Alexa- Wesker: Ich verfluche Capcom auch dafür! :( Wesker sterben zu lassen war keine gute Idee, vor allem so für Wesker unwürdig. Nein, keine Angst, ich habe etwas anderes mit ihm vor. :)

Leon S. Kennedy: Sheila kann einem wirklich Leid tun. Ich verrate schon mal, dass der Tod definitiv das Gnädigste für sie sein wird.

Das Kursive in den wörtlichen Reden ist Japanisch. Manchmal hab ich auch die japanischen Sätze hingeschrieben, die ich wusste. :)


Die Anspannung fiel erst von ihm ab, als sie bereits knappe vier Stunden in der Luft waren. Wesker lehnte sich in seinem Sitz zurück und schloss die Augen.

Er hatte es geschafft. Dank Adas gefälschter Papiere war er unauffällig durch die Zollkontrolle gekommen, hatte sein Flugzeug betreten und war auf dem Weg nach Japan. Der schwierigste und heikelste Part seines Unternehmens war gemeistert. Von jetzt an hatte er wenig Hindernisse zu erwarten.

Es würde vermutlich noch einige Zeit dauern, bis man sein Verschwinden bemerken würde und bis dahin würde er Takeshi Yamamoto längst in seiner Gewalt haben und zu Sheila befragen. Für den Moment jedoch wollte er an nichts mehr denken. Er genoss den kurzen Augenblick der Ruhe und driftete in Erinnerungen ab.

Wesker hatte Japan nie zuvor besucht, allerdings war er der Sprache fließend mächtig. Er hatte Japanisch in seiner Jugend gelernt, als er begonnen hatte, Kampfsport zu trainieren.

Es war März 1980 und er war nach seiner schweren Lungenentzündung aus dem Krankenhaus entlassen worden. Er war noch zwei Wochen krankgeschrieben, bevor er wieder zu Dr. Markus und William ins Labor gehen würden.

Er hatte große Probleme, mit sich selbst und seinem Umfeld zurechtzukommen, nachdem er aufgewacht war. Eigentlich hatte er nicht mehr damit gerechnet, aufzuwachen und hatte sich bereits damit abgefunden, in der Dunkelheit zu bleiben. Er hatte Marina, seine Jugendliebe gesehen und er hatte vorgehabt, zu ihr zu gehen. Sie war in seinen Träumen aufgetaucht und hatte ihn gebeten, zu ihr zu kommen und Wesker war bereitwillig darauf eingegangen.

Er wollte zu ihr, aber er hatte sie nicht mehr erreichen können. Sie waren getrennt worden, weil endlich die Medikamente bei ihm angeschlagen hatten und er auf dem Weg der Besserung war. Wesker war erwacht und von der Tatsache, dass er wieder am Leben war, völlig überfordert gewesen.

Er zog sich darauf zurück, wollte mit niemandem mehr sprechen, war manchmal sogar aggressiv gegenüber seinen Mitmenschen. Dies hatte ihm einmal Ärger mit Dr. Markus und Spencer eingebracht. Während seiner Krankschreibung war ihm Schonung verordnet worden und er war gezwungen, die meiste Zeit drinnen in seinem Zimmer oder draußen im Garten zu verbringen. Die Untätigkeit hatte ihn wahnsinnig gemacht. Er fühlte sich mit sich selbst und seinem Leben unwohl und unzufrieden und musste irgendetwas tun.

Spencer war es schließlich gewesen, der ihm klar angeordnet hatte, etwas zu tun. Als Wesker die Entscheidung traf, sich in Kampfkunst zu versuchen, war es Spencer gewesen, der ihn mit einem Sensei bekannt gemacht hatte.

Weskers Meister war ein Japaner mittleren Alters, der bereits viele Jahre in Nordamerika gelebt hatte. Er beherrschte perfektes Englisch, doch von ihrer ersten Stunde an, sprach er ausschließlich Japanisch mit Wesker. Er war streng und unnachgiebig und ein Vertreter er alten Schule. Hartes Training und Disziplin hatten fortan Weskers Alltag bestimmt. Neben seiner Arbeit im Labor verbrachte er seine Freizeit im Dojo. Er war nicht unsportlich gewesen, doch die erste Zeit war er nach dem Training erschöpft und mit Muskelschmerzen ins Bett gefallen, bis sich sein Körper an die Tortur gewöhnt hatte.

Sein Sensei unterrichtete ihn in einer Bandbreite an verschiedenen Kampftechniken, darunter klassisches Kung Fu und Umgang mit traditionellen Waffen. Es hatte ihm später in seiner Agentenausbildung große Dienste erwiesen.

