Leon S. Kennedy: Dann bin ich mal gespannt, ob deine Vermutung richtig ist. :) Alex ist ein cooler Typ. Ich sehe ihn von seiner Art her so ein bisschen als das genaue Gegenteil von Albert Wesker.
In diesem Kapitel passiert leider nichts Aufregendes. :( Dieses und das nächste sind eher Übergangskapitel, die uns zu den nachfolgenden Ereignissen führen werden.
Wegen meinem neuen Word- Programm muss ich jetzt Copy & Paste machen. :( Also entschuldigt bitte eventuelle Layout- Fehler.
„Also Mr. Wesker", sagte Hunnigan und nahm wieder gegenüber Alex am Tisch Platz. Sie war diesmal allein ohne Benton gekommen. „Reden wir."
Alex rührte sich nicht.
„Über Alaska und die Entführung."
Er verstand sofort. Sie hatten sich auf seine Forderung eingelassen.
„Eine Gruppe maskierter und bewaffneter Männer hat Sherry Birkin und Jake Muller in ihrer Wohnung überfallen. Ich bin ihnen nach Alaska gefolgt und habe sie dort aus der Anlage befreit."
„Wie genau haben Sie das angestellt?"
„Ich habe mich zuerst in den Zentralrechner eingehackt. Die Anlage in Alaska ist eine Hochsicherheitsfestung. Sie kann nur von innen geöffnet werden. Gewaltsames Eindringen hätte nicht nur die J´avo auf den Plan gerufen, sondern unter Umständen den Selbstzerstörungsmechanismus aktiviert. Ich musste also mit äußerster Vorsichtig vorgehen, deshalb hat mich das ganze Unternehmen gute zwei Tage gekostet. Als ich drin war, habe ich mich einige Zeit versteckt, bis sich die Gelegenheit bot, die beiden zu befreien. Wir mussten uns durch Horden Infizierter kämpfen, aber schließlich konnten wir aus der Anlage fliehen und mit einem Flugzeug hierherkommen."
„Sie müssen mir schon die Frage erlauben, Mr. Wesker, wie es kommt, dass ausgerechnet Sie Agent Birkin und Jake Muller gerettet haben. Und woher wussten Sie überhaupt von Jake und wo die beiden zu finden sind?", fragte Hunnigan.
„Ich bedauere, aber auf diese Frage kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt keine Antwort geben", sagte Alex entschieden. „Außerdem würden Sie die Zusammenhänge gar nicht begreifen. Ich liefere Ihnen alles, was Sie wollen, wenn wir in Alaska waren, aber vorher würden Sie es auch gar nicht verstehen."
Sie sahen sich für einen Moment an. Hunnigan schien mit sich zu ringen. Wahrscheinlich hatte sie genau wie er in einen sauren Apfel beißen müssen, um nachzugeben. Ganz zu schweigen von ihrem Vorgesetzten, den sie hatte überzeugen müssen. Alex wusste, dass er die Geduld des D.S.O. nicht unendlich ausreizen konnte, aber er musste jetzt hart bleiben und seine Interessen durchsetzen. Ihr Leben hing davon ab. Er verschwendete sowieso bereits zu viel Zeit und musste sich beeilen.
„OK", sagte Hunnigan schließlich und rückte ihre Brille zurecht. „Meinetwegen überspringen wir das Ganze. Uns bleibt ja zwangsläufig nichts anderes übrig, als Ihnen zu vertrauen. Was haben Sie jetzt vor? Was gedenken Sie zu tun?"
„Wir müssen zurück zu der Anlage und die Gefangenen befreien", sagte Alex. „Ich werde Sie da reinbringen. Ich liefere Ihnen alles, was Sie brauchen. Pläne aller Etagen, damit sich Ihre Leute richtig vorbereiten können. Nur wir müssen sofort anfangen. Wir hätten besser gestern mit der Arbeit begonnen! Die Zeit drängt!"
„Alles klar, wie werden Sie vorgehen? Wie haben Sie es beim ersten Mal angestellt?"
„Ich habe mich wie schon gesagt in das System dort eingehackt, doch ich fürchte, das wird diesmal etwas schwieriger werden. Sie werden die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärft haben. Es wird Tage in Anspruch nehmen. Das System knacken kann ich erst, wenn wir in Alaska sind."
