Alexa- Wesker: Ich habe noch ein paar Ideen zu einigen RE- Fanfics, aber ich weiß es noch nicht. Erst mal muss ich diese hier fertigbekommen. Ich weiß noch gar nicht, wie viele Kapitel es noch werden. Es wird schon noch dauern.^^ Die Stimme ist allerdings nicht weiblich. :)

Leon S. Kennedy 1977: Leider bleibt zur Freude wirklich wenig Zeit. Der Kampf war so ähnlich wie in RE 5, als Chris und Sheva Jill zurückholen mussten. Ja, leider hatte Alex tatsächlich Recht.

Danke an euch beide für eure Reviews bei meinem Oneshot. :)

Tut mir echt Leid, dass es mal wieder sooo lange gedauert hat, aber ich bringe mal wieder nix zu Papier und momentan habe ich echt wieder viel Stress. Deshalb weiß ich noch nicht, wann es weitergehen wird. Vielleicht schreibe ich auch erst vor, mal sehen.


Ada schoss einen Pfeil mit ihrer Armbrust ab und traf damit einen J´avo in den Hals. Dieser taumelte nach hinten, sodass sie ihn mit einem Roundhouse- Kick erledigen konnte. Chris versetzte einem anderen J´avo einen Kinnhaken, sodass er auf den Rücken fiel. Mit einem gezielten Fußtritt auf dessen Kopf konnte Chris ihn außer Gefecht setzen. Er legte das Schrotgewehr an und konnte damit eine Gruppe von Feinden zurückwerfen und ausschalten.

Nachdem sie Alex mit Albert allein zurückgelassen hatten, bahnten sich Chris und Ada ihren Weg zurück nach oben ins Labor, wo das Mädchen gefangen war. Bereits auf der Hälfte des Weges allerdings waren sie von einer Horde J´avo aus dem Hinterhalt attackiert worden. Sie kämpften sich mühevoll ihren Weg nach draußen.

In der Etage vor dem Labor, flüchteten sie in einen Nebenraum, um sich vor einem Kugelhagel zu schützen, der auf sie niederprasselte.

Sie schlossen die Tür und schoben einen Tisch davor. Auf dem Gang draußen konnten sie die Stimmen der J´avo hören.

„So kommen wir nie an das Mädchen heran", bemerkte Ada, die einen Pfeil in ihre Armbrust spannte.

„Ich stimme zu", sagte Chris und lud seine Schrotflinte nach. „Da rüber."

Sie eilten auf die andere Seite des Raumes und brachen zusammen eine verriegelte Doppeltür auf. Es war kein richtiges Labor, nur ein paar Geräte standen herum. Im Boden befand sich eine große, runde Glasscheibe. Vorsichtig traten sie an den Rand und sahen nach unten. Sie bemerkten, dass es sich um eine Art Käfig handelte, in dem ein großer B.O.W. gefangen gehalten wurde.

„Das ist doch eines dieser Viecher aus Alaska…", murmelte Chris. „Der sieht so aus, wie das Weibchen, dass uns Albert Wesker beschrieben hat."

Das große Reptil nahm die Anwesenheit der beiden Menschen über sich war und hob seinen Kopf. Es fletschte seine langen Reißzähne und versuchte nach oben zu springen. Es schlug mit dem Kopf hart gegen das dicke Glas. Als es zu Boden fiel, zuckte ein Elektroschock durch seinen Körper.

Chris und Ada schraken zurück.

„Die quälen dieses Vieh. Wenn es nicht pariert, dann bekommt es Stromschläge", sagte Ada nachdenklich.

Der B.O.W. brüllte vor Wut auf, sein Schwanz schlug kraftvoll gegen die Wände. Er hatte es bereits geschafft, kleine Mauerteile herauszubrechen. Als es eine weitere Bestrafung erhielt und vor Schmerz aufheulte, wandten sich Chris und Ada schließlich ab.

„Ich will nicht warten, bis es da rauskommt. Die Typen können sich mit der tickenden Zeitbombe herumschlagen", sagte Chris, der von dem Anblick angewidert war. Er erinnerte sich nur zu gut, wie die B.O.W.s in Alaska versucht hatten, ihn und die anderen in Stücke zu reißen, dennoch empfand er fast so etwas wie Mitleid für die arme Kreatur, die in ihrem engen Gefängnis gequält wurde.

Sie eilten weiter, erledigten eine Wache und kamen erneut auf einen Gang.

„Wir müssen da weiter", sagte Ada und ging voraus.

Plötzlich wurde der Boden erschüttert und brach unter ihnen auf. Sie gerieten ins Straucheln und verloren den Halt.


„Geht schon", sagte Albert und lehnte sich haltsuchend an eine Wand. Er löste sich von Alex.

„Geht's? Kannst du alleine weitergehen?"

„Ja." Albert nickte.

„OK. Warte mal kurz hier."

Alex schritt langsam ein Stück voraus und sah um eine Ecke.

„Oh nein." Er zog seinen Bogen und spannte einen Pfeil in die Sehne.

„Gib mir deine Pistole", sagte Albert und nahm die Waffe von Alex entgegen. Er entsicherte sie und hielt sie schussbereit.

Eine Truppe J´avo patrouillierte durch die Gänge und kam auf dem Weg zum Aufzug auf die beiden Wesker zu. Alle waren bewaffnet und trugen Kampfanzüge. Ihre roten Glotzaugen leuchteten.

„Wir müssen zurück, Albert", raunte Alex und drängte Albert mit der Hand zurück in den Gang, aus dem sie gekommen waren.

„Achtung, ich…"

Sie zogen sich in den Schutz des Flures zurück und warteten, bis ihre Feinde in ihr Blickfeld kamen. Alex spannte seinen Bogen, nahm Ziel und schoss. Der Pfeil durchbohrte die Schulter eines J´avos.

„Runter!", rief Alex und die beiden Wesker warfen sich auf den Boden. Eine gewaltige Explosion riss die Gruppe Mutierter auseinander und schlug ein gewaltiges Loch in die Wände und den Boden. Staub und ein paar Metallsplitter rieselten auf sie nieder. Schützend hielten sie sich ihre Arme über den Kopf.

„Haben wir es geschafft?"

Plötzlich ertönten zwei Schreie. Chris Redfield und Ada Wong brachen durch die Decke, die durch die Explosion eingestürzt war.

„Das sind die anderen…" Alex sprang sofort auf und eilte zu ihnen.

„Ist etwas passiert?! Sind Sie beide in Ordnung?!"

„Arg!", stöhnte Chris und wuchtete einen Stein von sich. Sowohl er als auch Ada waren mit Staub bedeckt. Adas Armbrust war völlig verbogen und unbrauchbar. „Ja, ich denke schon. Hatten Sie Glück mit Albert, Alex?"

„Ja, ich habe ihn befreien können."

Albert stemmte sich vom Boden hoch und trat zu ihnen.

„Geht's dir gut?", fragte Chris betont höflich. Albert nickte nur darauf.

„Wir müssen hier raus", sagte Alex sofort. „Überall sind J´avo."

„Nicht nur das", sagte Chris ernst. „Diese B.O.W.s aus Alaska sind ebenfalls hier. Wir glauben, eines der Weibchen gesehen zu haben. Es war riesig. Es ist in einem Käfig eingesperrt und mega- angefressen. Vergessen wir das Mädchen. Wir müssen hier weg."

