Leon S. Kennedy 1977: Als Leon/Ada- Fan wird dir das Kapitel wahrscheinlich sehr gefallen. :) Sherrys Geheimnis musste ja irgendwann rauskommen. Ich hab lange genug Andeutungen gemacht. :)


Wesker verließ Sherrys Hotelzimmer mit gemischten Gefühlen. Ihm war vieles klar geworden seinen Sohn betreffend und nachdem es jetzt feststand, dass Sherry schwanger war, warf dies auch ein neues Licht auf ihre Entführung und die Pläne des Feindes.

Völlig erschließen wollte sich ihm alles dennoch nicht. Warum hatte jemand ein Interesse an den beiden ungeborenen Kindern? Natürlich war die Verbindung aus Jake und Sherry überaus interessant: Er trug Weskers spezielle Veranlagung und Immunsystem in sich, dazu den C- Virus, Sherry hatte den G- Virus im Körper, der ihr Heilkräfte verlieh. Er mochte sich gar nicht ausmalen, mit welchen Kräften die Kinder wohl ausgestattet sein mochten.

So Leid es ihm für Sherry tat, dass er ihr Versprechen brechen musste, er musste Alex einweihen und ihm von den neuen Erkenntnissen erzählen.

Während er die Flure des Hotels entlangschritt, überlegte er, Helena Harper aufzusuchen. Soweit er wusste, war sie noch ein paar Tage in New York bevor sie abreisen würde und sich ihrer Anhörung stellen musste und immerhin hatte er die Frage nach einem Wiedersehen nicht eindeutig beantwortet.

Er verspürte das für ihn ungewohnte Bedürfnis nach Gesellschaft und Helena Harper hatte sich in der Vergangenheit als sehr annehmbare Gesellschaft erwiesen. Von der körperlichen Befriedigung, die ihr Kontakt mit sich brachte, ganz zu schweigen.

Sie war jedoch nicht in ihrem Zimmer, wie er feststellen musste, sodass er sich zwangsläufig auf den Weg zurück zur B.S.A.A.- Zentrale machen musste. Er war auf dem Weg die Treppe hinunter, als ihn plötzlich ein heftiger Schwindel überkam. Er klammerte sich haltsuchend an das Geländer und wartete bis der Kreisel in seinem Kopf zum Stillstand kam. Leichte Übelkeit gesellte sich dazu er hatte das Gefühl sein Kreislauf würde in den Keller sacken.

Er überlegte sofort, ob er sein Serum eingenommen hatte. Er hatte, sogar erst am Morgen, sodass es noch mindestens bis zum nächsten Tag dauern würde, bis er sich eine erneute Dosis injizieren musste. Er verstand nicht, warum er schon wieder die merkwürdigen Symptome entwickelte. Vielleicht lag es daran, dass er mittags nichts gegessen hatte.

Er lehnte sich erschöpft gegen die Wand und stützte sich auf das Treppengeländer, als eine Stimme hinter ihm ertönte.

„Was ist mit Ihnen, geht es Ihnen nicht gut?"

Als er aufsah, erkannte er Helena Harper, die die Treppen heraufkam.

„Agent Harper. Es ist in Ordnung", sagte Wesker und richtete sich auf.

„Wollten Sie zu mir?", fragte sie und ihr Gesicht hellte sich auf.

„In der Tat, aber Sie waren nicht da", sagte Wesker.

„Ich war in der Stadt einkaufen", erklärte sie und hielt ein paar Tüten hoch. „Es lenkt mich ein wenig von dem Bevorstehenden ab. Aber ich freue mich natürlich umso mehr, wenn Sie mich ablenken."

Sie gingen zu zweit in ihr Zimmer. Keinem der beiden fiel auf, dass Leon sie aus der Ferne beobachtete.

Drinnen angekommen, schloss Helena die Tür, stellte ihre Einkaufstüten hin und legte ihren Mantel ab.

„Es freut mich, dass ich Sie noch einmal sehe, bevor ich fliege", sagte sie mit einem Lächeln.

„Sie haben mich also schon freudig erwartet?", schloss Wesker aus dem Gesagten.

„Ich hatte gehofft, dass Sie mich noch mal besuchen würden", sagte sie und trat dicht an ihn heran. Sie musste ein Stück zu ihm aufsehen. „Ich kann die Gesellschaft gut gebrauchen", raunte sie und zog ihn in einen Kuss.

Diesmal war ihr Kuss nicht grob und fordernd, sondern voller Zuneigung. Wesker rechnete damit, dass sie ihn zu ihrem Bett dirigieren würde, doch sie tat nichts dergleichen. Sie küsste und liebkoste ihn liebevoll und zärtlich und Wesker konnte mit ihrem Begehren nach seiner Person nur schwer umgehen. Sie erinnerte ihn an…

Er musste sich von ihr lösen und sich abwenden. Entgeistert sah sie ihn an.

„Was ist? Was haben Sie? Habe ich etwas falsch gemacht?"

Er verneinte und schüttelte den Kopf. Er betrachtete sie einen Augenblick, dann trat er auf sie zu und drängte sie auf ihr Bett, sodass sie unter ihm lag. Wesker nahm seine Sonnenbrille ab und legte sie auf den Nachttisch zur Seite. Sie sahen sich in die Augen.

