Leon S. Kennedy 1977: Sheila ist auch nicht gerade eine Sympathieträgerin. ^^ Ja, sie war es, die Weskers Beziehung zerstört hat. Endlich ist es raus. Er hat aber auch lange gebraucht, um es zu begreifen. :)

Alexa- Wesker: Eigentlich kann man wirklich sagen, dass es logisch war, dass Sheila die Übeltäterin sein muss, aber Wesker hat buchstäblich den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. :) Er konnte sich das einfach nicht vorstellen, dass es eine Tat aus Eifersucht und verschmähter Liebe war und eben nichts, was mit Umbrella zu tun hatte.

Mit den Kapiteln wird es jetzt bestimmt wieder länger dauern. :( Ich bin momentan derart im Stress, dass ich überhaupt nichts zu Papier bringen kann, deshalb bin ich auch mit diesem Kapitel nicht so zufrieden. :(


Albert träumte wild durcheinander von Anna, von Sheila, von Spencer und Dr. Wesker und schließlich wieder von Anna. Er sah sie immer wieder vor sich, wie sie glücklich mit ihm war, doch dann entfernte sie sich immer mehr und ihr Körper wurde von Krankheit und Tod zerfressen. Sie bat ihn um Hilfe, aber nie konnte er sie erreichen. Immer schob sich die verhasste Gestalt Sheilas dazwischen und lachte höhnisch.

Als er erwachte, sah er nicht Sheila, sondern Helena Harper, die neben seinem Bett saß und ihn freundlich anlächelte. Sie rieb seinen Oberkörper mit einem feuchten, kühlenden Schwamm ab. Wesker erschrak und verkrampfte sich, doch sie legte ihm sofort beruhigend eine Hand auf den Arm und sprach ihm gut zu.

Er war angespannt, seine Muskeln waren steif und er hatte Gliederschmerzen, aber ihre sanfte Berührung verschaffte ihm etwas Linderung. Er war völlig verschwitzt und zitterte vor Kälte.

„Es ist alles OK", sagte sie leise. „Ich bin bei dir. Ruh dich aus, ja?"

Er nickte schwach, dann umschloss ihn sofort wieder die Dunkelheit.

Er träumte wieder von der blonden Frau und dem Hund. Er war wieder in dem Garten und die Sonne strahlte warm auf ihn herab. Er fühlte sich glücklich.

Doch das Glück seiner Familie wurde überschattet, als schwarze Wolkenberge die Sonne bedeckten und Kälte ihn umschlang. Der Garten, der zuvor in voller Blüte und sattem Grün gestanden hatte, verwandelte sich eine öde, karge Wüste. Die Pflanzen starben vor seinen Augen und verkümmerten zu trockenen Stängeln. Statt seiner Familie waren Spencer und Dr. Wesker da. Ihre Gesichter waren über ihm und ihr kaltes Lachen erfüllte die Umgebung. Er fühlte sich allein und hilflos und wünschte sich zurück zu seiner Familie, zurück zu Anna.

Als er das zweite Mal erwachte, ging es ihm besser. Und er blickte in Alex´ Gesicht. Schwach und im Kopf von irgendetwas betört, stemmte er sich langsam hoch. Er befand sich in dem Zimmer, in dem er bei seiner Ankunft in der B.S.A.A.- Zentrale gelegen hatte. Man hatte ihm eine Infusion gelegt und der Herzmonitor, der seine Kreislaufwerte überwachte, piepte monoton.

„Hey", sagte Alex. „Wie geht's dir?"

„Was ist passiert?", fragte Albert mit heiserer Stimme.

„Du bist umgefallen", erklärte Alex. „Du hast hohes Fieber und starke Schmerzen. Ich habe dir Schmerz- und Beruhigungsmittel gegeben, deshalb wirst du wahrscheinlich etwas… benebelt im Kopf sein."

„Wie lange bin ich schon hier?"

„Eine knappe Woche. Du hast die meiste Zeit geschlafen."

„Was ist mit mir? Bevor ihn ohnmächtig geworden bin, hatte ich starke Übelkeit und Magenschmerzen."

„Ja. Du hast Blut erbrochen. Ich versuche gerade herauszubekommen, was mit dir los ist. Deine Blutwerte sehen nicht gut aus, aber ich habe die Ursache dafür noch nicht gefunden."

„Was soll das heißen?!", fragte Albert. „Was ist mit meinem Blut?!"

„Wie soll ich das sagen, Albert, dein Körper steht buchstäblich in Flammen. Du hast überall Entzündungsherde, deshalb hast du starke Gliederschmerzen. Die Entzündungsfaktoren sind stark erhöht. Noch dazu steht dein Körper unter enormem Stress. Cortisol und Adrenalin sind stark erhöht. Und mir gefallen deine Leberwerte nicht. Sie sind zwar im Normalbereich, aber tendieren nach oben. Naja, und dein Magen… man müsste natürlich reinschauen, um etwas Genaueres sagen zu können, aber ich kann mir schon vorstellen, dass die Magenwand wahrscheinlich ebenfalls total entzündet ist."

„Was bedeutet das alles? Ich verstehe das nicht. Ich hatte dieselben Symptome, bevor ich mein Serum hergestellt habe, aber seit ich mein Serum wieder regelmäßig spritze, hatte ich eigentlich keine Beschwerden mehr. Ich habe mir die doppelte Dosis gegeben und trotzdem das…", knurrte Albert verärgert.

„Das weiß ich noch nicht. Ich versuche, es herauszufinden. In der Zwischenzeit solltest du dich ausruhen. Du bist immer noch sehr geschwächt. Ich kann dir ein Schlafmittel geben, wenn du möchtest?"

