Leon S. Kennedy 1977: Danke, solche Komplimente hört man gern. :) Was aus Wesker geworden ist, wirst du jetzt gleich sehen.

Alexa- Wesker: Das freut mich, wenn es sich für dich gelohnt hat. :) Danke für so ein liebes Kompliment. Ob Capcom sich allerdings für eine deutschsprachige FanFic irgendwo im Internet interessiert? ^^ Albert müsste dann zurückkommen, das stimmt. Aber Capcom hat schon vor Jahren angekündigt, dass dies nicht passieren wird, weil er endgültig tot ist. :( Ob alles gut wird, ob der grausame Plan vereitelt werden kann und ob Albert befreit werden kann, wird sich bald zeigen. :)


„Hey, ich hab dir auch einen Kaffee mitgebracht", sagte Claire und hauchte Alex einen flüchtigen Kuss auf die Wange.

Er arbeitete weiter im Labor und versuchte gerade herauszufinden, mit welchem Virus Sheila zu einem Monster mutiert war. Danach wollte er sich wieder dem widmen, was er und Rebecca zuvor entdeckt hatten.

Claire nahm auf einem Hocker neben ihm Platz und stellte ihre Getränke an der Seite ab.

Alex nahm eine Probe von der Innenseite der Spritze, übertrug sie auf einen gläsernen Träger und betrachtete sie unter dem Mikroskop.

„Ja, das dachte ich mir schon. Sheila bekam denselben Virus verabreicht, der auch schon Derek Simmons und Carla Radames in ein Monster verwandelt hat. Der durch Jakes Antikörper verbesserte C- Virus."

„Ich schätze mal, es ist keine Spur von dem dran, der ihr den Virus gegeben hat?", sagte Claire.

„Nein, keine einzige."

Alex lehnte sich in seinem Stuhl zurück und nahm einen Schluck Kaffee. Claire entdeckte etwas abseits einen Käfig.

„Ist das…?"

„Du erinnerst mich an was. Ich wollte noch Futter reinstellen", sagte Alex, erhob sich und füllte einen Napf mit Körnern auf.

„Die arme Maus", murmelte Claire leise und streichelte das kleine Nagetier, das verstört und ängstlich in seinem Käfig saß. „Sie hat all ihre Jungen verloren. Was passiert jetzt mit ihr?"

„Ich hab es nicht übers Herz gebracht, sie von ihren Leiden zu erlösen. Wir lassen sie solange hier, bis… uns was einfällt. Außerdem will ich sie zur Sicherheit doch noch weiter beobachten. Ich glaube zwar, dass ihr Virus stabil ist, aber… Man kann ja nie sicher sein. Piers Nivans habe ich ebenfalls Blut zur Untersuchung abgenommen."

Alex hatte den alten Käfig durch einen neuen ersetzt. Er wollte es dem Tier nicht zumuten, länger dort zu bleiben, wo sein Nachwuchs jämmerlich verendet war.

„Dieser Virus ist ein kompletter Fehlschlag, oder?"

„Ja. Seine Verbreitung muss unbedingt gestoppt werden. Es würde sonst in eine Katastrophe für die Menschheit münden."

„Ich nehme mal an, diese Typen wissen das nicht, oder?", meinte Claire.

„Wahrscheinlich nicht. Sie werden weiter an der Durchsetzung ihres Plans arbeiten. Mr. Nivans war garantiert der erste, an dem sie ihre neue Entwicklung ausprobiert haben und nachdem bei ihm alles wunderbar funktioniert hat, haben sie mit Sicherheit daraus geschlossen, dass ihr Plan ein Erfolg werden wird."

„Wenn wir nur wüssten…"

„Wir übersehen nach wie vor irgendwas", sagte Alex ernst. „Und ich kann mich einfach des Gefühls nicht erwehren, dass es etwas mit Alberts und meiner Vergangenheit zu tun hat. Mit Umbrella. Aber solange wir keine Beweise haben oder irgendwelche Anhaltspunkte…"

„Was will der Präsident jetzt unternehmen? Wir können doch nicht dem ganzen Land das Wasser abdrehen, von der halben Welt ganz zu schweigen."

„Erschwerend kommt hinzu, dass wir keinerlei Beweise haben. Wir können AquaSystemTex zwar beschuldigen, aber wir haben nichts gegen sie in der Hand. Nach Sheilas Tod ist die Firma jetzt komplett in der Hand dieser Hintermänner. Es ärgert mich, dass wir sie nicht mehr fragen können. Sie war unsere einzige Chance."

Claire legte zögerlich ihre Arme um ihn und lehnte sich an ihn. Sie spürte seine Hände auf ihrem Rücken. „Wir schaffen es, Alex. Wir müssen nur fest daran glauben. Es wird alles gut." Sie wollte ihm Mut machen, doch aus ihrer Stimme klang Verunsicherung und Angst heraus. Die neuen Erkenntnisse hatten die Hoffnung und Zuversicht aller zerstört. Ein Klima der ständigen Bedrohung und Angst war entstanden.

Es klopfte an der Tür. Chris trat vorsichtig herein.

„Ich hoffe, ich störe euch nicht", sagte er.

„Nein, schon gut, Mr. Redfield", sagte Alex, löste sich von Claire und schritt zielstrebig an seine Arbeit zurück.

„Ich wollte mit Claire sprechen, darf ich sie kurz entführen?", fragte Chris.

Claire nickte. Sie schritten zusammen in den verlassenen Flur. Chris zog die Labortür zu, sodass Alex ihr Gespräch nicht mithören konnte.

„Was ist los?", fragte Claire verwirrt.

„Gehen wir ein Stück."

Sie schritten langsam den Flur entlang.

„Ich weiß, der Zeitpunkt ist wirklich mies, weil wir gerade ganz andere Sorgen haben, aber… Ich wollte schon länger mit dir reden, Claire. Wegen Alex", fügte Chris auf Claires fragendes Gesicht hin hinzu.

„Was ist mit ihm?"

„Nun ja, es geht… mehr um euch beide."

Claire blieb stehen und sah ihren Bruder eindringlich an. „Was soll das heißen? Was ist mit uns beiden?", fragte sie und man konnte sofort heraushören, dass sie sich angegriffen fühlte.

„Ganz ruhig, Claire", sagte Chris beschwichtigend. „Bitte hör mir erst zu. Du bist meine kleine Schwester, deshalb mache ich mir Sorgen um dich. Nein, Sorgen ist das falsche Wort. Eher Gedanken. Vor allem nachdem, was vor etlichen Monaten passiert ist."

„Bitte erinnere mich nicht daran", sagte Claire sofort mit Bestimmtheit und wandte den Blick ab. „Ich möchte das vergessen. Ich habe das hinter mir gelassen. Und seit einiger Zeit geht es mir wieder richtig gut."

„Das weiß ich, Claire, und ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich darüber bin. Auch ich möchte mich nicht gerne an die Zeit zurückerinnern, als es dir sehr schlecht ging. Ich bin sehr glücklich darüber, dass du glücklich bist."

„Aber? Du denkst, dass Alex nicht der Richtige ist, oder?"

Chris atmete tief durch.

„Dachte ich es mir", sagte Claire. „Weißt du, vielleicht solltest du dieses Gespräch eher mit Helena Harper führen."

„Helena Harper ist nicht meine Schwester, Claire. Ich bin nicht erbaut darüber, dass sie sich mit Albert eingelassen hat, aber ich kann es nicht ändern. Sie muss es wissen. Aber ich muss mir um meine Schwester Gedanken machen. Ich möchte nämlich nicht, dass nochmal so etwas passiert, Claire."

„Alex ist ein anständiger Kerl, Chris. Auch wenn du mir das jetzt vielleicht nicht glaubst. Er ist vielleicht ein Wesker, er war bei Umbrella und hat viele falsche Dinge getan, aber er hat sich verändert. Es geht ihm nur noch um seine Tochter und er hat keine bösen Absichten. Ich vertraue ihm."

„Das glaube ich dir sofort, Claire. Ich meine auch eher eure Beziehung. Wo steht ihr und wo wollt ihr hin? Habt ihr eine gemeinsame Zukunft?"

