Leon S. Kennedy 1977: Wenn alles einfach wäre, dann wäre die Geschichte nach ein paar Kapiteln zu Ende. :D Man muss es ja extra spannend machen. :) Ich liebe Ada und Leon auch sehr. :)
„Wieso habe ich das nur geahnt", murmelte Ingrid Hunnigan missmutig und kontaktierte zum zweiten Mal binnen weniger Tage, die B.S.A.A.
Nachdem sie den Sachverhalt und die neuen Entwicklungen erläutert hatte, verfiel O´Brian in nachdenkliches Schweigen.
„Mir gefällt das überhaupt nicht", sagte Hunnigan und mittlerweile klang leichte Verzweiflung aus ihrer Stimme. „Aber die Zeit drängt. Alex Wesker hat zu verstehen gegeben, dass die Gefangenen in großer Gefahr schweben und wir dringend diesen Computer namens Red Queen abschalten müssen. Anders können wir Agent Nivans und die beiden anderen Gefangenen nicht befreien."
„Ja. Uns bleibt so wie ich sehe keine andere Wahl", warf O´Brian ein. „Sollte Albert Wesker wirklich den Code kennen, ist er im Moment unsere einzige Chance."
„Ich kann es gar nicht oft betonen, wie sehr mir das missfällt."
„Dito", sagte O´Brian. „Aber wir müssen es versuchen. Allerdings weigert sich Albert Wesker mit uns zu reden. Er verweist immer darauf, dass er nur mit Agent Harper sprechen wird. Sie konnte schon mal etwas bei ihm bewirken. Vielleicht schafft sie es, ihn zu überzeugen."
„Vorausgesetzt er kennt diesen notwendigen Code", meinte Hunnigan.
„Wir werden sehen, was sich machen lässt. Ich erwarte ihr Team dann hier bei uns."
„Meine Leute sind mit Alex Wesker und Mr. Cromefield bereits auf dem Weg zu Ihnen nach New York. Bereiten Sie sich also vor."
„Was soll das bedeuten, ich fliege nicht mit?!", fragte Sherry entsetzt.
„Agent Birkin, Sie werden hier in Washington bleiben. Wir wissen noch nicht, warum man Sie entführt hat, es ist also sicherer für Sie, wenn Sie nicht an der Mission teilnehmen. Außerdem stehen noch einige Test und Untersuchungsergebnisse aus. Sie und Mr. Muller sollen sich von der Entführung erholen", erklärte Ingrid Hunnigan der ungläubigen Sherry. „Das ist mein letztes Wort. Sie haben der Anordnung von oben Folge zu leisten", fügte sie mahnend hinzu, bevor Sherry widersprechen konnte.
Sherry seufzte und schluckte die Dinge, die sie sagen wollte, hinunter. Sie wusste, dass sie keine Chance hatte, mit ihrer Vorgesetzten zu diskutieren. Wenn Benton angeordnet hatte, dass sie nicht mitfliegen konnte, hatte sie sich danach zu richten. Sie kehrte missmutig zu Jake zurück. Beide hatten sich zu einer weiteren Untersuchung zu melden. Sie hatte jedoch das Gefühl, dass dies nicht der einzige Grund war, warum man ihr die Teilnahme an der Mission verweigerte.
Wesker hatte gerade seine Übungen beendet, als es an seiner Tür klopfte. Kurz darauf betrat Helena Harper sein Zimmer. Chris, Jill und O´Brian standen draußen vor der Scheibe und beobachteten ihn. Er schloss daraus, dass sie etwas von ihm wollten. Sie schenkte ihm ein freundliches Lächeln, das er nicht erwiderte.
„Sie sehen viel besser aus, wenn ich das bemerken darf", sagte sie. „Also nehme ich an, dass Sie sich richtig entschieden haben."
„Was wollen Sie?", fragte er ruhig, aber bedrohlich, ohne auf ihren Kommentar einzugehen.
Die Regierungsagentin blieb nahe der Tür stehen. Ihre Haltung war aufrecht und sie zeigte keinerlei Angst.
