Leon S. Kennedy 1977: Das freut mich, wenn die Actionszene gelungen ist. Das ist nämlich gar nicht so leicht zu schreiben. Alex ist auch ein cooler Typ. Er gehört definitiv zu meinen Lieblingscharakteren. :)
Das wird vorerst das letzte Kapitel sein. Wann das nächste kommt, kann ich noch nicht sagen. Ich muss noch einen Bericht für die Schule fertig schreiben und nächste Woche sind die Weihnachtsferien auch wieder vorbei. :( Ich werde mich bemühen, nicht zu viel Zeit vergehen zu lassen, dass ihr nicht gar so lange warten müsst. :)
Wesker tobte innerlich. Die blanke Wut hatte ihn erfasst.
Er war in der ausweglosesten Situation, die er sich nur hätte vorstellen können. Er war ein Gefangener der B.S.A.A. Er war Chris Redfield auf Gedeih und Verderb ausgeliefert! Und er konnte nichts dagegen tun.
Nachdem er aufgewacht war, hatte man ihm sofort Fragen zu seinem Befinden gestellt und ihn untersucht. Er war angeekelt, dass er ständig Leute um sich dulden musste und dem, was er über sich ergehen lassen musste. Die Ärzte wechselten seine Infusionen, gaben ihm Spritzen oder nahmen ihm Blut für Untersuchungen ab.
Es widerte ihn an, dass er den Ärzten hilflos ausgeliefert war, dass er die meiste Zeit an ein Bett gefesselt war und sich von fremden Menschen anfassen lassen musste.
Sein körperlicher Zustand war mehr als unzureichend. Er war die erste Zeit nicht mal in der Lage, sich länger als ein paar Augenblicke auf den Beinen zu halten und er war stark abgemagert. Wenn er seine Symptome richtig deutete und sich im Spiegel ansah, wusste er sofort, dass er mangelernährt war. Seine weißverfärbten Haare deuteten daraufhin, dass er in Cryostase geschlafen hatte.
Das schlimmste jedoch, bemerkte er erst, als es ihm etwas besser ging. Sein rechter Arm fehlte vollständig und war durch eine Prothese ersetzt worden.
Er spürte seinen Arm zwar, hatte Gefühl darin, von der Schulter bis in die Fingerspitzen, doch es war trotzdem ein fremder Körperteil, der nicht zu ihm gehörte. Er musste zugeben, dass die Prothese sehr authentisch, die Technologie sehr weit entwickelt war, sodass er keinerlei Einschränkungen bemerkte, doch das ständige Gefühl der Unvollständigkeit plagte ihn. Für seinen Geist war sein Arm präsent und besonders hart war die Situation, da Wesker Rechtshänder war.
Wie konnte das alles nur passieren? Was hatte man ihm angetan? Wie konnte man es wagen, so mit ihm umzugehen?
Es sollte ein paar Tage dauern, bis Wesker wieder so weit bei Kräften war, und nicht ständig schlafen musste, dass er zumindest aufstehen und sich etwas bewegen konnte. Die Ärzte suchten Kontakt zu ihm, wollten weitere Untersuchungen durchführen, wollten ihm etwas zu Essen aufdrängen, doch Wesker sprach nicht mit ihnen.
Sobald er stark genug war, wehrte er alle Versuche ab, sich ihm zu nähern. Er wollte niemanden in seiner Nähe haben, schon gar nicht die Leute der verhassten B.S.A.A. Die Situation war derart erniedrigend und demütigend für ihn, dass er es kaum ertrug.
Er scheuchte die Leute aus dem Raum, einmal kugelte er einer Ärztin die Schulter aus. Wenn jemand ihm ein Tablett mit Essen bringen wollte, warf er es ihnen vor die Füße. Er verspürte sowieso keinen Hunger und von denen würde er nichts annehmen, schwor er sich.
Er empfand nur Hass und Verachtung für alles um ihn und am meisten für sich, weil er sich nicht wehren konnte.
Er fühlte sich sehr unwohl in seinem Gefängnis und litt unter Stimmungsschwankungen. Er hatte großen Zorn und Wut in sich über seine Situation, was sich in Aggressionen gegenüber seiner Umwelt ausdrückte. Nicht selten musste man ihn mit Betäubungsmitteln ruhig stellen.
