Leon S. Kennedy 1977: Albert tut mir selber langsam Leid, dass ich ihn so quäle. :( Und leider wird es für ihn nicht besser werden. Ich habe es auch lieber, wenn er mehr emotionale Tiefe bekommt, aber man muss echt aufpassen, dass er nicht OOC wird. :)
Alexa- Wesker: Ja, Wesker muss wirklich ganz schön leiden und es wird nicht besser werden. :( In gewisser Weise bekommt er einige Dinge zurück, die er verbrochen hat, und er wird es langsam auch realisieren. Sheila wird definitiv leiden müssen, denn Wesker sinnt auf Rache. Und mit ihm sollte man es sich nicht verscherzen. :)
Momentan habe ich viel zu erledigen. Praktikum, Praktikumsbericht, Lernen… Wann ich da die Kapitel schreiben soll, ist echt fraglich. :( Schreiben wäre mir aber echt lieber als Krankenhaus… -.-
Sherry hatte um ein Treffen gebeten, um etwas zu verkünden. Chris, Jill, Sheva, Alex Wesker, Leon und Claire hatten sich in Chris´ Büro versammelt und warteten auf Sherrys Offenbarung. Leon und Claire hatten bereits vermutet, dass sie ihr seltsames Verhalten die letzten Wochen erklären wollte.
Alle Köpfe wandten sich zur Tür, als die junge Birkin- Tochter in Begleitung von Jake Muller den Raum betrat.
„Hey", sagte sie verlegen. Sie und Jake traten vor die Gruppe.
„Du wolltest mit uns reden? Ist es wegen… deiner Geheimniskrämerei die letzten Wochen?", fragte Claire sofort. „Weißt du, wir haben uns schon Sorgen gemacht. Du warst total komisch und wir…"
„Ja, ich weiß", sagte Sherry. „Es tut mir echt Leid, dass ich so… naja… ein wenig seltsam war. Ich musste selbst erst mal mit der Situation klarkommen." Sie warf einen unsicheren Blick zu Jake, der ihr zunickte.
„Ich wollte euch alle hier treffen, weil ich etwas zu verkünden habe." Sie räusperte sich und musste tief Luft holen. „Jake und ich haben etwas zu sagen." Sie machte eine kurze Pause. Es kostete sie Überwindung, die Wahrheit endlich auszusprechen, aber sie wusste, dass sie es tun musste. Und ihre Freunde, all die Menschen, die ihr etwas bedeuteten, die sich so um sie bemüht hatten, verdienten, es zu erfahren.
„Ich bin schwanger. Mit Zwillingen."
Eine bedrückende Stille legte sich über den Raum. In ihren Gesichtern stand Ungläubigkeit. Nur Alex grinste.
„Sagt doch bitte mal einer was", sagte Sherry verunsichert.
Claire fing sich als erste. „Ähm… äh, ja…" Sie tauschte einen Blick mit Alex Wesker. „Hey, was...?"
„Ich weiß es schon", sagte Alex. „Albert hat es mir gesagt."
Sherry nickte. „Ja, mein… Schwiegervater in spe hat es als erster rausgefunden."
„Verstehe", sagte Chris. „Deswegen ist er nicht hier."
„Sherry", sagte Claire, schritt auf die junge Frau zu und nahm sie in den Arm. „Das ist toll. Ich freue mich wirklich für dich. Herzlichen Glückwunsch."
Alle gratulierten dem jungen Paar, doch der Moment des Glücks war nur von kurzer Dauer, denn alle wussten, was die Nachricht von Sherrys Schwangerschaft bedeutete.
„Dieser Kerle haben es auf eure beiden Kinder abgesehen", sagte Chris ernst. „Das ist der Grund für eure Entführung."
„Albert vermutet das, ja, und ich stimme ihm zu", sagte Alex. „Der Mann in Kanada meinte, dass er Interesse an unserer Nachkommenschaft hat. Er meinte nicht Jake damit, sondern die beiden Kleinen."
„Ja", sagte Sherry und nickte. „Sie werden es früher oder später nochmal versuchen, mich zu entführen. Jake brauchen sie ja jetzt nicht mehr."
„Diese verdammten Schweine!", schimpfte Claire. „Wir müssen sie endlich kriegen!"