„Nachdem Sie ausdrücklich betont haben, dass Sie nur mit mir reden werden, sind die B.S.A.A. und der D.S.O. mit einer Bitte an mich herangetreten. Ich muss mit Ihnen über etwas sprechen, denn wir haben die Hoffnung, dass Sie uns weiterhelfen können."
Wesker sagte nichts.
„Wir müssen nach Alaska fliegen, genauer gesagt zu einer Umbrella- Forschungsanlage. Es gibt jemand, der uns Zutritt zu der Anlage verschaffen kann, aber sehr plötzlich haben sich die Umstände geändert. Die Anlage wurde durch ein Sicherheitssystem namens Red Queen abgeriegelt. Der geplante Ablauf der Operation wurde dadurch gestört."
Bei der Erwähnung der Red Queen wurde Wesker hellhörig. Es gab nur äußerst wenige Umbrella- Einrichtungen, die durch die künstliche Intelligenz bewacht und beschützt wurden. In der Regel wurde dort Forschung betrieben, die äußerster Geheimhaltung unterlag und zu der nur wenige Menschen Zugang hatten. Er fragte sich, was wohl dort verborgen sein mochte, dass die Regierung und die B.S.A.A. ein Interesse an der Anlage hatten. Er selbst war nur einmal dort gewesen.
„Die Freischaltung erfordert einen bestimmten Code", sagte Helena und Wesker verstand sofort, auf was sie hinauswollte. „Kennen Sie diesen Code?"
„Und wenn ich ihn kennen würde?"
Tatsächlich hatte sich Wesker in seiner Umbrella- Zeit mit der Red Queen beschäftigt. Er kannte das Programm und wusste, wie es arbeitete. Der geheime Sicherheitscode, mit dem der Autopilot des Systems abgeschaltet werden konnte, war ihm geläufig.
„Wir bitten Sie, uns diesen Code unverzüglich mitzuteilen. Es ist absolut dringend. Wir brauchen unbedingt Zutritt zu der Anlage, Menschenleben stehen auf dem Spiel."
Wesker wühlte seine folgenden Worte umsichtig und klug. Er musste jetzt seinen Trumpf ausspielen. Er schritt langsam durch den Raum, die Arme hinter dem Rücken verschränkt.
„Wann benötigen Sie den Code?"
„Besser gestern", sagte Helena ernst.
„Der Code ist mir bekannt", sagte Wesker und er sah, wie sich Helenas Gesicht hoffnungsvoll aufhellte. Er wusste, dass er sie in der Hand hatte. Sie waren auf ihn angewiesen und er würde sich seine überlegende Situation zunutze machen.
„Wenn ich Ihnen den Code sagen soll, dann erwarte ich eine Gegenleistung von Ihnen."
Die Agentin schien nicht besonders überrascht von seiner Forderung. Er vermutete, dass sie sich auf keine langen Diskussionen einlassen konnte. „Was verlangen Sie?"
„Ich bin immer noch ein Gefangener hier", sagte Wesker. „Ich verlange, nach Alaska mitfliegen zu können."
Helena überlegte einen Moment. „Das heißt, wenn Sie als Teil unseres Teams mitkommen nach Alaska, werden Sie uns helfen und uns Zutritt zu der Anlage verschaffen, habe ich Sie richtig verstanden?"
„Exakt."
„Gut, ich werde sehen, was sich machen lässt."
Sie wandte sich um und schritt wieder hinaus. Wesker sah, wie sie draußen vor seinem Zimmer mit Chris, Jill und O´Brian sprach. An Chris´ wütendem Gesichtsausdruck konnte er sofort ablesen, dass er seinen Zug richtig gut gespielt und einen wunden Punkt getroffen hatte. Sein Mund verzog sich zu einem Grinsen und er kostete die Demonstration seiner Macht und Überlegenheit genüsslich aus. Es bereitete ihm diebisches Vergnügen, zu sehen, wie Chris und die anderen mit sich rangen und ihre Möglichkeiten abwogen, um dann nur zu der Erkenntnis zu gelangen, dass sie keine andere Wahl hatten, als sich von ihm erpressen zu lassen.
Sie diskutierten einige Zeit, dann sahen sie kurz zu ihm. Helena nickte schließlich, dann betrat sie erneut den Raum.