„Nein", sagte Albert entschieden. Er wollte nicht mehr schlafen und die schrecklichen Bilder sehen, die sein Unterbewusstsein in seinen Kopf produzierte. In seinem Zustand war es ohnehin abzusehen, dass er bald wieder in Schlaf fallen würde, er brauchte keine Hilfe dafür.

„OK, schon gut. Ich gebe dir aber zumindest das hier." Alex zog eine Spritze hervor. „Die letzte Arbeit meiner Frau: ein Mittel gegen rheumatische Beschwerden. Es ist pflanzlich und haut einen nicht so um, wie etwas Synthetisches. Soll ich dir das geben?"

„Meinetwegen", sagte Albert nickend und ließ Alex ihm das Medikament in den Arm injizieren.

„Ich sehe mir dein Serum an und werde sehen, was ich tun kann. Solange erhole dich bitte."

„Wo ist Helena?", fragte Wesker. Er konnte sich dunkel erinnern, dass sie an seinem Bett gesessen und mit ihm gesprochen hatte. Er war sich sicher, dass es kein Traum gewesen war.

„Ich kann sie zu dir schicken, wenn du willst?", fragte Alex. „Sie hat die ganze Zeit neben dir gewacht, als du Alpträume und Fieberkrämpfe hattest. Sie musste nur mal raus zum Telefonieren und weil sie mit Chris Redfield und Leon Kennedy gesprochen hat. Sie wird bald wieder kommen."


„Wo war Albert Wesker, bevor das passiert ist?", fragte Chris an Alex gewandt. „Er hat sich schon wieder nicht an die Regeln gehalten."

„Er war bei Jake", sagte Alex ruhig. „Die beiden haben miteinander geredet."

Damit hatte Chris nicht gerechnet. „Was?! Er war bei Jake?!"

„Ja, es sieht so aus, als würden sich die beiden langsam grün werden", meinte Alex.

Chris atmete tief durch. „Auch wenn ich dies prinzipiell begrüße, er kann nicht einfach ungefragt verschwinden. Was ist überhaupt mit ihm passiert?"

„Ich arbeite noch daran. Ich kann es noch nicht sagen. Der Punkt ist aber, dass ich ohne Alberts Einverständnis ohnehin nichts preisgeben darf. Das verstehen Sie hoffentlich?"

Chris nickte nur.


„Hi", sagte Helena leise, als sie das Krankenzimmer betrat. Wesker hatte sich im Bett aufgesetzt und versuchte, gegen seine Erschöpfung anzukämpfen. Er war müde und die Medikamente trugen dazu noch zusätzlich bei. Aber er konnte und wollte nicht schlafen. Er ertrug die Bilder, die er sah, nicht mehr. Immer wieder drängte sich das Gesicht von Anna, wie sie Schmerzen erlitt, in seine Gedanken.

„Wie geht's dir?", fragte Helena und trat vorsichtig auf ihn zu. Sie stellte ein Tablett mit einem Teller und zwei Tassen auf den Tisch neben sein Bett. Sie hatte belegte Bagels und heiße Schokolade dabei.

Wesker antwortete nicht. Er hasste diese Frage nach seinem Befinden.

Zögerlich ließ sich Helena auf der Kante seines Bettes nieder. „Was ist mit dir passiert? Ist es wieder wegen dem Virus? Ich dachte, dein Serum funktioniert?"

„Ja, das tut es auch. Es wird bald in Ordnung kommen", sagte Wesker und sein Tonfall ließ sofort vermuten, dass sie nicht weiter nachfragen sollen.

„Ich war bei dir. Du hattest wieder Alpträume, oder? Willst du darüber reden?"

Wesker schüttelte den Kopf und mied Helenas Blick. Ihre Anwesenheit war auf eine gewisse Weise angenehm und ihre Berührung war wohltuend gewesen, aber er wusste nicht, ob er ihre Nähe ertragen konnte, nachdem er von Anna geträumt hatte.

Helena ergriff zärtlich seine Hand und strich über seinen Unterarm. Er wandte langsam seinen Kopf und warf ihr von der Seite einen Blick zu.

„Ich habe mir Sorgen gemacht", raunte sie heiser. „Es war nicht schön, das ein zweites Mal mitansehen zu müssen."

Er musterte sie und versuchte, ihre Worte und ihren Gesichtsausdruck zu deuten. Sie sah ihn mitfühlend und mitleidsvoll an, aber lächelte. „Es freut mich, wenn es dir besser geht. Hast du Hunger? Also ich für meinen Teil sterbe vor Hunger."

Albert warf dem Essen einen Blick zu. Auch wenn er es nie zugegeben hätte, nach einer Woche im Bett ohne Essen, kam er sich wie ausgehungert vor. Der verlockende Duft ließ ihn keineswegs kalt, doch ihm fehlte jeglicher Appetit und er hatte die Befürchtung, sein Magen könne wieder verrücktspielen.

„Was möchtest du? Wir haben Hühnchen, Tomate- Mozzarella oder was mit Schinken und Käse."

„Meinetwegen Tomate", sagte Wesker schließlich.

„Gut, ich nehme das Hühnchen", sagte Helena. Sie aßen schweigend und tranken ihre heiße Schokolade. Die Nahrungsaufnahme tat gut, doch Wesker empfand keinen Genuss dabei. Die Tätigkeit war wie mechanisch und er hatte kaum Geschmacksempfinden auf der Zunge. Als sie mit ihrem Bagel fertig waren, brach Helena den übrig gebliebenen in zwei Hälften und bot ihm eine an. Er lehnte ab.