Hunnigan seufzte. „Was werden Sie dafür brauchen?"
„Den besten Computer, den Sie haben."
Leon schenkte sich gerade ein Mineralwasser aus der Minibar seines Hotelzimmers ein, als sein Handy klingelte. Ada war nebenan im Badezimmer und duschte.
„Ja, Kennedy."
„Leon, hier ist Chris."
„Chris? Warum rufst du an?"
„Ich nehme mal an, dass dich Hunnigan schon informiert hat."
Leon wusste sofort, was der B.S.A.A.- Agent meinte. „Ja. Sie hat mir heute Morgen schon alles gesagt. Ich kann das alles gar nicht glauben. Zwei von denen. Ich hab vor Schreck meine Kaffeetasse fallen lassen."
„Bei mir war es etwas mehr als die Kaffeetasse", sagte Chris.
„Hunnigan hat aber gesagt, dass uns dieser Alex hilft. Ich bin da skeptisch, aber… So wie es aussieht, müssen wir ihm wohl vertrauen. Er hat uns immerhin die Information gegeben, dass Nivans noch am Leben ist. Und er hat Sherry und Jake das Leben gerettet."
„Ja. Trotzdem traue ich ihm keinen Deut über den Weg."
„Hattest du eine Ahnung, dass es noch mehr Wesker gibt?", fragte Leon.
„Nur eine leise und ich gebe zu, dass ich diesen Gedanken beiseitegeschoben habe. Jill und ich haben damals im alten Spencer- Anwesen in Europa ein paar Tagebucheinträge gefunden, in denen von einem Alex die Rede war. Aber wir hätten uns nie und nimmer träumen lassen, dass wir ihm eines Tages begegnen würden. Wir wissen nicht viel über diese Geschichte mit dem Projekt Wesker. Vielleicht klärt uns dieser Alex ja mal darüber auf."
„Hoffentlich bringt er generell mal ein bisschen Licht ins Dunkel", meinte Leon. „Hunnigan hat angedeutet, dass er die Vorfälle in Südamerika aufklären kann. Ich traue der ganzen Sache zwar nicht, aber warten wir es ab. Er ist unsere einzige Hoffnung, so wie es aussieht, oder ist aus dem anderen Wesker irgendwas rauszuholen? Habt ihr immer noch so große Probleme mit ihm? Ich habe von Helena gehört, dass sie etwas erreichen konnte."
„Zumindest isst er und es geht ihm besser, aber ich fürchte, er wird uns kaum weiterhelfen können. Dr. Martin sagt, dass er immer noch Erinnerungslücken hat. Wenigstens attackiert er unsere Leute jetzt nicht mehr. Ich weiß nicht, was Helena zu ihm gesagt hat, aber er verhält sich jetzt allmählich zivilisierter uns gegenüber. Aber… wenn man ihn manchmal so sieht… er sieht aus wie ein Panther im Käfig, bereit zum Sprung."
„Wenn es ihm besser geht, müsst ihr aufpassen. Er kalkuliert wahrscheinlich schon seine Fluchtmöglichkeiten durch", warnte Leon.
„Schon klar. Ich hoffe, wir können Piers da heil rausholen."
„Ja. Sherry hat gesagt, er lebt Chris, das ist alles, was zählt. In ein paar Tagen brechen wir auf. Dann befreien wir ihn."
Eine Pause trat am anderen Ende ein. „Ja. Wir sehen uns dann bei dem Einsatz."
Sie verabschiedeten sich und Leon legte auf.
Ada kam in diesem Moment aus dem Bad. Sie hatte ein Handtuch um ihren Körper gewickelt und trocknete sich gerade die Haare.
„Wer war denn das?", hauchte sie lasziv und setzte sich zu ihm auf das Bett. Die Decken waren noch von ihrer Nacht davor durcheinander.
„Chris. In ein paar Tagen müssen wir nach Alaska fliegen."
Leon hatte Ada von den neuen Ereignissen erzählt. Er wusste, dass er ihr seine Arbeit nicht verschweigen musste und konnte. Sie war als international tätige Agentin bestens über Geschehnisse informiert. Es ergab also wenig Sinne, aus den momentanen Umständen ein Geheimnis zu machen. Ada würde sowieso von allem erfahren und er hatte ihr auch mit der Absicht alles erzählt, um von ihr vielleicht nützliche Informationen zu erhalten, die sie weiterbringen würden. Immerhin hatte sie ihm alles über die Familie berichtet, was er ohne sie niemals erfahren hätte.
