. „Sie wollen nicht, dass er es von ihr erfährt, oder?"
„Ganz genau", sagte Chris ernst.
„Chris, du kannst es ihm keine Ewigkeit verheimlichen. Es ist immerhin sein Vater, ob es dir passt oder nicht", sagte Leon, ebenso ernst.
„Ich weiß. Aber ich werde alles tun, um den Jungen so lange wie möglich von ihm fernzuhalten."
Niemand wusste darauf etwas zu erwidern.
„Wie wird man mit ihm verfahren?", fragte Claire O'Brian. „Steht er auch unter Arrest?"
„Ja. Der Präsident hat ein Ultimatum gestellt. Entweder er kooperiert mit uns oder er wird ausgeliefert. Er war ein weltweit gesuchter Bioterrorist. Durch seinen Tod hat er sich dem Haftbefehl und einer Strafverfolgung entzogen, doch jetzt, da er wieder da ist ..."
„Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass sich Albert Wesker auf einen Deal mit der Regierung und der B.S.A.A. einlässt?", fragte Leon skeptisch.
„Er muss, er hat keine Wahl. Aber wir werden sehen."
„Wo ist er überhaupt?", erkundigte sich Claire.
„Unser Ärzteteam kümmert sich nach wie vor um ihn. Solange es ihm nicht besser geht und er nicht aufwacht, können wir sowieso nichts tun, außer abwarten. Wir tappen solange im Dunkeln, bis er uns weiterhilft."
„Das gefällt mir nicht", sagte Leon.
„Uns genauso wenig", sagte Chris.
Plötzlich wurde die Tür aufgestoßen und O'Brians Sekretärin kam herein.
„Wir sind noch in einer Besprechung, was ...", sagte O'Brian sofort, doch als er das Gesicht der jungen Frau sah, brach er ab. Sie war völlig aufgelöst.
„Eine Ingrid Hunnigan von der Regierung ist in der Leitung. Sie sagt, es gibt Probleme."
„Was will Hunnigan denn?", fragte Leon verwundert an seine Partnerin gewandt.
„Ich schalte sie zu."
O'Brian übertrug Hunnigan in die Konferenzschaltung.
„Hunnigan, was ist passiert?"
„Agent Sherry Birkin ist verschwunden. Wahrscheinlich entführt."
Alle sahen sich entsetzt an. „Was?! Was ist passiert?"
„Sie hätte heute Mittag zu einem Meeting in der Zentrale sein müssen, doch sie erschien nicht. Wir haben es erfolglos versucht, sie anzurufen. Schließlich habe ich zwei Leute zu ihrer Wohnung geschickt. Ihr Appartement ist vollkommen verwüstet. Es gab einen Kampf und Schüsse sind gefallen. Wir haben die Leichen von zwei Männern, offenbar Agenten, gefunden."
„Verdammt!", murmelte Leon.
„Wir haben in der Wohnung Hinweise darauf gefunden, dass sie dort schon einige Zeit mit Jake Muller zusammengewohnt hat. Von ihm fehlt allerdings auch jede Spur. Unsere Leute untersuchen den Vorfall, aber keinerlei Anhaltspunkte. Die Leute waren offenbar Profis. Niemand will etwas gehört oder gesehen haben. Sie müssen bereits vergangene Nacht gekommen sein."
„So ein Mist!", fluchte Leon laut.
Sherry dröhnte fürchterlich der Kopf und ihr war speiübel, als sie sich auf dem metallenen Labortisch mühsam aufrichtete.
Sie hatte nur wage Erinnerungen an das, was geschehen war. Irgendjemand war in ihre Wohnung eingedrungen und hatte sie und Jake angegriffen.
Sie hatte zwar noch ihre Waffe nehmen können, doch hatte sie gegen die Übermacht der Angreifer keine Chance gehabt. Sie war in die Schulter geschossen und anschließend betäubt worden.
Die Wunde war natürlich durch ihre Kräfte geheilt worden, doch die betroffene Stelle war noch etwas druckempfindlich und unbeweglich.
Sie wusste nicht, was passiert war, wo sie sich befand oder was mit Jake geschehen war. Sie hoffte inständig, es möge ihm gut gehen. Sie hatte aus dem Wohnzimmer nur Schüsse gehört, aber wusste nicht, wer sie abgeben hatte. Sie mochte sich gar nicht vorstellen, was die unbekannten Männer mit ihm angestellt hatten. Sie konnte nur auf seine Fähigkeiten vertrauen, sich zu verteidigen.