„Was? Ich…"

„Alex ist ja nicht nur ein bisschen älter als du, wenn er seine Tochter zurückhat, ist er auch alleinerziehender Vater. Bist du so etwas gewachsen? Ich mache mir einfach Sorgen, dass das nicht hinhaut und du wieder… unglücklich wirst."

Claire erwiderte nichts darauf. „Weißt du, man sieht es, dass du Alex sehr nahe stehst. Dass deine Beziehung zu ihm sehr eng geworden ist. Du warst die erste und vielleicht auch die einzige, die auf ihn zugegangen ist und daraus hat sich mehr entwickelt."

Claire verschränkte die Arme vor ihrer Brust und mied den Blick ihres Bruders. „Du bist doch verliebt in ihn, oder?"

Sie sagte nichts. „Das meinte ich. Du fühlst so, aber wie sieht es bei Alex aus? Ist es ihm genauso ernst wie dir? Wo wollt ihr beide hin? Ich möchte einfach nur, dass du dir Gedanken darüber machst, ob ihr beide in dieselbe Richtung wollt. Ich kann und will dir nicht vorschreiben, ob du mit Alex Wesker zusammen sein darfst, aber du musst mich auch verstehen, dass ich mir Gedanken um meine kleine Schwester mache."

„Schon klar", hauchte Claire. Ein betretenes Schweigen entstand zwischen ihnen.

Bevor jemand noch etwas sagen konnte, kam O´Brian auf sie zu.

„Christopher, Claire, wir haben endlich eine Spur. Albert Weskers Entführer haben sich gemeldet."

„Was?! Wirklich?!"

„Ja, sagt Alex Wesker Bescheid, dann kommt alle in den Konferenzraum."


Helena Harper hatte sich in allein in die Kantine gesetzt, um eine Tasse Kaffee zu trinken. Leon hatte ihr Gesellschaft leisten wollen, doch sie hatte abgewunken. Ihr war nicht nach seiner Gesellschaft. Überhaupt war die Beziehung der beiden Partner in den letzten Wochen sehr eisig geworden, seit es offensichtlich geworden war, dass Helena und Albert Wesker ein Verhältnis miteinander hatten.

Helena vermied immer, es als Beziehung anzusehen, denn das hatten sie nicht. Sie waren viel zu unterschiedlich. Sie kamen gut miteinander zurecht und sie mochte die gemeinsame Zeit, die sie verbrachten. Sie genoss jeden Augenblick und hatte sich schon lange nicht mehr körperlich so gut und befriedigt gefühlte. Aber über mehr als ihre sexuellen Kontakte ging ihr Verhältnis nicht oder kaum hinaus. Helena bemühte sich um Albert Wesker, sie hatte immer versucht, ihm zu zeigen, dass sie für ihn da war, dass er ihr vertrauen konnte und dass er mit ihr reden konnte, weil sie ihm zuhören würde. Er war jedoch eine sehr in sich gekehrte Persönlichkeit und blockte ihre Versuche, mehr über ihn zu erfahren und sich ihr gegenüber zu offenbaren, weitestgehend ab. Manchmal ertappte sie sich dabei, wie sie sich von ihm zurückgewiesen fühlte. Immer dann merkte sie, dass er ihr etwas bedeutete. Was genau konnte sie selbst nicht sagen.

Leon hieß ihren engen Kontakt mit Wesker nicht gut und hatte ihr das zu mancher Gelegenheit bereits deutlich zu verstehen gegeben. Helena schätzte Leon, als ihren Partner und als Person, aber sie mochte es nicht, wenn er sich in ihre Privatangelegenheiten einmischte. Es war ihre Sache, mit wem sie das Bett teilte. Außerdem hatte sie bewirken können, dass Albert Wesker mit der Regierung und der B.S.A.A. zusammenarbeitete und umgänglicher geworden war.

Im Moment machte sie sich Sorgen um ihn. Sie erinnerte sich mit Schrecken daran zurück, was bei seiner letzten Gefangenschaft mit ihm passiert war und sie mochte sich nicht ausmalen, was seine Entführer diesmal mit ihm anstellen mochten.

In Gedanken versunken rührte sie Zucker und Milch in ihren Kaffee. Sie merkte nicht, dass sich ihr eine Person näherte. Erst als sie die Absätze auf dem Boden hörte, sah sie auf und erblickte Ada Wong, die an ihren Tisch getreten war.

„Darf ich?", fragte die Asiatin, die in rot und schwarz gekleidet war.

Helena deutete ihr an, dass sie sich setzen durfte. Sie wollte eigentlich allein sein, aber auch nicht unhöflich. Deswegen erlaubte sie der Spionin, ihr Gesellschaft zu leisten.

„Geht es Ihnen gut, Agent Harper?", fragte Ada. „Sie sehen besorgt aus."

„Schon in Ordnung", antwortete Helena kurz angebunden.

„Es ist wegen Albert Wesker, oder? Sie machen sich Sorgen um ihn, habe ich Recht?"

Helena nickte nur schwach.

„Ist etwas zwischen Ihnen und Leon vorgefallen? Sie reden in letzter Zeit nicht viel miteinander", bemerkte Ada.

Helena schnaubte. „Leon scheint manchmal zu vergessen, dass ich erwachsen bin."

„Es ist wegen Ihnen und Wesker, schätze ich. Leon ist damit nicht einverstanden."

„Wer ist das schon?", seufzte Helena. „Niemand findet es gut, dass ich mit Albert Wesker verkehre. Ich kann seine Sorge ja irgendwie sogar verstehen, aber er versucht, mich zu bevormunden. Und mittlerweile sollte er begriffen haben, dass die beiden Wesker uns nicht feindlich gesinnt sind, sondern auf unserer Seite sind."

„Was ist das mit Ihnen und Albert?", fragte Ada, wobei sie versuchte, möglichst umsichtig zu klingen. „Ist das eine… richtige Beziehung?"

Helena spielte mit dem Löffel in ihrer Tasse. „Nein, wenn ich ehrlich sein soll, habe ich keine Ahnung, was das mit uns ist. Wir verbringen Zeit miteinander, das ist alles. Es ist schön."

„Höre ich ein „Aber" heraus?", hakte Ada nach.

„Naja, es ist ein bisschen einseitig", gab Helena zu.

„Das dachte ich mir", sagte Ada. „Albert ist so, damit müssen Sie leben."

„Was soll das heißen?"

„Ich habe selbst meine Erfahrung mit ihm gemacht, wahrscheinlich ist Leon deswegen auch so… kindisch. Er ist eifersüchtig."

„Sie hatten etwas mit Albert Wesker?", fragte Helena erstaunt.

„In der Tat, aber das ist sehr lange her. Wir haben zusammengearbeitet, aber manchmal endete unser geschäftliches Verhältnis nicht nach getaner Arbeit, sondern erst am nächsten Morgen. Es war nur ein paar wenige Male und es war nichts Ernstes. Wir haben uns eben vergnügt, nichts weiter. Aber auch mir ging es wie Ihnen."

„So? Und wie geht es mir?", fragte Helena neugierig.

„Albert ist sehr verschlossen. Er redet nicht gerne über sich und verbirgt sein Inneres vor anderen, aber er hat diese Gabe, dass er andere zum Reden bringt. Er hat was an sich, dass andere fasziniert, vor allem Frauen, so was vertrauenerweckendes. Sie doch auch, Agent Harper, geben Sie es zu. Das hat Sie… angezogen."

Helena lächelte schwach. Ada sprach ihr tatsächlich aus der Seele. „Sie haben Recht, ja. Er hat wirklich etwas sehr faszinierendes an sich. Ich würde aber sagen, dass er nicht unbedingt von Natur aus verschlossen ist. Ich denke, er tut sich schwer, sich zu öffnen und zu anderen Vertrauen aufzubauen. Das geht Alex auch so. Es hat etwas mit ihrer Vergangenheit zu tun, da bin ich sicher. Vielleicht mit dem, was sie in ihrer Kindheit erlebt haben. Ich denke, Albert hat nur schlechte Erfahrungen mit seinen Mitmenschen gemacht und vielleicht wurde er auch sehr verletzt, deswegen hat er verinnerlicht, dass er anderen nicht vertrauen kann. Er verdrängt seinen Schmerz und manipuliert andere, damit er selbst nicht manipuliert werden kann. Wie gesagt, es ist ziemlich einseitig mit uns. Er redet nicht mit mir und er gibt keine Sekunde die Kontrolle ab. Er nimmt keine Hilfe an, weil das für ihn Schwäche ist."