Zumindest fühlte sich Wesker sofort deutlich besser, nachdem er gegessen hatte. Er schaffte es sogar, vom Bett aufzustehen und ans Fenster zu gehen. Er kreiste vorsichtig seinen Hals und seine Schultern, weil sein Nacken vom vielen Liegen versteift war.

Seine Muskeln waren noch geschwächt und seine Gliedmaßen waren kraftlos, aber zumindest die Schmerzen hatten nachgelassen und soweit er das selbst beurteilen konnte, auch das Fieber. Er war nicht mehr verschwitzt und fror nicht mehr.

Helena trat von hinten an ihn heran und legte ihm ihre Hand auf die Schulter. Er schloss die Augen und genoss ihre Berührung im ersten Moment, doch dann schob sich ein Bild von Anna vor sein geistiges Auge, wie sie krank im Bett lag und ihn um Hilfe bat. In seinem Kopf hallte laut Sheilas Lachen wider. Wesker verkrampfte und löste sich von Helena.

Sie merkte sofort, dass etwas nicht stimmte. „Habe ich etwas falsch gemacht?"

Er schüttelte den Kopf. „Solltest du nicht in Washington sein?"

„Der Termin wurde verlegt. Ich habe um Aufschub gebeten, damit ich hier bei dir sein kann. Ich saß die letzte Woche neben deinem Bett. Ich wollte nicht fliegen, wenn es dir so schlecht geht. Hey", sie trat neben ihn und schmiegte sich an ihn, „was ist los?"

Wesker wollte nicht, dass sie sich ihm näherte. Er riss sich rüde von ihr los und stieß sie von sich. „Ich will nicht angefasst werden, Agent Harper. Es ist besser, Sie gehen jetzt."

Sie blickte ihn entgeistert an, aber sie spürte sofort, dass etwas nicht in Ordnung war, das ihn belastete und sie kannte Albert Wesker mittlerweile gut genug, um zu wissen, wann sie nicht weiter nachfragen sollte. Sein grobes Verhalten ihr gegenüber verletzte sie zwar, doch sie sagte nichts und verließ schweigend den Raum.


„Jake? Was machst du denn hier?", fragte Sherry überrascht, als sie Jake vor ihrer Tür stehen sah.

Jake holte tief Luft. „Ich wollte dir etwas sagen." Er schluckte und es kostete ihn Überwindung, aber er hatte sich vorgenommen, stark zu sein. Sherry blickte ihn erwartungsvoll an.

„Ich hab viel nachgedacht, die letzten Tage. Ich habe mit meinem Dad gesprochen."

„Was? Wirklich? Und wie ist es gelaufen?", fragte Sherry sofort interessiert.

„Ganz gut", sagte Jake. „Und irgendwie bin ich auch deswegen hier." Er räusperte sich. „Das war ´n ganz schöner Schock für mich… also das mit…" Er gestikulierte unbeholfen und deutete dabei auf Sherrys Bauch. Sie errötete und legte ihre Hand auf ihre Körpermitte.

„Tut mir Leid, dass ich nicht gleich… so in Freudentaumel ausgebrochen bin, ich… hab erst mal ´n bisschen Zeit gebraucht, um das Ganze zu verdauen. Jetzt aber bin ich bereit."

Sie sah ihn mit großen Augen an.

„Ich bin echt froh, dass wir uns getroffen haben und… ich… bin richtig stolz auf was wir haben und dass ich… Vater werde. Ich will, dass du weißt… ich bin immer für dich da und ich werde mich gut um dich und… die beiden kümmern. Ich werde es nicht zulassen, dass ihnen dasselbe passiert wie mir. Sie werden ihren Vater haben und… können immer auf ihn zählen. Genauso wie du. Ich bin bereit… mich der Herausforderung zu stellen."

Sherry blickte ihn ungläubig an, doch dann wandelte sich ihre Miene in ein freudiges Lächeln und sie umarmte ihn stürmisch. „Oh, Jake, ich bin so froh", sagte sie und Tränen stiegen ihr vor Freude in die Augen.

„Kommst du jetzt mit zu mir?", fragte er hoffnungsvoll.

Sie nickte sofort energisch. „Ja, das werde ich, aber erst…" Sie küsste ihn und zog ihn in ihr Hotelzimmer.


Alex schloss entspannt die Augen und ließ das warme Wasser auf seinen Körper niederprasseln. Er konzentrierte sich auf seinen Atem und auf die Wassertropfen, die seine Haut berührten. Er horchte in sich hinein und spürte jeden einzelnen Herzschlag.

Mit der Zeit merkte er, wie das Gedankenkarussell in seinem Kopf allmählich langsamer wurde und sein Gehirn zur Ruhe kam.

Seit Kanada hatte er ununterbrochen an Faith gedacht. Immer wieder schlichen sich schreckliche Szenarien in seinen Kopf, die ihm tagsüber seine Arbeit erschwerten und nachts den Schlaf raubten. Er sah seine Tochter, wie sie aus der Cryostase erwachte und sich unter fremden Gestalten wiederfand, die ihr einredeten, ihr Vater hätte sie zurückgelassen. Seine schlimmste Vorstellung war einerseits, dass man Faith töten würde, wenn sie nicht für irgendeinen Zweck dienlich war. Andererseits jedoch fürchtete er sich mehr als alles andere davor, seine Tochter wiederzufinden und feststellen zu müssen, dass der Feind sie auf seine Seite gezogen hatte. Er hoffte inständig, Faith möge, solange sie nicht wieder sicher bei ihm war, in ihrem Schlaf bleiben oder sich gegen Versuche, sie gegen ihre Familie aufzustacheln, zur Wehr setzen. Er hatte Vertrauen zu ihr, sie war ein kluges Mädchen.