„Auch wenn es nur widerwillig ist. Ich denke, Sie haben Recht", sagte Alex. „Alberts zu befreien war unser Ziel. Verschieben wir die Befreiung des Mädchens."

Ada schüttelte sich Staubkörnchen aus den Haaren und zog ihre Pistole. „Kommt."


Ein Hubschrauber der B.S.A.A. empfing sie am Ufer, als sie mit dem Boot anlegten. Alex und Albert sanken sofort erschöpft auf der Sitzbank nieder. Ada nahm neben ihnen Platz und erkundigte sich nach ihrem Befinden. Der rote Striemen um Alberts Hals war soweit verblasst, dass er kaum noch zu erkennen war.

Die Rotorblätter brummten laut und sie erhoben sich in die Luft.

Chris zog sofort sein Handy und wollte in New York anrufen, doch er hörte nur einen durchgehenden Pfeifton und das Display zeigte ihm „Kein Signal" an.

„Was ist da los?"

„Ist etwas nicht in Ordnung?", fragte Ada Wong.

„Ich erreiche niemanden", sagte Chris. „Das ganze Netz scheint tot zu sein. Ich erreiche weder das Festnetz, noch die Handys."

„Das ging uns vorhin genauso", sagten die beiden Soldaten, die den Helikopter flogen. „Nicht mal das Funkgerät funktioniert. Wir wissen nicht, wann der Kontakt abgebrochen ist. Irgendetwas ist in der Zentrale mit der Technik passiert."

„Das ist seltsam. Man kommt überhaupt nicht mehr durch, egal mit was", murmelte Chris. „Da ist irgendwas passiert! Wir müssen so schnell es geht zurück!"

Ada Wong zog ebenfalls ihr Smartphone und wählte Leons Nummer. Plötzlich trat Sorge auf ihr Gesicht. „Ich erreiche Leon auch nicht. Da stimmt etwas nicht."

„Oh nein, es wird doch nicht…"

„Beeilen wir uns."

Der Hubschrauber steuerte dem Sonnenaufgang entgegen.


Chris musste eingenickt sein. Irgendwann wurde er durch eine Stimme aus seinem Schlaf gerissen. Der Hubschrauber ging nach unten und landete schließlich auf dem Landeplatz, der sich hinterhalb des B.S.A.A.- Gebäudes befand.

„Captain Redfield!", sagte einer der Piloten.

„Seht mal da!", sagte Alex.

„Sie hatten Recht, Alex", sagte Chris resignierend. „Sie sind tatsächlich gekommen."

Ein großes Loch klaffte in der Seitenwand des Hauses. Mauerteile lagen auf der Erde verstreut. Sie sahen, wie die B.S.A.A.- Agenten versuchten, den Schaden zu beheben. Irgendjemand hatte sich mit gewaltiger Feuerkraft, wahrscheinlich mit Sprengstoff, Zutritt zum Gebäude verschafft.

Chris, Ada Wong und die beiden Wesker stiegen aus dem Hubschrauber und eilten sofort nach innen. Alex musste Albert stützen. Chris sah sich sogleich nach Jill um. Sie kam ihm eilig entgegen. Ihre Ankunft war bereits bemerkt worden.

„Chris!"

„Jill! Was ist hier passiert?!", fragte Chris alarmiert.

„Chris, gehen wir nach oben ins Büro. Claire wartet oben."

„Ja, OK. Geht's euch allen gut?! Ist jemand verletzt?!"

„Ich erzähl es dir gleich." Jill war sichtlich mitgenommen. „Ada, wenn Sie Leon suchen, er ist oben im Labor. Unsere medizinische Abteilung ist derart überfüllt, dass wir andere Räume belegen mussten", erklärte sie. „Helena muss auch dort oben sein." Sie warf Albert einen kurzen Blick zu.

Ada nickte nur, dann verschwand sie.

„Was ist los, Albert? Geht es dir nicht gut?", raunte Alex. Albert lehnte sich an eine Wand.

„Ich bin müde. Ich werde schlafen gehen. Ich möchte nicht zu den anderen gehen."

„OK, mach das", sagte Alex und nickte ermutigend mit dem Kopf. „Dann gehe ich nach oben und frage, was passiert ist. Wir sprechen dann morgen weiter, alles klar?"

Albert nickte schwach, dann trennte er sich von Alex und schritt davon. Alex eilte Chris und Jill in den zweiten Stock hinterher, wo sie sich in ihr Büro begaben. Claire saß zusammengesunken auf einem Stuhl. Als sie ihren Bruder und Alex Wesker sah, hellte sich ihr Gesicht auf und sie erhob sich sogleich.

Claire fiel Alex in die Arme. Ein Schluchzen entfuhr ihr.

„Hey, alles OK, es ist vorbei, Claire, du musst keine Angst mehr haben", sagte Alex und streichelte ihr trostspendend über den Kopf.

„Alex, die haben… Sherry! Sie ist weg! Sie haben sie entführt! Und wir konnten nichts machen. Und die haben Bella beinahe umgebracht!", sagte Claire unter Tränen.

„Was?!"

Claire nickte. „Ich hatte sie dabei und wir waren bei Sherry. Als das Licht ausging und die Typen uns angegriffen haben, hat sie uns verteidigt. Sie hat noch versucht, die davon abzuhalten, Sherry mitzunehmen. Die haben sie angeschossen! Sie musste weggebracht werden."

„Wo ist sie denn jetzt?", fragte Alex vorsichtig. „Ist sie…?"

„Nein, sie hat´s überlebt", sagte Claire. „Es gab einen Schuss und wir haben sie winseln gehört. Als wir kurz darauf den Strom wieder angestellt haben, haben wir sie auf dem Gang gefunden. Sie lag auf der Seite und hat sich nicht mehr gerührt. Um sie herum war lauter Blut. Sie wurde in eine Tierklinik gebracht. Ich habe aber noch nichts gehört, wie es um sie steht."

„Das tut mir so Leid, Claire."

„Oh, Chris." Jill lehnte sich haltsuchend an ihren Verlobten. „Ich bin so froh, dass ihr heil zurück seid."

Sie hatte einen Kratzer über ihrem rechten Auge und ihre Kleidung hatte Blutflecken und war an etlichen Stellen schmutzig und zerrissen. An ihrem linken Oberschenkel hatte sie sich die Haut aufgerissen.

„Jill, geht's dir gut?", fragte Chris sofort besorgt. „Was ist denn hier passiert?!"

„Chris, es ist furchtbar! Alex hatte Recht! Während ihr weg wart, haben die uns angegriffen und Sherry entführt!"

„Was ist passiert, Ms. Valentine?!", fragte Alex sofort.

„Es war schon spät am Abend. Plötzlich ist der Strom ausgefallen. Es gab diesen lauten Knall und dann ging der Schusswechsel los. Wir konnten nichts tun, die haben uns komplett überrannt. Sogar unsere Handys haben die lahmgelegt. Wir hatten keine Chance. Sie haben Sherry entführt. Wir glauben, dass es J´avo waren, keine gewöhnlichen Soldaten oder Agenten. Sie waren viel zu stark für uns."

„Oh nein", sagte Alex. „Ich… bin wirklich... Ich könnte mich ohrfeigen!"

„Wieso denn?", fragte Claire sofort.