„Zustimmung", sagte Leon. „Aber vorerst müssen wir Sherry beschützen."
Das neue Serum linderte seine Beschwerden, eine Dauerlösung war es nicht. Wesker erholte sich weitestgehend, aber er spürte, dass er schwächer war, als früher. Früher oder später musste er sein Blut im Labor untersuchen und feststellen, was mit ihm nicht in Ordnung war. Er sprach nicht mit Alex darüber, aber er vermutete, dass sein Virus verrücktspielte. Er hatte keine Erklärung dafür, aber es war die einzige Möglichkeit. Vielleicht machte er deswegen einen weiten Bogen darum, herauszufinden, wo das Problem lag, weil er bereits eine böse Vorahnung hatte.
Wann immer er konnte, verbrachte Wesker die kommenden Tage vor einem Computer und surfte durch das Internet.
Er gab Sheilas Namen in jede Internetsuchmaschine ein, die er kannte, doch immer verlief seine Suche im Nichts. Keine Einträge in sozialen Netzwerken oder in Telefon- oder Adressbüchern, ebenso wenig Zeitungsartikel oder andere Meldungen.
Das einzige, auf das er jedes Mal, wenn er ihren vollständigen Namen eingab, stieß, war das Unternehmen AquaSystemTex. Von Alex hatte er erfahren, dass das Unternehmen der Familie Yamamoto gehörte.
Das Internet war voll von Berichten über die Firma, aber Sheila fand nirgendwo Erwähnung. Es war als existiere sie nicht.
Nachdem Wesker aber wusste, dass sie mit dem Unternehmen in Zusammenhang stand, beschloss er, alle möglichen Informationen über AquaSystemTex zusammenzutragen. Er wusste nicht, ob es ihm nutzen würde, aber es war zumindest ein Anfang. Es lenkte ihn ab und er war beschäftigt. Die Untätigkeit trieb ihn halb in den Wahnsinn.
AquaSystemTex war Ende der 80er Jahre in Japan von Oe und Kenta Yamamoto, zwei Brüdern, gegründet worden. Die Firma war als privater Wasserversorger tätig. Die beiden Gründer, zwei Spezialisten auf dem Gebiet der Trinkwasseraufbereitung, besaßen ein Patent auf ein von ihnen entwickeltes Verfahren, durch das es möglich war, Wasser besonders gründlich und sauber aufzubereiten.
Die Firma war viele Jahre vor allem in Ländern der Dritten Welt tätig gewesen und hatte erst in den 90er Jahren erste Versuche unternommen, auf dem asiatischen Kontinent, sowie in Europa und Nordamerika Fuß zu fassen. Wesker fand einige Zeitungsmeldungen und Berichte darüber. AquaSystemTex hatte mit Entwicklungshilfeorganisationen zusammengearbeitet und für ihr soziales Engagement großes Lob geerntet. In einem Fachmagazin über Wirtschaft fand er allein 13 Meldungen über die Entwicklungen ihrer Geschäfte sowie einen Versuch, an die Börse zu gehen.
Mitte der 90er Jahre als das Geschäft florierte, verstarben Kenta und Oe Yamamoto in kurzem Abstand hintereinander durch Krankheit, sodass das Unternehmen ohne Führungsspitze zurückblieb. Die Schlagzeilen waren wochenlang durch sämtliche Tageszeitungen gegangen.
Laura und Sheila Yamamoto, Oes Töchter, hatten beide andere Berufe ergriffen – beide waren für Umbrella tätig gewesen- und waren somit nicht in Frage gekommen, die Führung der Firma zu übernehmen. Nach einigen Monaten des bitteren Bangens und der Ungewissheit hatte schließlich Kentas Sohn Takeshi, der Cousin der beiden Schwestern, den Posten des Vorstandsvorsitzenden übernommen.