„So war er schon immer", sagte Ada grinsend. „Er will immer alles beherrschen, manipulieren, für sich nutzen. Und ich denke, weil ihm diese Kontrolle genommen wurde, dass es ihm deswegen nicht so gut geht."

„Ja."

„Wo soll das mit Ihnen hinführen? Versprechen Sie sich etwas davon?"

„Ich weiß es nicht. Ich verbringe meine Zeit gerne mit ihm, aber er ist derart schwierig, dass er mich in den Wahnsinn treibt." Sie lachte kurz auf. „Wir passen nicht zusammen, Ada Wong, und ich weiß, dass er nicht hier sein möchte. Er macht es wegen Alex und seinem Sohn, aber eigentlich wäre er schon längst gerne von hier fortgegangen. Und ich vermute, dass wird er auch tun, wenn das hier alles vorbei ist. Vorausgesetzt wir überleben alle. Wegen mir wird er nicht bleiben."

„Höre ich da einen Hauch von Missfallen heraus?", fragte Ada vielsagend.

„Wie bitte?"

„Geben Sie es zu, Helena. So besorgt wie Sie um ihn sind. Sie sind in ihn verliebt."

„Was?! Nein! So ein Unsinn!", protestierte Helena, doch sie konnte nicht verbergen, dass ihre Wangen heiß wurden und sie errötete.

„Ich wusste es. Sie sind seinem Charme verfallen. Machen Sie sich nichts draus, das wird Ihnen keiner verübeln. Wesker sieht nun mal gut aus und er hat was, darauf fahren die Frauen ab."

Helena erwiderte nichts darauf, stattdessen grinste sie süffisant und sagte: „Hört sich für mich eher so an, als seien Sie eifersüchtig, Ada Wong."

Die Agentin winkte ab und hatte nur ein mitleidiges Grinsen für Helena übrig. „Machen Sie sich nicht lächerlich, Agent Harper. Das mit Wesker und mir war nie etwas und hätte niemals etwas werden können. Wir waren Geschäftspartner."

„Stimmt, Sie haben ja jetzt Leon." Helena sah Ada eindringlich an, dann nickte sie. „Wissen Sie, Ada, Sie sprechen über Wesker auf der einen Seite, aber sind Sie selber so viel anders? Sie haben Leon 15 Jahre lang auf Distanz gehalten und mit ihm gespielt. Er liebt Sie, er hat sein Leben für Sie riskiert und Sie spielen weiter Ihre Spielchen mit ihm. Sie reden über Wesker, dass er keine Nähe zulassen kann, aber was ist mit Ihnen? Sind Sie so viel besser? Denken Sie mal darüber nach, was das mit Ihnen und Leon eigentlich ist. Er hat ziemlich gelitten wegen Ihnen. Das sehe ich als seine Partnerin nicht gerne."

Ada musterte Helena und grinste. „Sehr gut, Agent Harper."

Bevor sie etwas anderes sagen konnte, kam Jill in die Kantine gestürzt. „Kommen Sie, das müssen Sie sich ansehen! Wir haben Nachricht von diesen Leuten bekommen, die Wesker entführt haben!"


Sie hatten sich alle zusammengefunden: Chris, Jill, Sheva, Leon, Helena, Claire, Rebecca, HUNK, Piers, Alex Wesker, Ada Wong, sowie Sherry und Jake. O´Brian stand am Kopfendes des langen Tisches vor dem Bildschirm und hielt die Fernbedienung in der Hand.

„Diese Videobotschaft wurde uns zugespielt. Sie richtet sich an Jake Muller."

Er betätigte die Fernbedienung und der Film wurde abgespielt. Albert Wesker stand in einem Labor vor einem Cryostase- Tank. Er hatte den Kopf leicht nach vorne gesenkt und die Augen geschlossen, so als schliefe er. Um seinen Hals befand sich das Halsband, das man ihm angelegt hatte, um ihn zu kontrollieren. Er war wie in Südamerika in einen schwarzen, ledernen Kampfanzug gekleidet.

Von der Seite trat plötzlich eine vermummte Kapuzengestalt ins Sichtfeld der Kamera.

„Das ist der Mann, den wir in Kanada gesehen haben!", sagte Alex. „Er ist der Drahtzieher hinter allem!"

Jake trat nach vorne. Er musterte die Szene, die sich ihnen bot, mit ausdruckslosem Gesicht. Seine Hände waren zu Fäusten geballt.

„Ich grüße dich, Jake", sagte der Mann auf dem Video mit metallisch verzerrter Stimme. „Wir sind uns noch nicht persönlich begegnet, was ich sehr bedauere. Ich bin schon sehr gebannt darauf, dich kennenzulernen. Dein Vater war so umsichtig, mir höchst willig Gesellschaft zu leisten."

Der Mann machte eine einladende Armbewegung in Weskers Richtung, so als stelle er einen Gast vor.

„Mistkerl!", fluchte Helena leise.

„Ich werde nicht lange um den heißen Brei herumreden", fuhr der Mann fort. „Wenn du deinen Vater wiedersehen willst, Jake, dann erwarte ich dich hier bei mir. Und solltest du auf die Idee kommen, dir Hilfe von der B.S.A.A. zu holen, wird deinen Vater ein sehr schmerzhafter Tod erwarten. Also tätest du gut daran, allein zu kommen. Ich freue mich auf unsere Begegnung."

Das Video endete und Schnee flimmerte über den Bildschirm. O´Brian stoppte.

„Ich weiß, wo dieser Ort ist, ich habe ihn wiedererkannt", sagte Ada Wong. „Es ist ein Labor, das Unterwasser liegt. Es gehörte Derek und ich habe in der Vergangenheit dort einige Monate mit ihm gearbeitet. Ich glaube, dort hat er die ersten Versuche unternommen, mich zu klonen."

„Wo befindet es sich?", fragte Chris.

„Es ist im Golf von Mexico. An der Oberfläche ist es als Ölbohrinsel getarnt."

„Alles klar", sagte Jake und war schon im Begriff aus dem Raum zu stürmen. „Weiß ja nicht, was ihr macht, aber ich werde jetzt endlich meinen Vater befreien gehen."

„Jake!", sagte sowohl Chris, als auch Alex Wesker gleichzeitig. Sherry versperrte ihm den Weg aus der Tür.

„Sherry, geh zur Seite", sagte Jake, betont freundlich. Er musste sich zurückhalten, sie nicht zur Seite zu schieben.

„Jake!", sagte Alex diesmal etwas eindringlicher. „Bleib hier! Wir können nicht einfach losstürmen!"

„Bitte, Jake!", flehte Sherry.

Jake musste kleinbeigeben. „Gut, bitte schön!", sagte er sauer. „Dann schlagt mal was vor, was wir tun werden, um meinen Vater da raus zu bekommen, wenn ihr alles besser wisst! Wenn ich euch daran erinnern darf, was der Typ gesagt hat, er wird meinen Vater töten, sollte ich nicht allein kommen!"

„Jake, wir werden ein Team zusammenstellen und deinen Vater befreien", sagte Chris. „Ihm wird nichts passieren."

„Ich muss Ihnen widersprechen, Mr. Redfield", sagte Alex ernst.

„Wie bitte?", fragte Chris. „Was meinen Sie, Alex?"

Alex Wesker hatte die Arme verschränkt und starrte auf den Fernsehbildschirm, wo sie zuvor den Film gesehen hatten. „O´Brian, darf ich sie bitten, das Video noch einmal abzuspielen? Ich sage dann an einer bestimmten Stelle Stopp."

O´Brian nickte und tat wie geheißen. An der Stelle, als man Albert vor dem Cryostase- Tank stehen sah, bat Alex, das Video anzuhalten.

„Seht ihr das im Hintergrund?", fragte er die Anwesenden.

Alle traten ein Stück näher und betrachteten eingehend das Standbild.

„Moment mal!", meinte Sherry und deutete mit dem Finger auf etwas, das sich hinter Albert Wesker befand. Es sah aus wie eine zweite Person. „Könnte das nicht das Mädchen aus Alaska sein?"