Die vergangene Woche hatte sich eine weitere Sorge zu der um seine Tochter gesellt, die ihn auf die gleiche Weise belastete. Er hatte Alberts Zustand beobachtet und ihn medizinisch versorgt. Obwohl Alex als Arzt viel gesehen und erlebt hatte, war es ihm ungewohnt nah gegangen, den Mann, für den er brüderliche Gefühle hegte, so leiden zu sehen. Er fühlte sich hilflos, weil er nicht sagen konnte, was Albert fehlte. Die Blutuntersuchung hatte beunruhigendes zu Tage gefördert, aber er konnte die Werte nicht richtig zuordnen.

Als Alex eine halbe Stunde später aus der Dusche stieg, fühlte er sich frisch und erholt und er freute sich auf sein Bett. Er war die vergangenen Tage durchgehend im Labor gewesen und die ständige Arbeit hatte ihn erschöpft und ausgelaugt. Er wickelte sich das Handtuch um die Hüften und kehrte in sein Zimmer zurück, wo er sich abtrocknete und in gemütlichere Kleidung schlüpfte.

Er war so in Gedanken versunken, dass er nicht merkte, wie eine Person leise sein Zimmer betrat. Er realisierte Claires Anwesenheit erst, als sie vorsichtig ihre Arme um seine Taille legte und sich an ihn drückte.

„Ich wollte Bella sagen, dass sie das Handtuch wegschnappen soll", raunte sie ihm ins Ohr.

Trotz aller Müdigkeit konnte sich Alex ein Grinsen nicht verkneifen. Die Hündin trat neben ihn und beschnupperte seine Hand.

„Ich wollte dich besuchen", sagte Claire. „Du warst die letzten Tage ja unauffindbar."

„Ja. Ich habe gearbeitet", erklärte Alex und löste sich von ihr. Er setzte sich auf sein Bett. Bella trottete zu ihm, legte ihm die Pfoten auf die Oberschenkel und ließ einen Tennisball in seinen Schoß fallen.

„Bella, aus!", sagte Claire lachend. „Sorry."

Alex winkte ab. „Wir waren gerade im Park spazieren und haben Ball gespielt. Sie ist wohl noch nicht ausgepowert."

„Ja, die kleine Lady ist sehr…", Alex kraulte den Hund hinter den Ohren, „Sie hat viel Energie, die sie loswerden will, das stimmt. Heute allerdings nicht."

„Komm her, Bella, mach Platz", befahl Claire und die Hündin ließ von Alex ab und legte sich auf den Teppich. „Sie ist ja wenigstens folgsam. Zuhause hat sie ein Körbchen, in dem sie schläft." Claire nahm den Tennisball und steckte ihn in ihre Tasche, dann setzte sie sich neben Alex auf das Bett.

„Das muss leider auch für dich gelten", sagte er ernst und rieb sich erschöpft mit den Händen übers Gesicht. „Heute nicht."

„Ist OK", sagte Claire. „Darf ich aber zumindest hierbleiben und dir Gesellschaft leisten? Du siehst so aus, als könntest du jemanden gebrauchen."

„Ja, darfst du. Aber wenn du nichts dagegen hast…" Alex legte sich zurück und schloss die Augen.

Claire lächelte schwach. Sie legte ihre Tasche und ihren Mantel ab und zog ihre Schuhe aus, sodass sie sich neben Alex auf das Bett legen konnte.

Sie betrachtete ihn einige Zeit schweigend, wie er mit geschlossenen Augen und ruhig atmend neben ihr lag. Sie dachte schon, er sei eingeschlafen, doch als sie ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich, öffnete er die Augen.

„Ist es wegen Albert Wesker?", fragte Claire vorsichtig. „Ich habe gehört, es geht ihm nicht so gut. Du kümmerst dich um ihn, oder? Das macht dir zu schaffen, habe ich Recht?"

Alex nickte schwach. „Glaub mir, der wird schon wieder, den haut so schnell nichts um", sagte Claire zuversichtlich. „Der hat schon einiges überlebt."

Es war sonderbar so von Albert Wesker zu sprechen, aber Claire wusste und akzeptierte die enge Verbindung zwischen den beiden Männern. Sie drückte Alex ihr Verständnis aus, auch wenn es gegen ihr persönliches Empfinden ging.

„Das ist wahr. Ich mache mir aber trotzdem Sorgen. Er ist krank und ich weiß nicht, was mit ihm los ist. Ich hatte noch nie so eine Situation, dass ich nicht weiterwusste. Es ist offensichtlich, dass etwas mit ihm nicht stimmt, aber ich kann nichts für ihn tun, außer ihm Schmerzmittel zu geben. Das ist nicht meine Art als Arzt. Ich fühle mich schlecht und hilflos."

„Alex", Claire legte ihm beschwichtigend und trostspendend die Hand auf den Arm. „Du bist fähig und ein guter Arzt. Du wirst es schaffen und ihm helfen."

„Hoffen wir es."

„Aber deine Tochter beschäftigt dich auch, oder? Du machst dir Sorgen, dass die etwas mit ihr anstellen könnten, wenn sie aufwacht."

„Ja."

„Faith ist ein starkes Mädchen, da bin ich sicher. Sie schafft es allein durchzukommen, bis wir sie retten können."

Alex musterte Claire und er musste sich ein ums andere Mal wundern, wie sie so zuversichtlich sein konnte.

„Du hast wohl Recht", sagte er schließlich, um das Thema zu beenden. Er wollte nicht ständig mit ihr darüber reden.