Sie setzte ihre Beine auf den Boden und wollte aufstehen, doch sie musste sich am Tisch festhalten, weil ihre Knie einknickten und sie Schwindel überkam. Sie war schwach und kraftlos und rang nach Luft. Sie fühlte sich, als hätte jemand ihr Gehirn mit Watte umhüllt.
Ihr erster Gedanke galt Jake, der nirgendwo zu sehen war. Sie war allein in einem großen Labor. Computerbildschirme flimmerten um sie herum. Irgendjemand hatte an Blutproben gearbeitet.
Auf wackligen Beinen schleppte sie sich zu einem der Computer und besah sich den Bildschirm. Als sie zu tippen begann, aktivierte sich eine Sperre, die ein Passwort erforderte und sie hatte keine Chance, irgendwelche Daten abzurufen.
„Mist", fluchte sie leise.
Verärgert wandte sie sich vom Computer ab. Die Forschungsarbeiten waren ebenfalls wenig aussagekräftig.
Sie holte tief Luft und schritt zur Tür, doch war wenig überrascht, als diese sich nicht öffnete. Sie war mit einem automatischen Schloss sicherheitsverriegelt. Sie blickte sich verzweifelt im Raum um und entdeckte schließlich einen Luftschacht.
Als Jake das Bewusstsein wieder erlangte, fühlte er sich erstaunlich gut. Er konnte ohne Probleme aufstehen und bis auf leichte Gliederschmerzen hatte er keine Schwierigkeiten, sich zu bewegen.
Er trug immer noch die Trainigshosen, in der er geschlafen hatte, und sein Oberkörper war frei. Er fröstelte.
Er befand sich in einem dunklen, kalten Raum, der schrecklich nach Chemikalien stank. Er lag auf einem metallenen Untersuchungstisch und ringsum ihn befanden sich Laborutensilien. Es erinnerte ihn mit Schrecken an seinen unfreiwilligen Aufenthalt in China, während dem man an ihm experimentiert hatte.
Verwundert betastete er seine Haut, auf der keine Spur mehr von den zahlreichen Schnittverletzungen zu sehen war, die er sich bei seinem Gefecht mit den unbekannten Männern zugezogen hatte. Auch hatte er keine blauen Flecken, wo er Schläge hatte einstecken müssen.
Seltsam, dachte er. Er konnte sich nicht von Verletzungen heilen, so wie Sherry und er konnte sich nicht vorstellen, dass er bereits solange von Zuhause fort war, dass genug Zeit bestand, dass sein Körper die Wunden von selbst geheilt hatte.
Er hatte noch eine wage Vorstellung von den Ereignissen in Sherrys Wohnung, doch dadurch, dass er das Bewusstsein verloren hatte, wusste er nicht, was mit ihm oder mit Sherry passiert war und wohin man sie verschleppt hatte.
Er war nachts aufgestanden und eine Gruppe von schwarzgekleideten Männer hatten sie überwältigt. Er war verletzt worden und hatte Schüsse aus dem Schlafzimmer gehört.
Im Flur hatten sie ihn schließlich bewusstlos geschlagen.
Wenn er die Scheißkerle erwischte, dann schwor er sich, würden sie bitter bezahlen.
Er musste Sherry finden und das so schnell wie möglich.
Sherry tastete sich langsam durch die engen Luftschächte, immer darauf bedacht, nicht zu viele Geräusch zu machen, die sie verraten könnten.
Wo es ging, warf sie einen vorsichtigen Blick nach unten auf die Gänge des Komplexes und was sie dort sah, behagte ihr überhaupt nicht. Mit Maschinengewehren bewaffnete J'avo patrouillierten. Sie konnte nichts anderes tun, als auszuharren.
Sie kannte sich nicht aus und wusste nicht, wo sie der Weg hinführen würde. Überall waren J'avo und sie hatte keine Waffe. Sie trug gerade mal Shorts und ein Top.
Sie konnte nicht mal sagen, ob sie in einem Gebäude oder womöglich unter der Erde war. Wie lange würde es dauern, bis man ihr Verschwinden aus dem Labor bemerken würde? Und wo war Jake?
Ihre einzige Chance war der D.S.O. und sie hoffte inständig, Hunnigan hätte nach ihrem verpassten Meeting jemanden zu ihr nach Hause geschickt.