„Weil wir ihnen in ihre Falle erst recht hineingetappt sind. In meinem Ehrgeiz, ihnen eben nicht in die Falle zu gehen, bin ich ihnen erst recht hineingelaufen. Albert zu entführen und Jake dort hinlocken zu wollen, war alles nur ein Vorwand. Die wussten ganz genau, dass Jake nicht kommen würde, sondern ich. Die haben es geschickt so eingerichtet, dass Albert und ich aus dem Weg sind und sie so freie Bahn auf Sherry haben."

„Verdammter Mist."

„Ist etwas passiert?", fragte Chris. „Wurde jemand verletzt?"

„Leider ja. Wir haben alle Schrammen und Blessuren davon getragen und sind ziemlich mitgenommen. Leon wurde in die Schulter geschossen und Helena ist eine Treppe hinuntergestürzt und hat sich ein paar Prellungen zugezogen. Sheva wurde durch eine Glasscheibe geschleudert und hat sich den ganzen linken Arm aufgeschnitten. Am schlimmsten hat es HUNK erwischt. Er war genau dort, wo die Typen ins Gebäude rein sind. Die haben ihn sofort niedergeschossen. Er hat Rebecca das Leben gerettet, weil er sie geistesgegenwärtig durch eine Tür zur Seite gestoßen hatte, aber er selbst hat fünf Kugeln abgekommen. Er musste in eine Klinik geliefert werden. Wir wissen noch nicht, wie es um ihn steht. Er muss notoperiert werden und es steht auf der Kippe."

„So ein verdammter Mist!", fluchte Chris. „Wir sind voll reingelaufen. Und jetzt haben die auch noch Sherry."

Alex lief sich erschöpft auf einem Stuhl nieder. Er schloss die Augen und schüttelte den Kopf. „Es ist meine Schuld. Ich habe die Situation völlig falsch eingeschätzt. Ich bin auf ihre Falle reingefallen. Es tut mir Leid."

„Alex…" Claire legte ihm ihre Hand auf die Schulter.

„Schuldzuweisungen bringen nichts", sagte Chris ernst. „Wir müssen Sherry finden und befreien. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was die mit ihr anstellen könnten. Wo ist Jake und wie geht es ihm?"

„Er hat versucht zu kämpfen", sagte Jill. „Aber er hatte keine Chance. Er wurde genau wie wir überwältigt. Er ist auch bei unserem Ärzteteam und lässt sich versorgen."

„Wo ist Albert?", wollte Chris wissen.

„Er wollte sofort in sein Zimmer", sagte Alex erschöpft. „Dorthin werde ich mich auch begeben. Unser Kampf… war ziemlich hart und wir brauchen Ruhe. Es bringt jetzt nichts mehr, wenn wir wieder gleich losstürmen."

„Alex hat Recht. Wir können Sherry im Moment nicht helfen. Wir müssen uns erstmal wieder sammeln und einen neuen Plan aufstellen. Die Verletzten haben jetzt Vorrang. Gönnen wir uns erstmal Ruhe."

Alex nickte, dann erhob er sich und schritt ohne ein weiteres Wort hinaus. Claire warf ihrem Bruder einen verzweifelten und traurigen Blick zu, dann folgte sie Alex nach draußen.


Alex begab sich auf sein Zimmer, wo er sofort erschöpft auf seinem Bett niedersank und das Gesicht in den Händen begrub.

Claire war sich unsicher, was sie tun sollte. Sie schloss die Tür vorsichtig, aber blieb an der Tür stehen. Nach dem Gespräch mit ihrem Bruder, hatte Claire viel nachgedacht. Sie wollte zu Alex gehen, aber zögerte, weil sie Scham überkam.

War es wirklich so eindeutig?, schoss es ihr durch den Kopf. Ihr Bruder hatte es gesehen, aber sie selbst hatte es nicht bemerkt. Sie hatte sich die ganze Zeit immer eingeredet, Alex und sie würden sich gut verstehen, weil sie beide gescheiterte Beziehungen hinter sich hatten und sie ihre Vergangenheit verband. Nie und nimmer hätte sie sich träumen lassen, dass sie doch wieder für jemanden Gefühl entwickeln würde. Hatte sie sich nicht vorgenommen, dass nie wieder passieren zu lassen? Welch kindische Vorstellung…

Schließlich überwand sie sich und ließ sich neben Alex auf dem Bett nieder. Sie genoss seine Nähe sehr und sie fühlte sich immer wohl bei ihm. Nach der ganzen Aufregung des Überfalls war sie froh, sich an eine starke Schulter anlehnen zu können. Dennoch war es irgendwie anders als vorher. Nachdem sie sich klargeworden war, was sie für ihn empfand, war jede Berührung anders, hatte sich das Band zwischen ihnen verändert.

„Deine Bella ist hart im Nehmen, die schafft das."

„Ich hoffe es", sagte Claire. „Und ich bete, dass Sherry nichts passiert." Sie spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen und langsam ihre Wangen hinabrannen.

„Nicht weinen", sagte Alex leise und wischte die Tränen vorsichtig mit seinem Daumen weg. „Wir können zumindest soweit zuversichtlich sein, als dass sie Sherry nichts tun werden, solange sie mit den beiden Kindern schwanger ist. Und das sind noch etliche Monate. Sie brauchen sie, wenn sie die beiden Kleinen wollen, also ist sie in gewisser Weise erstmal geschützt."

„Trotzdem."

Der Gedanken daran, dass Sherry und ihre Kinder in Gefangenschaft für irgendwelche Zwecke missbraucht werden könnten, ließ Claire einen eiskalten Schauer den Rücken hinunterlaufen. Sie rückte noch näher an Alex heran. Sein Körper strahlte viel wohltuende Wärme aus. Zaghaft ergriff sie seine Hand und drückte sie leicht. Sie schloss die Augen und die Müdigkeit brach über sie herein.

„Du hast es geschafft, Albert zurückzuholen", sagte sie müde.

„Claire? Ich würde gerne ins Bad", sagte Alex sanft.

Sie murmelte nur etwas zustimmendes, dann löste sie sich langsam von ihm und ließ ihn aufstehen. Sie folgte ihm ins Bad und sah zu, wie er sich langsam auszog. Als er ihr seinen nackten, muskulösen Rücken entblößte, näherte sie sich ihm vorsichtig von hinten, während sie nach und nach ihre Kleidung zu Boden gleiten ließ. Sie legte ihre Arme um ihn und lehnte sich an ihn.

Sie küssten sich, als sie gemeinsam unter die Dusche stiegen. Das warme Wasser war eine Wohltat für ihre erschöpften Körper. Alex merkte, wie die Anspannung endlich von ihm abfiel. Er ließ Claires Hände über seinen Körper gleiten und ihn mit Seife einreiben. Seine Hände fuhren sanft über ihre Hüften. Sie hatte vom Kampf ein paar Schrammen zurückbehalten. Alex´ Wunden waren schon lange verheilt, aber die Stellen, an denen Albert ihn geschlagen hatte, waren noch wund und es würde bis zum nächsten Morgen dauern, bis er sich vollständig erholt haben würde.

Claires sanfte Küsse und ihre zärtlichen Liebkosungen versetzten ihn in den willkommenen Zustand der Entspannung. Er wollte einfach nur schlafen.

Sie trockneten sich gegenseitig ab und schlüpften in leichtere Kleidung. Sie küssten sich weiter und näherten sich dem Bett.

„Dein Bruder… hat doch mit dir über mich gesprochen, oder?", fragte Alex leise.

„Ja", sagte Claire und ihre Hände strichen über seine Brust.