Die ersten Stunden war die neue Sprache eine Herausforderung gewesen, aber schon nach drei Monaten hatte er das Grundvokabular und die meiste Grammatik verinnerlicht, nach einem halben Jahr war er in der Lage fließend Japanisch zu sprechen und zu verstehen.

Sein Training hatte drei Jahre gedauert. Er hatte es geschafft, seinen Meister im Kampf zu schlagen und besser als dieser zu werden. Er sollte seinen Sensei nie wieder sehen.

Eine Stewardess bat ihm Tee und Frühstück an und riss ihn aus seinen Erinnerungen. Er nahm es entgegen. Durch das runde Fenster sah er den wolkenverhangenen Himmel und den riesigen dunkelblauen Ozean unter sich. Sie überflogen das Meer und am Horizont waren die japanischen Inseln zu erkennen.


Jake schrak irgendwann aus einem seltsamen Traum hoch und wurde von hellem Tageslicht geblendet. Er blinzelte und es dauerte ein paar Momente, bis sich seine Augen an die plötzliche Helligkeit gewöhnt hatten. Er dachte zuerst ein lautes Geräusch, vielleicht ein Motor, hätte ihn geweckt, doch bis auf ein paar Vögel, die draußen zwitscherten, war es vollkommen still.

Er warf einen kurzen Blick auf Sherry, die noch neben ihm schlief, dann schlug er die Decke zurück und stellte die Füße auf den Boden. Er rieb sich mit den Händen erschöpft übers Gesicht, dann erhob er sich.

Ein seltsames Gefühl überkam ihn, als er den Flur entlang ins Bad und dann in die Küche ging, um Kaffee aufzusetzen. Es kam ihm beinahe so vor, als sei er nicht allein in der Wohnung. Er ertappte sich dabei, wie er in alle Räume sah, um sicherzugehen, dass er und Sherry auch wirklich allein waren.

Alle Zimmer waren leer und Stille lag über der Wohnung, es gab keinen Grund zur Sorge. Doch irgendetwas beunruhigte Jake. Es war ein nagendes Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Es war albern, aber er konnte nichts dagegen tun.

Als er in die Küche zurückging, kam ihm eine verschlafene Sherry entgegen.

„Guten Morgen", sagte sie und gähnte. „Was ist los?", fragte sie dann, als sie seine angespannte Miene sah.

„Ich weiß nicht, aber… ich hab irgendwie das Gefühl, dass jemand letzte Nacht hier war."

„Was?!", fragte Sherry verwundert. „Wie kommst du denn darauf?"

„Kein Plan, vielleicht werde ich ja langsam paranoid, aber…"

Plötzlich machte Jake eine Kehrtwende und ging in den Flur zurück. Sherry folgte ihm entgeistert.

„Jake, was…"

Jake stand da, hatte die Hände in die Hüften gestemmt und sah sich um, als suche er etwas Bestimmtes. Als sein Blick auf die Schlüsselablage auf der Kommode fiel, weiteten sich seine Augen und Entsetzen trat auf sein Gesicht.

„Sherry, wo sind meine Schlüssel?!

„Die müssen daliegen, du hast sie doch gestern da hingelegt", meinte Sherry.

„Ja, das dachte ich auch, aber… Sie sind nicht da! Shit", murmelte er. „Ich hab ein ganz mieses Gefühl."

Er stürmte ins Wohnzimmer, Sherry eilte ihm nach. „Unsere Waffen! Sie sind weg. Die Waffe von meinem Dad ist weg!", rief Jake sofort.

„Verdammt, das darf doch nicht wahr sein!", sagte Sherry.

„Ich muss telefonieren", sagte Jake, ging zurück in die Küche und tippte eilig auf seinem Handy die Nummer von Chris Redfield ein.


Chris und Jill waren auf dem Weg ins Büro. Sie hielten mit dem Auto gerade an einer Ampel, als ein Handy plötzlich klingelte.

„Das ist deins, oder?", meinte Jill und kramte in ihrer Tasche. „Hallo?", fragte sie, nachdem sie den Anruf angenommen hatte.

„Jake? Was ist los? Du bist ja völlig aufgelöst." Während sie Jake zuhörte, trat Sorge auf ihr Gesicht. „Was?! Was soll Wesker gemacht haben?"

Bei Erwähnung von Weskers Namen wurde Chris hellhörig. Er fuhr bei der nächsten Gelegenheit rechts ran und nahm Jill das Telefon ab.