Seine Hand strich über ihr Schlüsselbein und sie holte tief Luft. Er sah an ihrem Blick, dass sie ihn wollte. Wesker beugte sich zu ihr und sein Gesicht glitt nur um Haaresbreite an ihrem Hals vorbei. Er sog ihren Geruch ein. Sie trug ein rosig duftendes Parfüm. Er spürte, dass sie unter ihm vor Erregung bebte.

Er hatte das nagende Bedürfnis ihr nah zu sein, aber gleichzeitig verfluchte er sich für seine Schwäche. Sie verführte ihn, die Kontrolle zu verlieren. Ihr Duft betörte seine Sinne. Er fühlte sich an Anna erinnert. Als er die Augen schloss, war er wieder bei ihr. Er sah Anna vor sich und fühlte das Begehren, das er einst für sie empfunden hatte, wieder in sich aufsteigen. Aber Anna war tot. Irgendeine Krankheit hatte sie dahingerafft, weil er nicht da gewesen war.

„Wesker…", flüsterte Helena Harper und durch ihre Stimme wurde er in die Wirklichkeit zurückgerissen. Er sah sie entgeistert an, dann löste er sich rasch von ihr und setzte sich an die Bettkante. Er rieb sich mit den Händen erschöpft übers Gesicht. Kopfschmerzen bahnten sich an. Er merkte, dass ihn das Gespräch mit Sherry mehr aufgewühlt hatte, als es ihm lieb war.

„Was ist los?", fragte Helena besorgt. „Ich hab… doch nichts gemacht, was…"

Er spürte ihre Hand auf seinem Rücken und verkrampfte. Sie zog ihre Hand sofort zurück.

„Was ist mit Ihnen los?"

„Ich habe Sherry Birkin besucht", sagte Wesker heiser. „Und sie hat mir ein paar Dinge erzählt. Mein Sohn gibt mir die Schuld am Tod seiner Mutter."

Helena legte vorsichtig ihre Hand auf seine Schulter. „Das tut mir sehr Leid. Möchten Sie darüber reden?"

Er warf ihr einen kurzen Blick über die Schulter zu. Er war sich unsicher, was er tun sollte.

„Ich habe mit Jake gesprochen", sagte Wesker schließlich. „Er sagte, dank mir sei Anna auf dem Friedhof und bei unserem ersten Zusammentreffen, hat er mir mit den Worten `Das ist für Mum.´ ins Gesicht geschlagen. Sherry erzählte mir, dass seine Mutter krank gewesen sei und durch unsere Trennung und ihre Rückkehr nach Edonien verstorben sei, weil sie sich dort keine Behandlung leisten konnte."

„Es tut mir so Leid", sagte Helena mitfühlend. „Wollen Sie mir vielleicht erzählen, was damals passiert ist?"

„Anna Muller fand heraus, was ich für Umbrella tat und ich verließ sie, um sie zu beschützen. Sie ging in ihre Heimat zurück, weil sie Angst um Jake hatte. Deshalb hat sie mir auch nichts von dem Jungen erzählt."

„Das heißt, Umbrella hat Ihre Familie bedroht? Sie haben das getan, um Anna zu beschützen und Anna wiederum hat alles getan, um Ihren gemeinsamen Sohn zu schützen."

Wesker schnaubte leise. „Familie…" Er erhob sich. „Bitte bleiben Sie!", sagte Helena und hielt ihn zurück, als er zur Tür gehen wollte. „Bitte gehen Sie nicht", hauchte sie und küsste ihn.

Ihre Hände glitten unter seine Kleidung und strichen über seine Haut. Sie streifte ihm seine Jacke von den Schultern. Wesker war wie gefangen zwischen dem Drang, sich loszureißen und dem Genuss, den es ihm bereitete. Er konnte ihr nicht widerstehen und ging langsam auf ihre Zuneigung ein.


„Erzählen Sie mir von Anna", sagte Helena leise. Sie lagen nebeneinander. Wesker hatte ihr den Rücken zugedreht und sah gedankenverloren in den dunklen Raum. Er spürte, wie sie sich näher an ihn schmiegte. Er konnte damit umgehen, wenn sie das Bett teilten und beide nach Befriedigung strebten, aber er kam nur schwer mit ihrer Nähe, die sie zu ihm suchte, zurecht.

„Wieso wollen Sie das wissen?", fragte er verwundert. Es war nicht üblich, dass aktuelle Liebschaften sich nach Verflossenen erkundigten.

„Ich möchte wissen, was Anna für ein Mensch war."

Er richtete sich auf. „Sie haben etwas von ihr", sagte Wesker. „Anna war auch immer so bemüht um andere, um mich."

„Ehrlich?", fragte sie.