Die nachfolgenden Entwicklungen ließen Wesker stutzig werden und er machte sich geistig eine Notiz dazu. Nachdem Takeshi die Firma übernommen hatte, war es mit AquaSystemTex konstant bergab gegangen. Das Unternehmen war weit in die roten Zahlen hineingerutscht und sein Aktienkurs auf Talfahrt gegangen, sodass eine Insolvenz unvermeidbar gewesen war. Takeshi hatte das Erfolgsmodell seines Vaters und Onkels in wenigen Jahren gegen die Wand gefahren. Zwischen 2001 und 2002 war die Firma jedoch binnen eines Dreivierteljahres zu alter Blüte aufgestiegen, hatte sich saniert und alle Schulden abgebaut und hatte es zudem geschafft, wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen.
Als Wesker einen Artikel darüber in einem Wirtschaftsmagazin las, musste er schmunzeln. Das alles kam ihm höchst merkwürdig vor. Er nahm es aber zwangsweise vorübergehend hin und forschte weiter.
Ab 2002 hatte die Firma stark expandiert, sodass sie sich eine dominierende Stellung als privater Wasserversorger für Kommunen und Städte auf allen Kontinenten sichern konnte. Sie hatte soweit er sehen konnte, mindestens fünf Tochterunternehmen gegründet, darunter Local Water Supply Ltd. und Agua Vital, beide waren Wesker entfernt namentlich bekannt, er hatte aber nicht gewusst, dass sie zu ein und demselben Firmenkomplex gehörten.
Der Aufschwung war vor allem ab 2008 noch signifikanter ausgefallen und Wesker konnte sich sofort denken, warum: die Wirtschaftskrise hatte viele Regionen zu harten Sparprogrammen gezwungen und wahrscheinlich hatten viele Städte und Gemeinden ihre Wasserversorgung privatisiert. Die öffentlichen Kassen waren leer und man war auf die Privatwirtschaft als Unterstützung angewiesen.
In einem Politikmagazin fand er einen Artikel, der sich weniger mit der wirtschaftlichen Situation, als vielmehr mit der Firmenpolitik und sozialen Aspekten auseinandersetzte. AquaSystemTex wurde darin mit Begeisterung regelrecht angepriesen. Hier zogen sich Weskers Augenbrauen vor Skepsis zusammen und er konnte nur den Kopf schütteln. Ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das einen günstigeren Preis als Konkurrenten oder der Staat anbot, aber dabei auch noch bessere Qualität lieferte. Dazu kamen finanzielle Hilfen für Entwicklungshilfeorganisationen wie „Water for Africa" oder „Water is Life" in Südamerika und Indien. Die Firma stellte ihre Technologie für Entwicklungs- und Schwellenländer zu besonders günstigen Konditionen zur Verfügung, was ihnen zahlreiche Auszeichnungen für soziales Engagement eingebracht hatte. In einem Forum stieß er auf eine Diskussion, in deren Verlauf zwei User hin- und herschrieben, ob die Wohltätigkeit ernst gemeint oder nur ein äußerst cleveres Geschäftsmodell. Wesker musste zustimmen. Ihm kam alles ebenfalls höchst seltsam vor und er vermutete, dass die Firma tatsächlich irgendetwas mit ihren Taten bezwecken wollte. Er konnte sich partout nicht vorstellen, welchen Nutzen ein Unternehmen aus dieser Art von Wirtschaften zog, wie sie sich überhaupt auf dem Markt halten konnten, grenzte an ein Wunder, AquaSystemTex war aber zu einem der bedeutendsten Konzerne der Welt aufgetrumpft. Wesker sah hier ganz klar Widersprüche und Ungereimtheiten, vor allem, nachdem sie kurz vor der Pleite gestanden und sich in Rekordzeit davon erholt hatten.
Soweit Wesker die Firmengeschichte zurückverfolgen konnte, begann das verstärkte soziale Engagement erst nach dem Aufschwung 2002, zeitgleich mit der Expansion.
Er machte sich auf einem Blatt Papier eine kurze Skizze. Er zeichnete eine Gerade mit den Jahreszahlen und dazu eine Kurve, die die Unternehmensentwicklung darstellte. Bis Ende der 90er Jahre der stetige, konstante Anstieg, dann der Einbruch, worauf ein exponentieller Anstieg folgte. Er kreiste die Stelle in seiner Zeichnung, wo der steile Anstieg nach oben begann, mit einem Rotstift ein, machte ein Fragezeichen darüber und unterstrich die Jahreszahlen 2001 und 2002. Der Zeitraum, als Simmons den C- Virus vervollständigte. Kurze Zeit darauf wurde Faith ermordet.