„Jake, hier ist Chris. Was ist mit Wesker?"

„Ich glaube, mein Dad war letzte Nacht bei uns. Er hat unsere Waffen gestohlen und mein Motorrad. Er ist irgendwohin."

„Was?! Bist du sicher?!", fragte Chris alarmiert.

„Ich habe keinen Plan, ob ich mir das alle nur einbilde, aber… Ich hab ein ganz schlechtes Gefühl."

„Wir kümmern uns sofort drum", sagte Chris, legte auf, setzte aus der Parklücke aus und fuhr so schnell es ging zur B.S.A.A.- Zentrale.


Claire und Alex Wesker saßen beim Frühstück, als es wild an die Zimmertür klopfte.

„Wer kommt denn jetzt?" Die beiden sahen sich irritiert an.

Alex legte seinen Toast beiseite und öffnete. Chris Redfield und Jill Valentine standen davor, beide gehetzt und mit besorgten Gesichtern.

„Was ist…?", fragte Alex entgeistert, doch Chris unterbrach ihn sofort.

„Alex, wo ist Albert? Ist er hier?"

„Er ist nicht hier, warum fragen Sie?"

„Wir glauben, dass er weg ist und irgendetwas vor hat. Er ist nirgendwo zu finden", erklärte Chris eilig.

„Was?!"

Sie eilten so schnell es ging zu Weskers Zimmer. Chris riss die Tür auf, doch er fand nur Helena Harper vor, die aus dem Schlaf hochschrak und sich schützend die Decke vor ihren Körper hielt.

„Was…?!"

„Agent Harper, wo ist Albert Wesker?!", fragte Chris ohne Umschweife.

„Ich…" Helena überlegte. Sie brauchte ein paar Momente, um die Situation richtig zu fassen. „Ich weiß nicht. Wir waren gestern Abend zusammen. Er… er war hier…"

„Er ist weg", sagte Alex. „Er ist gegangen."

„Verdammt!", fluchte Chris und schlug mit der Faust gegen den Türrahmen. „Alex, Helena, hat er irgendetwas angedeutet? Hat er irgendetwas gesagt? Hat er irgendetwas geplant?"

„Tut mir Leid, er hat nichts gesagt", musste Alex zu geben.

„Was ist denn los?", ertönte die Stimme von Leon Kennedy, der zu ihnen trat.

„Albert Wesker ist weg", sagte Chris.

„Nein, nicht schon wieder", stöhnte Leon. „Was will er diesmal?"

„Wir wissen es nicht. Er ist alleine gegangen. Er hat nicht mal mir etwas gesagt", sagte Alex.

„Seit wann ist er weg?", fragte Leon.

„Wir wissen überhaupt nichts", sagte Jill. „Jake hat uns heute Morgen in aller Frühe angerufen und uns gesagt, dass seine Waffe und sein Motorrad weg sind. Er glaubt, dass Wesker letzte Nacht in ihrer Wohnung war und die Sachen gestohlen hat. Er will irgendwohin, aber…"

„Darf ich… mich schnell anziehen?", fragte Helena vorsichtig. „Ich komme dann sofort zu Ihnen."

Die anderen nickten und schlossen die Tür, sodass Helena aus dem Bett steigen und sich ihre Kleidung zusammensuchen konnte. Chris wies die Gruppe an, nach oben ins Büro zu gehen und O´Brian zu informieren.

„Ich hatte irgendwie schon so ein mieses Gefühl die letzten Tage. Wesker war irgendwie komisch", sagte Chris. „Er hat sich ein Laptop ausgeliehen und saß praktisch nur in seinem Zimmer herum. Ich weiß nicht, was er gemacht hat."

„Können wir das Gerät nicht überprüfen?", schlug Claire vor. „Wenn er im Internet gesurft ist, müssten wir doch die Seiten zurückverfolgen können."

„Das ist eine gute Idee", sagte Jil. „Sagen wir Helena, dass sie den Computer mitbringen soll."

Sie versammelten sich im Konferenzraum, der Laptop stand vor ihnen auf dem Tisch. Chris schaltete ein und rief das Internet auf. Er klickte die Chronik an und über flog Weskers Surfverhalten der letzten Tage. Alex sah ihm über die Schulter. Jake und Sherry waren in der Zwischenzeit eingetroffen.

„Offenbar hat er sich sehr für die Firma AquaSystemTex interessiert", stellte Chris fest. „Was könnte das zu bedeuten haben?"

„Ist das nicht dieser große Konzern in der privaten Wasserwirtschaft?", fragte Helena. „Er gehört einer japanischen Familie."