Er nickte. „Sie war allerdings nicht so selbstbewusst wie sie. Sie war schüchtern und hatte kein Selbstvertrauen. Sie hat sich zu viele Gedanken darüber gemacht, was alle anderen von ihr denken. Das hat unsere Beziehung belastet. Sie fühlte sich klein neben mir. Unbedeutend. Weil sie eben aus ärmlichen Verhältnissen aus Osteuropa kam und nicht zu diesem elitären Kreis von Wissenschaftlern gehörte. Sie fühlte sich nicht zugehörig in meiner Welt. Aber gleichzeitig hat sie alles aufgegeben, ihre Familie zurückgelassen, um ihren Traum zu leben. Manchmal habe ich sie dafür bewundert."

„Sie haben ihr sehr viel bedeutet, oder?", fragte Helena.

„Ja. So viel, dass sie alles getan hat, damit ich nichts zu befürchten habe. Dass mir von Umbrella keine Konsequenzen drohen. Dafür hat sie ihren Traum von Amerika aufgegeben."

Helena zögerte einen Moment, bevor sie ihre nächste Frage stellte. „Sie hat Ihnen sehr viel bedeutet, oder?", fragte sie vorsichtig.

Er antwortete ihr nicht darauf. Es war, als wäre plötzlich eine Wand aus Eis um ihn herum gewachsen.

„Tut mir Leid", sagte sie dann. Sie spürte sofort, dass sie eine Grenze überschritten hatte.

„Ich sollte gehen", sagte Wesker, der augenblicklich bereute, was er gesagt hatte. Er sammelte zügig seine Kleidungsstücke zusammen und zog sich an.

Helena stand vom Bett auf und zog sich ihren Morgenmantel über.

„Tut mir wirklich Leid. Ich hätte das nicht fragen sollen."

Wesker nickte nur. „Ich möchte Ihnen gerne noch etwas anderes sagen", sagte Helena.

Sie räusperte sich. „Es tut mir Leid, dass ich Sie geohrfeigt habe. Das ist normalerweise nicht meine Art. Aber in diesem Moment haben Sie mich ganz schön auf die Palme gebracht. Das, was Sie gesagt haben, war einfach zu viel. Ich weiß, dass es Ihnen schwerfällt, andere in Ihr Leben zu lassen, aber hin und wieder muss man sich helfen lassen. Ich saß eine Woche an Ihrem Bett und habe mich um Sie gekümmert und ich hätte mir selbst von Ihnen ein wenig mehr Wertschätzung erwartet."

Wesker wusste nicht, was er darauf sagen sollte. Die beiden wandten ihre Köpfe gleichzeitig, als es an der Tür klopfte. „Oh nein, wenn das jetzt…"

Helena schritt zur Tür und öffnete. Ihr Verdacht bestätigte sich, als sie Leon davor stehen sah.

„Helena, darf ich?", fragte er.

Sie war zuerst verunsichert, was sie tun sollte, doch nachdem Wesker keine Anstalten zeigte, seine Anwesenheit zu verheimlichen, öffnete sie die Tür weiter und ließ ihren Partner herein. Er erstarrte sofort und sein Blick verfinsterte sich, als er Albert Wesker im Raum sah, wie er sich gerade seine Jacke überzog.

„Was zum Teufel macht der hier?!", fragte er alarmiert und sah Helena eindringlich an. Sein Blick sagte deutlich, dass er eine Erklärung von ihr verlangte.

„Ich wollte gerade sowieso gehen", sagte Wesker gelassen und schritt an Leon vorbei hinaus. Er warf Helena einen letzten Blick zu, dann verließ er ihr Hotelzimmer.

„Was zum Henker war das denn gerade?!", wollte Leon wissen.

„Leon, das geht dich nichts an. Ich muss mich nicht für mein Privatleben rechtfertigen", sagte Helena hart und verschränkte abwehrend die Arme. Sie fühlte sich in die Enge gedrängt und in Erklärungsnot. Sie wich seinem Blick aus.

„Ich habe euch vorhin auf das Zimmer gehen sehen. Ich mag mir ja gar nicht ausmalen…", sagte Leon.

„Leon…" „Nein, schon gut. Ich hoffe, du bist dir im Klaren darüber, mit welchem Teufel du dich eingelassen hast."

Er verließ, ohne eine Antwort abzuwarten, ihr Zimmer.


Claire war viel zu faul, um aufzustehen. Und der Ort, an dem sie sich befand, war viel zu gemütlich, um ihn zu verlassen.

Sie schmiegte sich noch näher an Alex´ Brust und legte einen Arm um ihn. Sie grinste, als sie seine Hand spürte, wie er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich. Sie seufzte und vergrub ihr Gesicht an seinem Hals.

„Hey, wir sollten langsam aufstehen. Nicht, dass noch jemand Verdacht schöpft. Wir haben den ganzen Tag verschlafen."

Claire grummelte. Sie wusste, dass er Recht hatte, aber sie fühlte eine gewisse rebellische Gleichgültigkeit in sich. Eigentlich war sie niemandem gegenüber verpflichtet oder Rechenschaft schuldig. Es ging niemanden etwas an, was sie tat und mit wem.