„Was hat er gesagt? Er macht sich Sorgen um dich, stimmt´s?"

Sie nickte schwach, dann sah sie ihm direkt in seine dunkelbraunen Augen. „Chris hat mir etwas klargemacht."

„Und was?"

„Das ich… total in dich verliebt bin, Alex Wesker."

Er sah sie entgeistert an und wusste nicht, was er sagen sollte. „Claire, ich…"

Sie legte ihm den Finger auf die Lippen und brachte ihn damit zum Schweigen.

„Sh, nein, sag nichts."

Sie küsste ihn erneut und die beiden sanken gemeinsam auf ihr Bett. Ein paar Augenblicke später waren sie eingeschlafen.


Leon stemmte sich vorsichtig mit einer Hand vom Labortisch, wo er gelegen hatte, hoch. Man hatte ihm einen provisorischen Verband um seine Schussverletzung in der Schulter gewickelt. Er trug den Arm jetzt in einer Schlinge.

Die vergangenen Stunden hatte er ständig an Ada gedacht. Nachdem er niedergeschossen worden war und ins Labor gebracht wurde, um medizinisch versorgt zu werden, hatte er viele Stunden Zeit gehabt, über einige Dinge nachzudenken.

Er kannte Ada seit 15 Jahren, seit ein paar Monaten waren sie ein Paar. Erst war es nur eine heimliche Liebschaft, mittlerweile war es offiziell mit ihnen geworden. Alle wussten Bescheid. Und jeder hatte Verständnis für sie.

Leon war durch ihre unzähligen Missionen bewusst geworden, dass er ohne Ada nicht mehr leben wollte. Ein Leben ohne sie war für ihn unvorstellbar geworden. Er wollte mit ihr zusammen sein. Er musste unweigerlich grinsen, dass er einmal solche Gedanken haben würde.

Eigentlich war er kein spießiger Typ. Er hatte sich immer als Lebemann gesehen, der sich nie fest binden wollte und der das Leben in Freiheit genießen wollte. Jetzt allerdings empfand er anders. Er wollte sein Leben mit Ada teilen, wollte den Rest seiner Jahre mit ihr verbringen.

Als er auf der Liege gelegen und an die Decke gestarrt hatte, während ihm ein Mitglied des Ärzteteams die Kugel aus dem Arm geholt hatte, war ihm schlagartig bewusst geworden, dass sein Leben nicht ewig so weiter gehen konnte. Er konnte nicht für immer Agent bleiben, er konnte nicht auf ewig für die Regierung sein Leben riskieren. Irgendwann war es damit vorbei.

Vielleicht schon sehr bald, denn Leon hatte keine Kraft mehr. Seit 15 Jahren Umbrella, Tote, Zombies… Er hatte nicht zum ersten Mal darüber nachgedacht, von seiner Arbeit zurückzutreten. Er wollte sein Leben zurückhaben. Er wollte wenigstens die letzten Jahrzehnte, die ihm blieben, für sich haben. Und er wollte sie mit Ada Wong verbringen…

Da war dieser absurde Gedanke, der sich seit einiger Zeit in seine Gedanken schlich und ihn nicht mehr losließ. Anfangs hatte er noch versucht, ihn zu ignorieren, aber der Gedanke hatte sich wie eine fixe Idee in seinem Kopf festgesetzt. Vielleicht sollte er mit Chris darüber sprechen…

„Leon, alles OK?", fragte eine sanfte Stimme und riss ihn aus seinen Gedanken. Ada trat auf ihn zu. Ihre Kleidung war weiß und schmutzig von Staub.

Er nickte schwach. Er hatte sie vermisst und war erleichtert, sie wohlbehalten vor sich zu sehen. Er setzte sich auf. Sie trat auf ihn zu und küsste ihn sanft auf die Wange. Ihre Hand glitt vorsichtig über seinen Verband.

„Bist du schlimm verletzt?", fragte sie leise.

„Nein. Du? Geht es dir gut?", wollte er wissen. „Ich habe mir Sorgen gemacht."

„Ja."

Er nahm sie in die Arme und sie lehnte sich an ihn.

„Ich brauche dringend eine Dusche." Ada nickte zustimmend. „Wir können hier ein Zimmer nehmen. Ich will nicht ins Hotel zurück. Das schaffe ich nicht mehr", sagte Leon. „Gehen wir."


Albert spritzte sich einen Schwall kaltes Wasser ins Gesicht, um sich zu erfrischen. Er hatte Schmerzen und konnte sich kaum noch auf den Beinen halten.

Er trocknete sich das Gesicht, als hinter ihm leise die Tür aufging. Er kannte die Schritte und den Geruch sofort. Er legte das Handtuch beiseite und wandte sich langsam um.

Helena Harper sah ihn eindringlich an. Zögerlich trat sie auf ihn zu. Wesker tat nichts, sondern beobachtete sie nur, wie sie sich ihm langsam näherte und sich vorsichtig an ihn lehnte. Sie legte ihren Kopf an seine Brust und ihre Arme um ihn. Sie schloss die Augen und genoss die Nähe zu ihm. Sie war froh, dass er heil zurückgekommen war. Wesker hob vorsichtig die Hand und strich Helena über den Rücken.

„Geht es dir gut?", fragte Helena, hob den Kopf und sah ihn an. „Haben die dir etwas angetan?"

Wesker verneinte mit einem leichten Kopfschütteln. Er war müde und ausgezehrt und seine Muskeln fühlten sich wund an. Der Kampf mit Alex hatte ihn stark geschwächt. Er hatte das Bedürfnis nach einer heißen Dusche. Er hatte überall Blut an sich und wollte endlich aus dem engen Anzug heraus.

Helenas Hände fuhren zärtlich über seinen Körper und sie half ihm, den schwarzen Anzug auszuziehen. Wesker fühlte sich erleichtert. Mit dem Gewand streifte er den letzten Überrest seiner Gefangenschaft und der Kontrolle der anderen über ihn ab. Sie drängte ihn ins Badezimmer, während sie sich selbst auszog.

Sie küsste ihn sehr zaghaft und zärtlich, während sie zusammen in die Dusche stiegen. Als Wesker mit seinen Händen über ihre Hüften und ihren Rücken fuhr, verkrampfte sie. Sie hatte zahlreiche blaue Flecken von ihrem Sturz davongetragen.

Das warme Wasser war wohltuend, wie es auf sie niederprasselte. Das Wasser verfärbte sich rot, als Helena vorsichtig mit einem Schwamm das vertrocknete Blut von Weskers Körper wusch. Sie küsste ihn, während ihre Hände über seine Haut glitten. Wesker wehrte sich nicht gegen sie. Sie drückte ihn mit sanfter Gewalt gegen die Wand; er ließ es geschehen.

Er spürte, wie ihn seine letzte Kraft verließ und die Müdigkeit über ihn hereinbrach. Als sie ins Zimmer zurückkamen und sich abgetrocknet hatten, sanken sie zusammen auf das Bett. Sie küssten sich weiter.

Wesker war dankbar, sich endlich legen zu dürfen. Sein Körper schmerzte vom Kampf und brauchte die letzte Energie, sich zu regenerieren. Er wollte nur schlafen. Helena küsste sanft seinen Hals. Ihre Finger streichelten über seinen Oberkörper, aber auch sie war völlig erschöpft. Ihre Liebkosungen wurden weniger und halbherziger und schließlich sank ihr Kopf auf seine Brust. Sie atmete tief durch, dann war sie eingeschlafen.