„Warte mal", sagte Leon, dem ein Licht aufgegangen war. „Alex, ist Ihre Frau Laura nicht…"

„Ja, Laura ist eine Yamamoto. Ihr Vater und ihr Onkel haben die Firma gegründet. Ich frage mich nur…" Alex sah nachdenklich auf den Bildschirm.

„Er hat nach Flugtickets nach Japan gesucht", sagte Jill. „Um Himmels Willen, glaubt ihr etwa…?"

„Moment mal, nein das kann doch nicht…", murmelte Alex.

„Was ist?! Ist Ihnen etwas eingefallen?!", fragte Chris sofort eindringlich. „Haben Sie eine Idee, warum Wesker ausgerechnet danach gesucht hat?!"

„Ich habe einen bösen Verdacht, aber dazu… muss ich etwas ausholen", sagte Alex langsam. Er warf einen Blick zu Jake.


Das Wetter in Tokyo war frühlingshaft. Durch die Zeitverschiebung, war es bereits später Abend, als Wesker aus dem Flugzeug stieg. Er schloss sich einer Gruppe von Geschäftsleuten und Touristen an, als er durch das Gate und durch den Flughafen schritt.

Überall lachten ihn japanische Mädchen von leuchtenden Schrifttafeln an. Die Stadt strahlte im hellen Glanz der vielen Lichter und Werbeanzeigen. Viele Menschen eilten an ihm vorbei, manche warfen ihm Blicke zu, weil er als blonder Amerikaner, noch dazu mit Sonnenbrille in der Nacht, aus der Menge herausstach. Er blendete seine Umgebung und die Gesprächsfetzen so gut es ging aus. Er kannte sein Ziel und wusste, was er zu tun hatte. Auf der Straße vor dem Flughafen stieg er in ein Taxi und nannte dem Fahrer den Ort, zu dem er wollte. Er musste nicht mal die Adresse dazu sagen.

Eine halbe Stunde dauerte die Fahrt bis er an der Zentrale von AquaSystemTex angelangt war. Er wies den Taxifahrer an zu warten.

Die Rezeption war zwar noch besetzt, aber um diese Uhrzeit arbeitete niemand mehr. Wesker betrat den Eingangsbereich und sah sich in der Lobby um.

Die Dame am Empfangsschalter sprach ihn auf Englisch an. „Sir, es tut mir Leid, aber wir haben bereits geschlossen. Zu wem möchten Sie?"

Ich möchte zu Takeshi Yamamoto", sagte Wesker auf Japanisch.

Sie sah ihn an, überrascht, dass ein Ausländer ihre Sprache so gut beherrschte. Sie antwortete auf Japanisch: „Herr Yamamoto ist in einer Besprechung. Haben Sie einen Termin mit ihm?"

Sie blieb höflich und freundlich, aber konnte ein gewisses Misstrauen nicht verbergen.

„Ich bedauere, aber nein. Würden Sie mir bitte sagen, wann es möglich wäre, ihn zu sprechen?"

„Es tut mir Leid, aber Herr Yamamoto wird für einige Zeit nicht zu erreichen sein. Sind Sie ein Geschäftspartner von ihm? Soll ich etwas ausrichten lassen?"

„Nein, vielen Dank", sagte Wesker, „Sie haben mir schon mehr als genug geholfen."

Er ließ die Frau betreten zurück, als er das Gebäude wieder verließ. Auf der Straße überlegte er, wie er vorgehen wollte. Wenn Takeshi noch in einer Besprechung war, dann war es nur eine Frage der Zeit bis er rauskommen und nach Hause fahren würde. Solange musste Wesker ausharren.


„Was?!", fragte Chris, Jill, Sheva, Jake und Sherry unisono. Alex hatte ihnen gerade erzählt, was er mit Albert besprochen hatte.

„Das heißt, Sheila Yamamoto hat die Beziehung meiner Eltern zerstört?!", sagte Jake ungläubig.

„Nicht nur, wir vermuten darüber hinaus, dass auch sie es war, die meine Tochter Faith und dich an „die Familie" und Simmons verkauft hat, was bekanntlich zu ihrem Tod und eurer Ergreifung und Gefangennahme führte", erklärte Alex. „Albert glaubt, dass Sheila die Schlüsselfigur hinter allem ist. Und ich muss zugeben, dass es sehr plausibel ist."

„Das bedeutet eines: Er ist auf einem Rachefeldzug. Er will Rache für deine Mutter nehmen, Jake", sagte Chris. Betretenes Schweigen folgte. Sie wandten ihre Köpfe als Helena Harper den Raum betrat.