Gab es einen Zusammenhang? Wenn ja, welchen? Es stand im Prinzip fest, dass Sheila mit „der Familie" zusammengearbeitet hatte, aber wie sollten ein Wasserversorger und biologische Waffen zusammenpassen? Ihn störten einige Dinge, aber er konnte im Moment leider nicht mehr herausfinden. Die Internetseite des Konzerns und seiner Töchter war noch weniger aufschlussreich, somit musste er vorerst aufgeben.
Er schrieb unter seine Skizze: AquaSystemTex- Familie- Simmons- Zusammenhang?
Er schloss den Deckel des Laptops etwas zu grob. Er war verärgert, weil er sich zugegeben mehr erhofft hatte. Die Informationen, die er zusammengetragen hatte, halfen ihm kein Stück weiter, Sheila Yamamoto zu finden. Seine ehemalige Kollegin war und blieb ein Phantom.
Er tippte nachdenklich mit den Fingern auf dem Tisch und fasste für sich das Wichtigste nochmal zusammen:
Sheilas Schwester Laura, die Sheila wohl am nächsten gestanden hatte, war tot. Sie schied also aus. Sie konnte den Aufenthaltsort ihrer Schwester zwar gewusst haben, doch nutzte es ihm nichts mehr. Der Vater und der Onkel waren schon vor langer Zeit verstorben. Im Grunde blieb nur der Cousin, Takeshi, übrig.
Die Firmenzentrale, das hatte Wesker auf der Internetseite im Impressum des Unternehmens gelesen, befand sich in der japanischen Hauptstadt, also musste sich Takeshi als CEO mit hoher Wahrscheinlichkeit dort aufhalten.
Weskers Hände ballten sich zu Fäusten. Es war ein nicht unerheblicher Rückschlag, aber ihm blieb keine andere Wahl, als ihn in Kauf zu nehmen. Er musste sich auf sein Hauptziel konzentrieren und das war Sheila Yamamoto zu finden und zu vernichten. Dafür war ihm jedes Mittel recht. Auch wenn er dafür um den halben Globus reisen musste.
Sein Entschluss stand fest: Er würde nach Japan fliegen, er musste nur alles klug organisieren.
Er fuhr den Computer erneut hoch und suchte nach Flugtickets.
„Wesker?!", sagte Leon mit einer gewissen Angriffslustigkeit in der Stimme. „Was willst du hier?!"
„Darf ich einer alten Bekannten keinen Besuch abstatten?", fragte Wesker gespielt unschuldig.
Ada Wong saß an der Kante ihres Bettes, als Wesker ihr Zimmer betrat. Sie trug noch immer einen Verband, aber schien wieder vollständig genesen zu sein. Leon Kennedy war bei ihr und er hatte einiges gegen den Überraschungsbesuch.
„Was willst du?!", fragte er nochmals.
„Ich möchte Ada Wong unter vier Augen sprechen", erklärte Wesker ruhig.
„Leon, schon gut", sagte Ada beschwichtigend. „Wesker wird mich nicht auffressen. Es wird ja nicht lange dauern, oder?"
„Keineswegs, ich werde die Turteltauben nicht lange mit meiner Anwesenheit belästigen."
Leon warf Wesker im Vorbeigehen einen giftigen Blick zu und verließ dann widerwillig den Raum. Er zog die Tür zu fest zu, sodass sie ins Schloss knallte.
„Was willst du?", fragte Ada gelangweilt.
„Ich brauche deine Hilfe, Ada", erklärte Wesker.
„Meine Hilfe?", fragte sie erstaunt. „Tatsächlich? Wofür?"
„Ich nehme mal an, du weißt, dass ich hier praktisch ein Gefangener bin. Das schließt leider auch ein, dass ich kein Geld besitze. Ich benötige aber eines."
„Du willst, dass ich dir Geld leihe?"
„Du bekommst es selbstverständlich zurück", versicherte Wesker. „Ich will dir keine Umstände machen, aber es ist sehr dringend. Das Geld, das ich habe, ist momentan nicht greifbar für mich. Also bin ich auf deine Mithilfe angewiesen. Wirst du es tun?"