Wesker merkte kaum, wie er in tiefen Schlaf sank.

Er fand sich zuerst in einem Wirbel aus Farben wieder und träumte von wild durcheinander gewürfelten Bildern, die absurd und ohne Sinn waren. Dann stand er plötzlich in einem breiten Flur und William kam auf ihn zu. Er erzählte ihm von seinen erfolgreichen Experimenten und führte ihn in ihr Labor, wo sie zusammen gearbeitet hatten. William wies auf ein Problem hin, bei dem er nicht weiterkam, und bat Wesker um Hilfe. Als Wesker widersprach, dass er nicht weiterwusste und seinem Kollegen nicht helfen konnte, schüttelte William den Kopf und sah ihn mitleidig an. Er wiederholte, dass Wesker die Antwort kennen würde und wandte sich wieder seiner Arbeit zu. Er sprach weiter mit Wesker, doch seine Stimme wurde allmählich leiser und erstarb schließlich ganz.

An seine Stelle trat die andere Stimme, die er in der Forschungsanlage nach seinem Kampf mit Alex gehört hatte. Die Sätze wiederholten sich stetig und wurden lauter, bis Wesker schließlich die Augen aufschlug und von hellem Sonnenlicht geblendet wurde.

Er brauchte einen Moment, um sich zu orientieren, dann setzte er sich auf. Helena ließ ein leises Brummen verlauten und sah ihn verschlafen an.

„Was ist los?", fragte sie.

Er sah sie entgeistert an und fragte sich für einen Moment, warum sie bei ihm lag, dann schüttelte er den Kopf, stand auf und suchte sich seine Anziehsachen zusammen. Er wusste genau, was er zu tun hatte. Er musste dringend mit Alex und den anderen sprechen.


Sie hatten sich diesmal um einen runden Tisch in der Kantine versammelt, weil Chris, Jill, Claire, Alex, Leon, Ada Wong und Rebecca alle zusammen dort gefrühstückt hatten. Sheva, Piers und O´Brian waren hinzugekommen. Shevas Arm war bandagiert, Leon trug seinen verletzten Arm in der Schlinge. Der einzige, der fehlte, war Jake.

„Wo ist mein Sohn?", fragte Albert.

„Er kommt nicht. Er hat sich irgendwohin verkrochen. Er will nicht mehr mit uns reden", sagte Chris seufzend und mit einem gewissen Anflug von Bitterkeit in der Stimme. „Er ist wütend, aber auch ziemlich am Boden wegen Sherry."

„Verständlich", sagte Sheva. Sie benutzte unbeholfen ihre andere Hand, um ihren Kaffee umzurühren.

„Geht es Ihnen beiden gut?", fragte O´Brian.

„Ja. Wir sind soweit in Ordnung", sagte Alex.

„Warum wolltest du uns sprechen?", fragte Jill an Albert gewandt.

„Ich denke, dass ich weiß, wer dahinter steckt", sagte Albert langsam.

„Was?!"

Alle starrten Albert fassungslos an.

„Als ich Albert befreit habe", ergänzte Alex. „Da offenbarte sich uns die ominöse Person. Wir haben sie nicht gesehen, denn sie hat über einen Lautsprecher mit uns gesprochen. Albert meinte aber, er hätte die Stimme erkannt."

„Wirklich?", fragte Helena. „Und wer ist es?"

Albert schritt langsam mit verschränkten Armen durch den Raum. Sein Gesicht war unergründlich.

„Ich kenne den Namen der Person nicht, das gebe ich zu", fuhr Albert fort. „Aber ich weiß, dass die Person etwas mit Spencer und Umbrella zu tun hat."

„Habt ihr das nicht ohnehin schon vermutet?", fragte Jill.

„Ja, Albert und ich haben uns gefragt, woher die vielen Anklänge an Umbrella kommen, vor allem die Anlage in Alaska hat uns stutzig gemacht. Außerdem ähnelt der Plan dieses Mannes in groben Zügen dem, was Oswell E. Spencer einst geplant hat."

Albert nickte. „Genau, das alles… kam mir schon länger sehr komisch vor. Und als ich diese Stimme dort in dieser Unterwasseranlage gehört habe, da…"

„Was hat es mit der Stimme auf sich?", fragte Chris. „Wenn du etwas weißt, dann sag es bitte."

„Es war Mitte der 80er Jahre, ich habe noch zusammen mit William in den Arklay Mountains geforscht. Eines Tages bat mich Spencer zu ihm zu kommen. Ich sollte ihm ausführlich unsere Forschungsergebnisse darlegen. Er war damals in seinem Sommerhaus in Kalifornien, sodass ich eine längere Zugreise in Kauf nehmen musste. Es war später Abend, als ich dort ankam. Spencers Butler Patrick hat mich zu Spencers Arbeitszimmer geführt, aber ich musste warten. Es hieß, dass noch jemand bei Spencer war."

Alle lauschten gebannt Alberts Worten.

„Ich konnte von dem Gespräch nichts hören, denn es fand hinter geschlossener Tür statt, allerdings wurde das Gespräch irgendwann sehr lautstark. Spencer war sehr verärgert. Er sagte sehr laut und wütend, dass weder er noch Umbrella sich von irgendjemandem erpressen lassen. Der zweite antwortete, dass… sich das noch zeigen würde. Kurze Zeit darauf rief mich Spencer zu ihm. Ich sah den anderen Mann nicht, er muss das Zimmer auf anderem Weg verlassen haben. Ich kann mich aber erinnern, wie nervös und beunruhigt Spencer war."

Auf seine Worte folgte eine kurze Zeit des Schweigens. Alle ließen Alberts Worte auf sich wirken. Schließlich ergriff Helena das Wort:

„Das, was du gesagt hast, hört sich für mich so an, als hätte jemand versucht, Oswell Spencer und die Firma Umbrella zu bedrohen und zu erpressen und Spencer war davon nicht angetan."

„Ja, das steht schon mal fest", sagte Alex. „Aber das heißt, der einzige Satz, den du gehört hast, war `Das wird sich noch zeigen.´ Bist du dir wirklich sicher, dass es derselbe Mann war wie in dieser Anlage gestern? Das scheint mir wage, Albert."

„Ich bin mir absolut sicher, dass es derselbe Mann war", sagte Albert entschieden und mit Bestimmtheit in der Stimme. „Die Stimme war einprägsam für mich, weil ich es noch nie erlebt hatte, dass jemand in der Lage war, Oswell E. Spencer so zu verängstigen. Zudem hatte ich mich kurz davor von einer Frau getrennt, mit der ich zusammen gewesen war. Die Zeit ist deswegen ganz genau in meinem Gedächtnis geblieben."

„OK", sagte Chris ein wenig skeptisch. „Das klingt aber wirklich wage. Was für einen Zusammenhang sollte es geben?"

„Ich bleibe dabei, es war derselbe Mann", sagte Albert. „Und der Zusammenhang, Chris, sollte eindeutig sein. Er verfolgt im Ansatz denselben Plan wie Spencer. Er will die Menschheit mit Hilfe eines Virus verändern, sodass eine perfekte Welt entstehen kann, ohne Krankheit und Siechtum. Er benutzte eine von Spencer eingerichtete Forschungsanlage, die nur wenigen Menschen bekannt und zugänglich war. Er kennt Alex und mich äußerst gut. Außerdem ist da noch etwas anderes."