„Seht mal, was ich gefunden habe. Wesker hat sich Notizen gemacht", sagte sie und legte einen Block auf den Tisch.

Wesker hatte die Firmengeschichte von AquaSystemTex aufgezeichnet und dabei eine Stelle markiert. Chris überflog seine Anmerkungen dazu.

„Moment, das kann doch kein Zufall sein", murmelte er mehr zu sich selbst. „Alex, wo ist Sheila? Wenn Wesker nach Japan geflogen ist, kann sie dort sein?"

„Ich weiß es nicht", musste Alex zugeben. „Ich hatte mit meiner Schwägerin jahrelang keinen Kontakt mehr. Niemand weiß, wo sie ist. Sie hat sich total zurückgezogen, nachdem Albert sie abgewiesen hatte."

„Die war doch so besessen von meinem Dad. Wie Simmons von Ada Wong hat er gesagt", warf Jake ein.

„Ja, so ungefähr", sagte Alex. „Ich weiß wirklich nicht, wo sie ist. Aber wenn ich mir Alberts Notizen so ansehe, dann kommt mir ein weiterer Verdacht und Albert hat diesen Zusammenhang offenbar auch gesehen. Was wenn Sheila die Firma übernommen hat? Vielleicht leitet sie den Konzern, nachdem ihr Cousin ihn an die Wand gefahren hat. Vielleicht zieht sie aus dem Hintergrund im Verborgenen die Fäden?"

„Was will Wesker in Japan? Was erhofft er sich?", fragte Sheva.

„Ich kann mir vorstellen, was er sich erhofft", sagte Alex ernst. „Ich denke, er wird Takeshi aufsuchen. Wenn Sheila wirklich mit der Firma in Verbindung steht, dann muss ihr Cousin wissen, wo sie ist. Er ist der einzige, der aus der Familie noch übrig ist."

„Wir müssen ihm hinterher", sagte Leon. „Wenn Wesker diese Sheila wirklich finden will, dann wird ihm dafür jedes Mittel recht sein. Er wird alles und jeden aus dem Weg räumen, der ihm in die Quere kommt."

„In seinem psychischen Zustand wird das nicht gut gehen", sagte Helena besorgt. „Ich hab es geahnt, dass er etwas Dummes machen wird."

„Wir müssen ihm hinterherfliegen!", meinte Sherry.

„Nein", sagte Alex entschieden. „Er hat einen viel zu großen Vorsprung. Wir werden ihn nicht mehr einholen. Es ist wesentlich klüger, wenn wir versuchen, Sheila ausfindig zu machen."

„Aber wenn niemand weiß, wo sie ist, wie sollen wir sie dann finden?", fragte Jill. Die anderen nickten zustimmend.

„Das ist keine gute Idee."

„Hört mir bitte zu. Wenn Sheila wirklich etwas mit der Firma zu tun hat, dann muss sich etwas dazu finden lassen. Ich werde sehen, was ich machen kann. Ich werde den Zentralrechner hacken. Ich weiß, wo sich der Firmensitz in Nordamerika befindet. Wenn ich es schaffe, da reinzukommen, dann bekomme ich vielleicht die Informationen, die uns weiterhelfen. Ich brauche nur ein bisschen Zeit."

„OK. In der Zwischenzeit bringen wir den Laptop ins Labor. Rebecca soll mal einen Blick darauf werfen, vielleicht ergibt sich doch noch irgendein Zusammenhang. Sie soll Weskers Notizen abgleichen", sagte Chris.


Wesker musste nicht lange warten. Takeshi kam bald in Begleitung eines Bodyguards aus dem Gebäude und stieg in eine schwarze Limousine. Er wies den Taxifahrer an, dem Wagen zu folgen. Nach kurzer Zeit musste er verärgert feststellen, dass Takeshi nicht zu seiner Wohnung fuhr. Er traf sich in einem edlen Restaurant mit zwei Männern und verbrachte dort eine gute Stunde. Vor der Tür hielten mehrere Männer in schwarzen Anzügen Wache. Weskers Ärger verschwand augenblicklich und verwandelte sich in Siegessicherheit, als er begriff, wer die beiden Männer waren. Sein Mund verzog sich zu einem verschmitzten Grinsen.