„Sie ist es mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit", sagte Alex. „Und genau deshalb werden wir nicht einfach da hingehen und Albert befreien. Das riecht mir doch gehörig nach einer Falle."

„Sie haben Recht, Alex", sagte Chris. „Das ist ein Problem. Was schlagen Sie vor?"

„Ich werde gehen", sagte Alex. „Ada Wong wird mich dort hinführen. Aber ich werde allein gehen, ohne jemand von euch."

„Wieso?!", protestierte Jake sofort. „Ich will meinen Vater befreien! Diese Kerle können was erleben!"

„Nein, Alex, das geht nicht", widersprach Chris. „Wir können Sie und Ada Wong nicht allein gehen lassen. Das ist viel zu gefährlich."

Alex schüttelte den Kopf. „Hört mir bitte mal alle zu. Es liegt auf der Hand, dass man uns in eine Falle locken will. Man weiß, dass man Jake mit seinem Vater ködern kann, und man serviert uns das Mädchen, das der Schlüssel zu allem ist, auf dem Silbertablett. Da müssen wir doch gleich zuschlagen, oder?", fragte er vielsagend. „Nein, ein klares Nein!"

„Alex, aber…", sagte Claire, doch er gebot ihr zu schweigen.

„Wenn wir da jetzt alle hinstürmen, dann laufen wir nicht nur in eine Falle. In der Zwischenzeit ist Sherry völlig hilflos. Ihr vergesst wohl, dass man es immer noch auf sie bzw. die beiden Kinder abgesehen hat. Das wäre für diese Leute die ideale Gelegenheit, einen Angriff zu starten. Nämlich wenn wir alle nicht da sind, um sie zu beschützen."

„Sie meinen wirklich, dass…"

„Genau. Dass das nur ein Vorwand ist, um freie Bahn auf Sherry zu bekommen. Und wenn jemand von uns verletzt oder getötet wird, haben sie noch mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen", sagte Alex ernst. „Nachdem ich der einzige bin, der gegen Albert in seinem momentanen Zustand etwas ausrichten kann, werde ich natürlich gehen. Ada Wong wird mitgehen, damit sie mir den Weg zeigt."

„Ich werde mitgehen", sagte Chris.

„Chris, nein! Ihr könnte doch nicht zu dritt gehen!", sagte Jill.

„Doch, Jill. Alex hat Recht. Was er sagt, ist absolut richtig", sagte Chris bestimmt. „Je weniger von uns da reinlaufen, desto besser. Ihr anderen werdet hierbleiben und Sherry beschützen."

„Ich werde mitkommen, egal, was ihr sagt!", sagte Jake energisch.

„Jake, hör mir zu", sagte Alex. „Was willst du ausrichten? Dein Vater steht unter Kontrolle dieser Leute und diesmal werden sie ihn nicht so einfach wieder gehen lassen. Er ist für jeden hier viel zu stark und er wird jeden töten, wenn es sein muss. Und sei es sein eigener Sohn. Ich bin der einzige, der ihn besiegen kann, wenn es zu einem Kampf kommt. Du und die anderen müsst hierbleiben, um Sherry zu beschützen. Willst du, dass sie deine beiden Kinder bekommen?"

Jake musterte Alex eindringlich.

„Im Übrigen hat dieser Kerl dir noch nicht mal gesagt, wo du hingehen musst. Wenn wir Ada Wong nicht hätten, dann hättest du nicht mal einen Anhaltspunkt, wo du deinen Vater suchen musst. Wenn du mein Sohn wärst und Albert hier am meiner Stelle wäre, würde er genauso handeln, Jake. Sherry braucht dich mehr. Wenn ich mich geirrt habe, dann war es eine Vorsichtsmaßnahme zu viel, aber besser einmal zu viel gehandelt, als einmal zu wenig."

Jake atmete tief durch, sagte aber nichts.

„Jake", sagte Sherry. „Ich denke, Alex hat Recht. Das, was er sagt, klingt sehr vernünftig. Es ist besser, wenn du hierbleibst."

„Also schön", sagte Jake schließlich widerwillig.

„Ich bringe dir deinen Dad heil zurück. Versprochen", sagte Alex und reichte Jake die Hand. Dieser ergriff sie mit festem Griff.

„OK", sagte Chris. Er warf Ada Wong einen Blick zu, die nickte. „Wir drei gehen."

„Chris, wollt ihr nicht wenigstens ein paar Männer von uns mitnehmen?", fragte Jill in Sorge. „Ihr könnt…"

„Nein, Jill, wir werden wirklich nur zu dritt gehen. Unser Ziel ist es, Albert Wesker zu befreien, mehr nicht. Vielleich schaffen wir es, das Mädchen noch da rauszuholen, aber das ist nicht vorrangig. Wir gehen rein, holen Wesker raus und verschwinden so schnell es geht wieder. Ohne großes Aufgebot."

„Das ist ein enormes Risiko, Christopher", sagte O´Brian.

„Wir wissen schon, was wir tun. Bleibt ihr hier, passt gut auf Sherry auf."


Sie hatten bereits ihre Ausrüstung beisammen und waren zur Abreise bereit. Alex war auf seinem Zimmer und zog sich gerade an, als es klopfte und Helena Harper eintrat.

„Agent Harper, ich fürchte, ich habe wenig Zeit. Wir müssen los", sagte Alex.

„Ich bin hier, weil ich… Ich möchte mitkommen", sagte Helena bestimmt. „Ich weiß, dass ich etwas ausrichten könnte. Ich möchte Albert wirklich helfen."

Alex, der sich gerade seine Jacke anzog, hielt inne. „Agent Harper, Helena." Er trat direkt vor sie und sah ihr tief in die Augen. Er sah ihren Kampfgeist und wusste, dass sie es ernst meinte. Dennoch sagte er: „Mr. Redfield, Ada Wong und ich werden allein gehen. Unsere Entscheidung steht fest."

„Aber…"

„Ich schätze ihr Bemühen um Albert wirklich sehr. Und ich weiß, dass es ihm sehr gut tut, dass sich jemand so um ihn kümmert, wie Sie es tun. Nichtsdestotrotz können Sie hier nichts ausrichten. Ich möchte niemanden einer Gefahr aussetzen. Albert ist momentan für jeden zu gefährlich. Ich besitze dieselben Kräfte wie er und bin der einzige, der ihm gewachsen ist. Sie werden es nicht schaffen, ihn zurückzuholen. Überlassen Sie es mir."

Sie sah ihn an und es sah so aus, als wolle sie widersprechen, doch schließlich gab sie klein bei und senkte ihren Blick.

„Es tut mir Leid, Agent Harper, aber es ist besser so."

Sie nickte widerwillig. „Alex, bitte bringen Sie ihn zurück. Nicht wegen mir, aber wegen Jake."

„Das werde ich tun."


Wind peitschte ihnen um die Ohren, als sie mit ihrem Boot vom Schiff aus zur Bohrinsel übersetzten, die sich weit draußen abgelegen mitten im Ozean befand. Alex sah durch ein Fernglas und suchte die Plattform nach Wachposten ab.

„Ich sehe keine Wachen", sagte er. „Sie erwarten uns mit Sicherheit. Wo ist der Eingang?", fragte er an Ada gewandt.

Auf vier dicken Eisenträgern ruhte die Plattform des Komplexes. Ein Turm und ein Kran ragten in die Höhe. Ein paar Container waren übereinander gestapelt. Es gab sogar einen Hubschrauberlandeplatz. Alex überblickte ein Gebäude, wo sich die Steuerung befand. „Ist es dieses Gebäude?"

„Ja", sagte Ada Wong. „Unter der Plattform gibt es einen breiten Schacht, durch den ein Aufzug nach unten führt. Die Anlage befindet sich auf dem Meeresboden."

„Ist es ein Labor?", fragte Alex.

„Ja. Simmons hat dort die ersten Versuche unternommen, den C- Virus zu erschaffen und mich zu klonen", erklärte Ada. „Wir müssen in die Steuerungszentrale, damit wir nach unten fahren können."

Ihr Boot erreichte die Bohrinsel. Sie hielten an und schwangen sich mit Enterhaken nach oben. Oben auf der Plattform angekommen, zogen sie ihre Waffen. Alex hatte neben einer Pistole seinen Bogen dabei, Ada eine TMP und ihre Armbrust, Chris eine Pistole und eine Schrotflinte.