„Was?", hakte Jill nach.

„Mir kam damals das Gerücht zu Ohren, dass Spencer Probleme mit jemandem hatte. Und dass es auch die Firma betraf. Ich sehe einen Zusammenhang", sagte Albert.

„Das heißt, du glaubst, die Person, die Spencer damals erpresst hat, steckt auch hinter diesem Masterplan?", fasste Helena zusammen.

„Ganz genau."

„Aber wie sollen wir herausfinden, ob du Recht hast? Das sind wirklich wilde Spekulationen", warf Alex ein.

„Tut mir Leid, aber das bringt uns nicht weiter", sagte Chris enttäuscht.

„Vielleicht ja doch", warf Jill ein. „Überlegt mal, wenn es wirklich damals Ärger für Spencer gab, welcher Art auch immer, dann muss ja irgendetwas vorgefallen sein. Mag auch niemand von außen etwas mitbekommen haben, aber Spencer konnte das nie und nimmer so geheim halten, dass es keine Beweise gibt. Mögen Umbrella und selbst Alex und du nichts darüber erfahren haben, ein bestimmter Jemand muss es wissen."

„Auf was willst du hinaus, Jill?", fragte Albert.

„Ganz einfach, du hast ihn doch eben erwähnt. Patrick, Spencers alten Butler."

Sie sahen sich fragend an.

„Der Mann war bei Spencer, also gehe ich davon aus, dass Patrick ihn mindestens einmal an diesem besagten Abend gesehen hat. Er hat doch Spencer jahrzehntelang gedient. Wenn es jemand wissen könnte, dann er."

„Soll das heißen, wir sollen diesen alten Butler suchen?", sagte Chris kopfschüttelnd. „Nein, wie soll das gehen? Was, wenn er gar nicht mehr am Leben ist? Er muss ebenfalls sehr alt sein."

„Patrick müsste ungefähr in Spencers Alter sein, falls er nicht bereits verstorben ist", sagte Alex und rechnete in Gedanken. „Spencer wäre bereits über 80, würde er noch leben. Sein Butler muss fast genauso alt sein. Er hat als junger Mann angefangen für Spencer zu arbeiten. Ich kann mich sehr dunkel aus meiner Kindheit an ihn erinnern."

„Jills Vorschlag ist nicht unklug", sagte Albert. „Patrick ist der einzige, der uns weiterhelfen könnte. Er hat mit Sicherheit über all die Jahre einige Dinge erlebt, die Spencer vor der Öffentlichkeit und der Außenwelt verborgen hat."

„Chris, das ist wirklich keine blöde Idee", stimmte Claire zu. „Wenn wir diesen Butler finden, vielleicht bringt er uns endlich weiter."

Chris und Jill wechselten einen Blick miteinander.

„Wie ich sehe, komme ich wohl zum rechten Zeitpunkt", sagte plötzlich eine Stimme hinter ihnen. Alle wandten sich um.

Ingrid Hunnigan trat auf sie zu. Sie trug ein blaues Businesskostüm und hatte eine Aktentasche bei sich.

„Hunnigan?", sagte Leon. „Was machen Sie hier in New York?"

„Der Präsident schickt mich hierher. Und wie ich sehe, komme ich genau richtig. O´Brian hat mich telefonisch bereits über die Geschehnisse unterrichtet. Ich habe gehört, dass Agent Birkin entführt wurde."

„Ja. Sie haben die B.S.A.A. überfallen, während Alex Wesker, Ada Wong und ich in eine Forschungsanlage der Familie eingedrungen sind, um Albert Wesker zu befreien", erklärte Chris. „Es war eine Falle."

„Es war mein Fehler", sagte Alex. „Ich habe…"

„Nein, Alex!", unterbrach Claire ihn. „Es war nicht dein Fehler! Du wolltest nur Albert retten und Jake beschützen. Außerdem hast du uns gewarnt, dass so etwas passieren würde. Nur aufgrund dessen haben wir überhaupt Wachposten aufgestellt und waren alarmiert, dass etwas passieren könnte. Niemand konnte wissen, dass sie uns so angreifen würden."

Alex widersprach nicht, aber es war ihm anzumerken, dass er Claires Meinung nicht teilte. Er verschränkte die Arme und sah nach unten.

„Wie dem auch sei", sagte Hunnigan. „Wir müssen dringend etwas unternehmen, um Sherry Birkin zu befreien. Außerdem hat die Vereitelung des Plans unserer Feinde ebenfalls oberste Priorität. Wir müssen sie unbedingt daran hindern, den Virus über das Wasser zu verbreiten."

„Ja. Albert Wesker hat angedeutet, dass er etwas weiß. Vielleicht sind wir demjenigen auf der Spur", meinte Jill. „Erzähl nochmal, wer uns weiterhelfen könne."

„Wir müssen den ehemaligen Butler von Oswell E. Spencer finden", erklärte Albert. „Sein Name ist Patrick. Der Nachname lautet, glaube ich, Langdon."

Ingrid Hunnigan überlegte kurz. „Patrick Langdon sagen Sie? Der D.S.O. könnte versuchen, ihn ausfindig zu machen. Wo könnte er am ehesten sein?"

„Spencer versteckte sich kurz vor seinem Tod durch mich in seinem Anwesen in England. Patrick hat ihm dort gedient, bis er entlassen wurde. Da er, wie auch Spencer selbst, Brite ist, dürfte er in England geblieben sein", sagte Albert.

„Und da er kein gesuchter Verbrecher oder Terrorist ist", fügte Jill hinzu. „Dürfte es bei Weitem einfacher sein, ihn zu finden."

„Ich werde mich darum kümmern", versicherte Hunnigan und verließ die Kantine. Im Gehen nahm sie ihr Mobiltelefon zur Hand und rief in Washington an. „Ich sage Ihnen Bescheid, wenn wir etwas herausgefunden haben."


Nach dem Gespräch bat Albert Alex ins Labor.

„Was ist nach dem Kampf mit Sheila passiert?", fragte er ohne Umschweife. Er wollte antworten. Er konnte sich nur an einen kurzen Schmerz erinnern, dann aber klaffte ein großes schwarzes Loch in seinem Gedächtnis. Seine Erinnerung setzte erst wieder ein, als er mit Alex in der Forschungsanlage unter Wasser gewesen war. Dazwischen wusste er nicht, was passiert war.

„Die haben dir ein zweites Mal das Halsband verpasst, mit dem sie dir die Droge infiziert haben, um dich zu kontrollieren", erzählte Alex. „Nachdem Sheila vernichtet wurde, bist du verschwunden. Die haben dich in diese Unterwassereinrichtung dirigiert. Wir haben die ganze Stadt nach dir abgesucht, aber dich nicht gefunden. Kurze Zeit darauf haben wir ein Video von ihnen bekommen, auf dem du zu sehen warst. Sie wollten, dass Jake kommt." Alex seufzte. „Dein Sohn wollte dich sofort befreien. Auch die anderen wollten sofort nach dir suchen. Aber ich habe gesagt, dass es eine Falle sein wird. Deswegen sind nur Chris Redfield, Ada Wong und ich dorthin gegangen. Auf dem Video war auch dieses Mädchen, das Testobjekt, zu sehen, von dem sie das Hormon abzapfen. Ich war mir sehr sicher, dass… sie uns in eine Falle locken wollten, um freie Bahn auf Sherry zu haben. Und offenbar hat sich mein schlimmer Verdacht bewahrheitet. Sherry wurde tatsächlich entführt."