Es war später Abend, als Wesker aus dem Taxi ausstieg. Er befand sich in einem Außenbezirk von Tokyo, in dem sich viele große Villen und Anwesen befanden. Die Limousine hatte Takeshi Yamamoto zu einem Haus am Ende einer Straße gebracht und war durch ein großes Tor in der Einfahrt verschwunden. Wesker hatte etwas Abstand gehalten und näherte sich dem Haus, das von einer hohen Mauer abgeschottet wurde, zu Fuß. Er erkannte sofort, dass das Eingangstor gut gesichert war und die Umgebung mit Kameras überwacht wurde. Er musste also mit äußerster Vorsicht vorgehen.

Er sprang lautlos über den hohen Zaun und landete im Garten. Bäume und Sträucher verschafften ihm Deckung, sodass er den Überwachungskameras ausweichen konnte. Von einer sicheren Position aus beobachtete er, wie die Lichter im Haus angingen. Takeshi war im Obergeschoss.

Wesker bahnte sich langsam und geräuschlos seinen Weg um das Haus, um nach einer Möglichkeit zu suchen, in das Gebäude einzudringen. Er hielt inne, als er Wachposten über den Hof patrouillieren sah. Sie trugen Pistolen mit sich. Er hatte keine Chance, sie unbemerkt zu überwältigen.

Er zog sich wieder in den Schatten hinter das Haus zurück und wartete, bis einer der Wachen in seine Richtung kam. Wesker ging in die Hocke und machte sich bereit zum Sprung. Er hechtete nach vorne und stieß seinen Arm durch den Körper des Mannes, der sofort vor Schmerz aufschrie. Die anderen näherten sich schnell. Er konnte ihre hastigen Schritte über die Wiese und Laub auf dem Boden hören. Äste knackten, als sie durch das Gestrüpp auf ihn zukamen.

Sie schossen auf Wesker, der den toten Mann als Schild benutzte. Blitzschnell, sodass er für das menschliche Auge unsichtbar war, schoss er nach vorne, wich den Kugeln aus und tötete die anderen Wachmänner. Drinnen im Haus begann ein Tumult. Eines der Funkgeräte erwachte zum Leben.

„Osamu- San, daijobu desu ka?", fragte eine männliche Stimme.

Wesker musste schnell handeln. Er sprang auf einen Balkon und zog seine Waffen. Er schoss direkt durch die Fensterscheibe auf zwei Sicherheitsleute, die es durch die Schüsse nach hinten riss. Sie blieben reglos am Boden liegen.

Er löschte sofort das Licht und horchte in der Dunkelheit auf Schritte. Jemand näherte sich langsam. Er sah den Lichtkegel einer Taschenlampe auf dem Boden und vernahm das Atmen eines Mannes. Der Wachmann hatte keine Zeit zu reagieren. Wesker machte einen schnellen Schritt nach vorne und brach das Genick des Mannes wie einen Grashalm.


„Jake, wir haben was", sagte Jill. Sie hatte gerade mit O´Brian gesprochen. „Dein Motorrad wurde am Flughafen gefunden. Dein Vater hat es wirklich genommen. Wir lassen es zurückbringen."

„Danke. Weiß man, welchen Flug er genommen hat?", wollte Jake wissen.

„Also, wenn er nach Tokyo geflogen ist, dann kann es nur die Maschine um 1:34 Uhr gewesen sein. Sie hat pünktlich abgehoben, also schätze ich, muss er schon dort sein."

„Es kann nicht lange dauern, bis er diesen Takeshi Yamamoto gefunden hat", sagte Sheva. „Der Mann ist ja sehr bekannt durch die Firma."

„Ja. Ich hoffe, Alex findet etwas."

„Rebecca sieht sich das Laptop an und schaut ob sie etwas findet, oder?", fragte Jill.

„Ja", antwortete Chris. „Agent HUNK ist bei ihr und hilft."


Nachdem Wesker den letzten Wachmann vom Sicherheitspersonal erledigt hatte, schritt er die Treppe nach oben in den ersten Stock, wo er zuvor das Licht gesehen hatte. Er hielt inne, als er an der Wand ein Bild passierte, dass Takeshi Yamamoto mit dessen Frau zeigte. Wenn sie anwesend war, konnte sie eventuell ein Problem werden. Zumindest hatte er keine Hinweise gesehen, die auf Kinder hindeuteten.

Wesker fand sein Zielobjekt leichter, als er gedacht hatte. Takeshi war etwas zu übermütig oder vielleicht einfach nur dumm. Er versuchte, Wesker selbst mit einer Waffe entgegenzutreten, doch scheiterte erbärmlich. Wesker hatte leichtes Spiel mit ihm, nahm ihm das Gewehr ab und drängte ihn in ein großes Schlafzimmer.