Dazwischen fühlte er sich so elend, dass er die Tage nur im Bett lag oder stundenlang am Fenster saß und hinausstarrte. Meist im Dunkeln, weil er sich nicht darum bemühte das Licht einzuschalten.
Müdigkeit wechselte sich mit Ruhelosigkeit ab. Er hatte Schweißausbrüche und zittrige Hände. Oft hatte er Alpträume. Immer wieder quälten ihn Bilder aus der Vergangenheit. Sie ergossen sich wie ein Sturzflut in einen Kopf und er konnte sich nichts dagegen tun. Er durchlebte andauernd den Moment seines Todes, hörte Uroborus in seinem Kopf, musste die Schmerzen ertragen. Dazu kamen Erinnerungen, die er nicht zuordnen konnte. Alles drehte sich ständig wie ein Kreisel und nicht selten hatte er das Gefühl sein Kopf müsste platzen.
Auch hatte keine Ahnung, wo er genau war und welches Jahr sie hatten. Hatte nicht Ada Wong einen Auftrag für ihn erledigen müssen? Wo war sie? Und wo war das S.T.A.R.S.- Team? Was war mit Olivia geschehen?
Warum war er hier? Was war mit ihm passiert? Was war aus Albert Wesker geworden? Warum lebte er überhaupt? Das alles war völlig unerklärlich für ihn.
Manchmal wünschte er sich, der Alptraum, in dem er gefangen war, möge einfach nur zu Ende gehen. Es möge mit ihm zu Ende gehen, dass er von dieser Schmach und Demütigung befreit wurde.
Chris, Jill und Sheva erreichten am frühen Nachmittag auf einen dringenden Anruf von Rebecca die B.S.A.A.- Hauptzentrale. Auf dem Flur der medizinischen Abteilung trafen sie die völlig aufgelöste, junge Ärztin.
„Was ist mit Wesker?", fragte Chris sofort.
„Nun ja, wir haben ein paar Probleme mit ihm", sagte Rebecca verzweifelt und deutete durch die Scheibe in das Krankenzimmer. Im nächsten Moment wurde ein Körper durch das Glas geschleudert und prallte gegen die Wand. Der junge Mann blieb reglos am Boden liegen.
Chris, Jill, Rebecca und Sheva hielten sich instinktiv schützend die Arme vors Gesicht und sprangen zur Seite, um den umherfliegenden Splittern auszuweichen.
„Der hat sie doch nicht mehr alle!", fluchte Sheva und schüttelte sich kleine Glasstückchen aus ihren Haaren. „Hat sich gar nicht verändert."
Im nächsten Moment ertönte ein Krachen und eine Ärztin wurde durch die Tür geschleudert. Sie schlitterte einige Meter auf dem Boden entlang. Die Tür war aus ihren Angeln gerissen worden. Von drinnen konnten sie Weskers tiefe Stimme wüten hören. „Dafür werdet ihr bezahlen!" Der ganze Raum schien demoliert worden zu sein. Dann kreuzten sich Weskers und Chris´ Blicke.
„Chris", knurrte der Blonde mit gefletschten Zähnen.
„Wir müssen was tun!", rief Chris sofort. In diesem Moment eilte Dr. Martin mit einem Team aus B.S.A.A.- Agenten zu ihnen. Alle trugen Betäubungsgewehre bei sich. „Rebecca, helfen Sie mir!" Er reichte auch ihr eine Waffe.
Durch das kaputte Fenster und die offene Tür schossen sie ohne zu zögern auf Wesker.
Das halbe dutzend Pfeile traf ihn am Oberkörper. Er schrie vor Schmerz auf. Sein Gesicht war vor Wut verzerrt und er wollte auf seine Angreifer losstürmen. Doch dann sah man, wie ihn seine Kräfte verließen. Er torkelte und fiel schließlich vornüber auf den Boden.
Alle atmeten erleichtert auf.
„Seht ihr, was ich gemeint habe?", sagte Rebecca. „Das war nicht das erste Mal, das so etwas vorkam." Die Glassplitter knirschten unter ihren Schuhen. „Nur diesmal war es schlimmer denn je."