„Sie werden weitere Instruktionen erhalten."
„Gut."
Sie schritt zur Tür, doch hielt inne und wandte sich noch einmal zu ihm.
„Es freut mich, dass es Ihnen wieder gut geht."
Wesker antwortete nicht darauf und sie ließ ihn wieder allein.
Zum ersten Mal, seit er in Gefangenschaft der B.S.A.A. war, hatte sich Weskers Laune deutlich verbessert. Er fragte sich jedoch eines: Helena Harper hatte erwähnt, dass es jemanden gab, der ihnen Zutritt zur Forschungsanlage in Alaska verschaffen würde und ihn beschlichen sofort Zweifel, dass es jemand von der Regierung oder der B.S.A.A. war. Die Alaska- Einrichtung war eine Hochsicherheitsanlage und es war außerordentlich schwierig bis unmöglich für Außenstehende dort gewaltsam einzudringen. War besagte Person vielleicht aus dem Umbrella- Umfeld? Wesker fiel niemand ein, der dafür in Frage kam. Er musste sich wohl oder übel noch eine Weile gedulden, bis er alles erfahren würde.
Das Zusammentreffen war für zehn Uhr angesetzt. Die beiden D.S.O.- Agenten, Chris, Claire, Jill und Sheva waren bereits im Konferenzraum versammelt und erwarteten die Ankunft von Alex Wesker und Edward Cromefield alias Agent HUNK. Schließlich öffnete sich die Tür und die beiden Männer wurden von O´Brian hereingeführt.
HUNK nickte Claire zu und nahm schweigend bei ihnen am Tisch Platz. Als Alex Wesker jedoch den Raum betrat, änderte sich die Atmosphäre spürbar. Alle warfen sich vielsagende Blicke zu.
Chris musterte den Mann aufmerksam. Er stand als einziger. Er hatte kein Bedürfnis zu sitzen. Er hatte abwehrend die Arme verschränkt.
Alex Wesker hatte kurze schwarze Haare und eine große und muskulöse Statur. Er hatte annähernd dieselbe Größe wie Albert. Seine Augen waren hinter einer Sonnenbrille versteckt. Er war völlig in schwarzes Leder gekleidet. Er war Albert Wesker auf erstaunliche, aber auch erschreckende Art und Weise sehr ähnlich. Chris musste tief durchatmen, um sich zu beruhigen.
„Ich denke, es bedarf keiner langen ausführlichen Vorstellung", sagte O´Brian. „Außerdem drängt die Zeit. Darf ich Sie bitten…?" Er wies Alex mit einer Handbewegung an, die derzeitige Lage darzustellen.
„Wir sind ganz Ohr", sagte Chris und fixierte Alex eindringlich.
„Ja", sagte dieser. „Ich bedaure nur, dass ich Ihnen vieles erst nach diesem Einsatz werde erklären können. Anders würden Sie es nicht begreifen."
Er holte tief Luft. „Ich habe vor ein paar Tagen Agent Sherry Birkin und Jake Muller aus einer Umbrella- Anlage in Alaska befreit. Ihre Entführer haben sie in ihrer Wohnung überfallen und dorthin verschleppt. Diese Anlage gleich einer Festung. Sie kann nur von innen geöffnet werden, deshalb musste ich mich in den Zentralrechner hacken, um hineinzukommen. Dort drin haben wir festgestellt, dass drei Personen festgehalten werden: zwei Mädchen und der B.S.A.A.- Agent Piers Nivans. Er lebt. Nach unserer Flucht habe ich Sherry und Jake sicher nach Washington gebracht. "
Er hielt kurz inne. „Wie Sie wissen, habe ich dem D.S.O. die Situation geschildert und es wurde sofort beschlossen, die Gefangenen zu befreien. Ich habe die Anlage in den letzten Tagen beobachtet und ihnen so viele Informationen über die Anlage beschafft wie möglich. Allerdings kam es dann zu einem Zwischenfall."
„Dieser Computer? Die Red Queen?", fragte Chris.
„Ja. Ich weiß nicht, was passiert ist. Ich wurde plötzlich aus dem System geworfen und bekam die Meldung, dass die Red Queen eingeschaltet wurde."