Sie nickte zum Zeichen, dass sie verstanden hatte.
„Hast du schon mal von Alex gehört… als du noch mit Wesker zusammengearbeitet hast, meine ich?", fragte er dann vorsichtig. Adas und Weskers Vergangenheit war für Leon ein heikles Thema, nachdem ihm Ada eröffnet hatte, dass die beiden ein Verhältnis gehabt hatten. Er vermied es nach Möglichkeit, den verhassten Mann zu erwähnen.
Zwischen Leon und Wesker gab es nicht die offene Feindschaft wie zwischen Wesker und Chris Redfield, dennoch verachtete Leon ihn genauso.
Es war 1999 gewesen, gerade mal ein halbes Jahr nach Raccoon City. Sherry war in Gewahrsam der Regierung und musste aufgrund des G- Virus in ihrem Körper allerhand Untersuchungen über sich ergehen lassen. Sie trauerte um ihre Eltern und war dabei, die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten. Leon, der damals gerade in den Dienst der Regierung getreten war, hatte sich einen freien Tag erkämpft, um Sherry endlich besuchen zu können. Er hatte sich vorgenommen, sie aufzumuntern. Ihr Geburtstag war gewesen und er hatte ein Geschenk für sie dabei gehabt, das er ihr geben wollte.
Allerdings hatte sich nicht nur Leon diesen besagten Tag ausgesucht, um Sherry einen Besuch abzustatten, sondern auch Wesker. Wesker hatte Sherry entführen wollen und der Tag war mit sechs Toten zu Ende gegangen. Leon, der sich Wesker in den Weg gestellt hatte, um Sherry zu beschützen, war mit einem Messer in den Rippen im Krankenhaus gelandet. Einzig Positives war die vereitelte Entführung. Seitdem hegte auch Leon nicht gerade Sympathien für den blonden Ex- S.T.A.R.S.- Captain.
„Wesker hat nur einmal eine Person aus seiner Kindheit und Jugend erwähnt, mit der er aufgewachsen ist. Ich denke, dass er diesen Alex damit gemeint hat", sagte Ada. „Ich kenne diese Person aber nicht und habe sie noch nie gesehen."
„Er hilft uns angeblich. Und er hat wohl Informationen über Südamerika. So wie Hunnigan es ausgedrückt hat, kann er uns sagen, was dort passiert ist. Er hat Sherry und Jake gerettet."
„Albert Wesker hat auch Jill Valentine das Leben gerettet, aber zu welchem Zweck?", warf Ada ein.
„Das ist natürlich wahr."
Ada erhob sich und legte ihr Handtuch ab, um in einen weißen Bademantel zu schlüpfen. Leon betrachtete ihren makellosen Körper. Er wusste, dass sie sich bald wieder trennen mussten und er sie für einige Zeit entbehren musste. War sie erstmal weg, bestand ihre einzige Verbindung in einem Mobiltelefon und einer Nummer. Er wusste nicht, wohin sie ging, was sie tat, ob es ihr gutging oder ob sie nicht vielleicht für gegnerische Seiten arbeiteten.
Die Zeit bis zu ihrem nächsten Treffen und die Heimlichtuerei dazwischen trieben ihn in den Wahnsinn. Er wollte nichts sehnlicher als endlich ein normales Leben mit Ada. Doch dies war ihm verwehrt.
„Habt ihr schon Hinweise darauf, wer Wesker in Südamerika festgehalten hat?", fragte Ada.
Leon wurde durch ihre Frage aus seinen Gedanken gerissen und schrak hoch. Er schüttelte den Kopf.
„Nein, keine Spur. Wir wissen eigentlich gar nichts. Claire hat bei ihrer Mission in Russland von dieser Frau, Laura Yamamoto, nur den Namen „M" gehört, was auch immer das zu bedeuten hat."
„ „M" sagst du?", fragte Ada.
„Ja, hast du eine Ahnung, wer das ist?", fragte Leon sofort hoffnungsvoll.
„Nein", sagte Ada. „Keine Ahnung. Klingt sehr kryptisch. Aber ich kann mich ja mal umhören."