Dr. Martin und die anderen kümmerten sich um den bewusstlosen Wesker, während sich Chris, Jill, Sheva und Rebecca in deren Büro begaben nachdem sie sich wieder gefangen hatten.
„Was ist mit Wesker los?", begann Jill, nachdem sie alle auf Stühlen Platz genommen hatten. „Sonderlich gut sieht er nach wie vor nicht aus."
„Das braucht noch Zeit", sagte Rebecca, die sich ein Glas Wasser zur Beruhigung einschenken musste. Ihre Hände zitterten noch. „Seine Blutwerte haben sich schon verbessert und wie man sieht, ist er wieder... putzmunter. Nichtsdestotrotz... wir haben große Probleme."
„Was genau?", fragte Chris ernst.
„Naja, zum einen baut sein Körper die Droge langsam ab und deswegen hat er Entzugserscheinungen. Außerdem meinte Dr. Martin, dass sein psychischer Zustand nicht gut ist."
„Wie meinst du das? Was ist mit ihm?"
„Dr. Martin vermutet, dass Wesker von seinem..." Sie sah jetzt zu Chris. „... Todesmoment und dem was er danach erlebt hat, traumatisiert ist. Eine Posttraumatische Belastungsreaktion. Er hat immer wieder abwechselnd depressive und aggressive Schübe und leidet unter Alpträumen und Flashbacks. Er kann nicht schlafen und weigert sich, zu essen oder mit uns zu reden. Er lässt niemanden an sich ran. Er wehrte alle Versuche ab, mit ihm zu sprechen oder ihn zu untersuchen, dabei wäre genau das wichtig. Ich schätze, er fühlt sich ziemlich unwohl hier. Wir mussten ihn schon zum wiederholten Male ruhigstellen und Schlafmittel verabreichen, dass er überhaupt mal zur Ruhe kommt. Unsere größte Sorge ist aber, dass er nichts essen möchte. Er ist immer noch unterernährt. Das geht so nicht weiter, das ist auf Dauer keine Lösung. Er hat sich schon zwei Mal auf die Betäubungsmittel übergeben müssen. Das schwächt ihn natürlich noch mehr. Manchmal sitzt er den ganzen Tag nur am Fenster und starrt hinaus."
„Wie hat er auf seinen Arm reagiert?", fragte Sheva. „Weiß er, dass das Uroborus war?"
Rebecca seufzte und schüttelte den Kopf Sie wirkte erschöpft.
„Ich denke nicht. Als wir ihn untersucht haben, ist er ziemlich aggressiv auf eine Ärztin losgegangen und hat uns beschuldigt, dass wir das mit ihm gemacht hätten. Er weiß praktisch gar nichts. Ich bin mir nicht mal sicher, ob er weiß, wo er ist oder ob er mich erkannt hat."
„Fuck, na großartig", murmelte Chris.
„Er bringt andauernd die Zeiten durcheinander", fuhr Rebecca fort. „Mal redet er von einer Ada Wong, dann ist er in der S.T.A.R.S.- Zeit, ein anderes Mal will er Jill gegen Chris benutzen und dann redet er von Rache an Chris. Er ist... wenn ich das bemerken darf... ziemlich am Boden. Wenn ich daran denke, wie er früher war... es ist... fast beängstigend, Albert Wesker in diesem Zustand zu sehen."
„Habt ihr mittlerweile irgendwelche Anhaltspunkte darauf, wer ihm das angetan haben könnte?", wollte Jill hoffnungsvoll wissen, doch Rebecca musste sie enttäuschen.
„Keine Spur. Wir wissen auch nicht, wer seinen Arm ersetzt hat. Wir haben keine Informationen darüber, dass irgendjemand in der Lage wäre, so eine hochentwickelte Technologie herzustellen."
Betretenes Schweigen entstand. Chris stand auf und schritt durch den Raum.
„Was soll mit ihm passieren?", durchbrach er schließlich die Stille. „Wie soll es weitergehen?"
„Von medizinischer Seite gesprochen, müssen wir erst mal sicherstellen, dass sich sein körperlicher Zustand verbessert. Und er muss jetzt zwangsläufig in ein anderes Zimmer umziehen", sagte Rebecca schmunzelnd. „Wir werden auch die Sicherheitsvorkehrungen ein bisschen verschärfen müssen. Alles andere natürlich... das liegt nicht in unserer Hand. Früher oder später aber... müssen wir in den sauren Apfel beißen und mit ihm reden, da führt kein Weg dran vorbei."