„Was genau ist die Red Queen?", fragte Claire.
„Eine sehr hochentwickelte künstliche Intelligenz", erklärte Alex, „deren Aufgabe es ist, Umbrella- Eigentum zu beschützen. Sie riegelt im Notfall eine Anlage ab, sodass man keinerlei Zugriff auf die Computer oder sonstige Elektronik hat. Sie kann nur mit einem speziellen Schlüssel, einem Code, deaktiviert werden. Erst wenn das erfolgt ist, kann ich mich wieder ins System einhacken und die Anlage öffnen, sodass wir hineingelangen können. Ich hörte bereits von Mr. O´Brian, dass Albert den Code tatsächlich kennt."
„Ja, wir haben mit ihm gesprochen", sagte Chris. „Er kennt den Code, aber er will ihn nur preisgeben, wenn er mit nach Alaska fliegt." Chris warf einen Blick zu O´Brian.
„Wir haben notgedrungen zugestimmt", sagte O´Brian. „Die Sicherheit von Piers Nivans und der anderen beiden Gefangenen hat oberste Priorität, steht an erster Stelle. Wir können uns nicht auf Diskussionen einlassen, wenn die Zeit drängt."
„Er kennt den Code?", fragte Alex. Er war plötzlich angespannt und unruhig. „Dann dürfen wir keine Zeit verlieren! Wir müssen aufbrechen!"
„Unser Flug geht um eins", sagte Chris. „Unsere Teams bereiten sich gerade vor."
Alex nickte. „Ich möchte bitte vorher mit Albert sprechen. Ist das möglich?"
Man hatte Wesker erlaubt, eine Dusche zu nehmen und man hatte ihm richtige Kleidung zur Verfügung gestellt. Er setzte sich gerade seine Sonnenbrille auf und betrachtete sich im Spiegel. Er war völlig in schwarz gekleidet; zumindest hatte man auf seinen Geschmack Rücksicht genommen. Auf der Jacke war das Wappensymbol der B.S.A.A. abgebildet, aber er störte sich vorerst nicht daran.
Er war immer noch dünner als früher, obwohl er wieder richtig aß und in den letzten Tagen trainiert hatte, und er wusste, dass es noch einige Zeit dauern würde, bis sich sein Körper regenerieren würde, er hatte sich jedoch zu Geduld ermahnt. In greifbarer Zukunft, wenn er im Besitz seiner vollen Kraft war, würde er seine Gelegenheit nutzen und sich aus der Gefangenschaft der B.S.A.A. befreien. Bis dahin jedoch würde er seine Situation zu seinem Vorteil ausnutzen. Der Flug nach Alaska war nur ein Teil davon.
Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als es an der Tür klopfte und Helena Harper hereintrat. Er sah sie durch den Spiegel.
„Sie sollen in den Konferenzraum kommen", sagte sie. „Jemand möchte gerne mit ihnen sprechen."
„Was soll das? Sie haben mir doch die Instruktionen zum Flug bereits gegeben", giftete er genervt.
Helena war für einen Moment irritiert, weil er sie so unfreundlich anging, doch sie fing sich schnell wieder.
„Lassen Sie sich überraschen. Kommen Sie."
Nach Auslösung ihres Meetings ging Claire Redfield zielstrebig in den vierten Stock in Rebeccas Büro.
„Hey!", sagte sie und begrüßte Rebecca freundlich. „Und? War sie brav?"
„Na klar, sie ist ja eine ganz eine Liebe", sagte Rebecca. „Na komm, dein Frauchen ist da."
Ein Hund, ein schwarz weißer Border Collie mit einem ledernen Halsband, kam hinter dem Schreibtisch hervor und trottete schwanzwedelnd auf Claire zu. „Hey, mein Mädchen, hast du mich schon vermisst?", fragte Claire und streichelte den Hund hinter den Ohren.
Vor einem halben Jahr hatte sich Claire von ihrem Freund nach fünf Jahren Beziehung getrennt. Sie war nach New York in eine neue Wohnung umgezogen, um einen Neustart zu wagen. Die Trennung und das Alleinsein hatten sie schwer getroffen und so hatte sie schließlich Bella, eine zweijährige Hündin, aus dem Tierheim genommen. Sie hatten sich schnell einander gewöhnt und da Bella ein sehr zutrauliches Tier war, kamen sie gut miteinander aus.