Auf dem Bett saßen zwei leichtbekleidete Mädchen, die kreischend aufsprangen, als Wesker mit der gezogenen Waffe hereinkam. Er fuhr sie auf Japanisch harsch an, still zu sein und deutete ihnen zu verschwinden. Sie eilten panisch vor sich hinmurmelnd auf ihren Stöckelschuhen hinaus.

Wesker zögerte nicht lange. Er verpasste Takeshi einen kräftigen Schlag ins Gesicht, sodass dieser in die Mitte des Raumes auf den Teppich stürzte, dann zog er sich einen nahestehenden Sessel heran und legte das Gewehr beiseite. Von einem Tisch nahm er ein Handy und durchsuchte die Kontaktliste. Während er tippte nahm er im Sessel Platz.

Takeshi fluchte laut und versuchte, sich zu sammeln. Blut quoll aus seiner Nase und Mund. Er zitterte und schaffte es kaum, sich hochzurappeln. Er beschimpfte Wesker mit allerhand derben Ausdrücken, aber Wesker blieb gelassen. Er saß ruhig da, hatte ein Bein über das andere gelegt und wartete geduldig, bis der Mann vor ihm seine Schimpftirade beendet hatte.

„Was zum Teufel?! Wer sind Sie?! Was wollen Sie hier?!", fragte der Japaner wütend.

„Watashi no namae wa Albert Wesker desu", sagte Wesker langsam. „Vielleicht bin ich Ihnen ja ein Begriff."

„Wesker?! Ich dachte, Sie seien tot? Was wollen Sie hier?!"

„Ich brauche eine Information von Ihnen."

„Eine Information? Was für eine Information?!", fragte Takeshi aufgebracht. Er wischte sich mit Hand das Blut von seinem Gesicht. „Wenn Sie Geld wollen oder die Firma, dann…"

„Mir ist sowohl ihr Geld, als auch Ihre Firma egal", sagte Wesker bestimmt.

„Was wollen Sie dann von mir? Verschwinden Sie aus meinem Haus, sonst…!", befahl der am Boden liegende Mann, doch aus seiner Position klang die Drohung nicht gerade überzeugend.

„Sonst was?"

Takeshi spuckte Blut auf den Boden und hustete. Wesker erhob sich und schritt um ihn herum zu einer hüfthohen Kommode, auf der ein Samuraischwert auf einem Ständer ruhte. Er nahm das Schwert, zog es aus der schwarzen Scheide und betrachtete die sauber gearbeitete Klinge. Sie glänzte makellos.

Takeshi atmete schwer und er wich kriechend vor Wesker zurück, als dieser wieder um ihn herum schritt und erneut im Sessel Platz nahm.

„Was haben Sie mit mir vor?", fragte Takeshi diesmal auf Englisch. Er hatte einen starken Akzent.

„Ein schönes Spielzeug", sagte Wesker ruhig, doch plötzlich ließ er das Schwert auf den Mann auf dem Boden niedersinken.

Takeshi verzog das Gesicht und hielt schützend eine Hand vor sich, doch Wesker stoppte die Klinge eine Haaresbreite von seiner Schulter entfernt. Der Japaner starrte ihn entgeistert und panisch an.

„Was wollen Sie?"

Wesker beugte sich nach vorne und sah Takeshi in die Augen. „Ich will eine Information. Ich werde dir Fragen stellen und jedes Mal, wenn ich keine Antwort darauf bekomme, werde ich dir mit deinem Schwert etwas abschneiden. Und glaub mir, es werden Dinge sein, die du vermissen wirst."

Er hielt die Spitze des Schwertes direkt zwischen Takeshis Beine. „Dann ist es aus mit deinen Vergnügungen. Weiß deine Frau eigentlich davon?"

Takeshi funkelte Wesker wütend an und benutzte abermals eine Kanonade übler Wörter. Als Wesker sein Schimpfen mit einem Schlag gegen sein Gesicht, abrupt erstickte, fragte Takeshi auf Englisch:

„Was wollen Sie von mir wissen?"

„Ich will wissen, wo deine Cousine Sheila Yamamoto ist."

Takeshi sah Wesker ungläubig an. „Sheila? Ich habe keine Ahnung, wo sie ist. Wozu wollen Sie das wissen?"

„Falsche Antwort", sagte Wesker und führte das Schwert gefährlich nahe an Takeshis Hals vorbei. Dieser verfolgte die Klinge mit weit vor Angst weit aufgerissenen Augen. Er atmete schnell und der Schweiß lief ihm übers Gesicht. Er blutete immer noch stark aus Mund und Nase.