„Wir sind auf alles angewiesen, was uns irgendwie weiterbringen könnte."
„Wie hieß die Frau, sagst du? Laura Yamamoto?"
„Ja. Sag dir der Name was?"
„Allerdings, also vorausgesetzt, es ist die Laura Yamamoto, die ich meine. Soweit ich weiß besaß ihr Vater ein sehr großes erfolgreiches Unternehmen. Mittlerweile hat allerdings der Sohn seines Bruders übernommen."
„Tatsächlich? Was für ein Unternehmen? Doch kein Pharmariese, oder?"
„Es hat mit der Pharmabranche gar nichts zu tun", erklärte Ada. „Ihre Firma heißt AquaSystemTex. Sie sind in der privaten Wasserwirtschaft tätig."
„Super", meinte Leon schmunzelnd. „Das hat uns jetzt weitergebracht."
„Dir kann man es auch nicht recht machen", sagte sie gespielt beleidigt.
Sie trat zum Bett und setzte sich auf seinen Schoß. „Wir haben noch etwas Zeit, bevor ich gehen muss. Nutzen wir sie ausgiebig."
Wesker fühlte sich besser, um nicht zu sagen, viel besser. Er aß regelmäßige drei Mahlzeiten am Tag und nahm alles ohne Kommentar an, was ihm die B.S.A.A.- Leute gaben. Er ließ es fortan sogar zu, dass man ihm Blut zur Kontrolle abnahm oder Nährstoffinfusionen verabreichte.
Sein physischer und psychischer Zustand verbesserte sich schon nach kurzer Zeit. Er hatte wieder mehr Energie und der Virus in seinem Körper begann wieder richtig zu arbeiten. Seine Haare wurden allmählich wieder dunkler und blonder und er bekam wieder eine gesündere Gesichtsfarbe. Er war zumindest kein blasses Gespenst mehr.
Von Tag zu Tag wurde er kräftiger. Er schaffte es sogar, mit ein paar einfachen Übungen zu beginnen.
Er machte Liegestütze und missbrauchte den Türrahmen, um Klimmzüge daran zu machen. Seine Muskeln schmerzten und brannten, aber er biss die Zähne zusammen. Nach nur wenigen Tagen spürte er schon, wie sich seine Statur veränderte. Seine Schultern wurden breiter und die Muskeln größer. Er wirkte allgemein gesünder und er wusste, dass es mithilfe des Virus nur ein paar Wochen dauern würde, bis er wieder seine alte Kraft und Form zurückerlangen würde.
Er war froh, sich durch das Training beschäftigen zu können, denn seine Gefangenschaft und die Tatsache, dass er in einem kleinen Raum eingesperrt war, ödeten ihn an. Jetzt, wo es ihm besser ging und er nicht mehr ständig schlafen musste, wusste er kaum, was er mit sich und seiner Zeit anfangen sollte. Er war unruhig und fühlte sich manchmal wie ein Raubtier in einem Käfig.
Ab und zu, wenn er trainierte oder in seinem Zimmer auf und ablief, bemerkte er die junge Frau, die ein paar Tage zuvor mit ihm gesprochen hatte. Sie stand an der Scheibe und beobachtete ihn. Wesker ignorierte sie und kümmerte sich nicht weiter um sie.
Mit seiner künstlichen Hand kam er indes überraschend gut zurecht. Er hatte dieselbe Kraft wie links und stellte kaum Unterschiede fest. Einzig Feinmotorik blieb ihm verwehrt. Einen Stift zu halten und zu schreiben fiel ihm sehr schwer und eine Tastatur oder etwas dergleichen zu bedienen war vermutlich auch nicht möglich. Was er nicht konnte, erledigte er etwas unbeholfen mit links.
Er fragte sich immer noch, was mit seinem Arm passiert war und wer ihm diese hochentwickelte Prothese angefertigt hatte. Die B.S.A.A. auf keinen Fall, das schloss er inzwischen kategorisch aus. Aber wer dann? Er konnte sich keinen Reim darauf machen und er hatte immer noch große Probleme mit seinem Gedächtnis.
Immer wieder ermahnte er sich zu Geduld und Umsicht. Er musste sich zusammenreißen. Früher oder später, das wusste er mit Sicherheit, war seine Zeit gekommen. Dann würde sich alles klären.