Alle drei nickten. „Nur wenn er sich so verhält wie eben gerade...", warf Sheva ein. „...dürfte das ein Ding der Unmöglichkeit werden."
„Wir brauchen irgendjemanden, der... es schafft, zu ihm durchzudringen. Nur sollte es vielleicht jemand sein, der ihm nicht gerade zwei Raketenwerfer ins Gesicht gefeuert hat. Ihr habt ja gesehen, wie er immer noch auf Chris fixiert ist."
„Ich könnte es tun", schlug Jill vor. „Er hat mich als erstes erkannt. Ich habe es geschafft, dass er sich allein von der Droge befreit hat."
„Das ist zu gefährlich, Jill. Du warst damals auch dabei. Wir lassen uns etwas einfallen", sagte Chris mit Entschiedenheit, auch wenn er insgeheim ratlos war.
„Das wird echt schwierig werden", seufzte Rebecca.
In diesem Moment öffnete sich vorsichtig die Tür und Helena Harper betrat das Büro.
„Agent Harper, was machen Sie hier?", fragte Chris verwundert.
„Hier sind Sie. Ich hatte mir ein paar Akten ausgeliehen und habe sie gerade zurückgebracht. Akten über Wesker", fügte sie erklärend hinzu auf die fragenden Blicke.
„Wofür?"
„Ich bin die einzige, die nichts über diesen Fall weiß, also hat mir O´Brian ein wenig Informationsmaterial zukommen lassen, sodass ich auf ihrem Stand bin."
„Verstehe."
„Und ich hörte, dass es Probleme mit Albert Wesker gibt."
„In der Tat", sagte Chris mit viel Bitterkeit in der Stimme. „Er führt sich auf wie ein Kleinkind."
„Ich schätze mal, dass dürfen Sie ihm nicht übel nehmen", entgegnete Helena. „Versetzen Sie sich mal in seine Lage hinein. Er wird sich nicht gerade wohlfühlen, als Gefangener der B.S.A.A."
„Unwohl deswegen kann er sich ja fühlen, aber das Problem ist", sagte Jill missmutig. „Wir müssen mit ihm reden, dringend, aber er lässt niemanden an sich heran. Uns natürlich erst recht nicht wegen unserer gemeinsamen Vergangenheit."
„Und er muss dringend etwas zu sich nehmen", sagte Rebecca ernst. „Er muss etwas Essen, das ist die Hauptsache."
Helena überlegte einen Moment. „Wie wäre es, wenn ich mit ihm rede?"
„Nein, Agent Harper, das geht nicht...", sagte Chris sofort entschieden, doch Helena ließ sich nicht beirren.
„Wieso nicht? Sie können nicht mit ihm reden, das steht schon mal fest, nachdem, was in Afrika passiert ist. Mich kennt er aber nicht und ich kenne ihn nicht. Ich bin sozusagen eine neutrale Außenstehende. Ich könnte vielleicht mehr erreichen als Sie."
„Einen Versuch wäre es wert, Chris", sagte Jill. „Es hilft ja nichts."
„Irgendein armer Tropf muss sich finden", sagte Helena lächelnd. „Und ich erkläre mich bereit, es zu versuchen."
Chris seufzte. „Wir müssen das mit oben absprechen, aber bitte." Er hob resignierend die Arme. „Wenn es uns weiterhilft, versuchen wir es einfach."
„Hat der D.S.O. bereits Nachricht von Jake Muller und Sherry Birkin erhalten?", fragte Jill.
„Bislang leider Fehlanzeige", sagte Helena.
„Wie lang sind sie jetzt weg?"
„Fast fünf Tage. Und wir haben nicht den geringsten Anhaltspunkt, wo sie sein könnten oder was mit ihnen passiert ist. Wir wissen auch nicht, warum man sie entführt hat. Unsere Leute arbeiten Tag und Nacht, aber... keine Chance."
„Fünf Tage?!" Jake starrte Alex fassungslos an.