Sie sahen sich zuerst um und sicherten die Umgebung. Niemand war zu sehen und das Gelände war verlassen. Chris beschlich ein mieses Gefühl. Er hielt seine Waffe zum Schuss bereit. Er traute der trügerischen Ruhe nicht und er stimmte Alex Wesker zu, dass sie direkt in eine Falle liefen. Dass es gewollt war, dass sich ihnen niemand in den Weg stellte.

Ada Wong ging voraus und führte sie in die Kontrollzentrale der Bohrinsel. Sie tippte auf dem Schaltbrett und aktivierte den Aufzug.

„Es ist sogar derselbe Code wie damals", sagte Ada mit einem Grinsen. „Simmons hat gerne meinen Namen benutzt. Als ich für ihn gearbeitet habe, hat er das Passwort geändert."

Der Aufzug fuhr nach oben und öffnete seine Türen, sodass die drei hineintreten konnten. Ada tippte etwas auf dem Zahlenbrett ein und sie fuhren nach unten. Durch die breite Röhre konnten sie das Wasser um sie und die Fische sehen. Sie steuerten dem felsigen und sandigen Meeresgrund entgegen. Sobald sie unter Wasser waren, wurden sie in Dunkelheit getaucht.

Sie wechselten kein Wort miteinander. Jeder sah nach unten in die Finsternis des Abgrundes, wo sich die Umrisse eines Gebäudekomplexes abzeichneten. Es dauerte gute zehn Minuten, bis sie die Strecke von mehreren hundert Metern zurückgelegt hatten.

Die Türen öffneten sich und sie fanden sich in einem Vorraum wieder. Instinktiv hoben sie ihre Waffen, doch niemand nahm sie in Empfang. Es war still.

„Wo geht es lang?", fragte Alex.

„Geradeaus." Ada Wong ging voraus und führte sie in ein großes Labor.

Leere Wassertanks waren links und rechts aufgereiht. Computer waren ausgeschaltet. Es war dunkel, nur von einem Tank am Ende des Raumes ging ein blaues Licht aus. Sie erkannten sofort, dass das Video hier aufgenommen worden war.

„Das Mädchen!", sagte Alex und eilte voraus. Er überprüfte sofort die Armaturen und die Vitalfunktionen des Testobjekts. Das Mädchen, mit dem er in Südamerika aus der Anlage geflohen war, war in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Sie war abgemagert und blass. Er sah, dass sie mit zahlreichen Medikamenten in tiefem Schlaf gehalten wurde, damit man ihrem Gehirn das Hormon entnehmen konnte. „Oh nein!", sagte er. „Es geht ihr nicht gut. Sie muss sofort hier raus und braucht medizinische Versorgung!"

„Wir müssen erst Albert Wesker finden", mahnte Chris.

Alex riss sich nur ungern los, aber er wusste, dass Chris Redfield Recht hatte. Sie waren wegen Albert gekommen.

„Gehen wir weiter nach unten."

Ada führte sie weiter nach unten in den Komplex durch weitere Labore. Alex hielt Ausschau nach seiner Tochter Faith, aber er musste enttäuscht feststellen, dass sie nicht hier war.

Sie erreichten die unterste Ebene, von der aus man in den Maschinenraum gelangen konnte. Es war ein hoher Raum und eine breite Fläche erstreckte sich vor ihnen. Der Raum lag in vollkommener Dunkelheit. Als die drei in die Mitte traten, gingen plötzlich rundherum Scheinwerfer an. Sie zogen ihre Waffen. Über ihnen befand sich ein Glasfenster. Die Umrisse einer Person erschienen hinter Glasscheibe.

„Simmons!", sagte Ada Wong plötzlich.

Chris und Alex wirbelten herum und blickten nach oben.

Patrick Marius Simmons hatte dunkle, kurze Haare und trug einen dunklen Anzug. An seinem Gesicht konnte man unverwechselbar die Verwandtschaft zu Derek sehen. Er grinste höhnisch.

„Welche Freude, dass Sie sich zu uns gesellen. Wie ich sehe, war Albert Wesker Jake Muller wohl nicht sonderlich viel wert, sodass er Sie schicken musste. Wie schade."

„Simmons! Wo ist Albert?! Was haben Sie mit ihm angestellt?!", fragte Alex erbost.

„Oh, machen Sie sich keine Sorgen", spottete Simmons. „Ich versichere Ihnen, dass es Albert Wesker sehr gut geht."

Sein Blick glitt zu Ada Wong. „Ada Wong, endlich treffen wir uns mal persönlich. Mein Bruder hat mir sehr viel von dir erzählt." Er schnaubte. „Ich hätte ja glatt mehr erwartet. Ich habe nie verstanden, was er an dir fand. Aber du hast sein Leben und ihn zerstört."

„Derek war krank", sagte Ada gelassen. „Er hat nicht wertgeschätzt, was er hatte. Er hat sein Schicksal verdient."

Simmons knurrte verärgert. „Du wirst dafür bezahlen, was du meinem Bruder und unserer Familie angetan hast. Sie werden alle bezahlen! Sie werden uns nicht wieder in die Quere kommen." Er hielt ein kleines Kontrollgerät hoch.

Ein schwarzer Schatten schoss wie aus dem Nichts auf sie zu. Alex war der einzige, der reagieren konnte. Er wehrte Alberts Angriff ab, sodass dieser Chris und Ada nicht verletzen konnte und gezwungen war, sich mit einem Sprung zur Seite zu retten.

Simmons grinste süffisant. Albert landete in einiger Entfernung. Sein Gesicht war völlig emotionslos.

„Albert…", sagte Alex, doch Simmons unterbrach ihn.

„Vergessen Sie es. Albert Wesker steht unter meiner Kontrolle und diesmal werden Sie nicht so leichtes Spiel haben, ihn von der Wirkung der Droge zu befreien. Wir haben das Mittel etwas überarbeitet und sein Wirkung verstärkt. Sie haben keine Chance."

„Das werden wir noch sehen!", rief Alex verärgert und ballte die Hände zu Fäusten.

Patrick ließ sich von Alex´ Drohgebärden nicht einschüchtern. Er lächelte siegessicher.

„In der Tat, Mr. Wesker. Das werden wir sehen. Wir haben nicht nur die Wirkung der Droge überarbeitet, sodass sie keine Chance haben werden, ihn zu befreien, nein. Wir haben diesmal auch eine kleine Sicherung eingebaut."

Alex betrachtete Albert. Dieser stand nur regungslos da und betrachtete sie mit leerem Blick. Er wartete, bis ihm Simmons den nächsten Befehl gab.

„Das Kontrollgerät um seinen Hals injiziert ihm die Droge, mit der wir ihn kontrollieren. Es zu entfernen, bringt allerdings diesmal nichts. Es ist nämlich mit seinem Herzen verbunden und das bedeutet, dass, sollten Sie versuchen, es abzureißen, Sie unweigerlich seinem Herzen großen Schaden zufügen. Ob er sich davon auch heilen kann? Lassen Sie es darauf ankommen?" Simmons lachte höhnisch.

„Mistkerl!", fluchte Alex laut.

„Alex, was sollen wir machen?", fragte Chris.

„Überlassen Sie Albert mir, Mr. Redfield. Sie können hier nichts tun. Gehen Sie mit Ada Wong nach oben und versuchen Sie, das Mädchen zu befreien. Wir werden dann nachkommen."

„OK", sagte Chris. Er nickte Ada zu und die beiden eilten aus dem Raum.

„Nicht so schnell!", sagte Simmons, betätigte sein Gerät und das Halsband um Weskers Hals leuchtete auf. Er schnellte sofort nach vorne, um Chris und Ada an der Flucht zu hindern. Alex stellt sich ihm in den Weg und stoppte ihn, bevor er mit seiner Faust Chris Oberkörper durchbohren konnte.

Alex verzerrte das Gesicht vor Schmerz. Er hatte einen Schlag gegen seine Brust einstecken müssen und war ein paar Meter nach hinten geschlittert.

Chris wandte sich um Laufen um und fragte ihn, ob alles in Ordnung sei.

„Es geht schon!", presste Alex hervor und atmete tief durch. Alberts Schlag hatte ihm die Luft geraubt. „Verschwinden Sie schnell! Ich kümmere mich schon um Albert!"