O´Brian, der Leiter der B.S.A.A., trat einmal an ihn heran, um mit ihm zu reden, doch Wesker setzte sogleich seinen Plan in die Tat um und verwies darauf, dass er nur mit Agent Helena Harper sprechen würde.
In seinen Zwanzigern hatte Alex Wesker eine Frau kennengelernt, die ihm auf ewig in Erinnerung bleiben sollte.
Er war von Spencer angeheuert worden, in einem Umbrella- Labor in Kalifornien zu arbeiten und genau dort war er ihr eines Tages in der Caféteria begegnet: Tyra. Sie war gerade mal 17 Jahre alt gewesen, praktisch noch ein Kind.
Tyra war ein Mathematikgenie und als Informatikerin für Umbrella tätig gewesen, ein Computerfreak, der zweifelsohne seinesgleichen suchte. Mit 13 hatte sie sich bereits zum ersten Mal Zutritt zum Zentralrechner der CIA verschafft, im Jahr darauf zu dem der NASA. Bereits als Teenager hatte sie so gut wie jedes Verbrechen im Zusammenhang mit Hacking begangen, das überhaupt bekannt war.
Alex hatten vor allem ihr Wesen und ihr analytisches Denken fasziniert. Sie plante perfide, analysierte scharfsinnig und schlug im richtigen Moment zu. Außerdem machte sie keine Kompromisse. Ihr erstes Mal hatte auf einem Labortisch stattgefunden. Sie hatte ihn verführt.
Ihre Freizeit pflegte sie vor Computern zu verbringen. Mal eben die Regierung, das FBI oder sonst irgendeine Organisation auszuspionieren war Tyras gängige Art, ihre Freizeit zu verbringen.
Sie hatte ihm alles beigebracht, was er heute konnte: Passwörter und Codes knacken, Spionageprogramme schreiben, Sicherheitssysteme umgehen, ja sogar die ultimative Zerstörung.
Er hatte sie einmal gefragt, was sie damit bezweckte, sich Zugang zu Daten zu verschaffen, die sie weder brauchte noch nutzte und sie hatte ihm gelassen geantwortet: „Wissen ist Macht, Alex. Es geht nicht darum, die Daten zu brauchen. Was zählt ist, dass wir es können. Wir sind Hacker, wir beobachten, aber wir zerstören nicht."
Ihre Affäre hielt acht Monate, dann verschwand Tyra eines Tages spurlos. Sie sollten sich nie wieder sehen.
Beobachten, das tat auch Alex dieser Tage pausenlos. Drei Tage schon starrte er unentwegt auf einen Computerbildschirm und verfolgte, was in der Anlage in Alaska vor sich ging. Er lieferte dem D.S.O. auf diese Weise detaillierte Lagepläne und Informationen, was sie dort erwarten würde. Ein Team war bereits in Vorbereitung, die B.S.A.A. war über die neuen Entwicklungen informiert worden. Schon bald würden sie Richtung Norden aufbrechen.
Sobald sie in Alaska ankamen, würde Alex einen erneuten Hackangriff starten, um ihnen Zugang zur Anlage zu verschaffen. Er stand jedoch diesmal vor einem nicht unwesentlichen Problem.
Nach seinem ersten Hackangriff und seinem gewaltsamen Eindringen in die Forschungsstation waren die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärft worden. Alle Codes und Passwörter waren automatisch geändert worden. Alex musste mit mehr Bedacht und Vorsicht vorgehen, um kein Aufsehen zu erregen und ihr Vorhaben nicht zu gefährden. Er konnte es sich nicht erlauben, dass er jetzt, so kurz vor dem Ziel, einen Fehler machte.
Er musste sich zusammenreißen und seine wachsende Ungeduld und Angst unterdrücken. Andernfalls würde er noch wahnsinnig werden und den Verstand zu verlieren war das letzte, das er jetzt brauchen konnte.
Es war der vierte Tag ihrer Vorbereitungen. Die Teams standen bereit und sie waren kurz vor Aufbruch, um sich mit dem Team der B.S.A.A. zu treffen. Alex hatte sich ins Labor eingeschaltet und beobachtete die drei Wassertanks, in denen Piers Nivans und die beiden Mädchen ruhten. Sein Blick war auf den mittleren Tank gerichtet, in dem sich Projekt „Faith" befand. Tausende Kilometer lagen zwischen ihnen, doch durch die Kamera waren sie sich für kurze Zeit nah und miteinander verbunden. Es war fast, als wäre das Mädchen greifbar für ihn.