Sie hatten bereits die Nacht zusammen verbracht. Am Morgen hatten sie sich getrennt. Claire war in ihre Wohnung gegangen und hatte ihren Hund versorgt und Alex hatte eigentlich vorgehabt, im Labor zu arbeiten. Claire jedoch hatte anderes im Sinn gehabt und hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Am Vormittag war sie wiedergekommen, hatte ihn auf dem Flur abgefangen und küssend zurück in sein Zimmer gedrängt, wo sie abermals einige Stunden in trauter Zweisamkeit verbracht hatten. Sie hatten dann nebeneinander gelegen und vor sich hingedöst. Es war mittlerweile später Nachmittag geworden.

Sie versuchte noch, ihn festzuhalten, als er sich von ihr löste und sich aufrichtete, doch Alex blieb unerbittlich, sodass sie schließlich seufzend nachgeben musste. Sie suchten ihre Kleidung zusammen, die durcheinander auf dem Boden verstreut lag, und zogen sich an.

„Ich nehme mal an, dass wir… dies eher nicht… an die große Glocke hängen, oder?", fragte Alex vorsichtig. Claire verstand sofort, was er meinte.

„Ja, es ist besser, wenn es erst mal niemand weiß", sagte sie zustimmend.

Sie hätte sich am liebsten noch nicht von ihm getrennt, aber es musste sein. Sie zog ihn zum Abschied in einen intensiven Kuss, dann verließ sie sein Zimmer.


Chris saß in seinem Büro und sah sich alle Dokumente, die sie in den letzten zwei Monaten erstellt hatten, nochmals durch, um nur irgendeinen Hinweis zu bekommen.

Er sah auf, als es klopfte. Er dachte schon, es sei seine Schwester, umso überraschter war er als Piers in der Tür stand.

„Captain."

„Piers? Geht es dir gut?" Chris erhob sich sofort.

„Schon gut, mir geht es ausgezeichnet", sagte Piers.

„Der Arm?", fragte Chris vorsichtig.

„Es wird. Ich bekomme allmählich Gefühl in meinen Fingern. Die Physiotherapie hilft mir."

„Das freut mich zu hören. Warum bist du hier? Du bist doch noch krankgemeldet?"

„Ja, das ist wahr, aber ich möchte endlich das sagen, was ich weiß. Ich will nicht länger untätig rumsitzen."

Piers trat in Chris´ Büro und nahm auf dem Stuhl vor dessen Schreibtisch Platz.

„Ich war zwar die meiste Zeit in Cryostase und habe nicht so viel mitbekommen, aber manchmal war ich auch wach, wenn die was mit mir gemacht haben", erzählte Piers. „Ich konnte hin und wieder ein paar Dinge aufschnappen. Vielleicht hilft es."

„OK. Erzähl, wir sind um jeden Hinweis dankbar."

„Diese Leute sprachen oft von einem „M" und ab und zu fiel der Name Simmons. Ich dachte immer, es handle sich um Derek C. Simmons, der Nationale Sicherheitsberater, aber das hat sich als falsch herausgestellt. Ich glaube, sie meinten einen anderen Simmons. Und manchmal war eine komische Person da. Ich glaube, das ist der Kopf hinter allem. Er hat die beiden Mädchen aus Alaska in seiner Gewalt und er benutzt das eine für Experimente. Ich denke, Simmons arbeitet für ihn."

Chris nickte. Piers´ Erzählung überschnitt sich mit dem, was Alex Wesker ihnen berichtet hatte.

„Es ist gut, dass du das sagst, Piers. Wir haben ebenfalls Hinweise, die in diese Richtung gehen. Aber wir tappen, was die Identität dieses Phantoms angeht, völlig im Dunkeln. Kannst du uns etwas Brauchbares liefern? Weißt du, wer er ist?"

„Ich fürchte nein", musste Piers zugeben. „Bevor ich noch mehr heraushören konnte, haben die mich mit diesem neuen Virus und diesem Hormon von dem Mädchen behandelt und mich wieder in Cryostase versetzt."

„Weißt du, was das alles für einen Sinn haben könnte? Was planen die?" „Ich kann nur mutmaßen, aber die sprachen immer von etwas ganz Großem, was bald kommen wird. Ich kann mir nur vorstellen, dass sie diesen neuen Virus, der das Erbgut verändert, unter die Leute bringen wollen, aber ich weiß nicht wie."

Chris nickte zustimmend.

„Das ist noch etwas, Captain. Diese neuen B.O.W.s sind sehr gefährlich und ich glaube, die haben keine Kontrolle über sie. Und sie arbeiten mit Uroborus. Die haben irgendetwas damit angestellt."


Als Chris wenig später seine Wohnung erreichte und die Tür aufsperrte, kam ihm bereits ein verlockender Essensgeruch entgegen. Jill hatte eine Kleinigkeit gekocht und war gerade dabei, den Tisch zu decken, als Chris in die Küche kam. Er umarmte seine Verlobte zur Begrüßung und küsste sie.

„Ist etwas Besonders los, weil du extra kochst?", fragte er verwundert.

„Nein, nur dass ich den tollsten Mann habe, den ich mir vorstellen kann", sagte Jill.

„Jetzt schmeichelst du mir aber", meinte Chris grinsend. „Also, was ist los? Du bist so fröhlich."