Jake, Sherry und Alex Wesker kämpften sich zusammen ihren Weg durch Kälte und Schnee, um den Hangar zu erreichen, von wo aus sie endlich nach Hause zurückfliegen konnten. Alle waren durchgefroren und an ihren Haaren hatten sich Eisklumpen gebildet. Sie kamen zu Fuß nur mühselig voran, nachdem sie ihre Fahrzeuge durch die Lawine verloren hatten. Alex Wesker war zumindest so umsichtig gewesen und hatte ihnen seinen Mantel geliehen.
„Ja. Ihr wurdet vier Tage in der Anlage festgehalten. Wart aber die ganze Zeit bewusstlos."
„Warum haben Sie uns nicht früher geholfen?", fragte Sherry misstrauisch.
„Nun ja, ihr habt ja gesehen, dass die Anlage sehr gut gesichert ist. Ich hatte euch in einem Schneesturm verloren und habe einige Tage gebraucht, um in die Anlage reinzukommen. Ich musste mich erst in den Zentralrechner einhacken, damit ich Zugriff auf die Überwachungskameras und die Zugangsdaten hatte. Ich habe für Notfälle alle Passcodes heruntergeladen."
„Wie sind sie dann reingekommen?", fragte Jake.
„Die Anlage hat drei Eingänge. Der, durch den wir raus sind, das ist normalerweise der Zugang für die Leute, die dort arbeiten. Versuchsobjekte und sonstiges wird weiter westlich hineingebracht. Auf der Rückseite des Berges gibt es über das Kraftwerk noch einen Eingang."
„Kraftwerk?"
„Ja. Dort ist ein Stausee und ein Kraftwerk, das die Anlage mit Strom versorgt. Nachdem der vordere Eingang vor zwei Tagen verschüttet wurde und die J´avos ihn erst freischaufeln mussten, blieb mir nichts anderes übrig, als erst das Gebirge zu überqueren, um auf die andere Seite zu kommen. Ich habe die Leute da drin ein bisschen an der Nase herumgeführt. Ich habe zuerst den Strom abgedreht und etwas später einen falschen Feueralarm ausgelöst. Durch die Überwachungskameras habe ich gesehen, wo sie euch hingebracht haben. Ihr wart in den Laboren, wo man euch untersucht hat. Ich habe deine Verletzungen versorgt, Jake. Du warst in einem nicht gerade guten Zustand."
„Das waren Sie? Wie haben Sie das gemacht? So schnell konnten meine Verletzungen gar nicht heilen!"
„Ich habe dir etwas gespritzt, Jake. Keine Sorge, es ist harmlos. Dein Körper baut das Mittel ab. Es beschleunigt die Heilung."
„Verstehe", sagte Jake. Er hatte tausend Fragen und die Situation erschien ihm surreal. Ein Mann, der sich für einen engen Freund seines Vaters ausgab und auch den selben Nachnamen trug, rettete ihm und Sherry das Leben. Er wollte so viel wissen, so viel fragen, doch er wusste, dass es jetzt nicht der richtige Moment dafür war. Alex hatte ihnen bereits vor einiger Zeit gesagt, dass er ihnen die ganze Geschichte erst erzählen würde, wenn sie zurück in Washington waren. Jake musste sich also gedulden. Er schluckte Fragen nach seinem Vater und alles andere, das ihn interessierte vorerst hinunter und stellte stattdessen die naheliegendste Frage. „Wissen Sie, warum man uns entführt hat? Und vor allem, wer das getan hat?"
„Ich wünschte, ich hätte auf diese Frage eine Antwort", sagte Alex. „Ich bin genauso ratlos wie ihr."
„Ist es noch weit, bis zum Flugplatz? Ich kann langsam nicht mehr weiter", sagte Sherry und musste pausieren. Sie sank im Schnee auf die Knie.
„Hey, alles klar?", fragte Jake, der sofort zu ihr eilte und ihr aufhalf.
„Wir müssen noch durchhalten", sagte Alex. „Es ist vielleicht noch ein Kilometer. Und wir sollten uns beeilen, weil es langsam dunkel wird."
Sherry stemmte sich so gut es ging hoch und sie gingen weiter. Sie durchquerten weiter zugeschneite Wälder.