Albert hatte Alex den Rücken zugewandt und betrachtete den Mäusekäfig, in dem das Versuchstier wohnte.

„Was ist mit der Maus passiert?", fragte er.

„Ach ja, das weißt du ja auch noch nicht. Wir haben endlich ihre Jungen untersuchen können."

Alex brachte Albert auf den neusten Stand und erläuterte ihm ihre grausigen Entdeckungen.

„Das darf doch nicht wahr sein", murmelte Albert, während er Alex´ Erzählungen mit ihrem Bericht im Computer verglich. Er besah sich die Fotos der entstellten Tiere.

„Es ist wahr", sagte Alex bitter. „Diese Leute werden die Welt zerstören, wenn wir sie nicht aufhalten. Es wird jeden treffen, Albert, dank des Netzwerkes, das sie aufgebaut haben. Es war alles geplant mit den Yamamotos. Diese Typen haben die Firma im Hintergrund gesteuert, um das alles so einzufädeln."

Albert nickte. Er rief Rebeccas und HUNKS Recherchen auf und überflog das Organigramm der Firma AquaSystemTex.

„Es war alles kein Zufall, Albert."

„Ja. Die wollen also die ganze Welt mit diesem Virus infizieren, indem sie das Trinkwasser von Milliarden Menschen vergiften?"

„Ja. Und wir können davon ausgehen, dass sie nichts von der verheerenden Wirkung des Virus wissen. Sie haben keine Ahnung, dass er schon in zweiten Generation tötet."

„Wir müssen sie aufhalten, so viel steht fest", sagte Albert. Er ballte seine Hand zur Faust. „Und diesmal werden die dafür bezahlen, was sie mir angetan haben."

„Albert, da gibt es noch etwas", sagte Alex vorsichtig. „Ich… Um dich von dem Kontrollgerät zu befreien, musste ich dich töten. Nur so konnte ich es dir vom Hals reißen. Du konntest dich danach nicht mehr richtig heilen. Ich musste dir ein Medikament geben, dass ich zum Glück dabei hatte."

Albert brauchte lange, bis er antwortete. „Ja. Ich weiß."

„Du konntest dich nicht richtig heilen. Das war ziemlich knapp. Sind deine Wunden wenigstens jetzt komplett verheilt?"

„Soweit ich sehen konnte, ja. Ich fühle mich aber sehr schwach. Das habe ich noch nie erlebt. Irgendetwas stimmt nicht."

„Ja", sagte Alex. „Soll ich mir dein Blut nochmal ansehen?"

„Nein", erwiderte Albert sofort. „Ich möchte es selbst tun. Aber jetzt noch nicht. Viel wichtiger ist, dass wir Patrick finden und befragen können. Und wir müssen Sherry befreien."

„Da ist noch etwas", fügte Alex hinzu. „In dieser Forschungsanlage befand sich wie gesagt das Mädchen. Wir müssen nochmal dorthin zurückgehen und sie rausholen. Nachdem sie sie immer noch für ihre Zwecke missbrauchen, können sie das Hormon offenbar immer noch nicht synthetisch herstellen. Wenn sie noch auf das Mädchen angewiesen sind, dann könnten wir ihnen damit empfindlich schaden. Außerdem ist sie körperlich in einem schlechten Zustand. Sie braucht dringend adäquate Versorgung. Wir müssen sie befreien."

„Gut", sagte Albert. „Machen wir uns an die Arbeit."


Wesker fand Jake im Trainingsraum, wo er auf sehr brachiale Art und Weise einen Boxsack bearbeitete. Wesker blieb zuerst einige Zeit an der Tür stehen und beobachtete seinen Sohn, dann trat er nach vorne in die Mitte des Raumes.

Er musste zugeben, dass Jake eine gewaltige Schlagkraft besaß. Auch wenn er im Moment von blanker Wut getrieben nur auf den Sandsack eindrosch, war seine Technik dennoch beachtlich. Wesker wäre ihm gern einmal in einem Zweikampf gegenübergestanden.

Jake lief der Schweiß übers Gesicht. Seine Haut glänzte im Licht und sein T-Shirt war durchgeschwitzt. Er musste schon eine ganze Weile hier sein. In seinem Blick lagen Zorn und Verachtung. Gedanklich schlug er mit Sicherheit auf Sherrys Entführer ein.

„Deine Technik ist sehr beeindruckend", sagte Wesker.

Jake warf ihm nur einen kurzen Blick zu, dann begann er mit ein paar Beintechniken.

„Ich hoffe, ich habe dich nach dem Kampf mit Sheila nicht verletzt?"

Jake hielt kurz inne. „Nein." Dann schlug er weiter mit den Fäusten auf den Sack ein.

„Wir finden sie, Jake, da bin ich sicher."

Jake schnaubte, schüttelte den Kopf und stoppte in seiner Bewegung. Der Sack schwang hin und her.

„Ach ja?!" Er ließ die Arme resignierend nach unten fallen.

„Und wie sollen wir das anstellen?! Hast du irgendeinen Plan?! Wir wissen doch noch nicht mal, wo wir suchen sollen!"

Er trat vor seinen Vater und sah ihm direkt ins Gesicht. Sie waren auf Augenhöhe.

„Seit Monaten rennen wir irgendeinem Gespenst hinterher und sind wir auch nur irgendeinen Schritt weitergekommen?! Nein! Wir haben weder Faith, noch dieses andere Mädchen gefunden und wissen sonst auch nichts. Wir haben keinen Plan. Und die?!" Aus Jake sprach Verzweiflung. Er wandte sich ungeduldig ab.

„Ich verstehe dich, dass du wütend bist, Jake", sagte Wesker vorsichtig. „Wir finden Sherry. Wir haben einen neuen Hinweis, dem wir nachgehen und…"

„Ach, mal wieder einen Hinweis, ja?", meinte Jake sarkastisch. „Hatten wir davon nicht schon genug?! Hat uns das bislang irgendwie geholfen?"

Er wandte sich wieder dem Boxsack zu.

Wesker trat auf seinen Sohn zu und fasste ihn am Ellbogen, als dieser gerade zuschlagen wollte. Er zwang ihn sich umzudrehen. Entgeistert blickte Jake seinen Vater an.

„Jake, hör mir zu", sagte Wesker eindringlich. Sie sahen sich tief in die Augen. „Wir werden Sherry finden und zurückbringen. Ihr und den beiden Kindern geht es gut. Hörst du, was ich sage? Es bringt nichts, jetzt die Nerven zu verlieren."

Jake atmete tief durch. „Ich konnte nur zusehen, wie sie sie weggeschleppt haben. Ich konnte nichts tun. Ich hab sie einfach gehen lassen. Weißt du, wie ich mich fühle?!"

„Nein, Jake, das weiß ich leider nicht, aber ich weiß eines ganz sicher: Wir werden sie zurückholen. Und ihr wird nichts passieren."


Ingrid Hunnigan meldete sich drei Tage nach ihrer Rückkehr und dem Überfall auf die B.S.A.A.- Hauptzentrale. Der Butler Patrick war tatsächlich in Großbritannien ausfindig gemacht worden.

„Wir müssen uns aber beeilen", sagte Hunnigan. „Patrick lebt in einem Pflegeheim in London. Er ist schwer krank und hat nicht mehr lange. Ich organisiere einen Flug für Sie."