„Ich habe heute einfach gute Laune", sagte Jill. „Ich habe heute endlich mal wieder die Zeit gefunden, meine Kataloge durchzusehen und nach einem Kleid zu schauen, das hat meine Stimmung ziemlich gehoben. Du erinnerst dich? Da war nämlich mal was mit einer Hochzeit. Weißt du das noch?"

„Ja. Natürlich", sagte Chris. „Aber momentan gibt es ein paar kleine Probleme, die im Weg stehen."

„Der Februar ist praktisch vorbei und wir wollten im Frühling heiraten, das weißt du doch noch?"

„Klar. Es ist nur… Diese Sache lässt mir keine Ruhe. Wir wissen immer noch nichts über die Gefahr, die da draußen lauert. Vielleicht breitet sie sich schon stillschweigend aus und wir merken es nicht mal. Und heute kam noch etwas Beunruhigendes dazu. Piers kam zu mir und hat mir erzählt, was er weiß. Er hat in weiten Teilen das bestätigt, was uns die beiden Wesker gesagt haben. Von Simmons Bruder und dem Mann, der hinter allem steckt."

„Weißt du Chris, mich beschäftigen dieselben Dinge wie dich, aber ich glaube, wir dürfen nicht dieselben Fehler wie in der Vergangenheit machen. Damals hat uns der Job viel zu oft das Privatleben zerstört. Das sollten wir nicht mehr zulassen. Wir müssen uns nicht entscheiden."

Er musterte sie und sie schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln, das ihn zumindest für kurze Zeit seine Sorgen vergessen ließ.


Die Ferienwohnung, die Leon ihm besorgt hatte, war nicht übel, fand Jake und der Preis stimmte auch, aber dennoch vermisste er ihre Wohnung in Washington und vor allem die Normalität, die sie gehabt hatten.

Vor ein paar Wochen waren sie einfach zusammen gewesen und hatten ihr Leben gelebt. Jake konzentrierte sich auf seine Arbeit, seine Schule und war mit Sherry glücklich. Mehr hatte er nicht gebraucht. Doch ihr Leben war abermals von einer bioterroristischen Bedrohung durcheinander gewürfelt worden und aus den Fugen geraten. Beim Gedanken daran, dass irgendwelche Mistkerle da draußen seine Beziehung ruinierten, überkam Jake regelmäßig das Bedürfnis, irgendetwas zu zertrümmern. Seit der Entführung stand ihre Beziehung auf der Kippe, Sherry war wie ausgewechselt und die Gefahr war nicht gebannt. Stattdessen war er das Objekt ständiger Überwachung, weil man fürchtete, er könnte erneut verschleppt werden. Jake verstand die Begehrlichkeit um seine Person überhaupt nicht. Immerhin hatte man ihn schon einmal für Experimente benutzt.

Ihm war bei seiner Arbeitsstelle gekündigt worden, weil er ewig nicht erschienen war und wenn er ehrlich war, war ihm das nur recht. Er hatte die Abendschule informiert, dass er längere Zeit nicht anwesend sein konnte und glücklicherweise hatte man zugestimmt, dass er selbstständig lernen und seine Aufgaben einsenden konnte. Vermutlich war die Tatsache, dass er ein sehr guter Schüler war, dem alles sehr leicht fiel, dafür ausschlaggebend gewesen. Es passte ihm nicht und er hoffte, dass er diese Güte nicht noch länger ausreizen musste.

Er hatte sich gerade sein Mathebuch herangezogen und erledigte die Aufgaben darin, als es an der Tür klingelte. Als er einen Blick auf die Uhr warf und feststellte, dass es bereits nach elf war, musste er sich doch wundern, wer ihn so spät aufsuchen sollte.

Es sei denn…

Er sprang sofort auf und eilte an die Tür. Er erstarrte, als er Sherry davor stehen sah.

Sie lächelte verlegen. „Hey, Jake." Ihre Wangen waren von der Kälte draußen gerötet.

„Hey." Es war lange her, dass sie sich gegenübergestanden hatten. Er fand, dass sie sich verändert hatte.

„Darf ich reinkommen?", fragte sie vorsichtig.

Jake trat zur Seite und ließ sie ein. Es freute ihn, Sherry zu sehen und die Hoffnung, sie möge ihm endlich erklären, was mit ihr los war, keimte neu in ihm auf.

Er schloss die Tür und die beiden traten ins Wohnzimmer. „Ich sehe, du bist beschäftigt", sagte Sherry mit Blick auf sein Buch.

„Ja. Muss ja mal wieder." Sie standen da und sahen beide peinlich berührt in andere Richtungen. Keiner wusste, wie er anfangen sollte.

„Jake…"

„Sherry…", begannen beide gleichzeitig.

„Du zuerst", sagte Jake. Sherry strich sich verlegen eine Haarsträhne hinters Ohr und räusperte sich.

„Es tut mir so Leid, was die letzten Wochen war", sagte sie kleinlaut. „Ich wollte dich nicht… so einfach stehenlassen. Und es lag auch nicht an dir", versicherte sie. „Ich musste erst mal selber klarkommen."

„Sherry, was ist los?"

„Das ist schwer zu erklären, am besten zeige ich es dir." Sie griff in ihre Tasche und holte ein zusammengefaltetes Stück Papier heraus. Sie übergab es ihm. Jake nahm es, faltete es auf und erstarrte.