Chris zögerte einen Moment, doch dann folgte er Alex´ Anweisung und verließ mit Ada Wong den Raum. Auch wenn er Alex unter normalen Umständen geholfen hätte, er wusste, dass es keinen Sinn hatte, zu bleiben. Albert Wesker war für sie zu stark. Er hatte schon in der Vergangenheit erfahren müssen, dass er keine Chance gegen die Kräfte des Virus hatte.

Die beiden Wesker blieben allein zurück und standen sich nun in einem alles entscheidenden Kampf gegenüber. Alex wusste genau, was auf dem Spiel stand. Und er wusste, was er zu tun hatte.

„Albert!", rief Alex, während er die Schläge und Tritte seines Gegenüber abwehrte. „Wach auf!"

Albert ließ sich von den Bitten wenig beeindrucken. Er bedachte Alex mit einem bösen, aggressiven Blick und griff unermüdlich an.

Alex war hauptsächlich in der Defensive, weil er sich zurückhielt. Er griff nicht mit voller Kraft an, weil er Albert nicht verletzen wollte. Dieser war unerbittlich. Er versetzte Alex einen kräftigen Schlag nach dem anderen, sodass dieser keine Gelegenheit fand, zurückzuschlagen. Schließlich gelang es Albert, ihn mit einem Cobrastrike gegen die Brust durch den Raum zu schleudern.

Alex schlug auf dem Rücken auf und schlitterte einige Meter weit. Er schaffte es gerade rechtzeitig, sich hochzurappeln und zur Seite zu rollen, als Albert bereits zum Sprung auf ihn ansetzte und seine Faust genau dort in den Boden rammte, wo nur Sekundenbruchteile zuvor sein Kopf gelegen hatte.

„Albert, bitte komm zu dir!", flehte Alex.

Er nutzte die gewonnene Chance und versetzte Albert einen Fußtritt in die Seite, sodass dieser nach hinten gerissen wurde. Er wandte sich in der Luft einmal um sich selbst und landete an der Wand. Er stieß sich kräftig ab und schoss dann mit den Füßen voraus auf Alex zu.

Alex versuchte noch auszuweichen, aber Albert erwischte ihn dennoch schmerzhaft in der Seite. Er spürte, wie seine Rippen brachen. Er schluckte den Schmerz hinunter und packte Albert geistesgegenwärtig am Arm, sodass er ihn herumwirbeln und in den Schwitzkasten nehmen konnte.

„Albert, bitte wach auf! Hör mir zu! Das bist nicht du! Wehr dich dagegen!"

Albert wandte sich hin und her und schließlich hob er Alex über seine Schultern und knallte ihn mit voller Wucht auf den Boden.

„Albert, du musst aufwachen! Ich bin es, Alex!"

Albert holte zum Schlag aus, doch zögerte einen Moment. Sein Gesicht verzerrte sich vor Schmerz und er griff sich mit beiden Händen an die Schläfen. Sein Halsband leuchtete rot auf, er schüttelte den Kopf, dann fixierte er Alex wieder mit einem bösartigen Blick und griff an.

Alex merkte sofort, dass er keine Chance hatte, Albert aus seiner Trance zu holen. Er musste das Gerät irgendwie von seinem Körper entfernen, etwas anderes würde nicht helfen.

Blitzschnell rollte er sich zur Seite, bevor Albert zuschlagen konnte und schwang sich elegant auf die Füße. Die beiden Männer setzten ihren Kampf fort. Beide waren sich ebenbürtig, niemand schenkte dem anderen etwas. Beide waren große Kämpfer und ihre Kräfte prallten mir roher Gewalt aufeinander.

Während Alex sich bemühte, Albert nicht zu verletzen, schlug sein Kontrahent von der Droge gesteuert, umso härter zu. Mittlerweile hatten beide, aber vor allem Alex, einiges einstecken müssen. Nicht nur seine Rippen waren gebrochen, er blutete auch stark an der Lippe und sein rechter Arm schmerzte. Für einen Außenstehenden waren ihre Bewegungen oft so schnell, dass sie mit bloßem Auge kaum zu erkennen waren. Sie fegten durch den Raum und zerstörten dabei Boden und Wände, wenn jemand von der Wucht des anderen tief in Stein oder Metall gedrückt wurde.

Alex versuchte immer wieder, Albert in die Ecke zu drängen, um das Kontrollgerät um seinen Hals zumindest zu beschädigen, doch er scheiterte jedes Mal.

Er merkte irgendwann, dass seine Kräfte allmählich schwanden. Er geriet zunehmend wieder in die Defensive und es gelang ihm nicht, Albert zu schwächen. Dessen Kräfte blieben unverändert stark und nach einiger Zeit wandte sich das Blatt zu seinen Gunsten. Alex konnte nur noch Schläge halbherzig abwehren, aber selbst nicht mehr kontern, sodass Albert die Oberhand gewann und ihm arg zusetzte.

Alex stöhnte vor Schmerz auf, als er eine Reihe Faustschläge und Fußtritten ertragen musste, durch die er auf den Boden geworfen wurde. Er schnappte nach Luft und spuckte etwas Blut. Albert schritt auf ihn zu und in seinen Augen lag eines: Mordlust. Er wollte dem Auftrag seiner Herren nachkommen und töten. Er war nur eine leere Hülle, die unter Einfluss von außen handelte. Er wusste nicht, was er tat.

Alex stemmte sich hoch, doch Albert versetzte ihm einen letzten Schlag, der ihn endgültig außer Gefecht setzte. Albert packte ihn am Hals und drückte ihn gewaltsam gegen die Wand. Seine Finger zogen sich zu, sodass Alex die Luft wegblieb. Seine Atmung wurde unregelmäßig. Er wusste, dass er handeln musste, sonst hätte Albert gewonnen. Und das konnte er nicht zulassen. Er durfte Albert nicht diesen Leuten überlassen.

Albert hob seine freie Hand, ballte sie zur Faust und machte sich bereit zum letzten Schlag. Alex´ Kopf war leer. Er durfte nicht zögern. Alberts´ Faust schoss wie in Zeitlupe auf ihn zu.

„Albert, es tut mir Leid", sagte Alex leise, dann stieß er im Bruchteil einer Sekunde seinen Arm direkt durch Alberts Brust, wo das Kontrollgerät mit seinem Herzen verbunden war. Er durchbohrte Fleisch und Knochen mühelos.

Der andere Wesker war auf diesen Schritt nicht gefasst und hatte keine Chance, den Angriff abzuwehren. Sein Griff um Alex´ Hals lockerte sich und sein Atem wurde unregelmäßig. Er schnappte nach Luft. Alex zog seinen Arm nicht zurück. Er spürte wieder den Boden unter sich, als Albert ihn losließ.

„So, dann wollen wir mal", sagte Alex, fasste an das Gerät, das Albert um seinen Hals trug, und zog mit voller Kraft daran.

Albert stöhnte vor Schmerz auf, als Alex das Halsband von seiner Haut riss. Ein roter Striemen hatte sich darunter gebildet. Alex hatte zu kämpfen, mit einer Hand das dicke Metall aufzubiegen. Als Albert sich wehren wollte, wandte Alex seinen Arm in der Wunde hin und her.

„Gleich haben wir es. Tut mir echt Leid, Mann, aber… es geht nicht anders."

Mit der letzten Kraft, die Alex noch hatte, entfernte er das Kontrollgerät aus Alberts Nacken, wo es die Droge in seinen Körper injizierte. Der schwere Ring brach entzwei und fiel klirrend zu Boden.

Erleichtert atmete Alex auf. Er ließ Albert los und zog seinen Arm vorsichtig aus dessen Brust.

Albert sah an sich herunter und fasste sich ungläubig mit den Händen an die Brust. Als er aufsah, wusste Alex, dass sein Plan aufgegangen war. Alberts Augen waren wieder normal und er funkelte Alex nicht mehr bösartig an.

„Albert…", sagte Alex vorsichtig.

Der andere Wesker machte ein paar torkelnde Schritte. Sein Atem war unregelmäßig und unablässig floss Blut aus der Wunde auf den Boden. Er hustete und spuckte Blut, dann sackte er kraftlos auf dem Boden zusammen. Sein Körper verkrampfte.