Ada erhob sich vom Bett und schritt zum Fenster. Sie verschränkte die Arme.
„Weißt du, das ist mir nicht recht", sagte sie langsam.
„Ich will kein Geschenk, Ada, du bekommst es zurück. Sobald es geht."
„Darum geht es nicht. Wir haben durch die letzte Aktion bereits genug Ärger am Hals. Ich würde dir nicht raten, dir nochmal so eine Nummer zu erlauben, Wesker. Und ich kann es mir auch nicht erlauben", sagte Ada ernst. „Was auch immer du schon wieder vorhast, ich appelliere an deine Vernunft. Lass es sein."
„Ada, was ich vorhabe, geht nur mich etwas an. Es wird niemand anderes daran beteiligt sein. Auch nicht Alex. Ich werde allein gehen. Niemand wird erfahren, dass du mir geholfen hast."
Ada schnaubte. „Wieso fragst du eigentlich nicht deine kleine Freundin um Hilfe? Ich wette, Helena Harper würde dir bereitwillig helfen. Sie scheint ja sehr bemüht um dich zu sein."
Wesker erwiderte nichts darauf. „Ich bin auf dich angewiesen, Ada. Ich habe etwas zu erledigen."
Ada seufzte. „Weißt du, in alten Zeiten hast du mir einfach gesagt, was ich tun soll. Heute bittest du mich und irgendwie… kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass du ziemlich verzweifelt bist. Was ist aus dir geworden? Wo ist der alte Albert Wesker? Der bittet nämlich nicht um etwas, er nimmt es sich."
„Was ist aus der alten Ada Wong geworden? Die Ada Wong, die ich kenne, würde nicht als Gefangene der B.S.A.A. hier untätig herumsitzen", bemerkte Wesker. „Aber offensichtlich wirst selbst du langsam häuslich."
„Wie sich die Zeiten ändern, nicht wahr?", scherzte Ada. „Du bist nur noch ein Schatten deiner selbst, Albert."
„Wie wir alle", sagte Albert. „Es gab Zeiten", er trat dicht an sie heran und sah ihr tief in die Augen, „damals warst du nicht so brav." Er spielte auf ihre kurze Affäre an. Ada spürte wie Hitze in ihr aufstieg. Ihre Wangen röteten sich ein wenig und sie wandte sich von ihm ab. „Aber es war abzusehen, dass es mit uns nicht lange funktionieren würde. Es war immer nur Platz für Leon."
Sie erwiderte nichts auf seinen letzten Satz. „Wirst du mir nun helfen?"
Sie atmete tief durch. „Verrate mir erst, wofür du das Geld brauchst."
Wesker überlegte. „Ich möchte verreisen und brauche Geld für Flugtickets."
„Wohin geht die Reise?", wollte Ada wissen. „Ich schätze mal, nicht gerade an einen weißen Sandstrand unter Palmen."
„In den fernen Osten. Aber je weniger du weißt, desto besser. Ich werde niemandem davon erzählen. Ich werde allein fliegen. Die Sache ist allein meine Angelegenheit."
„Ich sehe schon", sagte Ada. „Ich habe wenig Chancen. Also schön." Sie seufzte tief. „Ich werde dir aushelfen. Aber ich schlage dir vor, ich besorge dir sofort das Flugticket. Ich brauche deinen Zielort. Und ich nehme mal an, du willst so schnell es geht los, oder?"
„Also gut, wie du möchtest. Nur beeil dich."
Gedanklich war Wesker die kommenden Tage nur noch mit seiner geplanten Reise beschäftigt. Er durchdachte alles mindestens hundertmal, um absolut sicherzugehen, dass ihm nichts dazwischen kommen würde. Wenn er erst einmal unterwegs war, gab es kein Zurück mehr. Der schwierigste Teil war ohne Zweifel seine Flucht aus der B.S.A.A.- Zentrale, wo er unter konstanter Beobachtung stand, und die Fahrt zum Flughafen. Er hatte sich bereits einen Plan zurechtgelegt, aber es war heikel. Sollten sich dabei Probleme ergeben, war sein gesamtes Vorhaben in Gefahr.