Jill überkam ein mulmiges Gefühl, als sie den Londoner Flughafen ansteuerten. Das letzte Mal, als sie hier gewesen war, waren nur sie und Chris alleine gereist. Ihr Ziel war damals ein altes Herrenhaus abgelegen in den Bergen gewesen, wo sie laut einer verlässlichen Quelle Oswell E. Spencer antreffen sollten. Der Mann, der jetzt mit ihnen im Flugzeug saß, war das eigentliche Ziel ihrer Suche gewesen: Albert Wesker.

Jill musterte ihn einige Zeit, während er leise mit Alex Wesker sprach, doch sie musste bald den Blick abwenden. Ein paar Bilder waren vor ihrem geistigen Auge erschienen, die sie vergessen wollte. Sie merkte, wie ihr Herz anfing, heftig zu schlagen, obwohl sie still auf ihrem Platz saß und sich nicht bewegte.

Alberts Anwesenheit hatte immer noch eine gewisse Wirkung auf sie, trotz der vielen Jahre, die zwischen dem fatalen Sturz aus dem Fenster und ihrer Gefangenschaft vergangen waren und trotz der intensiven Therapiestunden, die sie danach hatte absolvieren müssen.

Sie rief sich eine Übung ins Gedächtnis, die ihr ihre Therapeutin beigebracht hatte, und entspannte sich. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass jeder Muskel ihres Körpers völlig verkrampft und angespannt war.

In der S.T.A.R.S.- Zeit hatte sie einige Zeit für Albert Wesker geschwärmt. Als kurze Zeit darauf die Wahrheit über ihn ans Licht gekommen war, hatte sich Jill in Grund und Boden geschämt. Nachdem sie aus dem Fenster gestürzt waren, hatte sie eigentlich damit gerechnet, nie wieder aus der Dunkelheit zu erwachen. Alles, was sie gewollt hatte, war, Chris zu beschützen und Wesker mit sich in den Tod zu reißen. Die Erkenntnis überlebt zu haben und seine Gefangene zu sein, war ein großer Schock gewesen. Sie war Wesker in dieser Zeit näher gekommen, als es ihr lieb war. Er hatte sich um ihre Verletzungen gekümmert und ihr damit das Leben gerettet. Er musste sie dabei aber mehrmals nackt gesehen haben. Er hatte ihren Körper mit einer Droge unter Kontrolle gehalten. Sie hatte an all die Dinge, die sie getan hatte, zum Teil nur vage Erinnerungen. Eine ihrer größten Ängste war, dass er ihre Situation unsittlich ausgenutzt haben konnte. Der Gedanke daran hatte sie lange gequält. Später war ihr klar geworden, dass er so etwas nie getan hätte. Das war nicht Albert Weskers Stil.

Sie rückte näher an Chris heran. Sie war froh, ihn zu haben. Albert Wesker war zum Glück Vergangenheit.

Ihre Kollegen aus London nahmen sie am Flughafen in Empfang und fuhren sie zu einem alten Gebäude, das sich mitten in der Stadt befand. Das Pflegeheim befand sich seit den 50er Jahren dort, Patrick Langdon, der ehemalige Butler von Oswell E. Spencer, wohnte dort seit 2007, nachdem er aus seinem Dienst im Spencer- Haushalt ausgetreten war.

Eine Pflegerin, eine Frau mittleren Alters, führte sie in den zweiten Stock, wo Patrick sein Zimmer hatte. Man hatte der Heimleitung die Dringlichkeit der Situation klargemacht, dennoch waren Chris, Jill und die beiden Wesker angehalten worden, ihre Befragung möglichst kurz zu halten, um Patrick nicht zu sehr anzustrengen. Er war zwar geistig völlig klar, aber körperlich stark geschwächt.

Der alte Mann hatte sich im Bett aufgesetzt und erwartete die vier bereits. Sein Blick wanderte sofort zu Albert und Alex und sein Gesicht hellte sich auf.

„Albert und Alexander Wesker", sagte er mit schwacher, krächzender Stimme. „Ich hätte nicht gedacht, euch noch einmal zu sehen. Es ist viele Jahre her."

Patrick Langdon hatte graues Haar und sein Gesicht war von tiefen Falten gezeichnet. Seine Hände waren spinnenartig und seine Finger zitterten. Seine Haut war von Altersflecken gezeichnet. Die lange Krankheit hatte ihn ausgezehrt und geschwächt. Ingrid Hunnigan hatte nicht übertrieben, als sie sagte, dass der alte Mann nicht mehr lange zu leben hatte.

„Patrick", sagte Albert und nickte.

„Hat man Ihnen gesagt, warum wir hier sind?", fragte Chris höflich.

„Man sagte mir, dass jemand dringend mit mir sprechen müsse", sagte Patrick. „Jedoch hätte ich nicht erwartet, euch beide hier anzutreffen." Er deutete mit einem knorrigen Finger auf die beiden Wesker. „Was wünscht ihr von mir?"

Alex näherte sich dem Bett und nahm auf dem Stuhl davor Platz. „Patrick, wir sind hier, weil wir dringend Ihre Hilfe benötigen."

„Meine Hilfe? Wie könnte ich euch weiterhelfen?"

„Wir müssen etwas Bestimmtes wissen", erklärte Alex und warf Albert einen kurzen Blick zu. Dieser trat ebenfalls zum Bett.

„Patrick, erinnern Sie sich an einen bestimmten Abend, als mich Spencer zu sich bat. Es war in den 80er Jahren, er war in Kalifornien in seinem Sommerhaus. Sie haben mir damals die Tür aufgemacht. Ich konnte aber noch nicht sofort zu ihm, weil er noch einen anderen Gast hatte. Spencer hatte mit dem Mann einen Streit. Es ging darum, dass Spencer und Umbrella sich nicht von jemandem erpressen lassen wollen. Wir sind hier, weil wir wissen möchten, ob sie sich an den Mann erinnern, der damals bei Spencer war."

Patrick sah nachdenklich drein. Zuerst sah es so aus, als hätte er Alberts Worte nicht verstanden.

„Patrick, alles in Ordnung?", fragte Alex.

„Ja, ja", sagte der alte Mann. „Ich bin nur verwundert, dass ihr etwas über ihn wissen wollt. Nach all den Jahren…"

„Über wen?! Können Sie sich erinnern?"

„Ich kann mich in der Tat daran erinnern", erklärte Patrick langsam. „Dieser Abend hat meinen Herren sehr verändert. Er ist mir immer im Gedächtnis geblieben."

„Bitte, erzählen Sie uns, wer damals bei Spencer war. Wir müssen es unbedingt wissen", sagte Albert mit Nachdruck. „Sie müssen sich erinnern."

Patrick atmete tief durch.

„In all den Jahrzehnten, die ich für Spencer gearbeitet habe, die ich ihm bedingungslos gedient habe, habe ich viele Dinge gesehen, über die ich nie gesprochen habe. Es waren Dinge, mit denen ich nicht einverstanden war, aber die ich ohne zu Fragen hingenommen habe."

Alberts Herz klopfte wie wild und er merkte gar nicht, wie er den Atem angehalten hatte.

„Aber dann gab es diese eine Sache, die über alle anderen hinausging. Die mich sehr mitgenommen hat. Ich habe nie darüber gesprochen und das Geheimnis für mich bewahrt."

„Patrick, wer ist der Mann?"

„Der Name des Mannes ist Elliot Maxwell Spencer. Oswell E. Spencers Sohn."