Es war ein Ultraschallbild.


Wesker kehrte unbemerkt in die B.S.A.A.- Zentrale zurück und schlug sogleich den Weg ins Labor ein, wo er vermutete, Alex anzutreffen. Verwundert musste er feststellen, dass dies nicht der Fall war. Er ging daraufhin zu Alex´ Zimmer.

Auf dem Flur jedoch begegnete ihm niemand geringeres als Claire Redfield. Und sie kam in Alex´ Begleitung aus dessen Zimmer. Er stutzte und blieb stehen. Er wusste genau, warum er die beiden zusammen vorfand und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Claire erstarrte zur Salzsäule als sie Albert Wesker erkannte und sah, dass er die beiden beobachtet hatte. Sie warf Alex hilfesuchend einen Blick zu.

„Albert", sagte Alex, „was für eine Überraschung."

„Ich wollte zu dir, Alex, aber wie ich sehe, bist du beschäftigt."

„Ich wollte gerade gehen", sagte Claire schnell und errötete dabei ein wenig. Sie warf Alex einen letzten Blick zu, dann eilte sie davon.

„Wie ich sehe, mache ich die Kleine nervös", meinte Wesker süffisant grinsend.

„Lass den Unsinn", kommentierte Alex bloß und machte sich mit Albert im Schlepptau auf den Weg ins Labor, wo er einen Blick auf ihre Mäuse warf.

„Das Weibchen wird bald ihre Jungen zur Welt bringen", sagte Alex, während er den Käfig kontrollierte. Er streichelte den Mäusen über den Rücken. „Dann werde ich die DNS der Jungen sequenzieren und sehen, wie sich das veränderte Erbgut bei ihnen auswirkt."

Albert nickte. Eine etwas peinliche Stille entstand zwischen ihnen.

„Du und Claire Redfield, sehe ich das richtig?", fragte Albert. Er versuchte, seine Frage in möglichst neutralem Ton zu formulieren, aber konnte dennoch einen gewissen Unmut nicht verbergen. Sie war immerhin die Schwester seines Erzfeindes Chris.

„Es sieht so aus", antwortete Alex, ohne Albert anzusehen. „Wir verstehen uns gut. Sie gibt mir Mut, weiterzumachen, und neue Hoffnung. Hoffnung, das alles gut werden wird."

Albert wurde auf Alex´ Worte hin nachdenklich. Er schätzte, dass der Grund für seinen Kontakt zu Helena Harper aus ähnlichen Gründen entstanden war und von ihm aufrechterhalten wurde. Sie war während all der Zeit, die er nun schon Gefangener der B.S.A.A. war, ein winziger Lichtblick. Bei ihr hatte er das Gefühl, über Dinge sprechen zu können, die ihn beschäftigten ohne fürchten zu müssen, dadurch Nachteile zu haben. Sie war einfach an ihm und seiner Person interessiert und behandelte ihn völlig normal. Er wusste oft nicht, wie er ihr Verhalten einordnen sollte. Vor allem hatte sie vieles von Anna.

„Hast du dir Gedanken zu unserem kleinen Ausflug nach Kanada gemacht?", fragte Albert.

„Natürlich", sagte Alex. „Sonderlich weit kam ich damit allerdings nicht. Ich kann mir keinen Reim auf all diese Dinge machen. Es ist wie eine mathematische Gleichung, bei der es so viele Unbekannte gibt, dass sie unlösbar ist."

„Eine passende Analogie", pflichtete Albert bei. „Ich habe mir seit unserer Rückkehr ein paar Gedanken gemacht und ehrlich gesagt, ärgere ich mich ein wenig über mich selbst, dass ich mir das nicht früher gedacht habe. Das alles ist sehr untypisch für „die Familie", sodass es fast offensichtlich war, dass es noch einen anderen Hintermann gibt. Diese ganze Geschichte mit dem neuen Virus, das die Menschheit verändern soll, das passt nicht zu Simmons und seiner Organisation."

„Ja, das ist wahr", stimmte Alex zu. „Ich meine, da entwickelt jemand einen Virus, der das Erbgut der Menschen so verändert wie vielleicht Millionen Jahre Evolution. Es liegt auf der Hand, dass jemand die Menschheit durch Verbreitung dieses Virus auf eine neue Stufe der Evolution bringen möchte. Um nicht zu sagen, sie zu perfekten Übermenschen zu machen, frei von Krankheit und allem. Das sieht der Familie Simmons mit Sicherheit nicht ähnlich. So absurd das klingt, aber das hört sich so ganz nach Oswell E. Spencer an."

Albert wusste, wie abwegig dieser Gedanke war. Er war erleichtert, dass Alex zu denselben Schlüssen wie er selbst gekommen war, denn sonst hätte er noch angefangen, an seinem Verstand zu zweifeln.

„So verrückt das ist, mir kam kürzlich derselbe Gedanke. Und dieser Mann schien uns auch ausgesprochen gut zu kennen, so als wären wir uns schon mal begegnet. Er weiß von unseren Kindern."