Es war natürlich nur die halbe Wahrheit, aber Alex wollte mit Claire nicht über die Geschichte sprechen, zumindest noch nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Immer wieder seit seinem Gespräch mit Albert hatte er alle möglichen Szenarien im Kopf durchgespielt und jedes Mal war er zu demselben Schluss gekommen: Albert musste recht haben. Es konnte gar nicht anders sein, als dass Sheila diejenige war, die alles miteinander verband.

Es passte einfach alles zu gut zusammen und es sprach viel für Alberts Argumentation. Sheila konnte von Annas Schwangerschaft gewusst haben und es war mehr als plausibel, dass sie es gewesen war, die die Beziehung zwischen Albert und Anna aus Eifersucht zerstört hatte. Gleichzeitig war sie die einzige, die von Lauras und Alex´ Aufenthalt auf der Insel gewusst hatte. Es war ausgeschlossen, dass Spencer die Information preisgegeben hatte. Zu welchem Zweck? Wenn er wirklich Interesse an Faith gehabt hatte, hätte er damit seinen eigenen Plan untergraben. Somit blieb nur Sheila als Übeltäterin übrig, die seine Tochter an Simmons verkauft haben konnte.

Auch wenn die Faktenlage eindeutig schien, tat sich Alex sehr schwer, seiner Schwägerin eine solche Tat zu unterstellen. Sie hatte zwar keinen Kontakt zu Faith gehabt, aber das kleine Mädchen war ihre Nichte, die Tochter ihrer Schwester, gewesen. Sheila war keine sympathische Frau und Alex hatte auf ihre Gesellschaft immer gut verzichten können, aber es war etwas anderes, eine Person aus der Familie an eine verbrecherische Organisation zu verraten und damit deren Tod in Kauf zu nehmen.

Ein kleines gehörloses Mädchen, das sich nicht wehren konnte. Das nicht mal schreien konnte… Nur weil sie nicht wie ihr Vater, Albert Wesker und Jake Muller war, war sie nicht viel mehr wert gewesen als Abfall, den man entsorgen konnte.

Beim Gedanken daran wurde Alex schlecht und ihm kam regelrecht die Galle hoch. Nach den Verletzungen, die er an Faiths Körper festgestellt hatte, mochte er sich nicht ausmalen, was Simmons´ Leute mit ihr gemacht hatten.

Er merkte gar nicht, dass sich seine Hand in das Laken krallte und sich sein gesamter Körper anspannte.

„Was hast du?", fragte Claire sofort besorgt. Wahrscheinlich hatten seine Augen rot aufgeglüht. Er wurde von Sheilas Bild, das sich in seine Gedanken eingebrannt hatte, losgerissen.

„Nichts, schon gut", sagte Alex schnell.

Sie lagen einige Zeit schweigend nebeneinander. Claires Finger strichen sanft über Alex´ Arm.

„Wenn wir… Faith befreit haben… kann ich sie… mal kennenlernen? Oder werdet ihr dann fortgehen?"

Er sah an ihrem Blick, dass sie die Frage schon länger beschäftigte, dass damit eine gewisse Befürchtung auf ihrer Seite verbunden war. Er verstand natürlich, woher ihre Sorge kam. Im Prinzip gab es nichts, was Alex noch weiter in New York halten sollte, wenn er wieder mit Faith vereint war. Er war ja nur hier, weil er sich auf eine Zusammenarbeit mit der B.S.A.A. widerwillig eingelassen hatte. Es war natürlich nicht vorherzusehen gewesen, dass er mit Claire Redfield in engere Verbindung treten würde.

Er hatte keine wirklich Antwort auf ihre Frage. Natürlich durfte sie Faith kennenlernen. Aber was er tun würde, stand noch nicht fest.

Er schätzte Claire als Person, vor allem weil es lange her war, dass er eine Frau getroffen hatte, mit der er sich richtig verstand und mit der er sich auf einer Ebene fühlte. Er genoss es, seine Gedanken mit jemandem teilen zu können, Gesellschaft zu haben, ja sogar, dass sie das Bett miteinander teilten. Er empfand sie nur manchmal als sehr klammernd und sehr anhänglich, was vermutlich an ihrer schlechten Erfahrung und ihrem Bedürfnis, der Einsamkeit zu entfliehen, lag. Er verübelte es ihr nicht. Hatten sie bereits so etwas wie eine Beziehung? Claire schien eine gewisse emotionale Bindung aufgebaut zu haben, das konnte er aus ihren Augen sehen. Sie fürchtete sich davor, dass Alex einfach gehen und sie zurücklassen könnte. Wie stand er selbst dazu? Er mochte Claire Redfield, das musste er zugeben. Aber er wusste nicht, ob er nochmal bereit war, sich auf eine tiefergehende Beziehung einzulassen. Er war einmal in seinem Leben an diesem Punkt gewesen und er hatte die Vergänglichkeit des vermeintlich perfekten und ewigen erfahren. Wollte er das Risiko ein zweites Mal eingehen? Er war nicht mehr der Jüngste und die Umstände waren völlig andere als bei seiner Hochzeit mit Laura vor über zwanzig Jahren.

„Du kannst Faith natürlich kennenlernen", sagte er schließlich. „Aber ich weiß noch nicht, was ich dann tun werde, Claire. Eigentlich kann ich nicht hierbleiben. Die Regierung wird mir die Hilfe, die ich euch zuteilwerden lasse, mit Sicherheit anrechnen, aber dennoch… Ich habe Dinge getan, für die ich mich eigentlich verantworten muss. Aufgrund derer ihr mich nicht so einfach gehen lassen könnt. Aber dann… werde ich mich nicht so einfach geschlagen geben."