Durch ihre Arbeit für TerraSave war Claire leider viel eingespannt und Bella musste viel allein bleiben. Meist kümmerte sich eine Nachbarin um sie. Claire hatte ein schlechtes Gewissen und sie nahm sich fest vor, wenn diese Sache vorbei war, mehr Zeit zu Hause zu verbringen.
„Hier sind noch die Sachen", sagte Rebecca und reichte Claire die Hundeleine. Bella warf sie einen Tennisball hin, dem die Hündin sofort nachstellte und ihn im Maul trug.
„Danke, dass du auf sie aufgepasst hast", sagte Claire etwas schuldbewusst, weil sie Rebeccas Zeit beansprucht hatte.
„Kein Problem."
Sie verließen das Büro und schritten den Gang entlang, doch gerade in diesem Moment kamen ihnen Helena Harper und Albert Wesker, eskortiert von einer Truppe bewaffneter Männer, entgegen.
Claire blieb stehen und ihr Körper verkrampfte sich bei Weskers Anblick. Sie hatte den Mann viele Jahre nicht gesehen, doch es schien als sei ihre letzte Begegnung auf Rockfort Island erst wenige Tage her, so klar sah Claire die Bilder vor ihrem geistigen Auge. Ihre Schulter, wo sie von einem Stein eine Narbe davongetragen hatte, schmerzte heute noch bei der Erinnerung, wie er sie mit seinem Stiefel nach unten auf den Boden gedrückt hatte.
Als Wesker sie erkannte, verzog sich sein Mund zu einem spöttischen Grinsen.
„Claire Redfield, was für eine angenehme Überraschung."
Sie bedachte ihn nur mit einem bösen Blick und ihre Hände ballten sich zu Fäusten. Sie war so eingenommen von Weskers Erscheinung, dass sie nicht merkte, wie Bella sich von ihrer Seite löste und geradewegs auf Wesker zusteuerte.
Sie stand schwanzwedelnd vor ihm, sprang sogar an ihm hoch und machte Männchen. Schließlich legte sie ihm ihren Ball vor die Füße.
Wesker schien zu perplex, um etwas zu tun, da er vermutlich nicht damit gerechnet hatte, dass ein Hund auf ihn zustürmen würde. Er wich einen Schritt zurück.
Claire rechnete schon damit, dass er Bella mit einem Tritt wegstoßen würde, doch was sie dann sah, erstaunte sie. Wesker ging langsam vor Bella in die Hocke und streichelte ihr etwas zögerlich über den Kopf und kraulte sie hinter den Ohren. Plötzlich war sein Gesichtsausdruck nicht mehr hämisch oder spöttisch herablassend. Er wirkte auf einmal tief in Gedanken versunken und irgendwie verwirrt, so als hätte er zum ersten Mal in seinem Leben einen Hund gesehen. Claire konnte sein Verhalten nur als sehr merkwürdig deuten.
Als er sich wieder gefangen hatte, nahm er langsam den Ball vom Boden und warf ihn in Claires Richtung. Bella trottete sofort hinterher. Als sie wieder an Claires Seite war, befestigte diese die Leine an ihrem Halsband.
Wesker erhob sich wieder. „Ist das Ihr Hund, Ms. Redfield?"
„Ja." Sie nickte. „Na komm, Bella."
Sie warf Wesker noch einen kurzen Blick zu, dann schritt sie so schnell es ging, den Flur hinunter. Es reichte, dass sie den Mann auf dem Flug und der Mission nach Alaska ertragen musste.
Die Begegnung mit dem Hund hatte Wesker innerlich sehr aufgewühlt und er verstand noch nicht einmal, warum. Er konnte sich erinnern, dass er im Cryostase- Schlaf und während er Zeit hier auf der Krankenstation, als er bewusstlos gewesen war, oft von einem Hund geträumt hatte.