Alex eilte sofort zu ihm. „Albert?!" Irgendetwas stimmte nicht.

Albert röchelte und zitterte heftig. Die Wunde hätte längst im Heilen inbegriffen sein sollen, doch es geschah viel zu langsam und es geschah viel zu wenig. Albert verlor zu viel Blut. Das Gewebe versuchte, sich zu regenerieren, doch Knochen- und Muskelfaser setzten sich nicht richtig zusammen.

„Verdammter Mist!", fluchte Alex, zog sofort seine Jacke aus und presste sie auf die Wunde.

„Alex", presste Albert unter Schmerzen hervor. „Ich… kann mich… nicht richtig heilen." Er drohte, das Bewusstsein zu verlieren.

„Ja, das sehe ich!", erwiderte Alex unbeholfen. Was sollte er tun? Er war darauf nicht gefasst gewesen.

Schnell griff er in seine Tasche und holte seine Schachtel heraus, in der er seine Medikamente aufbewahrte. Er holte eine Spritze mit gelbbrauner Flüssigkeit heraus und rammte sie Albert in seinen gesunden Arm.

„Bitte, du schaffst es!", murmelte Alex, während er das Mittel injizierte. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis alle Flüssigkeit verabreicht hatte. Seine Hand an der Spritze zitterte. „Durchhalten! Nur noch ein bisschen durchhalten!"

Das Medikament, das er auch Jake in Alaska gegen dessen Verletzungen gegeben hatte, hatte Alex aus dem Progenitor- Virus entwickelt, als er für Spencer auf der Insel in der Südsee gearbeitet hatte. Es beschleunigte den natürlichen Heilungsprozess. Er hoffte inständig, es möge Albert helfen.

Die Minuten zogen sich quälend dahin. Alex´ Jacke hatte sich voller Blut gesogen. Albert war blass und kraftlos. Seine verkrampften Muskeln erschlafften allmählich, sein Atem wurde flacher und ruhiger. Er stand kurz davor, ohnmächtig zu werden.

„Albert, hörst du mich? Bitte, bleib wach! Bleib bei mir, OK?" Alex sprach ihm gut zu. Es kostete Albert viel Kraft, die Augen geöffnet zu halten und nicht in die Dunkelheit abzugleiten. Er sah Alex mal klar vor sich, mal verschwommen in einem Nebelschleier. Er kämpfte im Geiste und sein Körper kämpfte.

Nach schier endlosem Warten begannen seine Verletzungen endlich, sich zu schließen. Eine Welle des Schmerzes schoss durch seinen Körper, als sich seine gebrochenen Knochen wieder zusammenfügten und das Gewebe darüber nachwuchs. Er spürte auch, wie sein Körper begann, den Blutverlust zu beheben und neue Zellen bildete.

„Albert!", hörte er Alex´ Stimme von weiter Ferne. „Du musst wachbleiben!", befahl er ihm.

Albert kam der Aufforderung nach. Er konnte plötzlich neue Kraft schöpfen.

„Alex", sagte er schwach, als er das vertraute Gesicht über ihm sah, dass ihn angrinste.

„Hey, Mann, was machst du für Sachen?"

Alex half Albert auf die Füße und legte dessen Arm um seine Schulter, um ihn zu stützen.

„Was ist passiert, Alex? Wo bin ich hier? Und was hast du gemacht?"

„Wir erklären dir alles später, OK? Ich bin einfach nur froh, dass ich dich wieder habe."

„Wieso konnte ich mich nicht heilen? Was ist mit meinem Körper los?", fragte Albert.

„Keine Ahnung, was los ist. Das klären wir aber am besten alles, wenn wir hier raus sind", sagte Alex. „Wir müssen hier weg."

Albert war schwach und wacklig auf den Beinen und sie kamen nur langsam voran. Der Blutverlust hatte ihn entkräftet und er merkte, dass sein Körper alle Energie aufwendete, seine Verletzungen zu heilen. Er konnte sich nur schwer aufrechthalten und hatte das Bedürfnis, sich hinzulegen und zu schlafen.

Sie durchquerten den großen, runden Raum, um zur Tür auf der anderen Seite zu gelangen, doch plötzlich ertönte über ihnen eine Stimme über einen Lautsprecher.

„Bravo, sehr gut, Alex. Du hast es also geschafft, das hätte ich nicht gedacht. Ich habe euer Band wohl unterschätzt."

„Diese Stimme…", raunte Albert.

„Kennst du sie? Das ist jedenfalls nicht Simmons", stellte Alex sofort fest.

„Ja, sie kommt mir sehr bekannt vor."

„Eure Fähigkeiten sind wahrlich beeindruckend", sagte die Stimme anerkennungsvoll. „Allerdings wird euch das nichts mehr nützen. Die Welt und die Menschheit blicken bereits dem Anbeginn eines neuen Zeitalters entgegen. Schon bald werden Schwäche und Krankheit der Vergangenheit angehören und die jämmerliche Spezies Mensch, wie wir sie jetzt kennen, wird ein Ende finden. An ihre Stelle wird eine neue Gattung Mensch treten, geschaffen von meinem Supervirus. Es ist sehr schade und bedauerlich, dass ihr die Schönheit meines Planes nicht erkennen wollt und euch gegen mich stellt, dabei haben wir doch so viel gemeinsam. Ihr habt euch so entschieden, deshalb müsst ihr den Preis für eure Entscheidung bezahlen."

Die Stimme erstarb.

„Diese Stimme…", sagte Albert erneut.

„Komm, Albert, wir müssen hier raus!", mahnte Alex. Zusammen durchquerten sie den Raum und die Tür und schleppten sich so schnell es ging, den Gang entlang, Richtung Aufzug.

Albert war erschöpft und die Stellen, an der Alex sich durch seine Brust gebohrt und er das Halsband getragen hatte, brannten unangenehm. Er war kurzatmig und schwach von dem starken Blutverlust und den schweren Verletzungen, die er im Kampf davongetragen hatte, und die Müdigkeit brach über ihn herein. Er zwang sich, wachzubleiben und weiterzugehen. Er brauchte eigentlich eine Pause, aber Alex drängte ihn immer weiter.

Auch Alex spürte deutlich, was er von Albert alles hatte einstecken müssen. Ihm taten immer noch seine Rippen weh und auch er brauchte eigentlich Ruhe, um sich richtig zu regenerieren. Sein Körper wendete alle Kraft und Energie für die Heilung auf, dabei hätte er sie eigentlich für ihre Flucht gebraucht. Schwäche drohte, auch ihn zu übermannen. Er nahm sich zusammen, um nicht einzuknicken, aber Alberts Gewicht zu stemmen und weiterzugehen wurde zunehmend schwerer.

Sie kamen nur langsam voran und mussten an einer Weggabelung anhalten, um durchzuatmen. Alex griff sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an seine Rippen. Es tat weh, als sein Virus seine gebrochenen Knochen zusammensetzte.

„Ich kann schon alleine gehen", versicherte Albert, der sich erschöpft haltsuchend an eine Wand lehnte. „Wo sind wir hier überhaupt? Und wo gehen wir hin?"

„Wir sind in einem Labor, das Simmons gehörte. Nach dem Kampf mit Sheila haben die dich entführt und hierher gebracht. Chris, Ada und ich sind gekommen, um dich rauszuholen."

„Chris?", fragte Albert ungläubig.

„Sie wollten zuerst deinen Sohn herlocken, aber wir konnten ihn zum Glück davon überzeugen, dass er bei Sherry bleiben soll. Wir haben eine Falle vermutet und sind deshalb nur zu dritt gekommen. Die anderen sie alle bei Sherry und beschützen sie, falls es in der Zwischenzeit zu einem Angriff kommen sollte."

„Verstehe. Wo sind Chris und Ada?"

„Sie sehen zu, dass sie das Mädchen befreien. Das Testobjekt, von dem sie das Hormon genommen haben. Sie ist hier", erklärte Alex. „Deine Entführer haben uns eine Videobotschaft zukommen lassen, auf dem sie zu sehen war. Deshalb habe ich sofort eine Falle gewittert."

„Wo sind sie?"