„Nicht zuletzt sagte er, dass du und er die gleichen Ansichten hätten. Er meinte wahrscheinlich deinen Plan, Uroborus auf der Welt zu verbreiten."

„Ja. Aber Spencer ist tot", sagte Albert. „Ich habe seinen Körper mit meiner eigenen Hand durchstoßen. Die B.S.A.A. nahm seine Leiche."

„Er mag vielleicht tot sein, aber seine Idee ist vielleicht nicht gestorben."

Alex füllte den Napf der Mäuse mit neuem Futter und gab ihnen frisches Wasser.

„Alex, wir müssen über eine sehr ernste Sache sprechen", sagte Albert. „Und diesmal brauche ich dein Versprechen zu absoluter Geheimhaltung, am besten noch deine Schweigepflicht als Arzt."

„Um Himmels Willen", sagte Alex sofort betroffen. „Was ist passiert?!"

„Ich breche eigentlich ein Versprechen, das ich gegeben habe, wenn ich dir das erzähle, aber es ist leider von großer Wichtigkeit. Es betrifft Jakes und Sherrys Entführung. Ich weiß jetzt, auf wen es dieser Unbekannte mit unserer „Nachkommenschaft" abgesehen hat. Du musst mir aber wirklich hoch und heilig versprechen, Alex, dass du niemandem etwas sagst. Du hast eine Schweigepflicht."

„Wenn jemand mit einem medizinischen Problem zu mir kommt, dann ja. Ist etwas mit Jake oder Sherry nicht in Ordnung? Haben die etwas mit ihnen angestellt?"

„Das fällt für gewöhnlich nicht unter medizinisches Problem", sagte Albert. „Ich war bei Sherry im Hotel. Ich habe sie besucht. Erinnerst du dich, als ich sagte, sie sei komisch? Dass ihr Geruch anders ist? Ich weiß jetzt, warum."

„Klär mich auf. Mach es nicht so spannend."

„Sherry ist schwanger."

Alex starrte ihn einen Moment ungläubig an und es dauerte, bis er sich wieder gefangen hatte.

„Ähm, was?! Sherry ist…"

„Sie ist schwanger. Mit Zwillingen", erklärte Albert. „Das ist der Grund für ihre Entführung. Die haben es auf ihre ungeborenen Kinder abgesehen."

„Wirklich?! Oh nein", meinte Alex. „Glaubst du, die wussten in Alaska schon davon?"

„Mit Sicherheit", sagte Albert. „Mit Sicherheit haben sie es dort festgestellt."

„Aber warum dann Jake?"

„Ich schätze, das ist jetzt obsolet geworden", sagte Albert. „Sie brauchen Jake nicht mehr. Wahrscheinlich haben sie ihn nur mit entführt, weil sie Sherry…"

„Du lieber Himmel", murmelte Alex. „Naja, das können die sich ja sparen, weil Sherry schon schwanger war. Deswegen die Genomanalysen der beiden. Die wollten sehen, wie gut sie zusammenpassen. Das bedeutet, dass Sherry in großer Gefahr schwebt. Die werden es früher oder später noch mal versuchen. Was könnten die mit den Kindern wollen?"

„Keine Ahnung, aber überleg doch mal, Alex. Kinder mit besonderen genetischen Eigenschaften. Erinnert dich das nicht an etwas?"

Alex nickte. „An uns, ich weiß. Das Wesker- Projekt."

„Dieser ganze Scheiß wiederholt sich irgendwie."

„Wir müssen was tun. Wir müssen unbedingt herausfinden, wer der Kerl ist."

„Die Spur, die uns Ada gegeben hat, war völlig nutzlos", knurrte Albert verärgert. „Wir sind so gut wie keinen Schritt weiter."

„Albert, sieh es nicht so pessimistisch", beschwichtigte ihn Alex. „Die Spur war alles andere als nutzlos. Natürlich sind wir erst mal ins Leere gelaufen, aber du vergisst etwas Entscheidendes."

Albert sah ihn erwartungsvoll an. „Ganz einfach. Der Kerl hat doch Patrick Marius Simmons, also „M", als seinen Handlanger bezeichnet. Das bedeutet, wir müssen Simmons finden. Er wird uns zu dem Mann führen, für den er arbeitet."

„Du hast wohl Recht. Aber wie sollen wir ihn finden?"

Alex atmete tief ein und aus. Dann sagte er langsam: „Ich glaube seit längerer Zeit, dass wir irgendetwas übersehen. Der entscheidende Hinweis, der uns weiterbringt, liegt direkt vor unserer Nase, aber wir übersehen ihn bislang, weil wir wahrscheinlich…" Er suchte nach der richtigen Beschreibung. „Wir denken zu kompliziert und wollen vielleicht das Offensichtliche nicht wahrhaben."

Das war kluges Gerede, leicht dahingesagt, dachte Albert missmutig. Es brachte sie aber keinen Schritt weiter.