Ada organisierte ihm den Flug nach Tokyo und steckte ihm in einem sicheren Moment das Flugticket und gefälschte Papiere zu. Sein Flug ging an einem Samstagabend um 1:34 Uhr. Der Weg zum Flughafen würde genau eine Stunde dauern. Er hatte sich einen Zeitplan aufgestellt und sich den besten Weg herausgesucht. In Tokyo angekommen, war sein Ziel die Hauptzentrale von AquaSystemTex. Dort wollte er Takeshi Yamamoto ausfindig machen.
Er rechnete natürlich damit, dass sein Verschwinden bald bemerkt werden würde, ihm blieb nur darauf zu hoffen, dass er dann bereits einen zu großen Vorsprung hatte, um ihn einzuholen und seinen Plan zu vereiteln. Er hatte sich geschworen, nicht zu ruhen, ehe Sheila Yamamoto nicht tot vor ihm lag. Und er würde sich mit Sicherheit von niemandem aufhalten lassen.
Am Tag seiner Abreise war er zuerst mit Alex im Labor beschäftigt, später gesellte sich Helena zu ihm. Sie aßen zusammen zu Abend, dann begleitete sie ihn auf sein Zimmer, wo sie sofort Ambitionen zeigte, ihn ins Bett zu bekommen.
Er wollte sie zuerst von sich weisen, doch ihre Annäherungsversuche waren allzu verlockend, sodass er sich doch darauf einließ. Er war jedoch nicht wirklich bei der Sache, was Helena schnell bemerkte.
„Was ist los mit dir?", fragte sie. Sie hatte sich auf ihn gesetzt und drückte ihn mit ihrem Gewicht auf sein Bett. Ihre Hände ruhten auf seinem Oberkörper und sie war dabei gewesen, ihn begierig zu küssen. Normalerweise ließe er es nie zu, dass sie die dominante Rolle übernahm. Spätestens jetzt hätte er sie herumgerollt und das Kommando übernommen. Sie war überrascht, wie abwesend er war. „Geht es dir nicht gut? Willst du… aufhören?"
Er konnte heraushören, dass es ihr nicht gefiel. Seine geschärften Sinne sagten ihm, dass sie mehr als nur willig und überaus erregt war. Jetzt aufzuhören missfiel ihr sichtlich. Weskers Mund verzog sich in ein verschmitztes Grinsen.
„Nein, ist schon gut", sagte er schließlich und richtete seine Aufmerksamkeit auf die junge Frau, die auf ihm saß. Sie hatte bereits ihren Pullover und ihre Hose ausgezogen, sodass sie in Top und Unterwäsche auf ihm saß.
Wesker rollte sie mit Schwung herum und drückte sie nach unten. Den Rest ihres Abends versuchte er nicht an das Kommende zu denken.
Ein paar Stunden später döste Helena zufrieden neben ihm. Wesker hatte sich aufgesetzt und starrte in die Dunkelheit. Manchmal warf er einen kurzen Blick auf sie. Ihr Gesicht war völlig entspannt. Ihre Augen waren halb geöffnet und ihre Hand streichelte über seinen unteren Rücken.
„Hey." Sie setzte sich verschlafen auf und schmiegte sich an ihn.
Wesker rührte sich nicht.
„Seit du vor zwei, drei Wochen mit Jake gesprochen hast, bist du… anders. Irgendwas beschäftigt dich und… ich habe das Gefühl, du bist… total weit weg", raunte Helena heiser. „Bitte sprich mit mir."
Wesker überlegte kurz, ob er ihr erzählen sollte, was er durch das Gespräch mit Jake herausgefunden hatte, aber er entschied sich dagegen. Das Risiko, dass sie womöglich aus dem Gesagten erschloss, was er vorhatte, war zu groß.
„Ich möchte nicht reden", sagte er bestimmt.
„Ich hoffe du weißt, dass ich dir helfen möchte. Als ich neben deinem Bett saß und mitansehen musste, wie sehr dich die Alpträume plagen, habe ich mir große Sorgen gemacht. Es geht dir nicht gut und du musst… darüber reden. Das hilft."
„Ich bedauere, aber… reden wird nicht helfen."