„Keine Ahnung, irgendwo in einem Labor. Das Mädchen ist ganz oben. Wir sind dann weiter runter und haben die Anlage nach dir abgesucht. Du kamst und wir mussten uns trennen, damit ich mit dir kämpfen konnte. Chris und Ada sind wieder nach oben, um das Mädchen zu befreien."

„Welche Anlage? Wo sind wir?"

„Der Komplex befindet sich im Golf von Mexico. Er gehört der Familie und Simmons."

„Erzähl es mir später", sagte Albert und atmete tief durch. „Wir müssen hier raus. Ich kenne mich nicht aus, ich kenne diesen Ort hier nicht. Weißt du, wo es lang geht?"

Alex nickte. „Ich habe mir den Weg eingeprägt. Ada Wong hat uns hergeführt. Wir müssen da lang."


Sherry hatte es sich in der B.S.A.A.- Zentrale auf einem Sofa im Aufenthaltsraum mit einer Wolldecke gemütlich gemacht. Es war spät und sie war müde, aber der Schlaf wollte nicht kommen. Sie war viel zu nervös und beunruhigt und seit einiger Zeit machte ihr wieder leichte Übelkeit zu schaffen. Sie schloss die Augen und bettete ihren Kopf auf die Armlehne.

Eine Hand ruhte auf ihrem Bauch, wo sich mittlerweile bereits eine Rundung abzeichnete. Nicht mehr lange und es würde nach außen hin nicht mehr zu verbergen sein, dass sie schwanger war. Nur noch ein paar Monate und sie war Mutter von zwei Kindern. Es war eine seltsame Vorstellung für sie. Noch vor einem halben Jahr hatte sie sich keine Gedanken über ihre Zukunft und eine Familie gemacht. Wie schnell sich alles ändern konnte.

Manchmal sah Sherry mit Sorge in diese Zukunft, weil sie nicht wusste, wie sie alles schaffen sollte. Natürlich war sie nicht allein und Jake hatte ihr zugesichert, sich gut um sie und die beiden Kleinen zu kümmern. Trotzdem hatte sie oft Angst, ob sie ihrer Aufgabe gewachsen war. Was wenn es Probleme gab mit ihrem Virus? Würde er ihre Kinder während der Schwangerschaft beeinflussen? Nicht zu vergessen, dass sie von ihrem Vater mit großer Wahrscheinlichkeit dessen besondere Veranlagung erben würden. Würden sie bereits mit besonderen Fähigkeiten zur Welt kommen?

Die Leute, die es auf sie abgesehen hatten, glaubten dies offenbar. Sie musste zugeben, dass Alex sie verängstigt hatte. Was er gesagt hatte, war vernünftig, aber er hatte ihr damit nur noch mehr Angst gemacht. Beim Gedanken daran, in Gefangenschaft zu geraten und von ihren Kindern getrennt zu werden, wurde ihr heiß und kalt.

„Alles in Ordnung mit Ihnen, Agent Birkin?", fragte eine Stimme.

Als Sherry die Augen öffnete und sich langsam aufrichtete, sah sie Piers Nivans auf sich zukommen.

„Ich habe Sie hoffentlich nicht geweckt?"

„Nein, nein. Ich kann sowieso nicht schlafen", sagte Sherry und strich sich ihre Haare zurück.

„Wie geht es Ihnen?", fragte Piers.

„Geht schon. Mir ist nur etwas übel", sagte Sherry und lächelte. „Ich bin ein bisschen nervös."

„Alex hat uns alle ziemlich in Aufruhr versetzt", bemerkte Piers. „Aber Sie brauchen sich keine Sorgen machen, Sherry. Wir haben alle verfügbaren Leute abgestellt, um sie zu beschützen. Es braucht schon einiges, um in dieses Gebäude zu kommen und sie zu entführen."

„Ja, das stimmt", sagte Sherry. „Aber ich denke, er hat Recht. Vorsicht ist hier wirklich besser als Nachsicht. Wo ist eigentlich Jake, haben Sie ihn gesehen?"

„Er ist in der Kantine und wollte sich etwas zu trinken holen", erklärte Piers. „Er ist ziemlich durch den Wind wegen seinem Vater und dem, was Alex Wesker gesagt hat. Alle sind völlig verängstigt."

„Tut mir Leid", sagte Sherry und errötete leicht. „Alle machen sich so viele Gedanken und Sorgen um mich."

„Wir passen auf Sie auf", versicherte Piers.

Sherry nickte. „Wie geht es Ihnen eigentlich? Sind Sie wieder im Dienst?"

„Offiziell eigentlich noch nicht, aber ich halte das Nichtstun nicht aus", sagte Piers. „Ich habe gestern endlich wieder eine Waffe in die Hand genommen. Es funktioniert sehr gut."

Er hielt seine Hand hoch und bewegte seine Finger.

„Geht es mit Ihrem Arm?"

„Ja. Es ist wirklich erstaunlich, was Alex Wesker geleistet hat. Ich bin ihm wirklich zu Dank verpflichtet. Das hätte ich nicht erwartet."

„Ja, die beiden Wesker überraschen uns immer mehr dieser Tage."

„Wie hat… Albert Wesker das eigentlich aufgenommen. Mit Ihnen und Jake und… dass Sie schwanger sind."

„Ach, so wirklich etwas dazu gesagt hat er eigentlich nicht. Aber er hat nichts dagegen, dass Jake und ich zusammensind. Immerhin bin ich die Tochter seines alten Freundes. Naja, aber ich denke, er hat es noch nicht ganz verdaut, dass er… ich traue es mich gar nicht laut zu sagen… Großvater wird." Die Tatsache auszusprechen war eigentümlich für Sherry. „Vor kurzem wusste er noch nicht einmal, dass er Vater ist und jetzt? Ausgerechnet er, der nie ein Familienmensch war. Ich hab mich ja noch nicht mal selbst an den Gedanken gewöhnt", musste Sherry zugeben. „Es fühlt sich seltsam an, die Vorstellung, dass… ich bald Kinder haben werde."

„Das wird schon", sagte Piers.

„Ja, hoffen wir es."

„Hier seid ihr", sagte Claire und gesellte sich mit ihrem Hund zu ihnen.

„Claire, wie geht's dir?", fragte Sherry besorgt. Sie streichelte Bella hinter den Ohren.

Claire sah müde und erschöpft aus. Sherry wusste, dass sie sich Sorgen um Alex machte.

„Passt schon. Ich… muss nur die ganze Zeit an Alex denken. Ich hoffe, sie schaffen es und alle kommen heil zurück."

„Bestimmt, wir müssen Ihnen vertrauen", sagte Sherry und versuchte, möglichst zuversichtlich zu klingen.

„Ich habe vorhin mal mit Jill gesprochen. Sie macht sich schreckliche Sorgen und ist völlig durch den Wind. Genauso wie Leon und Jake."

„Verständlich."

Sie unterhielten sich eine Weile und versuchten, sich abzulenken. Irgendwann bot Piers an, etwas zu trinken aus der Kantine zu holen. Er kam allerdings nicht weit, denn plötzlich fanden sie sich im Dunkeln wieder. Der Strom war ausgefallen.

„Was ist denn jetzt los?!", fragte Claire erschrocken.

Sie konnten nur die Umrisse des anderen ausmachen und mussten sich an den Wänden entlang nach draußen in den Flur tasten, wo bereits einige B.S.A.A.- Agenten mit Taschenlampen umherliefen.

„Was ist passiert? Warum ist der Strom weg?", fragte Claire einen jungen Mann, der an ihnen vorbeilief.

„Wir wissen nicht, was es ist", sagte er gehetzt. „Nicht nur der Storm ist weg, auch unsere Handys sind tot. Es funktioniert nichts mehr." Er eilte seinen Kollegen hinterher.

„Was? Die Handys…" Claire griff in ihre Tasche und holte ihr Smartphone heraus. Tatsächlich hatte sie kein Netz. Als sie eine Nummer wählen wollte, ertönt nur ein greller Pfeifton, der sogleich erstarb.

„Mist, was ist denn hier los?", fluchte sie ungeduldig.

„Claire, ist Sherry bei euch?!", fragte Jill außer Atem, als sie mit einer Taschenlampe auf sie zugelaufen kam.

„Ja, sie ist bei uns", sagte Piers schnell. „Was ist passiert?!"

Jill konnte nicht mehr antworten, denn in diesem Moment ertönten Schüsse.