„Mr. Wesker?"
„Lassen wir doch die Förmlichkeiten. Für euch Alex. Alles andere macht mich alt. Und der Name Wesker ist sowieso ein schwieriges Thema."
„OK", sagte Sherry. „Also, Alex. Wissen Sie, wer die beiden Mädchen waren, die neben Piers Nivans festgehalten wurden?"
Alex hielt einen Moment inne und musterte Sherry. Er schien mit sich zu ringen. „Nun ja, ich sagte ja bereits, dass wir uns Details... für später aufheben. Ich weiß nur so viel. Sie werden ebenfalls als Versuchsobjekte festgehalten. Genau wie der B.S.A.A.- Agent."
„Warum haben wir ihnen nicht geholfen?", fragte Jake. Er stützte Sherry, während sie gingen. „Wir haben sie einfach zurückgelassen."
„Euch zu retten, war erst mal wichtiger. Und außerdem war es schon für uns drei schwierig genug. Wie hätten wir sie da rausschaffen sollen? Das wäre unmöglich geworden. Ich denke, sobald wir zurücksind und die Regierung und die B.S.A.A. Bescheid wissen, wird man mit einem Trupp hierher zurückkommen und sie befreien."
„Sie haben etwas über eine „Faith" gesagt", bemerkte Sherry. „Sie wird im Computer dort als Projekt bezeichnet. War das.. eines der Mädchen?"
Alex schien sich plötzlich sehr unwohl zu fühlen. „Ich glaube schon", sagte er kurz angebunden. „Ich habe mir die Dateien im Computer nicht ansehen können, von daher..."
Jake beschlich der Eindruck, dass Alex ihnen in diesem Punkt nicht die Wahrheit erzählte. Er druckste plötzlich herum und das Thema schien ihm sehr unangenehm zu sein. Auch glaubte er Niedergeschlagenheit bei Alex wahrnehmen zu können, als dieser sagte, dass es besser gewesen sei, die Gefangenen zurückzulassen. Was verbarg er?
„Sie kannten sich in der Anlage sehr gut aus, oder?", bemerkte er. „Wie kommt das?"
„Ich habe hier ein paar Jahre meines Lebens verbracht. Ich kenne die Anlage praktisch wie meine Westentasche."
„Sie haben für Umbrella gearbeitet?"
„Genau wie dein Vater, Jake. Ich unterstand ebenfalls Oswell E. Spencer, dem Gründer der Firma. Sherry sollte damit etwas anfangen können. Immerhin war ihr Vater ja mit dem deinen eng vertraut."
Jake und Sherry sahen sich nur an, sagten aber beide nichts. Sherry wusste nicht recht, wie sie Alex Wesker einordnen sollte und sie betrachtete ihn mit großer Skepsis und Misstrauen. Seine freundliche, hilfsbereite Art war ihr nicht geheuer. Wenn sie sich an Albert Wesker zurückerinnerte und wie er sich verhalten hatte, war die Vorstellung, dass die beiden sich so ähnlich waren und sogar zusammen aufgewachsen waren, sehr schwer zu glauben. Sie waren völlig unterschiedliche Persönlichkeiten. Sie merkte Jake an, dass er vor Neugier brannte. Wer konnte es ihm verübeln? Die Aussicht, jemanden getroffen zu haben, der seinen Vater kannte und ihm vermutlich andere Dinge über ihn erzählen konnte, als Chris Redfield, war verständlicherweise verlockend. Sie hoffte nur, Jake möge trotzdem vorsichtig sein und sich nicht täuschen lassen.
„Was ist das für ein Gerät an Ihrem Arm, Alex? Was hat das zu bedeuten?"
„Tja, jeder hat so seine Gebrechen. Ich muss meine Blutwerte regelmäßig kontrollieren und dafür habe ich das Gerät entwickelt. Es ist immer mit meinem Körper verbunden und meldet sich, sobald etwas nicht in Ordnung ist."
„Und dieses... „Heil- Ding"?", fragte Jake. „Sie sind doch nicht so geboren, oder?"
„Nein, bin ich tatsächlich nicht. Aber diese Geschichte heben wir uns für später auf. Da vorne ist es."
Alex deutete in einiger Entfernung auf eine kleine Hütte.