Sie bemerkte die Betonung auf „reden" und es missfiel ihr. Das Gefühl, dass er irgendetwas Dummes tun würde, beschlich sie erneut.
Wesker zwang sie, sich auf den Rücken zu legen. „Ich bin kein Mann der Worte. Ich bin ein Mann der Taten."
Er küsste sie und kurz darauf konnte man sie lustvoll seufzen hören. Er beschäftigte sie solange, bis sie schließlich vor Erschöpfung neben ihm einschlief.
Als er auf die Uhr sah, war es viertel nach elf. Er musste sich bereithalten.
Er blieb noch etwas bei Helena im Bett liegen, stellte sicher, dass sie wirklich tief und fest schlief, dann löste er sich vorsichtig von ihr und zog sich leise an.
Wesker verließ sein Zimmer, nachdem er sich vergewissert hatte, dass niemand auf den Gängen zu sehen war und eilte in den dritten Stock, wo er wusste, dass sich dort auf einer Toilette ein Fenster zu einem Innenhof befand. Von dort aus konnte er ohne Schwierigkeiten auf die Straße gelangen.
Dunkelheit umgab ihn und nur das spärliche Licht des Mondes erleuchtete seinen Weg, als Wesker geräuschlos durch ein offenes Fenster in Sherrys und Jakes Wohnung gelangte.
Wesker sah nachdenklich auf seinen schlafenden Sohn hinab und unweigerlich tauchte das Bild seiner Mutter, Anna, vor seinem geistigen Auge auf. Jake hielt Sherry im Arm und eine Hand ruhte auf ihrem Bauch. Ein Bild schob sich in seine Gedanken, wie er selbst im Bett neben Anna lag und seine eigene Hand um ihren Körper auf ihren Bauch gelegt hatte.
Alles war so unwirklich und schwer zu begreifen und er wusste nicht, wie er die Situation fassen sollte. Wenn er den Jungen ansah, erkannte er freilich einen Teil von sich selbst und er sah Anna, aber er wusste nicht, was er ihm gegenüber fühlen oder wie er die Tatsache annehmen sollte, dass er Vater war.
Einmal mehr musste er über die unfreiwillige Komik schmunzeln. Er, Albert Wesker, ein Vater. Er empfand große Wut und Verdruss, ja sogar Reue darüber, dass sein Sohn ohne ihn kein angemessenes Leben gehabt hatte und in schwierigen Umständen aufgewachsen war, wenn er aber an all die Dinge dachte, die er in seinem Leben getan hatte, musste er unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass es besser gewesen war, dass der Junge seinen Vater nicht gekannt hatte.
Andererseits…
Was, wenn er von Jake gewusst hätte? Wenn Anna ihm die Wahrheit gesagt hätte? Wäre dann alles anders verlaufen?
Er warf noch einen Blick auf Sherry, dann wandte er sich ab und verließ ihr Schlafzimmer. Jake und Sherrys Ausrüstung und ihre Waffen lagen im Wohnzimmer. Wesker musste erstaunt feststellen, dass Jake seine alte Samurai Edge hatte. Er hatte sie eigentlich in Afrika verloren, nachdem er aus dem Flugzeug gestürzt war. Er hatte nicht mehr an seine alte Pistole gedacht, er war davon ausgegangen, dass sie zerstört worden war, aber offenbar hatten entweder Chris oder Sheva Alomar sie „gerettet". Wahrscheinlich hatte Chris sie Jake gegeben.
Während Wesker die beiden Waffen mit neuen Magazinen füllte und Ersatzmagazine und Kampfmesser einsteckte, schweiften seine Gedanken in die Vergangenheit ab und wanderten zu Anna und all den Dingen, die hätten sein können.
Wie wären die Dinge wohl verlaufen, wenn Albert Wesker und Anna Muller zusammengeblieben wären? Was, wenn Sheila nicht gewesen wäre? Wären sie glücklich gewesen? Hätte ihre Beziehung auf Dauer gehalten? Wie hätte sich ihr Leben mit einem Kind entwickelt? Wenn er Anna nicht verlassen hätte, hätten sie vielleicht doch irgendwann geheiratet? Hätte Jake womöglich Geschwister gehabt? Wesker war sich unsicher, ob er all dies gemeistert hätte.