Das Tier hatte genauso ausgesehen wie der Hund von Claire Redfield. Er musste zugeben, dass Tier aus seinen Träumen plötzlich aus Fleisch und Blut vor sich zu sehen, ihn durcheinander gebracht hatte. Was hatte der Hund zu bedeuten?
Als er der Hündin, „Bella" hatte Claire Redfield sie genannt, über den Kopf gestreichelt hatte, war ein seltsam vertrautes Gefühl über ihn gekommen, so als hätte er dies schon einmal getan, aber er konnte sich beim besten Willen nicht daran erinnern.
Eigentlich war er immer davon ausgegangen, dass er nie Tiere um sich gehabt hatte, und eigentlich hatte er gedacht, dass er gar keine Haustiere mochte, doch nach seinen Träumen, die zweifelsohne Erinnerungen aus irgendeiner weit zurückliegenden Vergangenheit in seinem Leben waren, war er sich sicher, dass er irgendwann einmal einen Hund besessen haben musste.
„Hier sind wir", sagte Helena und holte ihn aus seiner Gedankenwelt in die Wirklichkeit zurück.
Clive O´Brian, Chris, Jill und einige andere traten aus dem Konferenzraum. Wesker erkannte niemand geringeren als Agent HUNK. Ihm wurde wie so oft in letzter Zeit klar, wie uninformiert er war. Er hatte keine Kontrolle über die Geschehnisse und wusste nicht, was um ihn herum geschah. Er musste an diesem Zustand dringend etwas ändern.
„Hier drin wartet jemand auf Sie."
Helena wies ihn an, nach drinnen zu treten. Er ignorierte die Blicke, die auf ihm ruhten, und schritt in den großen, leeren Konferenzraum, in dessen Mitte ein langer Tisch stand. Sein Blick fiel auf einen Mann, der auf der gegenüberliegenden Seite mit dem Rücken zu ihm am Fenster stand. Hinter ihm wurde die Tür geschlossen.
Ein eigenartiges Gefühl überkam Wesker, als er den Mann betrachtete.
„Hallo Albert", sagte der Mann und drehte sich langsam um.
Zum ersten Mal in seinem Leben wich Albert aus Entsetzen einen Schritt zurück. Er starrte den Mann ungläubig an und schüttelte den Kopf.
„Nein, das darf nicht wahr sein…", murmelte er.
„Freust du dich denn gar nicht, mich zu sehen?", fragte Alex Wesker. „Es ist lange her, nicht wahr? 22 Jahre, wenn ich richtig rechne. Ich sehe, dass es dir besser geht, das ist schön."
„Alex", sagte Albert, der immer noch nicht begreifen konnte, wen er vor sich hatte. „Wie…? Ich verstehe nicht… Was tust du hier?"
„Du erinnerst dich nicht, oder?", sagte Alex und er klang dabei fast mitleidsvoll, als spreche er zu einem Kind.
„Was meinst du?", fragte Albert und seine Stimme zitterte. Er fühlte sich unwohl in Alex´ Gegenwart. Warum wanderte sein Blick instinktiv auf seinen künstlichen Arm?
„Das mit deinem Arm tut mir Leid", sagte Alex schuldbewusst. Er schluckte. „Es ging leider nicht anders. Die Prothese war ein Prototyp, den ich für dich entwickelt habe. Ich hoffe natürlich, dass du gut damit zurechtkommst."
Bilder tauchten wie ein Film vor seinem geistigen Auge auf: Er sah verschwommene, schemenhafte Gestalten über sich, spürte Hände auf seinem Körper und hörte die Stimmen, die zu ihm sprachen.
„Albert, bleib wach!"
„Wir verlieren ihn!"
„Es ist sein Arm! Uroborus ist in seinem Arm!"
„Du warst das?", fragte Albert misstrauisch. „Was hast du mir angetan?"
„Ich habe dir gar nichts getan, Albert", sagte Alex. „Ich habe dir das Leben gerettet. Ich war es, der deine Überreste aus dem Vulkan geholt hat und dich wieder ins Leben zurückgeholt hat. Uroborus hatte sich in deinen Körper hineingefressen und wollte dich vernichten. Es gab keine andere Möglichkeit. Es tut mir Leid."