„Soll ich deinem Gedächtnis vielleicht ein bisschen auf die Sprünge helfen?"

Wesker holte Takeshis Handy hervor, fuhr ein paar Mal mit dem Finger über das Touchscreen, dann hielt er es Takeshi vor dessen Gesicht. „Du hast ziemlich viele Kontakte in deinem Adressbuch. Und oh, was haben wir denn da? Takahashi und Yamada. Mit den beiden Herren warst du heute Abend auf einem Geschäftsessen, nicht wahr? Es wäre für AquaSystemTex mit Sicherheit wenig erfreulich, wenn die Öffentlichkeit erfahren würde, mit welchen Leuten ihr Geschäftsführer so verkehrt."

Wesker wählte die Nummer der Polizei. „Ich kann hier und jetzt die Polizei und die Presse informieren, dass du mit den Yakuza Geschäfte machst. Willst du das? Oder soll ich deine Frau anrufen und ihr sagen, dass sich ihr Mann mit jungen Mädchen vergnügt?"

Takeshi holte tief Luft. Sein Blick, mit dem er Wesker bedachte, war hasserfüllt. Schließlich musste er nachgeben und schüttelte den Kopf.

„Dachte ich es mir doch", sagte Wesker und legte das Handy beiseite. „Also, wollen wir es nochmal versuchen? Wo ist Sheila?"

Es dauerte, bis Takeshi antwortete. Er beobachtete das Schwert in Weskers Händen argwöhnisch.

„Wo sie genau ist, weiß ich wirklich nicht. Das war eine Bedingung, die sie gestellt hat. Dass niemand ihren Aufenthaltsort kennt."

„Bedingung?", fragte Wesker erstaunt. „Was für Bedingungen? Zu welchem Zweck?"

Nach Takeshis Gesicht zu urteilen, sprach er die nachfolgenden Worte mit großem Unmut und Widerwillen aus. „Als ich Mitte der 90er die Firma von meinem Vater und Onkel übernehmen musste, liefen die Geschäfte nicht mehr gut und wir standen ein paar Jahre später kurz vor der Pleite. Der Aufsichtsrat hat mir die Pistole auf die Brust gesetzt. Ich musste etwas unternehmen. Wir hatten große Verluste angehäuft und hunderte Arbeitsplätze waren in Gefahr, ganz zu schweigen von unserem Ruf. Sie haben mir ein Ultimatum gestellt. Entweder ich bereinige die Sache irgendwie oder AquaSystemTex wäre am Ende gewesen. Ein Verkauf kam nicht in Frage, das hätte das Erbe meiner Familie beschmutzt. Ich wusste nicht, was ich tun sollte und da stand eines Tages Sheila vor meiner Tür und bot mir Hilfe an. Sie übernahm die Firma im Hintergrund. Ich blieb offiziell der Geschäftsführer, aber alle Gewalt lag bei ihr. Sie brachte eine enorme Summe Geld in das Unternehmen und rettete das, was unsere Eltern aufgebaut hatten, vor dem Untergang."

Wesker ging plötzlich ein Licht auf. Natürlich, das erklärte einiges. „Das heißt, Sheila leitet eigentlich die Firma?"

„Ja", sagte Takeshi unter größter Mühe. „Ihre Forderung war aber, dass ich alles offiziell mache und sie sich im Hintergrund halten kann. Wir halten in der Regel nur telefonisch Kontakt, ich habe keine Adresse von ihr."

„Wenn sie die Firmengeschicke leitet, musst du doch wenigstens einen vagen Hinweis darauf haben, wo sie sich aufhält?", fragte Wesker eindringlich.

„Ich weiß nur, dass sie in den USA geblieben ist. Montagabend trifft sich das Leaderboard in der Hauptzentrale in Nordamerika. Sheila wird mit Sicherheit dort sein, aber mehr weiß ich wirklich nicht. Bitte gehen Sie jetzt, ich habe alles gesagt, was ich weiß."

„Verrat mir nur noch, wo die Hauptzentrale ist", sagte Wesker.

„Miami, sie ist in Miami", presste Takeshi erschöpft hervor. Er war zu einem Häufchen auf dem Boden zusammengesackt.

Wesker überlegte einen Moment, dann schlug er Takeshi mit einem Faustschlag ins Gesicht bewusstlos. Er betrachtete den leblosen Mann am Boden, dann schritt er zum Fenster und sah auf die Lichter der Stadt.

Sein nächstes Ziel war also Miami.

Dort würde Sheila auf ihn warten.