Vermutlich wäre Kijuju niemals passiert, die Organisation und Ada wären niemals passiert, vielleicht wäre sogar Raccoon City niemals passiert. Aber so wäre er niemals S.T.A.R.S.- Captain geworden und hätte Chris, Jill und die anderen niemals kennengelernt. Würden William und Annette noch leben? Vielleicht wären Jake und Sherry zusammen aufgewachsen?
Das alles waren nur wilde Spekulationen, Vermutungen und Kopfzerbrechen über Dinge, die niemals sein würden. Wesker war kein Familienmensch und er glaubte nicht, dass er ein guter Vater gewesen wäre. Seine Verwicklungen mit Umbrella hätten seine Familie früher oder später auseinandergerissen. Und schließlich war da noch Spencer, der vermutlich Interesse an Jake gehabt hätte. Wahrscheinlich wären die Dinge nicht sonderlich viel anders verlaufen.
Er musste sich allerdings ob der Ironie, die die ganze Sache barg, zusammenreißen, nicht laut loszulachen. Zwei Menschen, aus völlig verschiedenen Welten, waren zufällig aufeinandergetroffen und es waren ausgerechnet sein Sohn und Birkins Tochter. Und ausgerechnet zwischen den beiden war eine Liebesbeziehung entstanden, aus der Kinder hervorgehen würden.
Was würde William dazu sagen? Hatte er Wesker nicht immer mit dessen nicht vorhandenem Privatleben aufgezogen? Würde er die Beziehung ihrer Kinder gutheißen? Er konnte sich bildhaft vorstellen, wie sein früherer Kollege und Freund reagieren würde, wenn er jetzt hier wäre.
Wesker steckte die beiden Pistolen und Messer ein, dann steuerte er die Wohnungstür an. Er nahm Jakes Motorradschlüssel von der Kommode im Flur. Er hielt noch ein letztes Mal inne und warf einen Blick über seine Schulter zurück.
Er war fünf Monate mit Anna Muller zusammen gewesen, fünf Monate, die er sehr genossen hatte. Er konnte nicht sagen, was er für die kleine, zierliche Frau aus Edonien mit dem verzaubernden Lächeln empfunden hatte, er wusste aber, dass sie es als erster und einziger Mensch in seinem Leben einst geschafft hatte, ihm das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit, von Vertrauen, zu geben. Dafür war er ihr sehr dankbar.
Sie hatte ihm so viel gegeben und was hatte er getan? Ihre Beziehung war auf einem Lügengebilde aufgebaut worden. Er hatte ihr eine glückliche, heile Welt vorgegaukelt, die nicht da gewesen war und die niemals hätte existieren können. Er hatte sie immerzu belogen, wo sie ehrlich gewesen war.
Er hatte sie verlassen, als sie ihn am dringensten gebraucht hatte. Er hatte sie und ihr Kind im Stich gelassen, weil ihm Umbrella wichtiger gewesen war. Er hatte es getan, um sie zu beschützen und er hatte den Schritt immer als die einzige Möglichkeit empfunden. Heute jedoch fühlte er sich wie ein Feigling, da er von seiner Verantwortung davon gelaufen war. Er hatte Anna allein gelassen.
Er hatte ihr alles aufgebürdet, obwohl sie schwach und hilflos gewesen war. Sie hatte nicht einfach weglaufen können. Sie war gezwungen gewesen, mit den Umständen zurechtzukommen. Sie hatte alles ertragen, angefangen von der Demütigung durch ihr Umfeld, bis zur schweren Situation, alleinerziehende Mutter in einem von Krieg und Armut zerrüttetem Land zu sein. Sie hatte viel mehr geschafft, als Wesker jemals erreicht hatte und erreichen würde. Dafür bewunderte er sie.
Und Wesker hatte die verdammte Pflicht, seinen Fehler aus der Vergangenheit wiedergutzumachen.
Er konnte nicht ändern, was passiert war, aber er konnte Anna zumindest soviel Respekt und Anerkennung zuteilwerden lassen, dass er die Frau dafür bezahlen ließ, die ihr und Jakes Leben zerstört hatte.
Er wünschte Sherry und Jake gedanklich alles Gute, dann verließ er das Appartement.