Ada war wach und stand am Fenster, von wo aus sie den Mond am Himmel betrachtete, als Leon leise ihr Zimmer betrat. Sie hatte einen Verband um die Schulter. Die Wunde war abgeschwollen und die verschorfte, schwarze Kruste abgefallen. Kein schwarzes Netz breitete sich von der Wunde weg durch ihren Körper aus. Die Medikamente hatten gut angeschlagen und ihr ging es bereits besser. Sie war noch geschwächt, aber wohl auf.

Es erleichterte Leon. Er war besorgt um sie gewesen und hatte Angst gehabt, sie zu verlieren.

Sie sah sich nicht um, als er von hinten vorsichtig an sie herantrat und seine Arme sanft um ihre Taille legte. Sie schloss die Augen und ließ sich erschöpft gegen ihn fallen.

„Wenn jetzt jemand reinkommt und uns so sieht…", raunte sie.

„Das ist jetzt schon egal", sagte Leon. „Die Katze ist sowieso aus dem Sacke. Chris weiß von uns."

Sie löste sich von ihm, drehte sich um und sah ihn wenig begeistert an. „Man weiß von uns?"

„Ja. Es war ja offensichtlich."

Sie wich plötzlich seinem Blick aus. „Das ist mir nicht recht", sagte sie.

„Chris wird uns nicht verraten. Helena auch nicht. Sie weiß es seit China. Es ist einfach… irgendwann zu offensichtlich geworden. Ich kann es nicht länger verbergen, dass ich Gefühle für dich habe. Und ich möchte es auch nicht länger. Wir sind nun mal zusammen."

„Sind wir das?", fragte Ada. „Was weißt du über mich, Leon? Nichts. Du weißt überhaupt nicht, mit wem du dich eingelassen hast. Ich habe einige Dinge getan, die zu den heutigen Entwicklungen in großem Maße beigetragen haben. Auf mich steht ein internationaler Haftbefehl. Und ich bin eigentlich keine gute Person im Umgang. Willst du wirklich mit so jemandem zusammen sein?"

Hatte Leon heute nicht dieselben Worte gegenüber Helena in Bezug auf Wesker benutzt?

„Ada", sagte er, „du hast nicht nur einmal deine Mission aufs Spiel gesetzt, um mich zu beschützen oder mir zu helfen. Warum hast du das getan? Du bist nicht so wie du denkst."

„Aber ich bin auch nicht so wie du denkst", erwiderte sie hart. „Vielleicht ist es an der Zeit dir meine Geschichte zu erzählen, damit du verstehst."

Sie wandte sich wieder zum Fenster und sah in den Himmel hinauf.

„Ich wurde in China geboren, aber ich kenne nicht mal meine Familie oder meinen richtigen Namen. Ich weiß eigentlich gar nicht, wer ich bin, Leon. Alles, was ich weiß ist, dass ich in einem Waisenhaus groß geworden bin. Und das war in China kein Vergnügen. Das erste Mal, dass ich mich richtig zugehörig gefühlt habe, das Gefühl hatte, eine Familie zu haben, war in meiner Jugend, als mich die Chinesenmafia rekrutiert und ausgebildet hat. So erhielt ich den Namen Wong. Ich habe eine sehr enge Freundin kennengelernt. Ihr Name war Mimi, zumindest nannte ich sie immer so. Wir waren beste Freundinnen, aber irgendwann führte uns unsere Arbeit auf unterschiedliche Pfade und wir verloren uns aus den Augen. Später erfuhr ich, dass sie bei einem Auftrag ums Leben gekommen sei.

Wir haben Menschen gegen Geld ermordet, Leon. Diplomaten, Politiker, Wirtschaftsbosse. Überall auf der Welt. Wir betrieben Wirtschaftsspionage, ruinierten ganze Unternehmen für unsere Auftraggeber. Wir hatten mit Schwarzgeld, Drogenhandel und Prostitution zu tun. Wir kümmerten uns nicht um die Folgen oder wer dabei zu Schaden kam. Ein ums andere Mal haben wir dabei die falsche Seite unterstützt. Als ich älter wurde, beschloss ich, in den USA zu bleiben. Ich arbeitete für geheime Organisationen, die die Welt kontrollieren wollten, für Simmons, für Wesker. Ich stahl biologische Waffen, um sie in die falschen Hände zu übergeben."

Sie wandte sich zu ihm und sah ihm in die Augen. „Ich habe kein ruhmreiches, anständiges Leben geführt, Leon. Du weißt es. Wenn wir zusammen sind, dann… fällt das auch auf dich zurück. Warum?"

„Ada", sagte Leon, legte seine Arme um sie und zog sie ein Stück näher an sich heran. „Ich weiß, dass in der Vergangenheit wenig positive Dinge gelaufen sind. Aber das ist Vergangenheit. Du bist jetzt hier bei mir. Du musst nicht mehr weglaufen, OK? Ich habe dich als die wunderbare Frau kennengelernt, die du bist. Alles was zählt ist, dass du endlich hier bist. Bei mir. Ich muss deine Vergangenheit annehmen, so wie sie ist. Und ich liebe dich, als diese Frau, die du bist, mit der Vergangenheit, die zu deinem Leben dazugehört."

Sie seufzte und sah zur Seite. Leons Hand glitt unter ihr Kinn und hob ihren Kopf, sodass sie ihn ansehen musste. Er küsste sie.