Albert spürte, wie sich sein Atem beschleunigte. „Du warst das also alles? Du bist dafür verantwortlich?!" Er wurde lauter. „Hast du mich unter Drogen gesetzt, um mich zu kontrollieren?"
Auf diesen Vorwurf blickte Alex Albert betroffen an. „Nein. Ich war das nicht. Bitte hör mir zu, Albert!", flehte Alex, weil Albert sich wütend abwandte. „Du musst mir glauben, dass ich nichts damit zu tun hatte, mit dem, was man dir angetan hat. Auch mir hat man Leid angetan."
Er schritt durch den Raum und fasste Albert am Arm. „Albert, ich verspreche dir, dass ich dir alles erklären werde, aber bitte…"
Alex klang beinahe verzweifelt. Seine Finger krallten sich in Alberts Oberarm. Seine Hand zitterte.
„Albert, ich bin nur hier, ich arbeite nur mit der B.S.A.A. zusammen, weil ich deine Hilfe brauche. Du kennst den Code, mit dem man die Red Queen ausschalten kann, oder?"
„Ja. Natürlich. Wofür ist das gut? Was wollt ihr in der Alaska- Einrichtung?", wollte Albert skeptisch wissen.
„Wir müssen in diese Anlage in Alaska! Bitte, es ist äußerst wichtig, dass du uns den Code sagst!"
„Ich habe bereits zugesagt", sagte Albert. „Ich werde mit nach Alaska fliegen."
„Versprich es mir. Du bekommst alle Antworten, wenn wir dort waren, OK?"
Alex klammerte sich an ihn wie an eine Rettungsleine und sah ihn hilflos und verzweifelt an. Albert hatte seinen engen Vertrauten aus seiner Jugendzeit noch nie derart außer sich gesehen. Auch wenn Alex´ Augen hinter einer Sonnenbrille verborgen lagen, waren darin deutlich der Schmerz und die Verzweiflung zu sehen, die ihn belasteten.
„Was für Antworten hast du?", fragte er schließlich.
„Ich kann alles aufklären, was mit dir und der Stadt in Südamerika passiert ist", sagte Alex. „Bitte, du bist der einzige, der mir helfen kann. Ohne dich bin ich verloren."
Ihre zusammengewürfelte Truppe konnte allenfalls als schlechter Witz bezeichnet werden, das zumindest schoss Leon durch den Kopf, als er das Militärflugzeug betrat. Auf der einen Seite saßen Chris Redfield, daneben seine Verlobte Jill Valentine und seine Schwester Claire. Er nahm neben letzterer Platz. Helena folgte ihm. Sie nickte den drei Männern auf der anderen Seite höflich zu.
Ihnen gegenüber saßen Alex und Albert Wesker, neben ihnen der Mann, den Claire in Russland getroffen hatte und der sich verpflichtet hatte, den D.S.O. zu unterstützen, HUNK. Im Prinzip fehlte nur noch Ada, dachte Leon schmunzelnd, und ihre Versammlung wäre komplett gewesen.
Unterstützung erhielten sie noch durch Regierungs- und B.S.A.A.- Agenten, die sie begleiteten. Insgesamt waren sie zwanzig Personen.
Ihm fiel auf, dass Chris es vehement vermied, die beiden Weskers anzusehen. Er unterhielt sich mit Jill und schien die drei Männer auf der anderen Seite komplett auszublenden. Leon konnte es ihm nachfühlen.
Leons Blick wanderte zu Albert Wesker und er ballte kurz vor Wut die Fäuste. Er hatte den Mann mehr als zehn Jahre nicht gesehen, doch diese eine Begegnung ließ noch jetzt Zorn in ihm aufkommen. Adas Worte schossen ihm durch den Kopf, dass sie und Wesker mehr als nur eine Geschäftsbeziehung gehabt hatten und ein weiteres Gefühl gesellte sich dazu, von dem er nicht gedacht hatte, es jemals zu empfinden: Eifersucht.
Das konnte ja heiter werden, dachte er missmutig, während sich das Flugzeug in die Lüfte erhob und sie Richtung Alaska steuerten.
AN: Ich hoffe der Link geht. Das hier ist Bella :) wiki/File:BC_R%C3%