„Alex", Claire ergriff seine Hand, „ich möchte nicht, dass du fortgehst. Ich bin… sehr glücklich darüber, dass wir uns getroffen haben. Mögen die Umstände, die dazu geführt haben, auch sehr widrig sein und unglücklich. Aber aus so etwas können sich immer neue Chancen ergeben. Ich möchte mit dir zusammen sein."

„Claire, ich weiß, dass die letzten Monate für dich voller Hochs und Tiefs waren. Eher haben die Tiefs überwogen. Du suchst etwas und du glaubst, es in mir gefunden zu haben. Aber ich weiß nicht, ob ich der Richtige bin, der all das hat, was du suchst. Gefühle rauben uns die Fähigkeit objektiv zu bleiben und vor allem…", sie sahen sich tief in die Augen, „… verleiten sie uns nur all zu oft dazu, dass Offensichtliche nicht wahrhaben zu wollen und stattdessen die eigenen Wünschen in die Wirklichkeit zu projezieren."

„Alex", Claire rückte näher an ihn heran und sah ihm fest in die Augen, „glaub mir, dieser Fehler ist mir einmal passiert und er wird mir kein zweites Mal passieren. Ich will dich und ich will mit dir zusammen sein. Mit den Konsequenzen, die das bedeutet."


Weskers körperlicher Zustand verbesserte sich und er konnte das Krankenzimmer verlassen. Mental jedoch erlebte er wie er mehr und mehr in eine konstante Spirale nach unten gezogen wurde.

Er konnte nachts nicht schlafen, weil ihn entweder Alpträume plagten oder sein Kopf derart überfüllt mit sich ständig kreisenden Gedanken war, dass er nicht zur Ruhe kommen und abschalten konnte. Er wollte nicht essen und ließ niemanden in seine Nähe. Nicht einmal Helena Harper. Selbst Alex ließ er nicht an sich heran.

Die traumatischen Erlebnisse seiner Kindheit verfolgten ihn und er musste immer und immer wieder durchleben, wie die Raketenwerfer auf ihn zu flogen und ihn der Vulkan verschlang. Er sah Anna sterben und Sheila, wie sie ihn an sich zog und ihm zuflüsterte, dass er nur ihr gehöre. Er verkroch sich in eine Ecke ans Fenster und saß stundenlang im Dunkeln. Ihn plagten Schmerzen. Schmerzen, die er noch nie zuvor erfahren hatte und von denen er wusste, dass sein Virus sie nicht einfach heilen konnte. Sie waren in seiner Brust und im Inneren seines Kopfes. Es waren Gedanken und Empfindungen, die ihn quälten und die er sich am liebsten aus seinem Körper gerissen hätte.

Wenn er schlafen konnte, dann nur für wenige Stunden am Stück, weil er ständig hochschrak und dachte, jemand wäre in seinem Zimmer. Im Dunkeln sah er Chris, der sich über ihn beugte und ihm ein Messer in die Brust rammte. Manchmal schob er sogar einen Schrank vor die Tür, weil er verhindern wollte, dass jemand sein Zimmer betrat.

Nach einer knappen Woche kamen die körperlichen Beschwerden zurück und er hatte abermals hohes Fieber und starke Gliederschmerzen. Er spürte buchstäblich, wie der Stress durch seine Adern rauschte und seinen Körper in eine Art Hochspannungsleitung verwandelte.

Im Laufe der Woche verschlechterte sich sein Zustand erneut und irgendwann war er zu schwach, um sich gegen ein Eindringen ein seinen Raum zu wehren. Helena blieb hartnäckig und er fand sie immer öfter bei sich, wenn er am Fenster saß oder im Bett lag. Sie setzte oder legte sich neben ihn, schmiegte sich an ihn und blieb für Stunden bei ihm ohne etwas zu sagen. Er wollte nicht, dass sie bei ihm war, er wollte überhaupt niemanden um sich haben, aber er hatte irgendwann keine Kraft mehr, sie wegzustoßen.

Er erinnerte sich an Marina und wie sie ihn eines Tages verlassen hatte. Als er kurz darauf für Dr. Markus begann zu arbeiten, hatte er sich nie wieder Gedanken über sie gemacht. Als er ein paar Jahre später im Krankenhaus gelegen hatte und es lange Zeit ungewiss war, ob er durchkommen würde, hatte er sie oft in seinen Träumen gesehen und jedes Mal hatte sie ihn gebeten zu ihr zu kommen. Er hatte gehen wollen, er wollte nicht mehr zurück zu Spencer, Dr. Markus, nicht einmal zu William. Aber er musste gehen. Schließlich hatte man ihm doch geholfen.

Wenn er stundenlang teilnahmslos am Fenster saß und die Dunkelheit starrte, fühlte er dasselbe wie damals, als er zu Marina gehen wollte: Gleichgültigkeit und Bedeutungslosigkeit und den Wunsch, die Schmerzen endlich hinter sich lassen zu können.

Am Rande merkte er, dass Helena die B.S.A.A.- Leute davon abhielt, sich gewaltsam Zutritt zu seinem Zimmer zu verschaffen. Sie kümmerte sich so gut sie konnte um ihn, schaffte es sogar ein paar wenige Male, ihn zum Essen oder zum Sprechen zu bringen. Er erzählte ihr nichts von seinem und Alex´ Gespräch und von den neuen Erkenntnissen, die sich ergeben hatte, er erwähnte auch nicht, was ihn aus seiner Kindheit verfolgte. Hauptsächlich erzählte sie ihm etwas und er antwortete halbherzig darauf.

Am Ende der Woche hatte sie ihn so weit, dass er einwilligte, sein Zimmer zu verlassen und zurück auf die Krankenstation zu gehen. Leichtes Fieber hatte wieder angefangen und er ertrug die Schmerzen in seinen Knochen nicht mehr.