Der J'avo, der vor dem Raum, in dem Jake gefangen gehalten wurde, Wache stand, war durch ein Geräusch aufmerksam geworden. Als er die Tür öffnete, wurde er von hinten durch einen Genickbruch getötet. Jake fing den Körper ab, ehe er zu Boden sacken konnte, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Er nahm ihm seine Kleidung und seine Pistole ab. Als er die Taschen der Jacke durchsuchte, fand er einen Schlüssel.
Er verließ sein Gefängnis und schlich vorsichtig und so leise es ging einen dunklen, steinernen Gang entlang. Als er um eine Ecke sah, bemerkte er eine Gruppe weiterer J'avo, die sich anscheinend im Flüsterton über irgendetwas unterhielten.
Er zielte und traf einen direkt. Der Kopf des J'avo explodierte und Blut und Hirnmasse verteilte sich auf den Steinen. Der Rest des Körpers sank leblos nach unten. Die anderen eilten sofort mit gezückten Waffen in Jakes Richtung.
Er wartete, bis sie an die Wegkreuzung kamen, dann rammte er einem seinen Ellbogen ins Gesicht. Die anderen erschraken und taumelten zurück, was Jake genug Zeit verschaffte, den nächsten mit einem Fußtritt gegen die Wand zu rammen und einem anderen eine Kugel in den Kopf zu jagen. Mit zwei gezielten Schlägen tötete er beide.
Er nahm den Weg, den die J'avos gekommen waren und passierte dutzende Labortüren, bis er schließlich in ein Treppenhaus gelangte. Beschilderung in englisch wies ihm den weiteren Weg in die oberen Stockwerke. Er war sich sicher, dass Sherry irgendwo in der Nähe sein musste.
Er war gerade dabei, eine Treppe in die oberen Labore zu nehmen, als über ihm ein Alarm ertönte.
„Achtung, Testobjekt auf Ebene 4 entkommen. Ich wiederhole, Testobjekt auf Ebene 4 entkommen. Alle Ausgänge verriegeln."
„Scheiße", murmelte Jake.
Er eilte die Treppe nach oben und fand sich in einem breiten Flur mit Labors wieder. Durch die Glaswände konnte er sehen, dass überall in gläsernen Tanks B.O.W.s ruhten. Von vorne und von hinten eilten bewaffnete J'avos auf ihn zu, die sogleich das Feuer auf ihn eröffneten.
Er rettete sich zur Seite und feuerte die letzten Kugeln aus der Waffe auf seine Angreifer. Er traf fünf J'avos, doch die Schüsse reichten nicht aus, um sie zu töten.
Der Alarm dröhnte unablässig in seinen Ohren.
„Testobjekt auf Ebene 4 entkommen. Ausgänge verriegeln."
Jake rollte sich zur Seite und landete unweit eines Aufzugschachts, als ein Kugelhagel neben ihm in die Wand einschlug. Glasscheiben zerbarsten über ihm. Die J'avos kamen auf ihn zu und es war nur eine Frage der Zeit, bis ihre Kugeln ihn treffen würden. Er hatte ihnen nichts entgegenzusetzen.
Plötzlich tauchte eine schwarz vermummte Gestalte neben ihm auf. Die nächsten Augenblicke liefen so schnell ab, dass Jake kaum realisierte, was eigentlich geschah. Die Person zog etwas unter ihrem Kapuzenmantel hervor und schleuderte es den J'avos entgegen. Ein paar wurden von der Wucht nach hinten gerissen, als sie eine Reihe von spitzen Wurfsternen genau in den Hals trafen.
Der Unbekannte suchte in einer offenen Tür Deckung, als erneut das Feuer eröffnet wurde. Gleich darauf schnellte er mit einer Geschwindigkeit hervor, sodass Jake ihm mit den Augen kaum folgen konnte. Er zog ein Schwert und wirbelte durch die Gruppe der J'avos.
Ihre Körper fielen leblos zu Boden und Blut ergoss sich in Strömen auf Fliesen und Wände.
Blitzschnell entwaffnete er einen J'avo und erledigte den Rest mit der Maschinenpistole.
„Was zur Hölle ...", murmelte Jake und starrte den Fremdem entsetzt an.
Die Gestalt kam auf ihn zu.
„Wenn du leben willst, komm mit mir." Der Unbekannte reichte Jake die Hand, um ihm aufzuhelfen. Er ergriff sie nur widerwillig.
„Wer sind Sie?", fragte Jake.
„Erklärungen folgen später", sagte der Fremde nur. „Wir müssen Sherry befreien."
Jake zögerte. „Wieso sollte ich Ihnen vertrauen?"
„Nun, ich bin sozusagen dein Onkel, Jake."