„Es dauert nicht mehr lange, dann bin ich bei dir", sagte Alex leise, während er gedankenverloren auf den Bildschirm sah. Er schluckte seine neuaufkommende Unruhe hinunter und sagte sich, dass sich bald alles zum Guten wenden würde. Er hatte immerhin die Unterstützung einer Regierungstruppe an seiner Seite und war nicht mehr auf sich allein gestellt. Er musste sich nur noch ein bisschen gedulden.
Auf einmal jedoch verschwand das Bild der Überwachungskameras. Alex schrak auf und tippte auf der Tastatur.
„Was zum Teufel?", sagte er alarmiert.
Der Bildschirm wurde schwarz und eine Meldung erschien:
„Notfallsystem aktiviert. Sicherheitsvorkehrungen treffen. Automatische Abriegelung eingeleitet."
„Nein, nein, nein, nein, NEIN!", fluchte Alex laut. Irgendetwas hatte ihn geradewegs aus dem System geworfen. Er tippte weiter, um der plötzlichen Sicherheitswarnung auf den Grund zu gehen, doch was er dann sah, ließ all seine Hoffnungen mit einem Mal zusammenbrechen.
Die Red Queen hatte sich eingeschalten.
„Das darf einfach nicht wahr sein!", schimpfte Alex verärgert.
Er hatte eben Benton und Hunnigan Bericht erstattet, was passiert war. Und Benton war schon wieder dabei, ihn auf die Palme zu bringen.
„Sie verstehen das nicht! Die Red Queen wurde aktiviert! Das ist ein modernes Gefahrenabwehrsystem, das Umbrella für Notfälle entwickelt hat. Irgendetwas ist in der Anlage passiert!"
„Ich dachte, Sie sagten, Sie könnten uns Zutritt zu der Anlage verschaffen?", fragte Benton in spöttischem Tonfall.
„Das kann ich auch!", entrüstete sich Alex. „Aber jetzt nicht mehr. Die vergangen Tage waren völlig umsonst! Ich kann von vorne anfangen!"
„Warum können Sie es nicht mehr?", fragte Hunnigan. „Was genau ist die Red Queen?"
„Es ist eine hochentwickelte künstliche Intelligenz, deren Aufgabe darin besteht, Umbrella- Eigentum zu beschützen. Nachdem man sie eingeschaltet hat, rechnen sie wahrscheinlich mit einem Angriff. Sie blockiert alles, was von außen versucht, in die Anlage einzudringen. Sobald jemand Unbefugtes versucht, sich Zutritt zu verschaffen, wird sie alles vernichten."
„Haben die Ihr Eindringen ins System bemerkt?"
„Nein, alles war die letzten Tage in Ordnung", sagte Alex. „Irgendetwas ist da komisch. Es muss etwas passiert sein."
„Versuchen Sie es erneut", sagte Benton gebieterisch.
„Rede ich Chinesisch mit Ihnen?!", fragte Alex und seine Geduld war zu Ende. „Wenn ich einen erneuten Angriff starte, dann können Sie Piers Nivans in einer Streichholzschachtel nach Hause transportieren! Denn es wird nichts mehr von ihm übrig sein! Die Red Queen würde den Selbstzerstörungsmechanismus aktivieren und die Anlage zerstören."
„Welche Möglichkeiten haben wir?", fragte Hunnigan.
Alex atmete tief durch. „Man muss die Red Queen mit einem speziellen Code deaktivieren, damit man wieder Zugriff auf den Rechner nehmen kann. Erst wenn man sie wieder herunterfährt, kann ich mich ein zweites Mal ins System einhacken."
„Kennen Sie den Code?", fragte Hunnigan weiter und auf ihrem Gesicht war bereits abzulesen, dass sie sich wenig Hoffnung machte.
Alex musste diese Frage verneinen. „Ich kenne aber jemanden, der ihn wissen könnte. Und es wird Ihnen nicht gefallen."
Benton und Hunnigan sahen ihn erwartungsvoll an. „Albert."