Jake versuchte bereits zum wiederholen Male, seinen Vater zu besuchen, doch die B.S.A.A. vertröstete ihn nur und sagte, dass sein Vater niemanden sehen wollte. Jake wollte sich mit dieser Erklärung nicht einfach zufrieden geben. Er wollte Antworten, wollte wissen, warum sein Vater ihn mitten in ihrem Gespräch stehen gelassen hatte.

Sherry begleitete ihn, als er das Gebäude der B.S.A.A. betrat und nach Chris Redfield fragte. Dieser stand nachdenklich vor dem Krankenzimmer und beobachtete Agentin Helena Harper, wie sie drinnen an Weskers Bett saß und mit ihm sprach. Er hatte ihr den Rücken zugedreht und nur ein Blick über seine Schulter von Zeit zu Zeit verriet, dass er ihr zuhörte.

Als sie herauskam, erstarrte sie, als sie Chris sah und begriff, dass er sie beobachtet hatte.

„Sie sind das, Mr. Redfield. Entschuldigung, ich habe nicht mit Ihnen gerechnet."

„Schon gut. Ich… wollte einfach nur sehen, wie es Wesker geht."

Sie zog eine Augenbraue nach oben. „Und das von Ihnen? Ungewöhnlich."

Er erwiderte nichts auf ihre Bemerkung hin. „Ich bewundere Sie in gewisser Weise. Wie Sie sich um ihn kümmern. Sie beide stehen in engerer Beziehung zueinander, oder? Er war doch desöfteren bei Ihnen und Sie haben Ihre Anhörung verschieben lassen, damit Sie bei ihm bleiben können, habe ich Recht?"

Sie antwortete nicht. Sie sah nur schweigend durch die Glasscheibe auf Wesker.

„Wissen Sie, was mit ihm los ist?", fragte Chris. „Es ist doch nicht nur etwas körperliches, oder?"

Sie sah ihn an. „Nein ist es nicht. Nicht nur. Mit seinem Körper stimmt wirklich etwas nicht. Alex untersucht es ja gerade, aber… er hat noch keine Antwort darauf gefunden. Ich glaube, aber, das ist nur die eine Sache. Ihm geht es psychisch nicht sonderlich gut. Viele Dinge belasten ihn."

„Wissen Sie darüber etwas?", fragte Chris. Er versuchte, dabei möglichst gleichgültig zu klingen, aber konnte sein Interesse nicht verbergen.

„Er erzählt mir nichts, aber es hat viel mit seiner Kindheit zu tun und mit Jakes Mutter. Er hat sie verlassen, weil er sie vor Umbrella schützen wollte und ich denke, er macht sich große Vorwürfe wegen Jake. Das würde er aber nicht zugeben. Wenn er Alpträume hat, dann… Er spricht von Anna Muller und von einer gewissen Sheila, aber ich weiß nicht, wer das ist. Soweit ich das verstehe, muss in seiner Kindheit irgendetwas traumatisches passiert sein, das ihn sehr belastet. Und naja, dann ist da noch sein Tod in Afrika."

„Ja, verstehe. Es ist wie am Anfang", sagte Chris. „Als wir ihn gefunden haben."

„Ja, nur schlimmer. Er braucht Hilfe", sagte Helena ernst. „Dringend."

„Ist er irgendwie… lebensmüde oder so etwas?", fragte Chris, obwohl er sich das nicht vorstellen konnte. „Besteht die Befürchtung, dass… er irgendwas Dummes macht?"

„Nein, das ist es nicht. Oder ich weiß nicht. Etwas Dummes ja, aber nicht das, was Sie meinen, Mr. Redfield."

„Glauben Sie, er will… fliehen? Er will wieder auf eigene Faust handeln?"

„Schön möglich. Ich hoffe, dass ich ihn dazu bringen kann, mit mir zu reden. Aber erst muss sich sein gesundheitlicher Zustand verbessern. Ich hoffe, Alex findet irgendwas."

Chris nickte. Er wollte noch etwas sagen, doch in diesem Moment, hörte er von der anderen Seite des Flures Jake Mullers Stimme. Und dieser klang ungehalten. Sherry Birkin eilte ihm mit besorgtem Gesicht hinterher und versuchte, Jake zu beruhigen.

„Hey. Ich versuche seit ewigen Zeiten meinen Vater zu sprechen. Was zum Teufel ist hier los?! Warum kann ich nicht zu ihm?"

„Oh nein", flüsterte Helena auf einmal und betrat erneut Weskers Zimmer.

Als Chris seinen Blick wieder auf Wesker richtete, sah er sofort, was los war. Wesker hatte sich ihm Bett aufgesetzt, das Gesicht vor Schmerz verzerrt und war kurz davor, sich zu übergeben. Helena eilte zu ihm und hielt ihm eine Schüssel hin.

Jake trat neben Chris. „Was ist verdammt noch mal los?! Wo ist mein Vater?! Ich will mit ihm sprechen!"

„Jake, ich…", begann Chris, doch Jake hatte bereits gesehen, was in dem Krankenzimmer vorging.

„Jake…" Sherry fasste ihn an der Schulter, doch Jake reagierte nicht.

Er starrte mit ausdruckslosem Gesicht durch die Scheibe auf seinen Vater, der Blut erbrechen musste. Helena Harper war bei ihm und half ihm. Jake sah Weskers Gesicht, wie blass er aussah, er sah die Schmerzen, die er durchlitt und in seinem Inneren breitete sich Leere aus. Er konnte nichts mehr fühlen. Taubheit hatte ihn erfasst.

Ein Bild seiner Mutter in ihren letzten Wochen vor ihrem Tod erschien vor seinem geistigen Auge, wie sie im Bett gelegen hatte, unfähig, sich zu bewegen, von Schmerzen gelähmt.

Er wich unbewusst ein paar Schritte zurück, dann drehte er sich auf dem Absatz um und eilte wieder davon. Sherry wechselte einen entgeisterten Blick mit Chris, dann folgte sie Jake. Chris blieb verdutzt zurück und fühlte sich einmal mehr völlig hilflos.


„Hast du endlich etwas rausgefunden?!", fragte Albert ungeduldig. Alex entging seine Aggressivität nicht.

„Leider nein", musste Alex zugeben. „Ich werde deinen Virus noch genauer untersuchen, aber fest steht schon mal, dass dein Serum nicht mehr funktioniert. Ich habe es etwas modifiziert und es mit meinem gemischt. Es sollte funktionieren, aber wir müssen sehen, wie es weitergeht."

Alex holte einen kleine Aluschatulle aus seiner Tasche und öffnete sie. Darin befanden sich aufgereiht, ungefähr zwanzig Spritzen. Er nahm eine, überprüfte sie auf Lufteinschlüsse, dann injizierte er sie Albert in eine Vene an dessen linken Arm.

„In ein paar Tagen wird sich zeigen, ob es hilft", sagte Alex. „Bis dahin gebe ich dir nochmal Schmerzmittel."

„Was ist mit mir los, Alex? Ich verstehe das nicht. Ich habe das noch nie erlebt", sagte Albert wütend.

„Es tut mir Leid, momentan kann ich dir nichts sagen. Ich tue alles, was in meiner Macht steht."

Alex´ Gesichtsausdruck wurde plötzlich sehr ernst. „Ich habe über das nachgedacht, was du gesagt hast. Sheila", fügte er hinzu, als Albert ihn fragend musterte. „Ich habe mir das Ganze die letzte Zeit intensiv durch den Kopf gehen lassen und… leider muss ich zugeben, dass… Ich denke, du hast Recht. Es gibt wirklich keine andere Möglichkeit, keine andere Erklärung, als dass Sheila unsere Kinder verraten hat. Es muss sie gewesen sein, die Simmons geholfen hat. Die Frage ist nur, was wir jetzt tun werden. Ich meine, was wir mit dieser neuen Erkenntnis anfangen sollen."

Sie schwiegen einen Moment. Albert spürte ausgehend von der Einstichstelle ein Kribbeln in seinem Arm, das sich allmählich in den Rest seines Körpers ausbreitete. Das neue Serum verschaffte ihm Linderung.

„Die Maus hat im Übrigen endlich ihre Jungen bekommen, fünf an der Zahl", sagte Alex weiter. „Momentan versteckt sie sie noch im Nest, aber sobald sie Fell haben, eigenständig fressen und rauskommen, werde ich sie auf die Auswirkungen des Virus untersuchen."


Weskers Zustand schien sich auf das neue Serum hin endlich zu stabilisieren. Schon wenige Tage nach Verabreichung, ließen seine Schmerzen nach, das Fieber verschwand endlich vollständig und er konnte wieder normal Nahrung zuführen. Nachdem er keine Schmerzen mehr hatte, ging es ihm auch mental fast augenblicklich besser.

Er fühlte sich wie neugeboren. Er verkroch sich nicht mehr, sondern nahm seine Arbeit im Labor wieder auf. Er duldete es sogar, dass Helena die Nächte bei ihm verbrachte. Sie ließ ihm Zeit, drängte ihn nicht. Meist lag sie nur neben ihm, den Kopf auf seiner Brust und einen Arm um ihn geschlungen, weil er nichts anderes zulassen konnte. Manchmal versuchte sie, mit ihm über die letzten Wochen zu sprechen, aber Wesker wehrte alle Versuche ab. Er wollte nicht reden.

Zwar war er psychisch stabiler, doch Sheila Yamamoto, seine verhasste Kollegin, die mutmaßlich seine Beziehung zu Anna Muller zerstört hatte, hatte sich wie eine fixe Idee in seinem Kopf festgesetzt. Ständig war sie präsent, in seinen Gedanken, in seinen Träumen. Immer sah er ihr Bild vor seinem inneren Auge.

Er kannte den Grund genau, warum er mit niemandem, nicht einmal mit Helena Harper, darüber sprechen wollte. Das Gefühl, das ihn so sehr quälte, war Scham und daraus resultierten Schuldgefühle.

Noch nie zuvor in seinem Leben hatte sich Albert Wesker für irgendetwas geschämt oder gar schuldig gefühlt. Aber jetzt tat er es.

Er fühlte sich schuldig, dass Anna sterben musste, dass sein Sohn keine Kindheit gehabt hatte, weil er zu dumm und zu blind gewesen war, die Wahrheit zu erkennen. Er hatte nur an sich und die Firma gedacht. Umbrella und Spencer, die sein Leben einmal ruiniert hatten, waren lange vergangen und eigentlich hatte er gedacht, sich von seiner Vergangenheit befreit zu haben, doch ihr verheerender Einfluss erstreckte sich weiter in die Gegenwart, hatte sein Leben ein zweites Mal zerstört. Es hatte das Leben eines Menschen gekostet, der ihm einst sehr viel bedeutet hatte, und dazu hatte es einem jungen Menschen ein würdiges Leben genommen. Es war seine Schuld. Es war seine Dummheit, die Anna getötet hatte.

Eines Nachts schrak er hoch und wusste genau, was er zu tun hatte. Er würde Sheila dafür bezahlen lassen, was sie Anna angetan hatte. Sie würde genauso leiden wie er jetzt und wie Anna und Jake es getan hatten. Und wenn es das letzte war, was er tat.